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Full text of "Cäcilia: Eine Zeitschrift für die musikalische Welt"

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C d c i I i a 



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Zeitschrift 



jVLr die 



mu^ihaXi^t^t Witn 



h e ra us^egeboa 

if on einem Vereine von Gelehrten 

w 

Kunstverstdndigen und Kiinstlern. 



Vittitx Hiantt 

dn thai tend Heft iS, 149 i5, 16. 

Mit vier Zeiclinungen und zwei Notenblattern 9 
ncbst Intelligenzblatt Nr. i3 bis 16. 



» ~ * 



Mainz 

Im Verlagc der Hof-Musililiandlung iron B. Schott*8 Sohneo. 

18 2 6. 



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• • « » 



1^ 



^ 



I n h a 1 t 



d s 



vierten Bandes der Gdcilia. 



Alls dem Nachlassd eines jnngen Kiinstlers, einc 

musikalische Skizze, von L. Reltstah, 3* i* 
Sinfonie concertante pour Fliito, Hautbois, Cor et Bas- 

8on, ay. Orch., par hindptdntner ^ Nr. i et a, rec. r. 

Breidenstein^ S. 4^ 
Die Aura, akuatisch und musilialisch betrachtet, von 

GPV. S. 49. 
Ala ich Hoc lis Mundharmonica vernahm; rom 

Hang. S. 62. 
Das Ni ederrheinischQ Musikfesty i8a5 in Achen, 

Ton F, S. 63* 
Charade, von Fr, Mar lame. S. 70. 
Psalmus 128, comp. von F. Danzig rec. von Dr. GasS" 

ner. S. 71. 
Berlin i™ «7ahr 1825, von S. d, K, L, C. S. 73. 
Beliquie Hill era, von F. -<^. Hdser, S. 864 
Die heiligo Cacilie, yon ^i. Sehreiber, S. 87^ 



I 



Teutschland im ergten Viertel des neuen JahrliundertSy 

Betrachtungen eines Musilifreundes ; yon GW, S. 89. 

Potpourri pour le Basson, ay. Orch. ou Pianof* par 

C. Almenrader Op. 3; — Deux Duos pour deux 

Bassons, par AlmenrSder, Op. io.;rec. yon G^^ S. ii3. 

Die £clith«it des Mo sartsc^en Requiem betref- 

fend, yon der B^d; S. 120. yergl. S. 167. 
Scliropfkdpfe, fur Componisten, Operndichter , San- 
gerund Publicum; YovLSievers^ zweite Lieferung. S. 131. 
Tiefes Anliegen; yon F. ^. Jung, S. i33. 
Denlimiinze auf C« M, v. Weher yon G. R. Kriiger; 

yon der Red* 6. i,34« 
Fratica d^accompagnamento sopra Bassi numera- 
ti, e contrappunti a piu yoci sulla scala ascendente e 
discendente maggiore^ jc minore etc. da Stanislao 
Mattel; rec. yon GPV. S. i35. 
€ fa o r und Choral, zwei Artiliel aus Gfr. p'Fehers ma- 
sical. Lexikon. S. i^u 
I. Chor. S. 141 • 
II. Choral. 8. i47* 
Melod'ie, Harmonie; ron F, V^, Jung. 8. i54* 
Beitrage zur akustiscfa-physiologisehen Erlila- 
rung der menscblichen Singstimme. 8. i55* 
I. Befaierlitingen liber ilie miDnschliche Stintme, yer- 
anlasst durch Gfir. Webers Abhandlung in der C&' 
cilia 1. Bd, i.Hfk;.; yon Dr. £. F. F, Chladni, S. i57. 
JI. Bemerl&ungen iiber Gfr. Webers physiologisch - 
akttstiscbe Ifypothese • im BetrefF der menschlicl^Mi 
Stimme; yon Dr. K, F. S. Liskovius, ausiibendem 
Arste in Leipzig. S. 161. 
Anzeige iiber die Frage yon der Echtfaeit d-esMo- 
sartscben Requiem; von' A. Andre. 8. 167. (ycrgl. 
8. 120.) 
Robin des Bois, oules trois balles, Op^a imit^ do 
iDec ffye^fd^fit/ Paroles de Gastii-Blaze; von der 
B,ed. a, 170; 



\ 



Ansdruclc in cler Musili; von A, VF^ndu S. 173. 
Correspondenif Carlsruhe im Febr. i8a6. S. 187. 
Losung der Charade auf Seite 70, S. 188. 
Welle nl eh re von E. H. und W. Weber^ angeseigt, 

mit besonderer Beziehong auf die Tonlehre nnd mit 

einigen Bemerkungen, yon £. F. F. Chladni, S. 189. 
Gemiissigte Vorstellttng des Balgetreters Windner 

an seine hohen Herren Kirchenyisitatoren. S* 21 3. 
Losung der Charade im 3. Bde* S. 992. S. 2i4* 
Theoretisch-praktischc Oboe-jSchule yon Sellner, 

rec. yon /. v. Seyfried* S. 2i5. 
Nachschrift der Redaction. S. 223. 
Nachtrag zu den yerschiedenen Ldsungen der Aufgabe- 

eines Canons iiber einen Choral, -von C, Mo* 

sche. S. 224/ 
Z a c h ; yon F. TV. Jung, S. 225. 

Vormalige Stimmung des Contrayiolons., S. 228. 
Abhandlung iiber die Menschenstimme, yon Felm 

Savart^ mit einem Vorworte yon Cfr, TVeher. 

S. 229. 
Alexander y. Dusch^s Bearbeitung 4^8 histori- 

schen Atlas yon L 6 • S a g e (^LaS'-Casas ^ ) yon Aak* 

S. 256. 



Weitere Nachi;ichten iiber das Mozartsche Re- 
quiem. S. 267. 
I. Nothig gewordene Erinnerung, yon Was hier die 

Rede ist. S. 257-^261. 
II. Inhalt der, seit meinem ersten Aufsatze iiber diesen 
Gegenstand, theils eingelaufenen, theils sonst offent- 
)ieh bekannt gemachten Bestattigungen der grossen- 
theiligen Unechtheit. S. 262 — 2^78. 

1.) Von Seiten des Hrn. Hofrathes Andre* S. 

26a — 263. 
2.) Yon Seiten des Hrn. Abb^ M. Stadler S. 
263—276; und zwar 9owohl 
a.) historische $. 263—269, als auch 



VI 



. b.) aus der BescLaffenheit des Requiem 
selbst , S. 269 — 279. 

III. BestiLttigungen auch der von mir geai^sserten Muth- 
masung, dasg an dcm Requiem wohl Mekres echt 
sein moge, als bisher bekannt gewesen. S.*27q-^ 

m. ' 

1.) Bestattigung ypn Seiten- des Hrn. Stadler. 

S. 379—280. 
3.) Desgl. von Seiten des Hrn. A. B. Marx und 

anderer. S. 280 — 283. 

IV. Mittheilung verschiedener^ too anderen Gorrespon" 
denten eingelauf ener brieflicherlVotizen. S. 
283— 3ii. 

V. Einiges iiber verschiedenc von Verschiedenen erho- 
J)ene Einwendun'gen, S. 3i2 — 348. 
1.) uberbaupt, S. 3i2— 337. 
a.) insbesondere in Beziehung auf das 
a.) Requiem und Kyrie. S. 338. 
b.) Tuba. 8. 341. 
C.) Confutatis. S. 343. 
jd.) Quam olim. S. 345. 
• e.) Hostias. S. 346. 

VI. Resultate, 

1.) fiir die Geschichte. 8. 348. 
2.) fur die Kunst selbst. S. 3{5i. 



Intelligenzblatt , i3 bis 16. 



Aus dem Nachlass eines jungen Kiinstlers. 

Eiue musikalische Skizze, 
von L. Rellstab. 

jUih^' ich diese Ausvvahl unter den nachgelassenen 
Papieren des jungen Mannea mittheile ^ muss ieh 
einige Worte voranscliicken , die theils ilber den 
Zusammenhang mancher Gedanken, thetls iiber 
manche Umst^de^ Licht geben werden. 

' Aus rielen Giiindeny besonders aber um manches 
noch Lebenden willen, hat hie und da ein Umstand 
geMnderty ein andrer weggelasscn werden mitssen; 
jeder JName iiberhaupt konnte nur angedeutet wer- 
den. In sofern indess ein Nam^ (uach J. Pauls 
Aesthetik) Yiel zur Charakteristik der Person bei« 
tragt, hat sich der Sammler dieser Blatter erlaubt, 
theils den vonkonunenden Personen Namen beizu- 
legen, (die indess immer ein Zei<;hen des wa}iren 
Nameas fur den der ihn kennt tragen) theils siqh 
luit Yornamen bebolfen und ausgeholfen. So 
ist der Name Edmund 9 der dem Nachlasser diesen 
Fapiere beigelegt worden, freilich weder sein 
wirkiicher Yor- noch Yatername; doch mache ich 
diejenigen die wisseii kdnnen, wen ich hier be- 
Ztticbne^ darauf aufmerksam, dass beide^ in einer 
gewissen Yerktirzung und mit Licenz vorgenom- 
mener Aenderungy darin enthalten sind. TSene That- 
sachen aind nicht hinzu gesetzt word en t noch we- 
niger Urtheile un4 Empfiadungen untergelegt, die 
der Schreiber und Besitzer der vOrliegenden Blat- 
ter nicht hatte » dazu ist dem Herausgeber das Aa- 
denken des )ungen hoffnungsvoUen Mannes zu hei- 
lig, sein Schicksal selbst zu ernst und riihrend 
gewesen. 

Giicilla, 4. B«lid. (Htft i3.) 1 



3 Aus dem Nachlas^ 

Die zuriickgelassenen Blatter zerfallen haupt- 
sachllch in zvrei Abtheilungen ; namlich in sol- 
die die von der Hand Edmund's selbst herriih- 
ren, uudin solche, die er, entweder als briefliche* 
oder durch sonstige Mitthellung^ 9 besass. Yiele 
derselben geben zwar einen Faden^ an dem man 
seine Geschichte verfolgen kann* allein oft wird 
der Zusammenhang dach so unterbrochen , dass 
man nur unsicherea Vermuthungen uberlassen bletbt. 
Um durch diese >v^eder Missdeutungen nocb Irr- 
thumer zu veranlassen, gebe ich hier an weaigea 
VVorten die Jugeadschicksale des jungea hoffnungs- 
voUea Manaes, der leider ** das W i e werden die 
letziea Blatter lehj;en — der Welt zu fnih ver- 
lorea gingy uad wahle aus seiaea- Fapieren aur 
weaige» die Wichtigstea aus. 

Edmund war der Sohn eines Pfarrers im Fich- 
telgebirge. Seine friihe Jugend war glilcklich , 
denn eine z^rtliche Mutter (von der er zuweilen 
spricht) und ein ernster milder Yater suchten mit 
Liebe den Kaabea fur alles Gute und Schdae zu 
bilden. So wurde, wiewohl unvoUkommen^ auch 
seine Hauptanlage, eigentlich der innerste Trieb 
seines WesenS, die Musik gepflegt. Doch leider 
entriss ihm das Oeschick beide Aeltern in eiaem 
Jahre, und der eiifjahrige Knabe, der bis jetzt 
%iur Liebe und Freundiiehkeit gekannt hatte, kam 
in das Haws eines reichen iiber herzlosen Verwaad- 
teny der iha rauh und bisweilea sogar grausam^ 
Immer aber verachtlich behimdelte. In dea Au- 
gen dieset Mannet war die f einste aller Kilaste « 
die Musik, aur eine BeschSftigung der Tagediebe; 
daher untersagte er sie dem Kaabea, der daria 
wohl sfissen Trost geflinden hStte, gMazfich* Doch 
libte' Edmund, wie Friedrich der Zweite, seine 
Kunst heimlich bei eiaem Freunde aus. So wuchs 
er heran, bis zu der Zeit wo er die Universitat 
beziehen solke umXheologie zu studiren. Da er- 
klMrte thm seta Oheim, dass jetzt seiae Uaterstiiz* 
zuag aufhSrea miisse^ weil er aua im Staade uei 



eines jungen KUnstlers. 3 

sicb selbst zu helfen^ und er (der "Oheim) es 
nicht bei aeinem Gewlssqn verantvvorten kdnne , 
wenn er . zu Gunsten eines Fremden das Erbtfaeil 
der eig'nen Kinder sdimiilere. So bezog Edmund 
die Universitilt L., indem er «ein Fortkommen ganz 
dem Zufall iiberlassen sah. Mit einer Baarscbaft 
von einigen Tbalern langte er in L. an. Er war 
liber GeldmangM am wenigsten besorgt^ denn er 
fiihlte Jugendlu»t Und Kr^ft in fich, die leicht 
Sussern Hemmungen trotzt, und die Befreiung von 
dem Druck im Hause des Oheims hatte ibm ein 
Gefiihi von Freiheit gegeben^ wie wenn einemf 
der lange unter einer scliweren Last gekeucht bat, 
pldtzlich die Biirde abgenommen wird. Yon dort 
an geben seine Tagebiicher, und die aufbewahr- 
ten Briefe das nOthigste Licht. Es kommt auch 
weniger darauf any die Sussern Schicksale eines be* 
dr^ngten Menscben zu verfolgen , als dem Wachs- 
thum der Keime der Kunst die in ihm lagen nacb- 
zugehn> und zu sebn, wie sicb Gemiith, Kunst, 
Liebe , ja Welt und Leben so innig in seiner Brust 
durchdrangen und verwebten, dass an eine Tren« 
nuug und Scheidung der einzelnen Elemente Qicht 
mebr zu denken war. Es Iksst sicb bebaupten, 
dass in jeden Ton den er spielte, in jede Note 
die er scbrieb , ein Tropfen aus seiner Liebe und 
aus seinem Leben » Leiden und Sterben gemischt 
war. Es giebt Seelen, die nicht durcb ausseres 
Missgesehick, nicbt durcb vergebltches Siehaen. und 
Lieben^ nicht durch die beftigen Erschiitterungen 
der B^geisterung aufgerieben werden, sondern bei 
denen fines AUes und Alles Eines ist. .So Ed« 
mund I Wir werden auch einige seiner Lieder 
mittheilen; wer nicht empfindet, dass fiir ein sol* 
ches Lied 9 mit . solcber Webmuth und Sebnsucht 
erfiiUt^ der Jiingiing ^inen Theil seines Lebens 
zum Opfer bringen musste, dem ist nicbt Yiel zu 
sagen, denn er weiss tticht, wie jede grosse, vom 
Himmel stammende Empfindulig irrdische Qpfer 
fordertf wie jede Stunde dort gelebt mit vielen 
Stunden dieser Welt erkauft wird* Der Men^ch 



4 . Aus dem Nachlass' 

gleicht dem Feuerbrand ; je heller und reiner er 
emporlodert, um soschneller yerzehrter sicn; aber 
seia Geist ist der Phdnix der auf der Flamme gen 
Himmel eilt und nur'den Xschenstaub der £rde 
2uruck lasst. — * 

SttLlen aus Edmunds ^Tagebuch. 

Am Tage meiner Ausw'andervns, 

,,Leb woU!" — Warum nehme ich mit 
Schmerzen Abschidd vom Orte meiner Leiden? — 
Wie ? Habe ich nicht auch hier einen Freund ge- 
habty einen treuen Freund? — Leb wohl! Dieses 
Wort tdnt wie die schmerzlichste Musik ; und dodi 
wiisste ich nicht, dass es irgendwo in der tief- 
sten Ausdruckweise, deren es fMhig ist, von irgend 
einem Tondichter aufgefasst ware. £s ist ein hei- 
liges Wort, das alien Y&lkern eigen ist und von 
der Anlage zur hdchsten Sittliohkeit zeugt. Mit- 
ten im eignen tiefsten Schmerze der Trennung nur 
das Wohl ' des andern wiinschen ktonen, ist 
wahrlich ein Zeichen edier Gesinnung. Ich wiisste 
nurEine Oper, in der dieses Wort, von der tiefsten 
Empfindung dur<Agliiht, die hdchste Wirkung thun 
miisste — aber da fehlt es : In der Alceste kdnnte 
man auf das Eine Wort ein Duett schreibeii. — In 
derZauberflote ist d^r Stoff nicht anziehend genug, 
als dass das Lebewohl im Terzett sehr tiefen Ein- 
druck machen kdnnte. — 'Warum hat noch kein 
Dichter eine Scene geschrieben , in der der Ab- 
schied' zweier Liebenden diirch das dunkle Vorge- 
fiihly dass er fiir ewig sey, zum hdchsten tragi* 
schen Motiv erhoben wird ? Ich sehne mich recht 
nach einem Dichter der mich durch ein edles 



eines jmngen KtinstUrs. ^ 

Werk dieser Art hegeistern kdiu^te! . O wji96t* i^H 
nui^ das in Worlen auszusprechen, wad i«h io Td« 
nen dara;ustellen v«rmdchte \ AJber mir fallen im- 
mi|r HAT jVIomente ein, die ich nicht zu eiaem 
Oautzen gestalten. kaim » u^d das ist nicht mehr, 
als wenn Jeifi^indeii.eine schdne Fortschreitung 
oder Modulat4oi| gel^ge : '— hSitte er dadurch ein 
Werk ge^chaffen? . — Igh weiss nicht. warum ich 
so duster imd wehmilthig bin; froli sollte ich 
seyn^ wie ei^ji Ypgely; der den Kafig verlassen hat. 
Sonstgab man mir tMglich Nahrqng, abemnan zw^ng- 
te mich) peinigite mich, ja.ich litt oft schwere 
Marter — jetzt bin ich frey wie die Luft. Zwar 
weiss ich nicht wo, ich mein Haupt hinlegen soil; 
aberich hoffe, auf der weitenErde uoch ein'FlStz- 
chen dafiir zu finden. Ob ich abcr ruhigf ob ich 
siiss schlu^mern werde ^. -^ . 

L, am Tage meiner Ankunft, 

Es soil mir eip gluckliches Omen seyn, dass 
der erste Tag n^einer Ankunft mir eine Freude 
bereitet hat, die ich mir um mtein Leb^n nicht 
,nehmen liesse. Als ich ins Thor trat, del mein 
Blick auf einen Anschlage*Zettel. Ich lass: yyFi- 
delio<< fur den Abend., Die Leute mochten 
mich wobl fitr n^rrisch ^halten , (denn frcilich 
weiss. ich nicht was ich vor Freuden tliat) so be- 
fremdet blickten sie mich an. Ich. dachte : lass 
sie sich verwunderhf was kjinn dir's vpbaden t — 
Mit welcbem Her^en ich vor dpjfn Yorhang sass 
bis der erste Strich der Ouvertiine b^n^nn.! Die 
ganze Oper erscheint ^ir oft wie ein Wunder. 



6 * Aus detn KdckloAs 



t» 



Es' kommt mir ^^-or, als-babe ein Mensch'sie ge- 
flchafTen) der mit Sehhsul[;htiiacheinem fr^mdenE't-' 
"Was ringt, nach einer himmlisch^ Scbditheit, deren 
Daaeyn er nur ahnet, -^ aller si6 nicKt' fes-^ 
teln kann. Im Au^nbKck V6 er sie drgir^ift 
rerschwindet sie 9 iiitd er strebt undiniifat sieh 
roh n^udin. Danitsinkt erWriick utid iMsst si^h 
in gleichgiUtiger Verzweiflung an dem Irlrdisdheiif 
desseh er Herr i(fird, genugen. Aber pldtxlich 
bietet sich ihm die Hand der himlnlischen Er- 
scheinung von selbst, und verkfinfd^t sich ihm in 
Tdnen von dort driiben iier, die er verwundert 
vernlmmt nnd sehnsuchtvoll au&eichnet. Es ist 
eine mnsikaltsche OfSsnbaning darin. Giebt es 
flicht eine Sag# von einefn Maler, der das Bild 
der BfiiUer Maria malen sollte, und vergeblich in 
seinem Inhern die Foriflen suchte, die das faeilige 
Wesen ausdrucken sollten? Einmal NachtSy wo er 
schlaflos vber seine Aufgabe briitet, dringt ihm 
pidtzlich ein Lichtsohimmer aus seiner Kunstst&tte 
heriiber ins Auge. £r erhebt sich vom Lager, 
geht hiniiber*, und dffiset leiie die Thiir. Da 
sitzt eiii Fremder ftii der Staffelei, und malt eifirig 
an seinem Bilde. Vol! Verwunderung tritt der 
Kiinstler heran , und sieht dem Arbeitendem fiber 
die SchuUer; und siehe, das Bild das er so lange 
in sich gesucht , malt jener mit frischen Farben 
auF die Leinwand^ Da will' er den Fremden anre^ 
den, dffiiet die Lippe und — ^rvraoht, vomStrahl 
der Morgensonne geblendet. Jetzt, noch gliihend 
von dem Anblidc der'Erscheinung, eilt er an die 
StafTeleiy und voUendet seiii Werky zu eigner 66«< 




eines jungen KunHlers. % 

migthttung. So ^rsc^^inenr .'mir einzelna Ziiga ua 
Fid«liOf namentjicli zw«t Duette., vielieicjit di^ 
hdchsten, die es in dieser*6attuiig giebt. Das ec^ 
sle^ wo Leonore da^ Grab berm^en muss 9 das an- 
^rey wo 8ie> 'd^t^iheuer. #irriifig«nen Gattenam 
Herzen, in ddn weiAenden JuW des Ei^ktziiQkiuM 
ausbricht. -^ Wenn der scfaauerliche EIujbii^ des 
ersten Duett's beginnt, ifrenn die dvnkle Figur 
in Bass dazwischen murmelt, wie die diampC- 
schalleade Erde auf ehien Sarg fsLllt^ da fasst uns 
eine Beklemmung^ die seU>st die Thrjnen znriick 
presst. Aber so wie Leonore mit der himmel- 
ejissen Melodie durch die Worte: 9,Ihr solU ia 
nicht zu klagen baben^^^ unser Herz im tiefsten 
Inneren trifft -* dann bricht der Strom dier Thrft- 
nen warm imd erleichternd bervor. Und* wenn 
sie YoUends weiter bin auaruft. y^Bei Gott ! ich wUl 
ihn retten! Ich. breche sein^ Ketten!'^ und die 
erhabenen Trompetenstdsse dazwischen jLdnen^ wie 
das Frohlocken iiber den sichem Sieg^ — wer 
diirfte dann noch zweifeluy dass das grosse Weib 
ihre That vollfiihren werde? In diesen Takten 
liegt der Ausgang der Oper. s^, nothwendig, wie 
irgend eln Schluss des IJimmels. Wenn ihre That 
misslingen kdnnte^ hMtten die^e Worte ^o nicht 
gegeben werden kdnnen. . Solch cin Yertraueny 
solch eine Festigkeity solch eine Hiihnheit im Be- 
wusstseyn des Rechten, irrjsn nie und nimmer! 
Selbst bei allem was wir 19 Gptt unternehmen^ 
haben wir in unserer Brust eine Stiqime^ dje uns 
segty ob wir berufen sijid, das Grpsse ^u voUfiih- 
ren^ oder nur als ein Opfer dafur zu faUen* Leo- 



8 -Aus dem Nachlass 

note Soil sief^en. Wer bei dieser Stelle noch 
S&Tveifeltj versteht keineii Ton aus dem erhabenen 
Werke. — 

Ich habe einen wunderbaren Beweis fur die 
Wahrbeit meiner Empfindung gehabt. Schon 
mehrmal , hatte mein Blick auf der Gestalt eines 
jungen Madchens gerubt, die mit dem Au^druck 
der tiefsten innigsten Theilnafame unfern von mir 
in einer Loge sass- Bei ]oder ergreifenden Stelle 
wandte ich mich zu ihr ; sie war mir wie eine 
Vertraute der ich meine Wonne mittheilen konnte. 
Nicht ein einzigesmal hatte mich meine Erwar- 
tung getauscht* Aber bei diesem Duett war es, 
als wenn eine hdhere Macht uns durch die Tdne 
lenkte. In dem Augenblick wo Leonorens ,9lhr 
sollt ja nicht zu klagen haben^^ ertdnte, wo ich 
fuhlte 9 dass mir die ThrMnen unaufhaltsam ins 
Auge drangen, wurde auch sie iiberwaltigt und 
legte die Hand iiber die grossen sanften Au- 
gen^ um die ThrSnen zu verbergen^ die sie nicht 
zuriick halten konnte, Mein Blick heftete sich 
auf ihr Antlitz. Beim ersten Stosse der Trom- 
pete auf dem mHchtigen € iiberflog eine Kdthe 
der Freude ihre blassen Wangen, und durch die 
halb verwischten Thranen blickte ihr Auge mit 
leuQbtender Freude als wollte sie sagen: Gott 
sey Dank! nun ist es liberwunden, er ist geret- 
tet! — Gewiss hat diese Unbekannte eine sanfte 
8ch(ine Seele* - — Und nun, du Jubelgesang unter 
ThrMnen, du Gru98 der Wonne von dort her. „0 
namen-namenloso Freude !^< — Still! TSlxr bricht 



eines jungen Kiinstlers. 9 

* 

das Herz im beben^en Draa^e der WeiMe) im 
Sturm des EotzfickenS'! -^ 

Esist auch langstMitternaeht voriilfer — genug ! 
--> Eben geht der Mond anf ! . . - 

Vom tten May* 

Der Tag hat etwas Heiliges. Milr deiicht, die 
Auferstehung miisste am Iten May seyn — wenti 
wir Alio als Selige in den Himmer ^ingitigen ; so 
mag der jiingste Tag vrohl stilrmisch seyn. Ich 
ging heute den ganzen Morgen umher, tim in der 
lauen Frtihlingslufty bei dem Sanseln der golden 
griinenden Birken, angelachelt von Sonne und 
Himmely dem iiberdringenden Mebr von Tdnen 
die sich in meiner Bnist chaotisch verwirrten, ei- 
ne Bahn zu gewinnen. Es ist vergeblich ! Zu« 
weilen ist der Kiinstler so relch, dass er seines 
Reichthuitas nicht Herr werden kann. Es scheiht 
mir dieser Zustand wie dei^ ^ines Sterblichen^ dem 
das Paradies gedffnet wird. Die unendliche Se« 
ligkeit liegt vor ilim, aber ki seiner Brust ist nicht 
das Mas dafur; er muss den Himmel ivieder 
verlalssen nnd dann nra$$ 'die Brinnerung diese 
OfTenbarungen schaffen. So soheint mir Flatons 
gdttliche Lehre aufgefasst werden zu miissen, der 
alies Grosse in der Seele nur als dunkie Erinne- 
rungen ihres* Ursprungs, ihrer Gdttlichkeit und 
Vollkommenheit betrachtet. Auf solche* Weise 
kann ich auch nur den Zustand des schaffenden 
Kiinstlers erklMreny dessen *VVesen in cfkiem feind^ 
lichen Z\vies{>alte zu stehen scheint^ wenn man 



iO Aus dem Nachlass 

Ruhe mA Begeistemng zugtbich ron ihm fodert. 
Die Begeisterung ist sein allgemeiber Zustand ; s\% 
entgli&bt nicht fiir eijMii oder dan andern Gegen- 
atandy sond^tm aie .ist rein ddr Kunst in ihrem 
Ganzen gewc^iht; .die Rube aber^ die Besoiineii* 
liei#9 iet- Mf^lendc.-pnifende Blick^ riehtet sich auf 
das Einselne, und -scheidet das aus dem Ganzen 
ab- Dtese besondere, apeciell^ Thatigkeit i&t also 
eigentKA^' nur eiue Erinnerung an Einzelaes aus 
dem AMgemeinen. So wenn jemand von einer 
grossen Jleise heiqikehrt, und erzahlen 90II9 was er 
gesehen , wie e$ ihm ergafigen, dann steht aller- 
dings das Bild aller diirchlebten Tage und Freu« 
den vor ihm, aber er ifirHblt aus der Masse nur 
Einjiges^ das er jnit d^n KrMften seines Yerstandes 
stbarf heraushebl; y ilfiigrenzt, bildel, und so dem 
Hdrenden neir ersdiafft » ' wMhrend es ihm selb^t 
nur dls Erinnerung vor^cKwebt. Je lebhafler die 
Erinnerungen werden, um so schwerer wird es 
ihm seyn, die ^esonftenen Zugel der MSssigung zu 
fHiren> und leicht scheint mir namendich der 
J ti nig ling des^ festen Boden auf dem er stehn soil 
zu verlieren — und nLit>diesem die Kraft auf ei- 
nen driften eiiizuwirk^n. So geht es mir oft 
wenn ich mich an .den Flygel setze und pbantasi- 
re. So lange ich nur w%rm bin^ kann ich mich noch 
b^herrschjpn ztlgeln , bewdgea ; aber wenn ich 
heisser und heisser werde, ja endlich in Flammen 
aufladere, 4^^^ y«rschwindet meine Ohnmacht ge- 
gen die AUmacht der Kunst/ difnn fiihle ich bloss, 
€^88 ich im solcben Augenblicken nuj* noch der 
Empfamgendi?} t&fM mehr d^r E;r8chatfende bin, 



eines jungen KUnstTers. if 

und so aiich all6 Wfrittin^ nuF den dritten ver- 
Here. So sehtdiiit «s mit vielen ]Qii;eii Ktinsdern 
zu gehii) die nnvermerkt aus bildenden undthll- 
l^en, pldtzUeh* (0m|^fangeiide , und leidende war- 
den. Sind 'sie sich dieses Zustandes nicht be- 
iTussty 80 entsteht die TftusohuBg^ die )a }ugend- 
lichen Gemlithern so 6ft beiWohnt « dass iks i&r 
Empfinden einem dritten^ einetn WSfrer unterlegeiiy 
and glauben er sey oder miisse so ergrifSfen seyn 
vne sie selbst. Aber nicht bloss jungen Oemii« 
thern ist diese Verweolftlung «^n, sondem sie 
findet, nnr umgehehrt, bei den meisteif M^nschen 
statty die^ ohne Einsicht in das Wesen der Runst, 
fiber dieselbe unheilen, und ihre Empfindung dem 
leihen woUen, der sie bei ihnen erregt. Daher 
acheint mir die vridArsinhige Fordenin^ zu kom- 
men, dass ein Kdnstler durch das, Was er rirtragt, 
auf sich selbst so vrirken 40II9 vrie auf die Hdren 
Ja es behaupten wohl einige : wenn er selbst nicht 
bei seiner Darstellung (dea lieidens ^« B.) leide* 
so kdnne er auf den Dritten gar kehie Wirkung 
hervorbringen 9 denn scfhoB das Wort Mitleiden 
deute es ja an. Mit leiden aollt ihr freilioh, 
aber nur mit der idealen Persoif, nichi mit der 
wirklichen, zufHUigen, die jene daratelk. Selt- 
sam ist es iibrigensf dass sjch diese- UMieiler die 
grdssten WidersprHche zu Sdiulden. kommen 
lassen. Sie behaupten nftmlich,- dass man- iiber 
einen komischen Schauspieler am 'm Asten lache 9 
wenn er selbst am trocknestea und eraathaftestea 
bliebe ; das lHuft aber iiit^en ^sonstigen Fbrderun^ 



12 ; Jtus dfi^m . ^acJiJass^ 

g^n achA^gr^de entgeg^n. *. .<D6r Uny^rsts^iid be- 



u* 



Ich bahe mir dur^h di^f> weivgen VVjortp,. in 
denen icb nar meixxe eigen^n Gi^daat^en 4^1arer ,;i^^ 
ntachen gesucj^t, i^e wabre X^asfe ,YOin,>Herzeii gfi' 
nomvu^n,, Penn icb g^stebe 9 , es bat,iniph oftbe- 
unmbigt^ dass JLcb in.iueiaexi j^pichat^o, StiindeOy am 
unfUb%stfa;& s&ur , Lei^tung >var« Jettzt. weias icb 
aber* ^ass icb da^nn. i)ij^r.,ein Empfangender bin^ 
d^m die. Gcittin setlj>st ;^jcb : ^tbuUt und offeobart. 
So mdpl}%i$ ra^aii yii^^qipht einen E^unstler' d^m 
%vuQdfifrb«|r.en BolQgiifefier^tei^ . vergleichen^ der ei- 
nea Tag lang. Spnnenstralile^n einsaugt und durob 
und d^rc|i .gluht9.iaber dunl^el bleibt; doch wen^ 
die Sonite gesunken ist, b^gi^nt^er selbst zu 
leucbt^y jst.aber Jkalu ?*^ ^ , , : 

So hoffe icb. denn, das$ dieser Mayenmorgen 
mi(, noch- einst siisse Frilchte tragen wird , . mit 
doncin icb micb und andere erqi^cken kann. 

4 * * 

Fom Bten ^(^y. 

WIe wundiirbar sicb Manches ereignet! Icb 
^ing' heat^ in Gedanken verloren, iiber die £spla-» 
Aade. Soil Icb es gesteto^ dasf icb mit einer aiisa 
webmutbigea' Erinnerung an das •junge ]\Mdcheii 
dachte^ die ich am ersten Tage meiner Ankunft 
bier im FiSelib -gesBbn? *Wenn man-nur solcben 
Seelen, aofein und zart empfifidenden Herzen 
schriebe ! — • WMhrend icbHo vor mich bing^be^ achim-' 
mert mir eine rodie seidne Schkife entgegen ; ich 



eines Jungen Kunstlers. 13 

hebe sie -i^uf als ein ^Idrfcliiihes Zeicben, ja i<)|i 
witnsche ganz lefoe^ sie ftidchte doch von ihr seyn. 
Als ich nacb einer Stunde zu Hause komine^ geht 
eben jene liebe Uitbeliannte mit einer Freuadin 
an meiner TbHre YdVitber. Mich fesftt ein freudi- 
y ger Schreck ; unmlikftbrlicb steb ich still , — 
und was seb ich *zu meinem hdchsten Erstaunen? 
Sie tr^gt einKleid fntt solchen Schletfen verziert, 
und am linken Arme fehlt elne. — Im tfrsten 
Augenblicke wollte ioh ihr "die bringeif, die ich 
gefiinden ; allein im zvireiten- hielt mieh die Scheu 
zuriicky dass es doch vielleicht eine andere seyn 
kdnnte^ uad nur der ZufiA so seltsam spiele. 
Lieber in diesem siissen Wahne* bleiben, und sie 
nicht anreden, als durch ein Wort alle Hoffnung 
und Tauschung verlieren. So will ich an den 
Wink eines wohlvifollenden Scbicksals glauben! 
Ich trage das seid^ne Band auf dem Herzen. -^ 



Am scbicklichsten glaubt der Herausgeber bier 
einen Brief einschalten zu k5nnen, den^Edmund 
in jener Zeit erhalten haben muss. Der Frennd 
der ihn schreibt ist derselbe, bei dem er heimlich 
seine musikalischen Studien getrieben, — Wun- 
derbar ist es, wie zwei so ganz verschiedene Cha» 
raktere doch Einen Ton haben, 4n* dem. sie iiber- 
einstimmend klingen^ Denn woher aonst il^fe ge- 
genseitige Liebe ? 

Li^er Edmund ! 
Carissime I Du schreibst ja wehmlithige Briefe ! 
Freu Dich doch, dass Du aus dem vertenfelten 
Nest , in dem Du eigentUch ein Kukuksey i^arst^ 



14 Aus dem Nachlass 

cptkompcieutbistir . Aber^dey Kuknfc jiaita; sioh dies* 
mal^vers^Iieity und eijieii Kaben flli; eine Nachtigall 
oder Grasmiicke ffehalten. I}eUk Oheim Rabe (odor 
Rabeooheim) bMtte Dich zuvavlSssig g^n ver&peist, 
warest du ii«r»6twas feU«r ffewesen. (Um Dich 
ein vrtsfkig au mMsten, (olgfm anliegwi etUcbe Gold- 
gelbe-Geld^tucke; (das bei Sake.) Danke dem 
Himmely da^p - er Dich unliifiedert erschaffen; 
es u% imtter besser, aU wenn eioem die Federn 
ausgerupft warden. -^ Schade dass Du vorgestern 
nicbt bier warsU. Eine durchreisende S^ngerin 
gab ein Concert. Was kratzen konnte wurde aus 
unserift Krahwinkel ^usammengekratzt ; ^uf dieser 
schmutzigea Unterlage sollte die Stimme der S&n« 
gerln tbronen; nuUf — wMre sie nicbt unrein ge- 
weseBy sie war es geworden.. Geschmack batte 
sie aber vlel, "doch abgescbmackten* In der Arie 
kam viel fur or ^ nel cugr » rabbia » vendetta u. s. 
w« Yor. Sie strangulirte sMmmtliche unsiRliche 
Leidenscbaflten mit einer TriUerkette, die schwind- 
lich hoph in den Lufteii hing. Du kannst Dir den- 
ken, wie sich die zappeinden Affekte^.in solcher 
Hdlie Yon unten ^esehn, winzig ausnabmen* Da- 
her wurde auch Niemand erschftttert als der Saal, 
iind der weniger Yon der Musik, als Yon dem nn- 
geduItigen«tFttSfr der SMjigerin, die den Takt stampf- 
te. (Unser kleiner Contrabassist zog dabei eine 
grimmige Miene^ scbaute sicb wild ringsum, und 
riss einen Strlcib tiber den .Bass, dass die alte 
Ruine den Zusammensturz drobte» Aucb unserm 
Felz, der an der' ersten' Violine dirigirte, riss die 
Geduld und gleich duach die ^uinte.) Sebr pas- 



eines Jungen Kiinstlers* 15 



send schlugen diese sUmmtiicheii Effekte in eiti 
Adagio ein. Das Antlitz der Signora l&cbelte 
zSrtlich zu ihrer Coloratur, doch ballte sich die 
linke Hand und der rechte Fuss stampfte uttter- 
wMrts. WMre sie in dem AugenbHck gekdpft und 
der Torso sculpiirt worden, k^in HesUurator in der 
Welt hltte die rechte Art der Erganzung getroC* 
fen. — Die Scene war von Mercadanie, doch die 
S^gerin hatte noch extra ein Meer Ciidetizen da- 
zu componirt. Sapiisnti sat. Sind Euro Concer- 
te eben so geistreich? 

Aber wa» zum Geier hast Du filr verliebte Aben? 
theuer ? Dusolltest nur eine Idee lieben L — Doch ich 
weiss Du wirst bdse^ wennich scherzoi Ich hdre 
daher lieber auf zu schreiben. 

Sende mir alles was Du aus Dinte fabrizirst. 

Vale fnve. 

Dein Friedrich. 



Aus Edmunds Tagebuch. 

Fortsetzung. ^ 

Ich trage mich mit ihrem Bilde; es begleitet 
mich wie der Nachklang einer siissen Melodie* 
Und je linger ich in der Phantasie dabei verweiley 
}• vertrautar und Ueber wird. es mir. Ich kdnnte 
mieh davor als vor einec Leidi^nschaft ^rcht^n* 
wenn mein Zustand nicht so ^anfty so unbegehjrlich 
w3re ; ich will mich ja liur innerlich mit deiii hoU 
den Wesen beschMftigen, icl^ denke ja gar nicht 
daran, sie zu sehen» sie aufzusuchen. Solche Fer- 
len aind nicht fiur mich; ue ist eine Kctnigstoch- 



1@ Aus. derri Nachlass. 

ter dids GliiGJks. — Und ivas bin toh ? Bin Sohn der 
Muses ^er — vieUeicht ein StiefLind?! 

r^om \ten Julius, 

, Melne Seele ist l)etrubt ; mir will Nichts gelln- 
gen. Jdi sitze oft am Inslrument, iind suche und 
irre; aber kein Tony,4w ^^^ Hande greifen,^anU 
wortet der lyiinschenden Sehnsucht in meiuer Brust I 
Jetzt will ich ^eik Lied 9 jet2t eine Symphonies 
jetzt ein Adagio voll Wehmuth mid Tbranon ha- 
ben; — aber was ich-anriihre ist kalt, todt, stimmt 
nicht zu meii^fir innern Musik* — O dieses vergebe- 
ne Streben^ elnen Reichthum los zu'werden^ der 
uns dunkel vmgiebt und beberrscht, ist die schmerz- 
lichste ^ual eines kiinstlerischen Gemtitha! Oft; 
dringen mir die Tbranen aus den Augen, und ich 
stehe boffnungslos auf> und gehe ins weite, freie 
Feld 9 wo ich einsam bin und in laute Klagen aus- 
brecben darf. O giitiger Himmel, warum legtest 
du diesen beisseo- unvviderstehlichen Dransr des 
SchafTens in meiae Brust, wenn ich ihm nie ge- 
niigen sc^? Bisweilen ist mir als wiirde ich stMr- 
ker invsoichem Kampf, als ware das die Feuer- 
probe des ^chten Genius , der Mutterschmerz der 
die briinstige Kindesliebe erzeugt. Das ist eine 
susse Hoffnung! -^ • 

• 

Vom iOten Julius, 

IVIir will i\^cht besser werden* Mein Kopf ist 
mir pft wiist und.scbwer. 

Gefttem wurd^ in der Thomaskirche Mo z arts 
Requiem aufgeiiihrt. £s hat m^ Herz in un- 



eines Jungeh Klinsthrs. 17 

aufhaltsftme Thi^nen dufgeldsslr. ErM jctzt gewinn 
ich FassuQgy Einiges iiber dies defsinnige Wunder- 
werk aufzuzeichnen. Es sind Gedanken, die dia 
Tdne begleitet haben 9 sie werden vergehn, wie ein 
ToM verballt ; darum will ich sie fiir mich zu ban* 
nen suchen, denn sie waren ndr gestern Iteb,' imd 
mdgen mich yielleicht auch htoftig einmal trdstend 
starken, wenn sie aucli.jedem Andern thdricht er^ 
scheinen. 

Wie Kaphaels JugendschdAe^ sein schwSrmeri^ 
sches Wesen, aein Geburts- und Todestag am Char- 
freitagey darauf hindeuten, dass ihn ein hftherer 
Einfluss selbst in den geiirdhnlibhen Ers<Sieinungen 
des Husseren Lebens als e^nen A4iserw^lten be« 
zeichnen woUtej wie er uns dadurch aof gewisse 
Weise zu elnem Heiligen seiner gdttli^hen Kuost 
wirdf der* aus der Schaale der Offeiibarung unmit- 
telbar getrunken hat: so umwebt ein wunderb^ 
res Geheimnis von Ereignissen auch des hohen 
Sogers letzte Tage, die darauf zu d^uten schei* 
nen, dass sein Dahingehn selbst die AIMchte er- 
schHttemd bewegte 9 die es geordnetd So theilt 
der Vater der Gdtter und Menschen den Sohmerz 
um Sarpedon's^ um Patr<^Ius, um Hektors Tod. 
Wir hdren, dass, schon Monden ver der Ldsvng 
des irrdischen Rathsels , eine tiefe fiehnsucht nach 
dem Jenseits die Seele des Kiinstlers durchdrang. 
Seine heitere Muse beganigi alhmlhlig, emst wehmii- 
thige Zdge anzunehmen. Aber es war nicht jener 
Emst der Kunst allein^ der oofiit Bewusstseyn in* 
nerer Ftille und Gesundheit den Schmeri; darstellt 

GieilU, 4.Bantl. (Reft i3.) 2 



is -^us d^m ifacMass 

unA erweckt; es war auch kem irrdisches Leiden 
mehr^ Uein Bekumtnern urn- Ungliick und'Yerlust^ 
wie sie auf der *Erde gefunden werden, fiein, es 
war jene drnste heilige Sehnsucht nach dem Him- 
mel, zu der sich das Bewuastseyn gesellt, 3as6 
dieser Schmerz zur Freude fiihre , dass er allein 
dasTheil hoker Seelen, die Lauterung ist, durch 
die sie zur gdttiicheii Klarheit und Ruhe ein- 
gehn. — So sah es in der Seele des Sangers aus; 
er ahnetey dass die Stunde des Scheidens naho 
sey^ ohne dass er seiner' Empiiiidung eine deut- 
liche Yorstellung geben konnte, was ihn denn 
eigentlich so seltsam erfiille. Das Jenseit trat 
ihm nahe; doch er wusstd es nicht, — die Erde 
gab ihn frei; dok;h er flihlte noch nicht, wie sich 
dfe Bande allmShlig sanfl Idssten, die ihn noch 
zuriickhielten. Nur der Erfolg, sein verSndertes 
inneres Leben, war ihm erkennbar; was ihn er- 
wartete, was ihm berorstand, verhilllte noch ein 
heiliger Sqjileier. 

Ein Zeichea solke»ihm werden^ das ihn auf- 
forderte, seiaea Blick b^Ummter aach jener Ge« 
gend hinzurichijen 9 ^us der ihm der ernste Ruf 
■ertdnfte. Das war. der Unbekanate » walcher ihn 
Ku ^om Wuaderwar^o aufforderte , das er sich 
zuoft erhabenwk Mausoleum schuf. So wie der 
Ruf 2;u «Ingr solchen Arbeit an ilia ergangen 
war 9 fiihtee er, dass si^ seia Beruf sey^ und 
gab sich ihr mifc aller Sehnsucht, mit alier Glut 
verlaageadfK Lieb^e hi^» So wurde sie ihm cune 
Yorbereitling auf das Jfnseit, wurde im Geist je- 
ner andera Welt begoanen imd voUeadet* — • 



eines jungen Kunstlers, 19 

Doch nogh ekimftl sqIUb die Erde ihre Forde* 
rungen an den SchOpfer ihrer Imst gdtend miachen. 
Noch einmal solite die hettre Kunst sich, wie sie 
so oft wiliig gethanj der Freude, der irrdischea 
Kraft und Herrlichkfit dienstbar zeigen. Dies 
war der Ruf nach Frag, um die grosse Krdnungs* 
oper Titus zu schreibien. Was zu jeder andern 
Zeit Stolz und Fireude des Componisten gewesen 
w^re» das war ilun jetzt^ aber kaum dass ers 
selbst wusste , unbehaglidi. Daher die Fliichtig- 
keitf mit der er dasGanze behandelte: daher das 
was man SchwSche nenfUen mtfchte, in diesem 
Werke. Kann man es aber wohl, wenn man er- 
wagt, dass ja eben eine hdhere Spannung der 
Kr^te diese Schwacben erzeugte? O wie seltsam 
erklart sich.so manches scheinbar Unbegreifliche 
in den Werken grosser Kiinstler , ' wenn man die- 
se nicht einzeln^ sondern in ihrer Beziehung zu 
einander und zu dem Leben selbst betraehtet* 
Wunderbar wird hier aus dem Mangel eine Voll*- 
kommenheit. Bin Genius y der nicht mit dieser 
Kraft sich in die h($ch$ten Himmel-der Kunst zu 
erheben vermocht hl^e, der wiirde. Was der Er- 
de naher stand, rielleicht besser und sorgfKltiger 
gebildet haben. ^ kann em Koloss tob Kciegs- 
schiff uns nicht leicht .wiegend auf den ebnen 
Stromeswellen 9ur fltiditigen Lust dahintrageuy 
weil es geriistet ist, Sich mittoi durch die empdrte 
Brandung st^mend die Bahn zu ertrotzen. •— 

Wie zu einer lang mitbehrten Brant kehrte der 
Meister von seiner weltUchem Arbeit zu jener 



t 

2Q Aus dem Nachlass 

geistigeu zuriick , m die er sich> jetzt aufs neue 
und mit dem festen Vorsati^e sich nicht wieder 
davon abbringen zu lassen^ sckv^eftiefte^ dass ihm 
das I^eben rings umher unver^erkt abzubliihen 
schien. Vor seinen Augen stan^ei^ Grab und Todf 
und ernster ala diese selbst dfinete sich die Aus« 
sicht iiber sie hinaus. Durch (f^ Nacht des Jen* 
seits leuchtete das furchti>are Won VergeUung* 
VernicMung und £wigkeit w^en die Oedanken, 
die in seiner Seele wogten; VernicbUing des 
Sterblichen^ Ewigi^eit des Geistes. £s gait^ die 
Seele frei zu nuchen ,,von einer Welt, und ihr 
in der zweiten einen Zuflucbtsort der Gnade^ zu 
erringen, oder sie der Yerdammnis Freis zu ge- 
ben. 

Quid sum miser tunc dicturus 

^ * • • * 

Cum vix Justus sit securus! 

Dieser ernste Spruch tdnte in seiner Seele wieder, 
und 'er musste fragen : bist du ein GeriE»chter ? Fern 
von jener niedrigen^ verwerfliehen Demuth^ die da 
fordert, dass wir uns selbst nur mit Abscheu beferach- 
ten, die nie denMuth hat, zu bekemien, dass der 
Mensch das Rechtemit KrAft und £rn8t woUen kdn- 
iiey..j^fern davon, durfte er sich zivufen: Du bist 
ein Gereehtor, denn anch dearGerechte irrt, und i^ix 
Justus est ^securus. Was^'er Grosses, Herrliches 
geleistet, desseii war. «r six^h h^wusst^ und er 
fussele freudtg darauf. Wo er geirrt, auch das* 
entging ihm nicht^ und epfiihlte, Sass es Busse 
fordre. Aber womit bfisst ein solcher Genius? 
Nur mit der LftuteraB|f seiner selbst, mit der 
strengea Erfiy^ung" seines Beraft. Leuchtend ging 



eines jungen KUnstlers, 21 

es vor seiner Seele auf^ dass er allein bertifen ge- 
wesen sey* die Grdase des AllmSchtigen in Tdnen 
2u^verkiinden. Das also war allein das FeM, auf 
dem er die Saat der Beue^ der Busse ausstreuen 
honnte. So wie er diese Ansicht gewonnen , er« 
schien ihm das Werk das er vorhatie als ein 
Heiliges, als ein von Gott unmittelbar gabotenes. 
£s soUte die Yers^ttinung allgr Un^eichheiten des 
Lebens seyn. Darum nicbt als Kiinstler allein , 
sondern auch als Christy umfasste er es mil srfr.er 
ganzen Seele. Die bunten BiMer des Lebens 
gingen noch ^mal an ihm voriiber« Er sah mit 
einer freudlgen Ruhrung, vrie reich ihm die Won« 
ne dieses Daseyns zugefiossen war. Was hgst du 
dafxir gethan? fragte en Und siehe, es trat ihm 
leuchtend vor die .Seele: Die Freuden dieser 
Erde hast du relchlich verdient. De|in alles was 
das Leben Bewegtes^ Uinreissendes ^ Riihrendes 
und Erbabenes hat, was du in tausend Athemzii- 
gen eingespgen, du hast es wieder gegeben und 
neu geschaffen in deinem Don ' Juant Fragt-dfch 
der Yater dort oben : Was haben deine Stunden 
der Freude, des trunkenen Jubelsy was haben 
deine Nachte der Ahnung und Erhebung, was 
haben die Tage des Frublings und die Stiirme- 
sehaurigen Herbstmonde '*-*- was haben sie fiir 
Friichte in diir gereift? ^-^ dann darfst du frei 
erwiedem : Fr^ude und Jubel ( Hdret Don Juans 
)ubelnde OuTertiire roll Lebctn^euer und Kraft, 
Ahnung und Erhebungl Vernimm Anna's Schmbrz, 
der, mit grcAsen, vertrauenden Blfoken, aufVergel- 
tung 'toS'^r Nadit dieser Erde aufsieht zu den 



22 -^us dem Nachlass 

Steri^en. --- Lenz und Hei;)>ftt? , ^Lausche den TcS- 
nen der f^liiokliehdii wle d§|* aehnenden Liebe; 
horch auf das Entsetzen der heranwehenden S^ilr- 
me des verbUlhten herbatlichen Todtenreichs ! 
Vatcir! AUes was ieh Hdchstes und Ti^tstes an 
EmpfinduDgfqi in diesem Leben erschdpft habe — 
dort hab ich's ausgostrdmt. £s ist dec Gipfel aller 
meiner Tage. das En^uckens und des Leidens ! — 
So spr^ich der Meistea; Er fiihite es mit der Ge- 
wisibek grosser Seelen^ sein Leben war aufge- 
wogen ; doch «ein Tod , und was ihn driiben er- 
wartete, das hatte er noch zu eigiwerben, dafiir 
war er noch in der Schuld des Ewige^i. Und mit 
diesem grossen Willen, die Schuld der Ewigkeit 
zu zahlen, gab er sich an sein Werk. Jetzt gait 
es kein Zagen mehr ; Grab} Tod und Yerdamm- 
niss mussten iiberwunden werden. Er musste 
durchleben wais er lur Jahrtausende so hinstellen 
wollte, dass ^ in dor Brust der fernst^n 6e> 
schlechter noch dieseiben Erschiltterungen hervor* 
bringen sollte,- durch die es der Schdpfer gewal- 
tig fiihrte* So trat . er zuerst , schauernd , aber 
mit iiberwindender Fassung^ vor-die Schranken 
des Grabes* 

Die Introduction des ersten Chors ^reisst die 
Seele aus d^n uml^ammemden Banden der Erde 
1q8« Ung«wis8, wie. sie .gerichtet werd«n wird, 
scheidet sie mit * Schmerz und Bangigkett'^ aber 
doch mit einem Sirahl von Hol&iiUbg >usid mit 
duldender Ergehiing. Ihr Flehen um .die ewige 
Ruhe geschieht noch zitternd \ dodl froher Ahi^un* 



eines jurigen KUnsilers, f23 

gen V0II9 erblickt sie die lux perpetua^ und erkennt 
es glaubig: Te decet hymhus^ Deus in Sion! — 
Id diesem Chor herrscht die erwartungsrolle fiircht* 
bare Stille, die auf den Ruf der Tuba lauscbw*' 

Die Fuge^ Hyrie eleisouy die so oft missge- 
deutet worden, ist ireilicb nicht die Bilte, die^ 
ihrer GewMhrung sicher^ schmeichelnd sich an das 
Ohr legt — nein ! Hier rufen noch Reine und Un* 
reine zum Herrn, und das Ganze muss mil der er- 
vrartungvollsten Bewegung der Angst duKcbdrungen 
seyn. Der furchtbare verminderte Septimenakkord 
auf dem Trugschluss bringt die Spannung aufs 
hdchste; mit der Ermattung des Todes tdnt das 
Adagio nach: Kyrie eleison. — 

» « 

Wisst Ibr aber die Erbarmung des Herrn zu schaz-« 
zen, wenn Ihr seine Schrecken nicht kennt? Nein! 
Auch sie milssen ertragen werdett. Dies irae dies 
ilia I DieSeele zittert in ihren Tiefen. ^Nur ihrer 
Unendlichkeit dankt sie es 9 dass sie von diesen 
Schrecknissen nicht .verniohtet wird. Aber sie 
libers teht die Priifung und kann sich nun^ mit der 
Fassung der Gerechten, jenen Batrachtungen iiber 
das Jenseits hingeben, die sie vollends lautern 
und zum Eingehen in jene himmlische Klarheit 
wiirdig machen sollen. Das ist da^ edle, heiUger 
Scheu erfilUte Tuba niirunij das mit den Worten 
cum vix Justus sit s^curus in* glaubiger, aber 
doch zageoder Hoffnung schli^sst; denn so wird 
das Vertrauen der Gerechten seyn. — 



'24 -^us dem Nachlass ^ 

Der Donner tdnt! Die Oottbeit naht! Kex 
tremendae majestatis 1 Viet dies Stiick vol! gross- 
artiger Efarfurcht und Demuth geschrieben , der 
hat^ierkaniiiy wa$ die Gottheit sey, und er durfte 
mit frommdm Vertrauen zvl ihr rufen : RecordarCy 
Jesu pie ! und darf hoffen y dass er zur Rechten 
Stefan werde. — 

* « 

Aber jetttt naht der Augenblick, wo die See- 
le ihre letzte Prfifuiig besteht. Sie hat die un- 
bfstimmten Schreckea der Angst empfunden. Jetzt 
dffnet si^b die Schiucht des Hdllenreichs , die 
Terdanumiiss s^lbst soil vor ihren Blicken ent- 
hiillt werden. O wie oA; mag der grosse Genius 
zuriick gebebt seyn vor dem entsetzlichen Geheim- 
niss^ ehe er sich iiberwinden konnte, den Yorhang 
zu heben. Aber es wird gefordert, das Eine Schwer- 
ste und Letzte mdss die Seele iiberwinden. Sie 
muss das Feuer der Yerdammung durch ihr Inner- 
stes zuckeit lassen^ weiin sie wie der Phdnix rein 
und gdttlich aus den Flammen hervor schweben 
seil. -Heran denn ! - Ich wilU Und so rief er, ein 
^rchtbarer Beschwdrer, das Entsetzen des Al>- 
grunds selbstiiberisick herauf. In der Todesangst 
rufk er : Vocu me cum benedictis ! — Aber 6iG 
Flamme findet noch siindigen Stoff, gegen den sie 
wiitbet, die Reinigung der Seele ist noch nicht 
vt>llbracht« Das Herz ist zerknirscht zu Asche. 
Aufgeldsst in der ^ual suikt der Bilssende nieder 
und erhebt die Hande zum Ewigen und fleht : 
Gere curawi meifinis^ — Und der Herr winkt. Die 
kalte Ang^t des Todes Idsst sich in weiche Thra- 



eines jungen Kiinstlers. 25 

nen: Lncrytnosa dies ilia! — Mit mildem Fit- 
tlge.schwebt der Engel der Vergebung herab ; die 
Siihiiung ist vollbracht. 

Jetzt steigt das Dankopfer empor und lo« 
dert in heiligen Flammen auf dem GipFel der 
miihsam er^lommenen Hohe des Glaubens. Nun 
durchdringt den Geist g5ttliche Ruhe und Klar- 
heit, denn die Msse ist voUendet, und filr- 
der theilt er nichts mehr mit der Erde. Zu« 
erst fleht er in der Erinnerung der Schrecken 
nicht fur sich , sondern fiir die » dia noch nicht 
erldsst sind^ aus dem Pfuhl der Hdlle: pomine 
Jesu Christe! libera eas de^ore leonis. — Dann 
vreiht er freudig alle seine Kraft lobpreisend dem 
Hdchsten: Hostia^ et preces ! — Seine ilberdrangte 
Brust macht sich Luft im Staunen und Gebet: 
Sanctus ! Osanna iri excelsis ! «— Das sanfte Be- 
nedictus ! 

Und endllch kommt die fromme Seele zu dem 
Dank gegen den, durch den ihre Eridsung von 
dem tJbel vermittelt worden: Agnus delt 
Sein Herz strdmt iiber in gerlihrter Dankbarkeit 
und Liebe; es ist nichts mehr was ihn vdn sei- 
nem Heiland trenne. Nun hat er vollendet. -— 
Jetzt darf er dem Winke nach oben folgen. Da- 
her weridet er sein Antlitz wieder auf das Grab. 
Aber wenn er's auch mit Wehmuth betrachtet, 
und ernstern Sinnes davorsteht, so ist es die bei- 
lige^ fromme Wehmuth, die keine Furcht mehr 
kennt , und der verzweifehide Ruf Kyrie eleison I 



26 Aus'dem Nachlass 

wandelt sich in das vertrauensvoUe freudige : Lux 
aeterna luceat eisf cum Sanctis tuis in aeternum ; 
quia pius es! 

So hat der gdttliche Sanger sich geweiht fiir 
jene Welt. Und der Herr rief ihh hinauf. Wir 
schauen weinend und bewundernd nach ! Ver- 
gebens! £r ist uns entrvickt. Aber sein Le- 
ben ist auf das schdnste auiyjeglichen und auf- 
geldssty und wohl dem Kiinstler^ der sich so 
mit seiner Gottheit aufs innigste versdhnt, denn 
er wird selig in jenen KSumen wohnen. Du er- 
habner Mann> du grossschafTende Seqle! Wie 
klein Kist du oft gedeutet worden! Aber diese 
ZweiAev absorbeat eos Tartarus! Oir aber leuch* 
te lux per pet ua* 

V6m itsn Oktoher Mends, 

So ist der Sommer dahin ! Ich habe meine 
freundliche Wohnung mit dem schdnen Blick iiber 
das heitere Griin der GebiJLSche verlassen miissen. 
Die liebe, heimlicbe Stille^ die um mich her war, 
kat sich in das verworrene Gerausch von Wagen 
und bewegtem Volke verwandelt, das sich unter 
mir in der engen Gasse bin und wieder treibt. 
Hier wird die Kunst wenig freie AthemzUge thun ! 



«f 



Bin Andenken der verlassenen Wohnung babe 
ich mir noph mitgenommen. Mehre Universitats- 
Freunde baten mich vor einigen Tagen um eine 
Nachtmusik fiir den Verlobungsabend ein^s jun* 
gen MMdchens ihrerBekanntschaft. Ich weiasnicht. 



eines Jungen Kuns tiers. 27 

aber es schien mir, L, B, nehine an diesem Feste 
einen tieferen Antheil als er verrathen wollte. Da- 
her setzte ich die VVeise der sanften Worte vrie 
die riihrende Klage eines Herzens, das Alles dahin 
scheiden sieht, was ihm !m Leben theuer war. — 
. — £i sieh ! Findet wirklich die blasse Mondscheibe 
einen Weg fiir ihre Strahlen in dieser yerbauten 
Gasse ? Wahriich sie blickt recht wehmiilhig, gleich* 
sam verstohlen, zwischen den hohen Giebelspitzen, 
nach melnem Fenster ! — — Himmely was hdre ich ? 
1st das nicht mein Lied? Bei Gotti es ist's! — 

yom ^ten Oktoher, 

Himmel! du fiihrst mich seltsame Pfade. In 
meine nSchtliche Ruhe schwebten^ am ersten Abend 
den ich hier zubrachte, pldtzlich die sanften Tdne 
meines eigenen Liedes herein. Es fasste mich mit 
unnennbarer Sehnsucht. .Ich wusste nicht, dass 
die Braut mir so nahe sey, dass ich ihr gegen- 
fiber wohne. Als ich mich ins Fenster lehne, 
erblicke ich im gegeniiberstehenden Hause eine 
lange Reihe erhellter Fenster, hinter deren herab- 
gelassenen Vorhangen sich die Gestalten unbestimmt 
hin und wieder bewegen. In der Strasse stand 
ein Kreis junger Manner mit Fackeln. Sie san« 
gen das Verlobungslied das ich gesetzt hatte. 
Es tdnte feierlich wehmiithig durch die Stille der 
Nacht. Im erleuchteten 'Hause rollten die Yor* 
hSnge auf : alle GMste traten in die Fenster. AI» 
der Gesang yoriiber war, dffnete sich eine BaicoB« 
thQr ; die weiss gekleidete Braut trat an der Hand 
ihres Verloblen hervori und danUte vai% freundli- 



28 Aus dem JSfachlass 



r 



cllen Worten, die ich zwar nicht ganz verstand 9 
die aber doch unbescfareiblich wohllautend tteten. 
Jetzt verzogen sich die Sanger ; ich schloss mein 
Fensteo aber dab noch oft nach dem hellen Hause 
liiniiber. Am Morgen ti^t L. B. zu mir ein. Bv 
erzahlte mir 9 Wilhelmtne babe zu ihm geschickt; 
und fragen lasseii} wer das Gedicht componirt ba* 
be, und da er mich genani^ti sey ihm der Auf^ 
trag geworden , mich zu dem heutigen Ball einzu* 
laden. Ich ging, mit einiger Scheu, denn die^Blu* 
the der Kunst pflegt in den Salen reicher Kauf- 
leute eben nicht zu gedeihen. Noch zittre ich in 
seltsamer Bewegung, wenn ich des Augenbllckes 
gedenke. Ich trete an £. B. Seite in den Saal, in 
dem sich erst wenige Gaste eingefunden batten. 
„Dort sitzt dfe Brayt^^ fliistert er mir zu. Wir 
treten heran. O' Himmel , Sie war es selbst ! Ich 
weiss nicht, was ich in der Verwirrung sprach. 
Ich entsihne mich nur noch, dass sie zuletzt sag- 
te : 9,WirkUcb» die Weise des Liedes hat* mich bis 
ins Innerste b^^egt. Ich danke Ihnen sehr da- 
fiir !<< — Und Morgen soil ich ihr die erste Unter- 
richtstunde gebeni — 

Vom MOten November. . 

Edmund e! 
Wenn ich ein V5glein war u. s. w. fldg ich 
zuDin Aber so war ich ein Es'lein, als ich mich 
hier unterducken liess. Die haben mich auch mit 
Geschaften, Akten, Vormiindern und Warnungs- 
tafelii so eingepfercht, dass ich nicht von- der S telle 
kaiin. • Sehr gern mochte ich einmal mit Dir Ler- 



eines jungen Kiinstlers. 29 

chen essen und irgend etMras, aber von OualitMti 
trinken; allein der.Satan hat mich einmal. — Aber 
Dich hat er auch. Das Unterrichtgeben gefglit 
mir nicht. Ich wilsste nicbt wle ichs aushalten 
soUlei eineiu Madchen, wie Da die Braut des 
£ngl^der$ bescbreibst, auch nur Rechenstunde 
zu geben, geschweige denn sie Musik zu, lehren. 
AnstaU das Wachs ihrer 'Fahigkeiten zu kneten, 
wiirde das Wachs meines Herzens schmelzeni und 
die Fliigel meiner Lebenslust mdchlen am Ende 
so kraftlos abfallen^ wie die des Ikarus. Edmund ! 
prachtiger Junge ! thu' mir den Gefallen und flie- 
ge der Sonne nicht zu nah. -^ £ben fangen die 
Glocken unseres alten«Thurms an ^u lauten. £• 
ist heut der lOte Novembei% Doktor Martins Ge« 
burtstag; es freut mich, dass er auf einen Soniw 
tag trifft, an dem ich Dir achreibe. Ich woUte^ 
ich kdnnte Dir etwas von dem J&r^ftigen Mark 
dieses Ldwen in di^ Glieder fldssen. EAmund! 
Du bist ein guter, lieber Menach; aber bei alien 
Teufeln, ich glaube Du wMrst besser, wenn Du 
etwas sclilechter wMrest; wie ich z. B. 

Wenn ich Dich um Weihnacbten besuchen kann^ 
opfre ich dem Gott.der Freiheit eine Hekatombe. 
Die Lleder die Du geschickt sind ganz passabel ; sie 
entziicken jedermann ; ich hatte zwar auf eine Schacb« 
iel mit Lerchen rechnen kdnnen 9 allein diese Ler- 
chen- oder Nachtigallentriller versdhnen mich mit 
Dir. Hierbei aende ich etwas Geld, das Du mir 
av»fheben soUstf damift wir um Weihnachten bis« 



30 -Aus dem Nachldss > 

weUea davon fruhstiickeft kdnnea* Noeh einmal ! 
Male den Teufel nicht an die Wand! 

Dehi Friedrich. 



Aus Edmunds Tagebuch. 

jim iten Januar, 

Das Jahr w^e nun dahin; das neue beginnt. 
Ailes fuhlt sich kriftig und froh bei dem Gedan- 
ken. -^ Mir wUl gar nicht zu Sinne werden, als 
wenn es auf den Friihling hinginge. -— 

Sie fragte mkh in der Stunde nach der Art, wie 
ich componirte. Ich h^Ue ikr eben so gut beschrei- 
bea k4nnen, wie mto es macht, iim zu lieben 
oder zu hassen. Es ist nun so. Ich weiss von 
meiner Liebe und von meinem Hasse so gut, wie 
ich da von weUsf ob ich gut oder schlecht compo- 
nirt^abe; allein was thue ich dazu? O VVilhei** 
mine, Du hast da einen furchtbaren Stachel 4in- 
schuldig in mein Herz gedriickt. Wie, wenn m«in 
Dichten und Treiben in Tdnen elne ungliickliche 
Liebe wSre ? Wenn die Kunst nur eine Braut wa- 
re, die ich nie besiCzen soil? AUe meine heisse 
innige Liebe zu ihr, was kann sie ihr abgewin- 
nen ? Je nun, sie wendet sich wohl einmal freuiid- 
lich zu mir und l^lchelt ; dann und wann sieht sie 
mich auoh wohl mit einem himmlischen Blick er« 
quickenden Trostes aBf und eine ThrSne der RUh- 
jpung perlt in ihrem Auge, wenn sie sieht, wie die 
9ual um sie mich f^ltert. -— Und dies Mitleid neh« 
me ich Get^uschter dann fiir Liebe ! O du unglilck- 



eines jungen Kunstlers* 31 

« 

soliger Bettler ! Da stehst du vt>r einem kdnigliohen 
Fallast. Eine iniiere Stimme sagt dir, du seyst un- 
ter diesem goldnen Dach geboren ; du pochst , du 
forderst EingaUg: Nlemand hdrt dich. Endlich 
thut ein alter Diener auf. Ihm erdHPhest du dein 
Anliegen, deine Noth. Er ist mitleidig, er hMk 
dich fur wahnwitzi^, doch will er's Dir nicht hart 
ins Gesicht sagen. Da rmcht er dir ein Allmosen 
hinaus und spricht: *,,Komm ' wieder, Fremdling, 
frage oftmals bei uns to ; gewiss wird dir der K5- 
nig endlich Eingang gewMhrea.<< — Edmund, o Ed- 
mund , was sind das fur Betrachtiuigen am Morgen 
des Jahres! ^^ 

Dieser Abend wird mir unvergesslich bleiben! 
Ich ging Nachmittag zu ihr hinilber; sie war al- 
lein, in Thranen* Auch ihr hatte das Jahr nur 
wehmiithige Empfindungen erweckt. Sie sprach 
davon recht sanft und vertrauend zu mir. End- 
lich bat sie mich, ich mdge ihr die Arie aus dem 
Fidelio: ,,Komm Hoffoung, lass den letzten Strahl« 
begleiten. Ich kenne nichts in der Welt, was mich 
so tief und heilig riihren hdnnte^ als diese aus der 
innersten Seele der Wehmuth und Liebe entquol- 
lene Melodie.^ Es war sohon dunkel geworden 9 
doch sie woUte kein Licht : ich sollte ihr auswen- 
dig begleiten. Nur der matte Schein einiger er- 
hellten Fenster des gegentiberstehenden HausQS fiel 
in den dunkeln, langMi Saal. Die Spiegel schim- 
merten geheimnissvoll und wunderbar. Eine tiefe 
heilige' Stille war urn uns her. Die Tbne dran- 
gen unsichtbar bervor und lunwebten luu mit ei- 



32 -Aus dem Nachkus 

iiem seeligeu Schauer aua eioer «Did€rii Welt> di^ 
j[iur im Heiiche der Ahnung lebt^ Mein Herz beb.« 
t6, Endlich war das Adagip g^end^t. Ich iiel h«f. 
tig in das k5iiigliche Allegro; auch sie schieo^ mit 
ang^strengter, heftiger Kraft eii zu hBglimeii* Ab^r 
]|auiiL waren die ersten Takte voriiber^ als sie 
schon, bei dem Worte: ich waoke nicht^ %\n, 
zit^ern begann und gleich darauf mit ff^t krampf. 
haftem Ausruf 4er Stiiianie auf die Worte: ,}Mich 
starjkt die Pflickt^^ pldtzlick abbrach und matt 
sagte : y^Neia , nein — - nieht welter ! Ich kann 
nicht! Mich starkt die Fflicht 4er treusten Kin- 
desliabe! O mein Himmel!<< Hier sank sie in 
Ohnmacht. Ich empiing sjie in meinen Armen. — 
Nach einigen Augenblicken erhoHe sie slcb, und 
nun strdxnten ihre Thraneii unaufhaltaam. Ich 
konnte • n^r die Bevvegung nicht erklaren 9 doch 
iiihlte idh sie im tiefsten Herzen mit. -^^ Endlich 
schellte m nach Licht^ luid bat mich, zu phanta*- 
siren. Ich spielte wohl eine Stunde lang. Zuerst 
begann ich, wie der Friihling sich naht, in leise 
hingehauchten Arpeggio's, in die ich eine leich- 
te Grazie d^r Mel^die wehmiithig hiaeinspielen 
Uess. Dann ging ich na,ch und nach in ein ernst 
schwermiithiges Adagio iiber, zwiscben dessen diis* 
tern Wolkenziigennur einzelnes Sternenlicht schim- 
merte. Ich dachte mir dabei die Zeit, in der ich 
sie eipigemal aii mir ^roriiberschweben sah, wie 
uns ein Stern drarch die dunkle N^cht eines be- 
laubten Waldes blinkt. O wir abnen oft nicht^ 
auf welchem Pfade solch ein Stern uns fuhrt! — 
Jetzt iiel ich in die Melodie jenes Nachtgesanges 



einea jungen^fiunsHers. 33 

und verwebte di-ese mit mehren bekannten Stel« 
len aus Liedern der Wehmuth und Liebe, dip 
wir oft zusammejl gesungen, und endlich auch mit 
der Arie, die sie eben unterbrochea hatte. Bis 
dal^iii batte sie still|-ohne mich durch einei^Athem- 
zug zu unterbrecben I hinter mir auf dem Ruh«« 
bett gesesseu 9 uad , wie ich im Spiegel s6ha 
I^onnte, das Haupt verbiillt in die Hand gestiitzt. 
Jetzt richtete sie sich auf; belie TbrSnen brachen 
aus ihren Augen^ und sie bat sanft: „Ias8en Sie*s 
genug 8eyn.<^ — Indem hdrten wir eifieii Wagc^ji 
vorfabren. £s war ibre Mutter, die von einen^ 
Besuch beimkehrte; der Vater ist schon seit zwet 
Tagen yerreist. — Der iibrige Tbeil des Abends 
verstricb unter ruhigem Gespr^cb* 

Am hten Januar, 

Heiliger Gott! Der Vater ist zuriickf und bat 
die Nacbricht gebracht , dass in 8 Tagen der Brau- 
tigamy William B. aus London, zur Hocbzeit ein- 
treffen wird! Wie wird das werden? 



Am besten lege ich wohl bier ein Blatt ein, 
das sichy ohneDatumj im Nachlasse vorfand. Der 
bier mehrmal genannte Luekvig B. ist wabrschein* 
lich ein nocb lebender Componist von tiefem, selt- 
nen Genie. Vermutblicb ist die Zeit, in der dies 
Blatt geschrieben worden, einige Wochen spater 
als die Begegnung mit dem bedeutenden Manne 
selbst. £s sind aucb Spureix darin, dass in der 
Aufzeichnung selbst Unterbrechungen vorgekom« 
men sind. Genau llsst sich indess weder der Zeit« 

J^unkt des Ereignisses, nocb der der Aufzeichnung 
eststellen. — 

Qicili*, 4. BabJ, ( Htft iI. ) O 



34 -^us dcm' Nachlass 

Ich ging heut gegen Abend, in Gedanken ver- 
loren, iiber den Markt. Pldtzlich redeten mlch 
zwei Manner an» deren Kleidung Reisende, dereift 
Aiissprache Preussen verrieth. Sie fragten mlch, 
ob ich Ihnen den Weg nach T's. Keller bezdichnen 
kdnne. Ich erbot mick, sie bis dorthin zu begleiten* 
Sie nahmen es an. Der eine, Sltere von 1>eiden» 
war eher klein als gross zu nennen, doch hatte 
er elne sehY* elnnehmende 6esichtbildung , die durch 
einen melancholischen Zug noch ein erhdhtes In* 
teresse bekam. Der andere war iiingery grosser ^ 
etwas stark, trug einen Knebelbart nach Art der 
Offiziere, und verrieth durch manche Bemerkung 
Geist. Er war frdhlicher Stimmung, doch behag- 
te er mir nicht ; denn aus seinem Witz schimmer- 
te oft Eitelkeit hervor. Beido fragten nach musi- 
kalischen Auffulirungen , ob Abends etwa Concert 
oder Theater sey; — es warkeines von beiden. An 
der Thiir des bekannten Weinkellers wollte ich 
sie verlassenji doch sie nothigten mich auf so freund- 
schaftllche Art, ihr Gast und fernerer Fiihrer zu 
seyn, dass ich es nicht ausschlagen konnte. Un- 
ten machte sich der Jiingere sogleich laut, foder- 
te vom beaten Wein , scherzte mit dem Kellner , 
bemerkte, dass das Gewdlbe „des Basses Grund- 
gewalt trefOich wiederschallen lasse<S recitirte 
npch oft aus Gdthe und Schiller , kurz sagie man* 
ch^ gute Bemerkung , ftihrte aber ei|entlich kein 
GesprSch. So geschah es auch, dass er sich bald 
an eine artige Harfenspielerin wandtie und mit 
dieser allerlei halbrerliebten toUen Scherz trieb ^ 
wahrend sich sein Sltcsrw FriBund in ein ernstes 



eines jungen Kiinstlers. 35 

GesprSch mit mir einliess. Einige Ausserungen 
iiber Musik von meiner Seite brachten ibn zu ei« 
ner Frage nach meinem Treiben. Nachdem ich 
ihm bekannt, dass Musik das Wesentlichste des- 
selben ausmache, erdffnete er mir, dass auch er 
Musiker sey. Sein Name L. B. zeichnete ihn we« 
nig aus, weil es so viele B^s. giebt. Zwar entsann 
ich mich, als er von seinem Aufenthalte in London 
und Petersburg sprach , fniher schon von ihm ge- 
hdrt zu haben; doch eine Composition von ihm 
kannte ich nicht. Er entwickelte indess im Yer- 
folge seines GesprSches so wahre und geistreiche An- 
sichten von Musik, dass ich mich immer mehr zu 
ihm hingezogen fiihlte. Was er sagte war weni- 
ger wissenschafUich scharf und allgemein ausge- 
sprochen , als gesund und klar gefiihlt und durch 
reife Erfahrung bestatigt* So erklarte er^ und 
mit Recht, Mozart sey der grdsste Musiker der 
je gelebt, weil sich bei ihm Griindlichkeit der 
Arbeit tmit leichtem Schwung der Fhantasie so 
paare, wie noch bei Keinem. Ich wandte ihm da- 
gegen Beethovens oft tieferes Erregen und sch^r- 
feres Spannen ein, und fragte, ob das nicht auf 
grdssern Genius hindeute. Er behauptete Nein, 
so wenig ein J. P. Richter grosser sey als Gdthe^ 
weil er reicher an Einzelnheiten sey. ^^Nur im 
6 a n z e n fiihlt sich der Meister^^ waren seine Wor- 
te ; ,,in dem Aufopfern des Einzelnen ist er gross. 
Der mannigfaltigste Reichthum entschMdigt ihn nicht 
Mr das verletzte Ganze. Beethoven hat nur sehr We- 
niges in dieser Art geschrieben. ** — Aber dieses We- 
nige, ist denn das nicht grdsser und wunderbarer ? 



36 Aus dem Nachlass 

y^Einiges davon gewlss^' entgegnete er. „Alleiii ob 
darum der schaffende Genius grdsser sey, das ist 
^ine ganz andere Frage. In gewissen Krankheiten 
werden einzelne unserer Sinne scharfer; aber dar- 
um sind wir nicht voUkommener gebildet^ als im 
gesunden Zustande^ wo Ohr und Geruch minder 
ScVrf unterscheiden. In TrSumen fuhlen und 
phantasiren wir lebhafter als im Wachen ; dennoch 
stehn wir traumend um «ine grosse Stufe tiefer 
fiXs im unbedeutendsten Zustande des Wachens. 
^in magnetischer Hellseher ist, wiewo.hl er etwas 
Ausserordentlichas leistet, doch in diesem Zustan« 
de bedeutend von seiner Kraft und Wiirde als 
DIensch herabgesunken« Ihm febit die Harmonie, 
das Bewusstseyn der Kr^fte — mit einem Wort^ 
die Gesundbeit. Der hinreissendste ScbwMrmer 
stehty gegen den besonnenen Kedner und Verbrei- 
ter der Wahrheit, imm«r zuriick, wenn jener aucb 
noch so machttgen Einfluss iibt; und eben deshalb 
ist ^eder Fhilosoph grosser als jeder Kiinstler. 
Mozart ist der vollendeteste Fbilosoph in seiner 
Kunst. Das Wort mdgte indess wohl grosser Miss- 
deutungen fUbig seyn.« ^- Ich glaube wohl^ dass 
ich es begriffen habe. Mir ist aus dieser Ursach 
auch B^eethoven immer im exaltirten Zustande^ Mo« 
zart im ruhigen theurer geweseu. — Das Gespr^ch 
batte mich immer lebhafter angezogen ; der Kiinst- 
ler war mir immer lieber geworden^ ich hatte 
Yertrauen zu ihm gefasst. Endiich iiberwand ich 
meine Scheu, und gestand ihm schilchtern mein 
Misstrauen in mich selbst, meine Angst 9 mein 
9edrlbigm8 durch 4i« Kunst. Ganz unerwartet 



eines jungen KUnstlers, 37 

fasste er jetzt meine Hand, driickte sie und sprach : 
,,JuiigerFreund, dies ist kein bdses Zeichen. Durcb 
iolche Brandungen muss sich jeder k^mpfen, der 
im Hafen wahrer Kunst Anker werfen will. Wenn 
dem einen der Kampf ein vergeblicher scheint, 
dem andern dagegen das voile Yertrauen deft Sie- 
ges inwohnt, so hSlngt das mit andern ZustHnden 
der Seele zusammen, die mit der KunstfHhigkeit 
wenig zu thun haben. Bei solchen Menschen, die 
Hang zur Schwermuth haben , wird aus diesem 
kUnstlerischen Kampf und Leid , leicht einer fur 
das Leben; ihnen schmelzen Kunst und Leben in 
Eins zusammen. Bei andern, wie z. B. Gdthe, bleibt 
dieses Streben immer eines in der Kunst, und be« 
riihrt die Heiterkeit furs Leben wenig oder gar 
nicht , wie ernst und gefahrlich es sonst auch sey. 
Dort mein Freund ist ein Dichter. Auch er 
ist, wie jeder Kiinstler, in seinem Innersten ernst; 
doch fasst er das Leben so heiter auf , dass man 
in seinem oft toUen Wesen schwerlich den Kampf 
erkennen mdchte, den er mit dem Element der 
Kunst zu bestehen hat. Ein schlimmes Zeichen, jun- 
ger Freund, ist also dieser Zwiespalt gewiss nicht. 
Wenn gleich nicht immer wahrer Beruf mit diesem 
BestrebenEins ist, so deutet es doch gewiss auf ein tie- 
fesAuffassenundVerstehn desHeiligsten und H($ch- 
sten in der Kunst, das immer noch tausendmal mehr 
werth, ja auch tausendmal begliickender ist , als je- 
ne seichte Auffassung und Production der flachen Ta« 
lente unseres Jahrhunderts.<< — Dies machte mich im- 
mer begieriger,Etwas von denKunstschdpfungen die- 
ses Mannes zu hdren. Fldtzlich vernahmen wir aus 



38 Aus d^m Nachlass 

cinem unbBleuchteten Nebenzimmer den Klang 
eines Fortepiano. £s war der muntere Begleiter 
meines neu erworbenen Freundes, der die Harfe- 
nistin zu eiaem Marscli aufgefordert hatte und 
zugLeich sie begleiten wollte. Die Entdeckung 
des Instruments war mir unschatzbar; auch B. 
schien sie angenehm. £r verjagte den unruhigen 
Gefahrten vom Instrument, setzte sich , und begann 
zti phantasiren. Diesstimmte auch den humoristi- 
schen Begleiter ernsthafter ; er setzte sich in eine 
j^cke auf das Sopha, und hdrte zu. Ich stand hinter 
dem Stuhi, voUer Erwartung dessen, was ich verneh- 
men wiirde* Und wie wurden meine Erwartungen 
iiberflugelt! Nie werde ich diese Stunde verges- 
sen. Ich kann die Fhantasie nicht beschreiben; 
nur dass sie mich im Innersten erschutterte, und 
auf das Siegendste das ausdnickte und leistete, was 
ich so oft suchte, ohne es zu finden. Nachdem er 
sich in dieser Form geniigt hatte, spielte er mir 
einige kleinere Stiicke seiner Composition, unter 
andern ein Agitato in 6 -moll, dessen weiche 
Schwermuth mich tief riihrte. Endlich fiel er in 
ein Lied, dessen Worte von einer dahingeschwun- 
denen Liebe, von Verrath eines treuen Herzens 
sprac^en. Das sang er, mit leiser, aber angenehm 
mer ^timme, so, dass es mir die Thraneii ins Au« 
ge trieb: 

Ihr BlCtmlein alle , dio Sie mir gab , 
£uch soil man legen %\i mir ins Grab I 

Der Schluss lautet: 



eiMS Jungen KiinstUrs. 39 

Und wenn Sie wandelt am Hiigel vorbei, 
XJnd dcnkt im Herzen: Der meint* es treu, 
Dann , Blumlein alle f heraus , heraus ! 
Der May ist kommen, der Winter ist aus. 

» 

Ich kenne Nichts von tieferer Sehnsucht und ruh« 
renderem Schmerz. In bittern Thranen fiel ich 
an seine Brust. Auch er schien geriihrt, und hielt 
mich umschlqssen. ^^Junger Freund*^, sprach er 
sanft, ,,auch dir wird der heitre Lenz bald 13- 
cheln; nur noch ein wenig Gedald,<< Ich konnte 
es nicht iMo^r aushalten , ich stiirzte hinaus ! < — 

Ach und seine Worte gehen n i c h t in Erfullung ! 
Wenn der Lenz erscheint, wird Sie an meinem 
Hiigel sagen kdnnen: ^^Der meinte es treu! — 
mit Kunst und Liebe*. und Leben • -^ aber Alles 
stiass ihn zuriick!<* 






Vom tten Januar, < 

Trdum ich ? oder wach ich ? Sie bat an m«inem 
Herzen gelegen ! Ihr fliegender Athem hauchte 
das Wort : Ich liebe dieh ! — Und o Himmel ! es ist 
unmdglich f dass sie mein wird ! •<» 

^ < " ■ 

f^om iQten Janimr. 

William ist angekommeni wiq es heisst! War- 
um wirft.mich dieses heisse Fieber zi| Bo4en? «— 
Friedrich, Friedrich! 

f^om 12^«i Januar, 

Friedrich an Edmund. 
Um des Himmels Willen, ist e^ so weit mit 
Dir gekommen ? Wenjge T^ge nt^eb diQS.^m 3riefe 
bin ich bei Dir. Bis 4ahia b^ilte Dich ao Allem 



40 -Aus dem Nachlass 

was Dir heilig; seyn muss. DenKe, dass Du der 
Kunst gehdrsty dass eine hohe Gdttin Dich hegt 
und n^rt, und iiberwinda diese uiweligv Liebe. 
Bald, bald bin ich bei Dir ! — O wenn ich zu spat 
kMme! 'Edmund! Bei unserer Liebe beschwdre 
ich Dich: Wolle, sey ein Mann! , Gott sey mit 
Dir. 

Dein Friedricli. 

4 W 

Vom \&t9n Jannar, 

Outer Friedrich ! Du melnst es wohl trtu -<« 
aber das ist alles vorbei! Die Kunst hat mich 
verstossen; wie soUte sie mich trc$sten? Mein 
Genius ist eine Friihlingsbliithe, die der Zufali im 
Januar ans Licht rief ; sie fiihlt alle Triebe in 
sich, urn sich zu Duft uttd Farben zu entfalten. 
Vergebens ! Licht und Warme ward ihr versagt. 
Ein Weilchen widorsteht sie, halt jeden* kurzen 
Mittagstrahl der Sonne fur Lenzes Be^innen! 
Unselige TSuschung. Die kalten' Nachte dieser 
Erde lehren es aliders> Nein! Die Kunst halt 
und hebt mich nicht mehr! -^ Das Leben hat 
mich gemisshandelt und von sich gestossen, solange 
ichs kenne; das kann mich auch nicht halten. 
Und die Liebe? — StUl, still davon ! Acht Tage 
habe ich sie nun nicht gesehn. Heut mag viel- 
leicht Hochzeit seyn! — „Und wenn sie wandelt 
am Hiigel vorbei !<< — . Ach dass es erst so weit 



ware! 



Vom Ittsn Januar, 

Man «ragt mir, dass an kein Hochzeitfest zu 
Menken sey, well der Vater krank ist. Auch ich 



eines jungen KUnstlers. 41 

bin's sehr. Mein Kdpf ist wfist, meine Brust durch- 
glilbt eine trockne Uitze. O Friedrich, w^lrst Du 

bei mir ! — ■ • * 



Er kam denselben Tag;. Yon ibm riihren die 
Berichte heo die mich in den Stand setzen, diese 
Erzahlung zu voUenden. Von Edmund findet sich 
nun keine Zeile mehr. — 

Schon langa hatte Wilhelminens Herx 
ftir Edmund entschieden* Die Yerbindung mit 
William war durch die Yater festgesetzt 
wordeuy welche eine vortheilhafte Hand els ver- 
einigung darauf bauten. An Gehorsam gewdhnt^ 
hatte Wilhelmine nachgegeben* J3ie Liebe lern- 
te sie erst durch Edmund kennen. Sie trug und 
barg sie im Herzen , bis , wenige Tage vor ihrer 
festgesetzten Yerbindung, Edmunds Leidenschaft 
die Fesseln sprengte und Zuflucht an Ihrem Her- 
zen suchte; da wurde ihre liebende Seele iiber- 
ivaltigt, sie gestand ihm das theure Geheimnis. — 
Yon allem dem, was HofTnungsIosigkeit in Leben, 
Liebe und Kunst Bittres iiber ein Herz wie Ed- 
munds ausgiessen konnte, endiich bis ins Innerste 
gestdrt, sank er aufs^Krankenlager. Jetzt woUte 
sich Wilhelmine ihrem Yater entdecken; allein 
auch ihn iiberfiel in diesen Tagen eine heftige 
Krankheit. Diese wuchs mit reissender Schnelle; 
er starb am Tage der festgesetzten Hochzeit. Wil- 
helmine hatte sich der Mutter vertraut; diese er- 
dflhete William die Lage derDinge. — Ihr Yierhalt- 
nifl wurde geldsst ; denn der EnglSnder dachte zu 
edel, um auf eine Yerbindung zu dringen) der 
sich Abneigung entgegen stellte. Er opierte da- 
her die bedeutenden Yortheile, die ihm daraus er- 
wachsen sollten, mit der leichten Grossmuth der 
Englander auf, und reisete ah. Jetzt hMtte der Yer- 
bindung derLiebenden nichts im Wege gestanden, 
wenn es der Himmel nicht anders gewollt hatte. 



42 -dus dem Nachlass eines jungen Kunstlers. 

Friedricby Edmunds Vertrauter^ war einigeTa- 
ge nach dem Tode des alten Kaufmanns zu Wil- 
helminen hiniiber gegangen, um ihr eine Bitte 
seines hofTnungslosen kranken Freundes, der noch 
nichts Von der Yeranderung in Wiihelminens Lage 
wusste , ans Herz zu legen. Er bat um einen Be- 
such in der Todesstunde , den sie ihm an der Seite 
der Mutter machen sollte- jetzt erst erfuhr Fried- 
rich, was geschehen sey. Hoftnung fiir den kran- 
ken Freund durchdrang seine tr^u liebende Seele. 
Er eilt hinuber zu ihm. Er liegt im hefkigsten 
Faroxismus; der Arzt verbietet jede bewegende 
Mittheilung. Dieser Zustand dauert drei voile 
Tage. Wahrend dieser werden Wilhelmine und 
ihre Mutter seine Fflegerinnen. Doch sein Auge 
ist so umw^lkt 9 dass er die theuern Gestalten nicht 
mehr erkennt, sondern sie fur Gebilde seiner 
TrMume hUlt. Endlich kommt ihm das Licht des 
Bewusstseyns wieder — aber nur jener helle Au- 
genblick, der, die Abendrdthe des hinsinkenden 
Lebens , nur denen leuchtet , denen keine neue 
Sonne diesseits mehr aufgehn soil. Mud«, aber 
ohne Schmerzen, sass er auf dem Lager. Nach 
kurzer Erinnerung besann er sich alles Geschelie- 
nen. — Da brachen weiche ThrSnen des Entzuk- ' 
kens aus seinen Augen : „Wilhelmine ! wir schei- 
den! O vergiesse keine ThrMne, denn ich bin 
jetzt so gliicklich, wie ich kaum ^enseits zu seyn 
hoffen darf. — Fried rich ! Du hast treu bei mir 
ausgehalten I — Nehmt mein letztes innigstes Lebe* 
wohl. " 

Hier hielt er ermiidet inne. Er musste sich 
zuriicldehnen. Da nahte ihm, mit leiseni Fittig 
der letzte, umhilUende Schlummer, und er sank 
in die Ruhe des Todes, unmerklich und sanA;, 
wie die Nacht den Tag bestattet. 



43! 

Recension. 

1.) Sihfonie concertante pour Fl&te ^ Haut-^ 
boisj Clarinette y Cor et Basson^ avec aC" 
compagnemcnt de gra?id OrchestrCj com" 
pos^e et d^di^e a Messieurs Kriiger , G. 
Reinhartf Wehrlcy Barnbeck et Schunke^ 
par P. Lindpaintner f maitre de chapelle 
de S. M. le Roi de Wurtemberg* Oeuv. 36- 
Prix 4^. Mayence chez B. Scliqttjils. Pro^ 
priete des dditeurs. • 

2.) Seconde Sinfonie concertante^ pour FlAtCf 
HautboiSf Clarinette, Cor et Basson avec 
accompagnement de grand Orchestre^ comp. 
et did. d M. M. les Professeurs de la cha- 
pelle Boy ale de Baviire^ Bohm^ Fladt, 
Bdrmannf Ranch et Ant. Romberg par P. 
Lindpaintner etc. OeuvAi' Prix ^Jl* ZQkr* 
Mayence chez B* Schott Jils. 

VVelche Fortschritte in den jiingsten Decennien 
die Blasinstrumente gemacht haben, kann man 
schon au8 der Zahl der Yirtuosen entnehmen, die 
sich durch eine ausgezeichnete Behandlung dersel- 
ben Ruf und Ruhm erworben b^^ben. Die mecba- 
niscbe VervoUkommnung dieser Instrumentet^ durch 
welche sie haupUacblicb zu grdsseren Leistungen 
befUhigt wurden 9 hat nicht aliein auf die Tutti- 
stucke jeder Art , und vor alien auf die Sympho- 
nies den sichtbarsten und — ivir diirfen sagen — 
den vortbeilhaftesten Einfluss geaussert, sondern 
ea hat sich aucb da4urch eine bis di^lun kaum g^- 



44 t Recens. v. Lindpaintners 

kannte und nur selten gewagte Art und Weise ge- 
bildet, sie als Principalstimmen zu behandeln, und 
die Wirkungen ihrer Eigenthiimlichkeit theils ein- 
zeln hervortretendy theib in reizendem Wettstreit 
und in Verbindung, giSnzen zu lassen. Noch in 
den Werken aus dem Anfange des vorigen Jahr- 
hunderU stehen Fldten, Oboen und Fagotte kei- 
neswegs auf eignen Fiissen , sondern lehnen sich, 
wie Kinder, an die altere und gesetztere Persdn- 
lichkeit der Singstimmen und Streichinstrumente an, 
mit denen sie meistens im Einklang oder in der 
Oktave als Verst^rkungsmitlel einherschreiten. Sie 
vraren also gleichsam nur der weibliche Theil der 
Gesellschafty niemals obligat im jetzigen Sinne 
des Wortes; und darum findet man in den alteren 
Werken so hSufig die Weisung: Flauti oder Oboi 
coi Violinij Fagotti col Basso u. dgl. Hdrner 
und Trompeten durften sich nur in rauschenden 
Chdren anschliessen , und Clarinette kannte man 
noch gar nicht. — 

So gab es denn damal auch, ausser der Ouver- 
tiire, keine Instrumentalstiicke fUr alle iibliclien 
Instrumente, und selbst jene konnte, in ihrer un- 
verbnichlichen Fugenforra, nur wenige Principal- 
stimmen zu gleicher Zeit bescliHftigen. Erst alU 
msLlich gestaltete sich, aus mancherlei Yersuchen, 
die Symphonie, die aber schnell durch J. Haydn 
ihren Gianzpunkt erreichtd, wozu der von ihm ge- 
schafTne wirksame Gebrauch der Blasinstrumente 
ohne Zvreifel das Meiste beitrug. Diesem Umstande 
haben wir vrohl vorziiglich die neuern und neu- 



Symph. concert. 1 u. 2- 45 

sten Yerbessenuigen jener Instnimente , wodurch 
die Kunst, sie zu befaandeln^ auf eine so erstaunens- 
werthe Hdhe gekommen^ und die vieien, zum 
Theil trefflichen Kompositionen , bekannt unter 
dem etvvas sonderbaren Namen der Harmoiiiemu* 
siky zu verdankeu. 

Aber noch immer sind neue Formen der so 
weit ausgebildeten und selbstst^ndigen Instrumen- 
talmusik mOglich, und als eine solche betrachten 
wir die concertirende Symphonie, in welcher meh- 
re Instruinente in gleicher Th^tigk«it als Princi« 
palstimmen aus der vollen Masse des Orcbesters 
hervortreten und den Charakter und Rang der 
Singstimmen annehmen* Zu Compositionen dieser 
Art gehdrt nicht nur die genauste und vertrau- 
teste Kenntnis eines jeden einzelnen Soloinstru- 
mentes, der Mdglicbkeit, Beqiiemlichkeit und Be- 
sonderheit seiner Leistungen, sondern auch ,der 
Wirkung aller gegen und zu einander* Denn es 
ist bei der harinonischen. Yerbindung der Bias- 
instrumente 9 von denen jedes durch seine eigen- 
tbiimiiche Stilrke 9 Umfang und Klangfarbe sich 
von dem andern wesentlich unterscheidet 9 weit 
Mehr und Anderes zu bedenlcen, als bei der Yer- 
bindung mehrer gleichartiger, wie z. B« blosser 
Bogen-Instrumente, oder blosser Singstimmen^ bei 
ivelchen jene Yerschiedenheit^des Klanges viei we- 
iiiger Statt findet, und dessbalb bei der Zusam- 
menstellung viel wenigere Schwierigk^iten ziiubei** 
winden gibt. 



46 Recens* u. Limlpaintners 

Herr Lindpaintner , den wir schon langer als 
geistvollen Componisteil kennen, gibt^uns in den 
hier angezeigten Symphonieen zwei Werke^ die 
alle jene Anspriiche erftillen^ und den Stempel 
der Gediegenheit und Reife unverkennbar an sich 
tragen. Neben der erforderlichen genauen Kennt- 
nis der concertirenden Instrumente, zeichnen sie 
sich durch Erfindung wie durch feurige Ausfiih- 
rung gleich vortheUhaft aus , Eigenschaften , die 
bekanntlich nicht immer bei solchen Concertstiik- 
ken anzutrefFen sind. In der Form weichen sie 
darin von der gewdhnlichen Symphonieen- und So- 
natenform ab, dass die drei und vier Hauptslltze, 
woraus sie bestehen, zusammenhangen, und bhne 
Unterbrechung in einanderfliessen* 

Nr. 1 beginnt mit einem Allegro con spirito 
B'AvLT. Nach einem ziemlich ausgeiiihrten Ein- 
leitungssatze des Orchesters, lassen sich die ftinf 
concertirenden Instrumente zuerst in einem U/iz- 
sono hdren, und leisten sich dann. selbst eine Zeit 
lang wechselweise den Dienst der begleitenden 
Harmonie. Wiewohl die Fldte ihrer Natur nach 
meistens oben liegt, so sind doch die andern In- 
strumente in gleichem Grade Hauptstimmen^ und 
theilensich, vermcJgedeskunstreichenSatzeSy gleich- 
massig in die Melodie. Hierauf iSsst der Compo«* 
nist die Soloinstrum^nte auch einzeln auftreten, 
unterstdtzt von einer discreten Begleitung des 
Orchesters. Und so wechselt dies ab, in den 
mannichfaltigsten Yerbindungen 9 bis dieser Satz 



Symph. concert, 't u, 2» . 47 

nut elnetn wirktingsvoUen dreifftcheh Triller der 
filnf Infstrumente in der Domindnte schliesst. 

Das Nachspiel des Orchesters leitet nun unmit- 
telbar ins folgende Andante grazioso^ \ - Takt , 
De^-dur, mit theils nur schwachem, theils ganz ru- 
hendem Orchester. Haben im ersten Satze die 
Solospieler Gelegenheit gehabt^ ihre Kunstfert]g« 
keit im fadchsten Gianze zu zeigen, so sind sie 
hier nicht minder zu einem ausdruckvollen Vor- 
Irag aufgefordcrt. 

An diese liebliche Idylle reihen sich Yariationeti 
^-dur, zu welchen das Fagott das Thema giebt» 
Nachdem Oboe, Clarinett, Fldte und Horn die vier 
ersten Yariationen einzeln ausgefiihrt haben, ver- 
einigen sie sich in der fiinften mit dem Fagott zu 
einem brillanten Schlusse. 

Nr. 2» aus drei SUtzen bestehend, bietet viel- 
leicht den Spielern weniger Schwierigkeit im er^ 
sten und letzten Satze dar, mdchte aber an in« 
nerm. Gehalte noch iiber Nr» 1 zu stellen seyn, 
indem zvvar wenigere Passagen, aber mehr Gesang 
darin enthalten ist. Der Mittelsatz-, mit sieben 
Yariationen, verlangt indess wieder seine LeutOy 
ungefHhr wie die Herren^ denen diese Symphonieen 
gewidmet sind. 

Das mdchte ilberhaupt bei beiden Werken zu 
bedauem seyn, dass sie, theils wegen der Schwie« 
rigkeit der SolostimmePy theils wegen der reichen 



48 Symphonieen Pi Lindpaintner. 

Orchesterbegleitungf Huraii^rtfssernOrteiiy wo sick 
eine tiichtige Kapelle befindert, mdglicherw«ise zur 
Auffuhrung gebracht werden kdnnen. Wenigstens 
ware es zu wiloBchen g|Bweseii> dass durch Ueine 
I*(dtcheii in ddn Hauptb^igjeituiigsstimineii mehre 
liptrumente fur den Fall der Noth entbekrlich 
gemacht wMren^ wie die3 ja.yjiele neuere Ton«- 
setzer^ unter andera der beriihmte. Humin,^l» all- 
i^eit thuen. Die Miihe ist fiir den Yerfasser unbe- 
deutend, fiir jeden andern aber, dcir sich damit 
befassen woUte, eine zeitraubende und dabei nicbt 
ganz leichte Arbeit. Mdge es Herrn L. gefallen^ 
bei kiinftigen Werken, mit denen er nns recht 
bald erfreuen woUe, auf diese Bemerkung Kiick* 
sicht zu nehmen. 

An dem Stich ist nichts auszusetzen^ als etwa 
die zwecklose Dicke der Linien, an den mehrfach 
geschwanzten Noten^ was dem Auge nicht wohl 
tbut undy wie gesagt, a^s keinem reelien Grande 
nothwendig ist. 

Breidenstein* 



49 



Die Aura 



akustisch und harmonisch betrachteC 

von GW. 



Uas gemeiniiblioh so gaciag geacht^e Inrtrmneiity 
sonst Maultrommel genaimt, hat, durch den Auf- 
schwung, den ea aich in neuerer Zeit gegeben, die 
Niedrigkeit seiner Geburt vergessen macheii. £s 
ist der Stammvater und Era^uger zweier Instru- 
mente geworden, deren Eines bereits in die Rei- 
he der Tonwerlczeuge ersten Ranges getreten und 
beinahe Nebenbuhler der Orgel gewprden ist, daa 
andere aber fenen Instrumenten , wenigstens als 
Concert-Instrument, nacheifert : es hat das Aeolo^ 
dikon und die Aura oder Mundharmonica 
erzeugt, und solbst die in neiiesten Zeiten wieder 
80 hoeh geschStzten freischwingenden Rohr- oder 
Zungenwerke der Orgein, insbesondere das gepric- 
sene Orgue expressif^ sind ihm verschwistert. 

Bereits seit mehren Jahren ist es Viriuosen 
auf diesem letzteren Instrumente (namentlich 
Koch, Dei<^hmiiller, Heinrich Scheibler^ 
Kunert# u. a. m.) gelungen, ganze Concert- 
s3le roll Zuhdrer durch die magische Wirkung 

Gicilia, 4-Baaa. (Htfti3.) 4 



50 Die Aura, akustisch 

ijirer KlMnge zu bezaubern '*') , und man bat aufge- 
bdrt, bei Nennung des Instrumentes nur zu IM- 
cheliiy zumal da ihm, gelegenheitlich seiner £r- 
hebung in den Ad^lstandy auch die vornehmer 
klingenden Namen Aura oder Mundharmo- 
nica beigelegt worden sind* 



*) Schon in den achtziger Jahren des yorigen Jahrhun- 
4ert8 sclieint die Erliebung und Ausbildung dieses 
Instrumented begonnen zu haben; denn schon in 
S chub arts so betitelten Ideen zu einer Aest- 
hetik der Tonkunst beisst as: 



99 

99 
-99 



,Die Maultrommel wurde, wegen ihres unmerk- 
lichen Nachhalls, und i^egen der schnarrenden Zun- 
ge^ die diesen Nachkall verscblingt , nur unter die 
niedrigstcn Classen der Menschen Terdammt. Aber 
„was Tcrmag der Mensch nicht! Man spielt jetzt 
„Sonaten, Variatiouen und was man will auf der 
„lV[aultrommel. Ja man hat sogar gefunden, dass 
„der Nachhall dieses verachteten , Instrumentes un- 
„ter die delicatesten Tone der Welt gehore. Konn- 
te man diesem Nachhalle mehr Umriss geben, und 
,in die Schranken der Melodie einleiten, ao wurde 
die Maultrommel geadelt werden mussen» Viel- 
jeicht aber steht noch ein Genie auf, das die 
„Schwingungen der Maultrommel scharf conturiret, 
„und mit *dcr Zunge beschrankt : dann hat man ein 
^,Instrument, das unter alien ahnlichen Instrumenten 
^,da8 erste ist. Man denke sich den feinsten Ton- 
^,naclihall, mit alien Winkelziigen aufs Genauestc 
9,be6timmt, so denkt man aich die Maultrommel 
„in ihrer VoUkoucimenheit. ""( Wiener Aufl. i8o6. 

s. m) 



99 

9? 
99 



und harmonisch betrachtet. 51 

Es ist daher den LeserA dieser BIStler wohl 
nicht uninteressant, da$ eigenthumliciie We* 
sen dieses Instrumentes und seiner 
Spielart rationell kennen zu lernen. 
Nachstehende Darstellung wird, ist sie nicht mis- 
lungen, zu diesem Zwecke dienen^ *) 

Betrachten wir zuvdrderst I.) die akustische 
Beschaffenheit des Tonwerkzeuges, und dann 
II.) dessen musikalische Anwendung. 

I.) Jede MaultrommeU oder vielmehr )ede Zun« 
ge einer solchen, iiat eiaeii Grundton, dessen Hd« 
he oder Tiefe von der Beschaffenheit ihrer stHh- 



*) Schon die Leipz* mus. Ztg. t. 1816 enthalt, S. 5o5 if. » 
zwar eine Beschreibung des Instrumentes und sei- 
ner Spielart: da indessen der Herr Verfasser jener 
Beschreibung sie selbst unvoUstSndig nennt, aucb 
erklart, sie nicht yerToUstandigen eu wollen oder 
zu lionnen, — da er auch gradexa seine Unbekannt- 
scbaft mit den GrundsHtzen der Harmonie bekennt, 
um so mebr also auch mit denen der rationalen 
Harmonik, gegen welche cr auch mehrmal ofTen* 
bar Tcrstossty wie in nachfolgenden Anmerkun- 
gen angefuhrt werden trird — so wird, aus all 
diesen Grunden, die gegenwartige mdglichst syste- 
matische Darstellung der Wesenheit der Sache 
nicht als iiberfliissig erscheinen. Auch sie soil den 
Oegenstand zwar nicht in sofern erschdpfen, dass 
sie eine yollstandige Theorie des Instrumentes 
seiner Eigenthflmlichkeit und seiner Spielart lieferte, 
wohl aber wird sie die Wesenheit der 8^he, auf 
welcher all Jenes berobty mdglichst befHedigend 
darstellen. 



52 Die Aura^ akustisch 

lernen oder messingnen Zunge oder Feder, dem 
eigentlTchen tongebenden Kdrper des Insjtrumentes^ 
namlich von ihrer Lange, von ihrer grdsseren oder 
geringeren Steifheit^ und anderen Umstanden mehr 
abhangt, welche hi«r nicht vallstandig aufgezahlt 
zu werden brauehen. So ist der Grundton einer 
Maultrommel z. B. c, indess eine andere d, eine 
dritte e stimmt^ u. s. f. 

Wenn man nun eine Maultrommel an den Mund 
setzt und nach gewdhnlicher Weiae anschlagt, so 
ertdnt zunHchst dieser Grundton. '^) £a ist aber 
gar wohl thunlich, dabei zugleich auch noch mebre 
andere^ hdhere Tdne mithdren zulassen, Welche nicht 
sowohl Tom Instrumente selbst, als vielmehr eigent- 
lich in der Mundhdhle, erzeugt werden. So wird 
' es z« B. einem Jeden meist schon beim ersten Ver- 
suche gelingen , beim Anschlagen elner Maultrom- 
mjel deren Grundton c ist, ganz vernehmlich, ne- 
bea und zugleich mit diesem c^ auch den Ton e^ 



*) Es 1st iibrigens^ nebenbei erwafant, bemerliensiYerth, 
dass dieser in der Mundfaohle wiederhallende' Ton 
in derselben dergestalt modifizirt wird, dass er zu- 
weilen um einen ganzen Ton, oder um etwas i^eniger, 
tiefer wlrd als der Ton der Zunge an sich selber 
sein wiirde. Wenn man z. B. eine Maultrommel 
auf den Resonanzboden einer Guitarre, einerGeige 
u. dgl. aufsetzt, und die Stahlzunge in Scbwingung 
Tersetzt, so Temimmt man einen Ton, welcfaer der 
eigentbiimli^be Gtundton der Zunge* ist. Setzt man 
abcfv das Instrument an den Mund, so tont es oft 
ivn etwa ^LS'en ganzen Ton tiefer als zuvor. 



und harmohisch betrachteU 53 

odar gy cy e, g, u. s. w. hervorzubringeny indem 
man nach und nach die Zungenspitze , ungefahr 
wie beim gewdhnlichen Ffeifen nut dem Munde^ 
mehr und mehr vorschiebty dadurch die Mund- 
hdhle verkiirzt, und anch wohl die Lippen bis zu 
einem gewissen Grade mehr dffnet, u. s. w. 

Das Erzeugen dieser Nebentdne beruht^ allem 

Anscheine nach , |iuf dem bekannten Naturgesetze, 

welches ich am fiiglichsten mit den Worten €hlad« 

ni's ausspreche: (Akustik, § 229*) 

)yEin entweder durch die Luft, oder auch durch 
9tfeste Kdrper verbreiteter Klang, setzt alle klingen* 
,iden Kdrper, die in denselben ZeitrSumen schwingen 
,ikdnnen, in Bewegung. Wenn an einem Instrumen- 
„te, oder auch an verschiedenen, die durch die Luft 
,,oder durch einen Zusammenhang von festen Kdrpern 
»yauf einander wiirken kdnnen, zwey Saiten in £in- 
,iklang gestimmt werden, und man setzt die eine 
„in Bewegunj[, so klingt die andere ebenfalis, weil 
,9sie bey jeder Schwingung, die sie machen kann, 
9, durch jede Schwingung des andern klingenden Kdr- 
9,pers einen neuen Stoss erhSlt. Dieses findet auch 
yyStatt, wenn einer, oder beyde Tdne solche sind, 
,idi8 durch Eintheilung der Saite oder eines andern 
yyklingenden Kdrpers in mehrere sch wingende Theile 
^entstehen, welches sich an einer Saite durch schma* 
jfle darauf gelegte Fapierstreifen sichtbar zeigen 
yylasst, indem diese auf den Schwingungsknoten ru- 
,yhig bleiben^ von den schwingenden ^tellen aber 
„herabgeworfen werden. Auch wird das Angeben 
„eines andern consonirenden Tones schon einiger- 
„mas$en ein Mitklingen bewiirken kdnnen, weil da- 
jfbey der eine klingende Kdrper dem andern alle- 
j^mahl nachetlichen wenigen Schwingungen durch 
y^einen neuen Stoss zu seinen Sfhwingungen befdr* 
yyderlich ist. — Man bemerktein seiches Mitklingen, 
„oder wenigstens eine starkdErschiitterung auch bis« 



54 Di^ Aura^ akustisch 

y^weilenbeymancbeneinzelneiiy besonders beyman- 
,ychen sehr tiefen Tdnen einer Orgel, oder eines Con- 
yytraviolons an den Fenstern^ Wanden, Pfeilerny oder 
„an dem Fussboden eines GebSudes ; dieses geschieht 
,^nShmlich alsdenny wenn (wie im vorigen § erwMhnt 
,,worde^9) dieser mitschwingende Kdrper eine sol* 
,,che Beschaffenheit hat, dass er, als selbstklingen- 
5,der Kdrper betrachtet, in dertelben Geschwindig- 
,,keit wiirde schwingen kdniien.<< 

Aus diesem Naturgesetze wird es klar, dass 9 
wenn man beim Anschlagen der g - Maultrommel 
der Mundhdhle eine seiche Stellung giebt, dass 
die in ihr enthaltene Luftmassef als selbst klin- 
gender Kdrper betrachtet, z. B. den Ton g ange* 
ben wiirde, die von der Stahlzunge ausgehenden 
c-Schwingungen die Luft in der Mundhdhlung zu 
den dieser |etzteren ^^igendiunilichen g-Schwihgun- 
gen aUregen; und' es wird eben daduirch auch er« 
klarlich, warum zur c - Maultrommel grade die 
Tdne cgcegu. s. w., kurz abo die Inter valle 
des harten C-Dreiklanges, am leichtesten uud ver- 
nehitilichsten mitkliiigen: weil nSmlich diese be- 
kanntlich in den einfachsten Schwingungsverhah- 
nissen zu dem Gnindtone stehen, und jedenfalls 
z. B. das c dem g allemal nach etlichen we- 
nigen Schwingungen durch eineii neuen 
Stoss zu seinen Schwingungen befdr- 
derlich ist. 

Auch die kleine Septime des Grundtones ISsst 
sich noeh ziemlich gut auf eben solche Weise er- 
^eugen^'nur aber^ wie aus der musikalischen Ra- 
ttonalrechnung bekannt ist, etwas zu tief. 



und harmonisch betrachtet. 5g 

Dieseiii§ach lyl^ren denn z. B. die^ mittels der 
c • Maultrommel am fiigUcb^t^ ^ erztugeiid«B 

TdXlQ fQlg994cf; 




li. 8. W. 



( eigentlich sammtliGh eine Octave tiefer* Die obi- 
ge^ eigentlich um eine Octave zu hohe Schreib- 
vreisey wHhle ich^ hier und auch in derFolge die- 
ses Artikels , nur des den meisten Lesern bequemo- 
ren Yiolinschliissela wegen.) -— Eben so sind die T(fw 
ne einer G- oder g-Maultrommel folgendei 



wr. 






U . « .IV. 



die einer d-MauItrommel aber 




u. 8. w. *) 

*) Der Verfasser der in der sweiten Anmerkung er* 
i/valmten Beschroibung sieht diose Tone nicht sowohl 
als eigene, in der Mundhohlung erzeugt werdende 
Tone an, f ondern als solche Beitone wie die, welch'e 
beim Anschlagen einer Saite, neben ihrem Grundtone 
noch leifie mittonen, mithin gleichsam als Wirliung 
eigener S^bi^vingungen der aliquoten Theile der Maul- 



5Ck Die jiura, akustisch 

II. ) Aus dfem Brsfaeri^en ergiebt sish nun die 
Ortmdid^e d=er musikaiis clien Anwendang 
des Instru mentes, und derSchliissel xu 
seinem Tonspiele. 



trommelzunge ; (a. angef. O. S. 608, 509, Sio) 
Dies ist aber bekannten Grundsatzen der Klanglebre 
zuwide'r. Denn furs Erste ist nicht abzusehen, wo- 
durch deniir die Feder williLnrlich Teranlaast Wer- 
den solhe, sich wabrend ihrer Scli^fhigttngeii 
bald IB diese, bald injene Aliquoten sa 
theilen? Die Veranderungen der Stelhing der 
Mundkohle u. d. gl. konnen docb wobl nichl die Me- 
tallfeder nothigen , bald in diesen bald in jenen Ali- 
quoten zu schwingen! ^-* Furs zweite aber kommen 
die Tone 9 welche beim ^rMingen des Grundtones 
der Matlltroxnmelfeder als Nebentone aus der Mund- 
tiohle wlllig erklingen, gar nicht mit den Aliquot- 
tonen iiberein, welche ein klingender Korper der Art 
-wie eine> Maultrommelfcder , anzugebcn fahig ist. — > 
Von einem am eineh 'Ende befestigten elastischen Rie-' 
men oderMetallstreif wic die Maultrommelzunge oder 
Feder, dessen Grundton G ist, ist namlich der ersten Bei- 
oder Aliquotton giS) ddr zweite dy der dritte etwas 

tiefer als d u. d. gl. (Gbladni § 80 und Anmer- 
liung zu ^ 29 S. 37.) also wahrlicb ganz andere To- 
ne als c, c, g9 (b) Cj (d) c, g u. 8. w. Beweis 
genug, dass die fraglicben Tone keineswegs Aliquot- 
tone der Metallfeder, keinesvrcgs. die Wirkung von 
Aliquotscbwingungeil der Stablzunge sind. — Auch 
yon den Aliquottonen einer gespannten S a i t e sind 
die befraglicben Tdne ganz abweichend^ detin dort ist 
der erste Beiton die O c t a y e des Grundtones; hier 
aber ist es dessen Terz, welche dort erst als tier- 
ter Beiton erscheint^ und zwar nieht als die eigent- 



und tmirmonisch betrachtet. 57 

Wenn man zwei verschiedene Maultrommelii 
zugleich an den Mund setzt. (die eine von der 
Rechten, die andere von der Linken,) so sieht 
man wohl, dass die T5ne beider zusammengenom- 
men schon eine ziemlich vollst^ndige Tonreihe 
liefern. Z. B. die Verbindung einer Maultrommel 
au8 G mit einer au5 c^ gew^rt folgende leicbt 
an^precfaende Tdne : 



^'ne der cJLuncfe 




Tone der 6C Ijunffe 



und man kann^ je nacbdem man bald die Tdiie 
der Mauhrommel der linken^ bald der rechten 
Seite benutzty schon ganz artig zusammenban- 
gende Melodieen spielen^ z. B, ■ 



liche nachste oder unmittelbare Tere des Grundto- 
nes, sondern zwei Octaven hoher; — u. s. w. 

Man sieht alsoy wic ganz unpassend uad natur- 
widrig es ware, die Tone, welche zugleich mit und 
nebcn dem Grundtone der Stahlzunge ertoncn, als 
Aliquottone oder Ergebnis yon Aliquotschwingungen 
der Theile der Zunge selbst zu bctrachten* 

Ubrigens ist es bemerkenswerth , d«s& der er«. 
wahnte Herr Verf. S. 5o8, unter den natiirlicben 
Bekonen , auch die Septime , None , Q^i^^^<^^™c ^^^ 
Septdecime nennt, und S. 5o9 sagt, es seicn dies 
bios die Tone des harmpnischen Drei^ 
Idanges! A. d. Ff. 



58 



Die Aura^ akusti^h 




^aufc 



rrobei librigens iiberall der Grundton mitklingt : *) 




So wie in den vorstehenden Beispielen ab- 
wechselnd zwei Maultrommeln im Spiele sind^ 
so kann man auch mit mehren abwechseln, und 
z« B. folgende Stelle herausbringen, indem m^n, 
ivahrend des dritten Tactes^ wo die G-Maultrom- 
jnel miissig ist^ tie schnell mit einet* d-Maultrom* 
mel veitauschty 




wUirend des folgenden Tactes aber an die Stelle 
der c«Maultrommel wieder eine G - Maultronimel 






*) l^iir diejenigcn , 'vrelche diese und die foleendcn Auf- 
gaben erproben wollen, dient zur Nacnricht, dass 
es dazu nur ganz gewohnlicher Maultrommeln be* 
darf , welchen man , durcfa Ankleben grosserer oder 
lileinerer Klumpchen Siegellack^s an die Spitze der 
Stahlzunge, beUebige Stimmung geben banii« A* d. fjf. 



und harmonisch betrachtet. 59 

setzt, um den letzten Tact atisfiihren zu kdnnen ; — 
und so lassen sich , durch das abwechselnde £in- 
setzen mehrer Maultrommeln von verschiedenen 
Stimmungen j in der That die verschiedenartigsten 
Modulation^n hervorbringen. 

Man kann aber^ ausser den bisller erwahnten 
Nebentdnen^ auch noch andere^ wenn gleich nur 
weit unvollkommener und unklarer, hervorbringen 
oder^' rielleicht besser zu sagen^ nur andeuten und 
gleichsam fingiren. So kann man, auf ahnliche 
Weise wie man beim Ffeifen einen Trill^r durch 
abwechselndes Vor- und Zuriickzie'hen der Zun« 
genspitze bewirkt, auch z. B. auf der c- Maul- 
trommel den Ton g trillern, und also abwechselnd 
g und a hdren lassen, ivenigstens so, dass das Ge- 
hdr a zu hdren glaubt; und auf ahnliche Weise 
lassen $ich> durch solches Zungen* und Lippen- 
spiel und das dadurch bewirkte Verengern und 
Erweitern der Mundhdhle, auch noch andere Td- 
ne hervorbringen oder fingiren, z. B. auf der c-Maul« 
trommel leichte Fassagen der Art, wie folgende: 




Durch das Zusammenwirken der vorstdhend 
bemerkten Hilfsmittel, des Ansetzens zweier 
Maultrommeln an beide Seiten des Mundes, und 
des abwechselnden Gebrauches bald der rechten, 
bald der linken, -^ dann des jeweiligen Yertau- ' 



60 < Die Aura^ akustisch 

achens der einen oder anderen mit einer neuen^ 
und endlich des voriibergehenden (durchgehenden) 
Mitgebrauches auch der nur unvollkommen miu 
klingenden Nebeiitdne$ — durch das Zusammen- 
wirken all dieser Hiilfsmittel und deren gesdiick- 
ten Gebrauch, ist der Mundharmonika - Spieler in 
Stand gesetzt,/ auf diesem anscheinend allza be- 
schr^nkten Instrumente doch Manches zu leisten, 
was auf den ersten Anblick in der That unmdg- 
llch scheinen soUte* 

Vieles beruht dabei auf dem geschickten, schnel- 
len und den Zusammenhang nicht unterbrechen- 
den wechselweisen Einsetzen einer Maultrommel 
an die Stelle der anderen. Mancbe, namentlich 
Koch und Scheibler, baben zu diesem Behufe 
mebre MauUrommeln verschiedener Stimniung stra<- 
lenfdrmig um einexi Stiel befestigt. 





um 9 in jeder Hand einen solchen Stern an jede 

Seite des Mundes haltend • durch eine leicbte 

* 

Drehung des Stieles die eine Maultrommel leicht 
und schnell an die Stelle der anderen zum 
Munde bringen zu kdnnen *) ; andere , und na- 



*) Scheibler hat am angef. Oj^tje iibcr die. Anfertigung 
solchcr Sterne, so wie liber die Manipulation der- 
selben beim Tractamente des Instrumentes, ziemb'ch 



J 



und harmonisch betrachtet^ '61 

mentlich Kuhnertj fiaden es bequemer, dm 
verscfaiedenen Maultrommeln einaeln vor sich bin* 
zulegen und, wabrend des Spieles, *nacb Cediirfni», 
eine nacb der Anderen aufeugreifeB und geschidlft 
iind schneli genug an den Mund zu bringen^ 

Dass bei all diesen Hiil&mitteln das Instru- 
ment immer nocb betrMchtlichen Beschrankungen 
unterliegt, ist freilich nicht zu laugnen. 

Eine erste ziemlich unangenehme BeschirMnkt- 
heit besteht darin, dass es unthunlich ist, auf 
leidliche Weise aus einer MoUtonart zu splelen, 
ja, auch nur einen einzelnen weichen Dreiklang 
bdren zu lassen. Es ist z. B* auf der A -Maul- 
trommel gaixz unthunlich, die kleine Terz dp^ er« 
tdnen zu machen; man muss sich also z. B. in 
fit-moU , um den Ton c zu erhalten, etwa einer 
C-, oder f - Maultrommel bedienen, wobei aber 
allemal der Grundton c oder f mittdnt, es pas$e 
nun wohl oder libeL 

Ein zweiter IJbelstand ist das erw^hnte un- 
vermeidliche, unaufh6rliche Mitklingen des Grund- 
tones, *) weichen zufelge der Spieler, er mag 



ausfiihrliclie Nachricliten gegeben, tibrigens auch su- 

fleich mebre UbungssHicke , Variationen u. dgl. fiir 
as Instrument beig^fiigt. A» d. yj, 

*) Dass man , beim Anscblagen Irgend «ine8 Tones des 
Alikordes, allemal gleicbsam den ganzenAklcord 
der Maultrommel vernehme, wean man irgend einen 
der Tone desselben anscblag^, wie am mehrangef. 
Orte S. 5io gelebret wird, i&t, allem Yorerwabnten 
zufolge, offenbar unrichliig UBd irrig. A^ d, VJ. 



62 J^i^ Aura. 

vroUen oder nicht, unauflidrlich zireistimimg 
spielt, und zwar so, dass der Bass iiberall keinen 
anderen als gefade immer den Grundton angiebt, 
und also nie ein Akkord in einer Verwechslung 
oder Un^kehrung gehdrt werden kann; bios allein 
F^ile der vorhin ernrMhntett Art ausgenommen » 
z. B. beim Gebrauche der c-Maultrommel, um die 
Terz de^ weichen a-Dreikl^ges zu erhalten. 

Endlich gehdrt unter die schw^achen Seiten des 
Instrumentes freilichauch die geringe Starke seines 
Klanges : doch ist diese SchwMche bei weitem nicht 
SO arg, als man sich wohl zuweilen vorstellt. Was 
aber auch an Starke abgeht, ersetzt ziemlich relch- 

I 

lich ein ganz eigenthiimlicher Zauber des Klanges, 
ivelcher bald an das GeprSge der Glasharmonika 9 
bald an zarte Glockentdne der tiefem Oktave der 
Fldte, bald an das Chalurneau des Clarinettes, 
an die^ Gambviole 9 und zuweilen vorzilglich leb- 
haft an das ^uintatdn^Kegister der Orgel erianert. 



Als ich Koch's Mundbarmonika vemahm. 

Natur, Beleberinn des All! 
Dank fur die Wunderscenc ! 
Du Achaffst aus rolierem Metall 
Fur uns das hoh re Schone. 
Dank, unerschopfliche Natur! 
Ein schlichtes Eisen sah ich nur. 
Und horte 2aabert5ne! 



Fr, Haug. 



63 

Das Niederrheinische Musikfest^ 
1825 in Aachen. 

ocit sieben Jahren, wo die, anfangs nur auf die Stadte 
Dusseldorf und Elberfeld bereclinete, aber durcb im- 
mer steigende Theilnahme von Aussen stets wichtigere 
Vereinigung der in diesem Verbande dcr hohen CScilie 
Befreun^eten zur bluhenden Pfingstzeit begann, hatte 
dieselbe iusbesondere durch den Zutritt Coins einen im- 
mc.r grosseren Cfaarakter angenommen. Die Ffingstfeier 
war eine National frcude der 'Bhcinlatider geworden , und 
das niederrheinische Musikfest trat schnell in die Beihe 
der wichtigeren musLkalischen Institute Deutschlands. Dem 
Bunde der genannten drei Stadte schlossen sich die Nach- 
barstadte an, und unter diesen nahm gleich anfangs vor 
alien Aachen durch eine rege, kraftige Theilnahme, die 
erste Stelle ein. Dankbare Anerkennung Aller war es 
daher, dass dem Begehren der Aachner Musikfreunde, in 
diesem Jahre das Fest bei ihnen zu feiern, gem und freu- 
dig Folge geleistet wurde. 

So zog denn nun Alles , wa9 der heiligen Tonkunst 
nah und fern befreundet oder eng und innig verbunden 
ist, im lieblicheh Maien hin, wo schon seit lange die Vor- 
bereitungen zum Feste begonnen. Ein eben ToUendeter, 
dem Musaget und dem Helikonischen Chore gewidmeter 
Tempel sollte die hehre Weihe empfangen. Er war mit 
einigen Darstellungen der Bingelhardt'scUen Schauspieler- 
Gesellschaft seit dem i5. Mai eroffnet. Polyhymnia nahm 
jetzt Besitz von dem zunachst ihrer Schwester Thaiia 
bestimmten Baume. Die geraumige Buhne war zum Or- 
chester umgeschaffen , und heimisch behaglich empfieng 
Jeden die prachtvolle Halle. 

Ferdinand Ries, seit . seiner Hlickkehr aus England 
wieder im Vaterland^ wohnend, hatte die Direktion des 
Orchesters iibernommen, uiid bewajirtd den Meister smfih 
In der Leitung einet grossen Orchesters , in der Auffas- 



64 Das Nifderrheinische 

sung und AnDrdnung des fur #olchen AuQf and in Masse 
mnd Kraft Erfoderlichen. ^ £r Tvidmete seine ungeHieilten 
Bemuhungpu so ganzlich dem Gelingto je»des der aus- 
xufuhrenden Werlie, dass Jedem sich die unwillkurliclie 
Erlienntniss aufdrang, wie nur rait solcher Liebe und sol- 
cher Leitung dieses Fest gefiihrt, diese voUendete Wir- 
Itung, dieser hdj^e Gipfel der Tiichtiglieit erreicht warden 
Iionne. ^ x ^* 

Unter ihm yersammelten ^ch in den grossen V«rpro- 
Leu am ao. und 2i, Mai eine Snhl von 36a Personen, wo- 
von etwa 190 zum Clfore, die ilbrigen sum Orchester ge- 
horten. Letz teres , in welchem wir hochst ehrenwerthe 
Kunstler erblickten, war so geordnet, ' dass in einem 
grosseren , welches die Bipieastimmen aufnahm, ein Idei- 
neres Orchester sich keilartig "^wischen den Chor bis zum 
Dir/ector hinschob, «in welche# die Solostimmen gestellt 
waren. Diese Anordnung gewabrte nicht nur einen hochst 
imposant^n Anblick, sondern zeigte sich in BetrelF ihrer 
Wirksamkeity namc^lich hinsichtlich des Biano und Forte, 
bei welchem letzteren nur die hintere Masse eingrifT, 
sehr vorzuglich. ^Ganz vorne standcn die Gesang-Solo- 
Stimment IhneA zur Seite dirigirte Herr Musikdirector 
Schornstein aus Jptberfeld den Chor am Pianoforte , aa 
der ersten Violine Herr Musikdirektor Schmidt aus Miln- 
ster. Hen* Hies sclbst stand in der Mitte seitwarts zum 
Chore und OrchesteT gewendct und hatte also das Ganze 
immer im Auge. 

Am ersten Tage, dera 22. Mai, wurde gege.ben: 

1.) SympHonie von F. Ries, E^-dur, (Manuscript) 

2.) Das Alexanders • Fest von Handel. 

3.) Alt-Arie und Chor (Halleluja) aus dem Messias von 

Handel. 
Me Symiphonie von F. Rids eroffnete das Fest auf 
wiirdige Weise. Majestatisch pomphaft ist dieser Introi- 
tus, welcher die ganze Kraft der Masse entfaltet und 
durch sie den Zu^oi<er tief ergreift und mit ihr befreundet 
Fs ist der hehre Aufgaug des Tagesgestirns » der hcrrli- 
chen Sonne, welche das Leben eines himmlisch heiteren, 



Musikfest in Achen* 65 

wonmgen MayUiges mit ihrem hoben Glance erleuchtet. 
Denn wahrlich, jetzt'seigt una die 8ymphanie ein faeiteres, 
frdhliches Lebcfn uiid Treiben; man befindet mAi mitten' 
darunter : ein Festti^g beginnt; l^ust und Scben, Fk'eude 
und Wonne berrschen; das junge Yolk eammelt slch sii 
jobelnden Spielen; bei den Alten erklingen voile GlSaer; 
Frofaainn erscbeint iiberall und baat der Liebe den Tbrcm. 
Gesang und Tans enden dift Feier, und wie die Fre«de 
begonnen, so eiebt die Menge beiteren Sinnes dabin. 
EinaolcbesBild gibt uns diese Symjptionie dureb alleThei- 
le: einfacbe, faaslicbe Melodieen, deren lieblicbe Tone, 
mil bniftigem nod leicblem Pinael, zum scbonen Gansen 
zu einem vollendeten Gemalde gebildqt dnd, dcssen An- 
blick uns lange nocb, nacbdem es entscbwunden , ent- 
ziickt. Ntcbts hStte, yn\e i^ir meynen, scbdner unsere F«i- 
er eroffnety als dieses, geniss des Verl^sers beiterstes 
Werk. £s sprach jeden Herer. gleicb freundiich an, 
macbte ibn 4em Fdgenden emp&nglicben , und den be- 
reiteten Genuss , yor allAn aueh den Meister dieser Td^ne, 
ihm lieb und tbeuer. 

Diesem folgte das Al^xanders-Fest. Das Werk 
selbst ist jedem Freunde der Tonkunst bekimnt, daber 
Wvr nur der Anfffibning erwSbnen. Im AUgemeinen 
miissen ywvt bemerken, dasa bier die Cbore Nicbts zu 
wunscben tlbrig liessen. Sie trugen das Sigel der VoU- 
konunenbeit, mid nie baben wk* diese Maeht und Wir* 
kung eines solchen Wechsels in Piano und Foite empfun- 
den. Die Sopran • Solo's hatte Frl. Abnenrftder aus 'G6ln 
iibernommen; sie wurde aber so krank^ dass am Ta- 
ge der Auffubrung FrU Beintjes ana Elberfeld, Wolff 
d. !• ana Grefeld , und Mad. Haueliecome ana Aadien 
fiich in dieaelben tbeilea anasten* -Die Tenerpartie sang 
Hr. ton Woring en aus Maaeldflrf , 'den Bate Hr. Ml- 
wits. Ersterer hat 9 dureb reine Intonation', -und dem 
Geisfee des Werkes angemttaenen Gesang^ besond^rs dttreb 
den Vortrag des BecitatiiiVy allgemein tind mit» Recbt an* 
gesprocben. Letaterer ist' ein so Yorztiglieber Kilns^er, 

Ctcilia, 4. Baii'l. (H«rt il.) 5 



$6 Das Niedcrrheinische 

clasps -vtii^ ihn gem 2u Deut%ehlands besten SSngeni riUi- 

1611. ' " 

Das *iUexaiiders ^Fest hatte das Oemiith In die Stim- 
mung >e^setKt, welclie- den Meascheu jcdes Dfal itber die 
Tfaaten menscblicby^i^ Lei'denschaft ergreii^. Wohl' that 
da^iGl^alt^ge des Uebermtitlis seine'Wirkmig, wohl spricht 
mildemd''des Gesang^ Macht £Uih Herseii; doch «leht 
divse Elhpfinditng tiefer lals 'fene, welche den* MMiseh«n 
fiber sicb selbft und in eine hoiiere Sphare ■ erbobt; So 
inusste denn auch hfer, zut* 'Erhebnngy den heutigen Tag 
das Halleluja aus HKndela Messias besoUiessen, dem 
die Alt* Arte „0 ixL , die Wonne verkftndct in ^on^' rot*- 
hergieng* DieM wurde von Frl. Wolff d.' ah., aus Ore- 
feld TorsiigHcli ge«ungen, und ihre sdione, kraftige 
Mmme entzifolite A lie. 

Das <H a 1 1 el u i a[ hob tms in den • Himmel der To- 
ne. Die Alhnacbt , die stets ' wachSende Oewalt dieses 
Fest- und LoSgesangs sog Jedeil unauibaltsam fort in 
ieln hoheres Reieli der Empfindfting , und es scfaien, naeh 
dor Beendigung des Chores, dieser der Aufting des Jubels, 
■^velcher laut ilachhallte und ^en Tag im Freuden^Tau- 
mel der Menge'beschloss,* aus dem der Goweihtore die 
erbabene Freude d«l* Steele Im Stillen entfulirte. 

Fdr don s^oiten T^ig des Fesies, 23. May, war 
lur Auffiihrung be^timmt : 
1.) Symphonie von Beethoven mit Gh&ren aus Sclnller's 

Hymne •an die "Fi^eude *}, 
2.) Nr. '1. 2. 5. 6. '9. aus Bavidd^ jfeniietttt\f Canute von 

S;) Ouvetftnre ansr ^seiner Zauberfldte. 

4.) Ghristas am Olbej*ge, Oratorium von Beeihoivett. 

Die Symphbn^itf vrar eine ftchwierige Aufgabe, wol- 

dhe iTides» Im OaAizen aienditli gelost wurde. In Nr. 17 

4er Leipz. Mus. Ztg. ist, nach der su Frankfurt a. M. statt- 

geAtndenen AuffGJurung dieses Werkes, gesagt worden, 



^ So' eben bei B. Schott in Maine erseheinend* 

^m. d. Red, 



Musit{fe^t in Achen. 67 

IAh der Empfangnis . dee^elken scl^ieine der .Genius des 
l^ossen Melsters nicht sugcgen gewesen zu seyn «|c. 
Dieses Urtheil scheint uoi etwas vorsdineli, da llei Beftthp- 
yen leichtfassliche DarstQllung und augenbliclilicbe Yer- 
standlicbkeit nicht so gewoLnlich sind, al^ man sich^ nac^ 
-wiederholter Erkcnainisy innig rait ihm befreundet. . In- 
des8 ist nicht 2u laugnen, daas das Letztere hier schwer- 
lich je so herzUch gescbeken mochte, wie andere seiner 
Compositionen, iilsbesondere seine Sj^pbonieeo, jedem 
I: reundc der Instrumental-Musik tbejier sind. Una scheint^ 
dass der Meister in dies^n Instrumental - Satze^ (von 
^velchen wir jedocb das ScberzO nicbt horten, well ea 
in Aachen der Lauge wegen 'we^gelassen wurde) daa 
Verworrene, das Treiben und Drangen grosseir Massen •-« 
z. B. bei einem Volksfeste — habe darstellen wollen, in 
>velch6in sich zuweil^n hie und da eine gewaltigc Stimme 
Bahn schafFt, aber bald im Ge^virre, im-Tawncl und 
wilden Jubel untergeht, bis endlieh dem Sanger ^ge- 
lingt, den Tumult zu stillen. Seiner A^ffoderung folgen 
dann AUe, und nun beginnt das Lied der Freude^ in wel- 
ches das ganze Volk einattmmt. Die Melodie dieses Liedes 
liann nur in mi»glichst grosser Masse gesungen, Wirkung 
tbum Hier war diese wenlger bemerhbar. — Eben so ist 
uns der Componist in den eingelegten SolopajrCieen nicbt 
klar geworden » weil ihr Effect, nach der Anwendung so 
grosser Kraft, doch unvoUliommen blieb. Dageg.en sind ei«« 
zelne Stellen uns stcts lebendig, unter welchen \vir insbe- 
sondere diejenige bezeiehnen, wo, yor dem Schlnsschor, 
aus dem'machtigsten Fortissimo und Allegro des Ganzen, 
plotzlich die vier Gesang-Solostimm^n inr Adagio bervortre- 
ten und. auf denWorten „Allc-Men8chea weiden Brftder 
wo dein aanfter Fliigel weilt^^^ die Cadenz ausfiihren^ 
Wir gedenken initFreudenibrer ausserordj^ntlicken 
Wirkung. 

Das Ora^torium Davutdfi f^enif^nf e beschwicbtigte die anf- 
gcpegten Gemiitheri und Mozart^s unsterblicber Geniiii 



\ 



68 Das Niedtrrheinische 

errang sich wieder den Preis. Wic Ijplir tind mScbtig 
schrertch ^iesc Chore einlier! Wie ergreifend wirken diese 
Melodieen aiif Geist und Gemiith ! Welche Klarlieit herrscht 
in diesen Tonen, die toiti Himmel herab dem Menschen 2U- 
zarufen scheincn ! Die herrliche Aric Nr. 5 sang Hr. v. Wo-' 
ringeb. ' Der tiefe Eindfucli dirselben auf das Publicum 
w^ar unverliennbar; man sah, dass sich der Sanger dem 
Geiste des Werlies befreundct batte. — Der Doppel - Chbr 
und die Schlussfage gelangen vorzuglich. Im ersteren hat- 
ten wir elne mehr gleichmassig liraftige Besetzung in 
den Sopran- uiid Altstimmen gewUnscht. Das erhabcne 
Werk gieng ^rfaaben an una voriiber, und deutlich -war 
des Ganzen woblthatige, grOssartige Wirkiing ; denn eine 
langc Stille nach dem Schlusse wurde zuletzt nur von 
£inzelnen unttfrbrochen. 

4 

I 

Die OttTertupa au« der Zauberfldtef um des- 
Allien hier §*gitb€», well es yon hohem Interesse ist f 
auch solcban, dem Oinw «war naher, aber sclten in ih- 
rer ganzen '^jV^Urde bekannten Werken, die eiomal gesam- 
mi^te Kraft zu widmen, dann well es nothi^ schien, ^wei 
Productionen emsten Geistes, durch eine allgemein be- 
kaimte Composition uad deren Terschiedenen^Charakter, 
zu trennen. ]}^e4e OuTerture ballt noch immcr itaeh, und 
an sie kniipfen sich unsere freudigstcn Erinnerungen des 
Festes. £s ist keine Frage, dass sie die in der Ausfub^ 
rung Tollen4etsil;^e Leis^ung wAr. Mit Freuden bemerkten 
wir den Fnthusiasmus , welchen diese Leistung erj^eugte, 
£r iwar einredender Beweis, dass es den vielen Rossinischen 
und iihnlichen liulf- Melodieen und Tandeleien der letz- 
teren Zept aicht gelungen ist , die Empfindung fur solche 
Leben Wvkende Harmonie einiuschlafem. 

Der' OuTerture folgte Cbristus am Olberge. 
Wem ist dieses herrliche Werk unseres Beethoven, un- 
ter seinen Gesang • Compositionen in einzelnen Theilen 
gewiss das voUendetste, nicht bekannt ? Wen ergrifF nicht 
dijpse gewsditige Schilderung des Gegensatzes in der Ver- 



Musikfest in Achen. 69 

geltung des Guten und BSsen ? — Den Christus sa^g Hr. 
Kreiu aus Aachen. Sein klangreiches, mehr weiches als 
lirafliges Organ sclimiegte sich diescn Tonen gerne an, 
und die schwierige Partie wurde Ton ihm, vorsuglich 
in den Enseml^le • Stucken , recht brav ausgefuhrt. FrI. 
Reintjes gab den Seraph, Torziiglich in den zarten Stel- 
len, herrlich und vollcndet. Dieses Heil, welches denEr* 
lossten aus diesem Munde verkundet ^urde, brachte se- 
lige Ruhe in die Gemiithery welche das drohende jfVer- 
dammung'* des gewaltigen Chores tief erschuttert hatte. 
Die schone, in ihrem ganzen 'Xf mfange so gleich runde, 
bochst reine Stimme des Seraph, errang sich den Preis, 
durch die siegende Wirkung ihres Schwebens iiber dem 
vollendet begleitenden Chore. Man fuhlte, dass nur die- 
sem Seraph es gegeben sey, Heil und Segen xu bringen, 
und vergass gerne, dass Jehova's Woete mit Donnerton 
2u Terkiinden 'w^aren, urn in dem folgesde^ Buctte die 
Grosse der Liebe des sich opfernden Erlosers inniger za 
fiihlen* ' • 

Die Mannerchore wurden ganz ausgezeichnet gegeben. 

« 

Im folgqnden Tersette aang Hr. K6pke aus Berlin 
den Fetrus sehr gut. » , . 

Die jetzt folgenden Chdre fiihrten uns wlirdig zum 
Ende. Mit dem ,,Wclten singen" sprachen AUp Lob^ 
Dank und Freude iiber das rollendcte und so schon gelun- 
gene Fcst aus. 

Ungemessener Jubel ersehalUe duiieh's ganze Haus, 
als der Schlussaccord verhallte; aus ilun entwickelte 
sich der freudigste Zuruf des Dankes fur Herrn F. 
Hies, welcher das Ganze so treffiich geleitet hatte. 
Blumch *und Kranzc (logon auf ihn herab und sthone 
Hande brachten ihm don Lorbeer, dem sein rastloses 
Streben die bewahrte Meisterwiirde erwarb , dankbare 
Anerkennung des Niederrheinischen Musik - Vereins zur 
Krone geflochten. In einer fcierlichen Stille beieichneten 
wenige Wortc de's Hm. Ries den Dank fifr den ihm ge- 



70 



» 

word^nen Meistcrgruss nnd seine AnerlienTiung des Ver- 
dienstes des ganzen von ihm geleiteten Orchesters. Mit 
neuem Beifall dankte ihm dieses, und fr^udig scliallen- 
der Jubel begleitete AUe aus den geweihten Hallen. 



F. 






•t 



Charade.*^ 

O'lorreich strahlet das Ganze hervor im K£[nst« 

ler - Yereine , 
Und mit harmonischem Laut dringt es zum 

Herzen und Obr* 
Setzeat du hinter die erste Sylbe von gleicKer 

Bedeutung 
Zvrei Cousonanten, s5 giebt's ein musikalisches 

Wort, 
Das dir f ^ weim du nicht schon vemommen den 

Sinn durch der Tdne 
Zauber in def Musik, — traffend die zweit^e 

verdeutscht. 

Franz Marlome^ 



^mn^-'tmmmmmmmmm 



Isur Caecilia ^Bd.^. io. 



U\\s 



M, 



et 



'^^ 



71 
Recension. 

Psaltnus CXXVI I If quaiuor vociius hu' 
nianis comitantibus instrumentis musicis 
cantandus, Der 128 ^te Psalm, latei- 
nisch VLfkA deutscby von M. Mendelssohn, zu 
vier Singstimmdn » • mit voUstandij^er Beglei- 
tung^ in Musik gesetzt von Franz Danzi. 
Op. 65) Partitur. Leipzig bei H. A. Probst. *") 
Preis 16 Ggr. 

J-/iese an sich kleine Composition des Fsalmen 
ffBeati omnes etcM „Wohl dem^ der denEw'gen 
furchtet<< , fiir vierstimmigen Chor, ausSer dem Bo« 

V 

gen({uartett y von zwei Fldten^ zwei Hdr- 
nern und zwei Fagotten begleitet^ beginnt 
mit einem Andantino in f-dur, dessen letzt6 24 
Takte bei denWorten 9,Wdhi dem der in sei-^ 
nen W«gen ivandelt«< in ein Allegretto iiber- 
gehen, ^elches von Anfang bis an's Ende^ ohne eitt« 
fdrmliche AusweicKang* in der Tonics und ihrea 
nachsten Yerwandten bleibt. 

In dem ganzen Werke ist DanzPs bekannte 
Lieblichkeit der Melodieen wieder unverkennbar, 
so wie seine Kunst| die Singstimmen fiiessend und 
leicht singbar zu setzen, weshalb di^se Conipo- 
sit ion denn auch, sowolil fur die Singstimmen, ale 
fiir die begleitenden Ii^strumente, s^bst mit einen& 
nur kleinen iPersonale, sebr leicht auszufiihren » 
ui\d darum besonders lenen Oesangvereinen zu 
empfehlen ist, ivelehen esy zur Auffiihrung grdsse- 



9 

*) Zweites Verl^svrerk dieser, zwar noch neuen, 
al^er schnell zu ruhmlicher Bedeutung emporgeblOii- 
ten VerTagshandlung. llir erstes war Gfr, Webcrs 
Missa Nr. 3« 



72 . Danti Fsalm 128» 

rer Werke, an SalosSagern , oder an grossbesetz- 
tern Orehester fehlt. *) * 

Obgleich jkein Clavierauszug beigesetzt ist -— 
was bei aolchen Werken immerhin zu wiinschen 
yf'Are -*• so kann doch jedar nur einigermasen 
^eiibte die Begleitung ails der aehr leicht zu iiber- 
bllckenden Partitur apielen. 

Pas Auasere des Werkes macht dem Verleger 
alle Ehre; jedoch Ist ein aufFallender Druckfehler 
xu verbessern: iiii dritten Takte, am Anfang, 
muss nSmlich die zweite Violine wie im ersten 
Takte stehen. 

Das Ausschretb^tt ^er Singstimmen nuiss^. we- 
gen des doppelten Textes und der dadurch nicht 
H^lten nothwendig' gewordenen kleinen |Noten , 
mtt Yorsicbt gescheheny damit einige, an sich un- 
bedeutende YernachlMssiguBgen in dem sonst guten 
Sti^he 9 nicbt auch m die Abscbrift libergehen* 

Dr. F. S. Gas'sner, 



*) Sellt^ nicbt kurse Vorreflen^ von den Componisten 
ihren Werlien vQ^angeastzt, oft sebr zweclimassig 
sein, um auf den Gebrauch, zu welcbem, und auf 
diejenioen Classen toa AfsfShrem und Zuhorern, 
fur Mrelche das Werk bestimmt ist, so wie auch auf 
den Gesichtspunkty von welchem der Tonsetzer sein 
Werk betracntet zu sefaen vrunscht, au^erksam zu 
machCn? Es diirfte dies nicht allein fiir die Axif- 
fahrung und die Aufmahmc des Werkes Uberhaupt 
von gunstigem Einflusse sein , ~ sondern es mogten 
solche Vbrreden mitunter auch witnschcnswerthe 
Beitrage svir JLsthetik der Tonkunst geb^n. 

Jnnu d, Ff, 



73 



Berlin im Jalir 1825. 

JbiS kommt, bei einer Untersucliung ilber den Zustand dcr 
Musik an irgend einem Orte, eigcntlich weniger darauf an, 
l^tt erfabren^ 'welcbe Manner von musikalischer Bedeutung 
an demselben leben, aU yielmehr zu seben, wie erstlicb, 
durch die Umstande und durcb die offentlicben Mittel, die 
Pflanzungen, die tUchtige Manner im Haine Pol^bym- 
nias anlegen, unterstiitzt werden; in wie fern zweitens 
das Publikum fur die Kanst empfanglich ist; Tvie die 
Gelegenheiten bv&chalfen sind , vermoge welcber «s gebil- 
dct werdcn kann y und endlicb, -wie nicbt fur die Gegenwaft 
alleiny sondem auch fur die Znkunft gesorgt ist, dadurch, 
dasa aucb fur die Fort- und Ausbildung soleber Indivi- 
duen Etwas gescbiebt, die sicb der Kunst ganz weiben und 
dereinst die Cborjpbaen derselben Werden sollen. — -' 

\>ieB sind die wesentlicben Punbte, die bei dem Zu» 
stande der Musik In einem bodeutenderen Orte zu berijick- 
sicbtigen sind. Will das Gliiek alsdann einer Stadt be- 
sonders wohl, und leben it ibr ausgezeicbnete l(unstjilu- 
ger, die die Epoche dee Jabrbunderts wirklicb bilden bel- 
fen , so darf sie sicb deren nachraals freilieb aucb rilhmen. 
Einzeln aber, obne Rilcksicbt auf die vorberbcsprocbenen 
Gegenstande, ist selbst der Einfluss grosser Manner auf 
den Zustand der Hunst ihnen zunacbst, geriiig. Denn was 
bewirkt es z.* B. fur die Kunst in Baden , dass Beetbo- 
ven dort fast nook ^mehr Zeit- im Jahre i«rlobt -als in 
Wien ? 

Dies zuTor., nm diejenigen . auf unsern Standpunkt 
zu -weisen, die vtelleicbt eine woblgeordnete Nacbricbt 
iiber^sanuntlicbe bier lebende Musiker, Goauponistlsn und 
Virtuoseii erwartc^n. 

# 

Was den ersten Punkt, die offentlicben Mittel 
zur Unterstut ftung der Musik, anlangt, so ge- 



74 Berlin im Jalir 1S25- 

sdiieht dafSr einer^eits vieQeicht in keiner Stadt Deutscli- 
lands sot.Viel alft hier , , andrerseits aber vielleicbt auch 
Birgend so Wenig^ Wir besitzen drei schone Theaterge- 
ba^de, den aehonfteii Concert^al, die trefTIichsten Vir- 
titosen sowoy im Gesang als ai^f jeder Art Ton Instru- 
iHenten. Jiem Orchester in Deutscl4and ist so reich an 
tfichtigen MitgHedern als das unsrige. Auf keiner Biiline 
Wstd ntehr anKoslen verwandt, so'wohl um die ausgezeich- 
netsten Talente xu besitzen, als um die aussere Gestalt 
cktes Werlies moglichs't glanzend zu machen. Einen Cbor 
yvie der der Singakademie , aus aoo guten Sttmmen mit 
gebildet^m Organ bestehend, findet man vielleicbt nick t 
in Eiiropa* Ausser diesem besteben noch mebrere Sing- 
yereine unter gescblcJkter Leitung, die von 5o bis iiber loo 
mtgUeder zablen, wprunter ich nur den des that! gen 
Herrn Organisten Hansmann anfuhre^ deruns doch 
fast in jedfm Jakre wenigstens £ine grosse Musik zu ho« 
ren giebt» 

Was ware bei solcken Mitteln nicbt zu lelsten: Alier- 
dings sebr Yiel. Ob dies aber gesckiehty und warum cs 
da 9 wo es nicbt gescbiebt, unterbleibt, das sei der 
Gef;cn8tand des Folgenden. 

Wir erwabnten der IVtaterialien, die wir vorfinden, 
igrosse Musiken darzustellen. Vorziiglick tviirden 
diese in drei Gattihigen zerfallen : Oper, Concertmu- 
sik, Kircbenmusik. 

Zuerst dl« Oper: 'JedtevFremde, der nach Berlin 
kommt und,'bei'eittcur AufT^brttng der Olympia, od«rjytir- 
mabals, zuerst unser Orcbeater, unsre Sangei^, die Fracbt 
unserer Dekorationen kennen lernt , ruft aus : »,Was wird 
bier geleistet! Bein Theater in Europa gicbt seiche Dar- 
stellungen. Wie pracis *das Orchester, wie genau die 
Chore einstttdht, wie silver ^ SSngci<( Hier siebt man, 
was einer eifrigen Dfarektion bei solcben Mittela mog- 
licli i$t!'* •^ Am'nacbsten Abeade stebt Alceste auf dem 



Berlin im Jahr 182S. 75 

Repertoir. Er geht hlnein. Abcr ^ckli ein Utif<*fs'<5hleit! 
Das Tempo linsScher, die Chore unrein, roll, ohuc Beob- 
achtting des, Piano und Forte , das Orchester lose , zic 
stark Leim Piano, ohir^ IBnergie beim Forfe und FortiA- 
uyAo ; alle Anstrengungtfir der Sold^nger sind, so A^B^ef- 
ordentliclies sie (Herr Stumer , Herr Blume, "und yor aW 
len Mdm. Milder) fUr 'sich leisten, iii6ht im Stande, ct<* 
was Ganzes und Befriedigendes aus der t)p^ 2u bildeh. -^ 
Ubermorgen Don Juan ! „ Hilf Himmel , welch eia An- 
fang! Kein einziges Instrument tritt prSc^s ein; der 4r- 
habene <2moll-Aliliord mit seiner syneopirten Bevregung 
wird }a formlich arpeggirt, so fallen die Instrumente maoh* 
einander ein ! Und wie rerfehU das T^mpo ! • IMe Intro4 
duktion zu rasch , das Allegi'o lahin. ' 0ie (Jberladung 
mit Oontrabassen macht alle bewegte Figuren im Bm9 
undeuttich. Das ganze 'Werk erscheint wie auf Lddeh« 
papier geschrieben, so ▼erwis'Aht sich Allesi Die Ariedef 
Elvire : M* tradisce U traditort miisste fast Boch ^inmal 
so schuell 9^pi, f Der Comthur iat entweder kaum xu h5- 
re% ,oder distonirt entsetxlich. *^ (Referent hat erlebt» 
dass in der Stelle, wo der Comthur vom t'ferde h^rab 
singt, der SSnger mit as binsetzte, wahrend ery zu dem 
d-moll u. 8. V'..der Posaunen, a als Orgelpunkt zu batten 
hat, und dieses as gliicklich bis su Ende durchfiihrte.) — 
NSchstens Iphigenia in Tanris. — 99 Was ist das? Ma- 
dame Milder kommtja in dem Traum aus dem Takt und 
singt die letzte HSlfte, trotz allem Aufschlagen des Direk- 
tors, ganz falsch?" — „Getro8t meinFreund, das -sind wir 
sebon gewohnt ; . es ist nielit das erstemal , dass es ge- 
sebieht; ich selBsthdre es bereits z«m drittenmal/' „jM>er 
wesbalb wird das tiicht beiser einstudirt ? ^^ y,^^!! die 
Proben von Olimpia, Nurmahal, Cortez, Aleidor u. tv w* 
keine Zeit dazu lassen.^* — 9) Je^t Tersloh ich I Vermuth- 
lich hat Madame Milder deshalb auch uoch keiQO Zeit 
gehffbt, den tref&^hen Sanderschen Text, der Iphigenia zu 
erlesnen, und singt einen alten, unglaublich schlechten, 
der uoch dazu in der Beantwovtung d^r Recitative ui» dgl. 



76 Merlin it^ Jahr 1825* 

gar ak^t {ilisst. — £s scheint mitt indess im Ganzen nlclit 
ttnbillig, das8 auf die Werke der Lebeadeli mehr Fleiss 
▼erwendet Wird^ alt anf cEle der Todten^ die sie niclit 
mebr hHren und ihren Rahm d^in haben. -* Doch gewiaa 
hSi1;man hior allea, was Grosses und Bedeutendes in der mu- 
flikalischen Welt erscheint, suerst Und volUiommen. Wann 
wird man wohl dieser Tage den Fanst, und As or und Ze- 
^ire von Spohry w;ann die Euryanthe auffuhren ?^' — ^fMein 
' Freund — — — ** Hier Teratammen nnsere Antworten. 

Man wird aus dem Vorhergesagten, dessen Wahrheit ver- 
burglidk ist, eraeben, dass Berlip, trots der ungeheuem IVIit- 
tel, dennodk in ▼ieloi Be^iehungen sebr arm und surftcb ist. 
-<- Gewiss, durfte man yenniKlheaf bat aucb bier Botaini 
mil seinen etUcben und Tieraig Opera alien Raum wegge- 
^iM»mn]£Q* *-• Nein, baineswegs. IKe ZabI der Opern diesea 
9ebnellscb]feibf ra ^der jetit plolalicb stunun wird) bescbrankt 
aicb b^i una >auf lunf:. Xanbred, Otbello, Barbier Ton 
Seyilla, Oazzaiadrn nn^JH^an^o fdice.. «(AUgemein dau- 
ernden Beifall hat 9 auaser dem Taakred, beine gefundea y 
ein Beweftft) dass das Publibnm nocb auf eine sebr grUnd- 
liebe mn^lkaiiscbe Bilduag Aasprucb macben bann. ) Alle 
Scbuld' falH lueria einctg und aUm auf $p#htini« der so 
viel. Geld und Zeit conaiiniir|« dass auf idcbts anderes su 
recbnen 1st 9 ala auf « e i ft e Wwbe. Das Gliicb 9 dass er 
langaainiajpbeltet,; ist nipht genug iu scbatxcn. «^ Dasa 
librigens, trots dem, die Glucbsch^K und Mocartseben Opera 
besser einstudirt aeyn bonnten, leidet beincn Zwcifel. 
Atleia unaere Herm Direbtorea sind daria etwas nach- 
15s4g9.uad eatscbadigeiasicbffSr die uneadliDbaMiibe^ die 
sie Spontinis Opera wtdmen^ durcb> laicbie Behapdlung 
|ed^ andcTAb Der FreischuU und Spobra Jessonda siad 
seit kinger Zeit die einsigea Opera, die" tucibtig eiastudirt 
wordea; uad docb -^ seit die Metster aicbt mehr selbst 
im Orcbeater aitsea ^ wie Te^dadert ist dji^' Auffubruag ! 

. lai gegeawartigea Au^eablicb ist, fur die jabrelaage 
Eatbebruag, eialge Entscbadiguag au erwartea. Wabrcnd 



Berlin im Jahr iSS{b* 77 

Spontinis AbwesenheH: t^on Berlin, hat hamM^li ^ so 
sehr tliatige Graf Briibl mchrere Opern neu eisstudisen 
lassen, die auch nit einiger Sorgfalt aufgefSlirt wvrden. 
Namcntlich sind dies die Geisterinsel toa R e i - 
chardt, und Blaubart von Gretri. HSttr gleicl^ di^ 
Wabl sweckmSssiger seyn kdnnen, so ist doch die Afo* 
sicht hochst erfreulich. Nur das mues wahrhaften Schmers 
erregen, dass erst die Abw^esenbeit Spontini^s nothig war, 
um Weber's Euryanthe^ die wir naehstens erwarten, 9m£ 
die Biiline zu fordern. 

Ausaerdem giebt das Konigsstadtisehe thea- 
ter allerdings, durch pracise AufF&bmngoB mehrer 
komischen Opern, ein gutes Gegengewicht tind ek^en' 
Spom fiir die grossere Bubne. AHein leider ist diese 
Bilhne auf das Prinzip gegriindet, dass eia ToUes Haas 
(t. 0. Caase) das eissige Criterium eines guten Stuckes 
sey, und so drobt uns ^kna nacbtrstglich Ros^hiiV Flat 
zu liberstrdmen^ aadidem im librigeA Deutscbland schon 
-wieder fester I^and «um Vorscheine kQmmt, und in Italien 
wenigstens nicht mebr so baufig, erneKte Strdme die bes- 
sere Konst ertraaken, 4ie doch oua einmal zu gniitfOich ist, 
um auf der Oberflacbe scbwimmenzu k5aaea. — ^' Der Magaet 
aber^ durch dea die Kdai^sstadt auch ia die sefdec^teste 
Oper Menschea lockt , ist FrJIuleiA Sonatag , eine ebea 
so liebenswiirdige als talentvoUe Hthistleria, die fVeilich 
durch Anmuth und reizeaden Gesang so uaterhaltea- kaun, 
dass die MUsik dabei Nebensacfae wird. 

■ 

Das ist Heil uad Unheil der Oper! 

Zum (Concert e^ Der eiae Theil desselbea ist alltr- 
dings uatadelicfa, yielleicbt ualibertreffliclp. "Wir horea 
nMmlich im Xaufe des Jahres theils die benihrntestea 
Virtuosea der Fremde , theils besitzea wir selbst so «us- 
geseichaete KUnstler jeder Art, dass wir stolz darauf 
seya uad Idleafalll Icicht des Fremdea entbehrea diirfteri. 
Alicia was dea wesentlicben Tbeil der Concertmusik bil- 
detf die Aufli&faruag grosserer lastrumeatal • uad Vocal- 



78 Berlin ini Jahr 1836. 

iSfiidie, <li«iiMi lelifen w|}> 'g2toilAli«}iea MangeL ba verwi- 
chsniiil Winter '^ haben 'wir zwar eiaige Sympkonien von 
Beei&ATen gdhort, und besonders hat die musilialische 
3leitiing ( tou dioser sp&ter ) ' gethan was me konnte^ urn 
4Scscf AttfHihrung^ zn Tcrvielfaltigen ;' allcin «s sind bis- 
ber'gewissiiniil^rnochclrei, oder TierConccrte olineSym- 
pfionie gegen Eines zu rechnen, in dcm ein Musikstiick 
dieser Art aufge^hrt wird, Seit Measchengedenken wis- 
ten wir nicfat^ von Haydn ubd dessen Afeisterwerken in 
dles'em Sty], geschweige dags wir etwas Neueres der Art 
von Bies oder Fesca keniien sollten. Am thadgsten da- 
fur ist nocli das Abonnem^ntsconceql des Herrn Blie- 
seuer^ allein die Mittel der Ausfuhrung in demsel- 
ben sind zu gering, als dass sie sieb infc dcm, was von 
tinserm Orchester im grossen Concertsaale geleistet werden 
konnte', in Vergleich stellen diirfte. 

Hdf^Hst riihmenswertb sind lOdASS die Quartettauf- 
fftiirUngen des' G^nceirtmeister llldser ^ in deneai wir 
f Hhr aus Jahr em 9 Haydn , Mozart , Boethoven ^ und 
tiie b^ssten neuer«fn Meister, als Onslow, Fesca , Spobr , 
lloniberg niid andere boren^ und* z war aufs treiHi^hste 

executirt. 

/- . . ^, . . » 

. Di^s ware ^r Zi^and dfiv Conc.cr tmusik. £in 
daupmder^, eVwa von der Th^^terdirektion eingerichteter 
Cyclus voi^ Concerten kon^te dem Mangel wesentlicb ab- 
bclfon, nnd wiirde, unte|$ |;escbickter Leitung und Anord- 
^nung, wabrscbeiidicb sich auch sehr gut bezahlt macben. 
( Denn das ist ja docb zuletzt immer die bobe Intuition I ) 

Die Kircbenmus4k. Von dicscr kann ich nicbt das 
mjndeste Nacbtheilige sagen -^ denn wir baben gar keine. 
£iiiige hocbst seltene, sparlicbe AufTubrungen in der ka- 
tboTiscben *Kir4!be abgerecbnet, 1st an eine ofFentlicbe 
£xecntirung von Messen oder dergleicben Ritual -Musi- 
ken nicbt zu denken. Alias worauf sicb das Mittel-rciche, 
grossu Berlin bfeschrankt sielit, ist eine alljahriiche Auf- 



Berlin im Jahr^lSSS* 79 

fttruii^deslPodes Je«a y^n Qraim, durel^dieHannnaniiiidbe 
Gesellsekaftf und einige Tage nachUer durofi die^mgajia- 
demie. Seit einigea Jahren hat diese mdesa gcwechselt, 
und atatt desaen den Messiaa yo^ Handel gegcben. Jm 
liduf etnes JahraClliends Vleneicht Tier bw funf andere gros- 
sd offentliche AMfTiihrungen, und damit siud wir am Ende. 

Die Ursachen ^eser Sloeliiisig . im Blut , eigent- 
llch wohl im iunersten Herzen der Musil^, sind nicht 
so feicht wegzurSumen* D.e|in das ganze Personal def 
Singenden besteht aus Dilettanten *), die in Berlin griind- 
llcber als irgendwo gebildet sind. Diese indess zii einem 
grossen Kunstzwepke za -vereinen, halt nnendlich schwer, 
Denn nicht ailein dass die Bestimmung and der Wilie 
so yieler ganz freien ladividuen nicht leicht fiir dieselbe 
Sache lu gewinnen ist,.so werden auch Viele durcli Ver- 
haltnisse ^ehindert,. die aus dem Wege zu raumen, oft 
nieht in ifarer.Macht stehc* Und ware dies alles geschehn, 
so musste 'dann ertft das Orcl^ester gewonnen* werden , 
irvelehes so eehr mit der Oper und vielen iiberfliissigen 
Froben beachaftigt ist, dass auoh Toa dieser Seite der 
Wille der lanselnen. nicht ansreicht. Weun quan nun 
iiberlegt, was dazu gehort, in einer so weitlauftigen Stadt 
wie Berlin, die Erlaubniss der Behorden, die Zustimmung 
und Thatigkeit der Theatervorsteher zu erhalten, aich 
des guten Willens der Orchester- und Ghor-Individuea 
zu versichern, — so begreift man, dass Untemehniungen 
dieser Art, die mouatlange Thatigkeit fordern, selten zu^ 
Stande hommpn. Um so hoher ist daher das Verdi^nsft 
derjenigen zu schStzen , die all diese Miihen nicht scheuen, 
lun zu dem uneigenniitzigsten Zwecke diese KrS(te zu 
vereinen und einen Kunstgenuss moglich zu machen, der 
zu den reinsten und hochsten gehort. Das Verdienst des 
schon genannten Herrn Organist Hansme^n ist hierin u'a- 
bezweifelt das grosste. — 



*) Unsem Theaterchor mag auster der Buhne Nicmandf 
horen. Anm, d, Ff, 



80 Berlin im j0hr isail. 

So seheift wir dAm, iUms, was 4ie 4ffeHtlicIienMkt«l an* 
lasgt, Allesiifi reichsten Maa$e in Berlin Torhanden ist, urn 
eine Propi^gande der edelsten Kunst va bilden. Doch die 
UbistSnde, die daliuei obw^iheo, Terhindem grossentheiUdie 
Benutzung dieses «eicbeii JStoffes. Der iiberall in die Au- 
gen springende Mfingel ist der einer partejlosen, fiir 
alle Theile der Kunst |;leich eifrig wirkenden Totallei- 
tung. Wie schone Beispiele geben i^iis da die Musikrer- 
eine am tVhrfn , in Norddeutschland , das kurslich so be- 
deutend gefeiertc Muslkfest in Magdeburg! — 

Wir gehen zu dem zweiten Theil unserer B e- 
trachtung uber, namlicb su der Empfanglicb- 
keit des Publikums fur Musik, und zu den Mir- 
teln auf die Bildung desselben zu wirken. 
Von den Kunstlem von Beruf verbreitet sicli die Anslcht 
derselben zuuachst auf ihre Schiller, und auf diejenigen, 
welcbe zu ihnen in nSberer Beziebung des tcbens und 
Umgangs stehen. ITnd da k5nnen wir Vilbmend sagen, es 
sey fast kein einziger in tmserer Stadt» der nfcbt das 
wahre Beste der Musik zu 'fordern sncbe. So wird der 
Weg des Unterrichts der, auf dem das Verstandniss der 
Musik sicb weilcr linter di6 DilettantenundLayen verbrei- 
tet. Von dem wiirdigdn Professor Zeltcfr, der in al- 
ien Bichtungen das Beste der Kunst zu befordern gcsuebt, 
ist dicser Weg ebenfalls am bfiufigsten und mit dem 
gMcklicbsten £rfolge Betreten worden. Fast all ulisere 
besseren Musik- und vorzuglicb Gesanglehrer siiid seine 
Schiller; eben so upsere grundlichen ,' musikalisch auage- 
bildeten Orgauisten, z. B. Grell und Bach. Die.Singaka- 
dcmie dankt ihm, seit der grosse Fasch sle gestiftet,«ibr 
dauemdes Fortbluhen; die Einrichtung der Liedertafeln 
geht zunachst yon ihm aus, da er Stiver der Slteren, 
un4 BefBrderer und Theilnehmer der jiingfrn (durch Lud* 
wig Berger und Ber^hard Blein gcstifteten) ist. Die erste 
hat einea Ghor vfui 3^, die zweite emen von ^o ^eiibten, 
schonen Maimerstimmen. -^ In dtesem Geiste wirken die 



Berlin fm Jahr 1825* 91 

meisten bedeutenden Lf^hrer Berlins. Ich ii})esr^ehe die* 
jenigen, die auf Orch ester - Instrumenten Unterriclit' er* 
theil^n, und ncnne von denen, die das Fortepumo, d^e 
Grundlage aller musikalt^chen Bildung, cultiTiren, nur die 
▼orziiglicbsten : LudwigE|rger,' Schiller dementi's, als 
ausgeeeichneter Componist und seelenroller Spieler be- 
rfihmt, und Carl Arnt>ld, gletcbfalls als hochst ferti- 
ger Klayierspieler und grundlicber' Compositeur riihm- 
lichst belisnnt. Neuerlichst ist auch Aloys Schmidt 
zu uns gekommen, und wir hoffen, er werde durch einea 
langeren Aufenthalt die Zalil trefllicher Lehrer uud Mu- 
ailier vergrossem. — Alle diese crtheilen* aber durchaut 
lieinen handwerl&smassigen Unterricht (wie dies leider la 
Wien so TielfaUfg statt i^ndet), sondern es ist ihnen ErnsI 
um die Ausbildung ihrer Schuler, die, wenn sie sich der Kunst 
ganz wldmeny diese wilrdige Ansicht ^eiter Bef^trdern. •— 

Als Yor^iiglichstes BUduBgsmittel wirlteii besondkra 
alle schon mehrfach' erwahnten Singvereine. la 
di|se fliiclitet sich die helmatlose Hirchenmusik , nnd halt 
dort, wie die ersten Christen, Terstohlenen Gottesdlenst 
ewisi:hen vier Mauern. Sa wenig dadurcb offcntlicb ge- 
wirkt wird, so sch&n wird der Sina fSr emste, wurdige Mu<' 
•ik geweckt and gepflegt. Da man im OanEcn mindestens 
4 bis 5oo Mit^lieder solcher Vereine rechnen kann, yon 
denen sich jahrlicb wobl-^ Zehntheil emeut, so ll^ssi 
sich denken* dass schon daese aUein eiaen trefflichea 
Stamm des Fublicums heranbilden. •— 

Docb auch hierin hat Berlin Schattenseiten. Es fehlt 
an einer Anstalt cur Ubung der Instrumeutisten, und 
.daher mag es kommen , dass das Bediirfniss, Instrument 
talmusik su horen, noch nicht so dringend ist, dass die 
Concertgeber sich darnach richtea miissten« Allein es ist 
lloffnfing da, dass diesem t^bel nach und nach abgehol* 
fen werde. Ein ^eschickter jangjer Violinist uad uber- 
diess griindlicher Musiker, Herr Eduard Bits, Schuler 
des gr|^8sen Rhode, ist durch einige thStige Konstliebha- 

CiciVi*. 4-1t«n't. (Heft i3.) 6 * 



Wis MorZm urn Jmnr 1^2^ 



«MM f'ff«*f'«|^aM»<kr 4Mr «o«ittm. \kuum. wm i>Iiom. l>t»cii oic 

lU MMttuAif: At«*«p» wruiix^ft §m«&«. Der ii^erall ia ^ Ab- 
fru »)»r>ii;;t*iiA# llmpi mm Lew waatr ^arioiflBai« fur 

ftllf *! Urilr 4i<n- l^iftLMtf f,^r>MM csdrii; virLesdrm Total^fi- 
ttiM|[ W ir %c\%«tuf IWUt^rV ^^Wa msft ^ & ^Mufiikrer- 
iiltir AMI litt^fi . in 1^or^rut4c:t]4rW. ^Af ItiirriMk so bc- 
Il4>»«frn«l ^ffm^rlr Mu^il-irU tB M^^'^ebor^! — 

%\ h irnhrn fu tlcm tfietteflTheil uasererBe- 
i^«« I. iiit^n QHm', nlmljrb m i^iffr Empfanglich- 

i .« . i 4l c «. r Ik h I i V u m II fiir Mnftik , obA sa den 3Ii t- 
trivx #1 «« f .iir I^i1^iin|( dfanrlbeii ea wirken. 
\ ^« Ar^, )%«.n«>iMn) ^oii Bnriir v(?rbreitet sicb die Anslcht 
^».,^..:k.^ too^, hvi am! iUrr Si^liiilrr, unJ auf diejenigcn, 
^«.^i,.K ^ ;v«%.sk d^ %tail«c^"«r Brftirbung des tcbens und 
I'T*^ ..^- ^A.K,s^ ;W <U VtUinra wir ViHimcnd sagen, es 
^^ .^> i .»;. Ki^kk.fv ik^ ^us^'^'fir 5iT»dt, der mcbt das 
^ .» i. V ^^ ^*- '^^ovi- •* tK*ilirii jaK^b*. S© wird dcr 
\e-^ *^ r-*.:? j..<i%vv iRi . 'Siu" ^ijHfc B» ^^rstiudmiss dcr 

>^ .:i%j*A^i-5i iii» Hkii^i^xpn, im£ miz dtrai 
•r»o.a^»i *%«••:»;?» •or«tef«fe ?lwt iff vzxs^frv 
.- i*.^ w^t .J^.,i .r S»i»>ajJ:5jt:»ii>?sr ahii seine 

... ..- > - 'M .w»u.it;u, -4^ ;^iTUK.iiUAu;C ifit" Lj-tHierraieiii 
. V -^ .v,»>*. mu. 1141. lu*^ Ul *-'»• cSiiter- -unr iiteren, 

>« ^ «• ^ 1 ^^a J Hi* mi A*, u ueui -,«v>aiteieu> iat- Qi«^ erste 

«%. .^u ivii **Ai /^ ^tt,zvvt;ii.» iiiii^iM ^^ii i.o ijeiibteru 

>v . , ^, . '^^.- ci :»w.iiu*icu. — in .^ejxiia JieAAUJ ^vtrllt;u ai» 






Berlin im Jahr 1825* 91 

meisten bedeutenden Li^hreir Berlins. Ich ii})eirg;e^e die* 
jenigen, die auf Orch ester - Instrumenten Unterriclit' er* 
theifen, und ncnne von denen, die das Fortepiano^ d|e 
Grundlage aller musikalischeD Bildung, cultiTiren, nur die 
yorzugliclisten : L u d w i g B |r g e r,' Schiller Clementrs, als 
ausgeseichneter Componist und seelenroller Spieler be- 
rnhmt, und Carl Arnold, gletchfftlls aU hochst ferti- 
ger Klarierspieler und grfindlicbdr Compositeur rubm- 
lichst bebannt. Neuerlicbst ist aucb Aloys Schmidt 
zu uns gebommen, und wir hoffen, er werde durch einea 
langeren Aufenthalt die Zahl trefFlicher Lehrer und Mu- 
flilter vergrossem. — Alle diese crtheileii* aba* durchaut 
lieinen handwerbsmassigen Unterricbt (wie dies leider in 
Wien so TielfaltFg statt i^ndet), sondern es ist ibnen Emsf 
um die Ausbildung ibrer Scbuler, die, wenn sie sich der Kunst 
gans widmen, diese wiirdige Ansicht welter bef^i^ern. -«, 

Als Yor^uglicbstes Bijdattgsmittel wirben besondkri 
alle scbon mebrfacb erwahnten Singvereine. la 
di|se flacbtet sich die beimatlose Hircbenmiuib, nnd bait 
dort, wie die ersten Cbristen, Teratoblenen Gottesdlenst 
swiseben vier Mauera. So wenig dadurcb offcntlicb ge« 
wirkt wird, so scb&n wird der Sinn fSr enisle, wuriKge Mu<» 
Ilk gewecbt und gepflegt. Da man im Oanecn mindestens 
4 bis 5oo Mit^lieder soleber Vereine rechnen bann, von 
denen sich jabrlicb wobl-^ Zebntbeil emeut, to llsst 
sich denben. dass scbon diese aUein eiaen treffiicben 
Stamm des Fublicums beranbilden. •— 

Docb aucb bierin bat Berlin Scbattenseiten. Es feblt 
an einer Anstalt zur Ubung der Instrumeutisten, und 
.daber mag es bommen , dass das Bedurfniss, Instrumeuf 
talmusib su horen, nocb nicbt so dringend ist, dass die 
Concertgeber sicb darnacb rkhten m^ssten* Allein es ist 
Hoffnting da, dass diesem t^bel nach und nacb abgebol- 
fen werde. Ein ^escbicbter jung^er Violinist und uber- 
4iess grundlicher Musiber, Herr Eduard Bitt, Scbuler 
(ies gr^ssen Rhode, ist durcb einige tbatige Kunstllebbc- 

Cicilia. 4. Bantl. (Hcfi i3.) 6 ' 



^2 Berlin im Jahr 1825. 

ber aufgefo»dert worden, sich aii die Spitze efnes Ver- 
eins fur Instrumenlalmusik zu stellen, der, wie ich horc, 
die erste Versammlung noc^ in dipsem Winter balten 
"wird. Moge dasUnterne^men niclit zn gross angefangen, 
sondcm mit dutdsamcr Behmrrlicbkeit ziira Wachsthum 
gfefuhrt werden, so werden wir gewiss eine sehr schatzba- 
re Fflanzscbule der Instrumeutalmusik dadurch erhalten. 

K 

Der l«tzte Weg ^odlicb, auf das Publikum zu wirken 
tind es zum VerstMndniss grosser Werke heranzubilden, 
ht der offcntlicbe Unterricht durch Kritil. 
Hier sieht es n{»ch arm aus. Die Kritiken in unsern Zei- 
tungen sind blosse Beferate, die auch vielleicht selten 
parteylos seyn dfirflten. £inige8 Verdienst hat zwar bier- 
in die durch Hrn. Marx redigirte musikalische Zeitung, 
kcv man den rtthmlichsten Eifer, auf gros&e Erscheinun- 
ges aufmerksam .^i| maehen, nicht abiprechen kann; 
allein theils igt sio zu sehr auf Musiker vom Facfa berecli- 
net, thieils spritht sich auch bier, wie es scfaeint, lucht 
immer eine unbefangcne Ansicht aus (besonders in 
S^ucksicht auf Spontini), und wo selbst diess der Fall ist, 
•cheinen die >Aixsichten einiger Arbciter sich wohl oft 
XXK sehr von der iwalen Basi§ aller Kunstphiloaophie (der 
'Praxis) zu entfernen, um ihrer selbst nichtrnicbofs^ Dilet- 
tauten vichtig zu fiihren. 

Um nun zu dcm dritten Abschnitt de^ Zu- 
standes der Musik zu kommen , namlich zu dem, 
iras gcschieht, um immer neuen Anwachs in den Pfla^z- 
^chulen der Kfinstler selbst zu bilden : so mochten wir 
Uns hierin am armsten zeigen. Gtite Lehrer sind dazu 
allein nicht hinreichend, denn diese hangea yon dem 
.Unterricht melstentheils in Beziehung auf aussere Exi- 
•teni: ab. Daher sind sie wohl fUr Wbhlhabendere^ abcr 
nicht fur die Bediti*f):igen. Denn wenn auch Eintge^ aus 
Liebc zup Sache , armere Schiller unentgeldlich unter- 
rickten, so fragt sich'« doch noch, 6b das hinreiehend 



Berlin im Jahr 1825* 83 

sej f und ob ^ da Vcrbaltnissc -dies wohl oft mit besj^m- 
men, grade die talentTolIsten Lebrlinge zu ihnen gera- 
tben. Es raiisstc, also ein Gonservalorium eingerichtet 
>verdeu, wie es Paris so vorsiiglicli, wie es Wien im Tniu- 
dciten Grade, aber docb aucb noch fordemd genug, be- 
sitzt. Allein davon ist bei tfns niclit einmal die Bede^ 
geschweige dass an eine Ausfuhrung zu denken -ware. 
Und doch mocAte sie leichler seyn als man glaubt, weniiy 
^ie das in einer grossen Stadt nicht scbwer fallen kani^ 
den Zoglingen Gelegenheit gegeben wiirde, durch correc- 
tes Notenschreiben und Uuterricht in den Anfangsgriln- 
den, einen Theil derKosten, die ihre Ausbildung verursa.- 
chen wurde, sogleich, den andernTbeil von ibrem spSte* 
ren Lebenserwerb , abzulragen. Wie wurde eine solche 
Anstalt dem grundlicben Studium der Musik f6rderli<^ 
seyn! Aber wie gesagt, bis jetzt kann daran nocb kaum 
gedacht werdcn. Dcnn alle Institute dieser Art miissen • 
Tom Staate wenigstens^ einca Impuls bckommcn; da aber 
das Interesse dafur kaum iiri allcruntersten Grade in den 
Behorden Icbt, und selbst alles das, was gescbiebt, meist 
auf ganz unzweckma«sige Weise veranstaltet wird, so 
bleibt fur jetzo nichts abrig^' als davon zu traumenh 

Zum Gluck bat der Himmel besser fur uns gesorgt als 
wir. Vor fiinf bis lehen Jabren batte uns das Schicksal der 
Musik hi Berlin viele Sorge macben koniien, denn es le]>te 
fast kein einziger, dem die Ziigel mit Sichcrheit hatten an- 
Tertraut werdenmogen. Doch jctztdurfen wirhofTeny unter 
den jungern Mannern, die sicli der Kunst widmeu, so wie 
unter den bcreits vorgeriickten , bedeutende Erscheinuii- 
gen der Kunst wahrzunebmen. Icb will nur einige, und 
grade solche, <lie yielleicht weniger in den Zeitungen und 
Zeitschriften einlieimiscb seyn mogcn, nennen, weil sie 
mebr Grundlicbes,'al8 Blcndendes leistcn. Zuerst L u d w i g * 
Berger, dessen seltener Genius (>vie Fascb) eine Art 
Abneigung Tor der Oifcntlii'hkeit zu habcu schicn^ die 
er jedoch zum Besten der Kunst jetit zu iibearwindea 



1 



S4 Berlin im Jahr t825» 

•cheint, indetn cr tms in l(uczer Folge mit oiner Reihe ge- 
dlegener Klayior- und Gesangswerke* .(^^^ besten unbe- 
dingt an ilie 8eite zu setzen) beschenkf hat, die die schon 
so oft anerkannte Tiefe seines Genius aufs neue bevirali- 
ren. Ddnn Bernhard Klein, aus Coin gebiirtig, ein 
Mann von 8eltenei|i Geist and Feoer, teich an den gedie- 
gcnsten Kenntnissen, der durch seine Ope^ Dido die Auf*- 
merksamkeit aller Benner im bobtn Grade erregt hat. 
Yon einer Reise, die er vi>r anderdialb Jahren naoh Italien 
nnt^momm^n , ist er, bereichert mit dort aufgefundenen 
mnsikalischen ScTiatzea, so fvie mit kunstlerischen Erfah^ 
rttngen, kiirzlich heimgekehrt, und wir barren nun den 
Friichten, die die Musse in ihm zurvblligen Beife ^bracht 
hat , entgcgen. Ferner Ludwig Grell, der, als griind- 
flbher Harmoniker , trefdicber Or^clspieler und fleissig im 
stillen arbeitender Gomponist, des bessten Rubmes imter 
* uns genicsst, und vielleichty nachst Felix Mendelssohn^ 
Zellers tre^chster Schiilcr ist. — Carl Arnold, schon 
oben als • Klayierspieler und Lehrer genannt, der mit 
griindliden Henntnissen einen angestrengtcn Fleiss Ter- 
bindet. Er arbeitet, vie wir Jioren , gegenwartig an einer 
grosseii Oper, £e wir tielleicht noch im Laufe dies Win- 
ters auf unserm Kepertoir lescn. — Endlich nenne icb mit 
$tplz und Freude den jungen Felix Mendelssohn, 
2elters und Ludwig Bergers trefflichsten Schuler, der in 
seinem sechzehnten Jahre schon mehr geleistet hat ais 
mancher im sechzigsten, von dem wir bereits vor ei- 
nem JJihre eine grosse Symphonie offentlich horten, die 
sich ^es ruhmlichsten Beifalls erfreute, und von dem wir 
(wenn einem unverb^rgten GerUchtc Glauben geschenkt 
werden darf) n^chstens eine neue, seine dritte*) Oper 
auf der Biihne su erwarten haben. ~- 



*) Die orsteii, so wie sdne meisten Symphonieen, sind 
nur in einem vertrauteren Familienkreise, mit Her- 
zuziehung weniger Klinstter und Kunstfreunde, auf- 
gefuhrt worden. Im MusikhaaAel sind bis >etzt erst 
Tier WfStke dieses seltnen jungen Mannes : i Quartet- 



i 



Berlin im Jahr 1825. 85. 

Dies sind die Namen der Hunstler, auf die wir in kiinf- 
tigen Tagen su hoffen haben, und die ich mir ruhiiUr<Slist 
ztt nennen erlaubt habe. Sollte ich von alle'n Achtungs- 
werthen sprecheii) die auf Berlins flfnsilizustand Einfluss 
babea, so wiirde ic!h noch eiAe Menge von IVamen nen- 
Den miissen , die ich ' nur darnm verstWeige , well ich 
f 9 mir zum .Gesetse gemacht, nur deasen zu erwahgien , 
was Ton entscheidend bemerlibarein Einfluss ist und von 
dem dies zu hofTen steht. 

Ein uubefahgner Leser Wird schen, dass ich die Ge- 
brechen meiner Vaterstadt so ofFen dargelegt habe, wie 
ich ihrer Vorzuge riibmend gedacht. Es ergiebt sich daraus, 
dass immer noch Vieles zu geniessen imd anzuerkennpn 
ist, wenngleich Vieles znirvflnschen ilbrig bleibt. Ja, wenn 
ich einen Vergleich mit andera g r o s s e n ^tadten Deutsdi- 
lands anstellen sollte, so mochte, Alles inAllera gcrechn^t, 
Berlin noch immer den ^sten Bang behaupten; allein 
das lasst sich nicht laagnen^ dass in kleineren Orten, 
z. B. in Leipzig, Terhaltnismassig vielMehr geschieht 
als bei uns. 

Mocbte der anhlagende und wunschende Theil dieses 
Attfsatzes Einiges in Anregung bringcn, soy dass ich von Zeit 
xuZeit Berichtigungen nachfolgen lassen lidnne, bis |ind; 
lh;h Alles ausgeglichen und erreicht ^are, was v^rniii^- 
gerweisc lu hoffen Und zu wiuischen ist* 

o • a. K^ Li0 C* 



te bei Schlesinger, und i Quartett und i Sonate mit 
Violin - Begleitung bei F.Lane in Berlin, erschienen. 



1 • 



86 



• i 



Reliquie Hillers. 

J ohaii.ii Adam Hiller, hochverdient um die 
Kunst der Miwik als TonsetMr^ Schriflsteller und 
Ges4Dgiehrer> i#t zwar weniger beriihmt, als er 
es zu seyn verdientey aber doch Allen bekannti 
denen die musikaiiAcbe'Literatur dt^r letzten dreis- 
sig Jabre des vorigen Jahrhttnderts nicht ganz fremd 
ist, uad von ihaen mit voliem Kechte bochgeach- 
te^ Diesen wird die hier mitgetbeilte Kleinig- 
keit f ein Facsimile der Handscbrift Hillers, werth, 
und auch fixr ' Andere vielleichi; nicbt ohne In* 
teresse fieyn, dft sie ein artiges Beispiel ist, wie 
man vor funfzig Jabren barmlose Laune naiv in 
Wort und Ton ausspracb. — 

Icb fand das Blatt ga&z zufallig unter alien 
Familienpapi^ren und kann die Aecbtbeit dessel- 
ben verbilrgetty indem icb in den Jahren 1793 ^i^ 
17969 als Alumnus der Leipziger Thomasschule, 
fast tMglicb Gelegenbeit batte, Handschriften des 
damaligen GaAtorVundMusikdirektor's Uiller, mei- 
nes verebrten Lehrers^ vor Augen zu haben. 

Weimar im Fcbruar 1825. 



Aug, Ferd. Has§r, 



87 



Die heilige Cacilie. 

rl Q r d e r hat 9 in der fUnften Sammlung seiner 
zerstreiiten BlMtter, eine Khapsodie iiber di^ 
heilige Cacilie gegeben 9 die 9 wie aUe8 9 ^ss aus 
diesem genialen Gei'^te hervorgegangen 9 viel tief 

« 

Gedachtes und tief Empfundenes enthalt. Nur das 
Kathsel9 wie die heilige Jungfrau9 welcfae der 
Musik nicht achtete9 und ihre Ged$n. 
ken davon ah wendeteiZurSchutzpafronindie- 
ser Kunst geworden ? vermochte er nicht zu Idsen. 

Und doch liegt der Schliissel so nahe! 

Nicht nur fubrt er selbst die Worte der Le^ 
gende an : Cantantibus or gams ilia in corde ifuo 
soli domino decant abat^*) sondern auch das 
herrliche GemShlde Raphael^i^ 4ie fiinf Heilt- 
gen, unter denen 9 als Hauptfigur 9 Cacilie her- 
vortritU 

i . •- 

Wer die Werke 4es gdttllchen Jiinglings voli 
Urbino aufkierksain und mit .empfMnglichem Sin- 
He betrstchtet 9 dem kann ui^ndglich entgehen ^ 
class kein andrer Kiinstler die innere Bedeutsam- 
keit eines Gegenstandes so klar und voUkommen 
erfasst habe9 als eben diesen 



*) Nach Surins : Cum ess0t symjfhonia instrum^ntprum^ 
ilia «... Deo psallibat ; d. h, Indess die Tonwerkzeu- 
ge lilangcn , stimmto 9le «iU GQtt altein in ihrcm Her^ 
«en Lobgesange an, Anm^ d, Redt 



88 Di^ heilige Cacilie. 



Wenii man die oben angefithrte Stella der Le- 
gende mit Aufmerkaamkeit Ileal f und dabei an die 
Schutzpatronin der Musik denkt, ao eracheint Ra^ 
phaela Idee alt daaEy des Kolumbut. (Darin zeigt 
sich eben der Genius , dass er die Beziehung' der 
Dinge^ welche oft dem gemeinen Auge, gerade ihrer 
Afiinitat wegen, gar leicht entgeht, auf den ersten 
Blick zu entdecken weiss. ) 

CMcilie war verlobt^ allein ihr ganzes Wesen 
wendete sich ab von derErde und nach dem 
Himmel hin. Schoft erklang die hochzeitliche 
Musik, doch ganz and ere Ha*rmonieen tdn- 
ten d^r Jungfrau von jenaeits heriiber. 
Raum und Zeit mochten ihrem unendlichen Seh- 
nen nicht geniigen, und daa Irdische kpnnte ein 
fiemiith nicht reizen , das sich zu rein fiihlte iiir 
die Sinnenwelt. So fasste Raphael ' die Idee zu 
seinem unsterblichen Bilde, und rechtfertigte da- 
mit die Wahf disr Kircbe , diese Verachterin 
der weltlichen Musik zur Schirmhelligen 
der hdheren, der himmlischen Kunst zu 
erhebeiv Cacilie ist vom Mahler in dem Momen- 
te dargestellty wo sie die muaikalischen In- 
strumente zerbricht und mit Fiiasen 
tritt, wShrend eine GlorieWon Engein iiber 
ihir schwebt, und viel herrlichere Tdnet 
Yfie sie ke.in sterbliches Ohr aonst ver- 
noniftneni ihre»Seele empor tra^n. ^^ 

AL Sehreib^r, 



■•^ 



89 



Teutschland 

im ersten Viertel des neuen Jahrhunderts* 



Betrachtungen 

eines 

Musikfreun des.*) 

• > 

Uas Jahrhundert steht im ersten Viertel : — - in wel^ 
chemAIondeszeichen steht wohluQsere Kunsl? und / 
wie iveit hat sie noch hin bis.zuin voUen Lichte ? — 

Es ist mir undy meines Wissens, auch den mei« 
sten-anderen Menschen^ nun^ einmal eigen, am 
Schlusse eines irgend bedeutenden Zeitahschnit- 
ieSf denselben betrachlend ins Gesicht zu fassen^ 
um sich bewusst zu werdeu, was wahrend dessel- 
ben geschehen, was geleistet worden, und wohia 
es bjs letzo gekommen. Das erste Yiertheil eines 
neu3n Jahrhunderts ist aber ohne Zweifel ein hin- 
reichend bedeutender Zeitabschnttt 9 um zur An« 
stellung von Betrachtungen vorerwlhnter Gattung , 
zu veranlassen. 

Freilich! Was heisst ein neues Jahrhundert? 
— mit jeder Sekunde beginnt j^ ein neues, und 
mit grdsserem Rechte und tieferer Bedeutung, 
als nach dem Kalenderjahre, zahlt sich eine neue 
Aera von jedem ersten FunkeUi den irgend ein vom 



*) Urspriinglich fSr eine aus1l[iidisclie Schrift (die schon 
i^ieder eingegangene European reviev) bestimmt* 
und daher manches uns Teutschen Beliannte mit au^ 
sahlendy was jedoch, ohne die Zusammenstelluiig 
2U zerreissen, nicfat wohl gans ausgelassen sondera 
nur abgekiirzt warden konnte. 

adlia, 4* Bn<l« (H«fl i4.1 7 



90 Teutschland ^ im erst en 



% 



Geniui Begabter iB die Seelen der Zeitgenossen 
wirft. Doch auch das gemeine prosaische Kalen- 
derjahr ist beachtenswerth genug (ohne'es k'^men 
wir alle la auch mit Einmal um unsere Neujahrs- 
und Chriitlundchens-9 Geburts- tind Namens-, Sie- 
ges- und Trauerfeste u. s. w. u. s. w. — und wer 
mdgte das?) — und ebeti darum erscheint ^mir 
denn auch das gemeine Kalenderjahrhundert ab 
hinreichend bedeutsame Yeranlassung , mich, am 
Schlusse seines ersten ^uartals, nach seinen £r- 
gebnissen umzusehen und mir den gegenwarti* 
gen Zustand der Kunst im teutschen Vaterlande 
mit -einem (jberblicHe zu vergegenwartigen*. ^ 

Und zwar soU dieser IJberbiick mehr nur ein 
historisch betrachtender sein, ak ein umfassend 
kritischer, indem es mir jetzt mehr nur darum 
zu thun isty mir das* was und wie es in Teutsch- 
land in unserer Zeitepoche besteht, thats^cblich 
zu vergegenwartigen und zusammenzustellen 9 als 
gerade uber jtden dem Blicke sich darbietenden 
Gegenstand raisonirende-Erdrterungen zu liefern* 

Nicht*ohne Grund darf man unser 
^eitaltar diq[ golde»ne Zeit der Ton« 
kunst nennen. 

Ich will dieses nicht eben in d e m Sinne gesagt 
haben> als stehe die Kunst selbst in unserer Zeit auf 
hdchsler Stufe der Yollkommenheit j «-^ denn da mdgte 
ich's mit der zahl^eichen Zunft derjenigen aufnehmen 
miis^en, welche sich so wohl darin gefallen, iiber 
Gesunkenheit und Yerfall unserer Zeit und Kunst 



Viertel des 19. Jahr/u ^ 91 

zu deklamiren '^') und dem ausgeflogenen Adier 

Riickkehr ins enge Nest zu predigen. — * Nein ! i^h 

vfill hier diesen Streitpunkt unberiihrt lassen, ^nd 

meine obige Phrase nur dahin rerstanden yris^ 

sen, dass in unserer Zoit der Sinn vorzilglich f%ir 

Toak^nst sehr allgamein verbreitet und recht 

warm ins Leb^ der Zeitgenossen verwachsen 

ist — kurx, dass Musik in unsern Tagen mehr^ 

als vielleicht jcmal der Fall gewesen , geliebty 

empfunden, gepflegt und unterstutzt wird, und 

kurz f ein Gegenstand desi allgemeinsten Interesse 

gevvrorden ist. Ja ich kenne Stadte und Gegen- 

deny inroselbst dieses Interesse sich in solchein 

Grade, und so ordentlich ausschliessend, derGemii- 

ther der gesammten EinwAhnerschaft bemMchtigt 

hat) dass man dort beinahe kein anderes Gesprlch 

mehr hc^rt, als von ibrer Oper und ihrem Con- 

certe etc. , we selbst der Sinn fur jedes andere 

menschliche und biirgerliche Interesse vom Mu- 

siksch^yindel benebelt und in Slchatten gestellt er« 

scheinty und nicht Yiel fehlte, dass, auf gut Abde- 

ritisch, der grdsste TrillerschlMger auch nothwen- 

dig den ersten Anspruch auf die Biirgernieister- 

wahl hStte. — Soiche Beobachtungen sind nun 

freilich die Kehrseite, wie jede ifBertreibung 

die Kehrseite des Guten ist; denn nur einzelne 

ErwShlte soilen ganz in der Kunst leben, ein mu- 



*) Mil Andem stritt ich dfter schon, und eifre stets, 
Wenn irgend Wer Termeinet, dass bei Sterblichen 
Die Zahl des Bosen grosser als des 6aten sei. ' 
Dat Gegentheii v^on Diesem hab ich stets eeglanbts 
Der MenscheiKSegen Uberwiegt das Schadliche. 

Euripides , Die Flehenden , V. 178 - 177« 



/ 



02 Teutschland f im erst en 



SUat fiber wftre ein Abdera, tind eine 
in ftolcbem Sinne musikdurchdrungene Stadt ist 
Allies : *- aber das ist ea )a nicht^ waa ich ala er- 
freiilich fOr die Kumt und fiir dje Geseikchaft 
erwShneA woUtet soiiderii dass Sinn und Em- 
pfftnglichkeit und Theilnaimie fiir das Scbdae und 
Edle ilberbaupt und fiir die Tonkunst insbeson- 
^erey in unsern Zeiten ^war nicht ausschliessUchi 
id»er doch sehr allgemeiii unter den cirilisirten 
StiUiden verbreitet isl. 

Was ich hier vom Kunstsinne unserer Zeit iiber* 
baupt sage » gilt aber insbesondere aucb^ und seibst 
Yorztiglichy von unserm Teutschland** JOenn dass 
im Fache d^r Tonkunst uns Teutschen der Rang; 
YQT andern Nationen unserer Zeit gebiihrt, braucht 
Micbi erst ein Teutscher zu behaupten, indem die- 
ses uns von Kivalen seibst zugestanden wird. 
Teutschland ist das Yaterland, welches dem Him- 
mel der Musik Sonnen und Sterne allererster 
Grdsse gegeben. Von 'uns hat England seinen 
HMndely Frankreich seinen Gluck, Italian sei- 
nen Simon Meyer empfangen^ die Welt ihre 
Mozart und Haydn; und auch neuerlichst sind 
aochlebende teutsche Tondichtor die Bewunderung 
der civilisirten £rde; und wird nicht auch unserm 
€• M. v« Weber England bald den seinigen nen- 
nen wollen ? 

Aber auch nicht dieser ausgctzeichneten Lich-* 
ter all ein diirfen wir uns riihmen^ nicht glMn- 
zen sie als einzelner hoher Schmuck einer sonst 



Viertel des 19# Jahrh. 93 

unbedeutenden Massd, nicht stelien sie als veretn* 
zeke Firachtblumen, durch Zufall einer sonst blu« 
menarmen Flur entsprossen t zwisc^hen unwerthem 
Nachbarpflanzeii 9 soitdem gezeugt und ernShrt 
von ^inem ihrer vpkrJdgeny ihrem Gedeihen ausa** 
gendeA heimischen Boden und herangebildet duroh 
die Umgebiing 9 vdurch die Ein- und Wechselwir- 
kong rervraodter Gemiither. Denn tief ist ink 
teutschen Gemltthe der Sinn ftir edle Kunst iibei* 
haupty und die ansprechendste dersolbeut die schd« 

It N 

ne Kunst der Tdne, begriindet; ttnd wird auchy 
in andeni LMndenny und vorziiglich in deren Haupt*" 

stldien, zum Theil Mehr und Grdsseres fur di# 

» 

Kunst gethan 9 so scheint doch der Teutsche mehr 
.i n der Kunst 9 und d i e s e selber in Teutschland 
Alehr und Grdsseres gethan9 und in den Charak* 
ter des Teutschen die tiefsten Wur^eln gesenkt 
zu haben. 

Unter den verschledenen Zwelgen und F'A^ 
chem der Ku4st9 welche sich der Betrachtung der 
Heihe nach darbieten, glaube ich mit dem Instil 
tute der teutschen Oper beginnen zu miissen: 
Ictzteres. aus dem Grande 9 weil dieser Musikgat« 
tung, wie sehr man diese Ansicht paradox schei* 
ten mag 9 am £nde doch allemal der Vorrang als 
£rste Gattung geb^ihrt. Denn nur die Buhne 
ist das Feld9 wo die Tonsprache eigentlich und 
wiridich als Sprache und tlluschend unmittelb^r 
ins Lebes verwebt erscheint; und ist es wahr^ 
dass der Vocak(iusik der Hang vor der bios in^ 
strumentdlen gebukrfcf so steht gewiss^ aus glei« 



/ 



M Teutschland f im^ersten 

ck#n Gruadey der szenischen Yocalmusik 
wmck vor jeder anderen vocalea* von dem geseil* 
•sliafUiclieii Guitarrftnliedchen an, bis zur groaseu 
Concert-Aritt) zur Gantate^ zum Orafcorium, und 
fltm %um ttuskalischen Hochamte liiaaufy deitVop* 
ittig au. Denn wie Wenigt vrie matt ist die im 
Coscvri gesukigeue Arie, in Vergleichung gegefi 
dk^udasselbe Muaikstiick im Zusammenhaoge des 
>< g 6 « slaiide8 in seheinbar wirkltohes Leben ein- 
g^oehten j -* wie matt eine gauze Oper im Con- 
i#rCsaal aufgefuRrt, — wie gering das Interesse eines 
Oralorium, gegen das scenische eiaer Oper^*^ wSre 
ee auch nur sclion darum, weil dort die Kiinst- 
ler nur als musicirenda Fersonen vor ims sitzen 
und stehen, hier die Darstellenden sich als in 
Tdnen lobende, in Tdnen fiihlende und sprecbende 
Wesen^ bandelnd und leidend vor uns bewssgen^ 
tiber welcher tMuschenden Wirklichkeit wir die 
Kuttst vergessen und nur ihre Wirkung empiindeni 
iadess jene Musizirenden una immer an die Kunst 
alsKunst erinnern. Wenn nun ebin dieser Yot* 
wurfi wie nieht wohl zu lavignen^ auch die kirch- 
lieke Musik trifh, so wird man es auch nicht 
inthr Blesphemie nennen, wenn ich^ aus diesem 
Qetiehtspunkte betrachtet, der Opernmusik auch 
idMNT «}# den Yorrang gebe. Ich sage: aus die- 
tem und also rein aus dem kiinstferischen 
Qetiehtspunkte betracbtet. Zwar ist es^ 
t^ W >roui Slandpunkte -der Kunst. aus gesebeoi 
itAM^ vM^Uf^y dass es fur diese keinen bdheren^ 
#4Wv«ll und wQrdigereJi, ja keinen artistisch guu« 
lA^^Nmi QegMStand geben k^am^ "als Aamfu-ng 



Viertel des 19. JahrK 95 

des hSchsten Wesens^ Gebet^ was ebeii 
die Wes0nbeit der geistiichen oder sogenannten 
Kirchen-Musik bildet| — ja, dass fast'kein Gegen- 
stand "wiirdiger und giinstiger ist , in Tdnen aus« 
gesprocben zu werden* als die Stimmung und Em- 
piindung eines sieh zur Anbetung oder Anscbauung 
des bdAsten Woeens erbebenden Gemiithes: — 
allein ist denn Gebet der Oper, dieser Allumfas- 
senden , fremd ? und beshzen Wir nicht die berr- 
lichsten Froben dieser Art? — und kann es der 
Wiirde einer solchen MiMik, kan|| es der Wurde 
eines Gebetes scbaden, dass es nicht bios iiiii- 
ter Nbt'enpulten bervor, sondem aus 4^ni Munde 
^ lebendig darstellender Personen ert6nt? dass das 
Tonwerk als lebendiges Gemalde, nicht als blo« 
ser farbenloser Kupferstich oder Schattenriss« vor 
uasere Sinne tdtt? 

]>och genug und bier wohl schon zuviel dber 
Rangordnung; kommen wir zur Sache selbst. 

Die Sache selbst aber ist 9 dass im Fache der 
szeniscben Mnsik in Teutschland allerdings Tiel 
geihan ist. Wir besitzen mebre teutsche Opern- 
biihnen ersten Ranges in WieUi in Berlin und 
$ehr bedeutende in Darinstadt^ Dresden 9 Miin- 
chen, Stuttgard, aucb in Cassel, Carlsrube u. a. 
m., und mebre derselben, namentUch die in VVien^ 
Dresden, Miincben, werden insbesondere aucb 
durch die RivalitaC zugleicb mit und neben ihnen 
bestebender italianlacber Operngesellscbaften £m 
Athem ^rbalten* Dass die erwabnten nicbt^ wie 



86 



Reliquie Hillers. 

J o h a ii.n Adam Hiller^ hochverdient um die 
Kunst der Mufiik alg Tonset^er^ Schriflsteller und 
Ges^^ie^rer, iH zwar weniger bertihmt, als er 
es zu seyn verdiente, aber dobh Allen bekannt^ 
denen die musikaliscbe' Literatur der letzten dreis- 
sig Jafare^es vorigen Jahrhmderts nicht ganz fremd. 
isi^ und von ihnen mit. vollem Kechte bochgeach- 
tec* Diesen wird die hier mitgetheilte Kleinig- 
keitf ein Facsimile der HaAdschrift Hillers, werth^ 
und aucb fiir Andere vielleicht -nicht ohne In* 
teresse sejn^ da sie ein artiges Beispiel istj wie 
man vop fiinfzig Jabren barmlose Laune naiv in 
WorJt und Toll aussprach. — • 

Icb fand das Blatt ganz zufallig unter alien 
Familienpapieren und kann die Aecbtbeit dessel- 
beo verbiirgea, indem ich in den Jabren 1793 bis 
17969 als Alumnus der Leipziger Thomasschuley 
fast tMglicb Gelegenheit hatte, Handschriften des 
damaligen CaAter V und Musikdirek tor's Uiller, mei« 
nes verebrten Lehrersy vor Augen zu baben. 

Weimar im Februar 1825. 



Aug. IFerd, H&S9r, \ 



87 



Die heilige Cacilie. 

Jtl order hat 9 in der fiinften Sammlung seiner 
zerstreuten BlMtter, eine Khap^odie iiber die 
heilige Cacilie gegeben^ die, wie ailes, was aus 
diesem genialen Gei-ste hervorgegangen , viel tief 
Gedachtes und tief Empfnndenes enthalt. Nur das 
Rathsel, wie die heilige Jungfrau, welche der 
Musik nicht achtete, und ihre Ged^n 
ken davon ab wendeteyZurSchutzpatronindie- 
ser Kunst geworden ? vermochte er nicht. zu Idsen. 

Und doch iiegt der Schliissel so nahe! 

Nicht nur fiihrt er seibst die Worte der Le- 
gendean: Cantantibus organis ilia in corde ftuo 
'soli domino decant aba tf*) sondern auch das 
herrliche GemShlde Raphael^^ 4ie iiinf Heili* 
gen, unter denen 9 als Uauptfigur, Cacilie her- 
vortritt- 

Wer die Werke dies gdttlichen Jiinglings von 
Urbino auteerJcsam und mit empftoglichem Sin- 
ne betrachtet, dem kann umndglich ^ntgehen^ 
dass kein andrer Kiinstler die innere Bedeutsam- 
keit eines Gegenstandes so klar und roUkonuiien 
erfasst habe, als eben diesen 



*) Nach Surius : Cum 0sset symphonia inslrumtn^rum^ 
ilia .... Deo psallibat ; d. h, Indes^ die Tonwerkzeu- 
ge klangen , stimmte sie «iu Gptt allein in ihrcm Her« 
9en Lobgesange an, ^nnt, J, Redt 



88 Oie heilige Cacilie. 

Wenyi man die oben angefuhrle Stelie der Le- 
srende mit Aufmerksamkeit liest # und dabei an die 
Schutzpatronui der Musik denkt, so erscheint Ila«- 
phaels Idee aU dasEy des Kolumbut. (Darin zeigt 
sich eben der Genius , dass er die Beziehiuig- der 
Dinge^ welche oft; dem g.eineiaen Auge» gerade ihrer 
Aflinitat wegen, gar leicht entgeht, auf den ersten 
Blick zu entdecken weiss. ) 

CMcilie war verlobt, allein ihr ganzes Wesen 
wendete sich ab von derCrde und nach dem 
Himmel hin. Schon erklang die hochzeitliche 
Musik, docb ganz and ere HaTmonieen tdn- 
ten ddr Jungfrau vonjenseits heriiber. 
Raum und Zeit mochten ihrem unendlichen Seh- 
nen nicht geniigen, und das Irdische kpnnte ein 
6emiith nicht reizen , das sich zu rein fiihlte iiir 
die Sinnenwelt. So fasste Raphael 'die Idee zn 
seinem unsterblichen Bilde, und rechtfertigte da* 
mit die Wahf disr Kirclie , (liese Verachterin 
der weltlichen Musik zur Schirmhelligen 
der hdhereuy der himmlischen Kunst zu 
erhebeiv Cacilie 1st vom Mahler in dem Memen- 
to dargestellt, wo sie die musikalischen In- 
strumente zerbricht und mit Fiissen 
Iritt, wShrend. eine Gloria 'von Engeln iiber 
iiiir schwebt, und vlel herrlichere Tdne^ 
wie sie kein sterbliches Ohr sonst ver- 
n:ominen9 ihre»Seele empor tra^n. ^^ 

AU Sehrsihtit. 



89 



Teutschland 

im ersten Viertel des neuen Jahrhunderts^ 



Betrachtungen 

eines 

Musikfreun d e s. "^^ 

» > 

JLJas Jahrhundert steht im ersten Viertel ; — inivel'* 
chemMoadeszeichen steht wohlunsere Kunsl? und / 
wie weit hat sie noch tun bis.zum voUen Lichte ? — * 

Es ist mir und, meines Wissens, auch den mei« 
sten ^nderen Menschen j nun einmal eigen 9 am 
Schlusse eines irgend bedeutenden Zeitabschnit- 
tes, denselben betrachlend ins Gesicht zu fassen^ 
um sich bewusst zu werden, ivas wShrend dessel- 
ben geschehen, was geleistet worden, und wohin 
es bis letzo gekommen. Das erste Yiertheil eines 
neu3n Jahrhunderts ist aber ohna Zweifel ein hin-> 
reichend bedeutender Zeitabschnttt 9 um zur An* 
stellung von Betrachtungen vorerwahnter Gattung^ 
zu veranlassen. 

Freilich! Was heisst ein neues Jahrhundert? 
— mit jeder Sekunde beginnt \% ein neues, und 
mit grdsserem Rechte und tieferer Bedeutung, 
als nach dcm Kalenderjahrey zahit sich eine neue 
Aera von Jedem ersten FunkeUi den irgend ein vom 



*) Urspriinglich fSr eine auslfindische Schrift (die schon 
wieder eingegangene European reviev) bestimmt. 
und daher manches uns Teutschen Bekannte mit auf* 
sahlend^^ was jedoch, ohne die Zusammenstellung 
9SU serreissen, nicht wohl gans ausgelassen sondera 
nur abgekurzt werden konnte* 



90 Teutschland ^ im era ten 

Geniui Begabter in die Seelen der Zeitgenossen 
wirft. Doch auch das gemeine prosaische Kalen* 
derjahr ist beachtenswerth genug ( qhne ' es kMmeii 
wir alle ]a auch mit Einmal um unsere Neujahrs* 
und Christkindchens-9 Geburts- undNamens*, Sie- 
ges- und Trauerfeste u. s. w. u. s. w. — und wer 
mdgte das ? ) — und ebeti darum erscheint <m\x 
denn auch das gemeine Kalenderjahrhundert als 
hinreichend bedeutsame Yeranlassung , mich, am 
Schlusse seines ersten ^uartals, nach seinen £r- 
gebnissen umzusehen und mir den gegenwarU- 
geh Zustand der Kunst im teutschen Vaterlande 
mit -einem UberblicKe zu vergegenwartigen*. * 

Und zwar soU dieser ITberbUck mehr nur eia 
historisch betrachtender sain, als ein umfassend 
kritischer, indem es mir jetzt mehr nur darum 
zu thun isty mir das, was und wie es in Teutsch* 
land in unserer Zeitepoche bestehti thats^cMich 
zu vergegenw^rtigen und zusammenzustellen , als 
gerade iiber jtden dem Blicke sich darbietenden 
Gegenstand raisonirendeErdrterungen zu liefern* 

Nicht'ohne Grund darf man unser 
^eitaltar di% golde»ne Zeit der Ton* 
kunst nennen. 

Teh will dieses nicht eben in d e m Sinne gesagt 
haben^ als stehe die Kunst selbst in unserer Zeit auf 
hdchster Stufe der Yollkommenheit; --*- denn da mdgte 
ich's mit der zahl^eichen Zunft derjenigen aufnehmen 
miis^en, welche sich so wohl darin gefallen, iiber 
Gesunkenhelt und Yerfall unserer Zeit und Kunst 



Viertel des 19. Jahrb. ^ 91 

zu deklamiren '^') und dem ausgeflogenen Adier 
Riickkehr ins enge Nest zu predigen. — Nein I ibh. 
will hier diesen Streitpunkt unberiihrt lassen^ ^nd 
meine obige Phrase nur dahin verslanden wis* 
sen, dass in unser^r Zmt der Sinn vorzuglich f%ir 
Tonk^nst sehr allgamein verbreitet und recht 
warm ins Leb^n der Zeitgenossen verwachsen 
ist — kurz, dass Musik in unsern Tagen mehr^ 
als vielleicht jcmal der Fall gewesen, geliebl^ 
empfunden, gepflegt und unterstutzt wird, und 
kurZy ein Gegenstand desi allgemeinsten Interesse 
geworden ist. Ja ich kenne Stadte und Gegen- 
deny woselbst dieses Interesse sich in solchem 
Grade, und so ordentlich ausschliessend, derGemii- 
ther der gesammten 'EinwAhnerscliaft bemachtigt 
hat) dass man dort beinahe kein anderes Gesprach 
mehr h&rt, als von ibrer Oper und ihrem Con« 
certe etc. 9 we selbst der Sinn fiir jedes andere 
menschliche und biirgerliche Interesse vom Mu- 
sikschwindel benebelt und in S^hatten gestellt er- 
scheinty und nicht Yiel fehlte, dass, auf gut Abde- 
ritisch, der grdsste TrillerschiSger auch nothwen- 
dig den ersten Anspruch auf die Biirgernieister* 
wahl hStte. — • Soiche Beobachtungen sind nun 
freilich die Kehrseite, wie jede tJbertreibung 
die Kehrseite des Guten ist; denn nur einzelne 
Erwahite sollen gsnz in der Kunst leben^ ein mu- 



*) Mit Andem stritt ich 5fter schon, und eifre stets, 
Wenn irgend Wer Termeinet, dass bei Sterblichen 
Die Zahl des Bosen grosser als des 6uten sei. ' 
Das Gegentheii von Diesem hab ich stets geglaubt: 
Der Menschen. Segen Uberwiegt das Schadiiche. 

Euripidss, Die FIshenden , V. 173-177. 



02 Teutschlandf im erst en 



Staat fiber wSre ein Abdsra, und eine 
in salcbem Sinne musikdu^chdrungene Stadt ist 
•ines ; — aber das ist cs )a nicbt, was icb als er« 
freulich fur die Kunst und fur dje Geseilschaft 
towShnen woUte^ sondem d»ss Sinn und Em- 
pftngiichkeit und Theilnabme fiir das Schdae und 
Edle ilberbaupt und fur die Tonkunst insbeson- 
^eret in unsern Zeiten ^war nicht ausschliesslicby 
fiber docb sebr allgemeia unter den civilisirten 
verbreitet ist. 



Was ich hier vom Kunstsinne unserer Zeit iiber- 
baupt sage 9 gilt aber insbesondere aucb, und selbst 
Yorziiglichy von unserm Teutscbland** JOenn dass 
im Fache d^r Tonkunst uns Teutschen der Rans: 
vor andern Nationen unserer Zeit gebiihrt, braucht 
nicl^ erst ein Teutscber zu behaupten, indem die- 
ses uns von Kivalen selbst zugestanden wird. 
Teutschland ist das Yaterland, welches dem Him- 
mel der Musik Sonnen und- Sterne allererater 
Grdsse gegebeii. Von ^uns hat England seinen 
HMndel, Frankreich seinen Glue k 5 Italien sei- 
nen Simon Meyer empfangen* die Welt ihre 
Mozart und Haydn; und auch neuerlichst sind 
aoehiebende teutsche Tondichter die Bewunderung 
der civilisirten £rde; und wird nicht auch unserm 
€• M. v« Weber England bald den seinigen nen- 
nen wollen? 

Aber auch nicht dieser ausgctzeichneten Lich« 
ter all ein diirfen wir uns riihmen^ nicht glUn- 
zen . sie als einzeiner Jioher Schmuck einer sonst 



Viertel des 19# Jahrh. 93 

unbedeutenden Massd, nicht ateliea sie als yereia* 
zelte Frachtblumeny durch Zufall einer sonst blu<* 
menarmeii Flur eatsprossen , zwisdhen unwerthem 
Nachbarpflanzeii, sondem gezeugt und emfthrt 
yon ^inem ihrer v/4krJ&geny ihrem Gedeihen auaa** 
gendefi heimischen Boden und herangebildet durch 
die Umgebung) durch die Ein- und Wechselwir* 
kung vervrandter Gemiither* Denn tief ist inl 
teutschen Gemltthe der Sinn ftir edle Kunst iibei* 
haupty und die ansprechendste derscdben» die schd« 
ne Kunst der Tdne, begriindet; lind wird auchy 
in andern LMndem, und vorziiglich in deren HaupU 
stldien, zum Theil Mehr und Grdsseres fiir dii^ 
Kunst gethan 9 so scheint doch der Teutsche mehr 
.in der Kunst, und diese selber in Teutachland 
Mehr und Grdsseres gethan, und in den Charak* 
tcr des Teutschen die tiefsten Wur^eln gesenht 
zu haben. 

Ifnter den verschiedenen Zweigen und Fd*' 
ohem der Ku4st, welche sich der Betrachtung der 
Keihe nach darbieten, glaube ich mit dem Instil 
tute der teutschen Oper beginaen zu miissen: 
letzteres- aus dem Grande , weil dieser Musikgati' 
tung, wie sehr man diese Ansicht paradox schei* 
ten mag, am £nde doch allemRl der Vorrang ab 
Erste Gattung gelMilhrt. Denn nur die Buhne 
ist das Feldy wo die Tonsprache eigentlich und 
wifiklich als Sprache und tMuschend unmittelbar 
ins Lebeii verwebt erscheint; und ist es wahr# 
dass der Vocaloiusik der Rang vor der bios in^ 
ttrunenftalen gel>ukit, so tteht gewiss^ tos glei- 



/ 



94 Teutschland f im^ersten 

cbem Gninde, der szenischen Vocalmusik 
auch Yor jeder ahderen vocaleOf von dem gosell* 
achaftlicben Guiiarrenliedchen an, bit zur groasen 
Concert-Arie 9 zur Cantaie^ zum Orafcorium, und 
aelbst zum musicali&chen Hockamte hiaauf^ def^Vor- 
rang zu. Denn wie Weiiig> vrie maU ist die im 
Concert gesuhgene Arie , in Vergleichung . gegen 
mendasselbe Mu&ikstiick im Zusammenhange des 
Hegenstandas in seheinbar wirkiiohes Leben eia- 
geflochten , — wie matt eine ganze Oper im Con- 
zartsaai aufgefunrt, — wie gering das Interesae eines 
Oralorium, gegen das scenische einer Oper^ --^ wMre 
^ auch nur schon darum, weil dort die Ifiiin^t- 
ler nur ak musicirende Fersonen vor una sitzen 
und stehen, hier die Darstellenden sich als in 
Tdnen lebende, in Tdnen fiihlende und sprechende 
Wesen, handelnd und leidend vor una bewisgen, 
liber welcher tauschenden Wirklichkeit wir die 
Kunst vergessen und nur ihre Wirkung empfinden, 
indess jene Mu:sizirenden una immer an die Kunst 
als Kunst erinnern. VVenn nun ebin dieser Vor- 
wurfy wie nicht wohl zu laygnen^ auch die kirch- 
liche Musik trifft, so wird- man es auch nicht 
inehr Blasphemie nennen, wena ich^ aus diesem 
Gesiehtspunkte betracktet, der Opernmusik auch 
Yiber sie den Yorrang gebe. Ich sage:- aus die- 
sem und also rein aus dem kiinstferischen 
Gesiehtspunkte betrachtet. Zwar ist es* 
Aen Yom' Stondpunkte der Kunst aus geseben^ 
tebr. richtig) dass es fiir diese keinen hdheren^ 
edlereu und wurdigereH, ja keinen artistisch giin« 
fttigeren Gegenstand geben haxm 9 *als A a r u f u-n g 



Viertel des 19* Jahrhp 95 

> 

des hdchsten Wesens, Gebet^ was ebeA 
die Wes0nbeit der geistlichen oder sogeuannten 
Kirchen*Mu8ik bildet, — ja, dass fast'kein Gegen- 
stand ^iirdiger und giinstiger ist, in Tdnen aus- 
gespvochen zu wrerdeny als die Stimmung und Em-, 
pliiidung eines sieh zur Anbetun^ oder Anschauung 
des hd<0h8ten Wosens erhebenden Gemiithes: — 
allein ist denn Gebet der Oper, dieser Allumfas^ 
senden, fremd? und besitzen Wir nicht die herr- 
lichsten Froben dieser Art? — und kann es der 
Wiirde einer solchen Muslkt kany es der Wurde 
eines Gebetes schaden, dass es nicht bios niii- 
ter Notenpulten hervor, sondern aus ^em Munde 
lebendig darstellender Personen ert6nt? dass das 
Tonwerk als lebendiges Gemiilde, nicht als blo« 
ser farbenloser Kupferstich oder Schattenrissj vor 

uasere Sinue tdtt? 

* 

Doch genug und h i e r wohl schon zuviel iiber 
Rangordnung; kommen wir zur Sache selbst. 

Die Sache selbst aber ist , dass im Faehe der 
szenischen Mvsik in Teutschland alierdings Viel 
geihan ist. Wir besitzen mehre teutsche Opera* 
biihnen ersten Kanges in Wien, in Berlin und 
sehr bedeutende in Darmstadt, Dresden 9 Miin- 
chen, Stuttgard, auch in Cassel, Carlsruhe u. a. 
m.^ und mebre derselben^ namentlich die in VVient 
Dresden, Miincben, werden insbesondere auch 
durch die RivalitMt zugleich mit und neben ihnen 
bestehender italiani&cber Operngesellschaften im 
Athem erhalten. Dass die erwalinten nicht 9 wie 



96 Teutschlandy im ersten 

in andern L^ndern, in'Einer Hauptstadt zuaamm«n« 
gedrSngteii) sondern auf verschifidenen Puuktoii iiber 
Teutscliland verbreitelen musikalischen Hochscbu* 
len,i fur alUeitit^e Ausbreilun;^ der Kunsibildung 
von entschiedenstem Vortheiie sein miissen, ist ebea 
8o vrenlg zu verkennenj ali» diese Bemerkun^ neu 

ist Was diese grossen Biihnen im grdsservn Maas- 

stabe wirken^ wird durch das tbatige Nachstreben 
einer grossen Anzahl ahnliciier Biihnen, zum Theil 
nur wenig verjuugten Masstabes, z* B. in I^eipzig, 
Hamburg, Frankfurt, Kdnigsberg, und noch vieler 
anderen, In minder au^gebreiteten Kreisen gewirkt; 
und ohne Zvveifel in dieser vielseitigen Verbrei- 
tung der Kunst liegt der Grund, dass Teutschland 
die grossen Oporncomponisten erzeugen und er- 
ziehen konnte, weiche sein Stoiz. und die Be- 
wunderung der Welt sind, — sie erziehen konnta 
unter den sonst ailerungiinstigsten Umstanden, in- 
dem in Teutschland den Componisten einer Oper ein 
so ganz iiberaus karglicher, durch keine Gesetz- 
gebung ihm gesicherter Lolm erwartet, indess in 
^anderen Landern, hamentlich in dem hierin so 
vi^l weiseren Frankreich, schon eine einzige' ge- 
luugene Oper dem Tondichter eine vrohlhabende 
Existenz einbringen kann. ^) 

*) WIe selbst das blose Druclceiilassen des Tom Yer- 
fasser selbst nocli mcYjX in Druck gegebenen JRIanu- 
^criptes einer teutsciicn Oper in r ranltreich dem 
Herausffeber des solcbergestalt erworbenen teat- 
schen Werkes Rpsen (namhch baare^ kliiige9de) 

einbringen Und ihm , " aom Erwerber dieses 

freroden Gutes, die fransosischen droits d^Autenr si-- 
chern kann, davon findet man einen recht fuhlba- 
ren und wahrbaft ^aerlichen Beleg in dem weiter 
^ut9n miti^ethQilt isrerde^deu Artil^el Rohm dc Bois. 



Viertel des 19. JahrTu 



97 



So einleucktend und froh erhebend obii^'e Be- 
trachtungen an sich selber sind, eben so hoch er« , 
freulich ist es auch, die Wahrheit derselben, tiiid 
die Stufe zu welcher die teuische Muse sich ganz 
und allein aus eigener inne^rer Kraft zu einer ge- 
wissen Frimatie erhoben hat^ nicht von dem kunsU 
sinnigen* Theile uncerer eigenen Nation allein, son« 
dem auch von mehr als Einer fremden Nation 
durch Wort und That, anerkannt zu sehen. Ich 
meine den Sieg, welchen auch in neuesten Zeiten 
die teuische Tonkunst iiber ihre ItaliSnischc Hi* 
Talin feiert. Man denke an Rossini und — 
Weber. 



Yerklungen sind, so hdrt liian schon seit ge^ 
raumer Zeit nicht allein aus den Donaugegenden, 
sondem ueuerlichst auch von den Ufarn der Themse 
und selbst der Seine her, — yerklungen sind die 
Sirenen • GesSnge des zauberreichenltallMners; — 
nicht mehr strdmt und drtogt sich Alles >vas Oh-. 
rcn hat zu der Biihne, von welcher er die Zucker^k 
pl^tzchen seiner siissen Weisen mit vollen Han« 
den unter das ^olk ausstreut ; man f^ngt an , der 
gezuckerten Kost satt zu werden, und sehnt sich 
uach einer kraftvolleren Nahrung: — eine neue 
Bestatigung der grossen Salomonischen Wahrheit^ 
dass alles Irdische eitel und verging- 
iieh ist, und um so verg^glicher , jeirdischer 
es ist, d. In je mehr auf das bios Sinnliehe be* 
rechnet! DMin offenbar liegt die Ursache, warum 
Rossinis Tonwerke, bei allem Reiae, der ihnen 
imlRugbar inwobnet| doeh so wenigauf die Dauer 



98 Teutschlandf im ersten 

v^rhaldg sindf hauptsMchlich darlui/dass sie grdss- 
^ tentheils und vornehmlich bios auf Sinttenreiz, 
Aickt auf Seele und Gemiith berechnet, und da« 
rum 9 man mdgte sagen, nicht vom Himmel sindy 
•Qndern nur iiuUschj w.eltlichy sionlich, eiiel. 

Ich hoff<» nicht y dass mai^ michy nach meinen 
Yorstehenden Au^SQrungen, fiir einen Yer^chter 
des Zaitlichen ballon vrird, fur einen AnbMnger 
derjenigen Kunstschule, welghe iiberall nur auf 
strengste Correctheit in technischer und astheti- 
scher Hinsicht hingearbeitet wissen will 9 und fiir 
das sinnlich Schdne, fiir den Heiz schdner Klange, 
siisser Ttoe und bios reizender Melodieen geradezu 
taub isty oder wenigstena es zu seyn gar wobl- 
gefkllig afPektirty sich gar weise diinkend in der 
Hiille solcher ^uperlilugheit. Wer mich fur einen 
scdchen Kostverslchter halten wolite, niird* sich 
liber die Masen irren , indem vielleicht Niemand 
den wahren Worth de9 sinnlich- Reizenden in 
der Kun&t lebhafter anerkennt^ als gerade ich. 

* Denn ich habe 3a schon fi€her dffentlich 
die Behauptung ala meinvGlaubensbelcenntnis aus- 
gesprochen 9 ui>d wiederhole sie auch bier, dass 
die Tonkunst ihren IJrspruag zunSchst keines- 
wegs im, menschlich^fi Herzen und Gemuthey son^ 
dem nur im Ohre gehabt kaben kann, dass erst 
die Empfaaglichkeit des Gehdrsinne»^ fiir den Reiz 
der Tf^aey lediglich als SinnimreiZy geweckt werdeji 
und sich weyigstens bia zu einem gewissen Grade 
entwickeUi musste, eh die sympathetische Ver- 






Viertel de^ i%. Jahrh. 99 

inrandtschafl uJid glelchsam magifiche Verbmdutig 
xwischea dem G«hdpe und dem Herzen erwachen, 
i^irlcsam iirerden und sich ausbilden konnte. *) 
Allein so wahr dieses alles auch isC, so er* 
sch^nt * darum das stanlich Ansprechende doch 
hauptsachlich nur schStzehswerth als Mittel zum 
lidheren Zwecke der Kunst, nicbt aber als Zweck 
an sich selbst. Rossini aber -r- und dies iangt 
nacbgerade an, allgemein genug anerkannt zu wer* 
den^-^Hossini thut, ais wahrerNasias Kling«- 
o h r, hierin fast iiberall des Guten zu viel. 

Darum .konnte freilich auch Rossini's Tonge* 
bilden zwar>.ein grosses zahlreiches Publicum i^Licbt 
fehlen, und die elektrlBchen Schlage sei»er Leier 
dux'chzucken weithin die homogene Masse: dean 
Sinne, Sinnlichkeit, und WohlgefeUen an liebli* 
chem Sinnenkitzel) besitzeniwirAlley und also nioht 
allein die erwMhnten noch niedrig Stehenden, 
sondern naturlich auch die Besseren und Bos- 
ton: und irarum soUten also auch diese, obgleich 
sie sich durch seine Tondlchtungen freilich nicht 
• rhobcn, nicht erbaut finden kdnnen^ warutn 
sollten sie darum doch ihni , dem allerwiirdigsten^ 
Mitgliede der Sirenenzunft und hdchsten Ideal 
einea wohlgefelligen Tonspielers, ihm, der auch 
ihnen manche angenefame Sensation verschafft 9 --* 
iirarum^* sag ioh noch einmal^ sollten auch diese 
Bessdren es ibm nicht mitunter rerzeihen und 
nachseben, dass er sich den Inhalt und Charakter 



«) Cilci7/a 1. Bd. (Heik; 40 S. :^5. 



/ 



100 ' Teutschlandf im^rsten 

seines Gegenstandes , den Sinn der zn singeaden 
Worte, so wenigkiimmern Idsst. 

Als Gegensatz und Gegenblld zu der vorste- 
henden Charakterisirung d^r rossiniscben mid ilber- 
haupt der sogenannten italiSnischen f d, h« vor- 
waltend sinnKj:hen Tondichtungsweise, will ich*kei-* 
ne^wegs eine andere, in neuesten Zeiten aufge* 
kommene, gerade entgegengesetzte MAnier als Mus* 
ter aufstellen^ namlicb diejenige, aus elnem ffber:^ 
bieten der sogenannten franzdsisclien Manier enU 
sprungene, welche^ weit entfernt, Alles nur fiirs 
Ohr thun zu wollen, vielmehr nur fiir den Geist 
ihriis . Gedichtes Alles zu thun strebt, und daher^ 
im Gegensatze der sinnli'chen^ die intellect 
tuelle Schule heissen kdante, welche aber nur 
auch ihrerseits- des Guten , welches bei ihr oft 
nur das kali und trocken Richtige ist^ zuVielthut. 
»— Wahrlichi weder die eiae^ noch die andere die- 
ser einander entgegengesetzteny aber sllmmtlich ein* 
seitigen^ und eben darum der allseitigen Natur hoher 
KunstfremdenSchulenkann zum wahrenHeiley zur 
Erzeugung wahrhaft schdner Kunstwerke fiihren , — 
und eben so wenig diejenige, welche, dem ineiaten* 
iheiis sehr mit Unrecht als golden gepriesenen 
Spriichlein zufolge> zwisohen beiden Extremen 
fein die Mittelstrasse halt , und demgemMss Weni* 
ger als erstere fur die Sinne, und doeh hvich fiir 
den Verstand Weniger als die letztere thuU Nein ! 
{ich wiederhole auch hier meine sohoo friiber ge« 
Musserte Behauptung) auch nicht solche Mitteldinge 
sind und erzeugen das vvahrhafi; SchdnOf sondem 



Viertel dea 19. Jahrh. 101 

vielmebr nur diej^iiig^en gliicklich Begabten^ weU 
che daa Ohr zauberisch zu vergniigen und ganz zu 
gewinnen wtssen, ohne der asthetischea VVahrheit 
abtriinnig zu werdeiij und diese heilig zu haltea 
rerMehen, ohn« diesem Heiligen das Zeitliche opfern^ 
die Sinnenlust und den Reiz der Anmuth und Lieb« 
lichkeit, als vrlren diese Dinge vom Bdsen^ ,von 
sich werfen zu miissen. 

Das ist es aber eben^ was sich als das Cha« 
rakterische der Compositionen unsers C. M. v. W e- 
ber auszeichnety und sich vorziiglich In seinem 
Freiscbiitz erst recht vorwaltend ausgesprochen hat, 
dtass seine Tondichtuhgen iiberall Wahrheil des 
Ausdruckes mit der ansprechendsten Aiimuth flies« 
sender, ja selbst popuiSrer Melodieen und siissem 
Harmonieenzauber eine-i. Diese Eiiiigung, dies 
gleichzeitige Erfiullen der beiden Aufgaben des 
materielleny wie des geistigen Sinnes, dieses wahre 
utile dulcij ist offenbar der Talismann, durch 
weichen es ihm gelingt, uns nicht allein gleich 
bei der ersten Bekanntschaft so lieb zu werden^ 
sondern auch auf die Dauer uns so werth zu blei- 
ben, und so den Beweis zu liefern, dass 9 auch ohne 
das Hdhere zu vernachlasdgen/ sich doch ein gros« 
ses Fublikum nicht allein gewinnen, sondern dass 
es sich gerade nur aUf diese Weise erst recht fest 
balten lUsst. 

Dieses 9 and dabei insbesondere eine gewisse^ 
diesem Tondichter ganz eigenthumliche Fri- 
sche des Characters seiner Tonstiicke (wie si« 



N 



102 



Teutschlandf im ersten 



sich unter andern in clenGhdren der JUger^-* wie 
im Chor der Jungfrauen, — in Agathens Jubel^ wie 
in Gaspers Schelmenliedlein ausspricht) uad ein 
gewisses lyrisch schwMrmendes EtwaSy (wie es z. B. 
im- Sange der Hdrner zu Anfang der Ouvert&rey 
in der Cavnletta der Arie des Max, in Agathens 
beiden Scenen weht), iibrigens mitunter am recii- 
ten Fiatze das Einstreuen pilianter Sonderbarkeiten, 
wie z. B. der grMsslichen und sehr absichtlich fast 
peinlich abscheulichen Akkordefolgen des gespen- 
atigea wilden. Jager-Heeres in der mittemftcbti- 
. gen . Waldschlucht : 




-? 



— des wahrhaft possenhaften Charakters des bur* 
Icsken Marsches der Dorfmusikanten » mit den 
schniirrig schnurrenden Rumpel- und polnischen 
Bocks-Bassen , den mager gellenden 6-Hdrn* 
lein und der Einen o^* Trompete ! ! zwischen den 
obsoleten steifen Altvatersweisen der diinndarmi- 
gen Geigen "if) u. dgl. — diese z.um anziehendenGan- 



*) An mehrerpn Orten wird dicser Marsch von der 
ganzen Mas^e des, an den breiten gewichtigen Styl 
eines TityisniarsGlies gewohnten Orchesters aufge- 
fuhrt, vi6 dann, wie ich selb^t oft gehug gehort, 
Kenner nicht ermangeln, in der Gompoaibon eine 
Reminisce ns ausMoKarts Titusmarsch su 
e n t d e c k e n. -^ £s mag jene Einrichtuiig und iiber- 



Viertel des 19- Jakrh. 103 

zen rerschmolzenen, so manchfaltigen, theils liebli* 
chen^ theils ergreifenden , theils pil:anten Motive 
sind eS) durch welche der . Freischiitz Lieblings* 
und gleichsam Nationaloper mehr als Einer 
Nation geworden isty selbst denen zu Trotz, 
welche sie an il^jrer schwMcheren Seite^ an der 
Fabel des Stiipkes, und in sofern auch mit 
mehr Erfolg, anzugreifen gewusst, indem sie iiber 
mystisehen Un- und Nichtsinn, liber Teufelsspuck 
u. dgl. .spdtteln 9 und hierin denn ireilich ien 
Beifall aller derjenigen fiir sich haben, welche im 
Samiel nichts Poetlscheres zu ahnen verstehen, 
als den modernen leibhaftigen Teufel , -^ in Mo* 
zarts Kdnigin der Nacht etwa seine Grossmutter, 
in der Fapagena eben ein Madchen in Fe(lerklei* 
dern^ u. dgl. 

1st es mir getupgen, durch vorstehende Be- 
leuchtungen die Eigenthumlichkeiten der bespro- 



liaupt das moglichste Vermeiden der Nebcnmusilien sul 
jfalcoy auch auf guten und achtbarcn Griinden beru- 
Den: ich jedoch gestche gern, hattc ich den Frei- ' 
schiitz aufzufiihren, ich iivurde diesen komischen 
Bauernaufzug, dies Seitenstiick zu Mozarts Musi- 
kalischem Spass, diese Ostadische Bauernvt^irth- 
schaft) diese leichte musikaliscbe Carlkatur und 
Groteske , durchaus nur von moglicbst wcnigen 
Geigen und Einem einzigen Contrabass, Terstekt sich 
obne Vtoloncelly abspielen lassen, und zwar nicht 
nur unbcdenklich sul palco^ auf der Biihne selbst, 
vfie dies aucb auf den meistfc'n Biihnen wirklich zu 
ge&chehen pflegt, sondern allenfalls wohl gar yon 
ordinaren, nur nicht gerade falscb geigenden, Stadt« 
musikanten , dercn eigenthiimlichc,. licinem liunstge* 
rechten Geiger erreichbarc Spiel art hier grade an 
ihrer Stelle und dem Colorit und der Haltung der 
Szeue ge'wiss nicht unangemessen erscheinen dilrfte^ 
■' Anm, if, Vtrf^ 



i04 Teutschland ^ im ersten 

chenen beiden Melster treu zuvcharakterlsiren^ so 
ist dadurck die Erscheinung , von deren Betrach« 
tung ich urspriinglich ausgegangen , und die Ur« 
sache erklslrt, )a nicht allein erklart, sondern auch 
gerechtfertigt, das5 nMmlich der bessere Theil des 
Fublicums, dessen intellectuelle SuperioritSt am En- 
de denn dock den subordinirten Tross der geistig 
Schwacheren mit sich fort und hinanzieht^ sich 
taglich mehr von dem bios sinnlich reizenden Ge« 
kJtngel ab, wieder zum gehaltvolleren AUeren 
und Neueren, zu unserm Mozart tind seinen 
Geistesverwandten, zuriickneigt, und da nun doch 
einmai, neben dem als klassisch anerkannt Vor- 
bandenen, immer auch wieder Neueres frisch em- 
porbiiihen muss^ unter diesem Neueren grade 
die Tougebilde unsers C. M. Weber an die Ta- 
gesordnung g^bracht hat, so dass sein Freischutz 
nicht allein in Paris von alien Kunstfreunden be- 
wundert wird, und nicbt nur auf alien dortigen, 
sondf^rn auch schon seit langerer Zeit auf alien 
Londher Biihnen^ ein stehender Artikel geworden 
ist, und i^uf bevorstehendes Fruhjahr^der Ankunft 
Webers in London, um dort eine Oper (Oberoni 
Gedicht von Blanchet) fiir das Gov. Gard. Theater 
zu schreiben, als einem Festtage der brittischen 
Biihne entgegengesehen wird. 

Doch genug von Theatermusik ! ^— 

Blicken wir von der Scene auf die Kirche her« 
jiiber, so f^llt unser Auge allerdings. auf vrenige* 
res Erfreuliche* Durch die in neueren Zeiten 



Viertel des 19* Jahrh. 105 

elagetretene $3€ularisalipi| so vieler gelsllichen 
lastitute, so vieler relchen-Bisthumery Abteien^ 
PrMlatureuy Stifle t Kilter u. dgl. list das Feld, 
auf welchem diese Clas&e von Musik vordem in 
freudigsler Blutbo stand , nunmehr grdsstentheils 
verarmt* Die Capelleii' sind eingegangen^ ihr Fer« 
sonal ins Opernhaus heriibergezogeny imd von dem^ 
fortwShrend unter Apm Titel der Hofcapelle i>e^ 
stehend^A , Opern- oder sonstigen Uofmusikpersonal 
wird Aur an wenigen Orten noch zuweilen £tvva8 
im FachederKirchanmusikgethan. VVasananderen 
Orten geleistet vyird, beruht gewdhniicli auf frei. 
wilUlge^ Zusammen- und Zuschiissen von Keligi- 
ons* odec Musikfreunden , und mitunier sogar 
grd&stentheils auf activer Mitwirkung unzuverlHssi* 
ger Dilettanten. Im Oanzen wird wohi das Er- 
heblichste fiir die Erhebung des Cullus durctiMu* 
sik uoch in Wien^ Miinchen und Dresden geleisteU 

So vvenig erfreulicli dieser Theil unserer Be« 
trachtungen ist» eben so wenig ist es ermunternd 
fur die Tonsetzer unsercp Nation und uberhaupt 
unserer Zeit, dass der Gi^schmack, mitunter auch 
die Mode und der gute Ton dieser Zeit, sich mit 
so iiberwiegender Vorliebe zu den Werken friihe- 
rer Jahrhundcrte neigt, und zvvar so ausschliess- 
lich und 9 dem Urtheile mancher Tongelehrten zu- 
folgOi so sehr mit Kecht^ dass^ vor dem moder- 

1 

nen Bestreben, nur mdgL'chst viele jener alten^ 
als einzig und aliein gut Und schdn gepriesenen 
Kunstwerke zur Auffiihrung zu bringen^ Neuere 
gar niciit mehr zum 6eh($r gelangen kdnnen. 

G««li:a, 4- Baad. (Heft 1 4). % 



iO& Teutschlandf im ersteri 

Rechnet man nun znsammen, dass, unter den 
vorhin erwahnten Umstanden, namlich bei der auf 
kaum ein Zehntel gegen vorhin lierabgetunkenen 
Anz.ahl der Institute ftir Kirohenmusik iiberhaupt, 
die Oelegenhei^ eine Kirchencoiiiposition zur Auf- 
fitihrung gebracht zu hdren, unendlich vermindert 
vrorden ist, und dass auch diese wenig^n iibrig- 
bleibendeti Gelegenheiten durch das fast ausschlies* 
liche Hervorziehen der Weirke des Alterthums noch 
grdsstentheils absorbirt werden ; — so silid dses frei- 
lich sehr trostarme Aussichten ftir )eden KirebeA- 
componisten, der das Ungliick'hat, nicht schon vor 
etlichenJahrhundertenmitTodabgegangen zu aein/ 

Weg mit dem Blick yon dieser Schattenseite des 
Kunstzustandes unserer Zeit ! — Wend en wir ihn 
dafiir, um wieder froh und stoiz zu werden, auf 
die gLSnzende Schaar von Kirchencomponisten, de- 
ren Yaterland unssr Teutschland — grdsstentheils 
innerhalb Eines Jahrhunderts — gewesen. £r- 
innern wir uns> um nur di6 Bekannteren, wenn 
auch nickt alle Ausgezeichnete und Auszeichnens- 
lyerthe zu nennen — erinnern wir uosy sag ich, 
der Namen: Aibler, And re' 9 Bach,. Beet- 
hoven*), Berens, Bergt, Danzi, Fasch^ 
FuXy G^nsbacher^ Glucky Graun, Han- 
deiy HSser^ Haslinger, Hasse^ Haydn, 
Hiller, Hummel, Klein, Knechtj Krom- 



* ) Seine neueste nnd in Jeder Hinsiolit grosste Missa ist 
so eben, in Partitur und in einem, von unserm treff- 
lichen Binit, mit Licbe und Sorgfalt, gefertigten Gla- 
vierauszuge, bei B. Schott in Mainz unter der 
Presse. Anm, d. Red, 



Fiertel des 19. Jahrlu isg 

m«r, Kruft, Leidesdorfy Mozart^ Nau- 
manny NeukomiHy Heichard, Riemer, 
Rinky Romberify Scbicht, Schneider, 
SchulZfSey friedt Spahr, Stad ier,. StunZy 
Thielemann, TomaschecJki Tiirk, Vogiev, 
Weber, Winter, Zeiter, Zumsteg u*a.m» 

Wenden wir das Auge nun auch auf den jeUuU 
gen Zustand der sogenannten Hammer- oder 
Co ncer tmusik^ so sehen wir au«h ip Teutsch- 
lajuid das Intere&se des Fublicums fiir das Institut 
der sogenannten Vocal- und In&trumental- 
Concerte, durch die iiberwiegende Neigung zur 
Oper, in neuester Zeit einigermasen gesunkt^n, — CJnd 
eben dies ist in gewissem Betrachte der Fall in An* 
sehung der sogenannten Oratorio n, (^welche aller- 
dings , sie werden nun im Concertsaal oder im Lo- 
cal einer Kirciie, dort als weltliches, hier als geist* 
liches Concert aufgefiihrt, doch allemal, da sie we- 
der furdie Scene, noch zur Feier des Gottesdien* 
stes bestimmt siud , zur Classe der Concertmu* 
eik gezahlt w^erden kdnnen.) Am allerwenigsten 
mag man , — und dies ist wohl ein charakteristiU 
schcs Zeichen der Zeit — jetzt noch die Produc* 
tion von In strum en t a Ico nee r to' s der Vir* 
tuosen anhdren, es Ware denn hier und da ein* 
mal von einem hiichst.ausgezeichneten; und jeden« 
falls neigt man sich weit melir zum Gesange; 
welcher Meigung zufolge denn seit einiger Zeil fasi 

• 

in alien teutschen StMdten die Musikfreunde sich 
zu sogenannten Gesangvereinen verbundea 
haben und noch tSglich neu verbindeu^ urn vor- 



t08 Teutschlandf im ersten* 

ziigliche Gesangcompositionen , mitunter mit s^e-h r 
zahlreicher Besetzung uad mit recht kunstlerisch 
ernstem Strebeny aufeufLihreii » und deren JLeis* 
lungen nicht felten einen bedeuienden Grbd von 
Vallendung erreichen. 

^ 

In noch grdsserem Masstabe leisten Ebendas* 
selbe, seit etwa einem Jahrzehent und driiber, die 
8og<^nanntea grossen Musikvereine oder M u- 
sikfeste^ zur welcheii Kiinstler und Hunstfreunde 
ganzer Gegenden sich auf Emem Funkte yersain« 
meln y um durch vereinte KrMfte grosse Tonwerke, 
Oratorien uiid 5yniphonie«n , mit mdgiichst star^ 
ker Beset zung aufzufiiliren , wie z. B. die Ge^ell- 
schaft der Musikfreunde des dstreichisch^n Kaiser-^ 
staateS) welche im JaUre 1812 damit angefangen, 
Handeis Alexander -Fest mit einer Besetzung von 
595 Personen aufzufiihren, und seitdem noch rie- 
senhaftei*e Fortschritte gemacht hat, welcheii seiiid 
Briider, der sogenannte Thiiringer Mutsikver- 
ein, — der alijahrige P*^ iederrheinische, -^ 
d^r jetzt eingegangene Rheinische^ — auch 
der permanente Schweizel-scrie) und noch 
mehre, ziim Theil bedeutende^ nicht ohne Gluck 
nachstrebeo. 

Dies AUes, diese Neigung zum voUstimmigen- 
GesangOj und zwar vorziiglich zum ernsten, gross* 
arti^«en, gediegenen^ und selbst die obenerwShn- 
te gewisse ErkMltung und Gleichgiiltigkeit fiir Toiv- 
spielkiitistey — dies alles, age ich, bewahrt jeden* 
falls ,einenwahren£rn«t desKunstsinnes, ei« 



^ 



Uiertel des 19« Jahrh, 



«9di 



na wahra Tendenz zum Guten unci Besten *) ; -» 
und damn erkennt man denn die Nation, von der 
die W^lt das Besie was sie im hier befraglichen 
Fache basitzt, empfangen hat. — Weses let^tero- 
kdnnen wir wohl ohne Rudmredigkeit sagen;* 
denn, um nur von Instrumentalmusik zu reden: 
welche andere Nadoa hat £twad dan Sympho* 



*) (Beseiclinend ftir den jetzigon Standpunkt des Ge- 
8cfamack«8 des teutschen Knnstpubiicuins .ist die aachv 
stehende uns von elnem anderen Literaturfrecmde 
mitgetheiUe , wenn gleich nicht (;rade durcheSn* 
gi i; erfreuliche Ubersicht der in dem neuesten Leip« 
zigcr Osterinesskataloge ausgebotenen Musikalicn. 

Yocalniusik: Kirchenstucke 76 Artikel \ — Melir* 
stimmige Gesange 90 Artikel; — JVeue Opern in voll- 
stSndigen Glayierauseusen 8 Stuck, (Aubers Neige 
in 3 Ausgaben, seine Leocadie, Fioravantrs Canta^ 
krici villanelle ^ Spontini^s Olimpia, Hanne*8 Lindane, 

Marscbners Holzdieb, Mercadante's Elisa, Bombergs ' 

S* •_ 
cipio. 

InstrximentaLmusik: 3 Symphonieen, nament- 
lich Beetliovens Op. i25, Kiifner Op. i5o, Bies Op. 90; — 
10 Ouverturen; — 25 Concertos mit Orrbesterbe- 
gleitung ; — 36 Nummern Variationcn rait Orchester- 
beglcitung; — 32 Nummern Folonaiscn, Bondeaux, 
u. dergl. mit Orchesterbegl.; — iSi TierUandige Cla* 
Tiersachen, dabei 20 Artikel Tanze, i4 Art. Varia* 
tionen, 70 Artikel Arrangements, 16 Artikel Mar- 
sche und Folonoisen, (also kaum 40 Originalwerke. 
Onslow's Sonata a 4 ni. urspritnglich in Paris yer- 
legt, ist in sieben teutscben verlagbandlungen nach- 
gestoGhen worden); 238 SolostucKe f. Clavier, da- 
bei yon Original werken 106, namlich meist BondoV 
und sogenannte Fantasieen; der Rest besteht m Ar- 
rangements, Nachsticben und neuen Aufiagen; — 
ii4 Variationen fur Clavier ohne Begleitung, (merk- 
licb wenigcr als in vordercn Jaliren); — 210 Tanze 
fiir Pianoforte, metst Sammlungon von 12 bis 24 
Stucken , im Durcbscbnitt wenigstens 1000 Tanre. 
(tjbrigcns befinden sicb unter den Claviersachea 
x3 Ton J. B* Cramer, 3o von Czernj^, 44 von 
Kalkbrenner, 18 von Moscbeles, 3o von Bies). 

Generalbassscbulen 6 Stuck, von Ebbard, Eneler, 
Knechty Simon, Ttu*k, worunter drei neu aoge* 
dmclite. D. Red* 



y 



If'O Teutschland yr im erst en 

nieen nnserer Haydn und - Mozart ^ gegeniliberzu- 
stellen? oder den nocK kiihner gesteigerten des 
grossen Heros dc^r Instrumentalmusik nnserer Zei- 
ten^ unseres Sbethoven, dessen ' ietzte (so eben 
bei Scuott in Mainz in Stimmen und in Parti- 
tur erscheinende) grosse Symphonie mit Chdren 
sogar auf den omindsen hdchsten Culminations* 
und Wendepunct dieses Faches der Tondichtung 
hinzudduten scheint. Welche Nation, ich wie- 
derhiole es, hat diesen Instrumentalwerken unse- 
rer gfossen Meister Etwas an die Seite zu stel- 
len? — oder auch nur ihren Yiolinquartetten 
und ^uintetten , Sonaten u. s. >v. ? — « und sind 
niclU HMndels und Uaydns Oratorien (medre die 
Wiirdig w§reh neben diesen genannt zu werden, 
namentlich Mozarts^ HSndels, Beethovens, Fr« 
Schneiders und Spohrs , Webers und noch manche 
andere mehr, brauche icli gar nicht in die Wdg- 
schale zu legen) — tiind nicht all diese unser 
teutsches Nationaleigenthum ? — 

'Wollen wir, nachdem unsere vorstehenden Be- 
trachtungen erst die Operbiihne, danu die Kirche, 
und zuiutzt den Concertsal durchwandert , uns 
nun auch nach den musikalischen Lehr* 
und Bildungs-Anstalten in* Teutschland 
umsehen, so iindet freilich hier unser Auge Nichts, 
was sich Italians Conservatorien, oder gar dem 
systematisehen Fariser conservatoire an die Seite 
steiien lie^se (denn selbst die Conservatorien in 
WIen und Frafg machen auf solchen Rang auch 
nicht einmal von feme Anspruch.) — Dass^ gele« 



I 



I 



Viertel dcs 19* Jahrh. Ill 

genheitlich des gewdbnliehen Schahmterrichtest an 
xnanehen Ortennebenbei auch einige Rudimente voa 
MuBik beigebrachtwe^d^n, > — dan man auf einigen 
teutschen CJniveraitSten ordentlicho^ mit der ge« 
lehrten Corporation in Verbindung stehende Ton- 
lehrer oder Musikdirdotoron angestellt bat^ wie 
z. Bw in Wttrzburg, Halle , Gduingen, Giesen, 
Bonn — und dass etwa auch in dieser oder 
jener Stadt noch sonst irgend Etwas mehr fur 
dffentlichen Mnsik-Unterricht einzeln firethan wird^ 
das Alles verschwindet als hdchst unbedeutend in 
Yergleichung gegen die^ fiir alle Zweige der theo« 
retisehen und practischen^ erfindenden und vor- 
tragenden Tonlehre und Tonkunde systematisch 
und nach einer grossen Idea und grossem Mas- 
stabe grossariig organisirte uud vom Staate hdchst 
freigebig fundirte parlser Central -Anstalt und 
die mit ihr in organischer Verbindung stehenden 
Filialanstalten des E-eiches^ so wie gegen die 9 
wenn auch nicht gleichen, doch ahnlichen Anstal- 
ten Italiens. In d i e s e m Funkte trifft uns Teut- 
che also unlaugbar der Vorwurf aufTallender Na- 
tionalarmuth , unldblicher Kalte und Mangels an 
Fiirsorge von .Seiten des Staatos fiir die Fflege 
der Kunsti — eine Vernachlassigung 9 welche den 
Beobachter darum doppelt befremden mag^ je mehr 
man gewohnt, und gewissermasen auch wohl be« 
rechtigt ist^ von der Vortrefflichkeit der Frucht 
auf TrefRicbkeit der Fflege zu schllessen, — wel- 
che Sorglosigkeit aber vielleicht eben darin ihren 
Grund, ja vielleicht gar ihren Rechtfertigungs- 
' grund hat » dass auf uns^rm Boden die kdstliche 



112 Teutschland^ wi ersten Vjerteldes 19. Jahrh. 

Filaaze der Hunst ja, wie Figure zeigt> aitch ohne 
ftoleherPflege vanOben im bediirfen^ dennoch freu- 
dig-genug emporspriesst. *«^ Immerhin verkeunt es 
aber.attch der teutsche Klinstler nickt, wie wohltha* 
tig es auf seine Ausbilduug wirkt^ eine Zeitlang an 
den Ges&igen Italiens , und an den methodischen 
Fariser Institutent zu erwarmen tind zu evs^arken, 
so wie aucb iiberhaupt dem Te«tschen nicht vor- 
zuwerfen ist, dass er die theoretisobe Behandlung 
der Tonkunst iiberhaupt und -der Tonsetzkunst ins* 
besondere, in technischei* oder in Msthetischer Hin- 
sicht, vernachlassige. 

Alles in Allem gereehnet , kdnnen wir also 
init unserem Kunstzu^tande y sowohl iiberhaupt 9 
als auch insbesondere , in Yergleicbung gegen 
andere Natiooen betrachtety wohl zufri^den 
sein, und diirfen wiinscheb^ dass, nicbt nur 
auch in }edem anderen Kunstfache, sondern auch 
in alien sonstigen Dingen^ bei uns and in ande- 
ren LMndern, Alles nur eben so gut stehen mdge^ 
als; es jetzt mit unserer Tonkunst steht. 

Mdg0 iibrigensy — denn billig und gern be- 
schrMnken . wir hier unsere Witnsche auf den 6e- 
genstand dieser BlMtter, — mdge dereinst, am 
Schlusse des zweiten Viertels unsers Jahrhun- 
derts, derBliek des MusikfreuQdes auf den Zustand 
seiner Lieblingskunst , eben so erfreullcbe Resut 
tate zu bemerken finden 9 wie diejenigen , welche 
sich uns als Ergebnisse unserer vorstehenden Be« 
trachtungmi dargeboten« 



113 



R 



ecension. 



Pat 'Pour r i pour le Bass on oblig^f avee 
accompagfiement de deux fiolons ^ Alto 
et Basse J deux Hautbois ^ deux Cors et 
Bassoity ou avec accotripagnement de Pia* 
nofbrtCj par C har les Altnenrdder. 
Oeuvi e 3- Propridte des Editeurs. Pr. ^ft^ 
Mayence^ chez B* Schott Jils, 

Deux Duos pour deux Bassons ^ compO' 
sds et dedids d son pere » €!onr. Almenrdm 
der^ par C liar les Almenrdder. Oeuf^, 
10. Propriete des dditeursy Pr. ijl. 30 Ar. 
d Mayence chez B* Schott Jils, 

VV ie sehr audi die durch die Uberschrift be- 
zeichneten Wcrkchen, bios als Composilionen eines 
Instrumentdlvirtuosen fur sein Instrument betrach- 
tet 9 eine so ausfiihrliche Betrachtung wie die » 
-welche wir hier dariiber anzustellen im Be^riffe 
stehen , nicht zu verdienen scheinen , so wird 
dochy'aus einem a n d e r e n Gesichtspunkte bMrach- 
tet^ solche Ausfuhrlichkeit , namentlich in Betreff 
des Potpourri , gerechtfertigt erscheinen : nSmlich 
darum weil dieses Almenradersche Concertstiick 
eiuen practischen Belcg zu der in diesen Heften ^) 
bereits nach Wiirden ausftihrlich besprochenen 
Fagottverbesserung bildet, welche wtr hier gleich- 
sam in ibrer Wirkung beobachten kdnnen. 

£ben aus diescm Gesichtspuncte ergiebt es sich 
denn abei^ auch, dass wir iiber die Composition 
dieses Potpourri, als Composition, niir W^niges, 
ein Mehres aber iiber deren Beziehung ^uf die 
verbesserte Eiiirichtmig; des. Instrumentes , sagen 
werden. 



■^» 



») CHellia a. Ba. (Heft d.) S. ii0. 



I 



I 



ti4 Potpourri und Duette 

Was zuerst die Erstere betrifft, %q wird soiion 
die 9 durch die Uberschrift angedeutele, aussere 
Beschaffenheit und Einrichtung derselben sie den 
Virtuosen uiid Liebhabem dieses instruments em- 

ffehien. Denn furs Erste ist schon an sich das 
Otpourri eine heutzutag nun einmal beiiebte 
Form, und etvras Beiiebtes will ja doch gem jeder 
Spieler zuin Vortrage wahlen. Fiirs Zweite aber 
dlarf er sich dieser VVahl , wenn sie auf das vor- 
liegende Werkchen fallt, auch schon daruiu nicht 
scbamen, weil es den I^araen eines, sowolJ durch 
gediegene Virtuosit^t^ als auch durch seine Fa- 
^ottschule *) elirenvoll bekannten Meisters tragt^ 
— - und drittens auch darum , weil das Werkchen 
die sehr dankenswerthe Einrichtung hat, auch xnil 
einem nur ganz kleinen Orchester auf^efxihrt wer- 
den zu kdnn^'n^ ]Af yorkomm« nden Falles seibst 
ganz ohne Orchester , bios mit der, eigens dazu - 
g^stochenen Fianofortebegleitung. 

Dies sind wohl der Musseren Vorziige schon ge- 
nug, um das Werkchen, schon non inspect is ta* 
bulis, im Allgemeinon zu empfehlen. Aber auch 
der erste Blick in die Principalstimme bestatigt 
das giinstige Vorurtheil. Aus nicht allzuvielen, 
aber freundlichen und ge^lligen Thematen zusam- 
mengesetzt^ mit umslchtig gewahlten, das In- 
strument in seinen vortheilhaftesten Ziigen dar* 
stellenden (wenn gleich freilich in Ansehung der 
Composition zuweilen unmotivirt und bedeutungs- 
los aneinander gereiheten , nicht iiberall fliessend 
zusammenhangenden 9 und in Ansehung des rcinen 
Satzes nicht musterhaft behandelten ) Tiraden und 
einigen Bravourpassagen durchflochten 9 welche, 
bei brillanter Wirkung, doch sachgemMss in der 
Hand liegen, bietet es dem ausgebildeten Virtuo- 
sen Gelegenheit genug, den gl'dnzendsten Yortrag 
zu entfalten, ohne dem schwacheren Diiettanten 
nnang^enehme Schwierigkeiten in Weg zu legen. 



L 



*) Mainz b. Schott, (Pr. i fl.) 



far- Fagot 1 9 §f, AimenrUder. 



ill 



Fr^Uch hat der Yerfass^r^ wie schpn im i^Loiganc 
erwMhnt, manche Stellen und Tiraden vorziigUob 
auf die Individualitat seines Spieies und auf die 
verbi»aiierte Eiarichtun^ seioes Instrumentes be? 
rechnet, wie z. B. unter andereniy Steilen m^ 
diese^ S« 3) Z. 7f 




so wie auch das Anbrin^en mancher ganz hoheh 
Tdne, e, f, und selbst g! (Principalstiinme S. 1 
letzte Zeile)) welche man bisher ais die Spahre 
des Instrumentes iibersteigend zu betrachten und 
in keiner Fagottschule zu finden gewohnt war. 
(Vgl. in Oil's M^thode de Basson die Garame^ 
und die daraus gezogene Frdhlichsche Fagottschu- 
le^ § 6# Seite 61 )• Allein auch diese Eigenheiten 
benehmen dem Werkchen Michts von seiner Aus- 
fiihrbarkeit auch fiir jeden ander* n Spieler , in- 
dem diese ungewdhnlich hohen T6ne nicht nur 
selten, sondern iiberall nur einzeln und so ange- 
bracht sind , dass sie ganz fiigiich um eine Octave 
tiefer gegeben werden kdnnen, welches denn auch^ 
da wo es ndthig schien, durch doppelte !Noten und 
zuiuTheii durch umgeanderte Figuren, ang;edeutet 
ist, wie z. B. S. 1. Z. 6 und 13* 

Ein anderer Beurtheiler, in einem anderen df- 
fentlichen Blatte, hat Herrn Almenr. liber solches 
Einflechten der erwMhnten ungew<^hnlich hohen 
Tdne getadelt , und die Mutbmasung geiiussert ^ 
diese Tdne mdgten wohl nur heischer klingend^ 
durch ein sehr schmales, oboenahnliches Rohr^ 
und somit auf Kosten der schdnen Mittel- und tie- 
fen Tdne 9 zu erreichen sein* Allein weder jener 
Jadel , noch diese Muthmasung sind gegriindet. 



%JH Potpourri und Duetic 

Dean filr's Erste ist es wohl schon im AIlge« 
.ineinen einleuchtend , dass, so wie ]eder Spieler, 
7«unifil )eder ausgezeichnete , seine ihm eigene In- 
dividuaiitSt besitzt, er sie aucii in seine fUSfif^sein 
Instrument bestimmten Composition en iibertrS^* 
Wii* sind iMngst gewohnt, die eif.enthlimliche Spiei- 
art dieses od«r jenes Virtuosen , den wir auch. 
nienial selber gehdrt, aus denijenigen zu erken- 
nen 9 was und wie er es fur sdin Justrument zu 
schreiben pHegt; wie wir denn z« B« (um bmm 
Fagotle zu bieiben) aus den Compositionen des 
ausgezeichneten Fagottisten BSrmann in Berlin er- 
sehen^ dass er fiir sein Solospiei nur den Tonum- ' 
fang vora grossen lis bis J zu benutzen pflegt^ 
indem die tiefen Tdne ID , Cts , H und B, so wie 

auch bdhf re als dy in seinen Fagott-Compositionea 
nirgend vorkommen ( und wie versichert wirdy 
auch iiberhaupt, in seinem Solospiele , wobei er 
ftich eines zieiiJich schmalen Rohres bedient, nicht 
xum Vorscheine kommen;) — indess Anton Rom- 
berg in Milnchen den vollen Umfang von es bis 
B hinab benutzt^ nur mit Ausnahme der TO* 

ne CiiB und H, fiir welche er auch, wenigstens 

noch yor wenigcn J.ihren, an seinem Instrumente 
keine Tonidcher besass. 

Ist es nun, wie erwahnt, von jeher jedem 
Virtuosen erlaiibt word en, in seinen dffentlich 
erscbeinenden Compositionen die Eigenthiimlich- 
keit seiner individuellen Manier durclischimmern 
zu lassen , — gewissermasen sogar als Aufgabe 
fiir andere Kiinstler desselben Faches> diese Ci« 
genthiimiichkeiten gleichfalls in ihre Gewalt zu 
bekommen und gleictie Lieistungen zu versuchen;* 
^- so war wohl auch df^r Componist des hier vor- 
liegenden Werkchens nicht minder berechtigt, in 
demselben einige Aufgaben fur andere Virtuosen * 
aufzustelieUt und als soicbe auch die hohen .Tdne 
e, f und g. (Der vorhin erwMhnte iRecewent in 
janem Blatte muss das besprochene Werk mit nur 



fur Fagottf v. Almenr&der. $li*t 

uBvoIIkomi^'envr Aufoierksamkeit durchgesehen ha« 
]>eu, indem er d^^mseU^on dea Oebrauch d%r bo* 
K«ii T6ue e 'und f zum Voilvirurfe macht, dab^a 
abcMP 4ib<8rsieht , dass sogar auch der Aoch hdiiera 
Too g verkoinmt , S. 1 i<»tzte Z. » dessen er dock 
k-eine Erivatiiiung thuU *— > 

Insbesondere ist aber in Bf^ziehung auf die 
vorliegende Composition zu beriitksichtigen , dass 
*\\o darin gebrauchten ho)icn Tdne auf dem, nach 
Herrn Almenraders Anleitiing vervollkoinmneten 
In.strumente, mit einer Vollkommenheit und Leich^ 
tigkeit ansprechen , votl vvelclien man beim t^piele 
des Insnimuntes nach alter Einrichtung keinen Be* 
gviff haite. Zwar vrar der ei'gentliche Zweck der 
mehrerwtlhnten Verbesserung koinesWeiiS der ge- 
vvesen, solche hohe Tc5ne zu * gevvinrien , sondern 
vielmehr nur, das Instrumeht in seinem' westintli* 
ch(?n Umfange zu vervoiikommnen und zu ver« 
vollsUlndfgen 9 die Intonation reiner, die Starke 
und Klangfarbe gleicher und das Spiel leichter zu 
machen: allein so wie in der VVeflt das B^se^ wie 
mail zu s^^^n pflegt, nicht allein kommt, so 
gelit es hienieden auch oft mitdem&uten, und so 
ist es auch mit der Fagottverbesserung gegangen: 
zugleich mit'und n«eben dem Gellngenjener Haupt- 
verbesserungen , i'anden sich zugleich^ und ^leich- 
sam von selbst, nebenbei auch die Nebenvortbeile 
eiiier weit st .dneren, reineren und leichteren Hd- 
he und die Erweiterung des Tonumfanges bis g^ 
hinauf, von selber ein, so dass das Instrument nun- 
mehr einen durchglln^ig brau^hb.iren und leicht 
ansprechenden Tonumfang von Contra- B bis g, ja 
selbst bis as 9 also von nachst vier vollen OctHven^ 
durch alle haibe Tdaey besitzt. *) Ftir die be<* 



*) In der B. SchotUaehen Instrumenten-^MaaufaGtur i% 
Mainz werden solche Fagotte iinter Hrn. Almen- 
raders Aufsicht und nach seiner Aniellung mit gross- 
tcr Genauigkeit angefefrtigt 9 im Preise vSn 66 fl. bit 
«tt i3o fl. 



tit 



Potpourri und Duette 



fragUchen hdchsten Tdne sind mber tvomehmlich 
die am angef. Orte besehrieWne Veriegung des 
A-Loch«8 vreit tiefer hinab^. dann di^ B- und 
b-Kiappe uad endiich die aeue cis- und cis^^Hap* 

Se wichtig ^ ia wektier ieta&teren Crmaii^eiung auf 
en Fagotten alter Art schon die Tdae ea. und e 
nicht befriedigend) oder audi wohi gar uicbt^ zur 
Anspracbe zu bringen sind, ja, selbst der Ton d 
fast inuner zu tief klingt, weil er aut jenen In- 
^trumenten bios durch Hiite der hdchsten (dem 
Mundstiicke zunachst iie^^enden ) sogenaiinieu lio* 
hen c*KIappe erzeugt wird, indess auf dem neu- 
verbesserten Insixumente aU diese Tdue^ seibst bis 
I und a§ hinauf, vollkooimen gut , ieicht und vvohl- 
kiingend, sowohl sprung* ais stufenweii^ 9 gebun- 
den und /rei ang^st082>en , stark und zart, zu ge- 
brauchen sind 9 und zwar ohne, auf Ko:>ten kraf- 
tiger Tiefe^ ein schmaies Kohr anvvenden zu 
miissen. 

Ich sage: ohne ein schmales Rohr! Um der 
guten Saciie wlllen und der Wabrheit zur Steuer, 
wird es den Lesern nicht unerheblich scheinen^ 
nachsteliend das Almenrildersche Kohr in seiner 
natiirlichen Grdsse genau abgebildet zu seben. 




Es iaty wie man sieht^ breiter als die berliner 
und skchsischen Rohre zu sein pflegen y ungef^hr 
wie die londoner oder pariser, nur dass jene in 
der Gegend des Ringes gewdhnlich zu eng, ietz- 
tere aber, i>o wie iiberhaupt die meisten teutschen, 
ebenda . s^u dtlnne von Hoiz sind. t)as AlmenrM- 
dersche Rohr ist von Ji bis b durchaus um starke 



fixr Fagotti 9. Almenrader. 

zwel Linien im Holze dicker als die meisten an- 
dei^n 9 von da an aber. v^ndiinnet es sioh Jbis 
vornehin ailmaiig bis zur Dicke gewdhnlichen 
Sc'ireibpapiers; nur in der Mitte von c bis d 
bleibt ea etwas starker. Das eigentliche Charak« 
teriatische best*' hi hauptsSchiich darin^ dass es von 
a bis b so stark von Holz ist, wodurch allein' es 
mdgiich wird 9 es gegen vorne hin so diinn zu 
machen, ohne dadurch einen rasseinden Ton zu 
erzieien. 

Nicht f^Ieiche Ansprilche auf vervollkommnete 
Einrichtuog des Instrumentes , wie das bis hj^erher 
besprochene Potpourri , mach*^n die Duette^ 
von Aveichen iibrti;ens« in Ansehung des, detn Cha- 
racter des lustrumentes angemesst^nen Satzes, unge« 
Tahr Dasselbe zu lobcn ist , wie von jenem^ so 
dass auch sie als Ubun^stiicke fiir schon fertige 
Spieler bestens empfolifen zu werden verdlenen. 
Mc$ge Hr. Almenr. noch mehres Almliche folgen 
lassen, und nur in Hnsicht des reinen Satzes^ 
und der schdiierm Abrundung und Ausfulirung 
seiner, nicht selten recht schonen Ideen, sich des 
Rothes eines in der Composition geiibten Freun- 
des bedienen. 



Stich und Papier beider Werko sind schdn^ 

CTV. 



und die Preise massig. 



Die. Eohtheit 
des Mozar t' sc he n Requiem 

• betreffend, 

QCdcilia Heft ii, S. 205.) 

lauieuy thells an den Verfasser, theiU ap die Hedaction, 
▼on viclen Orten her immer interessantere liistorische 
Vachridhten und niclit geringfagige Bestatigungen ein, 
mnd wir haben demnach die gegritndetste Aussicbt, nicht 
unerbebliche fernere Aufscliiusse iiber diesen wichtlgcu 
Gegenstand den verehrtcn Lesern uuscrer folgendcn Hefte 
mittheilen zu konnen, jedoch muthmaslich nicht Tor de'm 
17. oder 18. Hefte, indem dem Verfasser, ausser den bis 
jaUo bercits eingeiaufencn, noch bedeutcndere , ^eltere, 
yielleiclit gar gradezu entschcidende Notizcn zugesicliert sind, 
deren £inlan^cn er billig erst cbenfails noch sd>^uwarten, 
dann aber die emgelaufefi^n Mittheiiuni^en mit diploma- 
tiscber Treue in der Cdcilia abdrucken zu iassen una dabei 
auch den von mehren ehrenwerthcn Personen *;) erhobeuen 
Eimvendungeu und Zweifeln die verdlcnte Beachtung zu 
widmen gedenkt**) »^ Die Red, 

*) Das Beste, und wenigstens gewias Schonsto, was bis 
jetzt auf die in unsern Blattern ge^ebene Anregung 
in andern Zeitschriften, un^ers vVisscus, erwicdert 
worden, ist der Aufsatz von Herrn A. B. Marx in 
seiner allg. musikalischen Zeitung, welcher nur dem 
Verfasser mitunter Dinge in den iVIund legt, die die- 
ser* nie ausgesprochen hat. — Auch fiev waekere 
Abbe Stadler wird, so liat er dem Vcrf. sohriftlicli 
erofFnet, seine eigene Kenntniss von Thatsachcn so- 
wohl , als seine A<nsichten iiber den Gegenstand , 
filfcntlich aussprfichen 9 und es ist nicht zu zweifeln, 
dass auch dieses Herren Ausserung zu den ehren- 
werthen' Beitragen uber dieseu Gegenstand zu recU- 
iien sein wird. D. R. 

**) Bis dahin, wo dieser Gegenstand solchergestalt mit 
dem, der ernsten Sache angemcssenen Ernste noch 
einmal zur Sprache gebracht sein wird, werden dic- 
jenigcn Lustigmacher , wclche, einz^lne Ausdriioke 
und Pkrasen der in der Cdcilia ausgesprochenen An- 
sichten aus dem Zusamirienliange reissend, und sie 
solchergestalt zur Caricatur verzerrend, die ernste 
Angela ganheit 9(um,Gegenstande unanatandiscr Fos- 
•eureisserei in Unterhaltungsblattem hcrabgewiir' 
digt, •— noch Zeit genug habon, sich noch vollends 
satt zu scherzen , um dann , wenigstens die weiterc 
Bcrathung dieser Angel egenheit der kunstUebenden 
Welt beider Hemispharen , nicht weiter durch ifaro 
liurxwell zu storen. D, R, 



181 

Scliropfkopfe 

fiir Componisten, Operndichter ^ S&ngtr 

und Publicum 9 



von 
G. £. P. S idlers. 



Zweite Lieferang^ 



XJekahntlich gab os ehmals auf den Italitnischen 
Universitafeii Lehrstuhle^ welche dazu bestimmt 
waren^ den Dante zu erklSren. Dante ist der 
genialste Dichter der ItaliMner^ und in so fern 
mit Mozart, dem genialsten Tonsetzer der Teut- 
^schen^ zu vergleichen. -— Wenn von der elnen 
Seite dies Gleichnis passend ist, so hin&t es von 
der anderuj wie alle Gleichnisse. Vom Dante ver- 
steht das Yolk in Italien (und dies Yolk mdch- 
te wolil dem neunhundert neun und neunzigsten 
Theil der ganzen Nation ausmachen,) keinen ein- 
zigen Yers *') ; Mozart hingegen wurde ehemals^ ^ 



*) Dies ist nlcht slltin mit Dante (wo es minder zu 
verwundern ware), sondern sogar mit Tasso der 
fall. Mir rst niclit Einmal, nicht 2ehnmal, nicht 
funfsigmal, sondern hundertmal, der Fall vorgeliom- 
men, dass sehr gebildete Italianisclie Frauen (m und 
ausser Rom), das hcjsst solclie, welche lesen und 
schreiben und sich ziemlich fertig mit der Feder aus- 
drScken konnen, eine Ottava von Tasso, pder 
%ine Tercina von Dante, grade mit dcmselben In- 
ter esse ablasen, als war es arabiseh. Selbst die 
Episode des Rinaldo und der Armida, die planste 
und, aus leicht begreiflicben Griinden, die an* 
sprechendstc des ganzen Gedichts (vom Dante liana 
gar keine Rede seyn) hat dasselbe Schicksal: ^yChe 
roba e ? ( was ist das fiir Zeug ? )^S pA^gt (in Rom) 
das Resultat einer solchen momentanen JLectilre zu 
seyn. D* Ff, 

Cieilii^ 4. 9«d. (H«rt 1 4). 9 



A 



ifta Schrdpfkopfe , 

• _ 

• 

iinem. grossen Theile nach, von den Buben snS 
der Gasse gesungen, und daher mdchte es seheinen, 
als bediirfe Mozart keines Commentators^ um vdl- 
lig verstanden und genossen zu werden* Aber 
damit iMuft's wieder auf meine friihere Bemer- 
kung ana: die Zeit macht am £nde seibst mit 
den grdssten Wunderwerken so vertrautt als w^- 
ren es lauter gRng und gebe Diage. Und solitOf 
zum Beispteie, das Sonnensystem desshaib keine 
Erklarer mehr finden , well seine prakttsche Wir- 
kung das natiirlichste Ding von der Welt zu seyn 
icheini ? 

a * 

Und so sollte denn, diinkt tnich,' in alien 
Teutschen Staaten, wo fiir die Kunst, das heisst hier 
iasbesondere fur die Theatercomposition, wahrhaf- 
ter, und kein Strohenthusiasmus herrscht^ eine 
musikalisch-asthetischePro fessur bloa 
zur ErklSrun^ der Mozartschen Werke 
eingesetzt werden, damit dem Volke in Erin- 
neruiig bliebef dass dieser Tonsetzer freilich dieNa- 
tur 6elber ist, aber auch eben so wunderbar^ wie sie. 

Wiirde mir eine soldi e Professur iibertragen; 
meine erste Vorlesung sollte etwa folgendermasen 
klingeo : 

,)Zu1idrer! so werdet ihr von mir ange- 
ls et, nicht allein der Gewohnheit wegen, son- 
dern in viel bedeutsamerem Sinne : ich setze nam- 
lich vorauftf dass ihr, bei Gelegenheit, (denn wer- 
den doch die Mozartschen Opern ja nur noch ge- 
legentlich gegeben), diese Opern nicht allein 



iron G. L. P. Sieveis. 123 

h5rty sondern (was unendlich mehr sagen will) 
ihnenauch zuhdrt. Also: Zuhdrer! Euch wird 
bekannt sein (wenn ihr sonst die Schrdpflidpfe ge- 
lesen habt), dass ich der Melnung bin, ein Schnh- 
macher und ein Gomponist seyen Bins. ^) Ein Schuh- 
macher muss Mas nehmen und zuschneiden ler- 
nen. Hat er dies einmal inne, so weiss er sich 
Rechenschaft zu geben, warum er, zum Beispiele, 
ftber einen achtzOiligen Fuss kehien vier - , oder 
zwdlfzdlligen Schuh macht, > warum er die Hacken- 
stiicke nicht vom- und das Oberleder nicht bin- 
tenhin setzt, und warum er endlicb den Schuh 
nicht hinten, sondern vorn spitz macht. Nun ist, 
vergleichungsweisf zu reden, Mozart der voUkom- 
xnenste musikalische Schuster den es gegeben ^ 
hat und noch geben wird: wie vollkommen im- 
mer ein wirklicher Schuster tiber einen gegebenen 
Fuss einen Sdiuh machen kdnne, immer wird die- 
ser minder passen> als die Arbeit, welche Mozart 
liber den )edesmaligen Leisten (das heisst hier^ 
meine Zuhdrer, iiber den-ihm gegebenen Cha* 
rakter) gemacht hat.<< 

,,Nun entsteht die Frage: Wie der Schuster, 
beim Zuschnitte seiner Schuhstiicke nach bewuss- 
ten Ideen handelt, hat auch so Mozart jeden 
einzelnen materifsllen Theii seiner Compositionen 
nach vdllig bewussten, vorher entworfenen ma- 
tbematischen Schematen entworfen ? oder sind ihm 
diese Schdpfiingen gleichsam wie im Schkife ^6- 
kommen ?« 



^) Cadlia 3. Bd. (Heft m,) S- ^66. 



124 



Schrdp/kopfe 



,,Diese Fr^ge, ihr Zuhdrer, muss sich euch 
mehr als einmai zur Beantwortung dargeboten ha- 
beiiy —» aber auch eben so ofl unbeaatworlet ge- 
blieben seyn. Denn wie einst ein grosser Geist ge- 
aagt hat 9 es sey dien so schwer^ Gott zu begreU 
fen, als ihn nicht zu begreifen, so Ilsst sich ia 
Mozarta VVerken von der einen Seite eben so 
fchwer die VerstandesspeculiEition, als von der an- 
dern der biose geniale Instinkt vermuthen: um 
jene anzunehmen, ist der Hauch der Inspiration 
zu gdttlich ; und wo •letzterer wehete , kdnnte 
%idx unmdglich die abstrakte Combination in einer 
•olchen VoUkommenheit zeigent« . 

„Somit frage ich: Aus was fur Macht that er 
das?- Ich antworte: Aus Gottes Macht! Und ihr, 
ihr Zuhdrer, wenn euch sonst der Name mit der 
That geworden ist, werdet dieselbe Antwort geben.^* 



„Denn, betrachtet einmai die einzelnen Stiicke 
der Mozartschen Compositionen : ist darin Ein 
Tact zu wenig, oder zu viel, Ein Ausdruck 
zu lyrisch, oder zu deklamatorisch, Eine Situation 
zu ernst, oder zu leichtsinnig aufgefasst? Singt 
darin, ich will nicht einmai sagen, Eine Person 
wie die andere, sondern auch nur Ein Liebhaber 
wie der andere, Eine komisch^ Person wie die 
andere, Ein und eben derselbe Charakter wie der 
andere ? Wie oft werdet ihr nicht den Unterschied 
des GS^sanges eines Tamino , Belmonte imd Don 
Ottavio, eines Figaro, Pedrijilo, Leporello und 
Fapagenoy einer Psunina, Constanza und Donna 



pon G* L. P. Sieuers. 125 

Anna, von einander zn unterscheidcn Gelegenheit 
gehabt haben ? -^ Aus was ftir Macht that er das ? 
Au8 Gottes Macht! sag ich.<< 

^yDamit ist mit Einem Worl# gesagt, dass ich 
nicht zu bestimmen vermagy ob Mozart^ beim Schaf* 
fen seiner Werke , auf dem> pythischen 9 oder auf 
dem hdlzernen Dreifusse gesessen^ das heisst, ob 
er nach unbewusster Eingebung^ oder nach mei- 
sterlichen GrundsStzen, geschaffen hat; denn 
fur Inspiration sehen sie zu verstMndig, und fiir 
mathematisch berechnete Erzeugnisse zu gdttlich 
aus>< 

9,Mit dem alien habe ich bisher nichts mehr sa« 
gen woUen, als dass Mozart der grdsste musika* 
lisch -« Msthetische Kiinstler gewesen ist, den die 
£rde gehdrt. Aber, hdrt jetzt wohl zu^ meine 
Zuhdrer, was ich noch mehr sagen will.<< 

yyMozart ist auch der grdsste musikalisch*sitt-' 
lie he Tonsetzer!^^ 

,,Ein sittlicher Tonsetzer ! Nicht ' wahr 9 
das ist Euch ]a recht etwas Neues?<< 

„Euch ist wohl bekannt, dass es politische > 
Componisten gegeben hat, welche Congresse, phy- 
sikalische, welche Donner wetter, militSrlsche , 
welche Schlachten, u. s. w. componirt haben ; dass 
aber die Sittlichkeit in Musik gesetzt word en sey, 
meynt ihr, hiittet ihr noch nicht gehdrt ! — - Lieben 
Hdrer (denn ich hdre wohl^ ihr verdient denNa- 



126 Schrdpfkopfe , 

men Zuh^drer nicht, well ihr Mozarten gehfirt, 
aber ihm nicht zugehdrt habt), Wie? Ihr habt 
hundertmal das Duett ha ci darem la manOf habt 
das StMndchen, habt Quando han dal vino (Me drei 
Stilcke im Don Juan) und das Duett zwkohen dem 
Grafen und Susanne (in Figaro's Hochzeit) sin^en 
hOren, vielleicht gar eben so oft selbst gesungen^ 
und euch wMre nicht deutlich geworden, dass alien 
diesen Stiicken, neben ihrem wunderbar lieblichen 
Ausdnicke der LeidenschafUichkeit , eine schwSr* 
zero Tinte, ein dunklerer Schatten, mit Einem 
Worte ein gewisses Helldunkel, aufgetragen sind, 
durch welche die Klarheit des urs^ninglicfaen 
Gefuhls erst, gleichsam wie durch das Prisma 
einer triiben Farbenmischung , zum Gehdre ge- 
r^th , wie etwa die heitere Friihlingssonne dann 
und wann nur durch ein triibes Gewdlk in 
gemilderten Strahlen auf die £rde herabzuschei- 
nen vermag? Wie, die chromatischen GKnge 
aowohl der Singstimme, wie der Begleilung des 
La ci darem la manoy hMtten euch nicht das 
Unerlaubte der Situation, — ^ die erzwungene, gleich- 
sam erqu^te Begleitung des StSndchens^ das stiir* 
mische, abermals wieder mit dem Chroma verbrSm- 
te, drMngende Treiben des Quando han dal 
vinoy und endlich die ganze Haltung des Duetts 
aus Figaro's Hochzeit, die verbrecherische Absicht 
(zugleich aber ^auch im letzten) die schadenfrohe 
Yerschmitztheit Susannens, so deutlich, wie durch 
den Katechismns, vor die Ohren gestellt? Ja 
dann ist die Nothwendigkeit des musikalisch - Mst« 
hetisch^ Lehrstuhlsf den ieh hiemut yielleicbt 



von G. L. P. Sievers. 127 

wohl berufeiif aber nicht auserwMhIt, aus eigener 
Autoritat bestiegen habe, in meinen Augen wenig- 
stens, zur Geniige erwiesen.<< 

„Wenii ihr, ihr lieben H&rer, die eben an* 
gefiihrten Stilcke auf Treu' und Glauben iiir baare 
Miinze (das heisst, ohne den Zusatz^ der hier 
aber. eii| Gold zusatz ist) angenommen habt ; ja dann 
ateht hundert ge^en Eins zu wetten, dass euch 
auch die Arie der Zerline mit dem obligaten Via* 
lonceii accural das auszudriicken geschienen hat^ 
was die Worte besagen, namlich Zerlinens Liebe 
znm Masetto und ihren Wunsch, sich mit ihnir 
auszusdhnen. Aber, .lieben Leute! hUttet ihr nicht 
allein gehdrt, sondern auch zugehdrt, un« 
mdglich kdnnte euch entgangen sein^ dass noch 
etwas Anderes dahinter steckt, nSmlich die Spitz* 
biiberei der Zerline, (oder vieimehr niolit Zerli« 
nens, sondern des ganzen weiblichen GeschlechtSf 
vvelcbes'in ihr reprasentirt wird. ) Fretlich liebt 
sie den Masetto, und will Frieden mit ihm ma- 
chen 9 aber nur weii sie nicht anders kann : Hes- 
se sich's mit Ehren thun, sie liefe gleich noch 
^nmal mit dem Don Juan davon. Das alles hatte 
euch schon langst das ewig naselnde, schldngeln« 
de Accompagnement des Vieioncells und die 
epdttiscK - schmeichelnde , betdrkelnde , b e i der 
Nase herumfiihrende Melodie sagen sol- 
len. Und ihr wHrt nicht, selbst durch den ge- 
ringen Efifect, welchen diese Arie gewdhnltch zu 
machen pfiegt^ auf die Idee verfallen, es mfisse 
wohl gewdhnlich im Vortrage derselben etwas ver* 



128 ^ Schrdpfkopfe , 

fehlt werden? — GewdhnKch wird sle auf doppelte 
Art gesungen ; einmal in d^r Bravourmanier (uad 
diesAs Scandal haben wir vor sechs oder sieben Jah- 
ren zu Paris erlebt, wo dieberiihmtestejetzt leben- 
d9 Slngmasefaine die besagte Arie abgesungen hat, 
dass es klang wie ,,Martern aller Arten) — * oder aber 
zweitens mit dem GMnseschQabel ; beide Arten aind 
aber nicht die rechten« Stelit einmal ein rasches, 
feurigesjt muthwilliges MMchen, nothfalls (wenn 
Oottes nicht verhiitete) eine Zerlineim wirklichen 
I^eben^ dahin^ und las$t sie^ nicht naiv, sondem 
witzig) nicht cantabel, sondern demonstrirend, ja 
selbst mit formdller UnverschMmtheit und sosingen^ 
dass das Pubiiciun siets die Maliz durchschim- 
m^rn sieht, -f- und die Arie wird Furore machen.<< 

\,Eben so hat der Anfang des Duettos zwischen 
Don Juan und Leporello (auf dem Kirchhofe) 
Gelegenheit zu einer Discussion gegeben : Einige 
haben die Art^ wie Leporello die- Statile anre- 
det, und wie er spSterhin seine Furcht zu er- 
kennen giebt, zu schwach ausgediiickt gefiinden. 
Mich diinkt dagegen , Mozart 9 sey es aus blosser 
genialer Eingebung, oder vom string bewusstvol- 
•len Begriffe der ZwecIcmRssi^keit geleitet,. babe 
aucb bier , wie iiberall , die Natur auf der That 
ertappt; denn Leporello ist der Hanswurst des 
Stiicksj und der Hanswurst kann sich nicht fSrch- 
ten wie der Held,«< 

,,Dies sind, meine lieben Hdrer (verzeihty 
dass ich foctfahre 9 euch' um eine Sylbe zu ver- 
kiirzen), die Beweise, welche ich fur meine Be« 



-* 



von G. L. P. Sievers. 129 

hauplung habe beikringen woUen, dass Mozart 
nicht allein der grdsste musikalisch - Ssth^tische^ 
sondern auch musikalisGli-inoralische Tonsetzer 
sey. Leicht wiirde es mir werdeUf die Eiuheiten 
derselben zu Zehnem^ ja zu Hunderten anwachsen 
zu lateen 9 wenn es nicht gerathener wMre, euch 
selbstt einmal auf die FSlhrte gebracht, das tlbrige 
thun und aus Hdrern, Zuhdrer werden zu iassen. 
VieUeicht dass ich mich nSchstens geneigt fuhie^ 
euch eine zweite Yoriesung iiber die musikaiisch- 
moralische Tonsetzkunst Mozarts zu halten«<^ 



Oben habe ich gesagt, die Tonsetzer soUen 
vorziiglich das Zuschneiden erlernen. Euch 
aber^ ihr Operndichter, muss alien Ernstes an- 
empfohlen werden ^ das Masnehmen zu studi- 
ren. Freilich mdgen, zur Bekleidung des physi* 
schen Kdrpers^ beide genannte Operationen leicht 
in Einem. Kiinstler vereinigt werden; aber, um 
dem Geiste eine tdnende Hiille zu geben , werden 
(es sey denn, man ware schon wieder zur Kin- 
dischheit heruntergestiegen , um , wenn a u cli 
nur in gewissen Fallen^ die Vokaimusik der 
Instrumentalmusik unterzuordnen, in welchem Fal- 
le Ein Handwerkslohn zu er^paren stMnde) zwei 
Kiinstler erfodert. Wenn, von der einen Seite, 
das Zuschneiden ein nicht kleines Genie erheischt, 
weil das gegebene Mas keine Contoure beschreibt, 
sondern nur die Distanzen in Funcjten zu erken- 
^en giebt; so'gehdrt, von der and em , zum Mas- 
nehmen eine nicht gewdhnliche Kenntnis der drt- 
lichen Yerhaltnisse des zu beschreibenden ^ oder 



130 Schropfkop/e ^ 

zu besingenjlea Gegenstandes : der Dichter mdcb- 
te daher der geometrische , der Tonsetzer aber 
der mathemntische Kiinstler der Vocaimasik zu 
benennen seyn. 

Wehde ich mich vorzflglich an each 9 ihr 
Dichter, um euch zu ermahnen , nur recbt 
wackere Geometer zu seyn, das beisst, die wirk- 
liche Oberfliiche und respectiven physischen Ent- 
fernungen , in allgemeinen , leicht zu versteben- 
den Andeutungen, oder vielmehr Umrissen* zu er- 
liennen zu geben^ und euch dabei aiier Licht - oder 
Nebeiphaseleien (ich wollte sagen : Nebelpha^en) 
sorgsam zu entkalten. £s gibt Texte, weiche am 
dem Leben aufgegriffen sind, das heisst^ welche 
man geboren werden, heranwachsen, sich vermeh* 
reii uud absterben sieht^ oder, mit andern Wor- 
ten, >vo die Exposition, die Incidcnzpuncte, die 
Verwickelung und endiich die Entwickelung, so 
deutiich vorgehen, als silhe man im Huvte eines 
Taschenspielers Latuke 8aen> aufschiessen , ab- 
achneiden und mit Essig und C)hl zubereiten. 
Solcher Texte, aus dem Leben und nicht aus der 
Luft aufgegriffeui gab es ehemal eine grosse Aa- 
zahl ; viele derselben sind von Componisten in 
Musik gesetzt worden, welche ihre dramatische Be« 
geisterung aus sich selbst, und nicht aus dem Teu- 
fWsdrecke um Mitternacht vom Scheidewegey 
schdpften. Der Doctor und Apotheker, das 
rothe Kiippcheny Hieronywus Knicker 
u. s. w. , sind komische Operiii in deren Texten 
(und nur von diesen soil bier die Rede sein) das 



i^on 0. L. P* Siegers, 131 

Pablicum (das heisst eingebildete Charlatane, ver* 
liebte alte GeUken , GeizhMlse , iiberhaupt Narreit 
alter Art, wie es deren in der Welt giebt) sich \vie«- 
dererkennen, also Theil an demselbeii nehmen und 
sich ergdtzen kann. Aber nicht allein die Intri* 
gue , sondern audi die Foesie darin ist mensch- 
lieh^ dias heisst verstSndlich , und darum nur um 
desto ausdrnckvoUer. Verse 9 wie fol^^ende: 

„Das mag, naeH dem aussem Schcin, 
„Wohl cin Ncbcnbuhler scyn," 

tragen die Genialit^t an der Stirnt trotz der Teu- 
felsopem von heut zu Tage. Bei Dittsrsdorf singt 
sie der Feldscheer Sichel , ein Mensch , der nicht 
den Dplchy sondern den Schnepper fiihrt, in des« 
sen Munde sie also nicht klingen kdnnen, als 
sange sie der Mohr Othello« Aber legt sie einmal 
diesem in den Mund und lasst sie dann von Mo- 
zart componiren; wie werden euch da die Haare 
zu Berge stdhen ! Und doch sind es dieselben 
Verse ! Was macht das Verdienst derselben ? Dass 
Verstand , dass ein menschlicher Bezug darin ist. 
Denn die Eifersucht kennt jedermann, hat jeder- 
mann in seinem Leben erfahren, und jedermann's 
Herz ist davon erregt gewesen, er sey Sichel oder 
Othello. 

„Aber^'« krSchzet ihr mir entgegeni ' ihr Opern* 
dichter, ,,damit wird ja nicht mehr und nichl 
minder gesagt, als dass wir wieder in die Wohn* 
und Kinderstuben, in die Kuchen, ja unter den Pdbel 
zurlickkebren sollen.«< — AUerdings sollt ihr das, 
und zwar so geschwind als mdglich; ihr bUttet 



132 Schrop/kopfe , 

tiberall wohlgethan 9 "euch gar nicht von dort zu 
entfernen. Aber stelll die Menschen nicht hinter 
Jem Ofen sitzend und irn Schlafe vor^ sondern 
wachend und im Conflict mit einandei% roll Lei- 
denschaftlichkeity vol! Wuth, ja meinetwctgeny vol! 
Verbrechen. Besonders aber fasst Gharaktere, 
oder, seid ihr dazu zu schwachf wenigstens Fhy- 
siognomien, auf; bieton sich keine von selbst 
dar, so ersinnt welche: wie toll ihr's auch (doch 
mit Yerstand) erdichten mdgt, 'immer wird sich 
in der Natur ein Anklang davon finden. Gleicht 
doch letztere dem Schose der £rde , aus welchem 
von dem , was ^ort verbprgen liegt , noch njcht 
der millionste Theil zu Tage gefdrdert ist. 



Hede ich jetzt ein Wort mit dir^ teutsches 
Publicum. Man sagt^ (denn aus signer Erfahrung 
kenne ich dich schon seit einer langen Keihe von 
Jahrcn nicht mehr), man sagt, du fahrest fort, 
musikalisch das alte, das heisst^ gar Nichts, zu 
seyn, du horest mit eben demselben Eifer, oder 
mit eben derselben Gleichgiiltigkeit ^ eine grosse 
Oper, wie eine komische, eine Franzdsische Com- 
position 9 wie eine ItaKsinische , oder wie eine 
Teutsche an, gebest der Instrumentalmusik vor der 
Vocalmusik gerade keinen grdsseren Vorzug^ als 
der Vocal- vor der Instrumenlalmusiky lobest die 
Catalan!, aber tadelst nicht die DreiersMngerin dei- 
nes Krkhwinkel, vom Cantor Loci oder PrMfectus 
Ciiori gebildett schHtzest den Teutschen Gei- 
genstyl, mdchtest aber auch gern Baillot^ Lafon 



pon 6. L. P. Sievers. 133 

und Masas hcfren, spielest die Mozartschen und 
Haydnscban Quartette » greifest aber eben so 
gem nach denen von beut zu Tage, baltest 
den Don Juan fiir eine sublime Musik, bdrest 
aber eben ao gern die Teufelsoper und den Bar- 
bier an. Endlich versicbert man, du seyest den 
Franzosen und ItaliMnem auf die Schultern gestie- 
gen und habest woblgefallig ausgerufen: ^Sebt^ 
wie gross wir sind : wir lieben alles^ was gut ist !<< 

NuH} Gott gesegne dirs, du liebes Publicum! 
Einen Straussen m a g e n bast du , das siebt jeder ; 
aber die Straussen ei er bleiben aus: wMbrend du 
AUes verschlingst, geht dir Nichts ab, als Unratb^ 
den Niemand gebraucht, nichteinmal du selbst, in- 
dem du stets nacb auslSndischer Nabrung greifst. 



Tiefes Anliegen. 

Acli, erleb* icb^s, dass wieder mit Hoheit die Fluten 

dcr Tone , 
Ifimmcr bloss scblagend an*s Ohr, fasscn mein in- 

nerstes Sein ? 

F, fV* Jung^ 



134 

Denkmiiaze 

auf 

Carl Maria von We be r ^ 

von Carl Reinhard Kr tiger; 

in Dresden, in dc^r Kunsthandlung von Morasch und 

Skerl, und in der koni^l. Munze beim Miinzgraveur Kru- 

ger, — in Leipzig bei den Gebr. Tecklenbure. Freiss: 

in Dokatengold 4^ Thlr. , in feinem Silber 3 Thlr., 

in Bronze i Tuir. . 



▼V ir glauben, alle unsere Lesei^^ die wir wohl fur eben 
so viele Fr^unde und Verehrer unsers Maria Weber 
balten diirfen, durcb die Anzei^c von dem Erscheinen des 
in der Uberschrifl: erwShnten Kun&twerkes zu erfreuen, 
welches,^ als Kiinstwerk aus reiner Vcrebrung fiir den 
Tondichter hervorgegangen , als Unternehmen des Kunst- 
bandels aber, ohne Veranlassuhg und UnterstiitEung ei- 
nes hohen oder reichen Maccns, einzig auf sich selbst 
tind die Unterstiitzung der kunstliebenden Welt berech- 
net ist. 

Carl Maria von Weber^s Melodieen, (sagt ein Tom 
kunstreichen Verfertiger heraussegebenes Programm) ent- 
ziicken auf dieser und jener Hemispfaare; es \Tar daher 
die Pflicht der Miinzkufist, sem Andenken durch ein 
Denkmal unter uns zu feiem, das die laugste Dauer, im 
Vergleich mit jedem anderen, verspricht. 

Die Munze zei^t auf der Vorderseite das Bildnis des Sclio- 
pfers der Melodieen Preciosa^s, Euryantiie^s und des Frei- 
schiitzen, mit der Umschrift CARL MARIA v. WEBER. 

Auf der Refirseite ist jenes, von der al^en Wcit 
hochgefeierte W under der Tonkunst, die Ret- 
tung Arions, dargestellt, das alien Teutschen durch 
Schlegels Ballade bekannt ist. Ein bronzenes Weih- 
geschenk, das schon Herodot kannte (L ^3) und Pan- 
sanias auf Taneros noch sah (III. 25), Terberrlichte die- 
se wundervoUe Rettung in der Art, wie wir hier den 
Citharoden sehen, der- Reinem seiner Zeit nachstand; 
und treu diesem alten Urbilde, von dem uns in den an- 
liken Miinzen von Brundusium undMethymna auf Lesbos 
eino Abschattung yerblieben, wird Arion hier entklei- 
det dargestellt, nicht im yollen Sangerschmucke , -me er 
nach Herodot ins Meer sprang. 

Die plastisch6 Ausfuhrung, yon der wir hierneben die 
Umrisse mittheilen, ist ausgezeicbnet schon, das Bild, 
zu dem Weber selbst gesessen, sprechend ahnlieh und 
die Medaille also auch in dieser Hinsicht wurdigy nebeii 
Mozarts und Hajdns Gemmen zu glanzen. 

Die Redaetioih 




Zu S. 134 




.^-.4* 



\ 



.^?, 



135 

Recension. 

Praticd d* accompagnamento sopra 
Bassi nume r ati e c ontr appunti 
d piu voci sulla scala ascendente 
e discend ente ma g giore , e tninO" 
re con diver se fuglie a (a) quat^ 
tr09 ^ 8* Opera composta e deUicata 
a sua Altezza Reide I* In/ante Z>, Carlo 
Ludoyico di Borbone Principe di Lucca ec. 
ec* ec. dal Padre Maestro Stanislao 
Mattel, Min. Conu.y DJaestro di Gap^ 
pella , Onorario di 6'. A, R. It Duchessa 
di Lucca, Infante di Spagna ec, ec. ec* 

Bologna presso Civriani e Cowp, net Afagaz, di 
Musica dal jTeatro del CorsOj No, 90, Firenze ytres^ 
so Gasjfero Cipriani Editore di JMusica da Santa Tri* 
nita, Livorno presso Fedele Gilardi in Via Ferdi^ 
nanda al No. 89* 

XJem Titel nach, so weit er sich in tcutscher 
Sprache wi^dergeben lasst, ist das vorliegende 
Werk eine 

„Fra€tische Anleitun^ zur Begleitungskunst ifber 
bezifferte Basse, und mehrstimmige Contra- 
puiicte unter der auf« und absteigenden Dur- 
und Moliscale^ mit verschiedenen vier- und 
achtstimmigen Fugen : ein Werk verfasst und 
• . . geWidmet vom Pater Stanislaus Mattei , 
des Minoritenordens Geistlichen, Capellmeister 
u. 8. IV, Zwei Theile, zusammen 204 Seiten, 
Fol." 

Um ^en Lesern sogleich anschaulich zu machen, 
was das ihnen unter dem obigen Titel ausgebo- 
tene Werk enthMit, mag hier, da es auf so we- 
nigem Raume geschehen kann, ein Theil des Wer- 
kes selbst, als Probe, in der Ursprache abgedruckt 
werden, welchem Kef. eine ganz getreue liber^' 
setzung an die Seite setzt. 



136 



Pratica d*accompagnamentQ 



Parte prima. 

Scale e Bassi nume- 

rati. 



Breve teoria suit aceom-pag*' 
namento della Scala. 

La Scala e la successione 
diaionica o naturale di sette 
Toci o saoni. La distansa 
cbe passa da una all* altra, 
o per grado, o per salto, 
chiamasi intervallo. 



Erster Theil. 
Bezifferte Tonleitem 
und Basse. 



Kurze Theorie der SegleU 
tung der Tonleiter, 

Die Tonleiter ist die dia« 
tonisclie oder natiirliclie Fol- 
*ge yon sieben Stimmen oder 
Klangen. Die Entfcmung 
^von der einen, stufen-, oder 
sprungweis, zur anderen, 
heisst Interrall. 



S 



^ 



Z^: 



=^ 



XZ 






3C2: 



-€?^ 



ZZ. 



::g:r-— zifcrrr^^E 



:^ 



Le qui descritte note cbe la 
formano altresono perfette, 
ed altre imperlette. Le per- 
fette sono, la Prima chiama- 
ta Fondamentale ; la Quin- 
ta sopra, o Dominante; e 
la Quinta sotto, o sottodo- 
minante, e sono cbiamato 
perfette^ perche immutabili 
e non soggette, a veruna 
altcrazione, o diminuzione, 
di mo do cbe altera te o di- 
minuite passerebbero da una 
ad altra Scala. 



Voq diesen Noten ftind eini- 
ge yoUbommen, andere un- 
yollbommen. Vollbommene 
beisscn die Prime, Gnind- 
note genannt, die Oberquin- 
te oder Dominante > und 
die Unterquinte oder Unter- 
dominante, weil sie so un- 
yeranderlicb sind , dass sie, 
yerandert oder yermindert* 
in eine andere Leiter iiber- 
geben wiirden. 



3^ 



"^E^ 



-c 






ffon Stanislao Mattel. 



137 



Cia^cvna delle suddescritte 
note richiedono per nature 
Taccordo di 3 . 5zr*) i e qiic- 
sta si chiama Armonia per- 
fetta, o n'tta. 



Jed« yon diesen Terlangt 
ihrer Natur nach den Ac- 
cord 3 . Srz:*)? und die.se Har- 
monie heisat Tollkommene 
oder unyerlielirte Harmonic* 



#= 




Le altre Note della Scala 
▼engonp chiamate imperfet- 
te, perch i soggette ad alte- 
rasione e diminunone; ed 
hanno per accompaenamen- 
to 3 . 6 = e 61 ckiama Armo- 
moniaroyescia, doye la Fon- 
danientale resta coilocata 
verso Tacuto. 

Ogni accordo perfetto ha 
due Boyesci, il primo di 
3*6;i: e il secondo di 4* 6. 



Bie Sbrigen, einer Umwan- 
delung oder Verminderung 
fahigen Leitertone lieisaen 
unvoUkommen ; sie erhalten 
die Begleitung 3.6=:, weU 
che^ man yerkehrte Harmo- 
nie nennt, wobei d^e Grund- 
note weiter oben liegt. 

Jedcr Drciklang hat Ewei 
Umkehrungen, die erste yoni 
3 . 6:::; , die z weite yon 4 • 6* 



3^N 






~P'onda: f^^^ rundnetf. 



TltideuHenfaie 



JYimo lioi^scio 



lErafe t p^^ ehrurfg. 




escfo . 



IJommante. 
Domznante. 




\\\ jgy 



Jfrrmoliapescio , ^eeom. 



\CfO. 



Dal primo Royescio della 
Fondamentale si troya Tac- 
compagnamento della 3a. 



Von der ersten Umkeh- 
rung des Grundtones findet 
man die Begleitung der Ters, 



*) Was diese Zeichen bedeuten sollen, ist nirgendwo 
erkiart. GW. 



CiiUia^ 4* BMd. (Htft i4). 



10 



J 



138 Pratica d*accornpagnamento 

Dal primo delta Dominante von der ersten der <Doiiu* 

quello delta 7zi ® ^^ Pn* nante die der yrzv und vom 

mo della Sottodominante ersten der Untcrdominante 

quello della 6ri. die der 6;z:. *) 

Wir ersparen una gerne die Milhe, ein aus« 
fiihrlich motivirtes Urtheil dariiber auszusprechen^ 
ob 'in aolcher Ideenordnung^ wie die bis hierher 
referirte, ein Plan, in solcher Darstellung Klar- 
lieit 9 in solchem Vortrage VerstSndlichkeit zu 
finden aei. Da wir letzteren in seiner Ursprache 
mil hdcbster buchstMblicher Treu^ abdrucken Ias« 
sen 9 und ihn zugleich so treu gewissenhaft wie 
nur irgend mdglich, uberset^en, so mag das Werk 
• selbst den Meister ioben, und mr begnOgen una 
mit der Versicherung , dass Darsteliungsweise, 
Ideenordnung und Vortrag das ganze Werk hin- 
durch den bis hierher gegebenen Froben gleich 
bleibt. 

Am( dfiese Art folgen also in dlesem ersten 
Theilo iioch einige Bruchstiicke von Begriffeny 
Von Umkehrungen mit ausgelassener Grundnotey 
dann von Melodle und Harmonre, von Ausweichung^ 
Yorbereitung , Anschlag und Aufldsung der Disso- 
nanzen und Etwas von Beifxigung einer None zum 
Septakkorde;« alles auf anderthalb unmMssig weit- 
schichtig lithographirten Blattseiten. -^ 

Die folgende Seite beriihrt den Streit, ob die 
Ouarte eine Con-, oder Dissonanz sei, und erlaubt, 
den Akkord der Hauptsepthne auch unvorbereitet 
hdren zu lassen, wiewohl nur selten, (con discre- 
ta frequema'). — ! 

Auf den fol^enden anderthalb Seiten lehrt der 
Maestro 9,die Secunde se.i im Contrapuncte keine 
Pissonanz^f — — erwMhnt Etwai von Cadenzen, 
tragt in zwei Zeilen das Octaven- und Ouintenver- 

*) Die Uebersetzung nicht unklarer als das Original, 

GW: 



pon Stanislao Matteu 139 

bat vor, und in £iner Zeile die yerbotenen Spriin- 
ge^ — versicherty es sei gar ^ut, wenn oin 
der Accompaghirkunst fieflissener selbst Sani;-er 
sei 9 einen guten Meijjter habe und fleissig studire. 

Dies ist der Inbalt des sicb auf 5^ Folioseiten 
erstreckenden tbeoretischen Theils: die sammt- 
lie ben iibrigen einbundert und vfun& 
z eb n Seiten siiid 'bios mit beadfferten Bassen an- 
geiiillty weicbe der Lebrling zu ^einer Befabigung 
in !Noten aussetzen oder abspielen soli^ und zvvar 
Anfangs bios auf- und absteigende Tpnleitern, erst 
in C-dur, dann mit ebenderselbea Bezifferuhg in 
^•dur , dann eben so in Z)-dur und so fort , iiber- 
all mit denselben Beziifferungen ! — dann auch 
sonstige beliebige Zifferb^sse ^ und gegen das £n- ' 
de einige Ausvveicbungsformeln. 

Endiich folgen unter der ifberschrfft : j,EpilO'- 
go e complesso di PassaggJ ^ modulationi ^ ca^ 
denze Fatse^ sospese^ ed Inganno*^ (Alles buch- 
stSlbltch so 9) fiinf Zeiien vierstimmig ausgesetzter 
jNotonbeispiele , iii^d zuletzt heisst es, es 'gebe 
auqti eine plagale Kadenz^ welclie von der Ouar« 
te des Tones (ist zu verstehen vom Unterdomi- 
uantakkorde) zur Oberquinte oder Unterquarte 
gehe , mit Noneiibegleitung 



^S 



-<^ 



(gowiis ausserst verst^ndlich ! ) ^- Zuletzt wird em- 
pfohleui nicht ohne Noth zu viel zu nioduUren ; 
worauf der Verfasser mit der Bemerkung schliehSt: 
nun wisse er diesem ersten Tbeile seiner Tbeorie 
nicbis mebr hinzuzusetzen. -— 

Fragen wir nun, nach der bisberigen hdchst 
treuen Relation des Inbaites, was denn eigeiitlich 
der Inbalt des Buches sei; so besteht das Beste 
was davon zu sagen iit, darin: es sei hauptsSch- 



140 Praticd cPaccompagnamento. 

lich eine Sammlung mehrer. bezifFerten Bassstinii* 
men 9 an welcbjan ein I^ehrling sich im General* 
bassspielen ilben mdge, oder auch im Aussetzen 
dieser Generalbassstimmeh in ivirkliche Noten* 
Wer daher Lust und Beruf filhlt. sich eine sol- 
che Sammlung anzuschaffen, um sich an derselben^ 
statt an anderer Zifferbassstimmen (deren er frei- 
lich auch sonst fiberaii in hinreichender Menge 
finden kann) zu iiben,. dem ist dazu allerdings 
zu rathen. Anders aber muss der *Rath fur die- 
ienigen ausfallen^ welche nicht blosen StolT zur 
IJbung, sondern auch zugleich Belehrung einzu- 
kaufen wiinscBen. Diese finden hier wahrhaft 
liber die Masen Wenlg ; ein Urtheil welches, nach 
den oben geiieferten Fral>en, keiner weiteren Be- 
grUndung melir bediirfen wird* 

Eben darum wird es denn auch iiberfliissig seiOf 
auch iibeV* den zweiten Theil noch ausfiihrlich zu 
disseriren. £s wird vielmehr geniigen^ den Leserii 
zu berichten, dass sie auch hier ungefahr hundert 
Zeilen beiehrenden, oder wenigstons Theorie beab* 
sichtigenden Textes, die iibrigen 15 Bogen aber mit 
Beispielen Von alierlei Contrapuncten angeftlUt fin- 
den , ersteren , den Text , um keinen derberen 
Ausdruck zu gebrauchen, ganz Ton gleicher Hal- 
tung, Biindigkeit) Klarheit und VerstMndlichkeity 
wie der des ersten Theils, — letztere aber, die 
contrapunktischen Exempel und Muster, zum Theil, 
ja grdsstentheils kunstreich, kunstgerecht und mit- 
unter in der That recht sciidn. 

Und mit diesemBesten, vras sich von dem Wer« 
ke sagen l^sst, wollen wir eilen, diese Anzejge zu 
schliesseni eh uns noch Anderes aus der Feder 
fliesse. 

GPV. 



441 

C h o r und Choral 

zwei Artikel 

* 
aus 

&fr* Weber 9 musikalisckem Lexikon. ♦) 

Char. 

lateinisch Chorus, italienisch CorOf francds. Cheur, Tom 
griedusclien Worte XOga^ abstammend , hoisst £u< 
nichst I.) )^des Musikstiick^ in welchem , viele Personen 
eine imd dieselbe Singstimme gemeinschaftlich absingen* 
Wenn b. B. bei einer Tierstimmigen VocalcompositioA 
Eine Fdrsdii die erstc Stimme, eine andere die sweite 
absingt u. a* w., so wird sie auf diese Art als Sihgquartett 
aafgefuhrt: wird aber jcde Stimme mit mehren San* 
gern beaetzt, so erscbeint das Tonstiicti als Ghory mit 
welchem Namen man dann auch die Oesammtlieit der 
Chorsanger lu.bezieichnen pflegt. 

InAna^bung der Composition wird der GHor bald mehr- 
bald wonigerstimmig gehalten, bald fur diese, bald fiir 
fene Art von Singstimmen, So hat man z. B. nicht bios 



*) Gewiss nicht als M u s t.e r gedenkc ich diese yon mir 
bearbeittiten Artikel hier aussustellen', und noch 
weniger als selbstandige , durchgangig neue Ansich- 
ten cnthaltende Abhandlangen , sondern bios allein 
als Pro ben der bu erwartenden lexicalischen 
Behandlungsweise, deren Hauptzweck sich dar- 
auf beschrankt , den Artikel nach seinen yerschiede- 
nen Bcdentungen zu erklSren und die Haupt-Grand- 
ziigo der betreffenden Lehre zu entwicKeln; und 
selbst in Hinsicht auf diese letztere ijnerke ich an, 
dass bei weitem nicht alle Artikel mit solcher Aus- 
f&hrlichkcit behandelt tverden, wie die hier und 
auch schon in fruheren Heften der Cacilia ausge- 
gestellten , indem zwar grade die ausfuhrlicher be- 
arbeiteten sich noch am ersten zur Mittheilung in 
der CHsilia eignen, im Lexikon selbst aber zum 
Theil merklick abgekurzt erscheinen nverden. QW^ 



144 Veber Chor 

Chore fKr di^ gewohiillclioii vier HiKUptarten. von Sing- 
stWmen, (Soprane, Alte, Tcnore und Basse,) sondern 
auch fur melire , oder wenigerc Stimmen , — bios liir 
ZYtei , drei oder Tier Manner • Stimmen , ' ohne >veibliche, 
oder alleija fur weibliche « -^ auch doppel « und dreifaclie 
Chore , wo die Singstimmen in z^vei oder drei Chdte ab- 
getheilt, sicfa bald chorweise ablosen und antworten^ bald 
auch wieder in £ins £usammengreifen u. s. w. (Gans 
i^underlich wird in Kochs musikal. Lexicon, Artikr 
Chor, gelehrt , ein Chor sei allemal wcnigstens drei > ^ 
und hochstens Ticrstimmig, er sei ,,ein SingsHicli, in wel- 
chem einc EmpfindUng, in*we1che vielc Menschen(?)** 
,,7iUgIcich versetzt sind, durch drei oder Tier mehr- 
^,fach besctzic Stimmen ausgedjfuclit wird^*, eine-Behaup* 
tuug, die naturlich weder einen Tcrnilnftigen Grand, ndck 
die Erfahrung fur sich hat. Man erinnere sich nur s. B* 
der zweistimmtgen Chore der Priesterinnen in Glucka 
Iphigenia, des zweistimmigen MSnnerchores : „Das Iclinget 
60 herrlich^' in der Zauberflote, und so vieler fBnf*, 
sechs' , acht- und mchrstimmige^ Chore unserer Kirchen>- 
Gomponisten. «— Auch der gewohnliche Kircbengesang der 
Kirchengemeinen , wo die aans^e Gemeine einMai^gig Eine 
und diescibe Weise singt, ist eine bios einstimmige Gat- 
tung Ton Chorgesang, Toh yrelcber im Artiliel Cbofal 
eigeps gehandelt wird«) 

Der Chor tvird bald mit Instrumentalbegleitung, bald 
^U bloser . reincr Vocalchor gcsetzt ^ und vermag in je- 
der dieser Gestalten die grossten Wirkungen eu erzeu- 
gen. Was insbesondere den Chor in Verbindung nkit Instru- 
mentalbegleitung betrifpt, so geht es wohl aus der Natur 
der Sache hervor, dass dabei die Begleitung iiberall als dem 
Gesange untergeordnet 9 und letzterer als hervortretende 
Haupt8ach« behandelt werden soUte, sowohl in Ansehung 
der BeselEung (8« den Art. B e s e t c u n g) als der Instru- 
mentirung (S. den Artt Begleitung,) so dass, wena 
gleich der Instrumentalpartie - ein grosserer Reich thum aa 
taelodischcn Figuren, welchen sie, rermog ihrev leich- 



und Choral. 143 

feran Beweglichkeit, eher vertragen., verliehen . wird , 
diese docli nur, als der Empfindung homogene und den 
Ausdmck unterstStzende, inimer aber untergeordnete Zier- 
ratbe, den Ghorgesang, als Hauptsache, bios umspielen, 
schmiiclien nnd beben soil en. (£ihe eigene, bisher nner- 
bort gewesene Vei*bindung des Chores mit der Symphonie 
bat nenerlich Beethoyen in seiner Symphonie Op. 12B 
auszufiihren gewagt.) 

£s ist einleucbtend, dass ein Ghor, indem er mebr 
in Ma^sen, im Gegensatze der im Sologesange mebr 
herrortretenden Individualitat , wirkt , cben darum aucb 
xToniger fein detaillirte Zuge und, well er von rie- 
len Personen zugleicb gesungen werden soil, aucli nwr 
xnoglichst i^enig Scb^ieriglteit in Anselmng der Ausfubr- 
barkeit der Stimmen vertragt, weshalb zartere und fei- 
nere Zuge^ da wo sie in einen Ghor eingewebt werdcn 
sollen, am fuglicbsten und wirliungsyollsten durch Zwi- 
scbensatze von Sblostimmen , ent>ve('.er wahrend der Pau- 
sen des Ghores, oder aucb wabrend des Ghorgesanges 
aelbst uad gleicbsam Uber den untergeo'rdneteren Ton«n 
des Chores einberscbwebend und berrorglanzend, ausge* 
sprochen worden, wie dies denn eben aucb in Arien und 
Duetten, TerzeUen u. s. w. mit eingeflochtenen Choren, 
oft mit der glucblicbsten Wirbung, zu crscbeinen pflegt. 

IVas die poetiscbe Grundidee des Chorsingens an siob 
selber betrifft, so scbeinen folgende Betracbtungen aus 
der Natur der Sache bervorzugehn. ' Sofern schon in je- 
dem mebrstimmigcn Geaan^stiicbe, werin mebre Stimmen 
einen und denselben Text singen, Torziigllcb aber beim 
Cbore , mebre Personen, Eines und dasselbe, zu glcicher 
Zeit, und mit ebendenselben Worten, gleicbsam mit £1- 
nem Munde aussprecbend i erscbeinen, so ergiebt sicb 
bieraus Ton selbst, dass diese Worte, so yiel m5glich, nur 
solcbe sein mussen, rpn welcben es fiiglicb anzunebmen 
ist, dass die .Personen, wclclie man sicb unter dcm sin- 
genden Personal yorstellt, sie unter den gegebenen Urn- 



144 Ueber Char 

standen so eiiimQndig aussprechen wiirdeii. «<- Wollte 
man dieses fi*eilic)i ganz strenge nchmcn, «• .inrurde sich 
iucht leicht ein' yollig zum Chorgesange passender Text 
finden lassepoi « indem von mehren 9 wenji aiich gans "von 
Einer nnd derselben Empfinduiig beseiten Personeiiy doch 
sicher nicht Alle diese Empfindang ganz auf gleiche "Wei- 
66 und 'mit denselben Worten u. s. w. auMusprecken 
pflegen; und dieser rigorosenAnsicbt sufolge wiirde dann 
fiir Chorgesange fast kein anderer Text iibrig bieiben, 
als welcben etwa, ein Yorsanger dent Chore Yorsagte und 
dieser ihm nachsprache oder naehsange (etwa wie s. B. 
beim Rundgesange) — oder ausserdem hochstens Aur ganv 
einfachc Ausrulungen , wie z. B. Ach ! Weh 1 Heil dir ! 
Willl&ommen ! u. dgl. — Indessen darf man sich in die, 
durch diesQ gar "zu strenge Ansicht angedeuteten Grenzen, 
':vvohl schon darum nicht einengen lassen, weil die Naiur 
eines Kunstwerkes, als eines in sich selbst der prosaischen 
Wirklichkeit entriickten uud mehr idealen Gebildes , auch 
die Annahm grosscrer idealer Ubereinstiramung . der £m- 
pfindungsweise rechtfertigt, und eine mehr als alltagliche 
tJbereinstimmung der Art solche gemeinsame Empfindung 
auszusprechen , vorauszusetzeii und zu fingiren erlaubt. 

1st dieses, aus den angefUhrten Grunden, selbst dem 
Opernchore erlaubt, welcher, Tor den Augen. des Zu- 
schauers und Zuhorers auf dei* BUhne , " als wirklich 
aus mehren ludividuen bestohead, leibhafUg ersebeint, 
so ist es Tollends noch unbedenklicher da^ ^o man sich 
den Cbor nicht nothwendig als eine Anzahl von verschie- 
dcneu Fersonen yorstellen muss, sondem ibn. gewisser- 
Lasen als Kine ideale Person bildend denken kann, wie 
ik der Cantate, oder dem Oratorium, oder iiberhaupt als 
erne Gesaihmtbeit toIi hoh ren Wesen, tou Engeki, Gei- 
^ern, oder sonst durch hoheren Einfluss inspirirtflta We- 
sen, bei welchen alien es noch leicl^ter ist und noeh naber 
liegt,' sich cine voUige tJl>areinstimmung der Ideen und 
Worte zu denken. 



und CkoraU 146 

Jedenfalk terfttekt rich doch von selbst, da$s iler 
Dichter dem Chore nur nidglichst wiTerkunstehe Aub- 
drudLe» ohae allsu lang^ oder gar allxu yerwiclielte 
Fhraaen, in den Mand legen darf y und ihn flberall, und 
sumal in der Oper, nur da eintreten lassen aoll^ wo sein 
Mitsprechen und Mithandeln nicht allein die Wirkung 
dea Momentca Eweckgemass hebt^ sondem iiberhaupt 
auch in den Fortgang des Ganzen wirksam und fordernd 
eingreift* Nichts todet und stumpffc mehr die Theilnahme 
ab, alfi, die dramatische Handlung frtillstehen, und auf 
den Bretern lange Beihen von Choristen, miissig stehend, 
beliebige Phrasen abaingen zii horen! wogegen freilich 
auf der andem Seite auch die entgegengesetste Klippc ssu 
vermeiden ist, dem Chore doch auch niclil all zu viele 
Handlung 9 zumal solche luzutheilen, welche niimischea 
Spiel fodertf weil Dergleichen den, in derBegel nur sehr 
wenig artistisch gebildeten Chorsangem, gar eu leicht 
miasraUi, und dann ungeschickt und lacherlich ausfHUt. 
(Auf den Griechischen und Bdmischen Biihnen war der 
Chbr in derBegel sogar bios betrachtend und fast gar 
nichj; handelnd, ^as aber wenigstens uns Modernen jetst 
"wohl eti^as langweilig vorkomn^en mogte!) 

II.) Mit dem Namen Chor beseichnet man nicht selten 
auch das sum Chorsingen bestimmte Local, 
namentlich i. B. in der Kirche den Baum nachst um den 
Hochaltar,wo die sogenannten Chorherren sitzen odek* 
sassen, oder nachst der Orgel,'wo die Hirchenmusik auf- 
gefShrt undim Chor gcsungen*wird^ woher der Name 
Orgelehor. 

IIL) Figiirlich wird. der Name Chor auch auf. lu- 
strum ante angewendot, in welchem Sinne man denn 
▼on Instrumentalchdren spricht. So vvird z. B.in 
derOrcliestersprache die Gesammtheit der Blasinstrumente 
der Chor der Blasinstrumente genannt, und auch 
wofal dieser etwa noch welter abgelhellt in den Ciior der 
Blech • Instrumetfte und den der ubrigen.. £ben ao* 



148 Ueber Char 

giiieissett. *• Auch werden die cam elnstiatiiiigeA Kirclieiige- 
sange bestimmten Ghoralmelodieen zuweilen .mehrstim- 
mig ausgesetzt, und heissen dann swei - 9 drei-f Tier-, 
oder mehrstimmige Chorale. 

Man hat auch yorgeschlageui und rogar wirklidhe Ver- 
flfuche gemacht, solche Tiersttmrnig ausgesetete Chorale 
Toneiner ganzen Kirchengememe also yierstiniiiug^ abaiii- 
gen zu lassen; allein es ist wohL.kaum denkbar^ dass ein* 
sum uQTerhaltnismaSftig grosstcn Theile aua ganz unmusi- 
kalischen Indiriduen beatehende Volksmasse dazu dresairf 
^erden konne^ mehre Mittel'stimmen ohne derbe Unrich- 
tigkeiten, cu geschweigen gehorig und gut^ einzalernei^ 
und festzuhalten! 

Schon darum also, um anderer Ubelstande solbher 
musikalischen Dressur in Masse nicht zu gedenken, ist die 
bisher gewobnliche Art, den Choral aufzufuhren, slcherlick 
die yerniinftigste und zweckmassigste » namlich so, dass 
die sammtlichen IndiTiduen der Gemeine nur die Choral* 
melodie einStimmig, (je nach dem Umfange ihrer Stunme, 
in hoherer, oder tieferer Octave) absingen, indess zu 
splchem festen Gesange, cantus Jirmus^ die begleiten- 
de Orgel eine , je iiach Umst^nden , Bedtirfnis und 
Fahigkeit, drei-, vier-, oder mehrstimmige Begleitung 
ausfilbrt. In der That kann auch grade diese Art der Aus- 
fjihrung die grosste, und in der That oft gewaltige Wir- 
kung erzcugen , seiche nicht leicht irgend einer anderen 
Musikgattung erreichbar ist, indem es nicht leicht unter 
anderen Umstanden zu Gebote steLt, die gewaltige Masse 
und di^>chdringende Kraft so yieler zu Einer Stimme yer- 
einigter Personen zu benutzen.*— Freilich liegt in solchem 
durchgangigen Zusammensingeu einer ganzen Masse yyenig 
Abwechslungund Schattirung, und diese Finformigkeit wird 
noch dadurch erhoht, dass ge^yohnlich mehre, ja yiele Stro- 
phen cines Liedes fiber die sich also yielmal wiedorholende 
namliche Melodie abgesui^gen werden. Allein es kann diescm 
Ubelstande der.Qrganist schoia dadurch zum jheil abhelfe% 



und Choral. jA9 

cUm er teine Begl«imng bei jeder Wiederholung d^e^'oantu^ 
Jirmus variirt, theils durch verinderte Figurfmng seiner Be* 
gleitungssdmmen , theils auch durcti abwechselnde« Unter- 
leg^n anderer HaFmonieen und Harmonieenfolgeny durch 
manchfaltiges Regislriren , u* dgl. m. 

« 

Die Kunst) auf solche Weise einen Choralgesang gut, 
eweckmasBig , schon, wirliungSToll und mdglichst manch- 
faltig abwechselnji zu begleiten, ist nun allerdings eine der 
wichtigsten Aufgaben des Organisten, und die grdsstetf 
Tonsetiser, zumal Sltere, haben sicb mil dem grossteii 
Emste und mit warmer Liebe an solchen Aufgaben Ter« 
lucht. 

Noch eine andere, noch riel ^rkungsvollere Abwecbs- 
lung wiirde es aber gewahren , wenn man den strophen- 
weisen Choralgesang in der Art gleichsam als Wech* 
selgesang behandeln wollte, dass allcmal abwechselnd 
Eine Strophe in der vorerwahnten Art yon der gesammteh 
Gemeine, in ganz hunstlos einstimmigem Gesange, und 
unter hrSitiger und beliebige Energicf und Beichthum 
der Harmbnie entwichelnder , auch nacli Bcdiirfnis und, 
Schicklichheit jedesmal belicbig variirter Begleitung der 
Orgel, abgesungen, die folgende aber Ton einem hleine- 
ren, musihalisch gebildeten, drei-, yier*, oder mehrstim* 
migen Chore , oder audi yon Solostimmen y mit nur lei* 
•er, oder auch wohl ganz Ofane, Orgelbegleitung yorge* 
tragen wurde. Es bedarf yrohl keiner Anpreissung, wie 
sehr auf diese Weise die Wirkung einer jeden Strophe 
durch die der yorhergehenden und folgenden gehoben -^ 
undwie.wohlthStig, bei sinniger Anyyendung und Anpas* 
tang solchen Wechselsingdns auf die jedesmalige Bedeu- 
tung des kirchlichen Ritus, durch das Einflechten solchen 
kottstmisaSgen Gesanges, auch auf den Sinn der Gemeine 
ielbst^ and auf ihre religiose, und humane Cultur ge- 
wirkt werden kdnnte. (Vergl. Grosfaeim in der CdcUia^ 2. Bd, 
(Heft 8.) S. 947 *-^ s6o). Es mogte wohl wenige Gemei- 
nen geban^ in wekhem •• UBausfUhrbar yrirey eiae mat- 



1 ' 



150 Ueber €hor 

m 

^e Ansalil ron Personen «ur Ausfi&rang des erwalui* 

ten klcineren Chores einznfibeB. 

» 

£• haben Ubrigens di^ Tonsetzer fur diejiiarinoni* 
• che Behandlung dea Choral^ m^ebrie eigena 
Reg e In als Geaetz.e dea Ghoralatyls aufgestellt 
£s sollen nSmlich, ausaer den Gesetaen fur d/en Hi^ 
ebenatyl fiberhaupt, (welcbem ein eigener Artikel 
gewidmet ist, (verg^. CMcilia^ 3. Bd. [Heft 11.3 s. 178 bis 
9o4) fur den Choral insbesondere noch gewisae eigenCf 
gans aparte Begeln au beobajchten sein. Ea ist aber 
achwer, dieselben in einem zuaamnienkangendcn Vor* 
trage daraustellen, da sie grosstentheils auf "willliurliclier 
Jbinahme beruhen, und daher auch noch niemal in einem 
susammenhXngendon Systeme aufgestellt , sondem fast 
immer nnr als stuchweise Behauptungen bald da, bald 
dort hingeworfen, in Lehrbiichern, Kritiken und Streit- 
achriften zum Yorscheine kommen. Auch Vogler, vvei- 
cki^r eine eigene Sckrift mit demTitel: Choralsysten 
herausgegeben, stellt darin nirgend diese bei der Behand- 
lung des Choral* eigenthumlichen Begeln au einem theo* 
retisch gcordnetcn Lehrgebaude zusammen, sondern ynfft 
nur, bald da bald dort, ein Gebot oder Verbot gleicb- 
sam als Postulat hin, hauptsachlich um seinen beneide- 
$en Rivalen $eb. Bach der tTbertretiing desaelben tn 
beschuldigen. 

1.) Flirts Erste soUeik, bei der Behandlung der Cho- 
rale, deren mehre aus uralten Zeiten herriihren und «iie 
Spuren und eusserordentlichen Schonheiten der antOien 
griechischen und anderen sogenannten Tonarten noch 
unyerkennbar an aich tragen sollen, diese antiken Ton- 
arten respectirti und denselben gemass modulirt werden. 

Was diese Vorschrift im Allgemeitten betritft, «o dirt 
icb mich hier wohl auf dasjenige besiehen, was am he* 
treffenden Orte uber diese antiken sogenannten Tonartea 
eigens gesagt wird^ und namentlfch auch auf meine Theo* 
rie der Ton^^Uhtmst 1. aeueste Attfl/4* B^« i ^9 v* ^' 



und Ckorah 151 

Zum Theil als Folge Aer rorstehcpd erwShnteu Bmel^ 
sollen uacii Vogler und Andcren, fur den Choral folgen^ 
de weitere Vorsdyriftcn gelten. £s soil namlich : ' 

9.) }ede Ghor«lbegleitung mit der Dreililang^Hsgnno* 
nie des ersten Tones der Melodie angefangen werden, 
$o dass derjenige Ton , mit welchem die gans^ Weise, 
oder auch nur eiue neue Verszeile, anfangt^ immer alt 
Grundton der ersten Harmonle. erscheine; ivenn also dio 
Melodie s. B. mit dem Tone e anfange, so durfe dazu 
Kein anderer Akkord gegriffen. werden y als der C- odc» 
e-DreiWang, — (ein Gesets, dessen Giltigkeit Vogler 
selbst in den, der genannten Schrift beigefiigtfen Mustern, 
widerlegt. (Tab. 11. in Nr. 2 , Tab. III. in dem Muster- 
cboral lydischer Tonart, dann in %• i5a, iSS^ 3ia, 4^3j 
und vielen 'a. m.) 

3.) I^^® Endnote einet Yerses dufle nie als Tert der 
Harmonie erscheinen , (wenn also e. B. die letzte Not* 
eines Verses e sei, so diirfe zu diesem e nicht die Q* 
DreikllEUigharmonie gegriffen werden^ well in dieser der 
Ton e idie Terz nvSre, «-^ sondem etwa der d - l)reildang^ 
in welchem der Ton e als Grundnote erscheine^ — oder 
der ^ - Dreiklang^ zu welchem e als Quinte gehOrt) oder, 
mit Voglers eigenen Worten (Choralsystem S. 4^0 9)^^ 
»,unter8cbeidet sich docb die Hcbte Bebandlung des Gbo^ 
,^al8 binunelweit Ton der gewohnlicben * musikaliscbea 
„Tonfolge: i. dadurch, dass der letzte' Ton einer Cho# 
„ralmeinung oder Vers nie die'^ (durcb Druckfeliler : 
stekt nur der 9 vergl. das der Scbrift vorahgedruckte 
Eratenverzeichniss 9) ^^Aohte oder Fiinfte, nie'< (dureb 
Druckfebler: nur.) ,,die dritte zum Hauptklang werden 
„darf.'^ (vergL ebendaselbst S« 69.) — Dass Vogler > 
selbst in ebeu diesem Werkf , mehrmal diese Hegel nicht 
beacbtety s. B. auf der dort beigefBgt^n Notentaf^l IIL 
amEnde des zweiten Tactes, und in dem als weiterejfoten- 
tafeln beigefiigten Abdrucke deft Voglerschen sogenann« 
ten schwediachem £horalbuchfa im Cliorai0 N. iSrhmx 



ISS Vebet Chor 

^rscen Ruhepunete, vlbH- in Nr. 167 beflm eweiten, so ^vnt 
aucli gleich auf der ersfen Blaftseite seines Busapsalmes 
m. a. m. erwahne ich ebenfalls nur beilSnfig. 

4.) Als i^eitere Regel findet man am* angef.' O. die 
Behauptung aufgestelltf es A3r£e im Ghorid gar keine 
Haupt - Viertdang - Hdrmonie, keine Hauptseptime, (keine 
Unterbaftuitgssiebente 9 wie Vogler sie nennt) gebrancht 
harden-: — welche Regel aber ebenfalls Ton Vogler aelbst, 
in ebendemselben Werke , worin er sie aufstellt, mebrfal- 
iig durch die That widerlegt wird, z. B. in den Notenbei* 
apielen Tab. IV., in der Verbesserung der aoUscben Ton- 
art, Tact 11, in der Verbesserung des joniscben GhoraJi 
Tact 6, auob Tab. XL in der Verbesserung T. 11 • u. a m. 
Verg, ebend* S. 97. ♦ 

. 5.) £s soli ferner im Choral verboten sein, zwei Stimmen 
in Terzen untereinander fof tsehreiten zu lassen : -» eine Re- 
gel, deren Giltigkeit Vogler ebenfalls wteder Tielfaltig 
durch die That widerlegt, t. B. im Choral Nr. 38 T. 1, 3, 
3,— Nr.5$ T. I, a. 3, 4,— Nr.67 T. 7,— Nr.iSa T* 1,— 
ST. i53 T. 'if 3, 4» u* d- >^* 

Bicse und nocb mehre andere Jxebote und Vefbote 
ahnlichen Schlages findet man , bald in diesem bald in 
jenem Buche, einzeln hingeworfen tind als Gesetz aufge- 
atellt, allein einen biindigen, Tcmunftig' befriedigenden 
Grund zu irgend einem derselbeu sucht man iiberall ver- 
gebens; denn soil man es etwa iur einen bUndigen 
Grund annehmen, wenn uns z. B. Vogler, fur die oben 
unter a und 3 erwahnten Vorschrift»n ah Grund anfShrt: 
das folge nothwendlg aus der in den alten Tonarten Tor. 
walttenden Herrschaft derMelodie? <Wie und wafum fblgt 
denn das aus dieser angeblkben Hcrrschait? und wie vn& 
warum folgt es daeaus grade, und nur grade am^-Anikng 
and Ende jeder Texueile??) -^ oder wenn er uns als 
guten Grund fiir N. 4* die Behauptung hinwirft, die soge* 
^annte VntarhaltaDtgssiebcnte babe einen bochfakrendeD, 



und Choral. 143' 

OTfiA«iiteii4eii9 wdhlldttigen and clamm dcm Choral m» wi« 
fiberhaupt ilen antiken Tonarten unanstSiidigeii CharraiE^ 
ter; (-^ ?^) Wer kantt, ohna auf alla/t 'Selbatdenlfieii eDi 
Taraiohteli^ an die Bfindigkeit aolcher nnd AhnSidier 6e* 
•ad VeilM»to' glaftban? *- Wir wenlgttaiit i««llan Idar 
fliaht weitar Notts daran nehmen. 

Etna, swar nicht weeentMdic, abar doeli Iksi t»1ina 
Ausnahma alattfindenda fiigeathiteiliciiLkait dea gawftb^lK 
€hen Choralgetanges iat* "data derselbe nicbt niir km Gatt* 
sen langsam abilierschreitat) uad also jeda Sylbe dai 
Textea aahr gadebiit eradiaimt, ftondam dasa dia ]|auar 
ttnd rhythmische Geltung dar Notan aucb dii^haut nlcbt 
ganan ga^nainander abgamassen und abg##ogeii wird, 
80 das8 ein solcher Gesang gar nicbt wirklich rhythmlschf 
nicbt tactmassig, erscbeint, -— welcbes alias beim Gesan* 
ge ainer so grossen Masaa nicbt kunatgaracbtar Singer; 
wo Schlappen und Dabnen ^icbt su Termeiden ist, #ucb 
nicbt wobl anders sein kann. •— Allein aussardem ist 9% 
aucb formlicb aur' Gawobnbeit gewordan^ nacb jedep 
Vcrszeila einen formlicban Halt (Fermate) au maaben, 
obne Unterschied^ Qb der Sinn und die periodiscbe Struct 
tur des Textas einan solcbcn Rubepunct fodert oder ver- 
trSgt, oder nicbt.— Es badarf kainerBelaucbtung, wie sebr 
durcb solcba, oft sinnwidrige Zerstiickelung, der Sinn dca 
Testes ehtstellt, zerfetzt undverst&nmelt werden kann;-— 
der Einfbrmigkeit und schleppenden Wirkung so vieler, 
ewig auf gleiche bedeutungslose Art wiedarkebrender 
Fermaten gar nicbt cu gedenkan* 

Aber nicbt genug ! Die Orgelspicler babeA as sog(ir f5mi* 
Hcb cingcHibrt, bei jedemsolchenBuhepuncte aucb nocb ein 
eigepQS Orgel-Z wiscbenspiel einzuscbalten, und so jeda 
Textaeila von der Torbergebenden und fblgenden nocb ent- 
scbiedener durch den Daawiscbentritt eines Orgelsatzcbeua 
abmtrennen, als durcb die bedeutungslosen Fermaten nur 
ficbon allzuTiel geschieht! Solcbe Zwiscbenspiele saien, so 
bort man zwar wohl bebaupten, ndtbig, urn der Gameina in 

Cifim, 4. Bana. (Htft 14;. 11 ' 



154 

den ToB^ Kdt welohan die fblgende Texteeile enfihi^ 
•iiutthelAmi — die. Ruhepiincte aber^ um'Bir Zeit inm 
Athem - Schopfen cu lassen. Allein wer wird glaabeii) 
daas die Gemeine,' welche. dodi alle Hbrigen Tdae der 
Melodie tiifFt, nnV grade den e r arte n Von je der 
Textseile nie ohne solche Einhilfe tref&Dn wfirde» (aueh 
•elbst dann nichl, wenn sie die Melodie lum bundert- 
•ten oder dfterenmal singt, ^-^ oder auch dann nieht, 
Hrenn der erste Ton der Yersselle etwa gar ebenderaelbe 
latf wie der letste der vorhergehenden ? — -) Und wer 
^ird flauben, daas die Gemeine grade bach jeder Text' 
sefleJElauQi lum Athmen bedfirfe, wenn man siebt, -wie ja 
4nitten in der. ZeUe bald dieser, bald jener Sftnger nach 
Bediirfnis itad Bequemlichlieit Athem holtr wio diet 
ja auch selbst in der hunstlerischen Vocalmasik mHtea 
im Perioden haufig geschieht, ohne dass bier oder dqit 
tin UbeUtand daraus entsprange? 

Allein es ist nun einmal so, der Zunf^gebraucb be- 
steht, ist f^rmlicb fur Methode geworden, und man fin- 
dct in 'Lebrbtichern formlicbe Anweisungen und Vorscbrif- 
ten, wie solche Zwischehapfele zweck- und sinngemas ein* 
gerichtet werden sollen, ^ Anw^eisitngen, zweck- und 
■inngemas etwaa Kweck- und sinnwidriges zu thun!! 

O/r, TV^her. 



Meloclie, Harmonie* 

Melodie? Wobl ergotst sie mein Ohr, mein Hers; 

iiberschwenglich 
l^Ullest) and tchwellst, obne sie, Chor, du meSn 

wogend Gemiith. 

« 

F> W^ Jung. 



^tmmm 



16^ 
Beitrage 

zur akustisch-physiologxschen Erklarung 

dcr 

menschlichen Singstimme^ 

niitg§theilt von Gfr, pf^eher, 
iCHciliay 1. B. fHeft ij S. 81.) 



llid hat meine^ »iif oben betelchneten 'Orte^ 
unter dem Titel einer akustisch - physiologis»lieii 
Hypothese, aufgestellte Ansicht, das' GliAck ^ehabt^ 
grade voii denen zwei M^nnern, von welchien .ich 
es vorztlglich gevriinscht halte, von unserm C h 1 a d^ 
ni und von Hrn^ Pr. Liskovius^ beachtet und 
naherer Belcuchtung durch Mittheilung der nach« 
stehenden zwei Aufsatze gewvirdigt zu werdeny 
in deren Ersterem Chladni grade jaaeinen Haupt* 
S^z^n beipflichtet : dass dieP'Stiramba nde* 
als schwingende, tSnende Membranen 
oderLamelleri zu betrachten seien und 
im Stiramorgane nach Art der Zunge ei* 
nerZungenp feife, dasSingorgan imGan» 
zen also nach Art einer Zuiigenpfeifci 
kttrzester Gattung, wirke, und dass, (wa« 
eigentlich den allerwesentlichst^n und Hauptgegen- 
stand meiner Ansichten bildet,) die Faisett6ne 
auf partiellen Schwin gu ngen derKehl- 
b Under beruhen,und demnach als Aliquot* 
oder sogenannte Flageolett - Tdne au 

betrachten seien. 

* 
Dass ich'diese beiden, sdion im November 1824 
und im Januar 1825 eingelaufenen , gewichtigen 
BeitrSge den Freunden der Naturlehre und Ton* 
wissensehaft mitzutheilen bis jetzt gezdgert , kann 
ich nur damit entschuldigen , dass ich dieselben 
mit weiteren Bemerkungdn begleiten zru kcinnen ge- 
vriinscht hatte , welche aber theils niederzuschrei- 



154 

den Ton^ tfiit welditem die fblgende T^iteeile enlSn^ 
•inBttlielf^ii^ — die. Ruhepuncte aber^ um ikr Zeit siim 
Athem - Schopfen sa lassen. AUein wer ^ird glauben^ 
dass die Gemeine / welche . doc& alle dbrigen Toae der 
Xelodie triffky iinV grade den erMrenVon jeder 
Textseile nie ohne solche Einhilfe trei&n wfirde, (auch 
selbst dann nicfat, ivenn sie die Melodie lum hundert- 
•ten oder Qfterenmal aingty — oder auch dann niclit, 
weiin der erste Ton der Versseile etwa gar ebenderselbe 
ift 9 wie der letste der vorhwgehenden ? «-) Und wer 
^ird glauben, dass die Gemeine grade hach jeder Text' 
leileJftaam sum Athmen .bedlirfey wenn man siebt, We jt 
jnitten in 4kr, Zelle bald dieser, bald jener Slinger nacli 
Bediirfnis Und Bequemlichlieit Athem bott^ wie diet 
ja auch aelbst in der kunstleriacfaen Vocalmusik mktea 
im Perioden baufig gescliiehty ohne dass bier oder dqit 
•in tJbelfttand daraus entsprange? 

Allein es ist nun einmal so, der Zunf^gebraucb be* 
Steht, ist fbrmlich fur Methode geworden, und man fin- 
det in 'Leh'rbticliern formlicbe Anweisungen und Vorschrif- 
ten, wie solcbe Zwischehapiele zweck- und sinngemas eia* 
gcrichtet werden pollen, —1 AnweisUngen, zweck- uni 
sinngemas etwas 2weck- und sinnwidriges zu thun!! 

O/r. TVeher. 



Melocliey Harmonie* 

Melodie? Wobl ergdtst sie mein Obr, mein ficrs; 

uberscbwenglich 
iPiillest., and scbwellst, obne sie, Ghor, du ihdiii 

wogend Gemuth. 

. , F^ W^ Jung. 



ttmtm 



BeitrSge 

zur akustisch-physiologxschen Erklarung 

der 

menschlichen Singstinimef 

mitggtheilh von Gfr, PVehtr. 
iCdcilia, 1. B. fHcft 1,3 S. 81.) 



Jtiii) hat meine^ ntd oben hetelthneten Oree« 
unter dem Titel einer akustisch - physiologis»lieii 
Hypothese, aufgestellte Ansicht, das'GliIck ^eiiabt^ 
grade von denen zwei MSnnern, von welchen .ich 
es vorzfiglicli gevriinscht halte, vonunserm Chlad^ 
ui und von Hrn« Pr. Liskovius^ beachtet und 
nSherer Beleuchtung durch Mittheilung dbr nach« 
stehenden zwei Aufsatze gewvirdigt zu werden^ 
in deren Ersterem Chladni grade onein^n Haupt* 
S^};z0n beipflichtet : dass die>-Stimmbander 
als schwingende, tdnende Membranen 
oderLamellenzu betrachten seien und 
xta Stimmorgane nach Art der Zunge ei* 
ner Zungenp feifeydas Singorgan imGan* 
zen also nach Art eine r Zuiigenpfeife 
ktirzester Gattung, wirke, und dass ^ (was 
eigentlich den allerwesentlichst^n und Hauptgegen- 
stand meiner Ansichten bildet,) die Faisettdne 
auf parti ell en Schwingungen derKehl- 
bSnaer beruheii,und detnnach als Aliquot* 
oder sogenannte Flageolett-Tdne 2u 
betrachten seien. 

# 
Dass ich'diese beiden, scrhon im November 1824 
und im Januar 1825 eingelaufenen , gewichtigen 
BeitrSge den Freunden der Naturlehre mid^ Ton<» 
wissensehaft mitzutheilen bis jetzt gezdgert y kann 
ich nur damit entschuldigen , dass ich dieselben 
rnit weiteren Bemerkungdn begleiten zru kdnnen ge- 
wiinscht hatte 9 welcbe aber theils niederzuschrei- 



156 Zur physiologisch - akustischen 

ben 9 theils auch durch Versuche zu belegenf mir 
bis jetzd noch nicht mdjg^licb war 9 und wohl erst 
Bach Monaten mdgiich werden wird 9 bis wohin 
ich denn auch^ um nicht zweimal auf diesen 
Oegenstand vrieder zuriick zu kpmmen, all das- 
jenige verspare> was ich namentlich etwa g«egen 
den letzteren Aufsatz, freiiich wohl schoti jetzt, 
mit wenigen XVorterkf einwenden ktfnnte; indess 
ich hier mich auf eine biosse Riickbeziehung auf 
inline Anmerkung ^ur S. 99 meiner Abhandliing 
begniigen kanti, welche, vonHerrnL. nicht in al- 
ien Stticken heantwortet^ meines Erachtans auch 
seine hier aufgesteliten Satze erledigt. Denn was, 
|im nur Ein Beispiel anzufithren, den mir gemach- 
ten. Vorwurf angehi^ dass auch meine Erklarung 
nur in einem Gleichnisse bestehe^ (nachste- 
hend ^. 1640 so liegt, meines Erachtens, doch ein we« 
sentlicher Unterschied darin^ dass mein Beziehen 
auf die bekannten, physicalisch und akustisch 
iSngst fest und. unbezweifelt bestimmten Gesetze 
der Schwii^gungeii einer Lameile eben so wenig 
ein blos'es Gleichnis ist, als wenn einer sagt, 
die Waage wirke nach d^n Gesetzen des Uebelsi 
der Keii nach denen.der schiefen Ebene u* dgk; 
indess die bios gleichnisweise ErklMrung: ,^aer 
Mensch singt wie er pfeift<< noch immer der ihr, in 
meiner erwMhnten Anm* entgegengestellten Frage 
ausgesetzt ist : wie pfeift er denn 'i — * eine Gegenfra* 
ge, welche^ wie mir scheint, selbst durch die von 
Herrn Br* Chladni nachstehend S. 158 f* erwahn* 
ten Erscheinungen noch nicht beantwortet ist; 
¥ergl. A^ml. die erw.Anm. S.100» Z,14v.U.u. fgg* 

Jedenfalls wird den beiden, sehr verehrenswer« 
Ihen Gelehrten und Forschem der Dank allef 
IVissenschafts- und Knnstfreunde eben so wenig 
als der meinige entgehen. 

Cottfrki fVeUr. 



/■^ 



Erklarung der Mensclienstimme. 15^ 



Einige Bemerkungen 

iiber 

die menschliche Stimm^^ 

▼eraalasst durch die Abbandlung Gfr. Webcrs in d«r 

GdcUia, 1. Bd. li Heft, S. 81. 

Von 

E. F. F. C h I a d n u , 

Was Ich hier, iiber diesen Gegeitstand, zu sages 
habe» ist nicht etwa als bestimmte Behauptung 
oder Belehrungy sondem nur als meine auf phy- 
sicalischen Giriinden beruhende Meinung anzusehen. 

Ganz richtig ist es, wenn der Herr Yerfasser 
aagt 9 dass die Menschenstimme . durchaus nicht 
naoh den Gesetzen zu beurtheilen ist 9 wie die 
T6ne der eigentlichen Blasinstrumente oder der 
Fldtehwerke einer Orgel^ uiid auch eben so ire- 
nig liach den Gesetzen gespannter SaitoEiy sondern 
dass -sie am beaten mit einer mdglichst kiirzeU 
Zungenpfeife yergli^hen werden kann, mit dem 
Untersohiede, dass dabey ungleich mehr Modifi- 
kationen Statt linden kdiinen- ltl»er diese Ahn- 
lichkeit der Stimmeii der iMenschett und Thiere 
mit den Zungenwerken oder R<;>hrwerken {tuyaux 
a anche) hat auch Cupier in seinem Legons 
d* Anatomic comparie^ TIY. viel Lehrrei- 
ches gesagt^ Die yerschie4«dl#it der Tdne hMngt 
hierbey, eben 909 wie bey den Zungenpfeifen, 
theils von der Spannung der ^utterndm Membrane 



158 Zur physielfygisch - akustischen 

ab, theib auch von der mehrern oder raiijiderii 
Weite der liX%ze^ d^rcfa wefehe die Luft dusstrdmt ; 
wie ich solches auch schan in meiner Akustik 
§. 68 » im Traite d*jic o\isti<jue §. 529 und 
noch etwa9 genauer in den Neuen BeytrMgan 
zur Akustijj;, S. 64* beinerlct habe. So wie 
bey der Stimmung einer Zungenpfeife durdiVer^ 
l(ur:^ung des schwingehdien Theiles der Zunge auch 
die SpaXte, durch welche die Luft dringt^ enger 
irird, eben so wird durch mehrere SpannuAg der 
.^(ehlbMnder auch die Stim^lritze verengt^ und 
b^eydes tragt g^^ieiasphaftiich tmt Bestimmung des 
Tones bey, so dass also bey dem Streite ztvischen 
JDodurt und Ferrein beyd^ nlcht ganz Unreqlit 
batten, wenn der eine die Yerschiedenheifc der 
Tdne der grd^seren oder geringern Weite der 
3timmritze , und' der andere der verschiedex\<^n 
Sj^app^ng der Kehlbander :(us^hrieb, 

WeAB der Herr Verf. in ein^r Note sagt^ dass 
'das Blasen durch eine enge Offnung Jkeinea Ton 
gebe, so kt dieses bey .einer rdhrenfdrmigen Off- 
sung gan:( richtig ; wenn aber die Luft mit, Qe- 
wait durch eine eiige Ritze oder Spalle atrdn^, 
' so giebt diesesi» allerdings mancherley Tdiie, ^*) wie 
man es hey dem Heiilen eincM, durch «ine Ritze 
in einem Fehster,. einer Thfire odev einer Wand 
streichenden Sturmwindes hdrt, und besonder^ bey 
d«n vielen Stiirmen gegen das Ende dbs vor. Jahres 
(1824) oft genug zu hdren Gelegenl^it b^tt^. Hier- 



■^^p^^**" 



♦) Cdciliay a. angcf. O. S. lOO. Anm. Z.' 44. t, U. 



/ 



Mrkldrung, chr M^nschens$imme. 1S9 

bey hSngt die Hdhe und Tlefe diescfl' unreiaen und 
unangenehmett Tdne (bej denen iibrigehs keiae 
mitzilteradd Mambraae, wie etwa in den Zun« 
genwerken oder der Stiiiime vorhanden ist), theils 
Ton der. Weite der Spalte oder Hitze ab » theiJb 
von der grdssern oder geringern Gewalt des Win« 
desy wie ieh dieses, denf vortreflichen Werke 
dee Omfen Giordano Riccati^ Delle cor* 
de o9vero /ibre elastiche^ Schediasm. 
VII. zufolge, in meinei' Aku&tik $• 67 bemerkt 
habe, wo icfa aber, urn MissverstMndnisse zu ver« 
maiden, anstatt des Wortes: Offnung, mich dee 
bestinuntern Ausdruckes : eage 6 p a 1 1 eoder R i t ze» 
hMtte bedienen sollen. Da bey einer solchen Lufl^ 
strdmung die Weite der Spalte unverandert bleibty 
so werden die Tdne desto hdher, je mehr 4.^ 
Heftigkeit des Winder zunimmt, und da diese 
keinen Augenblick sich ganz gleich bleibt, kann 
der Ton nicht anders, als unrein und heulend 
•eyn. 

Herr Boctor Liskoviusi den ich auch als 

• 

Freund sehr achjte^ hat meines Erachtens ganz 
Recht, wenn er das Singen dem Pfeifen mit dem 
Munde ahnlich findet, *) Bey dem Ffeifen setzt 
der 9 durch eine enge Spalte gepresste Luftstrom 
die Render der Lippen in zitternde Beweguiig, 
wie die KehlbMnder bey der Stimme. JZu den hd- 
hern T6nen werden die Lippen mehr einander 
genahert und mehr gespanntf als zu den tiefern. 



*) CacUia a. a. O. S. loe. 



i0f Zur physiiAfgisch^akm^iscKe^ 

$o dass also hier %k%m so 9 wt# bey der SCimme^ 
oder vrie bey Zungeawerkeiiyr Verengenuig der 
Spelle, .imd S^annusg (oder^ welelj^e- dieselbe 
Wirkung tbut, VerkleiiMnui^) des zittemdea 
lee gemeinschaftlich dea Ton beetuamea. 



tfber, die eigentUciie BescbafiTenheit dee FalseU 
riogene getrHue icb soflr nicht etwas Beetunmtes 
xu sageiiy indeesen balte aUch Mi &r wahreohem- 
lichy daaii es auf partieHen Scbwiiigiuigen der 
KehlbSnder beruht« Yielleicht mag wohl auch 
nocb mebrere Yerengenutg der StimmrifeKe und 
Bocb welteree Aufvr&rMieheii dee Keblkopfes eini- 
fee dazu beytrageiu 

Pr« Chladnu 



• « 



Erkldrtmg der Menschenstimmc* Ibi 
Bemerkungen . 

physiologiscli - akustische Hypothese 
in Betr^CT der menschlichen Stinune 
(CaciliaN. 1. S, 8i-io3) 
▼ on 

Dr. Karl Friedr, ScU. Liskopjus^ ^) 

ausiibendeiq Arxte xu Leipzig^ 

v7fr, Weber nimmt any da» menschliche 
Stimmorgan wirke als tdnende Meni-» 
branoderLamelle* 



■*" 



*) Vcrfasser der treffiicheif „D issertatid -physiolO' 
giea sistens theoriam vocw", und der Schrift „T h e o- 
ria derStimrae, von IV*. K. F. LiskoviuSf mit eincr 
Kupfert., Leipz/b. Hartel", von welcherletzterenwir 
hlismebeii eine NacbeeichQung tiefem, und zu derm 
Erklarung Folgendes beifugen. Fig. i. ist der Ring- 
knorpel von ▼orn angesehen. Fie. 2. derselbe von 
hintea betracbteL Figr g^ der Schildknorpel von 
Torn. Fig* 4* derselbe yon binten gezeichnet. Fig. 
B. der Giesbeokenlmorpel der recnten Seite, yov 
▼om* Fig« 6. der Giesbeckenknorpel der rechten 
Seite, Ton binten. Fig. 7. der KeblKopf, von binten 
und oben, folglicb in nalber Verkdrzune, aufgenom- 
xnen, a) der Ringknorpel. bb) der Schilaknorpel, cc) 
die* Giesbeckenknorpef, ad) die Taschenbander, ee) 
die Stimmritzenbander 9 f) die Stimmritze , g) der 
Stimmritzendeckel , bh) das Zungenbein, i^ die Luft" 
robre. Fig. 8. der Keblkopf, von oben, m vdllieer 

^ Verktirzong abgebildet, und zwar so, dass oer 
Scbildknorpel nach vorn gericbtet ist, a) der Ring< 
knorpel, bb\ der Scbildknorpel, cc) die Qiesbecken- 
knorpel, da) die Taschenbander, ee) die Sdmm- 
ritzenb^der, () die Stiminritze, g) der Stimmritzen- 
deckel. Fig. 9. stellt den Kehlkopf in seinem Zu- 
sammenhange mit deh benacbbarten Tbeilen, und 
iwar yon oben betrachtet, also in derselben Ver- 
kUrzung, ^ie Fig. 8., nur kleiner, dar.^ a) der 
ganze Behlkopf mit dem Kehldeckcl , b) die Speise- 
rohre, c) Riickenwirbel , d) Rttckenmark, e) das 
Scblusselbein der rechten Seite, f) das Schliisselbein 
der linken Seite, g) die rechte Lunge, h) die linke 
Lunge, ii) Halsmuskeln. Fig. 10. stellt den Kehl- 
kopf in aemem Zusanunenbange mit den benachbar- 



162 Zur physiologisch * ahustisehewt 

Dagegen streiten aber dio Versucbe an dem 
menschlichen Kehlkopfe, und zwar besonders fol- 
geiide: 

Wenn many bei dem Einblasen in die Stimm- 
ritze, das eine Stimmbaod stark anspannt^ und 
das^ andere zu gleicher Zeit sehr erscUafft, so 
entstehen nicht zwei v^rschiedene X^ne^ wie es 
nothwendig gpschehen niusstey wenn obige An- 
sicht richtig sein sollte; sondern es ist durchaiu 
nur ein einziger Ton herauszubringeny dessen Hd- 
he in Yerbaftniss steht mit der Weite der Stimm- 
ritze. 

Wenn man 9 bei dem Einbbsen in did Stimm- 
ritze, die Sfcimmb&nd^r mit dem Finger beriihrt^ 
gleichvi^l, an welcher Stelle, doch, ohi^e die Wei- 
te dar* Stimmritze dadurch. zu ' -'verHadera 9 so 
bleibt dessetfungeachtet der Ton wt u|id dersel- 
be, da doch, wenn*hier die Gesetze schwinjgender 
Saiten, Membranen oder Lamellea Statt fandeii} 
der Ton dadurch eriidliet werdeh muster; * 

Wenn man, bei dem Einblasett in die Stimm- 

ft 

rltze. liber das vordere^ oder binter^ Ende der« 

i * ft 



tea Theileii, Ton d^r Seite betrachtet, diar. a) 
der Bingknorpel, b) der Schildknorpel, c) der Gies- 
becIienKnorpel, d) der Stimmritzes^decliel , e) das 

fungenbeln 9 f) die Wursel oder der hintere Theil 
er Zunge, g) das untere Kinnbaclienbeiii, ij aussc* 
re Bedeckungen de$ unteren Kmabackeaboihes, 
Siussere und vordere ^edecliuiigen des.H^lses, wel- 
cbe.aus Hatit und Muskeln bcstehn, k) die Luftrp'*- 
re,' grosstcntheils aus knorpeligen Ringen oder viel- 
melir Bogen gebild^t, 1) die Sipe^erohre, ein hauti- 
ger und muskulosor Kanal, m) die Halswirbelsaule, 
n) ,dAS Eiickeninark,: o) die Nackcnmuskeln* p%R«^ 



Erkldrung der Menschenstimme. 16$ 

selben den Finger hMlt, ohne die StimmbSnder' 
seibst zu beriihrte, oder' ihre Lage und Span- 
nung auf irgend eine Weise zu verMndern, so 
wird der Ton father, well die dffnung filr 
die ausstrdmende Luft kurzer, folg- 
lich im Ganzen kleiner wird. 

Diese'Versuche machte ich auf Folgende Art: 

Der Kehlkopf wurde in Yerbindung mit der Luft% 

x&hre ausgenommen y und von uberiliissig.en und 

hinderlichen Anhiingseln befreit. Ich nahm mein 

Fagot -^ mit dem engeren £nde (versteht sich^ 

ohne Bohr) in den Mund, auf das weitere Ende 

fiigte ich die Luftrdhre inittels eines BandeSf da- 

mit die eingeblasene Luft nicht durch die Fuge 

entweichen konnte. So hatte ioh wahrend des 

Einblasens* das Inn^re des Kehlkopfes gerade vor 

Augen*. Die beiden Giesskannenknorpel fasste ich 

mit zwei Fincetten oder dergleicben, um die Bich- 

tung und^ Spannung der StimmbMnder zu bandha- 

ben. Auf diese Weise kann man mit dem tod ten 

Kehlkopfe mancherlei Tonfolgen willkilhrlich her- 

vof bringen » 'und dabei $ein ^Qiieres* gen^u beob- 

dchl}en. 

Diesen Versuchen zufolge kann ich j so gern 
ich mich des Besseren belehren lasse, d6ch die 
yielfaltig gepriifte ttberzeugung noch nicht aufge« 
ben 9 dass unsere StimmbSndefy bei Her- 
vorbringung der Stimme, nicht als td« 
nende Sait.en, Membranen oder Lamel- 
len, sondern, wie die Lippen bei dem 
Pfeifent wirkeHf und dasii die -von den 



164 Zur physioUfgisch^akusti^cheH. 

StimmbMndern gebild«te (Vffnuiig Das* 
jenige sei, wqravf es hei Ent^tehuac 
der Stimme und. ihrer mannigfaltig en 
.H^he uiidTiefe hau|»t8^cMUcl| aBkonamt. 

• 

Herr Dr. Weber wendet ein, meine Verglei- 
chung der Stimme mit dem F^eifen sei nur ein 
GleichnisS| aber kein^ ^igea^ch^ Erklarung* 

Abgesehen davon, das$ eme Yergleichung schon 
als e i n i g e ErklMrung aufgestellt werden Icann, 
(auch besteht ja Herrn Dr. Weber's ErJklSruDg 
der MenscbenstimmQ ebeiifaUs in filler Yerglei- 
chungy nUhmlich mlt iem T(Fltei| yon Membranen 
Oder Lamellen) ^^ abgesehen davon, babe ich 
doch auch die weitert SrkiHrun^ nicht unberiihrt 
gelassen. Theoria yocis^ pag. ;{8* «^ ^nd Theo- 
rie der Stimme , $<, 36* — « tfbrigens scheint sO' 
tv^ohl bei dem Pfeifen, mit den Lippen, als auch 
bei der Erzeugung der Menschenstimme folgender 
IJmstaild eine wesentliche Bedingung zu sein und 
zugleich die Ahnhlichkeit zwischen beideii zu 
vermehren, ^e\ beiden nUhnilich wijrd di« Luft 
aus einer grds^eren W^Ibung unmitt^lbai* durch 
die kleinere OfFnung ausgetri^ben^ Padurch em- 
steht in derlUchtung der ausstr^menden liufttheil- 
chen eine Kreuzung und gegens^eitige ^eibung, 
und in Folge d^rselben. i^ie jQn&phwingung. Auch 
bei mehrerlei anderen (jurspriiiigligheii) Lolttciaen 
i3t die Kreu;&ung der LufttbeUe Bedingupg der 
Tonschwingung. Bei der Fl^fce. gescbieti^ diese 
Kreuzung durph das, queere Anblasen an dem 
Mu^dlpche.> bei aode|;e9 Jldhrei) (vihd ^fi dem 



Erkidrime tier Mehschenstimme^ 165 



deutSGh^n Schltissel u« s. w.) duircli dds (jfueere An* 
blasen an einem offttten IShde^ bei den FlOtcfn* 
werken der Otge\ Und alleii Shnlichen Ffeifen 
durch ^as Ausstrdmeh aus der Seitenspalte. In 
alien diesen Fallen ist die Kretizung der Luft^* 
theile Bedingulig des Ansprech^ns, und wohl aus 
keinekn dndereh GrUnde^ als Weil durch diese 
Kreuzung Uhd di^ dabei entstehende Reibuiig die 
zum Tdn#n tidthige Schwingung der Luft erzeugt 
wird, Fehlt diese Bedingung^ wie in den von 
Hernl Br. Weber S. 100 angefiibrten FMllen , so 
kafin freilich kein ^on entstehen. In anderen 
Fallen ) wie bei den Rohrwerken der Orgel^ bei 
der Hoboe^ Clarinette^ deiu Fagotl n* 8« w. wird 
bekanntiich die Schvringung der Luft durch das 
Erzittern blattfSrniiger Kdrper erzeugty und da« 
iiurch jeAe Krettzu^g ersetzt* ^ 

Die Tonhdhe bei dem Pfeifeu und ^hnlichen 
Tonerzeugungen hkngt ftUerdings nicht bios von 
d^r Grdsse der dffnung^ sOndem auch gewisser- 
massen von der Starke des Luftantriebes ab, so, 
dass der Ton bei gleicher Grdsse der Offnung, 
durch vermehrte Stfirke des tiuftantriebes, bis auf 
einen gewissen Grad erhtfhet werden kann. 

An menschlichen Kehlkdpfen konnte ich^ bei 
gleicher Weite der Stinunrilze und -gleicher Span- 
nung der Sliinmbi&ndery den Ton durch blose Ver- 
alHrkung des Windes wohl um elne ganze ^uinte 
allmfthiich hinauftreiben. Wiedenun ein Be« 
wei^ fiir die' Ahnlichkeit der Tonerzeugung bei 
der Menschdnstimme und dem Ffeifen. Denn bei 



16G Erkldrung der Menschenstimme. 

jlen Tdpen schwingender Saiten, Membrahen oder 
La^ellen findet diestf allmahlige Tonerhdhung 
durch I>los0 Yermehrung des Antxiebes nichtStatt. 

Uber eine ^uinte aber wird vrohl schwerlich 
Jemand den Ton beim Pfeifen erhdhen oder er« 
niedrigen , ohne Ae LippendfFnung zu verengern 
oder zu erweitern. 

Das Vordringen der Zunge bei dem Pfeifen 
bdberer Tdne ist nicht der Grund der Tonerhd- 
hung 9 sondem die Folge des dazu ndtbigen Me- 
chanismus 9 indem durch das EinwMrtsdrUcken der 
Baciken bei der Tonerhdhung 4i^ Zttnge# einwarts 
und vorwarts gedriickt wird. Legt man die Zun- 
ge hinter den UnterzSiinen unter^arts um , so 
kann man hdher und hdher pfeifen 9 ohne das 
Yordringeii der Zungenspitze* Dieses ist also nicht 
das Tonerhdhende. 

Herr Dr. Webef verwirft die physiologischen 
Versuche an Leichnamen • als nichtsbeweisend » 
wegen der VerMnderung 9 die mit dem Tode ein- 
tritt. AUerdings wird der Einiluss der Mu^kehi9 
Nerven und > Gefasse mit dem Tode aufgehoben. 
Aber das rein physikalische VerhMltniss, welches 
in diesem akustiscben Theile der Physiologie vor- 
Wdltet9 und eben den Gegenstand dieser Unter- 
suchung ausmachty ist auch dm Leichname noch 
zu erkennen9 und also muss der Versuch hier be- 
sonders anwendb'ar sein. Wollen wir ihn durch* 
aus terwerfen 9 so heisst dies 9 der Hypothese all- 
Eu fireien Spiekaum geben^ ^ 

iDr. Liskovius, 



X^v/^ 




167 



A n z e i g e 

fiber dieFraga 

ton der 

Echtheit des Mozart^ schen Requiems, 

von A. Andri. ♦) 



Ua man von mir^ der ich im Jahr 1799 sMmmt- 
liche hinterlassene Manuscripte Mozarts von seU 
ner Frau Wittw.e gekauft habe^ iiberzeugt seyn 
kbnnte> dass ich bey dieser Gelegenheit^ wo nicht 
das Manuscript seines Requiem selbst, doch nahe* 
re Auskunft dariiber erhalten haben wiirde, und 
da ee auch bin und w^eder im Fublikum bekannt 
geworden war, dass ich wirklich ein Exemplar 
dieses Kequiem besitze, in welchem die voq Mo- 
zart und die von Stissmayer herriihrenden Stellen 



*) Wir eilen, cliese, so eben wahrend des t)ruckes des 
letsten Bogens dieses Heftes, eingelangte Anzeige, 
sowohl i^m ^er hoch^t interessanten Sache selbst, als 
aUch um des damit verbundenen edlen IVebenzwek- 
lies willen , - noch bier einssuscbalten. Ubereeugt, 
dass es, auch ohne unsere Empfehlung, sebr Vielen 
cine tbeure Pflicht sein wird, diesen, alien Ver^h* 
rern des grossen Verstorbenen gewiss heiligen Zweck 
durch Subscription kraftig zu befordem, hofFen wir 
autb von den Redaetionen in - und auslandischer 
offentlicher Blatter, dass sie die im nachstehenden 
IntelKgenzblatte enthaltene wirklicbe Eroffnung der. 
Subscription unentgeltlich und unter Beziehung aiif 
den gegenwartigen Aufsatz, aufhebmen und auch 
iiurerseits die gute Sacbe cmpfbhlen werden. 

Dass ii^rigens vom Herm Hofratbe Andre, alien 
bekannten verhsfltnissen Kufolge, ganz autbentisclie 
Beurkundungen zu ertvai^tea smd^ bedarf ohnehin 
keiii«r Versicberung« 

t>i9 Redaction* 



/ 



183 Ueber die Ecluheit 

angegeben seyen ; so war es selir begreiflich » dass 
ich von mehrerea Seiten aUfgefordert wurdey iiber 
die vor I^urzem von Hm* 6fn Web^r iiber die 
Echtheit dieses Werkd^ erbobene Ffage tneiae Bftfi- 
nuQg dffentlich auszusprecheti» 

Ich hatte, obgleich ^hiiliche Attlforderuiigeii scbon 
frtlher an mich gelangl waren, bjs jetz Anstand ge- 
nommeiii denselben zu eiitsprecheii> well es mir von 
der Wittwe Mozarts nur als ein Geheimniss 
anvertraut worden war 9 welchen Aatheil 'iHozBTt 
und welchen Siissmayer an dieser Composition hid)eii. 

Da mir jedoch ao eben von Frau Staatsrath 
Constanze Nissen^ verwittweten Mozart , welche 
durch die erw^nte Weber^sche Anregung iiber 
die Echtheit dieses Works hierzu veranlasst wor- 
den 9 *die Aufforderung zugeht^ die erhobene Fra- 
ge durch eine dffentliche Bekanntmachung zu 
schlichten, indem ich diesest durch Herau^gabe 
meines im Jahr 1800 von ihr bezogenen Exem- 
plares )a vermdge; so zeige ich hiermit vorlSufig 

an, dass ich dieses wirklicb zu thun im 

« 

B egriffe stehe. 

Ich habe namlich im Jahr 1800 von Mozarts 
Wittwe ein Exemplar des Requiem erhalten 9 wel- 
ches von Herrn Abbe Stadler in Wien mit dem 
von Siissmayer erg^zten Mozart^schen Originale 
verj^lichen und in welchem, mittelst Beischreibung 
der Buchstaben M und <S, alio Stellen bezeichnet 
sindy wclciie entweder Mozarien, oder Siissmayera 



des Mozartschen Requiems. 169 

angehdren. Sie libersandte mir zugleich dieses 
durch Siissmayer er^^anzte Original* Manuscript 
selbsty damit ich, durch Vergleichung desselbea 
mit denr durch die Buchstaben if und S bezeich^ 
neten Exemplare, micb iiberzeugen kdnne, dasa 
Hrn. Stadlers Anzeichnungen durchaus der Wahr- 
heit gem^ss seyen^ AUes, wie schon oben ange- 
fiihrt, damals unter dem Siegel der Verschwiq- 
genheit. 

Dieses also bezeichpete Exemplar 9 in wel- 
chem Hr. Abb^ Stadler :;Agleich die General- 
bass - Bezifferung beygefiigt hat, ist es, welches 
ich im Begriffe stehe, obiger AufForderung der 
Frau Staatsralh Nissen gemSss, nMchstens auf Sub- 
scription (zum Yortheile der hinterlassenen Schwe- 
ster des Yerewigten) herauszugeben, und mit einer 
Yorrede zu begleiten, welche darthun wird, dass 
dasjenige, was yon diesem Requiem Mozarten 
«elbst angehdrty eine schon vor dem Jahr 1784 an- 
gefangene^ aber unvollendet Jiegen gelassene Com-* 
|>osition ist. 
•Offeot^ajch a. M* den 10. Jan. iQa^r . 






IT 

Robin d d s B o i St 

ou les trois Balles, 
Opera en trois Actes imite de 

JD e r g r e « f (^ 6 ^ 

Paroles de Gastil-Blaze*), 
lilusique de C h. M. We Her. 

Partition SO fr,^ Parties d'prchestre SOfr.j k Paris chn 

Castil " Blaze* 

• (76 Bogcn Faftitur,^7i Bogen Stimmen*) ' 

j3ie neueste Art, im Kunsthandel zn spcliulireii, besteht 
in Franlireich JAtzt darin, dass man, schnodes Nachdruk- 
Wn "der Vcrlagwcrlie tentscher Verlcger yerscfaniahendf 
liJsber gar die Manuscripte teutscher Antoren r o r druckt. 

Der erste TeutscYie, der dieses recbt im Grossen 
erfahren musste, ist unser Maria Weber. Dem ha* 
ben sie dort seinen Freischutz , dessen Manuscript sie* 
"wer weiss woher erhalten, in dem Augenblieket wo der 
Tonsetser im Begriffe stand, die Partitur desselben bei 
B. Scbott in Mainz in Stich zu geben, in Paris in vol!- 
•tandiger PartitVir und alien ausgesetzten Stimmen gleicli- 
aam vor der Nase weg und Torausgedruckt, wodurch sfe 
aicb. im Stande befinden, diesen solcfaergestalt sehr wohl*; 
d. h. sehr woblfeil erworbenen Verlagartikel^ um billigen 
Ladenpreis, mit honetem Rabbat, alien Buhnen und 
Commissionsbandlungen des In- und Au$IandeS| in Parti* 
tiur, in Stimmen, wie auch im Glavierauszuge und mi^ 
Guitarre-Begleitung, anzubieten. Jedes Exemplar, mittels 
Beidruckung der Paraphe des Herm Imitateurs ud'^ 




Robin des Bois. 171 

Selbjtrerlegers Gastil- Biased gcgen reclitswidrigeii Nacli- 

drucK gesichert. 

« 

Es vX una hier niclit darum su thun, fU>er Autor-Rech* 
te und iiber Fug odei; Unfug eines aolchen Nach. od^r 
Vordruckea abzuhandeln, sondem nnr, unseiyi I^esem von 
dor neuen Erackeinung, bios in allgemeinen Umrissea 
Nachricbt,^ und yom Pariaer Freiachuteen eitte Besclirei- 
bung in allgemeinen Umrissen zn geben, damit sie doch 
auch horen, wie es unserm gutenLandsmann Maxim frem- 
denXiande ergangen^ und wie sagericblet er una Ton dort 
wieder zu'gescfaickt wordea ist. 

Es bestclit aber diese, ron Paris mitgcbracbto , feine 
Bressur und tournnre bauptsachlich in Folgendem. 

r 

Natiidipb hat der franrdsiseheExerEiermeisterunsersgu- 
ton Landsmannei es tox Allem nothwendig gefunden, dass 
er seinen teutschea Namea Max mit binem geschlacbter 
JdingeadttQ, tuslindiaehea ▼ercansche» und seitdem nennt 
«r aieh denJi Mr. Tony* ^ 

Sotfann ist besagter franiosiscber maitre d^exercicet 
liesorgt gewesen, im ersten Acte das Terzett mit Chor 
„0 ! dle'se Scmne^S im Freischiitz Nr. a, Ton dieser sei- 
ner Stelle weg, spater binaus zu verlegen, so dass, nach 
d^m walzerShnlichen Einleitungs - Vivat und dem Spott- 
cbolr l^r. 1, gleich wicder der Walzer Nr.S, also auf Bau- 
emtaijz', Bauemmarsch, Bauernlied und Bauernchor, 
gleich wieder ein Bauemtanz folgt, — wogegen das er- 
w&hhte Terzett Nr. a nacb dem Trinkliede des Casper (in 
Paris sich Richard nennend) angebracbt ist und mit dem 
daran gebangten Jagdchore aus F, „Lasst lustig die Hor- 
ner erscballen^' Le Cor retentit dans Us hois** , den erst^a 
Act l^eschliessty oad iasofera allerdiags brillanter, ate im 
teutscbenFreiscbiitzeBdurch Caspers Arie geschieht, (wel« 
cbe erst im dritt«a Acte des Robin yorkommt) • 

In der Anordnaag des sweitea Aotes ist die Ordaungs- 
folge der Stucke swar beibehalten, aur dass zwischea 



172 Robin des BoU. 

der Scene und Arie ^^V9ie nahte mir der ScUummer, 
bevor ich ihn gesehn?^^ (9»^^ calme se r^-pend sur la no- 
ture entiere*^) und dem Teraette „Wie? Was? Entseteen!^ 
(Te'm/r^ire! ^uel dessein te conduit?**) die beiden laeben- 
den Max (Tony) und Agatbe {Annette) das Duett aus En- 
ryamhe „Hiilnimm die Seele mein !'^ {NonI -plus ^alarmesi) 
absingett! — - und dass ans Ende der Woifschlucbtsivene 
ein Ciior ,,A^oir» auos teurmens dp Venfer tu «f p^man echof^ 
per*^ angehirigt ist. -«« 

Imdritten. Aufsttge geht der Jungfra^ebor nicbt, 
irvie im Original e, unmitteibar in den JSgerckor Hbert 
sondern es ist jenem ein formlicher Schluss toii ao Tac- 
ten angescbiftet , .^orauf dann , aacb einiger Prosa* 
Caspers ans dem ersten Acte hierher rer^gte Seen* 
«,Sehweig! damit dich nimnand wamt^^y und erst nach 
.diesor der Jagerchor und das Finale fol|[t. In cUesem 
Final ist nicht nur Agathena Wiedererwacfaens- Scene et* 
.waa abgeMrit, sondem es wird ron ^ vn^ nit tlTber- 
gehung der Erscheinung des Einsiedlers, dea FQrsten, 
der Sterbescenie Caspers und selbst de^ Sch^sacbors 
,,Ja9 lasst uns eum Hinimel die Blickip erb^bep^f mit 
der Reminiscens^ aus Agathens Alie^ -^ mittels eiigtes ein 
gescbalteten Chores ^pRichardl. la victime e'ph»pp0 k fef 
traits ^^^ iibergegangen in eine Wiederholung -^ dea Ja- 
gerchores? wo, ^u gutem Siihlussef dom zMrtlicb^n Pd4« ' 
re einBrautli^d mit Hornerklang uodHallaU!* auf die M^- 
lodie des Jagercbors ^,Was gleicht iKohl auf £rde|| dend 
JSgervergniigen ? ^^ gesungen wd: ^yFidkh clmseur ^ tofl 
boflheur se pre'pare f , » ^ d*aim0r et iens ce4se dp min^ 
tendre^s0f Vamour Jit prompsie^ I- hymen le fiendTH^ Yq KqI 
tra la la la la la la I ** u. s. w, u» «, Wt 

4) s ist in Puris iiiks^r FreisobilU ^^fanftlrt^* wotdesr 



173 

Ausdruck in der Musik, 

ifon Pi of, A. WeJidu 

XJer Ausdruck findet iiberall da Statt, wo voa 
Aussening eines Inn em die Rede ist» 

Der Ausdruck setzt also voraus ein Inneresy 
und dies ist in der Kunst die Beschaffeiiheit des 
darzustellenden Gegenstandes , insofern er yon 
dem Kiinstler augeschaut und so eigenthCimlich 
empfunden wird. Der Kiinstler stellt uns daher 
mit dem Gegenstande seinen inneren Zu stand 
dar, und die Natur der schdnen Kunst verlangt^ 
dass das Aussere dem Inneren angemessen 
sey, mithin das allgemeine Darstellungsmittel ei« 
ner Kunst auch wirklich zum Ausdrucksmittel 
werde. 

Sonach hMngt der Ausdruck in der Kunst zuerst 
ab Yon, der £ mpfi ndung des Stoffes. Wie die 
Seele des Kiinstlers ihren Gegenstand innerlicli 
wahrnimmt, so soil er auch ausserl'xh erscheinen ; 
und so muss einer geistreichen Darstellung, die sich 
in der Ausfiihriwig eines Stoffes kund thut, auch eine 
geistreiche Auffassung vorliergehen. Ist dieseDar- 
stellung mehr an die besondere Beschaffenheit 
des . Gegenstandes gebunden ^ der . durcK sie treu 
und anschaulich geschildert wird, so pfiegt man 
auch den Ausdruck charakteristisch zu nen- 
nen, und vom Charakteristischen iiberhaupt zu spre* 
chen ; dagegen andrerseits der Ausdruck oft mehr 
subjectiv ist, das heisst, den Gemtithszustand dei 

QcilU, 4« 9wd. (Hefi 1.5). l2 



174 Veher musikaL Ausdruck 

Ktinstlersy der durch den Gegenstand erweckt wor- 
den ist^ unmittelbar darstellt* Der ivahre Aus- 
druck umfasst Beides. 

Der Ausdruck wlrd erkannt an dem Ein- 
druck, belcher etwas auf uns macht^ daher ist 
das Ausdrucksvoile in der Kunst, die gehdrige 
Empflinglichkelt der Auffassenden vorauagesetzt, 
auch in der Kegel das Eindruckmachende und 
Wirksame^ besonders wenn der Ausdruck ^ch 
nicht als eln nach aussen gehendes Streben uach 
Eindruck (Effect)^ mit einseitiger Absicht ankiin- 
digt. Da nun abor die Wirkung^ die Etwas auf 
^nser Gemiiih macht, und selbst die m^chtigste 
Wirkungy damit noch nicht die wahre^ der Kunst 
angemessene ist » wie wir an grausenvolien 9 dje 
NatUr empdrenden Darstellungen sehen^ die ihren 
Gegenstand nur allzutreu abscliildern^ so bezeich- 
net der Ausdruck auch nur eine S e i t e des ast* 
hetischen, das Verhaltnis der Darstellung zu 
einem Darzustellenden ^ insofern dieses als etwas 
Inneres, als Empfindung, Vorstellung des Kiinst- 
lersy angesehen wird, und sich auf das Innere^ 
d. i. die Natur des Dinges> bezieht. Zum Sch^nen 
gehdrt auch noch, dass die Darstellung an sich 
selbst wphl gefalle. Hiermit ist gefordert f 
dass der innere Zustand der Yerausserung, 
worth, und in der Verausserung selbst eine 
Befriedigung der Anspruche unserer Sinnennatur 
enthalten sey. Denn so wie dem Gebildeten 
nichts gefallen kann, was ihm nicht die hdhere, 
geistige Bedeutung der Dinge (das Ideale) zum 



B«virus8t86]rii briiigty so habea auch die Sinne io 
dem Gebiete des Scfadaen ibr Recht^ und was 
ihnen dargeboten wird, das darf nicht dea ur- 
spriinglichen Forderungen derselben widerstrei- 
ten; z. B« das Gemalde ist nur GemMlde filr das 
Auge, es soil daher auch den Forderungen des Au« 
ges entoprechen , ihm angenebm seyn. 

In der Wirkllchkeit sehen wlr den Ausdrucki 
und namentlich das sogenannte Charakteristische 
des Ausdrucksy hSuBg ohne das leiztere^ oder wie 
man sich denn fSlschlich ausdriickt, ohne das Schd- 
ne und umgekehrt ietzteres hSufig ohne jenes, wie 
z. B. eine wohlgebaute Gestalt, angenehmes Ver- 
haltnis in den Formen und Gesichtsziigen, ohne 
Ausdruck^ d. i. ohne eigenthumliche Beseelung. 

Indessen geschieht es auch haufig, durch eine 
Verwechslung der Bef^riffe des Ausdfucks und 
des Ausdrucksvollen, mit dem Paihetischen, Kraft- 
volien, Starken, oder zufolge einer beschrUnkten 
Geistesbildung und Vorliebe dos Individuums, dass' 
man den zarten Ausdruck nicht findet und wiir- 
digt } wo er vorhanden ist 9 und *das KraftvoUe 
und AffectvoUe da verlangt, wo es nicht hinge<- 
hdrt, — da doch die Kunst nicht bios die star* 
ken Gemiithsbewegungen , sondern auch die zar-* 
tern und ieisern Regungen des Gefiihls sctiildern 
kann, und erst durch dieses Vermdgen ein un<« 
endliches Gebiet erwirbt. 

In der Musik nun soUen die Darstellungs* 
mittel — die Tdne '^ ebenfalb zu Auadruckflp 



176 Ueber musikaL Ausdruck 

ndtteln erhobBn werden* Durch' die Natur dieser 
Darstellungsmittel ist bestimmt, was die Musik 
aU9driickeii kann, und wie sie ausdriicken soli. 

Dass die Musik mehr als fliichtiger Ohrenreiz sey, 
beweisen die Werke der unsterbiichen Mei&ter vx 
ihren grossen Wirkungen, und kein Vernfinftiger 
hat jemals der Musik den Ausdruck abgesprpchen ; 
vielmehr hat inan in ihrer unmittelbaren Wirkung 
auf das Gefiihl ihre rorziigliche Berechtigung 
anerkannt, Kunst des Ausdrucks zu heissen. 

Gleichwohl erfordert auch die Bestimmtheit iiires 
Darsteliungsmittels, die Art des Ausdrucks in der 
Musik als eine bestimmte und damit auch be- 
schrankte, aufzufassen und nicht auf Schilderung 
von Gegenstanden auszudehnen^ die unmittelbar 
nicht in ^ihren Kreis fallen* Letzteres thut z. B« 
G retry in seinem Versuche liber die Musik* 
Aus der Betrachtung der Katur der T6ne er- 
gibt sich nun 9 dass die Musik zunachst be« 
stimmt ist 9 Gefiihle amzudritcken f und dass sie 
andere GenuttbszustMnde , z.B. das Vorstellen und 
seine Gegenstande, nur insofern bezeichnan kann, 
als sie mit Gefiihlen verbunden und in Geiiihien 
ivirksam sind , oder sich selbst auf Hdrbares be<- 
ziehen, was die. Tonkunst mit wohlgef&lliger Wir* 
kung auffassen kann. 

So ist es der Musik an sich unmdglicb^ Yer* 
steilung zu schiidern, ( vergl. Eglantlnens Duett 
mit Euryanthe^ in der Oper gleiches Namens, von 



po,n A. Wendt. 177 

C* M. V. Weber); der Tonkua&tler konnte hi^r 
nur durch eiiien, im VerhKltnis zu dem Ausdruck 
Euryanthens, kMlteren Ton nacbhclfen. So ist 
femer z. B. Eitelkeit zunachst nicht musikalisch 
darstellbar; in dem brillanten Bravourduett der bei- 
den Sch western in Isouards Cendrillon halt sich 
daher der Tonkunstl«r an das Selbstgefuhl, das in 
der Eitelkeit ist^und den hochtrabenden Ton, der in 
ungewdhnlichen Bravoui^stiicken herrschty hat er^, 
gleichsam parodirendt auf den Kreis der Eitelkeit; 
und Hoffarth angevrendet* 

Im ti^brigen. kann die Musik, \e tiefer sie die 
Empfindung auffasst, desto mehr auch die Vor-. 
QteUung der GegenstMnde und Zuat^nde befdr- 
dern* welche dieae Empfindung erregt haben; 
nur muss man nicht glauben, sie kdnne dieselben 
wirklich und unmittelbar da rate II en.* So ath^ 
met man fast beim Anhdren der grdssten JMLilsik- 
stiicke inBeethovens Fidelio die gepresste Kep* 
kerluft, aus welcber die Tdne aufsteigen^ die uns 
zum tiefsten Mitleid riihren, aber genauer be- 
trachtet^ wird uns durch diese Tc&ne erst voll- 
kommen lebendig^ was wir vor uns sehen^ 
oder durch Worte vemehmen* Auf dhnUche «Wei- 
se verhalt es sich mitt der Schilderung des an*- 
breohenden M o r g e n s bei Haydn, mit der Schil- 
derung der nachtlichen Stille, eines Sturms etc 
Die Musik, fiir sich betrachtet, ist nur bestimmt 

in den E^n pfindungen^ welche sie schildert. Sie 

« 

driickt aber auch das aus, was durch Worte sich 
nicht aussprechen lasst ; wir kronen dieselben aber 



its Ueber musikaU Ausdruck 

ohne Hiilfe eines leitenden Textes haufi^ auf rer- 
schiedene GegenstMnde libertragen und Aie Zu« 
ge der Nachahmung, welche ^om Hdrbaren ztt 
Hiilfe genommen werden, z. B. RoUen des Don- 
nerft, Ries^ln des Baches^ Stampfen der Hosse etc., 
stnd nur untergeordnete Hiilfsmittel , die^ wenii 
zu viel Bedeutung auf sie gelegt wird, gar leicht 
2um jLachen anregen, und auf GrMnzen der Kunst 
erst aufmerksam machen, deren Wirksamkeit sie 
nur unterstutzen soUten. So wird eine Schlacht- 
achilderung in der Musik^ wie geistreich und 
ivitzig sie auch in Einzelnheiten seyn kann, z.B. ' 
Beethovens Schlacht von Yittoria, *"} doch nicht 
viel mehr aU ein musikalischer LUrm^ keineswegs 
ein musikalischasKuHstwerk seyn kdnnen, weiidie 
Treue einer solchen Naehahmung, je welter sie 
geht) um 80 mebr auch die Bedingungea der Mu- 
sik zerstdrt. Dasa die Musik selbst da^ wo sie 
die durcM Text erlKuterte Scene begleitet^ hierin 
liber ihre Orenzen schreiten ^ und im BestrebeOf 
die Yerwirrung der Natur getreu zu schildern, 
zu einem dem Ohr widerstebenden Getds werden 
kdnne^ beweisst die wilde Jagd in der Hdllen- 
scene des gefeierten Freischiitz, wo das Zusammen- 
klittgen der gellend misstdnenden Hdrner **) schwer- 
Iteh' mehr Musik getfennt werden kann, obgleich 
es durch itfusikalische Instrumente hervorgebracht 
wird. 



♦) Cdcilia^ 3. Bd. (Heft lo) S. i55 -• 172. 
•*) CHcilia^ 4. Bd. (Heft i4) S. 98. 



von A. Wendt, 179 

Wenn nun die Musilc zunachst die AuFgabe hat^ 
G e f ii h 1 e zu schildern, so besteht die erste £igen- 
scbaft des.Tonkiinstlers in einem Gemiithe, welches 
der mannigfaltigsten Empfindungen machtig und 
f^ig ist, den eigenthiimlichen Charakter der ver« 
schiedenen Gefiihle, und die verschiedenen Arten 
ihrer hdrbaren Ausserung aufzufassen. ' Unter den 
Gefiiblen gibt es aber freilich einige, die sich 
bestinunter , als. andere^ aussprechen ^ und daher 
auch leichter zu schildern sind, wie eine Phy- 
siognomie mit scharfen Ziigen leichter zu trefFen 
isU 

Diese Schilderung nun geschieht durch die 
drei Hauptelemente der Musik: Melodie, Rhyth- 
mus und Harmonie. Jede Gemiithsbewegung hat 
im Ausdruck ihren besondern angemessensten hohen 
oder Uefen Ton, ihre eigenthiimlichen Intervallet 
Tonwendungen (Modulationen) und Accente^ so 
mannigfaliig die £mpiindu,ngen auch in einander 
iibergehen und verwandt sind. — Dies vernehmen 
wlr schon, wenn wir auf den Ausdruck der Em« 
pfindung I^eim Sprechen in einer uns vdUig unbe« 
kannten Sprache Acht haben, — und dieser natiir- 
liche Ausdruck muss ebenfalls mit der Wahrheit 
einer Melodie innig verwandt seyn* 

Die Tonart, der verschiedene Charakter der 
Stimme und Instrumente, nach Hdhe und Tiefe^ 
(Discant-9 Bassinstrumente etc.) 9 ^^^ hierbei von 
grosser Bedeutung* Eben bo aussern sich verschie- 
dene Gemiithsbewegungen mit verscbiedener St^ke 



180 Veber nmsikaL Ausdruck 

und Schwitche des Tons, mit verschiedene'ti Grai^f 
den der Langsam^k^it oder Schnelligkelt , und in 
Terschiedener Art der Bewegung uberhaupt, baM 
z. B.. hiipfend^ wie die Frohlichkeit, bald In ge- 
messnerem, schwerem Gan^e, wie die Traurigkefti 
bald wild und iiberstrdmend , wie der Zom etc.^ 
worauf die Naturlichkeit des Rhythmus und 
die Angemessenheit des Tactes und Zeitmases in 
der. Musik beruht. Zur Erhdhung des Ausdrucks 
wirkt nun auch die Harmonie, indem die Tdne, 
dureh ihr VerhSltniss zu einander, grdssere Be- 
stinuntheit gewinnen. 

In der Instrumentalmusik insbesondere 
ist es die Versctiiedenheit des Klanges, dessen die 
musikalischen Instrumente iHhig sind, (ihr Cha- 
rakter), ihr abwechseindes oder gleichzeitig fort- 
gehendes TcSnen, welches die Manniglaltigkeit des 
musikalisehen Ausdrucks begiinstigt. Diese ver- 
echiedene Anwendung der Instrumente macht be- 
sonders das inusikalische Colorit eines grossen Or- 
chesterstiicks aus. Der Ausdruck aber wird weit 
bestimmter in der Vokalmusik und durch Htilfe 
der Rede (des Testes). Denn fiirs erste driicken 
die Tdne der Menschenstimme am unmittelbarsten 
die Empfindung aus; fiirs zweite verbindet sich 
der Ausdruck des Gefiihls mit den Yorstellungeni 
welciie der Text bestimmter ausspricht. Hier wer- 
den die Gegenstande geirannt^ auf welchedie 
Binbildungskraft sich zu richten hat. Um aber hier 
dur^h Tonkunst eine tiefe Wirkung hervobzubrin- 
gen, muss der Tonsetzer den poetischen Text 



von A* Wendt. 181 

ganz in sich aufnehmen , und gleichsam diurch* 
dringen. Eine lebendige Einbildungskraft, welche 
das Charakteristische der Dinge gleichsam in Tdtie 
ubersetztf d. h. durch scharfe Anschauung der 
Welt sich zu den vielsprechenden Empiindungen 
und Tdnen bestimmen Vksst^ ist hier die Ilaupt- 
sache* Um Charakteristiker in T6nen zu seyn', 
muss der Tonsetzer die verschiedenen Gestaiteh 
zu unterscheiden wissen, welche eine und diesel- 
be Empfindung unter verschiedenen Geschlechtern^ 
Monschenklassen , bei verschiedenen Charakteren, 
in verschiedenen Situationen u. s. w. annlmmt. 
Die Liebe eines einfachen, ungebildeten GemiithS) 
das Schmachten eines Cherubin , die Liebe eines 
Helden — wie Licin, — der Zorn einer verschmah- 
ten Geliebten (Elvira) — und die Wuth der veiv 
stossenen Zauberin Medea, sind Yerschiedenhciten, 
deren Nuancen die Schilderunsr zu einer lebendi- 
gen f charakteristischen macheu , und deren Ab- 
wesenheit grosse Misgriffe zeigt, bei denen immer 
noch Einheit der Schilderung Statt linden kann, 
oder wo hi gar der OberflRchlichkeit und Mtlnoto* 
nie zufiihrt. 

Was die Behandlung des Textes im Einzelnen 
aniangt, so ist es einleuchtend, der Natur des 
Kunstwerks gemSss 9 den Ausdruck zunachst in 
das Ganze zu legen, und d^n Ausdruck der ein- 
zelnen Worte unterzuordnen. — Die ontgegenge- 

w 

setzte Weise besteht darin , den Ausdruck durch 
die Bedeutung der einzelnen Worte zu bestim- 
men oder auch abzuSnderii. Wir woll«n nun bier 



182 Ueber mtisikal. Ausdruck 

Bicht von der offenbaren Lacherlichkeit sprechen, 
'W^elche ilaraus entspringt, class ein Tonsetzer Wor- 
te^ wie falleoi roll en eta, wo un4 in welchem 
Sinne sie auch vorkommen ni5gen, mitelner. fal- 
len den, roll en den etc. Bewegung begleix 
tet, oder, durch Noten^gureny mehr fiir das Auge, 
als das Ohr schildert ; aber auch der iibermassige 
Ausdruck, der durch zu vieles Betonen einzel- 
ne'n Wort en desTextes gegeben wird, *) fiihrt 
von der NatiiFlichkeit und Einfachheit der £m- 
phndung ab, und bringt Kiinstelei und kalte Re- 
flexiom in Rhythmus und Melodie hervor* Wie 
das Kunstwerk iiberhaupt aus dem Ganzen gear« 
]>ettet seyn muss, so muss au^h dei^ Ausdruck^ der 
Empfindung in der Vokalmusik aus dem GanzBii 
s^yn; und das Einzelne darf den cnatiLrlichen 
Fluss der Empfindung nlcht stdr^n. Durch den 
angstlichen Ausdruck der einzelnen Worte wer- 
den die teutschen Componisten , wie Frau von 
Stael in ihrem Werke iiber Teutschland richtig 
bemerkt hat, oft kleinlich, der Sinn fur Wahrheit 
des musikalischen Ausdrucks fiihrt sie h^ufig von 
der Musik selbst ab; da hingegen dieltalie ner, 
nach unserer Ansicht, den Zweck des Textes oft< 
ganz vereiteln und dem Sangbaren auf eine sinn- 
widrige charakterlose Weise nachstreben. 

Hierher geh5rt, dass sie oft durch Rouladen 
und Goloraturen den musikalischen Ausdruck ver- 
treiben ; wiewohl es andrerseits ein Yorurtheil ist. 



*) Cdciliay 3. Bd, (Heft lo) S. i25 bis 172, insbcsonderc 
i3S, i349 i4^* ^ 



i^on A. Wendu 183 

anzunehmen 9 dass Rouladen und Coloraturen 
schlechthin ausdrucklos seyen. Die Italiener 
aber, im Ausdruck der ZMrtiichk^it und der sinii* 
lichen Leidenscbaft vocnebmllch gliickUch 9 fiarch* 
ten 9 durch Wabrbeit des Ausdrucks aaderer 
Art aa Anmuth zu verlieren, so vrie die Teut- 

schen durcb Anmuth unwabr zu werden fiirchten* 

• 

Bei der Yokalmusik kommt es nun, was den 
Ausdruck im Eini^elnen anlangt, vornehmllch auch 
auf die Deklamatien an 9 welcbe jedach nicht 
in einer blosen Nachahmung des natiirlichen Spre- 
chens, sondern vielmehr in. der Aufnahme dea* 
selben Frinzips, das in jener die Wabrbeit des 
Ausdrucks hervorbringt 9 in ein bdheres Kunst- 
gebiet bestobt* 

Jn der Verbinduing der Instrumental- mit 
Yokalmusik, vereinen sich alle Mittel des mu« 
sikaliscben Ausdrucks9 indem die Instrumente bald 
die Empfindung, dieim Gesange ausgedriickt wird9 
verdeutlichen und verstSrken, bald das Weitere aus- 
fiibren9 was durch Oesang nicht ausgesprochen 
werden kann^ oder soil. Letzteres ist z. B. der 
Fall bei Empfindungen, die nur in abgebrochenen 
Lauten sich ausseirn; oder wo das Orch ester die 
£mpfindungen9 welche die Situation gewisser Per- 
sonen im Drama erweckt, ausdrtickt, so dass Sing- 
partie und Orcbesterpartie ^lyw gleichsam zvvei 
Personen bilden9 welche der Tonsetzer zu Einer 
Wirkung verbindet. *) 



*) QaQiViaj 3. Bd. (Heft 10) S. i5o. 



184 . Veher musikal. Austlruck 

Wie die Bq^^itung der liistrumente durch die 
Art dei'* letzteren, nacb Charakter^ Geltung iind 
Folge der Tdnef die ihneii gegeben worden, zur 
miidkalischen SchildeniAg iiberhaupt und zur Be- 
stiminthelt und Yerstarkung des Ausdrucks beitra- 
gen kann, davon kann man sich am besten iiber* 
z^uz^en, wenn man von einem wahrhaft ausdrucks- 
vollen Tonstiicke, so welt dies 'mdglich^ seine 
harmonische Begleitung sich hinwegdenkt, oder 
sich dieselbe verSndert vorstellu Leicht kann da« 
durch ein ernstes Tonsiiick zu einem komischen, 
oder iiberhaupt zu einem Stiicke von ganz fremd- 
artigem Charakter werden. 

Soil man nun von dem Ausdrucke sprechen, den 
ein grosses Tonwerk, das aus mehren ui^terge- 
ordneten Musikstiicken besteht, im Ganzen hat, 
so ist eine nothw^endige Bedingung dieses Aus- 
drucks ern gewisser Contrast der Erapiindungen, 
welche das Werk enihalten muss , obne welchen 
das Werky unerachtet allea Ausdrucks im Einzel- 
nen, doch unwirksam und mono ton bleiben w^ird^ 
wie ein Bild, in welchem sich dieselben Gruppi- 
rungen und Figuren auf yerschiedenen Seiten 
vviederholett« 

9 

In der Tonkunst unterschelden wir endlich 
dim Ausdruck in der Tonsetzung, von dem 
Ausdruck im Vortrag. pa nebmlu^h da$ Ton* 
stiick erst fur die Einbildun.gskritft e^stirt, 
so lange es nur in Ghiffern verzeich^et ist^ so 
kann dasselbe erst sein vollkommenes Leben durch 



^on A. Wendi. 18S 

die Ausfiihrung gewinnen. Es muss also der Aus- 
druck der Tonsetzung mit dem Ausdruck Im.Vor- 
trage sicb verbinden, oder jener durch diese leben- 
dig werdcny weim die hdchste Wirkung in der 
Tonkunst erreicht werden soil. Dagegen kann 
eine wahre Tondichtuiig eben so sehr durch Man- 
gel an ausdrucksvollem Vortrage yerlieren^ ais eine 
auch minder bedeutende durcb Ausdruck gewin- 
nen kann* Da ein wahres Tonstiick ohne Aus« 
drttck irgend einer Empfindung nicht zu de&« 
ken, — und ein seelenloses Tonstiick ein Unding 
i8t> so w^re die Uberschrift^ die ;wir bei n^ehreren 
Tonstiicken finden „mit Ausdruck^ — - ^ausdrucks- 
vell<< durchaus iiberflussig, wenn man diese Wor- 
te nicht auch in engeren Bedeutungen zu nehmen 
gewohnt ware^ indem man damit eine besondere 
Art des Ausdrucks, besonders den ruhrenden und. 
affectvoUen bezeichnen will* 



Der Ausdruck des Vortrags im allgemeiuen 
Sinne, besteht nicht bios in der genauen Beobach- 
tung aller der Bedingungen, von vrelchen der 
Tonsetzer die Wirksamkeit seines Tonwerks ab- 
hangig gemacht hat, (T^ct, -Zeitmas 9 Starke, 
Schwache, Schwere, Leichtigkeit etc.), — da die- 
selbe auch ohne Ausdruck Statt linden kann und 
an sich bios die DeutUchkeit und Richtigkeit des 
Yortrages ausmacht; sondern darin, dass der Ton- 
kunstler die Empfindungen, welche der Tonsetzer 
schildem wollte, in seiner Schilderung bis in die 
kleinsten Nuancen mit Geist verfolgt, und so die 
todten Zeichen^ die vor ihm auf dem Fapiere 



fg6 Veher musikdL Ausdruck v. A. Wendt. 



atehenj i^ den lebeodigen Erguss seines Gemiiilis 
rerwandeity so dass er selbst die Stelle des Ton- 
setzers zu vertreten scbeint, ohne dass man die 
Spur der Meditation an ihm erbiicke* £s gehdrt 
dazu nicht nur H^^rrschaft iiber die Mittel des 
Ausdrucks, sondern auch Herrschaft iiber sein eig- 
nes Gefiihly welches das Gegebene treu und voU- 
stMndig. in sich aufnimmt. Dies Yerindgen aber, 
die' verschiedensten Gemtithsbewegungen und de- 
ren^Nuancen auszudnickeny bezeichnet den Um« 
fang in den hdheren Leistungen eines Tonkilnst- 
lerS) und ivenn technische Fertigkeit im weiteren 
Sinne und Ausdruck beide zur Kunst des Yor- 
trags gehdreny 90 ist }enes zwar die aussere und 
nothwendige Bedingung, aber das letztere £le- 
ment' ist das fadhere und geistige^ welches das 
erstere in sich aufhimmt , und es dadurch selbst 
erst in die Sphere der schdnen Kunst erhebt. 

' A. Wimdt. 



iSO 



C o r r e%s p a n 4 e n z. 






Garlsruhe, im Febr. i8a(S.' 

Unter den schonen Kunaten hat die Mu^ .^F»c^ jb.ei y^^ 
fast ausscblieasend , die Gunst des Fublikums gewonnen. 

Dies sei|;t 3ic)i be^iopder.s j^ji^ji^allei^d |m iTtie^i:, w^p^^yr 
die Oper jxoch ein ToUes 3fiu^ macht. 

Man glaube fedoch darum nicht, der grosse Haufe der 
Liebhaber verstcbe sich auf den Werth einer dramatisclien 
Komposition. Das Werk in seiner Totalitat ist den meisten 
sehr gleichgiiltig , und Viele wilrden die Achseln zucken , 
>Tenn man ihnen sagto : Figaro sey das Muster einer komi- 
scben, Don Juan das Muster einer romantischen Oper. Im 
Ganzen will man bios ein Fest fiirs Ofar, und der SSnger 
mas; sich immcr crlauben, alle I^tcn seines Komponisten 
umzuandern, so lang er nur mit grosser Gewandtheit, 
und $i(^f r, ^en Hals ni^ht eu brecl^pn, sic\i jiuf der Ton- 
leiter auf und ab bewegt. Die Oper wird wie ein Hon- 
zcrt angcsehen^ eine brillante Arie, ein xij^rliches Duett 
oder Terzett — mehr yerlangt die geniigsame Menge nicht. 
Rossini ist der Held des Tags , und wer wiisste auch bes« 
scr, Empfmdungen und Leidenschaften zu v^rschndrkeln, 
und die Natur in gleissende Manier zu verkohren ? Nicht 
selten erregt er bei uns am meisten da Bewunderung, 
^vo er ganzlich die Mittel seiner Kunst und ihre Grenzen 
verkennt, oder die Wangen seiner Grazien mit Weiss und 
Roth bemahlt. 

Nculich war die Rede, Armida soUte gegeben werden. 
Einige frcuten sich, denn sie dachten anGluck; aberdie 
TheaterdirecCion weiss besser Bescheid auf ihrem Terran. 
Auf Rossini war es auch diesmal abgesehen , der sich 
freilich zu jc]^em verhalt, wie, ungefahri Kotzebue zu 
Shakespear. 



188 



Man hat, xu alien Zeiten, Vie! und Vielerlei iiber dea 
Werth dar Hiinste gesprochen. — « Allein sie sind.uberall , 
malir odar wenigor, Abdrucke der Sitten ibrer Zeit, und statt 
auf dieae wohlthatig einfluwirjLen , bequemen sie sich meist 
nacb ihnen. Geniale Menscben , die ibre eigne Babn waa- 
delh, geboren au den seltnen Erscbeinungen. 

In den scbonsten Zeiten Griecbenlanda madite Mn^ 
einen Hanpttbeil der Nationalerxiehung aus, u|id ebrwur- 
dige Pbilosopben fanden in der Harmonie der T5ne ein 
treffende^ Yorbild fur das Leben. Man weiss, was die 
Musik den Zoglingen des Lykurgus war: — und was 
is.t sie UBS? y. 



• J ' 



L d s u n g 

der Charade auf S. 70 (Heft i3> 

MoT^artf mollf zart. 



J 



189 

# 

W e 1 1 e n 1 e h r e, 
auj' Experiment e gegrUndet, 

o d c r 

liber die Wellen tropfbarer Fliissigkeiten , mit 

Anwendung auf die Schall-'und Lichtwellen. 

Von den Briidern 
Ernst Heinrich JVeber , Professor in Leipzig 

and 

• Wilhelm Weber in Halle. 

Leipzfg, bey ^erhard Fleischer, 1825, 8* XXVIIL 
und 574 S. und 18 Kupfertafeln. 

^ngifzeigt in hesonderer Be^iehung auf die Tonlehr^.^ 
und mit einigen Bemerkungen^ von 

£. F. F. Chladni. «) 

r^icht nur fiir die BeTvegunglebre iiberhaupty als einea 
der wichtigsten Theile der Naturkunde, sondem auch ins- 
besondere fitr die Akusti1(, ist gegenwartiges Bach ge- 
wiss eines der lehrreichsten, die seit geraumer Zeit erschie- 
nen sind^ um so 111 ehr, da cs nichts anderes enthalt, als 
sehr fasslich vorge Ira gene ResuUale von vielen sorgfaltig 
angestellteti und grosstentbeils ganz neiien Experimonten. 



'*) Es ist uns um so erfreulicbcr , unsem Lesern diese 
Darstellung, aus der Feder eines so ausgezeicbneten 
Mitarbeiters wie unser vielbewsUirter Chladni^ 
Torlegen zu dilrfen, da viiv dadurch mit dem fiir die 
theoretisehe und practise he Tonkunde 
hochst intcressanten Inhalt eines tief gedacbten audi 
streng wissenschaftlich begriindeten Werkes bekannt 

femacht, und darin sugleicli insbesondere Gegenstande 
eriibrt werden, wel<me in unsern Blfittern an- 
regt worden waren, und seiche Anregungen voa 
den Hcrren Verfassern mit zum Gegenstande Ihrer 
Forschungen erhoben -worden sind, (nachstehend 
S.ooi u. ac^) Mochten dieselben uns den Stolz gon- 
nen; die Ergebnisse Ihrer femeren Forschungen iiber 
diese, in unser Gebiet einschlagenden GegenstaAde, 
in unsern Bittern bekanift zu Daacheu. 

f Afd. 

Gitilia, 4* ■•■d. (Heft 1 5). l4 



190 Wellenlehre v. Weber. 

Ich halte also fur niitzlich, Einiges von lessen Inhalte 
hier stt melden , theils um Manchen auf das Bucli selbst 
aufmerlisam zu maclieiif theils auch um manclie neue 
SaUc und ricbtige Ansichtcn melir in Umlauf zu bringen. 

Hier wird hattptsachlieh von dem, was A k u s t i k betriiflt, 
Manches zu erwahnen seyn, und Ton dem tJbrigen nur 
das 9 was damit in nSlierer Verbindung steht, wie auch 
einige allgemeine Begriffe un4 Yoraussetsungeh. 

• Bey alien diesen Untersueliungcn haben di^se bey den 
wackernBriidor immer so gemeinsGhafUich ftearbeitet, dass 
keiner sein Eigenthum von dem desAnderQ sii unterschei- 
den weisSf oder unterschieden w^issen wilL Die linearen 
Kupfertafeln sind auch von iknen selbst gestochen. 

In cler Einleitung wird von den Schwingungen 
in vcr&i^hiedenen Medien iiberhaupt geredet. 
Sell w in gun g ist hier jede Bewegung der Thcile eines 
Kbrpers, vermoge welcher sic sich dem ruhigen Zustande, 
oder der Lagc des Gleichgewichts abwechselnd nahern 
und davon entfemen. Sie kann fortschreitend oder 
8 1 eh end scyn , auf welchen wcsentlichen Unterschied 
Vicle zu wenig Riicksicht genommon haben. 

Die fortschreitende Schwingung oder Wei- 
lenbewegung ISsst sich an einem ausgespannten Seile 
gut beobachten, und ist nur eine Form^ die bey ihrem 
Fortrticken imnier von andern Theilen des Korpers ge- 
bildet wird. Die Bewegung der Welle ist dabey von der 
Bewegung der Theilchen sehr verschieden, Diese fort* 
schreitende Wellenbewegung kommt in der Natur am 
hauiigsten vor, inan hat aber darauf wenig Rfickstcht ge- 
nommen, ausser bey der Schallverbreitung durch die 

Luft) und hey den Wasserwellcn. 

•> 

Die stehende Schwingung kommt weniger hau- 
fig vor. Man hat sie fast/iur bey ton^nden Rorpern ge* 
nauer betrachtet, dtc Yerfasser haben aber g^zeigt, wie 



Angez. von Chladnu 191 

M Jittch an tropfbaren Flussigl&eiteii Statt finden Itdnne^ 
Bey dieser schwingen alio Punkte gleichzeitig , und wir« 
ken 'wecbselseitig gleichfbrmig auf cinander, und jedem 
Tbeile wird von entgegengesetzten Seiten eine gleich 
grosae Bewegung mitgctheilt; dahingegen J>ey der fort- 
sehreitenden Schwinjung oder Wellenbcwegung die Thei- 
le sttccefisiT achwingen^ und die Bewegung von der Seite, 
Ton nvelcher der Impula liommt, nach der andem fbr^ 
riickt. Die stehenden Wellen lidnnen entuveder dadurdi 
erregt iverden, dass alle Theile des Korpers gleicbzeillg 
in Bewegung gesetzt werden, (welches bey tonendes 
H(irpem und aucb sonat gewdhnlicb rorausgesetst wor- 
den ist, aber in der Natur seiten rprbommt) oder da- 
dureb, dass mebrere gleich breite WeHen, deren Breit9 
einem aliquoten Tbeile der sebwingenden Linie oder Fla- 
che gleicbkommt , einander mit gleicher Kraft in entge* 
gengesetztcr Ricbtung begegnen, und dadurcb ihre fort- 
scbreitende Scbwingung in eine stcbende' Terwandeln. Die- 
aer letetere Fall bommt am baufigsten vor, ist aber bis- 
ber au wentg berilcksicbtigt worden, (es ist also nen 
und richtig, wenn spaterliin die Entstebung der steben- 
den Schwiugungen tonender Korper aus einer anfangli- 
cben fortsclireitendcn WcUenbewegung erkllrt wird.) 
Nach Vcrschicdcnlicit der Bahn jedes Theilehens bonnen 
die Scbwingungcn longitudinal, transrersal oder rotato- 
risch seyn; sie kommen in alien Korpern, in alien Graden 
der Grosse und Gescbwindigkeit vor, und stehcn in sebr 
rerscbiedenen Verbaltnissen zu unserm sinnlicben Erkennt- 
nissvermogen. 

Der erste.Haupttbeil bandelt von den Scbwin^ 
gungen tropfbarer Fliissigkeiten, und zwar di« 
erste Abtbeiiung Ton den fortscbreitenden 
Scbwingungen, oder yon der Wellcnbewegung* 
Der erste Abscbnitt betrifFt die Erregung der 
Wellen durcb Storung des Gleicbgei'vtcbtes , der swei- 
te die Erscbeinungen an Wellen, dlsren erre- 
gende Ursacben zu wirken fortfahreo, wt Ubcr 



1§2 JVellenlehre if. Weber. 

£e ikskXet dem Einfiusse des Windes stehendcn, tlieSs 
nadi Andeni^ theils nach oigenen Beobachtungen viel 
Intovessantet gesagt wird, unter andem aucfa fiber die 
Besauftignng der Wellen durch Ol; der dritte Ab- 
•cbnitt betriilt die Erregung der Wellen durch 
augenblickUcb i^irkende Kr^fte, .'und der 
Tierte die Gestalt der Wellen im Allgem.ei* 
nen. Der iiber die gevvdhnliche Hohe des Waseers ber- 
Torragende Theil der Welle wird der Wellenberg and 
der unter diesec befindlicho das Wellentbal genannt. 
Jede Wolie bestebt aus einem Berge und einem Tliale. 
Die Wellen ^ratrecken sicb aucb in die Tiefe. Um Ge- 
stalt, Beweeimg der Tbeile im Innern, .Geaohwindigkeit* 
11. a. w. 2U beatimnien> ist ein Workseug angewendet 
worden, das Wellenrinne genennt vrird, und ein meh* . 
rere Fuss langes, scbmales und tiefes rechtwinklicbes Ge- 
fKss ist 9 mit Seiten^vanden von Glas, nm die Umrisse 
und, die Beweguitg der Tiieile im Innern, mit blossen 
AugeiL und mit dem Vcrgrosserungsglase genau zu beob- 
acbtcm und zu messen , wobey audi zu genauer Bestim- 
mttiig der Gesohwindigkcit eine gute Terticnuhr angewen- 
det ^orden ist. Der 5te Abschnitt uber die Bewe- 
gung der einzelnen Theilcben einer Fliissig- 
keit bey, der Entstebtbng und Fortbewegung 
der Wellen, entlialt yiel neucs und merkwUrdiges 
iiber die kleinen Babnen der Theilcben im Innern der 
Fliissigkeit. Der 6te Abschnitt bandelt yonder Ge- 
scbwindigkeit, mit der die Wellen sicb bewe- 
gen, und der 7te von der Verandcrung der Ge^ 
stalt der Wellen bey gebinderter und unge- 
binderter Bewegung. In mancher Hinsicht unter- 
acheiden sicb die Wellen tropfbarer Flflssigkeitcn von 
den Sbball - und Licbtwellen, iveil diese letztern als bohle 
Kugelformen zu betrachten sind.' Die Dicke ist bey die- 
sen » was bey den Wasserwellen Hohe und Breite sind. 
Auch 'hSngen die Licht- und Schallwellen von den elas- 
tiscben Medium ab, durch vt^elches sie gehen, die W^l-' 
Jen tropfbarer Flussigkeiten aber weuig von dessen Dick- 



Angez. pon Chladni 193 

tigkeit. Daher ist die Geschwindigkeit der Wellen in 
elastiiiok«ii Flussigkeiten , sojange sie in demaelben Me- 
dium bleiben 9 immer dieselbc , in tropfbaren FlUssigkei* 
ten aber nicKt^ Diese VerSGhiedenheiten ruhren daher, 
weil die Schall - und Liehtwellen nach drey Dimensionen, 
aber die Wellen tropfbarer Fliis8igkeiten nur na^h swey 
Dimensicnen fortschreiten , und ^cil audi letstere FliU-» 
sigkeiten nurwenig compressibel sind. Uber die Durch- 
kreuzung und uber die Zuriiekwerfiing der Wel- 
len wird auch viel merkwflrdiges gesagt, in Hinsicht auf 
die Gestalt) die Bahnen der kleinen Theilchen und die 
Geschwindigkeit , so nvie auch zuletzt noch einiges uber 
die Entstehung der Wirbel durck Umbougung der Wellen. 

Die zweyte Abtheilung des ersten Haup]|- 
tbeiles betriift die stehende Schwingung tropf- 
barer Fliissigkeite^n. Gana neu ist , das, washier, 
ilber diese Schwingungen gesagt wird ^ welche an tropf^ 
baren Fliissigketten eben so wohl 9 wie an tonendon 
Korpcm Statt finden konnen, und wobey die Wellen 
nicht in horizontaler Bichtung fortriicken,. sondern, an 
xhrem Orte bleiben , und nur eine senkrechte B^w,egung 
haben, wobey abwechselnd WcUenberge in WellenthS- 
ler, und umgfkehrt, .sich yerwandcln. Wean namlich 
ein regelmassiger rings umschlossener Baum ganz erfullt 
ist, so dass eine regelmassig abwechselnde Vereinigung 
und Trennung benachbarter, naoh entgegengesetzter Bich- 
tung fortschreitender Wellen Statt findet, Terwandeln siob 
fortscbreitende Wellen dUrch eine sieh wiederholende 
regelmassfge Durchkreuzung in stehende* Es werden .Me- 
thoden angegcben , um sie fiervorzubringen und. sichtbar 
zn machen. Einige beschricbene und abgebildete Figu- 
ren sind an tropfbaren Flilssigkeiten dasselbe, was einige 
•der Ton mir entdeckten Klangfiguren an Scheiben sind. 

In der dritten Abtheilung dea ersten Haupt- 
theils werden die durch die Erf.ahcung gefun- 
denen Wellenerscheinungcn ^it d^n Besnltaten 



^ 



194 Wellenlehre v. Weber. 

4»r bUher aufgestcllten Wellentheorleen vergUcbea. 
]>«r erste Abschnitt imtbalt allgemeina B e- 
merbungen und Veraucbe, welche die Anwendung 
des Galcttlft su Begruudung einer Tbeorie der W«llen auf 
Tevachiedenen Wegen erleicbtern boimeii, Der Stoss 
isl ftwar dio' Ursacbc der Entstehung, nicbt aber des 
Foitscheeitena der Welle* £r verbreitet sicb zwar mit 
groeser Gescbwindiglusit durcb dag Wasser,. wie denn 
aueb durcb dasselbe der Schali riel ecbneller fortgepflanst 
wird, al9 durcb die Luft^ aber die Hraft, welcbe das 
Fortscbreiten der Welle benirkt^ bt die Scbwer- 
Kraft. Wenn die Waasertbeilcbcn gebindert , werden, 
ansBuweicbea 9 bringt der Stoss ia groaser Entfernung 
Bewegung berror, ausserdem aber nur in der Nahe. Der 
jBweyte Abscbnikt dntbfilt einc. gescbicbtlicbe 
ParsteUnng der blsher aufgestellten Wel- 
le ntheorieen, mit Bemerkungen. Uier werden die 
Tbeorieeu von K^wton, Grayesande, D'Alembert, 
La place. La Grange, Flaugergues, Gerstner 
La Co^drayje, Bremontier, Poisson, Gaucbj 
libd Bid one mitgotbeilt. Die Bemerkungen su drr Ar- 
beit Ton Poisson, welcbe die wichtigste ist, werden in 
frans5sischer Sprache gegeben, damit sie aiteb ron 
solcben, die der deatscben Spracbe unkundig sind^ beniitzt 
werden konilen* 

Dtfr sweyte Haupttheil betrifCt die Well en in 
Beaieh'uvji auf Scball und Licbl, und zwar die 
'erstte Ablheilung (awe wolcber vorsiUglicb vieles 
bier'KU erwiihneii wsju wird) in Besiebung auf den 
Sebail. Jeder Stees, die* Biebtung aey, welcbe man 
'vrolle, wirkt aUemal durcb den gansen gestosaenen Kinr- 
per Ton Tbeilebea zu Tbeileben mit grosser Gescbwindig- 
belt. Die Ricbtung der Fortpflansung des Stosses ist un» 
abbingig von der , in welcber die Tbeilcben sicb bewe- 
gen , wei] wegen ^der Gobiision kein Tb^cben sicb be- 
ne^en kann, obne die benacbbarten aucb in Bewegung 
%n setzen. Die unmiltelbar durcb den Stoss erregten 



Angez, von ChladnL I95 



Wellen oder Schwingungen sind dassclbc, vras von m\f 
im 3ten Theile der Akusrik initgctheilte longitadi* 
nale Scfawingung und von Savart tnitgetheilte 
tangent! ale Scliwingung genennt 'worden i$t* Da 
abcr diese WeUen, -welche mX dem unmittelbar fortge* 
pflanzten Stosse Eins sindy in Korpern, welche einen ku- 
hischcn Raum einnehmen, auck in andern Bichtungen 
fortgepflanzt werdcn kdnnen^ so Ziehen die Verfasser 
Tor, sie prim are Wellen zu nennen. Die zweyte 
Classe von Wellen, welehe von mlr und Andern tranj- 
T e r s a 1 e genennt worden sind, :^erdcn hier secundare 
Wellen, oder Wellen durcli Beugung genennt, weii ^e 
zwar durch einen Stoss hervorgebracUt werden konnen^ 
aber ihre Fortschreitung durcli eine aadese Kraft ge- 
schieht, und zwar weit l^ngsainer ,^ aU bey den vorigen* 
(Man konnte bcyde Classen von Wellen auch wohl ganz 
kurz und angemessen durch die Bcnennungen : Sto as- 
well e n und Biegungswellen, unterscheiden. ) Bey 
den primaren Wellen geschieht allemal eij\e abweoh- 
selnde Verdiehtung und Yerdunnung der Theile, bey den 
secund2ren ist nur eine Verschiebung der Theile erfer* 
derllch. . . 

Der ersteAbschnitt dieser Abtheilung bandelt von der 
secundaren (transver salen) fortsclircitefiden 
Wellenbewegung, oder von den Wellen durch 
Beugung an fadenformigen gespannten Kor- 
pern. Bey dieser Art der Beiv^gung iSsst sieh das sue* 
cessive Fortschrciten der secundaran Wellen ap U^gon 
ausgespannten Sei^n sohr gut beobackten^ ,an ^einem. 19* 
Fuss langen Seile, ^s bey Halle iiber die Saale gespannt 
war, saben die Yf.. die W>lle wohl i6oial ilber de&Fliifs 
hiniiber und heruber laufen. Gvossere und kleinere 
Wellen gchn gleich geschwind fort, so dass nie eine die 
andere einbolt. Bey der Begegnung gehen.sie lOhne den 
mindesten Zeitverlust durch eiuander durch* £u,ler hat 
{in Act. Acad, Pa trap, pro anno 1779) ^^ Wellen- 
bewegungen der Seile vollstandig abgehandel|j se||ie Be- 



196 Wellenlehre v^ Weber. 

rechnungen werden hicr mitgetheilt, und durch viele Vcr- 

ftuche, 2U welcben eiiie Tertienubr angewendet worden 

ist, bestatigt. Mancbes lasst sicb auch dadurch aufklaren, 

tvas durcb Erfahrung sicli nicbt genau ausmiueln iasst, 

8. B. das8 an einer Saite der Gharakter des Klao^es,. aber 

nicbt der Ton sich andert, nacbdem sie an verscbiedenen 

6te11en oder auf vcrscbiedene Art angescblagen -w^ird, 

-vrelcbcs unstreitig in der Gestalt liegt , welcbe die Saite 

bey ibren Scfawingungen abwecbselnd annimmt. Den ste- 

henden Schwingungen tonender Korper gebt fast immer 

eine Wellenbewegung yoraus, so dass orsprilnglicb nur 

Wellcn erregt werden, die durcb ibre Bewegong in ein 

'ge'wisses Gleicbgewicbt bommen. (Auf diese Bildung ste- 

bender Scbivingungen aus anfanglidien fortscbreitenden 

Wcllen bat man bisber bey tonenden Korpern zu wenig 

HScbsicbt genonunen , ' und die ScbwingungiBn nur immer 

so betrachtet, wie sie in ibren ausgebildeten Zustande 

aind.) 

• 
Im sweyten Abschnitte mrd von atebenden 

secundSren (transversalen) Scbwingungen 
an fadenformigen elastiscben Korpern gcre- 
det. Da bierbey die diesseits und jenseits der natSrlicben 
Lage gcBcbebenden Au«beugungen der Saite immer an 
ihrem Orte bleiben, so werden diese Scbwingungen bier 
(wie Torber bey dem Wasser) stebende Scbwingun- 
gen genennt. Die Ausbeugungen der Saite bey dem 
Grundtone und bey den Flageolettonen, und das Hervor- 

' geben dieser stebenden Scbwingungen aus Wellenbewe- 
gungen werden erblart, und gezeigt, wie sie sich an einem 
etwas dicben Seile sicbtbar macben lassen. Wenn die 

'Breite der Wellen nicbt ein aliquoter Tbeil der Saite ist^ 
bannbeine stebende Scbwingungy wenigstens beine rollkoijft- 
mene, entsteben. — Uber die secundared Scbwin- 
gungen der Korper, welcbe durcb innere Stei- 
figkeit elastiscb sind. Der Vorgang ist bey Staben^ 
u. 8. w. eben derselbe, wie bey Saiten, indem die ate* 
bender Scbwingung aucb erst durcb jregelmassige Begeg- 



Ansez. uon Chladni. 197 



'i) 



uung yon Wcllen hervorgebraclit wird. Abcr die Ge- 
schwindigkeit, mit welclier ein an den En^den froyer Stab 
von den Wellen durchlaufcn wird, ist nicht gle^chformig, 
%veil die Enden bewegliclier sind, als die Mitte, indem 
sie nur von einer Seite in ihrcr Lage gehalten werdcQ. 
Daher sind die Excurjsionen der freyen Enden grosser 
find die Schwingnngslinoten liegen so, dass die Endstiik- 
ken nur halb so lang sind, als die in der Mitte gelege- 
nen StUcken. Die Klangfiguren flachenformiger Korper 
gcben eine Vorstellung von solchen Eintbeilungcn , wol- 
che aber, wie schon bemerkt ist 9 aucb an tropfbaren 
Fliissigkeiten Statt finden, wo wegen langsamerer Fort- 
tchreitung der Wellen die Entstehung solcher Gestaltcn 
Mditbar iverdcn kann. Bey den Scheiben bestimmt der 
Ort der Beriihrung die Breite der Welle. (In meiner 
Aku&tik, und auch. schon frSher habe ieh z\var"^.uerst 
gezeigt, wie die Schwingungen solcher Korper iVihrem 
voliig g^ildeten Zustande beschaffen sind, wie sic 
aber durch regelmassiges ZusammentreiTen von Wellen 
entstehei^, dariiber haben die Verfasser dieses Buches 
zuerst mehrere Auskunft gegeben.) Ubcr die von Tay- 
lor, Daniel Bernoulli und Euler theoretisch un- 
tersuchten Sch-wingungcn eines durch Gewichte, die sich 
in regelmiissigen Abstanden befinden, beschwCrten Fa- 
dens, 5i Fuss lang, .haben die Verfasser mit Hiilfe einer 
Tertienuhr viele Versuche im Thurme der Leipzigcr Slcrn- 
warte angestellt, und deren Bcsultate hier bekannt ge- 
macht. 

Der dritte Abschnitt betrifft die primare fort- 
gepflanzte Schwingung, oder die Wellen des 
fortschreitenden Stosses^ (longitudinale oder tan- 
' gentiale Sc)iwingung«n , Wellen dwch Vcrdichtung und 
Verdunnung) in der Luft. Die Verfasser neiinen liier 
Spannung (das, was ich Elasticitat genannt habe, nam- 
lich) den Zustand eines Korpers, wo die Krafle bey ei- 
ner gewissen Lage oder Entfemung der Theilchen &ich 
aufSiebcB) aber dicse Lage wieder herzustellen streben, 



198 JVellenlehre v. JVeber. 

wenn sie Terandert ^rd. DIese Spannung liann natur- 

lich seyii, wenn alle Tlieilchen eines Medium sich gegen- 

seitig 8(usinzi6hen und zuriiclistosseii , da^s sie in Ruhe 

bleUbten, (welches ich SteiiigJieit genennt habe,) oder sie 

^ird vergrossert, wenn die Theilchen durch Druc.k 

einander . ipehr genahert 9 oder durch Ausspaunung 

Ton einander mehr entfcrnt wcrdcn. Die Spannung ist 

YOB dcr Dichtigkeit unabhangig. Im Augenbliclie des Stos- 

ses erhalten die Theilche^ eine desto geringere Bewegung, 

je welter sie Ton der gestossenen Stelle entfernt sind; es 

wirkt aber jedes Theilchen bewegend auf die andere. Die 

Fortpflausung einer Verdichtung und Verdiinnung svii- 

scbcn 2wey nachsten Theilen, und die Fortpflanzung v»n 

W'ellen, welche aus mehren solclicn Theilen beste^en, 

^vird nach £uler*s Rechnung construirt, und mif den 

AVcllen des Wasscrs, oder oines gespannten Fadeas tct- 

glichen. Zwey einander durcfakreuzende Welles storen 

sich nicht , sondern setien hernach ihren Lauc ungehin- 

dert fort. Die Richtung, In welcher die Lafttheilchen 

sich bewegcn, kann sehr verschieden seyn, ohne dass da- 

durch die Richtung der Welle geandert wirJ. Wenn der 

schwingende Korper die Gestalt cincs Stabes hat, so 

wird doch dor Sohall in alien Richtung«?n gleich schnell 

Ibrtgepflanzt* Nun soUte man aber glauben, dass er in 

der Richtung der Schwingungen eine grosscre IntensitSt 

h^en musste, als in der Querrichtung- Die Verfasser 

haben ab^ an 3 Stimmgabeln Ton verschiedener GrossCf 

die alle den Ton a angaben, .Versuchc angestellt, die 

neu sind und ein anderes Resultat gaben. Wenn sic in 

gleidier Hohe mit dem Ohre gehalten, und um die senk- 

recfate Axe des Stiels gedreht wurden, so war der Ton 

in der Richtung der Sckwingungen am starksten, nachst- 

dem aber in der nichtung, wo die Schwingungen quer 

ubergingen, am schwachsten aber in einer diagonalen 

Richtung y (welches ich an meiner Stimmgabel, die auch 

a an'gibty so wie auch an breitem gabelformig geboge- 

nen und auch an graden eisemen Staben oder Streifen 

beatatigt finde, eben so wie auch das fblgende.) Der 



Angez. von Chladnu 199 

Winliel, iinter welchen der Ton am scliwiclisteii gchdrt 
v/ird , scbien nacli genauern Messimgen an ciner Gabel 
Ton gleicher Breite und Dicke ungeiahr i35 prad su 
seyn. Wenn die Gabel um die andere liorizontale quer 
durcfa den Stiel gehende Axe gedreht wird, so kort man 
auch senlirecht iiber der Zinl&e der Gabel und seitwarls 
den Ton fast gleich stark, zwiscben diesen Richtungen 
liegt aber eine, welche mit der Zinl^e einen Winkel von 
nngefahr lo Graden macht, in welcher Alan den Ton auf- 
fallend schwach hort* Drefat man die Gabel um die an- 
dere quer durcb den Stiel gehende Axe, so gibt es keine 
Richtung eines auffallend scbwacben Larms. An einer 
dreyseitigen Stlmmgabel i^ar die Wirkung fast eben so, 
wic an einer yierseitigen ; es kommt also nicht sowobl, 
auf die Gestalt der Gabel, als auf die Richtung der 
^cKwingungen an. Die Verfasser glauben, es lasse sicb 
dadurch erklaren, dass nicht nur in der Richtung der 
Scbwingungen verdichtende und rerdiinnende Wellen 
ausgehon , sondem auch fast gleich starke in einer Rich- 
tung, welche mit den Scbwingungen der Gabel einen rech- 
ten Winkel macht. (Die Beobilchtung ist gewiss sehr merk- 
wiirdig, und verdient in Hinsicht auf .die Theorie ci- 
ne genaue Untersuchung. ) Die Verfasser haben auch 
beobachtet, dass eine Stimmgabel, die in einer Drehbank 
fichnell um die Axe des Sticls gedreht wird, bei einer ge- 
wissen Geschwindigkeit keinen Ton verbreitet, welcher 
aber bei dem Aufhoren des Drehens sogleich wieder b6r- 
bar wird, woven der Grund nicht etwa in einem Ge* 
rausch der Drehbank. sondem vielmehr in einer gehin^ 
derten Mittheilung der Schwingimgen an der Luft liegt. 
Im yiertcnAbschnittist die Rede yon der b t e h e n- 
den Sch winguYig in der Luft. In Orgelpfeifen, 
Blasinstrumenten und der menscblichen Stim- 
m e befindet sich die Luft in einer stehenden Schwmgung. 
Der Vorgang, wodurch sie in dleselbe gerSfh, ist dem 
•ehr ahnlich , durch welchen Saiten und auch Watser in 
dieselbe versetxt werden. Dieser Vorgang wird weiier 
crklart, und in den Figuren die Abweicbuiig Ton der na«. 



200 



Wellenlekre v* Wehtr* 



Imdichen Dichtigkeif , die Oaacliwindigiiefit ^er LuHtfaeil- 
chen, die Ricbi»ng ilirer Bewegung^ und die da^en wohl 
su unterscheidende Aichtang der Welle, auf eine sinnreicbe 
Art gewissermaseB biidlich angedeulet. Eine in eincr 
RShre vorwarts schreitende Welle, wird nielit; nnr surucli- 
geworfen, wenn sie an eine die Rohre Terschliessende 
Ebene anprallt, sondem auch dann, yrenn sie an dem off- 
nen Ende der Rohre heraustriu. Im ersten Falle behiilt 
sie ihre EigenscU^ften, im letztcren Falle aber verandert 
tie ihren Charakter, so dass aus einer Terdiclitenden 
Welle eine Terdiinnendc , und aus einer Terdiutnenden 
eine verdichtende wird, wegen der weitern Ausweicliiuig 
der Luftthetlcben am ofifnen Ende, wcsiialb also am Eode 
eine schivSchere Zorficli^werfting Statt findet. Daher 
liommt esauch, dassBlasinstrumente nur so laogeto- 
iSen, als die wellenerregende Ursache fortdauert* Bey* der 
stehenden Schwingung laufen gewisse Wellen nach ei- 
nem gewissen Zeitabschnitte wieder in ihre vorige Balm 
zurucli , so dass sie nach einem a, % oder 4^<Bich etc, so 
grossem Zeitabschnitte sich wieder an demselben OrCe 
befinden. Dieses unterscheidet die stehende Scbwingong 
oder das Selbsttonen yon der Resonanz. Methoden, 
die stehende Schwingung in der Lnft eu erre* 
gen. Zur Hervorbriiigung dieser Schwingungen ist erfor- 
derlich, dass der Luft, welche in einer Rohre enthalten 
ist, regelmassig auf einander folgcnde abwechselad yer- 
dichtende und verdunnende St^sse ertheilt werden , wel- 
che Wellen erregen, deren Breite zur Lange der Rohre 
sich verhalt, bey einer Rohre mit swey offenen Enden 
-wie 1:1, wie 1/2 : 1, wie i/3 : 1 uf s. w. und bey einer an 
einem Ende geschlossenen R6hre, wie 2:1, wie ^ : 1, 
line 2/5 : 1 u. s. w. (So werden die 2kihlen heissen miis- 
sen, anstatt der Art, \vie sie im §. 281 ^ Z. 6 bis 8 durch 
ein Druch* oder Schreibrersehen angegeben sind. Auch 
wird es in % 280, Z. 19, anstatt Fig. 190, heissen miisse^ : 
Fig. 191.) Die Stdsse konnen der in einer Rohre enthal- 
tenea Luft entweder durch einen selbsttonenden Korper 
ertheilt werden, oder auf andere Weise. So l»at Savart 



■ 

Angez. vfn Ch^tdni. 201 

cntcleolil, dftts man in O r g e 1 p f e i f e n, Oef&Men mit irer- 
schlosaenem fioden vi. s« w. die Lult dnrcli Vorbalten ei- 
Ber Glocke 9 einer Scheibe , oder sonst eines tdiiendeii 
Korpers^ tfum Tdnen bringen konne, wenn die darm be- 
iindlicbe JLuftstrecIie die dazu erforderiiche Lllnge und 
Brcite .hat. ''^). Sine so regelmassige Reihe Ton scbnell 
auf einander folgenden Stossen ist aber nicht nothwen- 
dig, sondern es ist hinreichend , wenn, so wie es be^ 
dem Anblasen der Fall ist, unter einer Beihe yon Stos- 
sen Tiele sind , deren Dauer und Folge in einem riqb* 
tigcn Yerhaltnisse eu der Luftstrecke steht. Die Wellen, 
welcbe nach einem gewissen Zeitraume in ihre vorige 
Babn zurUckkehren , \racbsen an Grosse, die Ubrigen 
verlieren sich bald. -— Das Tonen wird^ entivveder in m- 
henderLuft ^rregt, wie in Orgelpfeifen, derFloten? 
werke und in Fid ten, oder in einem Luftstrome, wie 
in den Zungenpfeifen und in den menscblichen 
Sprachwerkzeugen* **), Im ersten Falle stromt die 
durch eineSpalte dringende Luft nicht in die Rohre, son- 
dern setzt nur durcb ihr Vorbeystrcichen die darin enthal- 
tene Loft so in schTvingende Bewcgungi wie es bey festen 
Korpem Termittelst cines ViolinbogeiM gescbiebt. Wie 
wenig ganz regelmassig wiederkebrende Stosse erforder- 



*) Icb bediene mich gewohnlich zu diesen Versucben 
der pappnen Rohre eines Fernrobrs, welcbe icb 
durch £]n- oder Ausscbicben der Stucke so weit ver- 
laugere oder verkiirze, als cs notbig ist, Auoh iin- 
de ich scbon hinreicbend, ^yenn man eine glaseme 
Bouteille oder ein Arzneyglas so weit mit Wasser 
iiillt, bis die nocb darin befinoiicbe Luft bei dem Hinein- 
blasen den verlangten Ton dumpf horen lasst. Hier- 
bey fand icb aucb die bey dem vorigen Abschnitte 
erwahnte Entdeckung der Herrn Wener bestatigt^ 
indem eine yor die Rohre oder yor die Miindung 
der Bouteille gebaltene Stimmgabel in der Richtung 
, der Scbwingtingen und in der Querricbtung , dy 
darin befindlicnen Luft die Schwingungen gleicn 
stark , in diagonaler Richtung g^balten, aber nur 
ausserst scb^nracb .mittlieilt. Chi, 

*'*) BestSttigung der Ausserung in der CdcHhj yorstehend 
(Heft i4*) S* 1^7 Z. 10 u. 11 y. u« 



1 



202 WtUmUhre %. Weber. 



1 



lich aind^ jam eine gebwaehe, . ttriienda Sekwingfuig in 
•iaer rcgelmilsaig (and auoh aicht regelmiUsig) geslalte- 
ten Rdbr« h^rvonuibrmgen, sielit man davan, dass Rohrea 
▼on .einer passenden Lange und Weit« tchon durch dat 
Gerauaoh dea Tages achwacli tonen. So bemerklen die 
Verfaaaer, daaa eine Rohre von Pappe, i Fuaa ^ Zoll 
Per. Maas lang, und 1 1/3 Zoll im Durchmesaer^ an das | 
Qhr lest angeatemmt^ wenn das andcre Ende offen war, 
den Ton ^ gab, dass sie aber, wenn das andere Ende 
mit der Hand sugebalten ward| a, und in der Nafae dei { 
Ohrs, -virenn beyde Eaden oifen wareni gis snmmte.*) 
tjber die Henrorbringong einer stehenden Sch^ingung in 
der Luft yermittelst einer Zungenpfeife, baben die 
Verfaaser aebr viele Versuche angestellt, sur Beantwor* 
tang der Fragen Gottfried Web orcein seiner vor- 
treffUeben Tbeorie der Tonsetskunst (welcber sie 
alle Gcrechtigkeit widerfahren lassen) B. i, S. 4* **): >n 



*) Kurz zuvor, ebe ich dieses scfereibe, babe ich bieru- 
bcr einen Versucb an der in der vorigen Note er- 
vi'Shnten pappnen Rohre angestellt, wo ich auch 
bey demAns^en an dasOhr einen schwachen, aber 
bestimmbaren Ton zufol^e des Taaesgerausches ho* 
re, der bey Verlangerung oder VerKiirj!:aHg der Roh- 
re tiefer oder hoher, und durch jedes starkerc Ge- 
rHusch verstarkt ^mrd. Wird die Rohre niebt ganf 
dicht an das Ohr ^ehalten, so ist der Ton ein wenig 
boher, als wenn sie ganz dtcbt daran gehalten wird. 
Wird das entfemtere Ende mit der Hand augehal- 
ten, so ist er eine Octave tiefer, als wenn es offen 
ist. So korte icb auch in einem Zimmer, das ich 
▼or mebreren Jabren bewobnte, an einem Windofea 
mit einer langen blechemen Rohre, bey lebhaftem 
Brennen des Feuers, immer anhaltend das Contra 
Ois, und fand bemach bey dem Messen der Rofafe, 
dass ste von dem Ofen bis xum Scbornstein unge- 
fahr dae su Hervorbringune desselben Tones in ei- 
ner oCenen Pfeife erforderaebe-Lange von lo Fuss 
^ batte. . ChL 

^) Auch schoa ia s, Akustik der Blasiastrumen- 
te, Leipn. Mns. Ztg. ▼. i8i6 S.36$ dann in s. Allge- 
meinen Musiklebre, Darmst. b. Leske, S. 5, 
uad in derCif«i/i0, i. Bd. (Heft i.) S. 9S in der Aa- 
merkttng« 



Angez, von Chladni, 203 

welchenVerllSltniissen beiZungenpfoifen die 
Zungo oder die Luftsaule den Ton bestimmt^ 
und ob bej Zungen pfeifen auch, wie bey den 
Pfeifen der Flotenwerlic, hohere Tone, oder 
Flageoletton.e Stattfinden. Ihre Untersucbungen 
Ichrten, i) dass die Hohe des Tones bey Pfeifen, an die keine 
1 a n g e Rohre angesetzt ist, Ton der Lange, Diclie und Elasti- 
citat der Zunge abhangt, 2) dass sie unter iibrigens gloi- 
chen Umstanden in geringem Grade Ton der Weite der 
angesetzen Rohre abhangt, 3) dass sie Torziiglich von 
der Lange einer an den Korper der Pfeife angesetzten 
1 a n g e n Robre abhangt, 4) ^^^^ ^^^ Lange der zum Tonen 
gebrachten Luf tsaule in den t i e f e r e n Tonen ziemlich ein 
Drittheil der Lange batte, welche sie in der Pfeife eines 
Flotenwerkes haben musste, um' denselben Ton zu ge- 
ben, 5) dass Zungenpfeifen auch Flageolettone geben 
bonnen , von denen der nachste um die Quinte der Octa- 
TC hoher ist, 6) dass also Zungenpfeifen in dieser Hin- 
sicht sich Terhalten, wie Pfeifen, deren eines Eilde offen, 
das andcre verschlossen ist, 7) dass, wenn die angesetzte 
Robre lang ist, die Lange der Zunge beinen betracbtli- 
cben Einfluss auf die JLnderung des Tones aussert. Di« 
Zunge ist bier nicht als ein selbsttonender Rorpcr anzu- 
seben, der durcb Stosse der Lui% den Ton mittbeilt, son- 
dem er notbigt durcb abwecbselnde Scbliessung und 
OfFnung die aussere verdicbteto Lufl:, die Luffc in der 
Pfeife in regelmassigen Zeitraumen abwecbsclnd zu stos- 
sen und niebt zu stossen. Die Bewegung der Zunge 
bangt also mehr Ton den in der Pfeife Lin und her lau- 
fenden Lufltwellen, als Ton ibrer Elasticitat ab. Sie wird 
also mebr gescbwungen, als sie selbst scbwingt. *) Lasst 
man die Pfeife obne Rohre scbwingen, so bangt die 
Scbnelligbeit der Scbwlngung fast ganz von der Zunge 
ab. (Seit der Herausgabe dieses Ruches haben die Herrn 
W, weitere Versuche angestellt , unter andem uber den 



*) Im Ganzen alto Alles so, wie Gfr. Weber schon' im 
April i8a4 in der Cucilia (B. 1 Heft 1 S. 9$ und 9^) 
^Torausgesagt batte. 



204 JVeUenlehre v. Weber. 

Fally Venn cBe Zunge an dem einea Ende der ploiire iia* 
gebracht ist, und ati dem andern geblasen wird, ifvobej 
eie merkwiirdige Resultate erhielten. 

tTber das Mittonen der Korper, (Reso- 
Banz.) Der Ton einer Stimmgabel wird yerstSrkt ent- 
'weder durch Aufstemmen auf eine Holzplatte, oder auch, 
wenn man sie yor eine Robre halt, in welcher die Luft 
denselben Ton giebt. So war eine Rohre Ton Pappe, 
die 1 Fuss 3 Zoll lang, und i i/a weit war, zur Ver- 
starkung des Tones einer Stimmgabel, die a gab, am an- 
gemessensten, (Der bohere Ton dieser Stimmgabel, wel- 
cber %. 289 erwahnt wird, kann kein anderer ge^vesen 
sejn, als das viergestrichene f , weil, wie ich in meiner 
Akustik %, 99 und im Trait e d'Acoustique^ %, 88, ange- 
geben , der tiefste Ton einer Gabcl zum nachsten ho- 
bern sicli wie 4 • ^^ oder 2 2:52 verhalt , und toix dem 
boberen aus gerecboet die noch boheren an einer bin- 
reicbend langen Gabel sich wie die Quadrate ?on 3, 4) 
5, 6 n. 8. w. yerhalten.) Es werden zwey Arten von 
Resonanz unterscbieden , 1), bey der Mittbeilung der 
Scbwingungen an ein Medium Ton anderer Cohasion und 
Dichtigkeit, a) wo ein begranzter Korper durcb ein en tci- 
jienden in so befUge Scbwingungen Tersctzt wird, dass cr 
sie, yrenn er unbegranzt ware, nicbt Tollbringen konntc. 
Die dem begranzten Korper mitgetbeiltcn Scballwellen 
werden Ton dessenRandem oder Granzen zuriickgeworfen, 
und kreuzen sicb mit einander und mit den Ton dem tonenden 
Korper fortwabrend ausgebenden Wellen. An den Durcb- 
kreuzungsstellen wird die Verdicbtung und Verdiinnung weit 
grosser, so wie aucb bey den Wasseryrellen die Erbcbung 
und Vertiefung der Oberflacbe. Zum Selbsttonen 
•ines Korpers ist erforderlicb , dass sein ganzer Raum 
Ton gleicbbreiten , sicb zwey- oder mehrmal durcbkreu- 
zenden Wellen eingenommen sey, die Termoge seiner 
Gestalt so znruckgeworfen werden, das die Kreuzungs- 
puncte aucb nach einer Tielfacben Zuriickwerfung im- 
mer nacb gleicben Zeitraumi^n ^ieder auf dieselben 



Angez. pon ChladnL ' 205 

* 

Stellefi faHfin^ <la Idagegeif sum Resoniren nur er< 
fordert <wir4f dast der Kdrper vtm glelchhreiten zurScli- 
gev7orfenen Well en bed^clct sey, lite sicli mit den immer 
wieder auf dicselbe Art erregten so durchlireii^p , dass 
die Kreueungsst-eHefi, so lange die Erregung neuer WeL 
len daiiert, amf dieselbieii Puncte fallen. Hierans werden 
weitere Folgerungen iiber die Untcrschicde des 8elbst^ 
tonens nnd des Kes<niiiren8 gesogen, und geseigt, wie der 
Vorgang aueh an feopfbaren Flussigkeiten , besonders 
an Quecksilber 4 kann sichtbar gemacht werdcn* ' Wean 
ein fester Korper nicht selbst tont, sondern nur resouirt^ 
kann er audi ochwingungsknoten und Knotenlinien ba- 
ben. Diesa Knotei;Lllnien desMittdnensy welcbe 
hier Hlangfiguren der Resonanz genennt werden^ 
lind Ton den eigentlichen Klangfiguren tonender 
Korper wobl eu untcrscheiden. (Ich ziebe vor, sie Re- 
sonanzfiguren zu nennen, weil unter Klang doch 
immer das Selbsttoncn zu versteben ist.) Die Resonanx* 
figuren sind von Savart gut untersuckt^ und manche sind 
in den Annales da Chymie^ T. aS, Tab. 25, Fig. 8—11 ab- 
gebildet; er bat sie aber von den Klangfiguren nicbt ge* 
nug unter&chieden. Beyde sind ab6r wesentkeh verscbic- 
den, denn 1) bey den Klangfiguren liegen die Knotenli- 
nien, wenn der klingende Korper regelmassig gestaltet 
ist, immer symmetrisfjb; bey den Resonanzfiguren ist zwar 
auch Symmetric moglich, sie konnen aber ebensowobl 
auch unsymmetriscb seyn, 2) die Abstande der Knotep- 
. linlen sind bey den Klangfiguren aliquote Tbeile des Rau- 
mes; bey den Resonanzfiguren nicht, 3) die Zabl der 
Knotenlinien an tonenden Korpern andert den Ton, der 
immer hoher wird, je mebr Knotenlinien vorhanden sind; 
key resonirenden Korpern aber nicht. Die in einer Rdh- 
re eingeschlossene Luft ist auch zum Resoniren geneigt, 
wenn man cinen selbstt5nenden Korper ihr nahert. Mit 
liuft erfullte grosse Raume werden so lange zu resoni- 
ren fortfabren, bis die Schallwellen ibren Lauf so weit 
fortgesdlzt haben , dass dfe Durchkreuznngcn an den be- 
•timmten Stellen aufhoren. (Wenn bierbey bemerkt wi^d, 
Cidlfe, 4. larnd. (Htfl iS).' 15 



206 Wellenlehre ^. Weber. 

« 

das Nadihiflleii in Kirc}i«ii 6% x4ci^t >etwa eine b^sondere 
Wirkung der GeslaU 4er Kircbe, sond^pn eU^ no|b\veu^ 
dige WirkuAg ^er Gvilsse .d«6 Eau^esi^ «o w%rd« ieJU lie- 
ber fiaa|n> e& scy nicbt blo^ od^r nlgh^ imin»er ei- 
ne beson46re Wirkung der Ge^talt, d^nn ^Tuancbe Ge«talt, 
2. B, erne elliptische^ welche. vii^^^alleu indgUchcii die 
schlechtette ist, eine runde, eine su hocb^u^d gleicblor- 
mig gewolbte u. s. w. kpnneu aUovdiogs, madien , dass 
der Naebball zu laiige anlialt^itd uad' anejrtragli«h -wL 
Biese Febler babe ich ain meisten in lan^Leb vierecbigen, 
boch gewolbten Localen angejroficn^ wo zwey gerade 
Wlinde einander gegesuber $iaiide]|) tfiid a^so ^e der 
Lange nacb hin und ber g'bbenden einander darchbreu- 
zendexL Schallwellen lange dauertca, und AUes undettt* 
licb macbten.) — Im 396ten §. wn*d Einiges iiber die Frage 
gesagt, wie ein Gebaiide bescbaflon seyn musse, dass es 
sich zur Ausfiihrung von MusikstUcben yorziiglicb eigne.*) 



*) Ich halte dafiir,. dass alles »ur moglicb&v was man 
iiber Anordnung eines gross^n Locals, uto nicbt 
nur Musik, sondern auch einen Redner oder Scbau- 
spieler deutlich zu boren, sagen kann, sich in den 
iMnzigen Satz zusammendrangen lafsse: Riicbwir- 
kungen und Durcbkreuzungcn der Schall- 
wellen von entferntern Stcllen, beson- 
ders von der entgegengesetzten Seite, 
wodurcb man einen zu spatewi Naebball oder ein 
Ecbo erhalten wurde, muss man mogUcbst «u 
vermeiden oder zu vermindern sucben, 
wozu eine amphitbteatralische Einrichtung der Sitze 
sebr nutzlich seyn kann; aber RGckwirktingen 
von Stellen, die dem Orte der Scballber- 
vorbringung nahe sind, von den Seiten, von 
binten und von oben, nacbdenZuhorernzu, und de- 
ren Durcbkreuzungen mit den ursprQne- 
lich erregten Scballwellen mussen mog- 
lichst befordort werde n, und zwar so, dass 
zwiscben den urspriingbcb erregten und den zu- 
riickgeworfenen ScbaUvvellen kein l>emerkbarcr Zeit- 
untcrscbied Statt findet, wozu eine paraboliscbc oder 
divergiriende Gestalt der Wande sehr tauglicb isf, 
und cm nicbt zu hohes oder zu sebr gewolbtes lang- 
licbes Viereck, der Lange nacb benutztf wenigstens 
nicht als fehlerhaft tngeseben werden kann. Chi. 



Angez. von Chludnu 20t 

Ah Bedingungen werden angegeben, i) dass die Zur^ck* 
iVirkung des Schalles so vollkommen als moglich gesche- 
lie, (ich muss hierbey betnerken, nur nicht Ton der ent* 
gegengesetKten, am meisten entfernten Seite zuriick) well 
dieses ein Echo geben wiirde, worin manche Baukiinst- 
Icr sehr gefehlt liaben), 2) dass nicht etwa diirch Sau- 
len, Vorsprfinge, scharfe Ecken u. s, w. die Durchkreu- 
zung erosser Wellen gehindert werde, (ganz richtig, wie- 
fvohl es aiich Falle geben kann, wo durch solehe Vor- 
sprunge, Vertiefungen und Unterbrechungen der Gleich- 
fbrmigkeit ein zu grosser Nachhall, der wegen einer un- 
vortbeilhaften Gestalt des Raumes entstehen wiirde, ver- 
hindert werden kann , wie z. B. in dem Saale des koni^- 
lichen Akademiegebaudes zu Berlin , wo sonst die Sing- 
akademie gehalten wnrde, dieWirkung des Gesanges, un- 
geachtet der langlich rui^en Gestalt, doch sehr gut war, 
ohne Zweifel , weil, wegen der betrachtlichen Vertiefun- 
gen an den Fenstern, nicht zu viele gleichformige Zu- 
riickwirkungen Statt finden konnten.) 3) Dass die zur 
riickgeworfenen AVelienstucken so ^iel als moglich, gera- 
de bleiben, (welche besonders durch parabolische oder 
divergirende Seitcnwande parallel werden), und dass die 
Functe der vorziigliphsten Durchkreuzungen durch den 
ganzen Saal gleichformig vertheilt sind, aber auch nicht 
'so liegen, dass fiir gcwisse Tone eine stehende Schwin* 
gung entstehen kann. In kleinen und regelmassigen Ran- 
men findet sich bisweilen eine solche Vcrstarkung eines 
gewissen Tones durch eine stehende Schwin^ng der dar- 
in enthaltenen Luft. (^So bemerkte ich in einem vor- 
iiiahls von mir bewohnten Zimmer, dass das ungcstrichene 
(is, wenn ich es, mit der Stimme, oder auf cine andere 
Art angab, auf eine bisweilen lastigc Art verstarkt ward 
und nachtonte.) Da eingeschlossene Luft auch resoniren 
kann, und alsdann anderer Luft den Sdiall voUkomme- 
ner mittheilt, als feste Rorper, so ist die Gestalt des in 
Kesonanzboden eingeschlosscnen Luftraumes und die La- 
gc der Offhungon nack auss^n fiir die Resonailz Toa 



* 



208 • Wellenlishrc, v^ tVeb^r. 

Wichtigkeit, woruber Savart mcrkwiirdige Yermclie ge- 
macht hat. 

Der fflnfte Abschnitt handelt von derfortge- 
pflanztenund s^tehendenprimaren (long it ut 
dinalen) Schwingung anderer Medien, als 
der luftformigen. Auch das Wasser und die starren 
Medien sind fahig, Stosse, und also prim are Schwingun- 
gen oder Stosswellen, fortzupflanzen , und zwan weit 
sclineller als die Luft. (Wasser nach La Place 7inal 
scbneller, und feste Korper, meinen Untersuchungen zu- 
folge, noch schneller, wie denn bey Glas, Eisen undTan- 
nenholz die Gescliwindigkeit wobl lymal grosser ist, als 
bey der Luft.) Bey dem Wasser riihrt diese Fahiglieit 
won der Elasticitat her, heinesweges aber ^on der darin. 
g^bundenen Luft. Dass das Wasser zum Tonen unfahig 
ist, liegt in seiner zu geringeM Zusammcndriickbarkeit. 
Bey festen Korpern scheint die Adhasion, verraoge wel- 
cher die kleinen Theilchen einander bestimmte Flachen 
zuzuwenden bestrebt sind, noch einen besondern Einfluss 
auf die Fortpflanzung primarer Wellen auszuiiben. Hat 
ein Medium einen so grossen Umfang, dass die Entwih- 
lielung primarer Wellen nach keiner Richtung gehin- 
dert wird, so sind die erregten W^SlIen, so wie. in der 
Luft, kugelformig, ^vie z. B. in einem grossen Felsen, an 
dem geklopft wird. Die an Saiten und Siaben der Lange 
nach gchenden Schwingungen » welche von mir entdeckt 
sind, habe ich Ion gitudinale Schwingungen gc- 
nennt. Savart hal dicsen Namen verworfen, weil es ihm 
.gelang, auch Schwingungcn sichtbar zu machen^ bei 
wclchcn die Theilchen des Korpers sich in andern 
Bichtungen bewegtcn, welchc zwischen der Lange 
und der Queere lagen. Es wird aber von den Ycrfas- 
eern hier ganz richtig gezeigt, dass Savart sich hierin ge- 
irrt habe, indem meine Versuche die Schwingungen selbst- 
t5nender Rorper betreffen , die von Savart aber die 
durch Resonanz verursachten Schwingungen, wie auch 
Meine Bewegungen «iuer hoheren Ordnung, dio nicht 



Angez^ von ChladnL 209 

ft 

horbar sind, so dass also der Ton mir aufgestellte 
Sate richtig bleibt, dass bei longitudinal tonenden 
Horpem die Schwingungen allemal in die Lange gesche- 
hen, und nie scbief oder senlirecht gegen die Dicke. 
Aus Sararfs Versuchen wird viel Merkwurdiges mit- 
getheilt und erlSutert. Die Verfasser stimmen ubrigens, 
aus mehren angegebenen Griinden, der Beliauptung Sa- 
varies nicht bey, dass es nur cine einzige Art von Schvi'in- 
gungen gebe, w^elche alle die Arten in sich begreife, 
"^velchc ich longitudinale , transversale , und drehende ge- 
nennt habe. (Ich Iiann bierin ebenfalls Savart nicht bey- 
stimmen, und muss jetSeben sowohl, wie vormals, die 
primSren und secundaren Schwingungen als etwas we- 
setitlich Ton einander Verschiedenes ansefaen. Was die 
drehenden Schwingungen betrffTt, so musste ich sie zwar 
bey cylindrischen oder prismatischen Staben wegen Ver- 
schieidenheit der Bichtung besonders abhandein, habe 
abcr selbst, weit frilher als Savart, in meiner Aku- 
sf ik %, i33, und ira Traite d*Acoustique %, g8 und \» 124* 
Nro. Sy gesagt, dass sie mit einer gewissen Reihe trahs- 
versaler Schwingungen ciner Scheibe Eins und Dasselbe 
sind. ) Die Gesetze der fortschreitendcn und stehenden 
primaren Schwingung fcst^ Korper sind den Schwingun- 
gen in der Luft ahnlich. Die fortsch'reitende primare 
Schwingung Tirird festen Korpern schon durch die Beriih- 
rung mit andern tonenden Korpern mitgetheilt. Die se- 
Gundare oder transrersale Schwingung eines festen Kor- 
pers theilt sich einem andern flachenformigen Korper durch 
einen dazwischen gebrachten Stab desto schwacher mit 9 
je mehr die durch den verbindenden Stab fortschreitende 
Schallwelle eine Bewegung der Theilchen mit sich filhrt, 
deren Bichtung auf die Richtung der Welle senkrecht 
ist. Je dfter aber und in je hoherem Grade die Richtung, 
in welcher die Theilchen schwingen , wfechselt, desto 
meh* wird die Mittheilung des Tones gehemmt. Die von 
Wheatstone vorgetragene sogenannte Polarisation des 
Scfaalles , wo der Ton oiner Stimmgabel , liachdem man 
sie auf andero Art vermittelst eines geraden oder recht- 



j^lO Wellenlehre V. JY'eber. 

tvinliliclieii^ Stabes m|t eincr Jlolzpla^te, hi Verbindtuis 
setzt , starker oder schwacher is^, (welcher .seitr sp^cielle 
Fall wenigerAufselien wiirde crregt .haben, irenn der Ur- 
heber ihm nicht einen etwas inxponirejidcn ISamen^g^geb^n 
batte), wird hiedurch crklart und durch eine Abbildiuig er- 
lautert. Hierauf wird von den primaren Schwingungeu 
oder Langcnschwingungen einer Saite ge^^edet, ygn^deiicn 
ich in meiner Akustik, luid auch schon friihfr, behaup- 
tet hatte, dass die mehrcre und mindcre Span^ung nur 
wenig EinAuss auf deren Hohe.und Tiefe habe. Piq Ver- 
fasser batten die Idee , dass , wenn der Ton der secun4a- 
ren Schwlngung, oder der ge>v&aliche Gruudton eincr 
in die Quere schwiugenden Saite^ ^icb duncb Spanuung 
erbobcn liesse , obne dass sich def Langenton andere , es 
bey Voraussetzung der Unzerreissbarlmit der Saite eineq 
Funkt geben miisse, wo der Querton hohar^.als der X^an- 
genton wurde, welphes ihnen aber unpi&gUcb acbien, 
(wie es denn audi unmoglich ist, weil jede Saite weit 
frilber zerreisst, weshalb also der Querton an seJir, ditn> 
n6n bis zum Zerreissen gespannten- Darmsaiten um nicbt 
viel mehr als etwa zyvcy Octaven wird dem Langcntone 
konnen genafacrt Tvcrden, dahingcgen dor -Untersckted , 
besonders au sckwach gespannUsn Metallsaiten, iweit tiber 
5 Octaven betragen kann.) BeycinemangestelltenVersuchc 
fanden sic^ dass bey sunehmender Sj^iiannung die liohe des 
Langentones wohl um eine Quintc zunahm.. (Hicr muss 
ich aber vermuthen, dass die Saite nicbt auf a Stegen 
immer fest genug aufgelegen habe^ und dass die anfangs 
beobachtete Zuname der Hohe um cine Quarte , £ ; A , 
bey Verdoppelung der spannenden Kraft mogc von ,einem 
anfanglichen Mitschwin^en der Bcfestigungsstelle an- dem 
ctnen oder dem andcrn Endpunkte herg^riihrt haben; 
denn bey alien von mir sowohl frilher^ als aiich ganz 
neuerlich, angestellten Versuchen *) fand ich. nle eine 



*) Ganz vor Hurzem habe ich diesen Versuch an mei- 
nem Monochorde 'wicderholt, und zwar mit 3 ver- 
scMedenen Saiten, wp ich den Lang^nton, (we^cher 



Angez. von Chladni. 211 

£rli6hiing, die'inc^, alsbe^nahe eincn ganzen Ton, Letra- 
^en hatte.) — ♦)^ber die interesslinten Entdeclitingen 



m^i^^m^^ 



8ich am besten durch Str«ichen odqr vielmebr "Wi- 
sebcn nach dfr Richtuii^- der Lan^e vermittelst des 
anter einem .sehr spitsigen Win1<ei gchaltenen Vio? 
linbogens hervorbringeti lasst) mit^ dem Quertone 
-ver^di^hciQ kabe, von der ^em^gen SpammngaHy 
'vro l>e|de Tone anJElngen bestimmbar zu werden* bis 
zu der, wo die Saite zerriss. An einer Stahlsai- 
ie.«ti9g dbr Quart OB- Ton grossen F bis etwas 
ub4r iH^ imgeitiftgheiLe a, ,wo sie si^rri«s, also lun 
ijiebr^ als eine Octave und eine grosse Terz, und 
d^ Langenton von dem viergestrichnc|§gis bis et-^ 
Tras liber da's yiergesfrichene a, also nicnt viel iiber 
eiipcn hdlben Ton; an einer Messingsaite stiee 
d«lr <^ tt e r 1 n TOu. grossen C bis lum laeinen g una 
etwas dariiber, wo sie zerriss^ also iiber eine Octave 
und eine Qm°t<^ , ' der Langenton aber vom vier- 
g#8trichoncn d bis etwas fiber das viergestrichene dis, 

aber nicht ganz bis zum e? also auch um kelnen 
^ganzen Ton; an einer Violinquinte stieg der 
Q u e r t o n vom grossen F bis ziAn eingestrichenen g^ 
wo sie bald bernach zerriss, also um i Octaven und 
einen galusen Ton, undderLangenton yom dreyee- 
strichenen g bis beinahe zum dreygestrichenen a, also 
beynahe um einen ganzen Ton. Da nun anzunebmen 
ist, dasjs sich die spannenden Krafte. wie die Qua- 
drate der Quertone verhalten haben, so folgt, aass 
bey der Stablsaite eine Vermehrung der Spannung 
\ wenigstens um das Sechsfache, bey der Messingsaite um 
das Neunfachft, und bey der Darmsaite um das Zwanxig- 

. facfae nir.ht im Sta^de gewesen sind, eine grossere 
Erhobung des Langentones zu Ibowirlien , als bey- 
nabc um einen ganzeii Ton. Chi, 

'*) Spaterer Nachtrag zum gegenwartigen 
Aufsatze* Der Widersprubh, wo ich behaVptet 
batte, dass ' die Langentone einer Saite nur &ehr 
yv^Di^ von der Spannung abhangen, daUngegen die 
Herrn weber eine anfangliche betracbtlicbe Zui^ame 
der Hohe bey Vermehrune der Spannung* ccfunden 
batten, ist nun ausgeglicnen , da ich GeTcgenbeit 

Sebabt babe, ihre versuchc zu seben, und i^nen 
ie meinigen tu zeigen. Sie baben nahmlicb an sehr 
langen und diclien Saiten experimentirt (3i Fuss 9 
-Zoll Par. M. lang, und yon der Diclie der starkstcn 
' Stablsaiten , die man zu einem Pianoforte anwen- 
det), und an solcben nimmt allerdings, so lange sie 
noch sebr scblaff sind, die Hohe des Tones bey 



212 Wellenlehre p. Weber. Angez. y. Chladnu 

Si^vart*8, die schraubenformigen Rnotenlinien an hohlen 
und langen Cylindern betreffend, auf^velchen der Sand 
liegen bleibt , haben die Verfasser an Glasrohren^ 6 Fu3« 
und driiber lang, die hernach abgekiirzt wiirden, sorg- 
faltigc Versuche angestellt, /lie iluiei^ ]nerki>ri|f*«iige Be- 
sulfate gegebcn haben. 

In der, z'weyten Abt1i«i1ung des mi/rejten 
H^upttheild werden die Wellpn in fieziekung 
aufdas Licht abgebandeltf wobey der Unterschitfd der 
Etnanationstbeorie von der We11enAieori€ erlShitef t , und 
leutere, wohl mil allem Rechte, iUr vorziigliclacyr djoklart 
wird. 

Herr Wilhclm Weber Uffert jetst auch in den 
< neuesten Stiiclien Ton Schweigger*8 Journale.fur 
Ghemie und Physik einen sehr interesaanten Anfaatz, 
worin aus mehrern Abbandluligen Savart^s dessen mitnn- 
tor etwas undeutlich vorgetrageno Entdecltun^n uber 
Tiele akustidchen Gegenstande doutlich und |a guter Ord- 
nung nut beygefiigten Bemerkungen uiitgetbeiH werden. 

Chladnu 

einigcr Vermehrung der Spannung betracbtlich zu, 
n>eyeinem Versuche betrug dfeZuname cine kleine 
Septime, bey einem andem noch mehr); der Ton 
ist dabey sehr schwankend, abcr bey ^ehorigcr Vor- 
aicht doch bestimmbar; wenu aber die Saite durch 
Termehrte Spannung mehr Consistenz bekommen 
hatte, fand keine weitere Erhphung des Langen- 
tones Statt, als etwa uni einen halben Ton. Zu 
mpinem Versuche hatte ich aber kiirzere und ^iin- 
nere Saiten angewendet, die an raeinem Monochorde 
auf zwejr Stege gespannt waren, und an solchen tritt 
der Fall der Horbarheit einesLangentones bey aus- 
serster^Schlaffheit, und einer betrachtlichen Zuname' 
der Hohe bey yerarsachter Spannung gar nicht ein; 
vielmehr lasst sich der Langenton von der gering- 
slen bis zur starksten Spannung um nicht viel mehr, 
als etwa um einen ^ halben Ton erhohen. ^s isf 
also Ton bey den Seiten rich tig experunentirt^ und 
richtig daraus gefolgert worden. Chi. 



213 



Gemussigte Vorstellunn; 

des 

Balgetreters Windner 



an 



seine hohen Herren Kirchenvisitatoren. 

VVo vvill cWh die junge Welt hinaus, hocbgebictende 
Hen*«ii! 

'Seit Yierzig Jahren babe icb heilsam auf die Erbau-' 
ung der hiesigen Gemeine, durcfi meine Ftisse, gc- ' 
wirkt) aber jetzt, wenn auch die Ftisse willig sind, "vvird 
mein Korper immer leichter und mein Amt immer 
schwerer« 

Vor einiger Zeit war der beHihinte Abt Vo^er 
hier und gab Concert auf unserer Orgel; ich trat, daas 
sie in Marokko.niciit besser Itdnnen getreten haben, mit 
einem Wort 9 ivie ein Nilpfdrd^ denn ich dachte: es ist 
ja nur Einmal, und man muss den Reisenden das Vater* 
land von der besstenSeite flehen lasscta. — Was gescliieht^ 
Kaum ist er fort, so fangt unser Qrganist allerhand 
Neuerungen an, die er dem Herrn Abt abgesehen hat. 
Bald zieht er zweyunddreyssigfiissige Register, da ich 
doch nur zwey Fiisse habe und kein Vielfass bin;— bald 
wirft er Ffeifen aus der Orgel , die ich durch schnelleres 
Treten ersctzen soil; bald legt er gar die EUenbogen 
auf die Tastcn, dass der gewohnliche Wind nicht hin- 
reicht. — 

Wer , wie ich , vom Winde leben soil, wird selten fetj, 
ausgcnommen die Miiller, trotz der niedrigen Kornpreise. 
Allein die Terhalten sich passiv, indess ich activ seyn muss. 

Andcre Leute kommen durch Windmachen empor; ich 
aber sinke dabei immer nurherab. Darumhabe ich es jetzt' 
einmal mit der Wahrheit probiren wollen und die ist, 
dass ein Balgetreter , wo das Yoglersche System angenom- 



214 

men wird, <^ppclte JSesolcluiig bal)cn muss. AIs ich cin- 
mal von der jungcn "VVelt *u cirioni Collcgen spracb, 
meinte der, ^^^^ ^^^ Alters ein gewisscr Sebastian Baoh 
n'och windfrc8#nder gespielt habe, aber von dem bat 
eincr, der ihn gleicli an seiner Manier erl^dnnte, auch 
gesagt: dak ist ent>Veder der Biich, 6der der Tenfel. 

Wie die junge Welt ist, das kann man aucli daraus 
erselien, dad^ man gar das heUige Amt eines 'BSlgletretei's 
in Verachtung briugen will. Meine Dore, die in der'Stadt 
singcn gelerat hat > *8«ang mir neulich ein Lied vor , worin 
die Wortc vorlvommen: ,,rind so ein Mann Terdient, ein 
„^Ulgetrcter nur in seyn," — Das nur bitte, wol zu 
bgmerken. ^ 

Doppeltcs Gehalt, bochgebietende Herren, oAtf kcine 
moderne Windsuchti darum bitte.icli, und £hre ftU* uns 
Gei&tlicUe, ]\Iit Besfcct verbarrend^ 

• ' S'vrar keiit VielfuM) aber dero 

' ' deonitbiges Oewnrm^ ^vas tritty 

aber doeh niebt getreten werd«a 

'• f sollllb^ 



L 6 s u n g 

der Char*ade im 3. Bde. (Heft 12) S. 292. 

N e u k o xa m. 



215 



R e c 6 n s i o h. 

Xlif j^reti&ch - practische Oboe^Schula; yfm Jony 
seph Sellner^ Mitglied der k. k. HofcapfcHc' 
uiid Professor der Oboe am Wiener Conserva- 
torium der Musik. Ersler Theil^ VVieii, bey 
Sauer.imd L.eidesdorf. Eigenthum der 
Verleger. (Gross Folio, 8 Sciten Text, Jiebst 
zvvey Tabellen und 107 Seiten libungsstiicke. ) 

VVenn, bey der anerkanriten Vortrefflichkeit. 
eines so unentbehriicben Orchester-liistrumentes 
vrie die *pboe, vfrelche§, bey einer atisgebreiteten, 
vollstMiidigen ' Scilla, soi^ohl als Concert- und Fitll- 
SUmme, niptit minder diirch die sanftesten Schat- 
timngen, durch eiheii alife Affecte zu schildern 
flihigen Modulatiodsreichthum , wie diirch iene, 
keiiteitf seiiier Commilitonen inwobn^nde Kraft- 
A:u88eruiig, so' impotiirend entsch^idend in das 
OaniM eines vielstimmignn Instrumental -Satzes' 
eingreift> — wenn, bey so notorischert Vorziigen, 
dennocb in neue'ster Zeit fiir dieses, von unsern ' 
Vorfahren so hocb in Ehren gehaltene Instrument 
doch nur so wenig gethan wurde, dass es, im 
VelrhSltniss gegen die Riesenfortschritte Ande- - 
rer, gieiicbsam im Stande der Kindhelt zurtick 
blieb; — so liegen einer solcben stiefiiautterlicheu 
Behandlung wbhl mehrere, und aucb gc^|i98 nicht 
ganz unerhebliche Ursaqhen zu Grunde. 

Die erste ist die bedeutende SchwierigkeiC, 
welche sich der Erlernung dieses Instrumentes ent- 
gegenstellt. Naturanlage, Zeit, Geduit., Unver- 
drossenheit, Beharrlichkeit und rastlose Ubung 
sind erforderlich, um nur einige Vortheile zu er- 
kampfen , indess auf andern Blasinstrumenten , in ' 
weit kiirzerer Frist, mit ungleicb geringerer An- 
atrengung, schon eln glMnzender Sieg zu erringea 
ist. Daraus wird es erklarbar, warum in un* 



21& Sellner's Oboe^SchuIe 

sern Tagen die Oboe beynahq ganz aus der MilttSr- 
Musik verbannt, und ilire Stelle dem leichter zti 
erleraenden Clarinelt aussehlieialkh emgeriitmt 
warden ist, — . 

Ein anderer und Hauptgrund der YernacUSs- 
slgung der Oboe ist der Mangel eines zweckntSs- 
sig abgefassteny systamaiiseh geordneten,- aaf alle 
Zweige sich erstreckenden », theQjrelisch-prao^achen 

Lehrbuches. 

Diesem fuhlbaren Mangel ist nun — unbe- 
schadet desjenigen, vras wir in dieser Art bereits 
Brauchbares besitzen — durch gegenwartige Schule 
so umfassend gesteuert, als solches durch juenscb- 
liche Leistungen nur immqr mdglich i^ 

Der Herr Verfasser, Virtuose ». und was noch 
mehr sagen will^ Musiker dem strengsten Sinae 
nachy eingeweiht in die Geheimnisse der heiligen 
Kunst, hat hier die Resultate erprobter, l^pgjah- 
riger Erfahrungen, bewahrter Y^ersucb^y und 
scharfsinniger Beobachtungen » g(pj9an^melt^ in ein 
Ganzesy zum gemeinniitzigen Frqinmen verelatf 
niedergelegt , und somit eine A^ethode au^gestellt, 
doren Zweckmassigkeit sich bereits an mehren 
Zdglingen des hiesigen Musik - Con^eryatoriums 
glanzend documentirte« 

Der v^liegende^ erste Theil enthalty nach 
einer kurzen Einleitung^ in welcher die allge- 
meinen Elementar - Gegenstande : Noten, Geltung 
und Einth.eilung derselben« Schliissel^ Tactarten 
u. dergl. , als ein Gemeingut der Tonkunst, ab- 
sichtiich mit Stillschweigen iibergangan , ohjaehin 
als unerlassIicheErfordernisse angenommen, haupt* 
sMchlich aber Gesang - Yorilbungen dringend an- 
empfohlen werden , uolgende Abschnitte: 

1* Yon der Haltiing des Instrumea* 
tes, biniichtUch des ganzen Kc^rperS) der Armet 



angez. von L v* Seyfried. 217 

des KopfeSy der HMnde und Flnf^er, mit Beziehung 
auf eine an^ehiingte Tabell^ iiber aile mdglichen 
Gijffii, durch figtiriiche Darstelhiag derselben' ver- 
ftianlicht. 

* 

2* Von der Haltung des Rohres^ wobey 
zugleich alles Beachtenswerthe iiber den Druck 
der Lippen » liber die Art und Weise , die erfor* 
derUche Oualitat und OuantitMt von Lufl in das 
Kohr zu bringen, u.. s.0W. apgefuhrt und erklart 
wird* 

3* Vom Athemholdn, -^ und 

4* Vom Zungenstos^e* Diese beyden Fa-> 
ragraphen verdieaen urn so meht* Aufmerksamkeit^ 
als die darin gegebenen Fingerzeige den entschie- 
densten Einfluss auf des Schiilers kiinftige Ausbil- 
dungf oder unverbesserliche Yerbildung bsiben. 

6. Vort der Lehre det* Oboe iiber-* 
h a u p t. Der Meister rath^ den Unterricht mit dcm 
Tone li zu be^innon^ und diesen so lange elnzeln 
anblasen zu lassen, bis er durchaus rein^ und 
wohilautend zum Yorscheinc kommt. Als Gefahrte 
soil ihm vorerst sein Nebenton a, und sodaDn die 
Unterterz g beygesellt werden. Hat nun derLehr- 
ling diese drey T5ne sowohl abvrarts als aufwarts 
bis 2ur Fertigkeit eingeiibt, so fiige man als 
Schiussnote F hinzu, vervv-andle das fi inib und 
voUende mit. c d e f die F-Scalat ? g ii E c 
d e f/ In dieser^ abwechselnd mit dem moU-Ge- 
schlecht — soil nuii jeder Ton fiir sich mdglichst 
leise intonirt^ allmahlich zur grdssten Starke an-* 
gescbwellt, und nach und nach sich wieder vqr^ 
lierend vorgetragen werden^ um seine kdrperliche 
IntensivitMt zu begriinden^ und die Ausdauer der 
Lippen zu priifen. Erst^ wenn dieses Ziel er-« • 
reicht ist , darf zu andern Tonleitern : D^ur und 
cf-moll) ^-dur und a-*moll, C?*dur und c^taoM 
iibergegasg^a werden. Diese Scalen**iJbuag ist 



'218 SeUner*s Oboe^Schulc 

das sicherste Mittel^' stch einen guten Ton eigen 
zu machen. 

6v^on d er Gleichheit des Tonas.' Da 
diese SeltenheiC 9 besonders in jenen Fallen , wo 
8op:enamite Gabelgriffe entstehen, bhhel* zu den 
frominen Wiinschen gehorte , so wird hier auf 
die ungemein m'ttz lichen Verbesserungen de^ thSl* 
tigen Instrumentenmachers, Koch Riicksicht ge- 
iiommen, welcher mitt^ >einer Erfitidung meh- 
rerer Aushiilfsklappen diesem tlbelstande also 
g«steuert hat, dass Figuren, die mit dem halbeu 
Loche gespieltf zu den Unindglichkeiteti gehdrteiiy 
nunmehr mit der as- oder gis-Klappe kindleich.. 
auSzuiUhren sind, indem die F-, b-9 es-, as-V Ses- 
und gci^Klappe doppelt , auch ausser diesen noch 

dieSchleif- oder hbhe f-Klappe und die c-KYappe 
ftir den Triller K-c angebracht wurden, durch 
deren Beyhiilfe man in kfitischeh Lagen einen 
bequemeren 9 und daher auch zuverlSssigeren Fin- 
gersatz wahlen , und ganze Perioden blnden und 
wohlgefallig abrunden kann. — 

7- Von dem Hohre; dessen Verfertigung ; — 
liber die dienlichste Uolzart, und zweckmMssigste 
Gestaltung. — 

8> Von dem Gebrauche der Klap- 
p e n ; — wie nattirlich — eine der * wichtigsten 
Lehren^ und deshalb am ausfuhrlichsten abgehan- 
deit. Hierher bezieht sich auch die beygebundene, 
voUstSndige Triller * Tabelle, — 

9; Von der IJbung der zweystimmi- 
gen Seal en. Der Herr Professor stellt den 
Erfahrungssatz auf, dass es vortheilhafter sey, 
zwey oder mehrere Scolaren zugleich zu unter- 
richten, well kain Einzeiner allzulange unaus- 
gesetzt die Lehr&tunde ausdauern kann, sondern 
bey fortwahrend angestrengtem Spiele die Lippen 
brechen^ und der Embouchure Sicheriiaili rerio- 



qngez* pon h p. Sexfried. 219 

rdn gehen muss. Er empfiehlt daher eine. solche 
Wechselubung zur g^egenseiti^en Erholung, uiid, 
bey welter fortgeschrittenem Lehrkurse, ein ver- 
eintes Zusammenspielen , der Lerneiiden, durch* 
welches die Lust erhoht, der Meisfer solbst aber 
des iaatigen Mitspielens iiberhoben, und in den 
Stand gesetzt wird» die Aufrnerksamlieit ausschliess- 
licb auf das Spiel der -Eleven zu wenden. 

So wcit reicht der eigentliche th^oretische* 
Theil, wclchem, wiewohl so kurz und biindig 
alo mci^Iicli zusammengefasst, dennoch an griind- 
licher VoIIbtandigkeit nicht das Geringste mangLlt. 

Der practise he, bei weitem auch der um- 
fangreichste , denn er nimmt 27 Druckbogen ein| 
beginnt mit den auf- und absteigenden Scalen 
durch samuilliche Tonarten«. Da, wo dieselben dem 
Klange nach ideatisch werden, als : cis — iles-^ 
Jis — gc^- f ^i^ — i-moll u. s. f. sind sie auch, 
der abweichenden App'icatur wcgen, in doppel* 
ter Gestalt — mit Kreuz- und b- Vorzeichuung — 
ausgesetzt, 'docli die begleitende Unterstimme — 
nur mit ModiHcatun der Erhdhungs - oder Er- 
niederungs- Signaturen — unverandert beybehal- 
ten worden, um die wesentliche Verschledenheit 
solcher, im Gehdre sich assimilirender Tonarten 
recht anschaulich zu zeigen. Ebcn so ausgear- 
beitet sind die Fortschreitungen durch alle Inter* 
valle, mit Terz-, ^uart-, ^uint-, Sext-^, Scpt<- 
und Octav-Spriingen, und es ist wahrlich kein 
geringes Yerdienst, dass allenthalben die melodi- 
sche Fiihrung und der fliessende Gesang so con* 
sequent beachtet wurde: ja, seibst wo dies un« 
mdglich war, wie bey den Septimen • Spriingen, 
ist die zweyte Stimme also eingerichtet, dass 
durch sie die, an und fur sich unregelmassigen 
Riickungen der Ersteren, verdeckt werden ,» und 
die Tonfolgen als stufenweisp erscheinend sich 
^estalten; z. B. « 



220 



Sellmer^s Oboe >- ScJiule 



Ob 



oe i~ 



Ob 



oe 




\ ^ L I r I 







Aus diesem Grunde ist es auch unumgangHch 
nothwendi^, dass die Begleitungsstimme von kei- 
nem andefen, fremdartigen Instrumente supplirt 
^vrerddf weil nur Kiange von durchaus homoge- 
ner Natur, nHmlich ' hier zwey wirkliche Oboen, 
die bezvveckte Ausgleichung solcher OuerstSnde 
hervorbrinsren* 

Nun folgen die Klappen-ttbungen; immer auf 
dreyerley Arty theils a due^ thells solo 9 und je- 
desmal zw5lf verschieden . ausgeftihrte Beyspiele.* 
Passagen mil; der F-Klappe allein machen den 
Anfang, zu welcher nach und nach die £-9 es-, 
as - und d6 - Klappe hinzukommen. Dleselbe Procb- 
dur findet auch bey den Kreuztonarten statt, indem 
von der fis- Klappe allmahlig zuf Mit^irkung der 
CIS - 9 ais - 9 gis- 9 eis - und dis - Klappe fortgeschritten» 
und stets die Stelle genau angegeben wir^ , wann 
von den AushiilflUappen am yortheilhaflesten Ge- 
brauch zu machen 1st. Ubrigens versteht es sich 
von selbsty dass diese Exerzizien zugleich die 
mannigfaltigsten Combination en, Ftguren und In- 
tervalle - Folgen 9 in wechselnden Tactarten^ Zeit* 
mase und Khythmen enthalten. —^ 

Als A n h a n g sind sechs gef^Uige Trio's fur 
drey Oboen beygegeben, welche, im gebundenen 
Style f streng contrapunctisch gearbeitet 9 wieder-^ 
holt zum Beweise dien«n9 dass man recht wohl 
gelehrt, und dabey dennoch klar^ verstandSichy 
und angenehm schreiben k5nne« — 

Von den noch zu erwartenden beyden Theilen 
\vird jeder sech^ fortschreitende Duette fur zwey 
Oboen f mil stufenweise steigenden Schwierigkei* 



angez. von I. v. Seyjried> 



22i 



f 

ten uad mlt Beriicksichtigung d«r sclion Beniitz« 
ten Tonleitern, li^feru^ auf dass diese practische 
Schule, nach iiirer VoUendung, Ubungsstiicke aus 
alien gebniuchlichen Scalen in sich fasse. 

So iSsst sich denn mit Gewlsshelt varaussetzen, 
dass jedem^ von der Natur nicht ganz vernach- 
lassigten Scolaren , der sich diese Studien roll* 
kommen eigen macht^ Bicht leicht Etwas zuge- 
muthet werdeii kdnne , das er nicht sogleich rich- 
tig vorzutragen im Stande ware; angenommeiiy 
dass das Erheischte nicht im Widerspruche mit 
der Eigenthiimlichkeifc des Instrumentes stehu 

Und so gebiihrt denn dem verdienstvollen Ver-: 
fasser fiir seine umfangreiche, hdchst gelungena 
Arbeit, herzlicher Dank, welcher sich am Ioh-» 
nendstan in jenen Segens - Friichten aussprechen 
wird, die einer gleich sorgfaitig als yerstHndig 
gestreuten Saat entkeimen miissetn^ 

Nicht genug za beachten ist das Schlusswort^ 
womit derselb'? seinen inhaltreichen Lehren dicr 
Krone aufsetzt : y^Bey diejsem Instrumente darf we- 
niger, als bey jedem anderen die Mechanik iiber 
den Ton, der Kdrper uber die Seele jemals den 
Sieg davon tragen. Ein einzrger, achter Klang 
wirkt mehr, als zehn Fassagen,^^ (Seiltanzer-Stiick- 
chen) ,,die unbemerkt^^ (ohne bleibenden Eindruck) 
9,vorbeyrauschen«. Der Oboist soil jede Schvvierig- 
keit besiegen kOnnen, der Tonsetzer aber nur den 
hdchsten Triumph seiner Kunst von ihih erhei* 
schen, dass er namlich die Seele ruhre, indem er 
dem Ohre schmeichelt.^^ — .Mdge diese wai^n^nde 
Stimme nicht unbeherzigt verhallen I 

Das Werk ist gefkUig und rein gedruckt^ (die 
Ubungsstiicke Zinnstich) und* kleine, unerhebt 
Uche Worifehler abgerechnet, sehr. eorrekt« — - 

* 



Qenfn, 4. Vft«a. (Utftis.) 



16 



^22 Sellner*s Oboe^Schule. 



Nachschrift der Redaction. 

Als nabere Erlauterung dessen, was yerstehende Recen- 
sion yon der Klappeneinrichtung der Kochischen Oboen 
sagt, wird cs ylelleicht den Lesern nicht unangenebm 
sein^ das auf solche Art eingerichtete Instrument liier- 
lieben genau abgebildet zu sehen, und zwar yon drei yer- 
schiedenen Seiten angesehen, wodurch «|immtliche Klap- 
pen yollig anschaulicfa werden. 

Als Gegenbild hieryon liefem ynv in der folgendei 
Tabelle eine Darstellung der Oboen, welchef nach elner 
neuerlicben Erfindung des, in mehrer Hinsicht riihmlichst 
beliannten, yortrefflichen Oboi&ten, Gapelldirectors Foreith, 
in der aufs trefTlicbste eingerichteten B. Schottischen Ma- 
nufactur in Mainz , unter den Augen des Erfinders, ange- 
fertigt werdekiy und iiberlassen es den Kenncm des In- 
stfumenteSf sir entscheiden, in yviefern der einen, oder 
. der anderen Einrichtung der Vorzug gebQbrt. Niir auf 
einige Verschiedenheiten woUen %yir Mer aufmerksam 
jnachen. 

Die oberste Klappe, welche nach Sellner bios Schleif- 
l&lappe^isty.und erst %um e gebraucht wird, nach Foreiths 
Erfindung aber noch etwas hoher hinauf yerlegt ist, dient 
ihm zugleich, urn das es reiner und schoner zu erzielen 
so dass sie mit becht eine |g- und Schleif - Klappe heis- 
sen I&ann. 

Eine eigene Bereicherung des Instrumentes ist die Fo- 
reithsche cis- Klappe, welche der von Sellner beschriebe- 
nen Oboe mailgelt^ 

Die c- Klappe, welche bei Sellner auf der Imhen Seite 
des. instrumentes angebracht ist, um durch den dritten 
Finger der linken Hand regiert zu werden , licgt nach 
Foreith rechts , sum Gebrauche des rechten Zeigefingers. 



213 

Gemussigte Vorstellunn; 

des 

Balgetreters Windner 

an 
seine hohen Herren Kirchent^isitatoren. 



yy o vfjH Aecb die Junge Welt hinaus, hocbgebietende 
Henr^n! 

' Seit vierzig Jahren babe Ich heilsatn auf die ferbau- ' 
ung der hiesigen Gemeine, durch meine Fusse, ge- ' 
wirkt; aber jetzt^ wenn auch die Fusse willig sind, mrd 
mein Kdrper immer leichter und mein Amt jmmer 
schwerer* 

Vor einiger Zeit war der beHihmte Abt Vo^er 
hier und gab Concert auf unserer Orgel| ich trat, daas 
sie in Marokko.nicht besser Itonnen getreten haben, mit 
einem Wort 9 ivie ein Nllpferd; denn ich dachte: es ist 
ja nur Einmal, und man muss den Reisenden das Vater- 
land von der besstenSeite flehen lassen. — Was geschieht^ 
Kauih ist er fort, so faingt unser Qrganist allerhand 
Neuertingen an, die er dem Herrn Abt abgesehen hat. 
Bald zielit er zweyunddreyssigfussige Register, da ich 
docb nur zwey Filsse babe und kein Vielfass bin;— bald 
wirft er Ffeifen aus der Orgel, die ich durch schnelleres 
Treten ersctzen soll^ bald legt er gar die EUenbogen 
auf die Tasten, dass der gewohnliche Wind nicht bin- 
reicht. — 

Wer , wie ich , vom Winde leben soil, Vvird selten fetj, 
ausgenommen die Miiller, trotz der niedrigen Kornpreise. 
AUein die Terbalten sich passiv, indess ich activ seyn muss. 

Andere Leute kommen durch Windmachen empor; ich 
aber sinke dabei immer nurherab. Darum babe ich es jetzt* 
einmal mit der Wahrheit probiren woUen und die ist, 
dass ein Balgetreter , wo das Yoglersche System angenom- 



224 Sellrier's Oboe»Schule, 

Die auf der Gamme angezeigten Triller mittela der c* 
ttnd cis-Klappen Ifonnen auch in der hoheren Octave mil 
eben diesen Klappen herausgebracht werdeny denn die 
Octaven beider Klappentone sind T5llig rein. Aucb kanii 
der Triller a • £ mittels der c - Klappe bervorgebracht wer» 
den, und eben so in der hoheren Octave der Triller a.j^ 

* Das bohe a * welches in Sellners Gamme mit aufge- 
jfBhrt isty hat Foreith in die seinige gar nicht mit aufneh- 
men mogen, weil dieser Ton doch immer nur unsicher ilnd 
nur auf einem allerbestens gerathenen Rohre anspricht, 
indess das as ai^ch bei minder gntem Rohre schon mit 
Sicherheit herauszubringen ist. 

Man iindet iibrigens in der Foreith*schen Gamme liberally 
yvo halbgeschlossetie Locher angedeutet sind* mit sinni- 
ger Sorgfalt eigens angemerkt, ob idlches halbe Schlies* 
sen von unten* oder von der Seite her, gcschehen soil, 
welches, derErfahrung zufolge, heineswegs ilberall gleidi- 
giltig ist. 



N a c h t r a g ; 

j£u den verschiedenen Ldsungen 

der Aufgabe j 

eines Canons uber einen gegebenen Chorah 

Auf der Riichseite der nebenstehenden Tabell% erman 
geln wir nicht, den Freunden contrapunhtischer Kiinste, 
noch eine, zwar verspatet eingelangte, aber doch derAnrei- 
hung an die friiheren wertheLosung der, ijn ].B}nde(Heft 
3,) Seite 261, gemachten und im 2. Bande (Heft 8,) S. I 
bis LIV, verschiedentlich gcloseten Aufgabe, hiermit nach 
traglich mitzutheilen. /);« Red, 



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Zur GucfUm^JBd. ^S.£M 







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225 
a c h. 

In Mainz lebte vormals ein, fur fene Zeit ausgeceich* 
neter Kunstler, Zach, 

Wenn ich ihn nach einem Trio, dem einzigen WerKe, 
das ich Ton ihm kenne , beurtheilen darf, so glichen seine 
Tonsetzungen , wie die seiner meisten Zeitgenossen , den 
bessern deutschen Gedichten aus dem siebenzehnten, und 
dem Anfange des achteehnten Jahrhunderts : sie bewegten 
sich' mehr oder minder menuettartig - steif , unbeholfcn 
und beengt^ allein -was ihnen abgieng an Freiheit, Fiille, 
Leichtiglieit und Anmuth, das ersetzten sie durcli einen 
regelfesten, gediegenen, mitunter tiefen Sinn. Dies war 
iiberhaupt der damalige Stand der Kunst.. 

Doch, unterdessen die Menschen, in ihr wSe im Leben, 
sicb iiberall durch die lastigsten Formen und Formlieh- 
keiten eingezwangt sahn — ? fuhltcn sie sich grossentheils 
in ihrem Inncrn und in ihren nachsteu Umgebungen sehr 
ungebunden. Die Hasten waren streng geschieden, der 
Geist und d\e Sitten unausgebildet, der Umgang oft roh; 
allein man iiberlies sich desto unbefangner alien Eigenhei- 
ten und Eingebungen seiner Laune. Jeder Ein^elne war 
dcrgestalt weit scharfer ausgepragt als jetzo , wo die all- 
verbreitete Kultur alles gefalliger abschleiftj es gab unver- 
glcichbar mehr Originale. 

VorzUglich gait dieses Ton den Kunstlern, und ganz 
insbcsondere iron den Musikern« Denn, ausschliesslicher 
im Gebiete der Einbildekraft und der Gefuhle lebend, ist, 
in sofern , unter allea ihr Reich am allerweiiigsten von 
dieser Welt. 

Keincr iibertraf hierin unsem Zach. 

» 

Ich kannte schon friih den wunderlichen Mann; nicht 
ebon pcrsonlich , sondern aus Schilderungen und Anek- 
doten, die mir Uampf, der langst yerstorbene, beriihmte 
medizinische Schriftsteller, Ton ihm mitgetheilt. Sein Va- 



226 Zach. 

ter, der Hessen • Homburgische Lcibarzt, hatte raglefck 
diese Stelle bei dem damallgen Kurfursten ron Mains be- 
lileidet, und war dadurch imit Zach gcnau beliamtl; so 
liahn ich jetzo geben, was ich auf diesem sichern IVeg 
empfangen* 'Wenige Wortc muss ich noch vorausschic^en, 

• 
Bevor die letzte ungeheure Staatenumwalzung hereia- 
gebrochen >var, betrug, wenii ich nicht irre» bios die 
Anzahl der Kapuziner in alien Welttheilen ilber 3o,ooo 
Kopfe : man schliesse nun auf die geistliche Hauptarmee ! 
An ihrer'Spjtze batten sie in Rom einen fbrmlichen Ge- 
neral , uDd so gingen sie , mit ihren langen , dichten Bar- 
ten , dem Qeer der iibrigen Monche yoran als dessen Sa- 
peurs oder Zimmerleute* Von dem Zeitsturm ergriffen, 
5chmolzen sie in hohem Grade zusammen; doch erlaubte 
man, in den meisten sakularisirten Landern, ausschliess- 
lich ihncn , als dem Aerario gleichgiiltig, fortdauemd das 
Tragen der Uniform uud das Betteln; vom General war 
•elbst im Hauptqfuartiei^ lieine Rede mehr. Seitdem aber, 
durch einen neueti Umschwung der Dinge begunstigt , ha- 
hen sie sieh wieder sehr stark relirutirt; auch erfreun sie 
sich, 6fFcntlichen Nachrichten zufolge, sogar wieder einiss 
Generals^ und eben dieser Umstand erinnert mich an fol- 
gendes Gescbichtchen Von Zach* 

Ihm sagte eilimal der Hurfurst; In wenigen Wochen 
Itommt der Kapuzinergeneral nach Mainz, er ist ein gros- 
ser Freund und Kenner der Musik; nehm' Er sich recht 
zusammen , Zach, und geb* Er ihm etwas ganz Vorziig- 
liches Ton Seiner Kompositlon zum Besten, •— Gut, erwie^ 
derte Zach , Sie sollen zufrieden seyn. 

Der General liam 9 dais Konz6rt ward Tcranstaltet, und 
ihn machte schon im Voraus der Kurfurs.t aufmerksam 
auf das ausgezeichnete Talent seines Kapellmeisters. — 

Die Musik brach los, allein.was bekam der. erstaunte 
General sogleich zu horen? 



Zach. 921 

. Y-ah! — Y-ah! — T-ah! — . 

Der Kurfurst, hierabcr besturzt, warf seinem Gast ci* 
ne entschuldigende Bemerkung hinj dieser liess sich nickt 
•toren. 

Die Mufiili folgtc nun ihrcm eigcnthumlichen ernsten 
Gang, und der Kurfiirst athmete wieder freij er hoffte, 
die Genialitat sei glucklich uberstanden; allein ihn er- 
fichrelite bald wieder das abscheuHcbc Gebriillc Y - ab ! — 
Y-ah!— Y-ah!— ^ 

Seine Verlegenheit granzte an Verzweiflung, der Gc% 
neral bingegen verwandte noch immer weder Auge noch 
Ohr. 

Aber als nun das entsetzliche Thema noch zwei, drei- 
mal eingetreten war, da winkte der erzurnte Furst sei- 
nem Kammerdiener, uifd gab ihm Befohl, dem unsinnigen 
Kapellmeister augenblickliche Stille zu gebieten. 

Der General fiel ihm bittend in das Wort. Storen Sie 
nicbt , sagte er , den seltencn Kiinstler in seinem bestea 
Than. Ich. weiss recht wohl, wohin er mit seinem tollen 
Tbema zielt. Man hat ihm ohne Zweifel gesagt, dass ich, 
als General des Hapuzinerordei^s, alljahrlich, bei unsrer 
grossen Prozession in Rom , auf einem Esel reiten muss^ 
und diese ihm ganzlich fremde Sitte hat ihm etwas allzu- 
lebhaft vorgeschwebt. Bisher hat er ien 8at^ meister- 
haft durchgefuhrt , und ich wiinsehe Ihnen Gliick , einen 
solche.1 Mann an der Spitze Ihrer vortrefilichen Kapelle 
zu sehen. 

So kunstliebend und menschenfreundlich nahm der 
Kapuzinergeneral den barokken Einfall, und am Ende 
ferzieh ilm sogar der KurfUrst nut lachender Naciisicht. 

Main^. 

F. IV* Jung, 



228 

V'ormalige 

Stimmung des Contraviolons. 

JL heils in Lehrbiicherii , theils in anderen Schrif- 
ten • findet man sehr verschiedene Arten von Stim- 
mung des Contraviolons angegeben , wie z« B. bald 
F A D Fis A, bald E A D G, oder D A D G, 
bald auch G D G, G D A, oder A D G, u.dgL; 
das8 aber das Instrument auch in G C F ge* 
stimmt zu werden pflegte, war wohl bis jetzo 
wenig oder nicht bekannt; es geht dieses )edoch 
wirklich aus einer, in einem Archive hies^ger Ge* 
gend vorgeftindenen , in Urschrift vor uns liegen- 
den Urkunde hervor, welche, obgleich mit kei* 
nem Datum versehen^ dem ^scheine nach kaum 
ein Jahrhundert alt sein^mag, und welche wir, 
zum Theil auch ihres sonstigen, naiven Inhaltes 
wjegen, nachstehend^ mit diplomatisaher Treue, 
abdrucken lassen. 

Sjfeeijication 

1. @<n( {t&(rf|)Otttt(»e eaitte.ium tiffTen g. su mx^tx tal/.iia 
ttttMem Bass 6eftn^(i*e r. genprnmrn »ir^. 
-2. efn nfttfS c. 

Nb. oi^tie %it%\^t ed^Mlnev %xU\i an mixUXu unt ®viff6rm. 

ertottrte alio 3^r^ J&o*farftl. ?Dttr*r. Jjpl^e ^xiSt>mt ^tmt* 

.mrc mix tol ta)it ^tm\t\^Xt (S>tXt> iMtn foa; ingUif^ i^itte nnter* 

tljffnigft ttm elttftt ©aitl, unb freuen Sefttawfl* « 8ettu( / toeil ^a« 

wflnfle lyicr irt*t }tt UUvmttk, ttn» UfrUanrt mit mum^mfim 

Mesp§et 

iintettl)antdfter 



229 

Abhandlung 
if b e r die Menschenstimme 

iron 

Felix Safari* 
Mit einem Vorwort ron Gfr. Web«r. . 



V o y w o r t. 

Wer immer die in den friihcrctt Heftcn dcr CHcilia •> 
enthaltcnen Beirachtungen uber diesen G^genstand, mit 
•Theilnabme gelesen hat und i^er iiberbaitpt Interesae Mr 
diesen so wicbtigen Zweig der Tonlehre begt, denf 
wird die nachstehende Abhandlung eines anerkannt trcfF- 
licben Physikers gewiss hochst beacbtenswerth erscbei'* 
nen , zumal da sie , aucb abgesehen yon ihrem sonstigen 
Inhalte, und selbst yon dem' Werth oder Unwerthe der 
bier aufgestellten , Ton alien bisberigen wieder wesent- 
lich verscbiedenen , neuen Hjpotbese und ErklSrart der 
Tonerzeugung in der Menscbenkeble im Allgemeinen , je- 
denfalls £ine bocbst wichtige, ganz neue Ansicht ent- 
bait) welcbe eine der Hauptschwierigkeiten ganzlich bebt, 
die bisher alien Erklarem der Menschenstimme zu schaf* 
fen gemaebt batte, — eine Ansicht, w«lcbe ubrigens so sebr 
nabe liegt und sicb jedem ErklSLrer scbon ISngst so oiFen- 
bar glcicb auf den ersten Blick batte aufdringen musson 
und sollen, dass tean nur gradezu sagen mogte, alle 
£rklSrer, von djon aUesten bis auf Dodart, und yon Do- 
dart bis auf micb selbst , den neuesten , miisaen eben or- 
dcntlich blind geweseu sein, dass sie den so nabe liegen* 
den Umstand. unbeacbtet liessen. 

Es sei mir erlaubt, um das Interresse f&r die geist- 
reicbe Abhandlung **) su weckea, auf die ebeBeyvabnte 

•) 1. Bd. (Heft 1 ,) S. 8x — io3, und 4. Bd. (Heft i4,) 

S. ibby i57» 161.' 
**) yvelche icn, aus dem XXX. Stiicke 'der Annates de 
Chimie et de Physique von Gay^Lussac und ArragOf 
Tom Sept. 1829,. mit aller mir mogUcben Gcnaiiig- 



\ 



230 Sauart uher die 

eigene neue Anaicht, ohne Anstand don ioteressantesten 
Theil der ganzen Abhandlung, mit einigen Worten yor- 
liiufig aufmerksam ku machcn. 

Es war bei alien bisherigen Bctrachtungen der Men- 
schenstimme imni«r einigprmasen ralhselhaft, geblieben, 
\yie das menschliche Stimmorgan 9 bei seiner Klein- 
beit, doch so tiefe Tone, wohl bis KUm tiefen , so- 
genannten grossen G binab^ anzugeben und kraftig an- 
zugeben yermogc. Denn sollte die tonende Kehle ais ei- 
gentliches Blasinstr.ument, etwa wie eine olTene Labial- 
Qrgelpfeifef angesehen werden, so miibst^ sie, um £• fi. 
das grosse G anzugeben, acht Fuss lang sein, und e& 
ist^ (wie ich auch S. 83 meineT obcn in der Anmerkung 
erw^hnten Abhandlung erinnerte,) ordentlicb unbegreif- 
lich, dass eine sole he Erklarart auch nur jemal bat- 
te aufgestellt werden konnen. — 

Aber auch diejenigen Erklarer , welche das Stimmor- 
gan als ein Saiteninstrument, und die Stimmbander als 
Saiten betrachten iivoUten, fanden dicselbe Schwierigkeit, 
anzgnehmen, solche nur wenige Linien langen Stimm- 
bander sollten so tiefe Tone erzeugen konnen! -— (am 
angef. O. S. 84 u. 91.) 

Alldrdings fallt nun ^war bei meiner, (an den eben 
besagten. Or ten aufgestellten und ncuerlichst auch von 
Chladni sancirten) Erklarart, nach welcher die Menschen- 
kehle nach den Schwingungsgesetzcn einer kupzen Zun* 
genpfeife wirkt, jene Schwierigkeit ganzlich^ und von der tag- 
lichen Erfahrung bestattigt, hinweg, indem es auf Orgeln 
Zungenpfeifen giebt, welche, bei einemGorpus von kaum 
acht ZoU LSnge, doch das grosse G sehr kraftig angeben. — 
Hcrr Savart aber hat eine w ei t e r e Entdeckung gemacht, 
welche unter alien Umstanden die Erscheinung so tiefer 
Tone aus so kleinen Tonwerkzetigen noch weiter und 
liber die Masen erleichtern hilft. 



keit ubersetzt habe, mit alleiniger Hinweglassung 
der Einleitung des % 1 , welche sich bios mit einer 
Widerlegung der Hjpothesen des Dodart. und Fer- 
rcin beschartigt. GfV, 



menschL Shiest imme. 231 



Er bat namlich entdeckt, dass eine Orgelpfcife^ zutnal 
eine etwas Icurz und w^it gebautc, wenn man ihre WSn- 
de, statt aus eineii^ steifen Korper, wie Holz oder 
Metall, Tielmehr aus einem elastisch-weichen Stoife, t, B. 
aus Pergamcnt, bildet, in dies«m Falle bei wcitem tiefer 
tont, als eine holzerne oder metallene yon gleicher Gros- 
^,*) und dass, je nachdem man ihre pergamentnen Wiinde 
mehr und mehr, (etwa durch feuchte Dampfe,) erschlaflPt, 
ihr Ton bis um zwei Octaven ilirer sonstlgen Tonbohe 
berabsinken kann. — Nun ist abcr auch die Bohre, aus 
i^elcher unsere Menschenstimme herrortont, ja cbenfaUs 
aus elastisch-weichen WSnden gcbildct, und es ist dd- 
hcr, sobald man dieses mit in Anschlag bringt, nicht im 
entferntesten mehr zu Tcrwundern, dass das menschliche 
Stimmorgan so tiefe Tone zu erzeugen yermag, sondern 
es ist Tielmehr uur verwundersam , dass, von uns samint- 
lichen bisherigen ErMarern der Menschenstimme, indcm 
wir das Stimmorgan mit einer Orgelpfeife verglichen, 
noch heiner darauf verfallen ist, zu untersuchen, ob eg 
denn heinen Unterschied mache, dass die Kehle nicht Holz, 
nicht Metall, sondern linorpelig elastisch ist? — !! — 

Man sieht iibrigens wohl, dass die Savart^sche Ent- 
dechuDg die besagtc bisherige Schwieriglieit zU Gunstea 
mehr als bios Einer Erklarungsart der Tone der Men- 
schenstimme hebt und beseitigt , — und also nicht allein 
zu Gunsten der neuen , Sarart^schcn , sondern* eben so 
auch der bisherigen Erhlararten , — (nur freilich nicht 
auch zu Gunsten dei^ Ferreinschen Saitcntheorie.) 
Denn schon gleich die ErMarung des Stimmorgans 
fiir ein Labial - Blasinstrument erscheint jetzt .nicht 
mehr widersinnig, (nur schade, dass die bisherigen An- 

*) Ohne Zweifel indem die elastisch en Wande, nach 
Masgab ihrer Spannung, sich der Schwingung der 

• Luftmasse anschliesscn und gleichsam sich daran han- 
gen und sie zuriichhalten, ungefahr auf ahnliche Art, 
wie ein , an eine sclwvingeudci Aeolin - Zunge ange* 
Mebtes Kliimpchen Wachs oder Sigellach, indem es 
ihre Schwingungen mitmacht, dieselben verzogert 
und ihren Ton crnicdert. Gpv, 



2i^ Savart iiber die 

• 

lianger dieser Hjpothese selbst, dlesen einzigcn Umstandf 
^^loher denWiderfiinn derselben hatte losen kdxuien, erst 
dem Hrn. Savart zu bemerkcn uberlassen mussCen!) --^ 
IVoch wohler als. ^iese Hypothese befindet sich bei Sa- 
Tarts Entdeckung meine Erkl^rart: denn ivenn durch 
diese schon an sich selbst die Scliwierigkeit beseitigt war, 
so findct sie in der Savart^schen Entdeckung, welcbe ilir 
diese Beseitigung nocli so entspheidcnd erleichtern hilflt, 
noch eine liochst vollkommenc, und machtige, man mocii- 
te sagen unwiderstehliche Alliirte. *) — <^Auch flelbst die 
Annalim des Herrn Liskovius, der Mensch singe wie 
er pfeife, konnte, i?venn sie in sich selbst klar ivare, 
durch SaTarts Entdeckung vielleicht gewinnen. ' Savart 
abcr bedient. sich derselben zur Unterstiitziing seiner 
Hypo these von der Menschenstimme, welche aufzustelleo 
cig^ntlich der Hauptzweck seiner Abhai^d.lung ist^ und 
worin daher die Erwahnung der befraglichen Entdeli- 
kungnur beiiaufig mit vorkommt. 

Diese Savart'sche Erkliirung der MenschenstiniTne selbst 
besteht iibrigens d«|rin, dass die Tonerregung inn m^ns^hli- 
chen Kehlkopfe ungefahr auf dieselbc Art vor sich gehe, wie 
•in den kleinen kapselformigehPfcifchen, deren die Jager six;h 
^u bedienen pflegen, um yerschiedeue Vegelstimmen nach- 
zuahmen und in welchen die Tonerregung darauf beruhe^ 
dass die Luft durch zwei einander gogenuberstehende,'enge 
OiTnungen hindurchgetrieben und dadurch zum Oscilliren 
angeregt werde, **) Der solchergestalt die Tonerregung 



*) Dtenn dass elastische Wande auch auf die in ciner 
Zungenpfeife enthaltene Luftmas^e^ und durcli 
diese auf die Schwingungen der Zunge selbst in ei- 
ner der vorstehend S. aoS^ angedeuteten Arten ein; 
wirken konnen, mogte \vohl unbesehens anzuneh- 
men und muthmaslich leicht durch Versuche eu be- 
stattigen sein« • GPV* 

*) Wenn diese ErklSrungsart der Klangerregung eini^^ 
Ahnlichkeit mit der des Herrn DnLisko-vius zu haben 
scheint. so unterscheidpt sie sich von derselben dock 
Avesentlich , und schon dadurch , dass j indess dieser 
uns bios sagt, der iVIensch singe wie er pfeife , und 
die Stimme entstehe durch da« Stromen des Athems 



menschl, Sing^timnie. * 233 

bewtrliende Kehlkopf leistet demnach in der, yon dem 
Hinter- und Vordcrmunde gebildet werdeiiden Robre, 
denselben Dienst, Avie das Labium oder Mundstiick in der 
Bohre eincr offnen Labial - Orgelpfeife , so dass die T6nc 
der Menscbenstimme nacb den Gesetzen 6iner Orgclpfeife 
aus der Klass^ der Flotenwerke erzeugt werden („que 
la production de la yoIx est analogue a celle du son 
dans les tuyaux de Flute" u. s. w. § i. ) Die willkur- 
liche Eraeugung bald boher, bald tiefer Tone aber bcruht 
darauf, dass theils die Spannung der elastisclicn Wande, 
mittels der dazu vorliandenen Muslieln, bald erhoht, bald 
nach«yelassen, bald auch die zwei Offnungen, durch wel- 
cbe die Luft hindurchgelrieben wird, vergrossert oder ver- 
Ideinert werden li5nnen, ibeils anch das Verhaltttis des 
oberen Durcbmessers der Rohre zu ihrem Unteren ver- 
Sndert werden kann, u. s. w. 

Die nahere Entwickelung dicser Ideen in der Abhand- 
lung sclbst {§ 2 bei &,) verdient, ibrer ganz^n Ausflihruug 
nacb , tnit Aufmerksamkeit gelesen zu werden. Es sei }e- 
docb et^aubt, bier scbon einen, wohl nicbt unerheblichen 
Zweifel zu dussern gegen die Haupt-Idee selbst. 

Es ist wobl ganz dieserldee consequent, wenn der Ver- 
fasser im ^3 annimmt, dass, so wie der Ton eincr Labial* 
pfeifo tiefer werde, je mebr man ibre obere Mundung 

Tcrengt, auf gfleiche Weise auch das Verengen der OilPnung 

■ ' » <. 

d.urch eine cn£e Offiiungf — bei Sayart zwci durch 
einen hohlen l^wischenraum getrennte enge Offnun- 
gen liguriren, durch welche hindurcbstromend, der 
Luftstrahl die in jenem Raume enthaltcne Luft- 
masse yibriren macht, und dass in der Abhaudlutig 
die Art, wie der durchstromende Luftstrahl die Vi- 
bration der Masse bewirkt, ausfuhrlich erklart, und 
also nicht erst die Frage unbeaatwortet gelassen 
wird: wie pfeift er denn? Vergl., Cdcilia 4. Bd. 
(Heft 14 p. i56.)* — Bemerkenswerth ist iibri- 
gens, dass die , von Ghladni am eben angef O. $» 
1&9 gegebene Erkiiirano' des Pfeifens durch mitwir- 
kende Erzitterung der liippenrander von der sonst 
nur crwafanten Tonerzeugung durch HerrorstrCmen 
der Xiuft aus ciner OfTnung mit festen Rlindern, 
Micder wesei&tllch rerscbieden ist. GPV, 



234 • Savart Uber die . 

* 

des Mundes zur Verdefung des Tones der Stimnie bei- 
trage. Dieses milsste in der That der Fall scin, wenn der 
menscliliche Stimmapparat wirkHch nach Art einer sol- 
chen Labial -Ffeife wirkte. Allein {hiergegen streitet die 
entschiedenste Erfabrung. Jcder Sanger weis, und selbst 
jeder Andere, der nur einen Ton zu sin gen yerms^g, liann 
es ;edeu Augenbllcli an sich selbst Tersuchcn, das3 das 
Verengen der MundofFnung nur den Klang der Stimme, 
nicht aber die Hohe des Tones yerandert^ — pder man 
scbiebe, wabrend man einen Ton singend aushalt, die 
Hand oder ein Blatt Papier u. dgl. yor den Mund, und 
man yyird dasselbe Ergebnis bemerken, — indess doch 
eine Labialpfeife , zumal eine weit und kurz gebaute^ 
durcli Vor^chieben der Hand yor ihre Miindnng, um meh- 
rere Tone ti^efer wird. — Beweis genug, dass das mensch* 
licbe Stimmorgan keineswegs, wie Hr. Sayart annimmty 
nach den Gesetzen ofFener Labialpfeifen yyirkt. 

9a, im Gegcntheil, bei Zungenpfeifen , Kumal bei 
kurzen , das Verengen der Mundung bekanntlich nicht 
auf die Tiefe des Tones , sondern nur auf desscn Klang- 
farbe wirkt, so scheint der ebenerwShnte Versuch yiel- 
mehr grade m einer Annahmi dass das Stimmorgan nach 
den Gesetzen einer kurz^n Zungenpfeife wirke, 
aufs Einleucblendste zu bewabren. 

Im Cbrigen yyird der Sacbkundige Leser .im Vexiau- 
fe der ALLandlung frcilieh zuiyeilen etwas Befremdliches 
finden, z. B. die Annahnte, dass das Mundstiick einer 
Labialpfeife, yon ihrer Bohre gctrennt, denselben Ton 
gebe, >yelchen es zuyor, mit der Bdhrc yerbunden,- ge- 
geben hatte, (ich babe solehe Stellen, um zu zeigen, 
dass die Schuld nicht an memer Ubersetzung liege, zu- 
gleich in der Urspracbe mit abd^ucken lassen,) — so wie 
auch dass der Yerf. den Unterscbled yon Brust- und 
Fistelstimme nur so fluchtig, die Erschoinung des Muti^ 
reus aber und des sogeiiannten Judenbasses (CdfW/. i.B. 
(Heft i) S. io3) gar nicht beacbtet, dass er auch iiber- 
haupt nicht yoUkommen mnsikkundig zu sein, den Urn- 



% rnenschl. Singstimme. 



235 



fimg der Terschiedenen mannlichen und weiblichen Sing- 
stimmcn nkht iiberall genau zu untcrschciden und dltf 
OctHTen zu Terweclifieln schrint. 

Im Ganzen aber gewShren die Savartischen Forschun- 
gen jcdcnfalls der Wissenschaf^ eine hocbst dankenswerthe 
Bereicherung. Cfr, PVeh$r, 

.... xJerKlang derMenschenstirame hat eiiien el- 
genthumlichen Charakter, welchen kein Tonvrerk- 
zeug nachzuahmen vermag, wie dies auch niclit an- 
ders sein kann^ da der Mechanismus, durch welchen 
diese Klange erzeugt werden, von der Tonerzeu- 
guBg bei alien unsern Instrumenten gUnzlich ver«- 
schieden ist. Wir werden jedoch sehen, dass die 
Erzeugung der Stimme der Tonerzeugung- in La- 
bialpfeifen analog, und dass die im Kehlkopf und 
Munde enthaltene kleine*LuftsMuIe, vermdtre der 
elastischen Beschaffenheit ftirer Seitenwande, und 
der Art und Weise wie sie angeregt wird, fahig ist^ 
T5ne einer besonderen Gattung zu erzeugen, welche 
weit tiefer sind^ aU man, ihrer Dimension zufolge, 
wohl glauben soUte. Um diesen Zweck zu errei- 
chen, mussen wir zuvorderst einige bis jetzb un- 
bekannt gebliebene Thatsachen feststellen. 

§ 2- 
(a.) In Ian gen Orgelpfeifen ist hekanntlich 
die Geschwindigkeit des erregenden Luftstrahls von 
nur geringem Einfiuss auf die Anzahl der Schwingun* 
gen: wenn z.B. eine Pfeife zehn bis funfzehnmal so 
lang als dick ist, so hsilt es schwer^ ibren Klang auch 
nur um einen halben Ton zu alteriren; ilbertreibi 



236 Savart iibcr die 

man den Wind, so liberschlMgt sle sich In die Octavet 
l^st man ihn aber nur sehr langsam einstrdinen, so 
vrird der Klang zwar sehr schwach, aber nur fast 
unmerklich tiefer. In kurzen Ffeifen hiagegen 
aussert die Geschwindigkeit des Luftstrahles weit 
grdssere Wirkung, und in Tviirfelfdrmigen Pfdifen 
so grosse, dass man iliren Ton dadurch wohl um 
eine voile Ouinte verandern kann , wobei Jedoch 
immer £;n gevvisser Ton am leichtesten anspricht, 
und reiner und yolW ist als ^lle iibrigen. 

Noch betrachtlicher ist der Einfluss der 6e- 
schwindigkeit des Luftstrahls in den Pfeifchen, de« 
reiisich die JSger zu bedienen pflegen, um dieStim- 
me gewisser Vdgel nachzuahmen. Dieses^ gew6hn- 
lich beinerne, hdlzerne, oder metallene Instrument 
wird auf verschiedene Art gebildet : bald ist es ein 
zylinderfdrmiges Kdhrchen, von 6 bis 9 Liinien 
Durchmesser und 4 Li^ien HOhe, beide Orund- 
flachen durch eine diinne Platte geschlossen , in 
deren Mittelpunkte sich eine Offnung von etvva 2 
Linien Durchmesser befindet; — bald ist es ein 
halbkugellormiges Gef^schen^ gleichfalls mit zwei 
einander gegeniiberstehenden Miindungen. (Fig. 
1 Dl. 2 der nachstehenden Kupfertafel.) Die Ja- 
ger setzen dieses Instrument zwischen die Zahne 
und LippeUf und bringen so verschiedene Tdne 
hervor, indem sie dieLuft durch. die beidenMtin- 
duagen durch treiben* 

Man erreicht dieselbe Wirkung noch sicherer, 
wenn man das kleiae Instrument mit einem zy« 
lindrischen Windkanal (porte-uent) versieht (Fig. 
3*)- MsLtk findet alsdann, dass es den Tonumfang 



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menschL Singstimme* 237 

lUer anderthalb bis zwei Octaveii umfassen kann^; 
tw6hnlich vom c bis c *) Versleht man aber^ 
,e Geschvvindigkeit des Luflstromes recht in seine 
ewalt zu bekommeuf so lassen sich wohl nocb 
el tiefere Tdne eutlocken , so dass das uoch weir 
ire Yertiefen des Tones nur durch die Unthun- 
chkeit noch spMrlicheren fiinblasens begrenzt 
sheint. Auch das Hinauftreiben des Tones schein^ 
eine bestinunte Grenze zu haben; die Tonhdhe 
feigt fortwahrend init der Geschwindigkeit des 
iuftstromes. 

. Die auf diesem Instrumente erzeugbaren ver«- 

ihiedenen Tdne sind voi^ sehr verschiedenem Cha- 

ekter; die liefsten dumpf uiid schwach, die 

idcheten unertrMglicb grell^ die Mitteltdne aber 

aerkwiirdig volly rein und stark, zumal wenn 

las Instrument sorgfaltig gearbeitet ist. AUe er- 

innern an die TdnOf welcbe man auf dem Mund« 

itiick {Embouchure) einer Pfeife erzeugen kaniiy 

deren Rdhrenfortsatz hinweggenommen ist'*'*); die 

Klangfarbe isi dieselbe, und bier wie dort ist es 

mdglich, einen Tonumfang von andertbalb bis 

zvY^i Octayejd bios mittels Verst^rkung des Windes 

zu durchlaufen,.so dass man muthmasen kdnnte^ 

es finde in beiden Fallen diesetbe Art von Ton- 

erzeugung statt« 

Man kann das ervrShnte Instrument um das 
Doppelte undVierfache vergrOssem, oder es auch 
verkleineni und sonst versehiedentlich yariirent 



*) (m Franzdsischen lieisst es; ^^de ut^ h ut^.^^ 
**) Im Fransosischen : ^lls ent tons une analogie trh' 
marquee avec ceux qu*on -pent fairs rgndr$ k uns fin- 
hou^re isvlee de son tujrau,*^ 



238 Savart Uber die 

die Ergebnisse bleiben immer von derselb^n Arl, 
liur dkss bei grdsseren Dimensionen leichter tie- 
fere Tdne zti erzeugen sind. Bei einer gegebenen 
Grdsse wird aber immer Bin Ton leichter anspre- 
chen ak alle iibrigeti; imd verMndert man eine 
oder die andere seliier Dimensieneny so wird ein 
anderer Ton als der vorztlglichste erscheinen ; so 
dassy wenn es thunlich vr^re, einem soldien In* 
strumente eihe solche Einrichtung zu geben, dass 
.der. Umfang seiner Hdhle verlndert und der^ einem 
jeden Tone zusagenden Beschaffenheit, angepasst 
werden kdnntey alsdann alle Tdne mit gleicher 
FiiUe erzeugt werden kdnnten. ITbrigetts ist^ ua- 
ter sonst gleichen XJmst^nden^ der Durchniesser 
der Mundungen ron sehr merklichem Einfiuas auf 
die H5he oder Tiefe des Tories; im Allgemeinen 
erzeugen breitere Miindungen audi tiefere Tdne. 
Was in diesen Fallen die Art der Klanger- 
zeugung selbat angeht , so scheint sie daranf zu 
beruhen 9 dass der Luftstrahl ^ welcher die bei- 
den Mundungen durehstrdmtt) die in der Hdhlung 
enthaltene kieine Masse von Fliissigkeit mit sich 
fortreissend 9 die Federkraft derselben verminderl 
und sie dadurch unfahig macht^ das Gleichgewieht 
gegen den Drtick , der AthmosphMre zu haiten, 
welche 9 auf dieselbe zuriickwirkend ^ sie wieder 
zuriickwirft undzusammendrdtekt) bissie^ vermdge 
ihrer eigenen Federkraft und unter dem Einflusse 
des fortwahrenden Luftstromes 9 neuerdings ver- 
diinnet und sofort wieder verdichtet wird u. s. w.'*') 



*) Im Franz osiscli en : ^^Ouant a la -production mime des 
sons dans ce cas^ il semble qu'elle soit due h ce que le 
€Ourant d*air qui traverse les deux orifices , entrainant 



menschl. Singstimme. 239 

Man «i6ht wohl, dags diese schnell aufeinander« 
folgenden abwechselnden ZustHnde Wellen erzeu« 
gen mitssen,' vrelche sich der Sus^eren Luft mk« 
tkeilen uhd dadurch das Geftihl eines beatimmi^n 
Tones erzeugen. Es ist jedoch zu bemerken^ dass 
die Beschaffenheit der WMnde selbst, aus welchen 
das Instrument besteht, einen Einfluss auf die 
Zabl der Schwingungen und die ^ualitSt des dar aus 
hervorgehenden Tones aussern ; man bemerkt^ dass, 
wenn diese Wande nur von geringer Dicke sind, 
dieselben mit vieler Energie vibriren, und die 
Klange etwes Herbes und KldfFendes haben; und 
dass^ wenn man auf einem' halbkugelfdrmigen In- 
strujnente dieser Art die grade Platte durch ein 
diinnes Blatt irgend eines dehnbaren Stoffes, z.B. 
durth Pergament, ersetzt,, alsdann die KlSnge leich- 
ter ansprecben^ und im Durchschnitt weit tiefer, 
weit roller und angenehmer sind, als wenn diese 
Wand aus eineni festen Kdrper besteht; 

Endlich kann auch die Ricbtung der Rander 
der Miindungen vpn Einfluss duf die Beschaf- 
fenheit des Klanges sein. Sind sie in entgegen- 
geselzter Ricbtung schief gegen das* Innere der 
Hdblung gericbtet (Fig. 4)9 so sind die Tdne im 
Ganzen tiefer und* minder laut.> "*") Bei dieser 



avec lui la petke masse de fluide contenue dans la ca» 
vit^j en dhuvtue la force ilastique^ et la rend par 
consequent incapable de /aire ^quilihre a la pression 
de ^atmosphere y qui, en reagissant sur ell§y la re- 
foule et la comprime^ jusqu'a ce que, par son propre 
ressort et sous I'injluence du courant qui continue tou" 
jourSf elle suhisse une nouvelle rarefaction suivie d*un9 
seconde condensation^ et ainsi de suite,** 
*) Im Franzouschen : ^^horsqu^on les incline en Sens eon' 
traitef de maniire qu'iU solent diriges ohliquement 



240 ^wart uber die 

Einrichtttiig scheint der Rand d^r Miindungen, 
gegen welche der Luftstram sich stdsst ^ auf ahn- 
liche Art wie das Labium der Orgelpfeifen za 
wipken. Er kana «ehr dick und abgerundet sein, 
wie in Fig. 5^ ohne dass dies eine bemerkens- 
werthe ^Anderung bewirkte. '&^^ ^ bemerkt 
man 9 dass das Labium einer Orgelpfeife nicht 
grade uothwendig schneidefdrmig gebildet zu sein 
braueht) dass es yielmehr wohl eine bis zwei Li- 
nien dick^sein. und doch nach wie vor den Ton 
erzeugen kann. 

(&.) £s ist allgemein angenomibeny dass die 
Zdhl der Schwingungeny welche die in einer Or- 
gelpfeife eingeschlossene Lufts^ule voUbringty gar 
nicht von dem Stoffe abhange, aus welchem die 
Pfeife besteht. Die Erfahrung bestatigt diese^bei 
sehr langen^ aus festea Seitenwanden bestehenden 
p£eife/a; anders aber zeigt es sich bei kurzen 
Ffeifen, und die Beschaffenheit des Labium kanni 
selbst bei langen Pfeifen, grossen Einfluss auf den 
Ton haben. Wenn man z. B. » bei einer Orgel- 
pfeife von<4 Fuss LMnge und 2 ZoU Seitenflachei 
an die Stelle des steifen Blattes^ welches das La- 
bium bildety ein Blatt von irgend einem elasti- 
schen Stoffe 9 wie z. &• Leder oder Pergament, 
setzt^ und dieses so einrtchtet, dass es willkiir- 
lich angespannt werden kann, so findet man, dass^ 
indem man diese Membran mehr und mehr epannt 
und zugleich die Schnelligkeit des Luftsjtromes 
beschleunigt, der Ton wohl um eine Ouarte oder 



ve^s VinUrieur de la cavit^ (Fig. 40 » ^^ ^fWS J^rU 
sn SQM'ral plus grapa H moias /glatans*^* 



menschL Singstinime. 241 



t 4 

Quinte verMndert werden kann. In kiirzeren 
Pfeifen aber kann, wenn der, hier noch grdssere 
Einfluss der Geschwindigkeit des Luftstrahls sich 
mit dem der Spannung des Labium vereinigt, die 
Wirkung noch bedeutender sein. Auf diese Art 
kann der Ton einer cubischen Ffeife leicht um 
eine ganze Octave erniedert werden, wenn die 
ganze Wand, welche das Labium , die Lefze, bil- 
dety verschieden gespannt werden kann; sind 
iiber alle Wande einer kurzen Pfeife so beschaf- 
fen^ dass sie gemeinschaMich mit der darin ent« 
haltenen Luft schwingen kdnnen, und dass ilbri* 
gens ihre Spannung verandert werden kann, so 
ist ihr Einfluss auf die Anzahl der Schwingungen 
so gross, dass es scheint, als lasse sich dadurch 
der ^oif ins Unendliche vertiefen. Man bilde %• 
B. eine cubiscbe Pfeife aus Papier oder Perga* 
ment iiber viereckige Kahmen gespannt, welche 
man dann zu einem Wiirfel verbindet, so wird, 
wenn diese elastischen Wande straff -gespannt 
sind , 'der Ton fast so hoch sein, als er bei stei- 
fen WSnden sein wiirde; arermindert man aber 
nach uiid nach ihre Spannung, indem man sie 
entweder benetzt, oder durch feuchte DMmpfe er<^ 
weicht, so sinkt, so wie ihre Spannung nachiasst, 
der Ton immer mehr,' und wohl iiber zwei Octa- 
ven herab , ohne unhdrbar zu werden ; er wird - 
namli.ch je tiefer desto schw^chen Wird dieser 
Versuch mit gehdriger Vorsicht bei stiller Nacht • 
angestellt', so vermag man die Grenze solcher 
Erniederung gar nicht zu unterscheiden. Mittels 
aufgestreuten Sandes iMsst sich becpiem nachwei- 
sen, dass die Wandq dieser also membrandsen 



242' Sauart iiber die 

prelfe unter dem Ehiflusse dar Luft heftig mlt- 
orzittern; gewdhnlich zeigt )fjde Wand eine ellp- 
tische oder zirkelfdrmige Knotenlinie von veran* 
dcrlichem Durchmesser. Man bemerkt, dass die 
obere und die untere Wand am heftigsten vlbri- 
ren und den vvirksamsten Einfluss auf die Ernie- 
derung des Tones aussern. 

Kurze 9 an beiden Enden offene Rdhren , aus 
elastkchen Wanden gebildet, vermdgen eben^lls 
sehr viele yerschiedene Tdne zu erzeugen » selbst 
wenn nur ein Theil ihrer SeitenflUche membranos 
ist. Z. B. eine viereckige prismatische Robre, 9 
Zoll lang und 18 Linien breit^ welche den Ton c 
geben sollte, vermag, wenn die gegen das Mund- 
stiick (Vembouchure) gekehrte HMlfte ihrer Lange 
aus diinnen gespanntcn Membranen besteht, weit 
tiefere Tdne zu geben 9 namlich von t bis Cf und 
wohl auch n^ch einige Tdne der ungestrichenen 
Octave,, 

Was die Qualit^t (Klangfarbe) des Tones mem- 
brandser Ffeifen angeht, so ahnelt sie theils dem 
Klange der Fl6tenweske, theils auch der frei- 
schwingenden Zungenpfeifen ; dass , sie iibrigens 
i^it keinem bekannten Instrumente iibereinkommt, 
ist begreiilich, da es unter diesen keines von ahn- 
licher Beschaffenheit giebt. Es ist gewissermasen 
grade das Umgekehrte unserer Saiteninstrumente : bei 
diesen wird die im Corpus ^nthaltene Luft durch 
die sie umgebenden steifen Wande in Schwingung 
gesetzt; in membranosen Ffeifen hingegen ist| 
umgekebrt, die Luft der urspriingUch vibrirenden 
Kclrpep> welche fieine Schwingungen den Wanden 
erst mittbeilt. 



mcnscliL Singstimme. 243 

C^O Es ist schon fniher dargethan^ dass^ uni 

eine Luftmasse in yibration zu setzen, man an 

irgend einem Punkte ihrer Ausdehnung einen Klang 

unmittelbar erregen muss. So wird in Orgelpfei- 

fen der Ton zunachst am Mundstiicke aelbst er« 

regt , unabliMngig von den Schwingungen der LufU 

sMule y , so dass ein Mundstiick , von seiner Rdhre 

getrennty den nMmiicheh Ton giebt, wie die Kdhreji 

an welche es angefiigt gewesen:'*') die Lufltwellen, 

welcbef vom Orte der Erschutterung ausgehend^ 

sich liber den ganzen Umfailg der Luftmasse ver* 

breiteU) sind es, welche diese zu einer regelmaa- 

sigen Bevvegung bestimmen, wodurch voile und 

angenehme Klange entstehen. So auch wenn man 

einen Glas - , oder Metallstreifen , ein Gldckchen 

u. dgl« an der Miindung eines Gefasses, in wel« 

chem Luft entbalten ist, ertdnen macht^ so geht, 

untef solchem Einflusse, diese Fliissigkeit gleich- 

falls in Schwingungen iiber, und kann sehr voile 

Klange von sich geben. Es ist hiernach zu er« 

warten, dass, so oft man an der Miindung einer 

Luftsaule einen Klang erregt^ dieselbe in Schwin-^ 

gung yerselzt werdeii wird, sofern ihre Dimen* 

sionen der Liange der unmittelbar erregten WeU 

len entsprechen. Wenn man daber an die con- 

vexe Oberflache eines kleinen halbkugelfcSrmigen * 

Instrumentes der oben beschriebenen Art, einen 

Windkanal, vor die grade Flache jenes giber eine 

Rdhre befestigt, (Fig, 6) so wird diese Vorrich- 

tung einen Ton hdren lassen, und zw-ar grade den* 



*) Im Fcanzosischen : ,,J* sorts qu*une embouchure se-pa* 
Tee de son tuyau rend h meme son que le tuyau aU' 
quel elle elait adaptee,^^ 



244 Sat^art uber die 

jenigen^ welcher de/* in der Rdhre (singeijchlosse- 
men LuftsMule zusagt, sofern nur unter den Tdnen, 
welcbe das kleine Gefass angeben kann, sich einer 
findety welchen auch die Luftsaule ans&ugeben 
vermag. ^) Eben dies wird denn auch durch die 
Erfahrung yoUkommen bestatigt^— In einer sol- 
cben Vorrlchtung versieht also das kleine Instru- 
ment die Stelle des gewdhnlichen Mundstiickes 
der Orgelpfeifen , — Man siebt ^ohl , dass das 
Ergebnis dasselbe bleiben wiirde 9 wenn das In- 
strument etwa so grf^taitet ware 9 wie in Fig. 7 
und 8. 

Die durcb das vorgeschriebene Verfahren er- 
zeugten T5ne tragen einen eigenen, von dem Kian- 
ge der gewdhnlichen Orgelpfeifen unterschiedenen 
Charakter: sie kdnnen sehr vol! und laut werden, 
zumal wenn der Apparat aus Metall gebildet istj 
und die Dimensionen der LuftsMule gassend ge- 
wahtt sind; denn die urspriingliche Erscbiitterung^ 
welche in einem sehr wenig ausgedebnten Kaume 
erzGugt wird, wiirde fur LuftsKulen von etwa be- 
.deutenderem Durchmesser unzureichend sein. 

Dieses Instrument vermag, gleich einer offenen 
Orgelpfeife^ nur die Tonreihe C, c, gy c» e, g, 
at -|- c u. s. w. *^) anzugeben. Es kann indessen 
auch der Fall sein, dass das kleine Gefass, wel- 
ches die Stelle des Mundstiickes vertritt, unab- 
bangig von der Liiftsaule erklingt; alsdann sind 



*) Jm Franzosischen s ^^ytburvu que^ -parmi les sons que 
le petit vase -pent rendre^ il s'*en trouve un qui soit 
le m^me que Vun d§ ceux; que la cplonne ^*air pent 
donner,^^, 
♦.*) IiTi Franzosisclien s „«ti, utij soljt w*3> rni^y soljt 
^»jt3» + ut^, etc,** 



mcnschL Singstimme. 245 

aber He Klange schwach und unsauber. Man sieht 
wohl, nach dem welter ob^n Ervvahnten , dass eine 
also emboQchirte Ffeife, aus W^nden von veran- 
derbarer Spannung gebildet, alle mdglichen, in- 
nerhalb gewisser, «ben von der Spannung der 
WMnde und von der Luftmasse abhangender Gren- 
zen liegenden Tdne anzugeben vermdgte, so dass 
die gleichwohl gieringe Luftmasse doch solche 
Schwingungen annebAien kdnnte, welche weit 
tiefere T(>ne erzeugen, als dies bei steifen WMn- 
den der Fall sein wiirde. '^) 

Hat die R6hre, in welcher die Luft erklingt, 
Seitendffnungen y so findet man 9 dass, bei gleich- 
fdrmig fortwiihrendem Einblasen, durch das OfF- 
nen oder Schliessen solcher Ldcher, andere T<ine 
erzeugt werden ; so dass sich auf solches Verfahren 
wohl ein musikalisches Instrument griinden liesse. 

(e/.> An einer gedeckten Ffeife von iiberall 
gleichem Durchmesser ist in der Regel der Gruild- 
ton um ei^e Octave tiefer als wenn die Ffeife an 
beiden Enden offen ist; nicht eben so verhalt ^5 
sich bei Rcihren von ungleichem Durchmesser, z. B. 
bei kegelfdrmigen 9 pyramidalen u. dgl., wenn sie 
am engeren Ende angere.gt werden. Bei diesen 
ist der Unterschied zvvischen dem Tone der offe- 



*) Im Fraiizdsische.D : ^^On conceit^ d^ap^es ce que nous 
avons dit -plus haut^ aue si un tuyau airisi %mhouche 
etait compose' de parots susceptibfes d'affecter diffe- 
rens degres de tension , il pourrait alors rendre tons 
les sons possibles compris entre de certaines limites 
qui dependraient de la tension meme des parois et du 
volume de I'air^ qui^ quoique pen considerable^ pour* 
rait neanmoins affecter des modes de mouvement con^ 
venahles pour Jaire entundre des sons beaucouv plus 
graves que Cdupc que rendrait la rneme masse d'hir si 
tile etoit environnee par des parois resi^tante^^** 



246 Savart fiber die 

nen Rdhre, und dem der gedeckteO) bei glelcher 
Hdhrenlange > urn so viel grdsser, je ^^rdsser der 
Winkel der Seitenw^nde gegeneinander ist. Z. B. 
eine konische Pfeife von 5^ Zoli Lange, deren 
Spitze abgeschnitten ist, deren grosse GrundilUche 
2 ZoU, ihre kleina al>er 6 Linien Durchmesser bat, 
giebt of fen den Ton c, gedeckt aber den Ton e. 
'yfarCf bei .sonst gleicb bleibenden Dimensionen, 
der Durchmesser der grossen GrundflMche noch 
betraphtlich^r , oder die kieiue noch kleiner, so 
\vurde der Ton wohl noch um Mehr erniedert 
iverden kdnnen, und wohl bis iiber zwei Octaven. 
(tf.) £s ist unmdglich, den Mechanismus der 
Stimme zu verstehenj ohne die innere Gestaltung 
des Kehlkopfes zu kennen; man kann sich ein 
klares Bild von diesem Organe dadurch yerscbaf-. 
fen, dass man in dasselbe eine Materie giesst, 
welche.sich ieicht verhartet, wie z. B. Gips. Man 
erhalt dadurch einen harten Kern , welcber ge- 
nau die innere Gestalt dieses Theiles des Stimm- 
kanals darstellt. Fig. 9 ist eine genaue Nachzeich- 
nung eines auf solche Weise gebiideten Kerns, ui A* 
sind die Ventrikeln (Hohlen^. Sie sind, wie man 
siehtf wunderlich gestaltet und sehr ausgedehnt; 
zuweilen gehen sie n,och hdher hiiiauf als in die- 
ser Figur, und ihr Gipf<^l beriihrt den Fettkdrper, 
welcher die GrundflSche der Epiglottis bildet. Ich 
habe zwei Subjecte gesehen, bei welchen sie von 
ihrem unteren Theile bis zu ihrem Gipfel 27^™* 
oder 1 ZoU massen : gewdhnlich betrSgt ihre H5he 
5 bis % Linien. Die Zwiscbenr^ume B B^ waren 
durch die 'StimmbMnder und die thyrio - arytenoid 
deischen Muskeln ausgei|'tllt, dieRaume CC^ durch 



menscJiL Singstimme. 247 

die oberen Binder. Die Fig. 10* stellt denselbett 
Kern von der Seite betrachtet dar; sie zeigt bes- 
ser als die vorhergeh&nde die Atisdehnung der 
Fdlte der Schleimhaut an, welche sich von der 
Epiglottis zum entsprechenden Arytenoideus er- 
streckt. Diese Falte fiillt den Raum A B B^ aus, 
und endet oberhalb der Linie A C* Fig. 11 stellt 
dan Durchschnitt der Rdhre nach der Linie L M 
dar, welche das Organ in eine vordere und eine 
hintere H^lfte theilt. Diese Figur giebt einen kia- 
ren Begriff von der inneren Gestalt des Larynx: 
sie hat I wie man sieht, grosse Ahnlichkeit mit 
dem Apparate Fig* 8* 

.§• 3. r 

Nach den bisher erwahnten Thatsachen kann 

man sich leicht von der Erzeugung der Stimme 

einen BegrifF machen, indem man sich das aus 

dem Larynx, dem hinteren Munde (Rachen) und 

dem Munde selbst bestehende Stimmorgan als eine 

konische Ffeife vorstellt, in welcher die Luft auf 

ahnliche Weise erregt ist , wie in den Fldtcnw^r- 

ken der Orgeln. Solche R6hre%hesitzt alio Eigen-. 

schaften, welche dazu erfoderlich sind, dass die 

in ihr enthaltene Luft, ihres geriiigen Umfanges 

ungeachtet, doch eine liinreichtsnde Anzahl, selbst 

sehr tiefer Tdne, angeben kOnne; ihr untererTheil 

besteht aus elastischen WSnden, welche der ver- 

schiedensten Abstufungen von Spannung fahig sind, 

indess der Mund, nachdem er sich mehr oder we- 

niger dffnet und dadurch die Dimensionen der 

LuftsMuIe verMndert, auch seinerseits bedeutenden 

Einfluss auf die Anzahl der Schwingungen aussert, 

in Verbin'lung mit den Lippen, welche, sich ein- 



2t8 Sav(^rt uber die 

ander nllheritd »^ odor sich wieder dffriend, die 
Stimmrdhre willkurlich in eine, bald offene, bald 
beinah versehlossene j konische Rdbre rerwandein. 
£s ist zu bBmerken j dass der Ton einer koni- 
schen , an der Spitze wenig aufgeschnittenen Rdh- 
re von ungeflihr deinselben Umfange ( Capacitsit [) 
wie die menscbliche Stimmrdbre , und ungefSbr 
gleicher Lange, also von 4| ZoU, nicbt gar viel 
vertieft zu vverden'braucht, um ein der mensch- 
lichen Stimme erreicbbarer Ton zu werden. Eine 
offene !l^feife dieser Art giebt den Ton c. Es 
giebt viel^ MMnnerstimmen, welche dennur um eine 
kleine Terz tieferen Ton a erreichen. Wenn man 
die Grundilache der R&bre grdsstentbeils scbliesst, 
so liesse sicb scbon allein dadurcb der Ton leicbt 

9 

bis €9 und wobl hocb weiter erniedern; er brMuch- 
te ddmnach nur noch um etwa eine Octave ernie* 
dert zu werden, um die tiefsten T5ne einer ge- 
wdhnlichen Stimme zu erreicben. ErvrSgt man 
aber • dass die in der Stimmrdhre enihaltene Luft« 
s3ule, zumal im unteren Tbeile, voit ausdehnba- 
ren Wanden umgeben ist , welcbe in Scfawingiing 
versetzt werden und 9 indem sie an den Schwin- 
gungen der Luft Theil nebmen, auf dieselben mit 
einwirkeii 9 so wird es begreiflicb, dass solcbe Er- 
niederung um eine Octave ganz fiiglich stattfinden 
kann. In der Tbat, wenn man eine pyramidaile 
Pfeife wie AB (Fig. 12) ungefabr von der LUn- 
ge uiid abnlicbem Umfange wie die menscblicbe 
Stimmr&bre, und zwar ihr uiiteres Drittheii C Dj 
au» einer Membran bildet, so kann man aus der« 
selben alle Tdne einer gew6hnlichen Stimme er- 
baiten , indem man bald die Spaiinung der Mem- 



menschL Siugstimmc. 249 

branen erhdht, bald die weite Miindung m&hr oder 
weniger (nur nicht g^nziich) verscbliesst. '*') 

Die einzige bemerkeasvrerthe Verschiedenlieit 
zwischen einer solchen membranartigen Ffeife, und 
der Stimmrdhre 9 besteht in der Beschaffenbeit 
des Mundstiitfkes 9 welches bei letzterer dem des 
Instrumentes Fig. 8 ^hnlich ist. Die Luftrdhre 
TT (Fig. it} laufl oben in eine Spalte aus, weU 
che durch das NUhern oder Entfernen der Aryt«- 
noiden und durcii die Zusammenziehung der thyro* 
arytenoideischen Muskeln^ BB' ^ mehr oder went- 
ger verengert werden kann. Diese Offnung spielt 
offenbar dieselbe Role, wie der Aufschnitt (/tt- 
mihre) der Fldtenwerke; der Luftstrahl, welcher 
aus derselben ausstrdmt , durchlauft den Raum 
zwischen den Ventrikeln und stdsst wider die 
oberen Binder CC'^ welche^ obgleich abgerun« 
dety doch dieselbeii Dienste wie die Sch^fe der 
Orgellabien leisten : die in den Ventrikeln enthal- 
iene Luft gerMth dann in Erzitterung und giebt 
einen Ton, welcher, wUr er isolirt, wohl sehr 
schwacb sein wiirde, welcher aber dadurch Fiil« 
le gewinnty dass die, aus dem Raume zwischen 
den oberen BSndern, ausgehenden Well en , skh 
in die dariiber befindliche StimnMrdhre yerbreiten, 
und hier eine Schwingung dei* Art y wie in kur* 
zen zum Theil membranOsen Pfeifen, hervor* 
bringen. 

Damit nun aber einalso erzeugterbestimmter'^^) 
Ton alio Eigenschaften, welcbe man an ihm kenn^ 
vereine, wird die Spannung des . ausdehnbarw 



«) Vergl. oben, S. s3S, 934. 
•^) In fraxuBOf. ; „!# #911 ddpwitif auui praduh^^ 



250 Sjauart Uber die 

.Th^iles der WSnde der Stimmr5hr« in passendem 
VerhUltirbse zu der derWiinde der VenlrikelDy und 
zu der der unteren und oberen BMnder» stehen und 
der Umfang der Miiadung f durch welche die L»uft 
ausstfdmty f^hig sein miisseny auf angemessene Wei*, 
se verMndert zu werden. Dafiir hAdeitn die Na- 

9 

tur gesorgt, indem sie diese Theile aus elastischen 
oder niuskuldsen Geweben bildete. Der Thyro- 
-arytenQideus bildet fur sieh allein die unteren aus- 
aeren Wande des Ventrikels '^}y und trSgc Jkeines- 
wegij, wie wohl behatiptet wird, zur Bildung des 
oberen Bandes bei* Obgleich ziemlich regular ge- 
Btaltetj ist er doch schwer zu beschreiben und 
selbst zu prMpariren. Auch ist er bis jetzo nur 
dimmer sehr unvolUtMndig und oft unrichtig be- 
sohrieben worden. £s bietet dieser Muskel eine 
innere Ftache dar, welche eine Ebene nMchst paral- 
Idter, ^om unteren Theile des inneren Winkels 
des Thyroideus zum unteren hinteren Thei}e des 
lArytenoideus laufender Fibern, bildet. Der obe- 
re Rand dieser FlRche, deren Ebene mit der 
Achse der Luftrcfhre einen VVinkel von 20 bis 25^ 
bildet I ist mit dem Stimmbande verbuuden. Die 
Mussere Flacbe neigt sich nach der inneren hin^ 
so dass sie zwischen ^ich einen Winhel lassen , 
^ssen Spitze ab\Varts gekehrt ist* Die Fibern, 
•welche diese zweite 'Flache bilden^ erstrecken 
sich facherfdrmig und gekriimmt von unten nach 
pben und* von vorn nach hinten » und ihre oberen 
CxtremitMten verlieren sich in dem Um&nge der 
iNreiten Falte welche die ^chleimige Membran zwi- 



> • 

*) Im Franzas. : ,»Lc thyro-aryttaoidUn forme a lui stul 
Us parois in/e'rUurf4 ct^^xtemas du v$titrieule^^^ 



menschU Singstimmc. 251 

schen der Epiglottis und dem Arjrtenoideus bil- 
* det. Ziiweilen erstreckdii sich die vordersten bis 
zur Basis der Epiglottis. Diese Fibem gehen dem- 
nach weit hdher hinauf als die, welche die ihnere 
Flache bilden, und erreichen beiitah die ganze 
Ausdehnung der ausseren Wand des Ventrikels, 
ausg'enommen vorn und oben, bis wohin sie^ 
wegen der Kriimriiung des FSchers welcfhen sie 
bilden , nur selten reich^n* Endlich befindet sich 
ih dem Raume zwischen der Ebene der paralle- 
len und inneren Fibern und der Ebene der 
schiefen und Musseren eine kleine elliptische Ver- 
tiefung) welche den Boden des Ventrikels bil- 
dety wo die Fibem noch ungefShr parallel geord- 
net scheinen. Der Gebrauch dieses Muskels i^ 
leicht [zu begreifen : indem er sich zusammenzieht, 
giebt er dem Boden und der Ausseren Wand des 
YentrikelS) so wie auch dem Kande der Miindung 
durch welche die I^uFt aus der Luftr6hre strdrnt', 
die zu dem beabsichteten Tone erfoderliche Span- 
nung. Diirch die £&den der gekrtimmten Fibern 
wirkt er.auch auiF die Falte der ^chleimhaut, wel- 
che den oberen Theil des ausdehnbaren Theiles 
der Stimmrdhre bildet. Seine Einwirkung auf die- 
sen Theil wird unterstutzt durch die eines kleinen 
Muskels y den man thyro ^ arytenoideus superior 
nennen soUte, well er stch schrSg von oben nach 
unten und von hinten nach vorn des ausseren und 
unteren Theiles des Arytenoideus zum oberen 
Theile des abgerundeten Winkels des Thyroideui 
erstreckt, woselbst er sich mittels sehr kurzer 
sehnigter Fibern anhefteh Es ist ein kleiner, ko« 
aischer, mu«kuldser Biindelf dessen Orundfl^che 



262. Sapart fiber die 

hinten liegt. Er ist Immer auf der einen Seitd ies 
Kdrpers starker entwickelt, aU auf der anderen.« 
Mahrere der schrSgen Fiberndes Thyro - ary tenoi- 
deus verlaufen sich in diesen kleiaen Mwkel und 
inserlren sich in. denselben in beinaii senkrechter 
Riclituog. Offenbar ist dieser muskuldse Biiscbel 
bestimmtt die aussere Wand des Ventrikels ge- 
ikieinschaftlich mit den schiefen Fibern . des Thyro- 
arytenoideus zu spannen<, welcbem si^ als Stjitz- 
punkt dienen. Nach dem Todey wo diese zvrm. 
Muskeln mehr .oder wenlger erschlafft sind, legen 
die ausseren und inneren Wande der Ventrikeln 
sich gewdhnlich aneinander^ und die Fallen der 
schleimigen AXembran sind abgespannt. Daher 
ruhrt es y dass y wenn man einen todten Kehlkopf 
ertdnen machen willi die Ergebnisse so wandel- 
bar sind: bald ist es ein zi'emlich reiner Ton 9 
wiewohj ohrne entschiedene Ahnlich- 
keit mit der SI enschenstimme; bald ein 
schnarrender ziemlich dnmpfer Klang 9. bald ist er 
auch laut und stark. Sucht%nan die Ursache die- 
ser JErscheinungen auf 9 so erkennt man, dass sie 
dah^ riihreni dass die mehr oder weniger an einan- 
der liegenden Wande der Ventrikeln, wenn die Luft 
sie zu trennen strebt, widereinander schlagen* 

Die oberen BMnder haben keinen eigenen Mus- 
kel ; sie bestehen aber aus ziemlich steifom Stoffe^ 
und sind d^cht ^eatig , um fremder Uille nibht zu 
bediirfen* Obgletch iiir freier Rand abgerundat 
ist 9 so hindert doch diese Geslaltung nicht di9 
Tonerzeugung^ wie «choA waiter oben angefiilurt 
worden* 



menschL Singstimme. 265 

Etne der b^merkenswetthesteh Einrichtttngen 
des meiischlichen .Stimmapparates ist^ dass def 
Kahlkopf oben durch zwei Fatten einer schleimi« 
gen'Membran begrenzt ist, welche mitten in der^ 
rund um sle ertdnenden Lufty scl^eben, deren 
Bewegungsart sie iiothwendig theiien. OfFenbar 
haben diese Falten grossen Einfluss attf die Mdg- 
lichkeity den Ton zu moduiiren und zu artiku« 
liren , so wie auch auf das eigenthiimliche Geprsl- 
ge der Stinime; denn der untere Kehlkopfaller 
Vdgel, deren Gesang manchfallig ist, oder welche 
fkhig sind sprechen zu lernen, zeigt eine sehr 
Mhniiche Vorrichtung, indess bei Vdgeln von be^ 
schrSnkterer Stimme sich nichts Abniiches findet, 
selbst wenn ihr Kehlkopf mit eigenen 9Iuskeln ver« 
sehen ist. Diese freischirebejiden , verschiedener 
Spannung fahigen Menibranen miissen hauptsSch* 
lich dazu dienen, die Zahl der Lufbchwingungen 
bald pldtzlich, bald nach und nach zu verSndern ; 
sind sie gespannt, so nimmt dadurcb ihre Hdhe 
ab, und folglich miissen die Tdne hdher werden^ 
schon darum, weil die die LuftsMule u'mgebendeii 
WSnde dadureh steifer werden, dann auch well 
der ausdehnbare Theil der Wtode alsdann weniger 
erweitert ist. Zu bemerken ist, dass, indem* diese 
Wirkung erfolgt , die Miindung, durcb welche die 
Luft aus der Stimmritze strdmt, enger, und auch 
die Mussere Wand der Ventrikeln steifer wird ; 
denn all diese Wirkungen bringt derselbe Muskel 
hervor. — • Das Abspannen dieser Falten muss gra« 
de die entgegengesetzten Erscheinungeuy iene Er» 
niedrung der Tdne, hervorbringen. 
MUi^ 4. P«M* Oun ■ 5.) 18 



1 



^4 Sauart Uber die 

DIeser ErklMfung des Mechani^kniis d«8 Singens 
zufolge f i«t 68 klar » dasa 9 wenn man die oberen 
Tiieile der Stimmrdhre hinwegschneiden , ja sie 
aog^r blps auf di^ VeQlFikeln bescbranken will, 
man dadurch die AnzabI der Tdne, welche die 
Stimme zu durcblaufen vermag, nicbt vermind^rji 
wiiide: nur scbfrMcher wilrden die tieferea wer- 
den. £s erklftrt sich hieraus, wie« bei solchem 
Wegscbneiden an lebenden Thieren, dieselben doeh 
fort\?khrend verschiedene Tdne bervbrzubringen 
vermogten. Da die, in den Yentrikeln enthaltone 
Lufty unabhMngig von der in der Stimmrdbre ent- 
haltenen zu vibriren vermag^ so ist es aebr wabr- 
ficbeinlich, dass, selbst ohne dass diese Rdhre sich ir- 
gend verMndere, ge wisse TcNie ailein dorcb die Ytn- 
trikeln erzeugt werden kdnneny besondera solche, 
welohe der Schmerz auspresst, und vielleicht 
auch die) enigen welche wir beim Fal- 
settiren vernehmen. £s scheint, al^ miisse 
dies gescheheUf so oft die ausdehnbaren Theile dea 
Organes die 9 zu dem beabsichteten Tone erfoder- 
liche Spannung nicht zu eri*elchen vermdgen. £s 
ist dies um so wahrscheinlicher 9 da es Thiere 
giebt, deren SUmmoi^an bios aus den Ventrikeln 
besteHty wie z* B. Frdschtf. Der Kehlkopf dleser 
Thiere gleicht ziemlich einer kleinen Fauke* Seine 
^rbabeoe Wand ist knorpelig, nacb oben gerichtet 
und von eiaer Mitndung durchbohrt, welche will- 
kiirUch gedfftiet werden kann; die untere Wand 
i^l ^embrafic^s und mit einer Miindung versehcnj 
welche der oberen entspricht; die Luft str5mt 
von uiiten durcb beide Offnungeyn und erscbiittert 



menschL Singstimme. S^§ 

die in der Hdhlung eyithal^e Luft« Der Slecha- 
nlsmu^ist derselbe wie die in dem aufjderKupfer- 
tafel abgebildeten kleinen Gefkschen und wie in 
den uenschlicfaen VeiitriJieln* Bieser so einfache 
Apparat ware iibrigens wohl fahig, schdne Tdi|e 
zu erzeugen, wenn das Thier, dem er angehdrt^ 
ein kiinstlicheres Respirationssystem besSsse. 

Die Tbatsachen auf welche wir yorstehend die 

Erklarung der MenschensUmme gebaut, dienen 

zugleich zur Erklarung der Stimme verschiedener 

SHugethiere, deren Organ dem menschlichen ahnelt. 

Wasdiejenigen angeht, welche^ wie der Sapaju^ (les 

alouatesi) kndcherue, mit den Yentrikeln des Kehl- 

kopfes in Verbindung stehende Tascben habeuj so 

ist esy nach meinen vorderen Untersucbungen iiber 

Liuftschwingungen , leicht efklMrbar, wie die 9 in 

diesen Hdhlen enthaltenen Luftmassen, so tiefe und 

zugleich so starke T6ne angeben kdnnen. Wenn 

diese Tascben bSutig sind, wie bei verschiedenen 

Affenarten^ so ist es aus dem, was oben von mem* 

brandsen Pfeifen beigebracht worden, erklarbar^ 

dass Thiere mit solchen Organen sehr dumpfe und 

zugleich sehr tiefe T6ne bervorzubringen vermd* 

gen. Diese Anwendungen seien iibrigens hier bios 

angedeutet ; sie wiirden eine eigene 9 ausftihrliche 

Behandlung erfodern^ und es soil hier nur er« 

wahnt werden, dass nach den vorsteheiid entwik- 

kelten Grundsatzen, selbst die sonderbarsten Ge« 

staltungen der Stimmorgane der Verschiedenen 

Thierarten erkl^bar werden« 

F. Savart* 



3M 

AUxander von Dusch's 

Bearbeitung des * 

historischen Atlas von Le-Sage. 

Auch in Beziehung auf dio Tonkunstist die Verpflanzung 
dieses in jeder Hinsicht hochst gemeinniitzliclien Werkes, 
auf tcutschen Bodcn eigens erwahnenswerth y und zwar 
darum, weil unser yaterlandischer Bearbeiter die Vernach- 
lassigung, vermoge welcher im franeosisclien Originale, in 
der Darstellung der Kunstgeschichte , die Geschichte 
der Musik ganzlich iibergangen, also eine liiterar- und 
Hunstgeschichte ohne ErwMhnung der Ton* 
kunst (!) geliefert worden war, in seiner deutschen 
Ausgabe, IV. Tabelle, obschon bei der tabellarischen 
Form Einschaitungcn auSserst sch^ierig sind, wenigstens 
•o weit gut gemacht hat, dass er unter den grossen Man- 
nem des i8. Jabrhunderts auch die teutschen Genien der 
Musik aufgenommen bat, welehe der Franzose einer £r- 
wahnung nicbt werth gefunden batte ! ! 

Je nadisichtiger wir einent Manne wie Le-Sage {Las- 
casas ) es yerzeihen , wenn sein , vornehmlich auf grosse 
weltgescbichtliche Ereignisse und Personen gerichteter und 
nur fiir dergleichen eigens gescharfter Blick, selbst da, 
wo er sicH ex -profess o auf die Kunst. und Kunstgeschicbtt 
richtet, dock nicbt allein einzelne Kunstheroen, sondern 
sogar g;anze Kiinste ^ ubersieht und vielleicbt gar ihren eat- 
schiedeuen Einflusa auf die Gesanuntcultur de^ GeneratioJi 
Terkennt; um desto warmer miissen wir es unserm Bear- 
beiter dank en , dass er sein , auch im Fache der Huost 
bewahrtes Auge ♦) auf ihren itejlthistorischen Wcrth, und 
auf ihre grossen Genien gerichtet erhalt. 'dab. 



*) Auch in unsere^ Blattern ist er b*ereits als Mitarhei' 
ter aufgetretcn. i, Bd. S. ii. Annu d» Rtd* 



257 

4 

Weitere Nachrichttit 

iiber die 

Echtheit des Mozartschen Reqnienxr 



Mozarts ib ah r e n Verehrern 

gewidmet von 

Got tfried Weber. 



Icb wilsste die^ einem groiscn Meister scTiuIdiee EbrfunJit 
nicht schmahlicher lu verletzen y als weoa ich mich ror 
seia VVerk hinstellen und in Eotxiicken rergehen wolltc 
tiber die deiiselben too einem Restaurator angebangten 
Flecken, grade so wie Uber die Geniefuoken des Meisters* 

Der Breslauer Ealkbrenner (Arbeiter in einer Kalkbrenne* 
rei) wird Tom enthnsiastiscfaen Biirgermeister fut den ^n- 
doner Kalkbrenner gebalten und forcirt, seine Kiinste am 
Pianoforte su zeigeo. Er tappt und schnurrt denn auob 
tfiobdg darauf bemm iind der eotz0ckte Biirgermeister 
hort darin die genialsten Ergiisse, obgleioh er meint, von 
einem and em Klavierspieler, als dem grossen Kalkbren* 
ner, wiirde man Dergieichen verwirrt und Ubelkiingend 
finden. ^^ Hand auPs Herz : tritt nicbt bei . • » * » dieseU 
be Art der Sebatzung ein? 

A* B. Matdc* 

Xch tial>6 9 in ineindiil fnihereH Aiifsatze iiber Ai^^ 
sen Gegenstandy Jeden, der iiber die Sache nShe^ 
i*e Auskunft zu geben vermdgey aufgefodert und 
gebeten^ dieselbe mir, oder auf andere Weise 
dem Publicum ) mitzutheilen. £s sind daraufhin 
ziemlich vieley ziemlich befriedigende^ liHherd 
I4athrichten und bald theilweise^ bald vdllige Be« 
atlitigungen, mitunter auch tioch viel weitef ge« 
hende Behauptungen, theils an die Redaction aer 
Cdcilia^ theils an mich eingelaufen^ theils ^uch 
sonst 6fFentlich bekannt gemacht word«n, weichd 
ich nunmehr dem Publicum hiefmit vorzulegen und 
reap, zusammenzustellen mir zur Pilicht mache. 

Ed tritt indessen hier^ tvunderlich g6nug« dai 
Basondere eiii^ dass 68 Noth thut^ vot* soleher 
Zusammenstelluitg Aet ResuUate, erst noch mnmal 
2u erinnerii) urn wat es dich den n eige At* 

Gi«m*« 4. 0««a (litri 1 1.) 1 9 



25ft JVeitere Nachrichten 

lich hand«elt! denn unter den (Iffentlich er^* 
schienenen Artikeln iiber diesen Gegenstand sind 
mehre, welche den Gesichtspunct so iiber alle 
Masen verriicken, da»s man, ihnen zu foige f 
drauf schwdren sollte, es handle sich hier um et- 
was ganz Andi^res, itls wirlUich der Fall ist, Na-* 
jnentlicb sollte man, wenn man manche )ener Auf- 
sStze liesty darauf schwdren , es handle sich voa 
einer Herabwiirdigung der Mozai'tschen Muse , 
und vrohl* gar von einer Ehrenrettung deS Gdtt- 
lichen I ! -r— — oder davon 9 das Requiem als ein 
im AUgemeinen niedrig stehendes Werk aus der 
ileihe der Kunstwerke auszustossen und es der 
Bewunderung der Welt im Ganzen zu entziehen. *) 

. *) £s istnochnichtcben^arlangehef, ddfisman iiber die 
. Unechtheit der horn crisch en Iliad e und Odyssee eiem- 
lich im Beinonist^nanilich daruber, dass dicselbon liei- 
neswegs zwei von einem Homer als zwei Heldengedich- 
te ausgestellte Dicbterwerke, sondem siemlich planlos 
Kusammengefiigte Aggregate von Dicbtungen mebrcr 
Dichter, muthmaslich sogar von Homeridenverschiede- 
ner Zeitepochen seien, wovon man die. Beweise darin 
gefiinden hat, dass z, B. die Odyssee grade so gut mit 
aem funften Buche anfangen konnte als mit dem ersten, 
dass die Gotter^ersammlung des funtten eine unver- 
iindertc und daber iiberflussiec Wiederbolung der- 
jenigen ist, mit welcber scbon das erste Bucb begisnt, 
dass die Erzahlung so rucksicbtlos ist, dass sie von 
dem, -was im ersten Bucbe geschebcn, durcbaus 
!Nichts wciss, und die abgemacbtc Sacbc noch ein- 
mal Ton Vom als eine neue vomimmt, u. s« w. (vgl. 
z. B. W. Miillers bomeriscbe Vorschule.) — 1st es 
aber, seit man dieses Alles weiss und glaubt, auch 
nur irgend Jemanden cingefallen, im tJbrigen den 
hohen poetischen Wertb ^er Iliade im Ganzen su 
\erkennen ? ist es Jcmanden eingefallen, denenjenigen, 
welcbe die Ansicbt von der Unecbtbeit und Unganz* 
heit des Heldengedicbtes aU solchen zuerst ausge- 
sprochen, den Yorwurf zu machen, sie gedacbten 
die Iliade als ein im AUgemeinen niedrig stebendes 
Werk aus der Beilie der Kunstwerke auszustossen, 
und es der Beyvunderung der Welt zu entzieben? — 
oder durfte es ibnen, als sie Jen6 Ansicbt auszu- 
sprecben wagten, wobl vernunf^igerweise einfallen, 
ibre Leser erst zu versicbern, dass sie dicse Absicbt 
nicbt batten, dass, und -wie boob sie vielmebr die Ilia- 
de yerehrten u, s. w, r- Weiterhin hieruber 
ein Mtihres. Q^. 



Ueber das Mozartische Requiem. 259 

Ihirum sei es erlaubt , hier vor Allem die Mo- 
mente meines friUieren Aufsatzes noch einmal mit 
zwei Worten zu wlederholen. 

* • * 

Ich habe !n dqpselben eriitnert, A^si 
das MozartschMkequieih uns schoh 
gleich ursprunglich, bei seinem Erschei* 
nen im Jahr 1800> gar nicht fiir ein 
Werk Mozarts gegeben "worden, son- 
dernals ein, aus von ihm hinterlas- 
senen unvollendeten Manuscripten^ 
von Siissmayer verfertigtes, unddass 
seit diesem Vierteljahrhundert nicht behaup- 
tet worden ist, dass dasjenige Requiem wel- 
ches, und so wie es uns vbrliegt> ein Werk 
Mozarts sei^ dasses vielmehr j'ederzeit als 
unwidersprochene historische Wahr- 
heit g^golten hat, dass,' von denfiinf Ab- 
theilungen des Werkes> nur die erste grossten* 
theils;^ die zweite und dritte Abtheilung aber nur 
zum Theil, vonMozart niedergeschrieben hinter« 
lassen, und alles Uebrige von Siissmayer 
hinzngethan worden. (So steht es zu lesen in 
der Cacilia 3. Bd. [Heft 11,] S. 206 — 216). 

Ich Kabe, neben solcher Erwahnung 
dieser historischen Thatsache, auch 
meine I^feinung dahin ge'aussert^ dass» 
dfeii vorliegenden , von Geiber und in der 
Leipziger allgem. mus. Ztg. bekannt gemach- 
ten und von Rochlitz auJFs feietlichste ver^ 
burgten Quellen nach» auch ich die er« 
w'ahnte Thatsache im Ganzen wohl 
fiir unzweifelig wahr halte, jedoch 
nicht in ihrem ganzen Umfange> in* 



260 IVeitere Nachrichten 

dem so vieles unendlich Grosse, -was 
auch aus den angeblich ganz und al« 
lein von Sussmayer herriihrenden 
Stiicken hervorstralt, mir dieUeber- 
z e ug un g abgewinne^ dass Siissmayer -woKl 

auch zu diesenStuc9^'^^''^^^^^9^i^^g<' 
Fragxnente Mo^artscher Entwurfe vor- 

gefunden haben moge. (So ist es zu leseii 

in der Cacilia, a. angef. O. S. 225 — 226.>2li 

AIs Belege zu diesem auch nxeinersei* 
tigen theilweisen Glauben an die all- 
gemein geglaubte Thatsache im Allgememeiiy 
ab'er auch zu meinem Glauben, dass von dem 
Requiem doch wohl noch Mehres echt 
sein moge, als yns bisher gesagt wordea 
war, habe ich aus dem Werke selbst meh- 
re einzelne Stellen angefiihrt, theils 
solche, welche mir Mozarts nicht wiirdig — 
theils auch wieder solche welche mir viel zu 
herrlich zu sein scheinen, als dass ich glau* 
ben konntey dass so Etwas ganz in Siissmayers 
Garten gewachsen sein konne. ( Cacilia > S. 
. 216 — 225> 225 — 226.) 

Ich habe endlich erwahnt, wie unend- 
lich bedauerswerth es ist, dass wir jedenfalls 
an dem/ von Mozart nur angefangenen, dann 
aber von Sussmayer fertig gemachten Requi- 
em, nur einen Torso mit unecht angesetz* 
tem Kopf .und Extremitaten besitzeii, und 
zwar in gedruckten Au^gaben, in welchen 
nicht angegeben ist. Was von Jenem, was 
voxi diesem sei, und dass es jedenfalls UU' 
endlich wunschenswerth wHre, d,Si$s, neben 



Ueber das Mozartische Requiem. 261 

der also restanrirten Statue, 'vrenigstens auch 
der Torso rein und unrestaurirt aufgestellt/ 
d. h. das Mozartsche Manuscript ohne die 
Siissmayerschen Zuthaten, aufs getreueste ab- 
gedruckty womoglich sogar facsimilisirt, der 
Welt vorgelegt werden moge ; (S. 227 — 229 ;), 
wobei ich iibrigens nachwies, dass, wenn* 
man anders die von Siissmayer, Rochlitz und 
Gerber un5 mitgetheilten Nachrichten sammt- 
lich filr wahr halten will, man dadurch we- 
nlgstensauf die V ermuthung geleitet wird, dass 
in der That ein von Mozart selbsi: ,,fertig*' 
componirtes Requiem existirthaben konne,und 
dieses rechte und echte Mozartsche Requiem 
vielleicht noch jetzt irgendwa verborgen lie* 
ge. (Cacilia^ S- 211 — 215.) 

Das ist es, wo von die Rede war und 
noch ist, und wortiber die, seit meiner 
friiheren Bekann tmachung(Aug. 18250 
mir eingelauf enen und sonst vorge« 
kommenen Aufschliisse, Notizen, Be- 
lege und sonstige Spur'en,. der Kunst- 
welt vorzulegen, der Zweck des ge- 
genwartigen Aufsatzes ist. 



Ich habe^ ungefahr gleichzeitig mit demErschei" 
nen meines friiheren Aufsatzes, una zum Theil 
auch spRter, mich auch schriftUch an alle diejeni- 
gen Personen gewendet, von welchen ich glauben, 
zum Theil auch nur* entfernt muthmasen konnte, 
dass sie Kunde von der Sache haben kdnnten, mft 
der Bittey dasjenige was ihnen bekannt sei, mir, 



j|j^2 Welter e Nachrichten 

oder der Redaction der Cdcilia^ oder auf sonsti* 
ge Weise, bekannt zu inachon. 

Es h^belinuiiy theils jener ersteAufsatz vo0inir 
in der Cdciliay theils meine erw&hnten brieflicken 
Bitten, folgende naheren Notizen ans Tagesliche 
gafdrdert. ^ ' 



Es Ipat » Erstens 9 die' von Mozart hinter- 

lassene W i 1 1 w e| jetzt vereheUclite FrauStaats- 

l*ath Ny$8eii, veranlasst durch jenen xaeinen 

4^&4t^ Aew Ilercn Hofrajth A n d r rf in Offenback 

durch Brief da d. 1. Jan. 1826 aufgefodert, die 

firbobeae Frage yon der Echtheit des Requiem 

zu schlichten, indem er dieses zu thuiiy durch die 

Bekanntmachungder, (bisher als)GeheimniB inselnen 

HMnden befindlich«i >) Nachweisungen, ja vermd« 

^e« Derselbe hat, dieser AufForderung zu enlspre- 

chen, denu auch bereits in der CacUia aiigekun- 

^^^^ *^9 ^^^s er zur nMchsten Herbsbne^e die 

|>efraglichen Nachweisungen bekannt zu machea 

g^^ei^e, aus >v^lchea der Beweis hervorgehea 

vrende, Wieviel von dem befraglichen Works 

von Mozart, Wieviel von Siissmayer her* 

riihre, und dass dasjenige, was' von die- 

semRe<{uiem Mozarten selbst angehdrt, 

eine schon vor dem Jahr 1784 angefan- 

gene, aber liegengelassene Composi- 

tion ist. 

Ich babe seitdem Gelegenheit gehabt , die in 
HerrnAndrd^s HMnden beiindlichen, und nament- 



*) Die Anzeige ist im Intelligenzblatt Nr« 16 no^kmal 
angefug^ 



Ueber das Mozartischc Requiem. 2SJ 

lich auch mehre, bisher gUnzlich geheim gehalten 
gewesene Briefe der Frau Wittwe, uiid somtigd 
Scbriften etc. einzuseb^n; da ich jedoch nicht 
autorisirt hin, das Ergebnis derselben im Voraus 
bekannt zu macheiii so muss ich mlch darauf be* 
schrHnkeiiy bios im AUgemeinen zu erwahneui 
diass die von Herrn Andrd versprochenen Zusam- 
menstellilngen und Belege sehr merkwiirdig sein 
werden. 



Wenn wir, durcfa die vorerwShnte Behauptung 
des Herrn Andre', und durch dessen weiterhin 
abgedruckt iv^rdenden Brief Nr. II. , die Wahrheit 
von der theilweisen Unechtheit des Requiem in 
einem noch weiter gehenden Sinne bestSttigt finden, 
als ich sie bisher zu glauben vermogt hatte, so 
ist es h6chst merkwiirdig, und schlMgt vollends al- 
ien uiid jeden Zweifei ni^der , diese Unechtheit 
auch noch yon einem anderii Augenzeugen 9 einem 
noch lebenden Freunde und Bekanntmi Mozarts, 
von dem, auch in der Andr^'schen Anzeif e alsBlir- 
ge genannten AbbeM.Stadler, aufs lebhafteste 
und unter den ernsthaflesten Betheurungen, aus- 
fuhrlich und speciell bezeugt und bekr^ftigt 
zu sehen, in einer iiber die Frage ven der Echtheit 
des Mozart'schen Requiem eigens herausgegebe- 
nen Broschiire. (Wien bei Tendler und v. Man« 
stein.) 

Was zuerst die Glaubwiirdigkeit dieses 
ehrwiirdigen Greises betrifft, so weis ich dafiir 
nichts Besseres zu sagen, als was er selbst, Seite 
10 DU 11 seiner Schrlft , von sich sagt : ^^Ich freua 



264 Weitere Nachrichten 

^^michf und danke Gott, dass er mich $o Uige 
yilebenliessy um als achtundsiebenzigjahriger Girelss 
9^och vpr meinem nahen Ende der yVahrbeh 
y^eugjfiiss geben zu kciiftAca<<« — 

...Nun also: waa sagt una dieser Mann? Furs 
Erste versichert er uns^ es habe seine voile 
Richtigkeit, was Sjiissmayer in seiAem 
Briefe an die Br. u. H^irtelsche Yerlag'- 
handluQg. geschrieben. — I>a durch diese 
Yersichening des Herrn Stadler der , bei Geleg'sii- 
beit des Erscheinens des Requiem in der B. und 
Hirtelschen Handlung, in der B. und Hartelacben 
musikal. Zeitung bekannt gemachtey erwahnte Siiss- 
mayersche Brief, die bisherlge Haupturkunde der 
grossentheiligenUnaehtheit^nunmehr erstt rechtvol« 
le Glaubwiirdigkeit erhMlt, so mdge jener Brief hier, 
zur bequemeren Ansicht, noch einmal buchatalh 
lich abgedruckt werden, so weit die Verlaghaiidluiig 

ihn bat bekannt werden lassen* 

Wien S. Sept. 1800.^ 

5iMozart8Kom|jositioni8t so einzig, und ich getraue mr 
y^n btkaupien,' fur den grossten Theil der lebenden Ton- 
„9et9er so u^erreichbar, dass jeder Nachahmer, besonder^ 
,ymit untergeschobmer Arbeit, nocbscldimmer mregkommea 
9,wurde, als Jener Rabe, der sich mit Pfauenfedcrn schmiici- 
,,te. Dass die Endigung des Requiem^ welches unsern Bricf- 
„weehs6l veranla'sste, mir anvertrauet wurde, kam auf fol* 
„gende Weise. Die Wittwe Moeart konnte wohlroraus- 
^f^eben, dieiiinterlassenen Werke ihres Manneis wurdenge- 
„sucbt werden^ der Tod uberrasehte ihn, wakrend er an 
,,die$em Requiem arbeiteie* Die Endigung dieses Werlis 
,>wurde also mehrem Meistern iibertragen; einige davon 
,,honnten wegen Geschafte sich dieser Arbeit nicht unter- 
„zieben , andere aber wollten ibr Talent nlcht mft dem 
9,Taleute H*s kompromlttiren* Endlich kam dieses Ge» 



A 



Ueber das- Mozartische Reqiiiem. 265 

r ■ • ' ' 

,,8c1llfte an 'mich , weil man ifvusste , dass ich nocli bey 

,,Lebfeiten M.8 die schon in Muaik gesetzten Stucke of- 

yytoTB nut ihm durcfagespielt and gesungen , dass er sicb 

„mit mir fiber die Ausarbeitung dieses Werlies sehr oft 

yybesprochen, und mir den Gang und die Griiade seiner 

9,Instrumentirung mitgetheilt batte« Icb kann nur vrHn- 

9,schen, dass es mir gegliickt baben moge, wenigstj^ns so 

,9gearbeitot zu baben, dass Kenner noch bin und wie- 

9,der einige Spuren seiner unvergesslichen Lebren da-» 

,,rin finden konnen. Zu dem Requiem sammt Kyrie ^ 

^yDies irae — Domine Jeut Christe —-> bat M. die 4 Sing- 

,,stimmen und den Grundbass sammt der Beftiifonuig 

9,ganz Tollendet; eu der Instrume/itirung aber nur him 

„und wiedor das ll^otivmn angezeigt. Im Dies irae war 

,^sein letzter Vers — tfua resurget ex favilla^ und seine 

y^Arbeit war die namlidie, wie in den ersten StUcken, 

,,yon dem Verse ai& •— judi^iutdn homo reus etc, , ist 

,ydas Dies irae^ das Sanotus^ Benedictus — und jigmu Dei 

„ganz neu von mir verfertiget; nur babe i^ mir er- 

,,laubt, um dem Wcrke mehr Einformigkeit zu gebev, 

,,die Fttge des Kyrie bey dem Verse -* cum Sanctis etc» 

„zu wiederbolen.^^ 

Ich hatte, bei dem scbon im 11« Hefte dew CiU 
cilia ))efindlicheo Abdrucke dieses Briefes, fblgen- 
de Amnerkung gemacht: 

Diese Angabe der Numem zu welchen sicb Mozart^scba 
Mspte*. Torgefunden, ist nicbt ganz und gar deutllob uad 

§enau bestimmt, namentlich ob bier unter dem Dies irae 
er ganze xw^eite Haupttheil, oder nur der erste Satz des- 
selben Terstanden werde, und eben so ob unter dem 
Domine aucb das Hostias. 

Bn gtnauer Zasammenstellung fiiidet man jedocb, dass 
der Sinn des Bri^fes eigentlicb dabin gebt: die Mozart- 
schen Entwiirfe der Singstimmcn baben enthalten I.) 
Tom ersten Hauptdieile, dem y^Requiem*^^ das Requiem 
und das Kyrie ^ also den ganzen ersten Haupttheii; II) 
Yom zWeiten Haupttheiie, dem ^^Dies ira&** ^ den ersten 
Satz Dies irae (in der Partitur Nr. a), das Tuba wtrnm, 
(Sir.'9) das Reoa, (Kr. 4), das Recordare^ (BFr. 5), daa 



268 Weiure Nackrichttn 



^^aufs genauste, ohne eine Note Ton den seinigen .lim&u- 
9i2usetzen, cdroponirte selbst das Sanctus, Bertedicttis und 
yyj4gnus Dei, Auf diese Weise i/var das Werk rollendet. 
^,Voi> dieser Partitur inrurden sogleich xwey Gopien ver- 
^anstaltet* Die Handscbrift Siissmayrs wurde dekn Bestel- 
ffler eingehiiidigt. Eine Gopie wurde ah die. Musikhand- 
,,lung in Leipzig zum Drucko ugergeben, die zvreyte hier 
,,behalten jg{^d ausgescbrieben; woranf bald zum Besten 
,,der Witwe dieses herrliche Werk in dem Jabnischen 
y)Saale mm ersten Mahle aufgefiibrt wurde. *^ 

,)GleiQhwie ith von^det Existenz der Urscbrift Mozart^s 
fyiiB BetrefF des Latrymosa und Domine rollkommen 
,,uberzeugt bin , eben so konnte ich bestimmt den Nah- 
y,men des Bestellers bieher setzen. Allein^ da dersclbe 
99un;)ekannt bleiben TvoUte , so kann ich mir diess nicht 
,,6fFentlich erlauben. Ich finde es auch gar nicht noth- 
,)^en'dig. Das Factum ist einmahl richtig. Ge^ug, dass 
,,wir seitferfVeygebigkeit das Meisterwerk jsn Verdanken 
9,haben. Nur so riel darf ich bier noch bemerken, dass 
j^eben dieser Unbekannte unter einem erfuhr, dass nicht 
i,das ganze Werk von Mozart , der wslhrend seiner Ar- 
^ybeit starby herriihre, und sich daher weiter» hieriiber 
^erkundigte. Er Uberschickte nahmlich die ihm einge- 
„hShdigte Partitur von Siissmayrs Handschrift seinem 
s^SaehwalteFy einem sebr berilbmten Adroeaten in 
,,Wien» *) um nahere Auskunft dariiber einzuhohlen. Die 
^Witwe wurde befragt, allein sie ersuchte mich' und 
yyHerr v« Nyssen, die am meisten von der Sache unter- 
9,richtet waren, bey dem Herrn Advocaten zu erschci- 
,,nen. Wir thaten es bereitwillig. J)ie Partitur wurde 
,iUus Torgelegt. Ich zcigte an, wetche SStze den Mozart, 
lyund welche den Sussmayr zum Verfasser batten. Der 
fiHecr AdTocat schrieb aUes aufj was ihm gesagt wnrde* 



*) Dr. Sortsehen^ damal unter den Tuchlauben wohn< 
ha^ soil f wie ich anderSwober weiss , dieser Advo- 
cat geweseA sein. CPV* 



Veber das Moxartiicke Requiem. 269 

,,Dle^Sa€he war al>g€thaii, das Exemplar zuriickgeschickt, 
,,uncl der Unbekannte zufri^den gestellt. Inzwischen er< 
,,liielt auch die TVitwe die Copie, aus welchcr in Leipzig 
„da8 Bequiem' abgedruckt wdrden* zuriick^ icli erbielt 
„8ie Ton ihr zum Gescfaenli) und fand einige, doch selir 
99weiiige Schi*eibfehler des Copisten mit rother Dinte an- 
99gemer]it, die vor dem Pruck^ verbessert wurd^n, — " 



Stllrherej bestimmtere und glaubwiirdiger be* 
theuerte UQd belegte Zeugnisse fiir die theihveise^ 
ja grossentheilige Unechtheit dea befvaglxehen Wer« 
kea wird wohl Niemand verlangen kduinen* 

Es ist aber bemerkenswerth. mit diesen Betheue« 
rungen der glaubwurdigsten Fersonen , ai^ic^i noch 
Thal^umstande zusammentreffen und darau3 30gar an* 
dere BeweUe dafiir hervorgeben zu sehent dass 
selbst DasjenigOf was a.n dem Requiem 
voli Mozarts Arbeit ist, von ihm selbst 
wohl nie bestimmt war, als eineCompo* 
sition yon ihm zu gelten. , 

Es gehdrt hierher zuerst der,- auch von Herrn 
Stadler (Seite 17 seiner Schrift) zur Sprache 
gebrachte Undstand, von der Erborgung, deren 
Mozart sich soil schuldig gemacht h^ben, durch 
Entlehnung eines Thema's von Handel. Betrach- 
ten wir zuerst das fugirte Tonsttick : ^^Hallelujah! 
9ffVe willrejaUeh*' ausHandelsOratorium Jo^fjpA, 
in Yergleichung gegen die Kyriefuge des Re- 
quiem. Auf dem beiliegenden Notenblatte sind 
beide als Fig. 1 u. 2 neben einandergestellu 

Man mdgte sich hier wohl w.enigstens wun« 
d e r n I dass Mozart sp Etwas thun mogte. I^icht 
siUein das Thema selbst ist sichtlich gehorgti nicht 



270 



Weitere Ifaehrkkten 



iat, was Vvohl •her ^laublich w^re » das geBorgte 

• 

Thema mit einem andereny selbsterFundeneny eigen- 
thiimlicfaen Gegenth^ma verar}>eitet : sondem es ist 
sogar auch das Gegaathema mitahgehorgt^ tuid also 
nicht niir mneFigar, sondern •auch die Zusanimeii* 
gruppirung derselben mit einer zweiten und diese 
zweite selbst, sind aus einem frem^den GemMlde 
geborgi ; und will man )a noch einigen Werth in 
die Yerschiedenheit setzen 9 dass das Original in 
JD-dur, die KacliBildiing aber in d'tnoll steht, so 
wird uns aneh difese Entschuldigung sogieich rrieief 
abgeschnitten durch Fig. Sy woselbst ebendieses The- 
ma, auch in Moll gleich&lls vonHMndel atlfgestellt 
tn sehen ist; nicht S:u gedenken, dass es auch itf 
der Kyriefuge m'ehrmal in Dur wie im Halleluja 
Fig. 2c J vorkommt, und zwar auch hier wieJer 
in ganz ahnlich^k* Zusammenstellung mit demsel- 
ben Gegenthema wie bei HMndel, nur etwas we- 
niger eng gefiihrt. 

Unser Befremden mulis steigen, wennwiraus* 
serdem auch bemerken, dass es doch. ein ganz ei- 
genes Experiment war, ein ^yHallelu jah! 99/re 
will rejoice^*, zum Kyrie einer Seelenmes- 
se zu verarbeiten. 

Unser Befi*emden muss aber nocli mehr stei' 
gen, wenn wir linden^ dass nicht dleseFuge aUeiiiy son* 
demauch gFeich die Intro duct ion des gan- 
zen Werkes, eben so sichtlich und uiiverk^nbar 
wieder aus einem anderen Werke desselben Mei- 
sters , aus HMndels Anthem for the Funetal of 
Queen Caroline^ hergenommen ist, nur aus g-moU 
ins i/-moll transponirt, und in grdsseren Noteng^' 



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1 



Ueber das Moiartische Requiem. 271 

stalten geschrieben , an sich aber Eines wie das 
Andere lautetid; vergl. Fig. 4 gegen 5* 

Es wUrde , diinkt mich , doch em starker Ma- 
gen dazu gehdren, oder vielmehr ein wenig star- 
ker Glanbe an Mozart , um es sehr wahrschein-^ 
Ijch zu linden ) Mozart kdnne so baben borgen pol- 
len ; und gewiss wird jeder wahre Verehrer des' 
Unsterblichen in Herrn Stadlers Schriftcheu ger- 
ne die BestStigung lesen, dast diese Bearbeitungen 
HandeUoher Themate, eigentlich friihere Studien 
gew^sen , dnrch welche Mozart seinen, son.st 
wahrlich keiiier Entlehnung bedurftigen, und 
am wenigsten einer solchen Entlehnung f&higen 
Genius, zum Theil wohl gar nur technisch, heranzu- 
bilden und zu stSrken liebte » welches denn auch 
mit seiner bekannten Denkensart und seiner Ver- 
ehrung Handels ganz libereinstimmt, wie uns auch 
dieses' eben wieder der tnehrerwahnte Herr Stad- 
1 e r bezeugtf indem er berichtet, wie er den ganzen 
musikalischen Nachlass Mozarts durchgangen habe* 
und dann (S. 10) folgendermasen fortfKhrt : 

yjlch fand , wie fleissig Mozart in seiner Jugend war , 
„wie er nicht nur seine eigenen originalen Ideen, sondem 
9,aucfa ton andern Jileistern, die ihn besondara anreisten, 
,,zu Papier brachte, um spaterhin sie auf seine eigene 
i,Art auszufiihren, und wie man sagt, in succum et sons 
^yguinem zu verwandeln. Ich fand[, wie er unausgesetzt 
„den grossen Handel studirte» und ihn zu seinem Muster 
„in ernstbaften Singsacben wSblte/^ 

1st dem aber alsoy wie der AugenscheiA und 
Hcrr Stadler es uns rerbHrgeui so werden wir 



272 Weitere Nachrichten 

Mozart eii wohl auoh aicht zutrauen^ er Iid>e 
soIcheStudien als seine Composition betrach- 
tet wiflsen woUen^ iind dieselben seien Sti&che eines 
Requiem » welches er der Welt oder d«m frei- 
gebigen Blsteller^ wie Hr. Stadl^ ihn nennty ala 
ein Requiem seiner Composition habe 
schenken wollen» nnd iiberhanptf wir werden nicht 
mehr gerne glauben mdgen ^ dass diese Arbeiten 
einRequlem seinerComposition werden 
sojlten^ — oder gar 9 dass diese Stiicke einKe- 
quiem von Mozart seien. 

Wenigstens scheint es mir^ dass dieienigen^ 
welobe Mozarten so Etwas gerne zutrauen mdgeny 
durch solchen Glauben ohne Yergleichweniger Ach- 
tung fur Ihn beweisen^ als ich, der ihn fiiv unfiihig 
baity dergleichen zu thun : und wenn Herr S ta d- 
lerMozarten solches Borgen und Compiliren ei- 
nes Requiem aus NachbUdungen HMndels zutraut, 
und es bios dadurch beschdnigen und entsChuldi- 
gen will^ dass er es ein bloses Benutzen und 
sich Aneignen u. dgl. nenntf so muss ich 
sagen, dass ich , statt Mozarten also zu ent- 
schuldigen, ihm denn doch lieber das Entschuldi- 
gungsbediirftige nicht zutrauen mag. 

Wie viel natfirlicher und der Ehrfurcht die 
wir unserm Mozart schuldig sind angemessener er- 
klMrt sich vielmehr die ganze Entstehungsgeschicli- 
te nach den nunmehr bekannt gewordenen facti- 
schen UmstMnden. Wir wissen von.Hm. Stadler^ 
wie fleissig sich Mozart ^^in seiner Jugend<< Stu« 
dien nach H^delschen Originalen auszuarbeitea 
pflegte. Aupb die Idee» a^ch ein^m HSndelscJien 



ubm' das Mozarti^h^ Requiem. .2*39 

Balleluja ein Kyrie zu bildetif war ohne Zwel- 
fel eine. von jenen jugendiicheii Studien, cl«ren 
sich nach Mozarts Tocte^ nach Hrn. Stadlers Zeug- 
nisy noch mehre^ und das freiiich von Mozarts 
unbezweifelt eigener Handschrift, vorf^nden. 

Ob nun- die mysteridse Geschichte, von dei^ 

Bestellung eines Kequiem durch einen tJnbekann<* 

tent sich ganz so verhalte tvie sie der Welt er« 

zahlt worden ^ oder nicht , — la , ob liberhaupt 

Mozart in der letzten Zeit seines Lebens die Ab« 

sicht gehabt, ein Requiem zu scbreiben, oder 

nicht^ -^ ob er eined zu schreiben wlrklich angefaii^ 

gen M^ ob diejenigen Mo2^rtsciien ManuscriptblSt-^ 

ter, aus welchen Siissmay^i* uns ein Ile<{,mem gebil^* 

det, unterMozai'ts alten zuriickgelegten Papieren ge* 

funden worden » oder ob sie w^lirend seiner letz^ 

ten Krankheit auf seinem Schreibtische oder auf 

selnem Bette geseheii wurden^ ob er sie vielleichtj 

auch gar wieder durchgcspielt iind mit Siissmayei* 

durchgesungen «^ das alles kanil ganz und gai^ 

dahingestellt bleiben» £s Verhalte sich damit wid 

es nur immer will , so frage ich , ob aus all die- 

dem auch nur irgend ein Beweis dafilr hervor-* 

geht, dass diese Blatter als eine Mozartsche ci- 

gentliche Composition da gelegen, dass Mozart 

dieselb^n der Welt als ein Requiem seiner Compd- 

sition habe geben woUeii* Mag auch, eiitweder 

die mysteridse Bestellung* oder hi(igen eigeiie 

Todesgedanken ^ den Sterbenden veranlasst haben^ 

jene jugendlichen Blattet wieder hervorzusuchen — 

mag er sogar vielleicht die Absicht gehabt habeH, 

durch das Wiederdurchgehen derselben sich ZUm 



^74t Weitere Nachrichten ' 

Schaffen emea etgenen Requiem 2u ek*wMrmeii' — 
80 folgt doch eben daraus wohl nicht^ dass diese^ 
als AnregungsmiUel zur Hand genommfineii firiihe- 
ren Arbeiten dasjenige waren, was Mozart jetzt 
•rzeugen wollie und zu erzeugon angefangen hatte. 
Oberhaupt mit vvelchem Rechte e^^laubt man sich 
denn^ ein Manuscript, welches ein Autor noch 
nicht fertig gemacht, noch weniger aber dasselbe 
als sein Werk aus seiner Schreibstube heraus 
gegeben und so fiir sein Werk anerkannt hat, 
mit welchem Rechte, frage ich, erlaubt mam sieb, 
dasselbe mit Bestimmtheit als ein Werk von ihm 
anzusehen ? Wer vermag zu wissen, was ein Mei« 
ster an dem noch in seinem Schreibpulte verwafar- 
ten Manuscripte erst noch anders zu machen, aus- 
zustreichen oder hinzuzufiiigen , diese odpr jene 
Tinte da oder dort anzubringen und dadurch dem 
Ganzen erst die rechte Haltung und Bedeutung 
zu geben gedenkt, was alles sich seinem Maao* 
scripte nicht nothwendig ansehen Illsst, weil er es , 
als sidh fiir ihn von selbst verstehend , nicht darinn 
notirt hat, und es nur erst noch imKopfe hemm- 
trSgt, um es erst morgen auszuf&faren, und zwar 
doch wohl selbst auszufilhren oder doch wenigstens, 
so weit es etwa bios technisch oder m%chanisch ist, 
von einem Gehilfen unter seinen Augen und sei- 
ner unmittelbaren Aufsicht und Leitung ausftthren 
zu lassen, nicht aber um das' theuere GeschMft, 
die letzte Hand an das Kunstwerk zu legen^ ei- 
nem solchen Gehilfen zu iiberiassen, oder gar 
ganze noch gar nicht gemachte, vielleicht noch 
nicht einmal gedachte und entwoffene Hauptthei- 



Uber das Moxartische Requiem* 375 

le dat W«rkes nm dtietem Gehil&n anfertigen im 
lassan! ««- Ich firtfge j«den lebcndea Autor, oil 
er sich wohl aehr dafiir bedanken wllvde» waaa 
ihm Jamaiid einhaUbferligaty ( viaileicht gar nicbt 
•inmal zurHerauagabe besfcimmkes) 'Manuscript,. — • 
oder gar frtthere Studiaii, von aeinem ^chreib^ 
lisohe wognohmoiif Und ibm als ein Werk rom 
ibm aufbiirdon wolke, pdor vrenn etwa,.nach 
seinem Todof einor seiner Sohuler das an seinea 
hinterlassenen SchriftblStterll Fehlende ansetzeui 
das. Werk mit schiilerhafter 9 vielleickl plumps 
Hand tingiren und diese Arbeit nun etn Werk des 
Meisters nennen wollte, behauptend : er wisse recbt 
gut, wie der verklSrte Meister es auszuiiihrent 
wie derselbe dieses und jenes.nur'erst entworfene 
oder balb niedergosdtriebene Stuck zu beendigen 
gedacht, wie er dieses und jenes noch gar nicbt 
gemachte gemacht baben vriirde^ weU^ Haltung er 
dem Ganzen zu geben, welche Tinte bier und 
dort anzubringen die Absicht gehabt^ — *^ das aUes 
vrisse er, der Schiller, recbt gut, und babe es al- 
ios so gut gemacht wie der Meister selbst es ge- 
macht baben wflrde; und wenn jemal Einer sich 
unterstehen woUe, dieses also von ibm dem Schil- 
ler fortig gemaebttf Werk nicbt fiir das vortreff- 
lichste, vollendetste und allerhdchste Werk des 
Meisters zu erklSren, — wenn auch )emal Einer 
eine einzelne Stelle daran tadeln und in denselben 
die Verirrung des Schillers zu ahnen wagen soil- 
te, der sei ein Frevler gegen — den Meister! I 
Ich frage, ob eine solche Behauptung nicbt ins 
Tollhaus gehdren wilrde, und ob nicht der Meister 






276 Weitere Kachricht^n 

telbsty kSnnte er ana dem Grabe hercuf sprechoi^ der 
Erste wmn wftrde» dem Fublicum zu erklMreui die- 
ses nicht von ihm^ sondern von einem achwachen 
Gehilfen ohne sein Yorwissen fert%gemaditeWerIC} 
,i$ei sein unvollkommenstesy ja kaum 
• in Wisrk von ikm zu nennen^. Ichfragei 
wer wohl ein . grdsseres Interesse fiaben kdnntet 
dieses recht laut «ii sagen, als grade Er selbsti — 
oder^.— - wenn £r nicht mebr ist^ soine wahren 
Yerehrer und Anb&nfer« 

^ Und vrer wird vollends mebr als grade dieiet 
vrwm sie den Yerstorjienen wabrhaft verehren, 
atcb vollends gegen dieMeinung auflehnen mtisseDf 
der Yerewigte babe L^t gebabty ein Werk aus 
Ideen anderer Autoren zu compiliren ? 

Man wird aus -eben diesem Gesichtspuncte ei 
nun w«bl begrei£lk^ finden^ dass lob micb nicht 
so leichtrals^^iiMincher Anderey entschliessen kaniif 
Mozarten zuzutrauen^ dass eruns Studien^ aus Hln« 
delscben Ideen zttsammengesetzt^ jGdr ein Requiem 
von Mozart geben wollte! ^ 



*) Noch dn anderer tlmstand, den icb iibrigens nicht 
aU jgrade entsebeidcnd in A^scklag bringen will, 
verdient wenigstens nebenbei miterwahnc su warden. 
Es ist bekannt, dass MosArt Tom 9. Febr. des Jali* 
res 1784 anfieng , e^a Tagebuch su halten , \n wei- 
cbes erAUes, was er jeden Tagconiponirtey jedesmal 
apfs genaueste eintraa. Dieses Tagebuch ist schon seit 
▼ielen Jahren bei J. Andre in Olfeid>ach gestochen, 
und Mosarts eigenfaSndige.s Original , f ein iinschein- 
bares Hausbtteblein , bestebend aus einigeu in Quart- 
format zusammengelegten Bogen Scbreibpapiert '^0. 
Pappband mit gebl&nter Oecke gebunden,) bei Hrn. 
Hofiratbe Andre in Offesibaeh £u sebea. Wie aus* 



\ 



iiber das Mozartiscke Hequiem. 277 

Wenu durch alles Bisherige die erste HMlfte 
meinesy im friiheren Aufsatze geftiUsertea Glau- 



serst genau, sorgfSltig, ▼ollstSndlje and wie bis 
auf^s Kleinste und Gerinefugigste, Mo- 
zart Alles was er schrieb in aieses mch einzu- 
tragen pflegte, kann man daraus entnebmen, dass 
er soaar clnzelne Walzer, Stiiclicben fur Spieluhren 
u. dgi. einauscbreiben nicbt TersSumte. l>enn so 
findet man z. B. unter Anderem, auf S. .329 folgende 
Aufzeicbnung : 

191788 i4ten Janner, Contredanse , das Donnerwet- 
,,ter, 2 Vlini, -2 Oboi, a Comi, 1 Flautino, 1 
f,Trommel, e Basso/' ^ 

und nun sorglalti^ aucb nocb das Tbema dieser Con- 
tredanse auf .2wei Notcnzeilen beigescbrieben. Auf 
ebenderselben Blattseite sind, mit gleicber Sorgfalt 
und Ausfubrlicbkeit, unter Nr. 74 nodi eine Contredan- 
se^ und unter Nr. 75 sechs.Walzer aufgezeicbnet^ 
auf den' fblgenden Blittern eben so, Nr. 99:.zwei 
Contretanse , Nr. 100 : secbs Walzer, Nr. 101 : zwolf 
Minuette, Nr. io4: secbs Walzer, Nr. 106: eine klei- 
ne Gique f. Clavier, Nr, 116: zwolf Minuette , Nr. 
117: zwolf Walser , Nr. i%%: ein Stiicli filr ein Or- 

Selwerk in eine Ubr, Nr. i25: seebs Minuette fur 
ie RedoutO) Nr. 1269 ^^79 i28> 1299 i3o: verschie- 
dene TSnze, Nr. i3i: ein Orgelstiick fur eine Uhr9 
Nr.^ i3a : ein Gontretanz 9 Nr. i37 : Andante for eine 
l&leine Walzenorgel, u. dgl. m. 

Mozart pflegte iibrigens in dieses Tagebuoh nicbt 
JedesTVerk erstnacb derVollendung, son- 
dem soger auch nocb unfertige Stiicke, scbon 
cinzutragen, aucb wenn er sie nur erst balb nie- 
dergescbrieben batte. Als Belege.biervon finden sicb 
in fiermAndr^^s Sammlung dcr Mozartscben Ori- 
ginalmanuscripte mehre nocb ganz unfertige, nur 
balb aufgescbriebene , welcbe im Tagebuche unter 
einem bestimmten Datum als beute componirt aufge- 
zeicbnet sind (wabrscheinlicb uq,ter dem Datum, yvo 
Mozart sie in sicb ausgearbeitet, ein Stuck Weges 
niedergiescbrieben, und das Niederscbreiben des tjbri- 

fen— alsNebensacbe-^etwa auf morgen verscboben 
atte.) Das Nilbere biervon wird oboe 2weifel Herr 
Andr^ in seiner angekiindeten Bekanntma<^u]^g aus- 
einanderset^en. 

Dieses also geitthrte TAgebucb entbalt,. als Nr. 143, 
imterm Datum 5. Sept. 17^ 9 die Notiz tou der er- 



278 Weitere Nachrichten 

bens an die allgemein bekannte theilweise 
Unechtheit des befragiichen Requiem nicht 
alleiu aufs unzweifelhafteste bestaiigt^ sondern 
auch noch bei Weitem iiberboten ist, indent 
uns nunmebr durch Herrn 4^ n d r ^ versichert, und 



8ten Aiiffulirung der Clemenza di Tito in Prag, dann 
unterm a8. namlichen Monates , Nr. i43 u. ]44f de& 
Priestermarscb aus F dur sur Zauberflote , und ein 
Clarlnettconcert aus ^^ endlich a\s letzte Numcr 
1459 unterm i&. Novemb., eine kleine Freimaurer- 
Cantate aus C. — Am 5. des folgenden Monates De- 
cember starb Mozart. 

VomRequiem aborfindet sich imganzen 
Tage^uche keine Sylbe, welches wenigstens 
in aem Anbelrachte nicbt unerheblich iat^ dass 
MoKart, wie vorerwShnt, sonst doch niebt nur die 
get mgfdgigsten , sondern auch selbst noch gar nicbt 
fertig elistnrende Compositionen, sogleich einzutragep 
pftegte und, wie man sieht, bis wenige Tase vor sei- 
nem Tode^ einzutragen fortgefahren hat, also 
muthmaslich ^venigstens den angeblicb fertigen, er- 
sten Hauptthcil des Werltcs, nequiem und Kyrie^ 
wiirde eingetragen liaben, wenn er diese Arbeiten als 
eineComposition yon sich betrachtet und damal 
Gomponirt hatte^ indess im Gegentheil die Nichtauf* 
seichnung vieimehr dafiir zu biirgen scheint, dasSf 
y/vie denn auch Herr Andr^ behauptet, die im Mozart- 
schen Nachiasse vorgefundenen Wotenblatter nur als 
friihcre Studien dalagen, und z^ar aus der friiheren 
Zeit herriihrten, wo Mozart noch Itein Tagebuchfuhr* 
te^ und also wenlffstens nodifriiher als vom 9. Febr. 
lyS/^j nicht unwahracheiniich aber noch weit friiber 
und recht eigentlichy um mit Hrn. Stadler zu spre- 
chen, aus Mozarts Jugeudzcit. 

Doch wie gesagt, es soil auf dieses Argument hier 
licm Gewicht gelegt werden^ und zwar um so wcni* 
ger, da es, bei d^r, schon durch alles vorhin £r- 
wahnte, jetzt obnehin ganzlich hergestelltenGewisa- 
heit, solcher Vermuth ungsgriinde gar nicht 
mehr bedarf, ubrij^ens Hr. Andre, im Besitse so 
▼ieler , zuni Theil noch unfertiger und doch im Ta- 
gebuch aufgezeichneter Mozartscher Manuscripte, 
(•j5o an der Zahl,) in seiner angekiindeten Behaniit- 
machung den bcsagten Umstand weit umstandlicher 
und specielier wird entwickeln und mit Urkundcn 
belegen konnen, als es faier geschehen kann. CW* 



ub^r das Mozartische Requiem. 279 

durchHdrrn Stadler aufs heiligste betheuert wor- 
den istf nicht allein dass wirklich nur ein Theil des 
Werkes von Mozart hernihre, alios (tbrige aber 
Siissmayer'sc.ho Reslauration sei^* sondem 
wenn wir jetzt auch^ noch waiter erseheiif dasi 
jiicbt einmal der erste Theil wirkliche Mozartsche 
oigentlicheCompositioiii sondern wenigstens 
ofFenbar das Requiem and Kyrie Studien 
nach H^ndelschen Originalen seien^ — 
wenn ^ sage ich 9 durch dieso Nachweisungen die 
erste HMlfle meines Glaubens an die theilweise Un* 
^chtheit des Kequiem im Allgemeinen, nicht nur 
durch die entscheidendsten Zeu|^ni8se und sonstige 
Boweisot nicht sowohl bios best&tigty als viel- 
mahr^bei Weltem iiberboten ist; — so musseamich 
auf der anderen Seite auch ausnehmend erfreueUf 
zugleich die zweite H^lfte meines Glau- 
bensbekenntnisses bes^Htigt am findeiif n&m* 
lich meine geausserle Muthmasung , 
dass von dem, was seit 25 Jahren un« 
bestritten fiir Siissmayersche Arbeit 
gegolteni doch wenigstens Manches 
wirklich von Mozart herriihre. Folgea- 
des waren meine Worte^ am angef. O. S. 225 f* 

Die, durch die Menge von EntstoUangen nnd Verun- 
staltungen der Mozart'schen Ideen, iminer noch und 
iiberall siegreich hindurdileuchtende^ Tiefe eines grossen, 
berrlichen Gemutbes, ifvelcfae uns nicht allein alle dem 
Mosart^schcn Ideale geschlagenen Wunden und ange- 
hangte heterogene Embleme iibersehen, sondem auch 
iinsere ganse Generation dieganse Sacfae vergessen mach- 
te f als ware sie gar nicht geschehen , und nie urkundlich 
bekannt geworAen^ diese grosse Mosartsche Qpnception 



280' Weitcr^ Nachrichten 



w I ••■• 



*, 



fichtipt mir so^ar aicbt allei'n in dedeiot Stuckea 
nock unverkennbar hervorsuleiiGhtcn , toU denen Suss- 
mayer, seinem Briefe zufolge, Mof artsche Skiszen vor^nd, 
sondem mitunter >vo)il auch noch i^ ^nderen Numeric 
%velcl)e> dii^xa gedaclUei^ Briefs zufolge, Siissma'yem gan^ 
imgehdren , iron den^n ma^- abcr kaum glauben ^ann, 
4as8 so Etwas ganz Hi Sussmayers GarteV gei^acks^n sein 
moge. Ii;h erinQere nur an den, man mpgte sage*, des 
All^rhOchsten ganz wurdigen Anfang dies^Sanctns^ — nor 
an den Eintfttt der Basse mk dem unbesckreiblich nvir- 
kenden iq ^ bei ,, jp^ni^^ -^, dann an 4as wvnderherrlichey 
kii^dlich fromtne^ und dock so e4cl erhabcne Benedict 
fus \ -r* SpUte man da ni^cht in Versucimng g^rathen , zn 
mutbmasen 9 es n^oge sick unter den Brouillons kier und 
da imm^r dock nock ein Scknittselcben mekr geAindeo 
h^ben 9 ah m dem Briefe angegeben » •-?- etw» auch noch 
tfin ganz kleines Bia(tcken zum Sanctut^ -r Hues aiun 
l^sfwdictus^ r-r vielleicht anck noc^k ^in bekritzeltes fapiqr- 
t^trfifcken als Anfang zu](n -^gnt^s^ ^, dgl. -r 

l^ber Verhoffen schdn, finde ich die hier aus« 
gesprodiene, mir so theure Ahnung, ebenfalls von 
Herra Stadier init foi^endexi Woite9 (Seite 16) 
bestStij^t; 

j^yVQn Siissmayr ist im Lacrym,osa der letzte Vers: 
ffHiiic ergo -parce Deus j dann dis Sanctus ^ das Benedictus 
yyUnd das Agnus Beiy componikt. Ob aber SQssmayr da- 
l,zi;i eini^e HlQ^eartiscke Ideen b^nnt^t kahe, oder nicbt, 
i^kann nickt erwies^n werdea. DieWiti'^'c ft^gte 
i^mir, ^s katten si.ck ^uf Mozart's ^pkirei-b- 
},pulte ^ack seinem To.de. einlge wepige Zet- 
^telcken i^it Musik y o|^f;efua den, die sie Hrn. 
itS^ssmajr ilb^erg^bexi kabe. Was ^ieselbca 
,,entki^Uen, u^id w^lchen Qebrauck §us8- 
l,majr daypn gcmacl^t katte, wusste sie ni^jbt." 

Ich 4iir mdoea Theil finde, was lien Sudlejr ^4 



J 



Uher das MSxitrtisckd Rtquiem. 2S1 

sehr mdglich darstellt, wdnigsteashdcfast wahrschein* 
lich: ohiie jedioch daruber mlt ihm zn schm^len, 
dass er iiber die, rnirfut echte IWozartsche Fun- 
ken geltenden Spuren von Gdttlichkeit i^ Sanctusp 
im Benedittus u. a. m. sich nicht eb^n sehr enU 
ziickt kussert und iiberhaupt iiber diese ganze, mir 
und gewiss auch jedem andem wahren Ver^hrer 
des Unstorblichenlo theure und wichtige Frage von 
dem uiiverkennbaren wirklichen Antheile Mozarts 
auch am Sanctus u. a. m- roit einer Kalte und In- 
difTerenz hinwoggeht, welche man von einem Ver- 
ehrer Mozarts nicht erwarten sollte. 

Wie viel schdner nicht* nur^ als .solehe In* 
differenz, sondern wie weit gerechter und wiir- 
diger, ist dagegen, was Herr A. B. Marx*) iiber 
eben diesen Gegenstand sagt: 

Aber wo ist denn uberbaupt im Requiem ein Satz, 
dcr nicht, wcnigstens Eine Spur von Mozarts Kiinstler- 
„lir9ft triigQ ? " -^ und weiterhin : „Man prSfe unsure An- 
,^sicbt an dem Agnus Deif einem Satze, dei^ Siissmayer sich 
„gan2i luscbrpibt, und von dem Webei;^ wenigstens den 
„Anfang fiir Mozart Vindicirt. Wer mag jenem die Vio- 
„lin$gur) difl drei Satze ^fdona eis requiem^* zuscbreiben^ 
„Hat das Mozart nicht gescbrieben, nun woblan, sq ist 
,ider, der es gescbrieben, IVJozart." 

und wenigstens als anonyme AutoritHt kann es gel- 
ten , was in derselb^ Zeitung v. 11. Jan. 1826 
^in andery Corre^pi^dent sagt: 

„l8t die ErzSblung von dem unbeltannten Bestellor 
„gegrandet , ' so trifft den Sussma jer der getviss gegriia- 



9> 



■^^ 



*^) Berl. M^s. Ztg. i8i5 , 8. 379* 



388 If^eittre Nachrichten 

,tdete Vorwurf^ dast er, wie Weber ganz ricbtigeagt, der. 
^^musikalischcii l^elt nicht den Brouillon, so wie er war, 
,yin einem Fac simile offentlich mittheilte und dass er sicli 
9iden Verdacht der Frahlerei und Unwahrheit mit Recbt 
yysugesogen hat; denn ich balte es durcbaus fur uBwahr, 
^ydass sein Jjitbeil an dem Werke so bedeutend ist , als 
^er sich desaen riibmt. Hat er die InatnimenUtion ge- 
)»8ch^ben, ao hat ibm Mozart gewiss soviel Notizen und 
yyWinl&e binterlassepy dass er keineoi Fehl griff thun konn- 
,ite» denn in einem Sussmayarschen Garten (um mit W. 
i,zu reden) wachscn solcbe Blilmchen nicht. Weber sagt 
j^yja auch ferner sehr ironisch *) : yielleicbt hat Herr Suss- 
yymayer auch zu dem Benedietus eine kleine Andeutung 
y,(dessen er sich als von ihm allein herriihrend riihmt) ge- 
^^ndeuy Tielleicht ein Papierschnitzelchen zum SanctuSf 
ffjignus del u. s. w. Es geht also hieraus offenfiar heryor^ 
y^dass Weber selbst dem Siissmayer nnr einen sehr be- 
^schrSnkten und unbedeutenden **) Antheil an derKompo- 
yySition zugesteht. — Oder war die Wittwe Mozarts viel- 
i)leicht selbst, w.egen ihrer diirftigen Lage, dafur interes- 
yysirty das Werk lieber wenigstens ausserlich Tollen- 
yidot| als in den tausendmal bessem Bruchstiicken heraus- 
i>gegeben lu sehen, um so ihrer M^inung nach mehr 
y^pekuniaren Vortheil xu ziehen, so konnte Siissmayer 
yyimmer noch alk ein ofFener Mann.handein und in einer 
yydazu yerfassteii schriftliehen Erklarung der Welt sagen : 
y^das Ist Ton Mozart und das ist von mir. Was etwa von 
yyihm aeyn kann, machte die gegen den eigentlichen Karak- 
j^ter des Tuba mirum spar gens etw^ abstechende Instru- 
«»mentation seiDy obgleich es auch Mozartsche Tone 
yysindy die aber eher zu einem siissen Terzetto als zu einem 
lySo zermalmenden Text passen ; aber warum soUen wir 
yydenn durchaiia annehmen, dass dftser MisspifF nicht von 
9,Mozart aelbst hecruhren konnte » da das Fehlerfreie ja 
fioicht die Sache auch des grosstcn Kunstlers ist. Es ware 



•) ? GTV. 

''*) ? Vorsteheiid S. a8o. GfV. 



Uber das Wozartische Requiem. 283 

yydieses ein kleines, beinahe unmerlilichcs Flccltehen anf 
,»emem Baphaeliscben Gem&lde.*^ « 

£& musste mich natiirlichervveise freuen^ die- 
se Stimmen $ich so tebhaft fiir meine Behaup- 
tung erheben zu hdren, class auch in den angeb- 
lich ganz yon Siissmayer herriihrenden Sliicken, 
Spuren Mozartischer Schdpfungskraft unverkenn- 
bar genug hervorleuchten » und so auch diesen 
zweiten Theil meiner urspriingUchen Hauptan- 
sicht bestatigt zu sehen. (Was sich gegen man* 
ches Einzelnein der zuletzt ausgezogenen Stelle^ 
Skis zum Theil unrichtigy oder sonst, speciell erin- 
nern liesse^ gehdrt nicht hierher.) 



Die beiden^ vorstehend bis hierher erwsihnteQy 

vornehmlich von den Herrn A n d r d und S t a d 1 e r 

gegebenen Aufschliisse sind, unter alien durch mei« 

nen friiheren Aufsatz veranlassten^ allerdings die biin- 

digsten, zuverlllssigsten und entscheidendsten. Ihnen 

las8eich}edoch nun auch die Ausbeute der von 

mehren anderen Fersonen, Literatoreiii 

Tongelehrten, Sammlern u^ s. w. theils 

an michf theils an die Redaction der 

Cdcilia eingelauf enen Nachrichten fol- 

geuy indem ich die ganze desfalsige Correspon* 

denzy so weit sie irgend etwas pro oder contra 

enthUlt, oder sonst irgend relevant ist oder scheinty 

nachstehendf mit diplomatischer und selbst buch- 

slMblicher Treue abdrucken lasse^- und mitunter 

sogar Manches^ was im Grunde gar keine eigent* 

lichen Aufschliisse enth^lt, bloift um die mir 

geschehenen Mitlieilungen auf Keia# Weite zu 



284: Weitere Saehrichten 

verstiifnmeliiy thoils auj^h weil manche fferren 
Correspondenten solchen ganz treuen Abdruck 
verlangt| — vvieder andere, (wie die Herren 
Grosheim and Rochlitt) ibre Brief e zam ZWecke 
des Abdruckea kemach noch einmal eigens <iber« 
arbeitet und redigirt baben. Nur wenige Briefa 
solcber Fersonenf welcbe bios ganz trocken er- 
wiedern, iiber die Sache keinen Aufschiuss geben 
zu kdnnen, (wie die Herren Berg 9 Danzi u. a.) 
siad ganz ungedruckt geblieben* 

Manche freilich haben gbizliclie Verschwei- 
gung ihres Namens verlangt »- manche andere 
(wie die Herren €• HMrtel, Kruchten^ v. Mo« 
sel) auch die Bekanntmachung des Inhaltes Hi- 
rer Mittheilungen ganz oder zum Theil^ a us* 

* 

driicklich verbeten; wieder andere wollen, dass 
icb nipbt einmal erwahnei ob sie mir iiberhaupt 
Etwas iiber den befiraglichen Gegenstand mitge- 
theiit; und bier bleibt mir«denn nur iibrig^ dieses 
alles zu bedauern^ und die erwahnten verebrten Her- 
ren Correspondeaten hiermit nocbmals of- 
fe^tlich im P^amen der Kunst aufa dringendste 
zu bitten, mir die dfFeAtliche Bekanntmachung 
tbeils ihrerNametty theils auch desjt mit^nter ganz 
eigens interessanten Inhaltes (brer MittbeilungeSf 
npqh nachtraglich giitigst zu erlauben. 

$ls siiid diese Notizen> wie oben erwSh^it, theils 
Yon den durch schrifUiche Bitten von. mir aufge- 
fodertenn tbeils auch von nicht speciell aufgefo« 
dert geweseneo Ferspn^n , bios auf Yeranlassung 
nieines Aufsatzes in der Camilla f eingelaufeD. 
An ^e Spitze di^ser Briefisamnilung setze icb. 



Uber das' Moiartischt Requiem^ S85 

als Nr. I9 eiaeii Abdruck meiner em^hnten Er« 
fluchungsschreiben, wie ich dieselben, zu verschie* 
denen ZeiCen und zum Theil auch noch lange nach 
dem Erscbeiiieii meines ersten Aufsatses 9 an ver« 
schiedene Fersoneiii ''^) nach einem gemeinsamen 
Formular, im ganzen ziemlich.gleichlautend, an 
Manche jedoch auch ziemlich abgekiirzt^ wieder 
an Andere aber auch mit einigen Zusl^tzen, zum 
Theil $chrieb f ^ und zum Theil von einem' Gehil* 
fen schreiben liess* Die weiteren Numerny II* bis 
XXXI. 9 sind nach der Zeitfolge geordaet. 

Nr. I.) An (Verschiedcne.) 

Verzeihen Sie , liocligeehrtester , wenn ich mich 

Ihnen mit elner Bitte naherey welche ich mir Tielleicht 
darum um so eher erlauben darf, iveii sie das unendlich 
theure Andenken unseres unsterblichen Mozart betrilFt. 

Ich yersucbe, in dem 11. Hefte der Zeitschrift Cdcilia^ 
fiber die mir sehr zweifelhafte Frage :ob dasRequiem, 
80 wie wir es jotzt in gedrucliter Partitur be- 

• itzen, wirlilich ein We nil des grossen Ver- 

• torbenen hei^sen kdnne, und wie gross oder 
klein der Antbeil des Heraus^ebers Siissmayer an dem 
Werke sein moge? theils einigcs Licht sa verbreiten, 
theils aber auch und haupuitchhch , Anrcgung xu weite- 



*) Diese Personen waren (in alphabetischer Ord« 
nung) folgende : A. Aridrcy C. Bergj F, Dart" 
%iy i^. Dobelhqf'Dier , Eiblerj Gdnshacher^ 
Ju8t$zrath Grbnlahd, Dr. Grosheim^ F. Hd* 
ser^ Haslintery N, Hummel, F* Kanne, 
V. Meusebach f Kammermusikus Miecksch^ 
V. Moselj C, Mozart J W. A, Mozart^ N, 
Neukomm , C. Neuner , 9. Fbiichau » Rei* 
cha^ L. Re Us tab f F, RochlitZy Fr. SchneU 
dery V. Seyfriedy Prof. Sommer in Prag, 
Spohry M. Stadlery Geh. Hofr. Tkibauty Cap. 
M. Trietensee in Frag 9 A. Wendty C. M. v. 
Weber ^ Dionye Weber » Zelter^ Zulekner* 



386 Weittre N^hrkh^em 

renForsfiliiiacea fiber dietfe, der BUnsi- und J9iuistge«c^ilcbtt 

•o wichtige Frage ^ zu gebeo. Mir scheint es nan einmal, 
als trage in dem befraglieben Wevbe £ar M an ohe • kei- 
nesw^gs den Stempeides Mosartscben' Genius: and nuincli« 
nicht unverstandige Personen, mit denen ipn aeitdenn ge- 
•prochon^ geben, nacbdem aie meine- Andeuttmg bi^riiber 
gelesen, nun nocb "vreiter fiU meine Bebau,ptungen gegan- 
gen waren y oder besser £a sagen meine mntlimasungen f 
velche namlieb nur ^ dahin gmgen , daaa 8$iasi(n9yer wohl 
und sebr unyollstandi^e^ y ielleicbt nicbt eimnai susam- 
menbangende Entwnne und Brucbttflcke von Entwurfen 
ydrgef^ndan» und diese Brouillona, yielleicbt nur balb 
yeratanden , nach seiner Art und Weise , und seinen be- 
•ehranbt^reA Ansti^ten und Kraflien gemSss, su einem Re* 
quiem yerarbeitet habcn moge. Freilicb w'dre die ganze 
Frage mit Einemmal aufgeklSrty wenn das Original-Manu* 
script, auswelcbem Siiasmayer die bei Br. et Hiirtel er- 
schienene Partitur gebildet nat» yorlage: allein, Niemand 
y?ill yon der Existens desselben ety? as wissen* und die bis 
jetzt eingezogenen Erkundigun^en sttmmen darin uber- 
ein, dass Siissmayer selbst bem Original - Mapjiucrlpt in 
Banden gehabt habe. In Ansebung der Original -Manu* 
scriptblatter weiset man micb baung an Hm. Andr^ in 
Offenbacb f allein entweder er besitit nicbts Bewei&en* 
des oder will die Beweise nicht yorzeigen. Wollten Sie 
die Ge wogenheit baben » mir iiber die besagte Fragu eini- 

ten nahem Aufschluss zu geben und micb dadurch in 
•tand zu setzen, den in A^regung ^ebracbten Gegenaland 
bald nocb naiier und moglichst befnedigend zu beieucbten« 
so wiirde nicht bios icb, sondeni die jKunst selbst, und 
alle diejenigen^ denen dcr Name Mozart heilig ist, Ihnea 
fur solche IVlittheilung im bi>cbsten Grade dankbar sein 
miisseih 

' Icb babe die Ebre u. s. w. 

Gfr, Web^r, 

Nr. IL) An Gfr. Weber. 

Offenbacb a. M. den 99. July iSaS. 
Ihr gestem eingetrpff^enes Scbreiben yom s^su erwie* 
dern , so hat sich K. M. Siissmayer in Nr. i. des 4* Jftbrg. 
dcr Leipz. mus. Zeitung fiber seine Theilnabme am 
Mozartschen Requiem — und "was demnach seine m u- 
sikalische Arbeit dieses Werkes betrtfft — ganz 
richtig ausgesprochen, denn yom aten Tacte Pag. oi der 
Br. u. Hartelschen Partitur *), ist allea neu yon Suss- 



*) namlieb der alteren Auflaee, oden S. 61 T.|3der 
neueren, also bis au den Worten: homo reus. 

GfV. 



Uber das Moxartisehe Requiem. 287 

mayei^ komponirt, und^nur der erste Ikiosartflehe 
Satz beym Scbiitsse vviederholt worden , um dem Gansen 
melfr Emheit zu gcben. Von Momrt selbst existirt nur 
sein^E n t w u r f dieser, wahrsch^nlich in den i78or Jabren ge« 
scfariebenen and nnrollstdndig binterlassenen Kompositton. 
Man hatte mir ihn tof Iflnger als do Jabren einmal sur 
Binaicbt mitgetfaeiit, und so viel ieb micb entsinnen kann. 
\Varen niir Ton den ersten Pieccn die Singstimmen una 
Aer Bass, nnd bin und wieder einige ndtbirendige Instru* 
mentirung, in diesem Moeartscben Manuscript ent- 
haltGfn. Mozart •^ der' uberhaupt von 1784 an •^ sein ^ve 
verum Corpus ausgenommen -— gar nicbts mebr fiir die 
Kirche eeschricben hat, — seheint dieses Requiem nicfat ba- 
ben Tollcnden za wo 11 en, so i/vie er dies aueh mit seiner 
grossen c-moll - Mcsse ectban bat, die er im Jabr 1783 an- 
iing, und mit dem iSteamatus unvollstSndiff bintcrliess^ 
aitch diese Missa n i e auszubomponiren Torbaben mocbtOy 
indem er ste — so weit sie ganz instrumentirt "war, nUm* 
lich bis zum Seblusse des Gloria — * zu seiner Cantata: 
Davtde penitents^ benutzte, und bierzu noch die ^ so scbo- 
nen Arien scbrieb. 

Br. et Hartel baben ^ntweder die Susamayerscbe 
Handscbrift des Mozartscben Requiems , oder gar nur 
eine Gopie dieser Siissmayerscben Handscbrift, zum Bebu- 
fe ihrer Ausgabe der Partitur dieses Werbes gebabt; da, 
ifvie gesagt , yon Mosart beino voHstandige Partitar exi- 
Stirt. 

Icb besitse ein vor 25 Jabren von d«r Wittwe Mozart 
erkauftes Exemplar der Partitur des Mozartscben Re* 
quiems, worin mit M und «9 alle Satze bemerbt steben, 
ivelche von Mozart und Sfissmayer herrUhren; allein 
icb gebe dieses Exemplar nicbt aus Handen, indem ick 
mir Torbebal te, selbst einmal eine Ausgabe biernacb 
zu yeranstalten , und einige diese Sacbe angehende Bor 
merbungen der Welt mitzuthcilen. Vielleicbt veranlasst 
mich zu letzterem scbon Ibr im 11. Stiick der CddUa zu 
erwartender Aufsatz. .Mit u. s. w. 

jindre\ 

Nr. III.) An GIV. Weber. 

Leipzig, d. 3teii August 1S2B, 

Ibrer Versicberung nacb , geehrter Herr und Freund, 
ist Ibnen daran eelegen; auf Ihre Erase, Mozarts Requiem 
betreflfend, baldigst Antwort zu erhalten: so gebe icb sie 
Ibnen unmittelbar nacb Empfang derselben, in wie fern 
icb bier ilberbaupt antwortcn bann. 

Mozarts Wittwe kam nacb des Gemals Todte nacb Leip- 
zig , um das Requiem ftu ibrem Beaten auffiibren zu lessen 
Und den Hrn. Breitkopf und HSrtel aus des Entscblafenen 
IVacblass i?ar Hcraus|^be aazubieteuk was sie sicb wab- 
lea woUten. Die Papiere fBHaten fast einen Koffop und 



3S^ Weitetc Nmhrkhi^n 

fechvrerlich genau, was ste cigieiitliGh besass; auch nicht, 
dass das Meiate schoa seAruCikt -war etc. Breitk. withlte 
daa Requiem , die drey umeii bekannten 9 kostlichen Kla* 
Tierconcertc, nod cinigeiileine Klayier<- und Geaangstucke^ 
die hemach in- die Sammlung der „Werlie^' aufgenommen 
wordensiad. Mad. M. biieb kaum zwey Wochen; in wel* 
cbar Zeity. ausser der Wabl, aucli eine Copie der Fani* 
tur des Requiem xu $tan49 kommen musate ; denn da dies 
Werk auf Bestellune eines Unbekannten jeesckriebeu vrar, 

glaubte sie wohl die Origiualhandfichrin fur diesen auf* 
efaalten Ka mUssen. Bey dieser £ile bekam ich, ein a^ah* 
riger . junger Menseb » . zwar mit Breitk. bekannt, aber 
ifam nicbt nabesteiiond 9 dieae Handschriffc nielit ku sehen. 
Doch brenncud von Ehrfurcht uud Liebe zu M. und al- 
lem, was too ihm auagegangen 9 umlagerte ich Mad. M., 
die Sangcria Lange^ (ihre Schwestery) und den Gompo* 
Bisten Eberle, welche beide in ihrer Gesellachait reise' 
ten> und forscbte und fragte nacb aUem» was zu scbaz- 
zen und woran Intoresse zu finden ieh damals fahig^ war| 
xnithin auch hach der Entstehungsgeschiohte des Requiem 
und was sich an s)e knupfto< Aus alle dem, was icb da- 
mals erfubr und sogleicb notirtey ohne irgend eine Ab* 
sicbt* ausser^ es nieht «u vergessen; aus deih kurzen 
Briefe SiissmayrS) etwsis spateri da durch den Dri^ck der 
Bartiftir die Frage^ welcbe Sie jettt wiederholen^ emsto 
lich zur Sprache kam ; aus manchen Notizen, die icli nacb- 
her erhalten , und aus der Gest^lt des Werkes selbst — • 
hab' ich mir foleende Vorstellung von der Sacbe gebil* 
det» die ieh freyii^ da cinigermassen sie zu begrfinden, 
Bogen erforderte^ nur als raeine, einea Einzelnen^ Tor* 
steilung bingeben kanns 

Bis.zum Safictus ist da^ Werk ganz, wie ea ist, von 
M. niedergeschrieben 9 und hochstens Icann er in der far* 
atrumentation 9 wo diese bios begleiteiiy oder sonst fiir 
aich nicbt berrortreten und im angezeigtftn Gange fortge- 
hen soil -«- kurz^ wo si^ sich fiir den Kiinstler yon aeibst 
-verstebt — einzelne. Liicken^ in bequemerer Zcit ausfeu* 
fiilien , gelassen baben. Zum Sanetus fiiblte er sick (nun 
achon krank) nicbt. gestimmt, alser in der Beih« der 8atze 
daran kam : er skizzirte es nur^ legte sogar vielleicht es hut 
an , ( etwa in den Singstimmen mit Bass,) |ind hJHte wahr- 
acbeinlich es grosser und weiter ausgebildet^ wean ibn 
der Tod nicbt iibereilt batte. Zum Usanna braucht« er 
bios die Singstimmen biageworfen zu babea : das Anders 
ergab sich yon selbst* Zum Benedietus und Agnut D^i liihl* 
te er sich , selbst durch aeiae 4aiaalige Laee , geneigt und 
begeistert: er scbrieb sie in allem Wesentlichen nieder — 
nicbt aur.die Singstimmen^^sondera auch, we sie von 
besonderer Wirkung seya aoUtea, die Instnunentei (a. 
B« d«i» Eifitritt der Fo8«^i^n«^ im Btntdictus , der an aaa 



Uber dks JUozattisehe Requiem. 289 

•riM ,yll«tfttl»f»t aBterimm^i efinnvrty <Ue Fievr der Gelgen 
im Agnus Oei) bey dem Ubrigeo konnte em Terstandiger 
MusiEer , wie Siissmayr , nicht fehlen , wenn er selbst , 
Mosart , es nicht hinschreiben nvolhe. An die folgenden 
Satze: Libera etc, kam er nicht mehry und so fenlen sie 
ganslicli. Bey der Ruckkehr des He^fuiem ete^ ist es ge« 
wohnlich^ und Tollkommen angemessen , mithin hochst* 
wahrscheinlich audi in M.s Vorsatie gewesen, das erste 
Hequiem f absekurst und mit beliebigen Anderungen im 
Ausserwesentiichen« herilberzu nehmeni so dass er, wenn 
die auf jene J^t abgeanderte Einleitune nicht Fon ihm^ 
doch &o ist, wie er sie iriirde geschrieben, ivie er yiel^ 
leicht auch mit Stissm. , seinem Hausfreunde und treuera 
Aushelfer , sie mag besprocben haben^ Dass er noch ei* 
nen grossen Schlusssatz^ {Libera etc) wahrscheinlich aus 
Hauptideen mehrerer der ersten Satae ne« ^^ewebt, (wic 
die Textworte) wurde geschrieben und keineswegs die 
Fuge wiederbolot baben : davon bin ieb iiberzeugt. 

Hieraus gebet nun, in Hinsicht auf Ibre Frage, so 
weit ich urtheilen kann » Folgendes hervor : 

1. Die feblenden StUcke und allenfalls das Sanctus 
abgereebnet » besitsen wir in allem , was nur einigermas- 
sen wesentlich zu nennen ist » das Requiem » wie es Moz« 
tbeils voilendet^ theils gewollt hat^ 

2. Siissmayr, da er ein routinurter Musiher, seit Jab* 
ren um Moz. und die Nebendinee ( Aussetzung yon ihm 
angedeuteter Instrumentation u. agl.) unter seinen Augen 
za vollenden gewobnt war r-* wie er denn erst kurz Tor- 
her zu diesem GeschSf^ ancb bey der Clemenza di Tito 
beimtzt yrorden war — hat bedeutende Fehl^rifFe gar 
niobt macben konnen, und im Grunde eine leichte Ar- 
beit gehabt. 

So weit meine Meynung: nun aber fiir Ihre Angele- 
gcnheit etwas Bedeutenderes ! Nach melirern Jahren yer- 
kaufte die Wittwe Moz. , was ihr an Handschriften ihresGe- 
mals noch Ubrig war, an Hril. Hofrath Andr^ in Of- 
fenbach; und so bckam dieser hSchstwabrscheinlich auch 
die Origtnalpartitur des Requiem, die yielleicht jener Un- 
.bekannte (jetTst will man ihn kennen) nicht yerlangt hat- 
te. Wenigste^s yersichert Hr. A., wie man mir ftesagt* 
diese Fartitur zu besitzen, und ich babe nicht den ge- 
ringsten Grundy Zweifel in die Versicherungen. dieses 
Kennerd und allgemein geachteten Mannes zu setzen. An 
diesen baben Sie mithin sich zu wenden , wenn Sie die 
Originalfaandschrift sehen oder genaue Nachricht yon ihr 
haben woUen. Von ihm oder yon Ibnen mit aller Sorg- 
fait abgefasst, wiirde diese Nachricht gewiss sehr yielen, 
wie mir, ungemein an)siehend seyn. 

Ich bane alles yorstehende nicht geschrieben , dass ea 
offentlieb bekannt gemacht werde, sondern bios, um Ih- 
ren Wunsch zu erAUen. Sollten Sie dennocb Manches 



1290 JVejtar^ NaahricJtten 

dttTon'od^^far AUae brikaint^machen woll«n: so ImBe 
ich nichtfi daeegen, bittc. aber, dabev zu bemerlieii, daiss 
ea eic^ntlieb bios Ibnenauf Ihre Antrige zugedacht war. 

Nr. JV.) An Gfr. Weberi 

... .am 12. Augus{ 1821. 
Gleich nach meiner Zuriiclikttnft hierher babe ich 
Nachforschungen angestelU, urn Ihre IVage iiber Mo- 
isarfs Manuscript seines Rcmiiem moglicbst^ geniigend 
beantworten zu Itonnen. Folgendes 1st, was ich aus xu- 
verlassigen Quellcn schopfte: Die voUstandige Original- 
Handsclirift Jen^s grossen Werlis.(in so we it Mozart 
es voHendetiB) findet sich nirgends. Mehrere geben 
Tor, sie zu besitzen, weigern sich aber , sie auf Verlan- 
gen Torzuzeigen. Siissmayer bat zur Instrumen- 
tirung der nacb Mozart's Tod vorbandea ge- 
wesenen Tonstiicke des Requiem nur eine 
Absichrift derOriginalicn gebabt» Diese^ Abs<^iit, 
nebst den Ergani^ungen Siissmayers, befindet sich in den 
Mandcn eines ..... geschatzten Musik • Kcnners und 
Freundes, des Freybcrrn Carl von Doblhoff- pier. Den 
Original-En twurf des Dies irae ^ nur theilweiscT in- 
strumentirt , besitzt der liaiserl. HofkapeUmeister, Herr 
Eybler. Mit u. s. w. Ihr ♦) 

Nr. V.) An Gfr. Weber. 

.... den no', August iSaS. ~^ 
Bei meiner Naclihauseliunft fand ich Ihr> verehrtes 
Schreiben ▼. 26. v. Mouats Tor. — Ich beetle micb auf 
Hire Anfrage zu erwiedern , dass iiber das Manuscript 
von Mozarts Requiem im eigentlichen Sinn ein Dunkel 
herrscht, dcnn niemand will reclit davon wissen^ obgleich 
sich Manche das Ansehen geben pollen, als waren sie in 
Aati Geheimniss cingeweiht So yiel mir bekann^ ist, 
existirt hein vollstandiges Original - Manuscript* denn dem 
Veriiehmen nach soil selbst die Leipziger Ausgabe nach 
einer Copie veranstaltet worden seyn.. — Manche rulimen 
sich, Bruchstiidle in der Urschrift zu besitzen, jedoch zu 
Gesicht bekommt man leider nichts, •-^ so riel ist aber 
geviiss, dass mir selbst vor ein paar Jahren einige Blat- 
ter von diesem Requiem von Mozarts Iland zum Kaufe 
angebothen wurden , allein da nian sehr hohen Preis da- 
fur verlangte, brachte ich selbes nicht an mich, um so 
weniger , weil ich selbst einen Schatz von Mozarts Mei- 
sterhandy welchen sich derselbe zu seinem Studium ei- 
gens auf kleinem Notenpapier,^ zusammengeschrieben, und 

*) Der HeiT Verfasser dieses Brieves will unbekannt 
bleibea. 



Uber das Hfoztartische Requiem. 291 

Eoflstentheilff aus \renig bekannten Werken yon £B«r« 
LyM. Haydn besteht, eigeBthumlich besilce. — IKeHerren 
...... una haben Uinen yyie ich yemomment ebenfalls 

SeschriebeiK und ich hoffe, wenn ich Gelegenheit habe mit 
[. Hofkapeflmeister yon Eybler zu sprechen, welcher eben 
ietzt zu musibal. Vorbereitymgeh, wegen des Kronungsfestes 
Hirer Maj. der Haiserin, in Fressburg ist » dass ich ihnen 
yielleicht nooh nachtraglich etwas darUber werde mikthei- 
len honnen. Mit u. s. w. Ihr u. s* w. *) 

Nr. VL) An Gf r. W e b er.' 

• • • . , den 4* Sept. i825. 

Ihre Erinnerungen gegen das Mozarlsche Requiem ha- 
ben mir ^rossc Freude gemacht. Was Sie tadeln, das 
babe^ich immer eben so, wie Sie beurtheilt, und dafur 
yon den blinden Anbetern des grossen Meisters viel Vor- 
folgung leiden miissen, besonders wenn ich noch hinzu- 
•etztet dass die Einleitung des Wcrlis * buchstablich aus 
^iner Trauer - Gantate Handels auf die Koniein Charlotte 
abgeschriehen sey : dass das Rex trtmtenaas , maiestatis 
fast nichtSy als abgeliurzte Rcminisceazen aus zWeyen 
Choren in Handels Samson enthalte, und dass, die yon 
Ihnen mit Recht getadelten Gurgeleyen im Grunde auch 
uur aus einem, mir immer missfallig gewesencn Chor in 
Handels Messias entlehnt sind. 

Von der Geschichtc dfis Retpiiem "weiss ich bestimmt 
aii^h nicht mehr, als Sie erzahlen. Mehrmals haben mich 
indess musikalische Freunde yersicherti tir. H o f r a t h A n- 
dr^ in Offenbach besitze Handschriften , woraus er bis 
auf die Ictzte Note beweisen honne, was Mozart ange- 
hdre od6r nicht, und dass das (mir im Requiem nicht 
gefallende) Benedictus' nichts als die Umarbeitung einer, 
yiel friiher yerfassten, yerliebten Arie Mozarts sey. Viel- 
Icicht mochten noeh b^ssere Notizen zu erhalten seyn yon 
Hm. Georg Polichau, in Rcrlin, welcher yor einigen Jah- 
ren so titulirte musikalisehe classische Kunst- 
verke der Deutschen ]|ey Steiner in Wien heraus- 
gegeben hat, eine herrliche musikalische Ribliothek, so 
wie yiele eigenhandige Manuscripte dler beriihmtesten 
Tonkiinstler besitzt, und alien euriosis und rarioribus 
leidenschafllich nachgeht. £r ist es auch, der schon 
langst yon Naue herausgebracht hat, dass die Motettex 
mein Jesus dich lass ich nicht « keineswegs yon Seb. Bach, 
sondern yon Ghr. Bach herrilhrt. £r pflegt swar mit 
seinen Schatzen sehr an sich 2U halten, doch zweifle ich 
nicht, dass er Ihnen auf iiu* Verlangen in Beziehung auf 
Mozarts Requiem mit Rath und That an die Hand gehen 



*) Auch dieser Herr Correspondent 'will Bicht genaimt 
sein. 



292 Weitere Nachrichteij, 



Es soHte irii^li Mlir freoen, weAn 
HB^eklart werdeii Kdnnte. Ihr etc. *) 



wird. Es soHte irii^li Mlir freoen, wefin diese Sacbe 
gans ani 



Nr. VIL) An Gfr. Weber. 

• • . • den 7.. Sept. i8a5. 

Hiebey erfolgt sogleich die bewusste Cantate in einer 
deutschen Ausgabe, die Englandische^, welcbe ich jetfil 
gerade nicht entbefaren kann, fiibrt den Titel: Anthem for 
the funeral of Queen Caroline corn-posed in the Year 1757. 
Lesen Sie nnr das erste Lar^hetto e ataceato^ mt der 
Uberzeugung, dass cs. koine Originalitat i^t, wenn man 
aus 2 Noten 4 macht 9 und o^-nvolf in <2-moll iibertragt. 

Bey dem JRex tremendae males tatts konnte ich immer 
nurdenkenan die beyden Chore im Samson : H^ith thunder 
arm'd und: hear us our God'^ — - in der Wienerisehen Aus« 
gabe p. 57 : im Donne'r komm, und p. 72 : Hor mich 
o 60 tt. Das Christe eleison ist gurgelnd, grade wie der 
Chor: Geheili&t brihgt ihm JLobundPr^isim 
MessiaS) glelukl aber dann offenbar (besonders gegep das|flic 
Ende) n#cli ein das Thema aus dem Chor des Mesaias: 
durch seint) Wunden sind 'wir geheilet. 

Als Verehrer Moasarfs batten Sie aucb noch untersu- 
chen sollen , ob das : Tuba mirum spargent sonum an ein 
Haar mehr omlnert, als an das Klein e Nadel etc. in 
Figaro. Ihr etc. *) 

Nr. yill,) An Gfr. Weber. 

Mainz den 8. Sept. i8a5. 
Ihrenn Wunsehe rucksichtlicb des Mozartscben Re- 

fuiems kann ich in diesem Angenbljck nicht entsprechen; 
och da ich mit Breitkopf und HSrtel in Unterhandlvng 
bin, demselbes eine grosse Parthie seiner akern Kircben - 
Musik-Manttseri^len abznkaufen, so ist es hochst wahr* 
adteinlich* ^nn HKrtel das Ma^iuscript Ton dem Re- 
quiem Boeh bantot, dass ich dieses aucb erhalte, wo ich 
mir denn das Vergniigen mtcben werde^ das Manuscript 
sogleich an Ew. Wohlgeb. «u S'bermaclien. — Doch 
glaube ich, dass sich dieses Manuscript in der Verlassen- 
achaft des verstorbenen Kapellmeister Muller Ton Wei- 
mar befinden muss, denn so riel ich weiss, besass derseU 
be mebrere Moeartsche Manuacripte. 

Kann ich Ibnen sonst in etwas dienen, so hiiben Sie 
nur zu begebren, und ich -werde mir ein Vergnugen da- 
raus machen Ibrem Wunsehe za entsprecben. Mit etc. 

Carl Zulehner, 



•) Der Hcrr Vferf. der Briefe Nr. VI. und VH. will 



nicht genannt sein 



Uber das Mozartischc Requiem, 29$ 

Wr. tX.) An Gfr. Wel>«r. 

Gassel den 16. Sept. i835« 
Zu einer Zeit ^o^ nns Heir Breitkopf M osarts Werl&e 
auf Druckpapier ^ab, und der redliche Simrok , die Ma- 
nen d«8 tJnsterbhchen zu ehren, seine Ausgabe auf Pa- 
pier Jesus veraastaltete , rei^te auch Andre von Offen- 
bach nachWien, umsich^ ausderQnelle iiber deaNacblas^ 
des Verstorbenen 2u orientiren. JOortbin also glaub* ich 
werden Sie sicb zu wenden baben^ mm Nachnchten zu 
bekommen^ die nicht nach der £lle und dem Gewicht rie* 
chen. •-- Ich bedaure, dass m i r von der Sache nichts be- 
kannt ist. Niemand hat damals die Feder ergriffen ^ als 
man->fur einige Groschen so rtel Mozart kaufen konnte, 
denn auf don Markcen Bankelsangerlieder. — Niemand 
hat es Simrok offentlich yerdanken woUen, dass er 
diese Schmach rachte; und Andrews Untemebmen: 
9,den Machlass Mozarts mit dem, was Grosses bereits 
von ihm vor uns lag, in einer grosson Samxnlung heri 
auszugeben^S kam, ausser eini^en Quartetten, nichi 
zu Stande , da die ^anze Welt von Leipzig aus beretts 
mit solch oiner Edition ubersch^emmt w»m Ich sage 
von Leipzig aus, woher wir auch, und von demselben 
Verleger, einen Klavierauszu^ des Don Juan erhielten^ 
dem die musterhaflteste t}berset£ung zum Grucde liegt. 
Soy unter tausend, sind die Worfe „a la grande maestosa^* 
in des Leporello Arie , foleendermasen uoersetzt : Das ist 
sein verdammtos Leben; ^ie Silben sind nach der EUe, 
dps ist wahr: Ob aber die Paukea, die Mozart zu dom 
mae si OS a' setzte^ 2u dem v^erdammtenLeben pas- 
sen?!! ' . . ' 

Selir angenehm wird es mir seiA, d«s, was Sie ilber 
das Requiem sagen, zu lesen, und ich sehne mich nach 
Ihrem Aufsatze. Auch meine simmtlichen Leser der Cae- 
ciliaj deren ich 9b und zu fur meine Person etwa uber 
ein Dutzend i^sammeii habe^ wierden sich dessen fretten^ 
Achtungsvoll etc. 

Orosheim. 

^ Nr. X.) An Gfi^. Weber, 

Weimar 19. Sept. i8a5. 
Den Sohn ^s verstorbenen Hapellm. A« £. Miiller^ *) 
fand. ich erst gestern zu Hause.' Da er so wenig, als seine 
Mutter die geringste Auskunft iiber Mozarts Requiem zu 
geben wusste, so war ich schon bereit, an die Herren Har- 
tcl und Ghr. Schulce in Leipzig, auch wohl an meinen 
FVeund Mozart in Mailand (den Sltesjten Sohn, der eben 
bei seines Vaters Tode nur etwa 6 Jahr alt war) zu schrei- 
bea, al« mir einfiel, unser wackrer Humttel kdnnewohl 



') Siebe vorstehend Nr. VIH. 



294 Weitere Nachrichten 

etwa8 wissen. Heute friih erfuhr ichbei dieseni). dass er 
ebenfalls Ueute Ihnen schreibcn werde. Zum tjberfluss 
melde auch ich, was Hummel mir sagte, dass Hr. A n d r ^ 
in Offenbach a. M. Mozarts Originalpartitur besitzt, in wel- 
cher, durch rothe Buchstaben S und M^ S&ssmayers und 
Mozarts Arbeit angedeutet ist , und dass Hummel diese 
Partitur selbst bei Andre gesehen hat. Ich frcne micb , 
dass IhreFragc nunmehr so g;enugend beantwortet istund 
dass die Benutzung der Originalpartitur Ihnen hoffentlich 
leicht seyn wird. Ew. etc. * » 

A. F, HMser. 

Nr. XI.) An Gfr. Weber. ^ 

Weimar den 19. $ept. x6a5. ^ 
Ich melde Ihnen « dass Breitkopf et H|lrtei und Andre 
die Manuseripte Moaarts von seiner Wittvre gehauft ha- 
ben. Was das betreffende Requiem betrifft, so. besitzt 
esFVeund Andr^ in Offenbach; als ich nach Paris reisste 
ass ich bei ihm; er tries es mir, mit Notationen mit rother 
Dinte Tersehen y und dasjenige bezeichnend , ^^as Mozar- 
ten angehort und w£is SUssmayer hinzugefiUgt hat. Sie 
hdniien also von ihm die sicherste Aushunft daruBer er- 
halten , indem Sie sich von ihm ein gedruchtes Exemplar 
mit den Atifangsbuchstaben der beiden Inter essenten be- 
zeichnen lassen, gleichlautend seinem Originj^. 

Mehr Aushunft hann ich Ihnen hieriibei^ nicht gisben. 
Leben* Sie 'wolil etc. rv 

HumrqfL , 

» 

Nr. XII.) An fefr. Weber/ 

Leipzig ant 6. Oct. i8^5. 
Brief von Hrn. H a r t e 1 in Leipzig, dessen Belkanntma- 
chung derselbe sich jedoch durch spatQrei^ Brief, nachste- 
hend Nr. XXIX., verbeten hat. 

Nr. XIIL) An Gfr. Web ev. 

Berlib'^en i3. October 1825. 

Auf Ew. etc. gefalliges Schreibcn vom 10. v. M. babe 
ich die Ehre zn erwic<dern, dass mit ^icht bekannt ist, 
ob und lYo die Mozartischen Handschrififen etwa noch 
vorhanden seyn mochtei^. 

Indesson sind in der musihaBschen Bibliothek des.hie- 
•igei\ Pnyatgelehrten, Horrh Polchau, dje vi^lleicht vireit 
und breit nicht ihresgleiehen hat, viele Autogravha, gros- 
ser Tonhunstier gesammelt; leicht moglich, dass sich 
darunter auch die von Ihnen gesuchten Mozartischen 
finden. Ich habe jedoch Ew. etc. um so wenigei) vor-^ 
greifen und bey Herrn Polchau sogleich anfragen wol- 
fen,, weil derselbe (vermuthlich dur^^h uaaagenehme Er- 



Uber das Mozartische Requiem. 295 




gelingt 

am be«ten bey direkter Anfrage aicbere Auskuiift diesor* 
l&alb zu erlamgen. 

Hocbacbtungsyoll etc. 

Kt H, G, von Meuselaeh, 

• £fr. XIV. ) An die Redaction der Zeitschriflt Cadlia. 

Wien, 16. Oct. I825. 

Aucli fiber Mozarts Requiem babe ich unverziig* 
licb geantwortet *) und nun , ilhch Lesung der rortreffli- 
chen Abhandlung im ii.Hcfte, nur Foigendes nocb hinzu 
£U fugen: 

Die Ecbtbeit bezweifelt — « bier tvenigstens -— Nie- 
znand. Dass ein vollstHndises Manuscrijpt dem mrsteriQ- 
sen Unbekannten eingebSndigt wurde, 1st nur erne un- 
verbiirgte Sage, welcbe die Wittwe niemals befitSttigte* 
Ich war damals mit Sussmayern zugleicbMozarts 
Schiiler ; er In der Composition , icb — als junger Bur* 
sche — im Clavierspicl ; docb weder in dieser nocb in ei- 
ner spateren Epoche vertautbarte daruber das Geringste* 
Der Meister hat zweifelsohne die grdsste HIilfte selbst vol* 
lendet, und Sdssmayer nacb ' vorgefundenen Skizzen 
den Rest hinzugefugt. Dieser war in jener Zeit des ver- 

ewigten Amphion unzertrennlicher Ge^brte, .' 

Der stundliche Umganjg; befreundete ihn innig mit des 
Lebrers Geist, sonderlicb mit der ibm so eigentliiimli- 
chen Bchandlungsweise, vom gemeiniiblichen so abfweicbon* 
den Anwendung der Instrumente. £r begleitete iiin nacb 
Prag, wo im Hause des >nracliern Xonkiinstlers Franz 
Duscheck die Ciemenza di ,Tito mit einer kaum glaub- 
licben Scbnelligkeit erschaffen wurde. Siissmayer er« 
Acbien auch bier als wahrer Nothbelfer; Mozart notice 
ileissig, und Siissmayer instrumentirte riisti^ darauf 
los, denn er wusste ja, wie sichs jener g^edacfat batte, 
Tvie ers baben wollte. So erfiibr ich aus Duscheckft 
eigenem Munde, dass nur die Hauptstiicke, z. B. die Ou- 
verture, die Duo's, Terzetten, und bey de Finale's Mo- 
zart eigenbSttdig aufscbrieb, die ilbrigen bingegen S ii s s- 
mayer in Partitur setzte; die Arien der Servilia^ des 
Annius und Publius aber ganz aus seiner Feder sind. 

Dass somit Siissmayer Tielleicht der einzigc Tonseteer 
war, der es wagen durftc, M o z a r t s Sch wanengesang zu 
ergMneen, liegt am Tage; nur er hatte sicb dessen Indivi- 
dualitat so vollkommen — freylich mitunter als Plasiator 
— angeeignetf dass mir mebrore Werke, emsten Styles, 



^) Der frilbere Brief muss Terloren gegangen sein, die- 
. be nacbstekend fir. XXVII. 



296 Weit^re Nachrichten ^ v 

bekannC siild, welche ich unbedingt fiir Ms. Arbeit kaltvn 
-Mfurde, ware ich i&icht rom Gegentheil yergewissert. 

Was nun die andern, wahrlicb ni^t ungegriiAdeten 
Biiffen der Cdcilifl. anbelangt, alt: die gesancwidrigen 
Stellen im Chris te, die Aaffassnng der Verse: twa mirum^ 
cum vix Justus J confutatis ^ der ^gensatz auf: ^iiam olim 
Aktahde u. a. ) welche sammtlich gewiss nicht auf S il s s- 
in a y e r s Rechnung iLommen 9 so liessc sich , Torausge- 
•et%t, dass bier wirkiicbe Miasgriffe statt finden, doch noch 
manch Erhebliches su des Gomponisten Entscb-al di• 
g u n g stnfUhren. Indem Mozart, iur die Kircbe acbrleb, 
virolUe er lieber den Einybungen seines Genius Fesseln 
anlegen, als die Formen des hergebracbten Ritus ver- 
letzen. So folgte er, mit lundllcbem Geborsam, in den 
Hauptmomenten • seinen Vorgangem :Reuter^ Bono, 
Hofmann, Alorecbtsberger u. s. -w. und ward so- 
mit aucb Tbeiliiehmer ihrer Fehler. Um ein Tbema in 
mehreren Intervallen tucbtig durcbzuarbeiten 9 musaten 
unvermeidlich auch schwer zu intonireiide Scalen vor- 
lommen; doch, die Oberstimmen batten die Vlolinen, 
die Grundstimme den . Contra-Violon nebst der Orgel zur 
Unterstutzung , und so mocbten denn die Sanger » gleich 
den Posaunisten, die mit ibnen all unisono einherwandel- 
ten, immerhin zusehen, wie sie zurechte kamen. Ebea so 
war es eine Gewohnheitss ii n d e, nach dem schauerrol- 
len : dies irae , im ; tuba mirum melodische Ariosoes einzu- 
xhiscben; das: confuttjitis maledictis grell zu coloriren, und 
iiber quam olim alle Kiinste des doppelten Gontrapunhtes 
loszulassen. SusSmayers mir oh wiederboltem miind- 
lichen Gestandnisse zufolge 9 hat er bis zum Hostias alles 
aus^earbeitet , das iibrige — mebr als wabrscheinlicb -— 
im Ent wurfe yorgcfunden , und eben , um so wenig als 
moglicb Tom Eigehem hinzuthun, die beyden Fugen : Ky- 
rie^ und p«am o7im^ sammt dem ersten: Ueqiuem aetemam^ 
aucb wiederholt. Wiewohl diese Ausserung mit jener 
brieflichen an Br. u. Hartel nicht ganz harmonirtt so 
ihochte ich mich dennoch fur erstere erhlaren* — Mit u. 

8. Wt 

Seyfri^d, 

Wr. XV.) An Gfr. Weber. 

Weimar 19. Oct. i8a5. 

Garl Mozart in Mailand ist der alteste Sghn, nur Di- 
lettant, aber sehr bra^* Ich babe ihm Ibren Brief. ge- 
aandt, ihn gebeten, Ihnen oder mir bald zu antworten 
und zugleicb die Adressen seiner Mutter und seines Bru- 
ders W. A. Mozart mitzutheilen. Die Addresse M Signor 
Carlo Mozart^ MilanOy ist fur ihn hinreichend. 

€^ber Mozarts Requiem theile ich Ihnen hier necb el- 
ttige Notizen mit, die zwar von der Art sind, dass ich 
nicht fiir ihre Sicherheit stehen haim, well sie mir^ ob* 



Uber das Mozartis^he Requiem. 297 

gleich Augen- und Ohrenseugen, doch nur "wie Scliatten 
und Traum aus den Jahren der Jugend, in denen Ara- 
biftch mefa*^ Rei^ tur mich hatte, als Musil( — in der Erin- 
nerune aufdammern, unter denen aber vielleicbt doch dies 
oder das auf irgend eine Spur leiten liann. Ware das 
nicht, nun so ist ja auch nur eine Minute fQr Schreiben 
und Lesen verloren. 

Im Jahr 1793 kam, wie ich traumend glaube, Mozarts 
Wittwe- nach Leipzig und brachte sein nequiem, Ton ei- 
nem Wiener Copisten in Partitur geschrieben mit, das^ 
/ie es hiess , Mozart nicht mehr gehort hatte, auch sonst 
Niemand. Hiller fiihrte es, so hiess es, zum crstcnmal mit 
uns Tfaomanern in uns^rm Musiksaale auf. Irre ich nicht 
gane und gar, so wurde es hurz darauf im Gewandhause, 
zum Vortheil der' Wittwe M, aufgefiihrt. Ganz gewiss 
fiihrte Hiller zu meiner Schulzeit, 1793-17961, einzelne Sttik- 
ke in der Thomaskirche auf. Unter Hillers Nach lass be- 
fand sich eine ron ihm gcfertigte Copie der Partitur , von 
welchem Jahre? weiss ich nicht» aber wahrscheinlich aus 
jener Zeit. £in Thomaner, Jost mit Namen, von dem 
ich nie wieder gehdrt babe, der herrlich Noten schrieb, 
GOpirte die Partitur auf Kosten der Wittwe M. zwcimal. 
Diese schickte 1 Exempl. an den Churfursten von Sach- 
sen *) Und 1 Exempl. an den Konig von Preussen, crhielt 
vom ersteren 100 Rthlr. , Tom zweiten 200 Stuclk Friedrichs- 
d'or Prasent. 

Ist das nun nicht Alles Traum, so fragt sich, ob die 
Partitur von 1793 schon von Sfissmayer war, — ob'man 
nicht schon 1793 uber M. und S. Antheil gesprochen habe 
u. s. w. Dariiber mtisste wohl Rochlitz die beste Aus- 
kunft geben konnen. 

Meine Notizen sind vollig ohne Werth; dass ich sie Ih- 
nen dennoch mittheile, beweise Ihnen wenigstens meinen 
gttten Willen. Mit u. s. w. 

A. F. H&ser. 

Nr. XVI. ) An Of r. W e b er. 

Wien am 12 Octbr. iSaS. 
Brief von Herm v. M o s e 1 , dessen Bekanntmachung 
derselbe sich jedoch ausdriicklich verbeten hat. • 

NrXVn.) An Gfr. Weber. 

Leipiig 1. Nov. i8si5» 
Brief von Herm Hofrathe Prof. vVendt, zu dessen 
Bekanntmachung die Erlaubnis ausgebliebcn ist. 



*) S. nachstehend Nr. XXH. 

tlicilift, 4. Hand (Ucft iG) 21 



298 Weitere Nachrichten 

Sr. XVIII.) An Gfr. Weber. 

Wien d. 6, Not. i8a5. 

Ich bin endlich so giicklich gewesen, Moearts Origi' 
nal-'Partitur seines Reqliiems ausfindig su machen und 
einzusehen; d^r Besitzer dayon will nicht bekannt 
seyn » noch weniger die Fartitur aus den Handen Im* 
sen, sondem 'wird selbe ku seiner Zeit bei der kaiser« 
lichen Bibliothek hinterlegen. • Besag^es MaDuscript ent- 
hSlt Folgendes: 

Das Rectuiem (erster Sats) ist Yollstandie, so auch das 
Dies irae bis zum Lacrimosa^ 'wie es gestocnen erscheint, 
alle Stimmen complett ausgesclirieben, so wie die Be^lei- 
tung^ vom Lacrimosa stehen nur secbs Takte Tom Sing- 
Quartett jnit Orgelbass, bei den ersten a Takten dessei- 
Den ist <das motto im Bogen-Quattett ausgesefzt; Huicergo 
ist niclit mehr gesetzt; es steiit die halbe.Seite und noch 
einige Blatter leer, die Mozart wahrscheinlich si>ater aus- 
fiillen wollte. Nun kommt das Domine Jes'u Christe^ wel- 
cher Satz bis zur Wiederholung des Quam olhn die 4 
Singstimmen samt Orgelbass ganz auseeschri^en enthalt; 
das Bogen • Quartett ist nicht angegeben; erst beim Ein- 
tritt in das ^ttam olim, wo der Basff mit 



m 




^bergehty ist in Violin I. 




ausgesetzty dann ist noch das motto in Violin L nur 
in 3 Takten angebracht ; von Et semini ejus geht die Be- 
gleitang der 2 Violinen bis zam HostiaSf welche 4atim- 
mig mit Orgelbass steht, nur in den 3 ersten Takton ist 
^eder das motto in den 2 Violinen und der Viola ange- 

§eben; Tom Fac eas domine ist die erste Violine ganz, yon 
er zweiten aber nur zwei Takte auseeschrieben ; darauf 
steht: Quam olim da capo^ weiter entnalt das Manuscript 
nichts. Es scheint also, dass Sussmayr Ton dieser Fartitur 
die Absehrift nahm, das Original dann der Witwe zuriick- 
stellte^ aus dcrcn Handen dasselbe auf den ge'genwartigen 
Besitzer iibergieng. Aus obigem ist also ganz ersichtlich, 
was ei^entlich Siissmayr dazu componirt hat. Man will 
auch wissen, wer der Fremde war, wclcher das Requiem 
bei Mozart bestclite ; man neunt einen GrafenWallsee, 



iiber das Mozartische Requiem. 299 

^nrelcber noch leben und in Osterreich sich aufhalten soil ; 
ich werde trachten seine Adresse zu erhaltcn. *) 

ITr. XIX.) A,uszug aus einem Artiliel der Ber- 
liner musikal. Zeitung v. 16. Nov. 1825 S. 370 f. 

Darf ich nun das, was man mir 1811 in Frag mittheilte, 
glauben, so existirt wirkiich noch ein Requiem von Mozart 
und swar ein Werky in dem allies, was menschliche Krafte 
su leisten vermogen, aufgeboten sein soil. Man erzahlte 
mir namlich folgendes : Der Bursgraf ***••* habe sich von 
Mozart ein Requiem schreiben lasscn und solches dem Klo* 
ster ♦♦»•*»»* »^ (c[ie Namen sind mir entfallenO vermacht. 
Dieses Requiem werde nun alljahrlich am Sterbetage des 
Burggrafen aufgefiilirtund estrafenan diesem Tage Mcilen* 
weit entfernte Verehrer Ton Mozart ein, um sich an der Auf- 
fiihrung dieses Frachtwerlies zu laben. Die Sing- und Or- 
chesterstimmen wurden von den Klosterherren vertheilt, 

*) £s ist ganz besonders zu bedauem, dass eine gewisse 
-^ Scheu auch diesen Herrn Correspondenjfcen bewo- 
gen hat, mir nur die Bekanntmachung dieses Brie- 
fes, nicht aber auch seines NameiTs, zu eriauben. DUrf- 
te ich auch diesen letzteren liennen, so wiirde jeder* 
mann einen der wurdissten und gediegensten Man- 
lier der Kaiserstadt ernennen. Ich hoffe ubrigens 
nicht ohne Grund, dass er, meincn wiederholt an ihn 

ferichteten Bitten nachgebend, mir die nachtragliehe 
ekanntmachung auch seines Namens noch erlaoben 
wird, und haltc mich selost schon jetzt autorisirt^ sei- 
nen Brief auf Erfodern in Urschriffc vorzu2eigen. 

£s ist hochst merkWiirdig und fast wundcrbar zu 
nennen, in diesem Briefe Ton einem in den Handen 
Eines Besitzers befindlichen Originalmanuscripte zu 
lesen, indess, nach alien, Torstehend Nr. IV, Zeile 
7, 8, i5 — 18, Nr. VI, Z. 10 — 14,^ so wie auch in der 
Stadlerschen Schrif^ S. i3, Zeile 10 -i5, vorkom- 
menden Notizen, die Manuscripte der einzel^ien Num- 
mern in yerschicdenen Handen zerstreut sind , 
— und dass die hier so sorgfaltig genau gegebene 
Beschreibung des Manuscriptes in mane hen Punc- 
ten so entschieden Ton dem jenigen Oriffinalmanuscrip- 
te abweicht, welches uns Herrn Staaler bcschreibt, 
{dort gar Alle Stlmmen bis zum Lacrimosa complett 
ausgeschriebcn — hier die Instrumentation 
nicht ausgescbriebcn : — dort Tom Lacrimosa nur 
sechs Tacte geschriebenj — bier acht Tacte; — • 
u. dgl. m.) -— und doch vneder in Anderen Func- 
ten so bis aufs Haar uberein9timmend , als wSre 
Eines sorgfaltig vom Anderen abgesdirieben. -* Wia 
vielerlei echte Mozartsche Originalmanuseripte vom 
Bequiem giebt es denn am £nde? GfV. 



300 Weitere Nachrichten 

ttach der AufFufarung tvieder zurllcl(genominen , sorgfaltig 
eingeschlossen und wio em Heiligthum bewahrt* I?a wir 
UBS nun iiberzeugt halten, Mosart habe nur ein ReqUienit 
welehes' Tvir besitzen, geschrieben« so "v^ar derUnbeliannte 
▼ielleicht ein Geistlicher aus demKloster, denn er bestellle 
das Requiem fUr eine ungenannte, ihm unendlich theure Per- 
son una verschvrand spurios. Von diesem Requiem konnten 
nun Hrn. Sussmayer die Brouillons, seiche sich unter 
Mozarts Papieren befanden, eingehandigt worden sein, 
woraus er denn das Ganze, so wie wir es besitzen, form- 
tc. — TfauHg ware es, wenn es sich so verhielte ! — Fin- 
det nun die AufFiihrung des Requiems alljabrlich in Prag 
noch 6tatt« so wiirde es ja leicht sein zu horen « ob sicn 
einzelne Satze aus dem Unsrigen darin befinden. Hr. 
Kapellmeister Triebensee in Prag konnte uns bald dar- 
iiber Auskunf^ geben.*) — Gesetzt nuif, es ware dieses Re- 

Suicm ein von Mazart friiher geschriebene^ sollten da die 
ilosterherren nicht zu bewegen sein , diesen Sob ate der 
Weltniicht linger Torzuentbalten? Die Zweifel liber die 
Achtheit des Unsrigen vraren dann aber nocb immer nicht 

S^hoben; und da dieser Geg^nstand zu wichdg ist, um 
n unbeachtet zu las'sen, so gebe ich hier , was man mir 
mittheilte. K. Fr, Ebers, 

Nr. XX.) An die Redaction der Cacilia. 

Stedten bei Weimar, den 20« Novbr. i825» 

Ihre Cacilia No. ii. und nameiltlich der Aufsatz unsers 
G. Weber uber die Achtheit des Mozartischen Requiems 
veranlasst mich hier die Fcder zu ergreifen, und zu der 
dort gedachtcA AufTordcrung wo moglich mein Scherflein 
beizutragcn. So rathselhaft es mit diesem meisterhaften 
Musilfstucke hergegangen ist , nach mehreren offentlichen 
Nachrichten, eben so scharfsinnig glaube ich auch, dass 
Weber scinen Aufsatz daruber bearbeitcte. 

Schon langst hatte ich nicht allein die Idee, sondern 
auch den Willen, zu der Originalbandschrift des Mozart- 
schcn Requiem zu gelangen, und habe ihr auf mannig- 
fache Weise nachgespurty und immer vergeblich, und so, 
dass ich schon im voraus mittraure, wenn es Andern, 
gheich mir^ misslingen sollte, dazu zu hommen, oder es 
aUch nur irgendwo einzusehen, so schauerlich und ge- 
heimnissvoll siehts mir wepigstens aus. 

Indessen den Muth lasst man um ein so schatzbares 
Gut nicht sobald sinkeuy und sollten auch wir das ofFent- 
liche Erscheinen desselben nicht erlcben, so darf uns 
doch niemand cUe Hoffnung filr das dereinstigo Erschei- 
nen nchmen. 

Auffallend und wunderbar ists mir vorgekommen (ich 
bemerke diess nur nebenbei) dass nach ^era bekannten 

♦) VergL nachstehend Nr. XXVI, u. XXX. 



Uber das Maz'artische Requiem. 301 

Bricfe Sussmayers in der lieipz. allg. musikaL Zeit. die 
Breitkopfscho Handlung nicht eleich damals genauer nach- 
geforscht hat, wo es weit Icicntcr sein mocfite, als jetzt» 
£u dcm Wahren zvl gelangen. £s ist nirgends angegeben^ 
dass man sich um das Originalmanuscript beeifertey nnd 
yvie Siissmajer selbst zu dem yermeinthclien Entwurf Mo- 
zarts gekommen sei, da wo doch schon die Originalpartitur an 
den Besteller abgeliefert sein sollte, wovon man bis hente 
noch nicht weiss , wer eigentlich der Besteller gewesen. 
Ich fur meinen Theily denke mir dabei etwas ganz be- 
sonderes, wcrde es aber erst spater wo anders sagen. 

Mozarts Werke und Schrif^en wie auch Kritikcn iiber 
sie und yerschiedenes iiber ihn habe ich ^elesen, und mich 
dabei immer recht sehr ergotzt, dass die Nafur ein solch 
Genie schuf. Etwas von dcm Vorgange steht in Mo- 
zart^s Geist etc. erschienen in Erfurt; -r- so auch in 
Gallerie der Tonkunstler, Mozart, dann eben 
dasselbc in Professor Niemtscheck's Lei) en Mo- 
zarts, erschienen zu Frag in 4* und jetzt im Buchhan- 
del Tergriffen, und namentfich in letzkerm les ich, dass 
Niemtscneck in Frag ein Bekannter, Freund und Vereh* 
rer Mozarts gewesen, und meldet darin , dass die Witt- 
we Mozart die Fartitur des Requiems, so wie mehrere Eh« 
rengegenstande , wie Diplome, Orden etc. alrHeiligthii- 
mer znm Apdenken aurbewahre. Nur ist nicht angegc- 
ben, dass damit die ganze Originalpartitur Mozarts, wie 
sie fur den Besteller gearbeitet -worden, gemeint sei. Zu 
versuchen sei aber cue Nachfrage, und am Ende losst 
sich das Rathsel leichter, als man glaubt. 

Gegenwartig lebt aber, wie man sagt, die Wittwe 
Mozart noch, und zwar soil sie weiter an einen Gehei* 
men Legationssecretair t. Nissan in Kopenhagen yerhei- 
rathet sein, und in solchem Fall wurde es Ihnen gewiss 
leicht sein, ein Exemplar der Cacilia No. ii. mit einer 
Ersuchung dahin zu bnngen, und im Falle die Frau noch 
da ist una die gcdachte Handschrift besiizt, glaube ich, 
wird sie gem zu Ehren ihres seeligen Mannes damit her- 
ausriicken, und v/ie sehr wollte ich mich freuen, wenn 
Sie bald das Ganze als Fac simile auf Subscription oder 
Franumeration in den nachstcn Heften Ihrer ^C&dlia an- 
kiindigten! — Vielleicht, dass die seelige Cacilia selbst 
noch einige Wirkung zu Gunsten ihres liebenswilrdigen 
musikalischen Blattes aussert. — ^ 

Dieses , und mehrieres konnte ich bisher zu dieser Sa- 
che nicht beitragen; hatte ich diese Schrift seit Jahren er- 
lauscht, auf Ihre Auff6r4erung wiirde ich sie Ihnen selbst 
nach Mainz bringen , und Weber sollte sich gewiss wun- 
dern , mit welchen Schritten ich Yom seichten Lande dahin 
kame. 

Mit dem Glauben , dass sie diese Zeilen mit den Ge«n- 
nungen aufnehmen, als sie geschrieben sind, hoffe ich 



302 Weitere Nachrichten 

Ilinen nicbt eans zu missf alien. Ich wiinsclie.Ton gansen 
Herzcn GliicK zur Sache, und yersicherc dabei die Toll* 
kommenste u. 6. w. 

Dr. Feuersteut, 

Nr. XXI.) An die Redaction der Caeilia. 

Pesth den 23. Dec. (s. li. Nov.) i8a5. 
Brief vom Herrn Landesadvocaten Kriichten in Pesth, 
einem, mit der Veranlassung , BestcUung und Entstebung 
des Mozart'schen Requiem, und mit den FamilienTerhaltnis- 
aen des Bestellers au(s genaueste vertrauten Manne, ^velcher 
Ton meinem Aufsatz im ii. Cacilienhef^e , Veranlassung 
nimmt, an die Redaction der C a cilia sehr specielle 
Nachrichten iiber dieses 'Alles, und uber die vom Bes teller 
veranstaltete erste AufTuhrung des Requiem bei der Hal- 
tun g feier1icher« Exequien etc. mitzutheilen. Der Inhalt 
dieses Briefes sowohl, als eines spateren, an mich erlas* 
senen, wird, so weit er mittheilbar ist, unter Nr. XXYI. 
aiimmarlsch mitgetheilt werden. 

Nr. XXII.) An Gfr. Weber. 

Dresden, ao. Nov. i8a5. 

Nach Durchsucbung aller Archive una Privat-Samm- 

lungen de A(dniffes *) hat sich ein Manuscript des Roouiem 

niciit vorgefiinden. Dagegen aber eine .gedruckte Parti* 

tur (sehr splendid gedruckty) mit folgendem Titel: 

itesBlatt. 

fV. A. Mozarti 

Missa -pro defunetis 

Requiem. 

TV, A, Mozart s 

Seelenmesse 

mit 

untergelegtem deutschcn Tcxte. 

Im Verlage der Breithopf- und Hartelschen Musikband- 

lung in Leipzig, 

ites Blatt. 

Seiner 
Churjurstlichen Durchlaueht 

von 

S a c h 8 e n 

dem 

Kenner und Beschiitzer religioser Tonkunst 

unserm gnadigsten Herrn 

untertnUnigst gewidmet 

von 

den Herau&gebem. 

Breitkopf et HSrteL (ohne Jahreszabl.) 

*) Die y eranlassung , S« vorstebend S. 997. 



fiber das Mozartische Requiem. 303 



Diese Ausgabe ist nun g^nz eleicblautend mil dcr be- 
kanntcn, und der deutsclie TIext neisst, ,,Friede den Ent- 
schlafnen , segne du sie Ewiger etc.^^ Hintenaugedruckt 
sind noch folgende Textiibersetzungen. i.^ dasRequiem, 
nach dem lateinischen zu W. A. M o z a r t s M u- 
sili, vomHerrn Professor C. A. H.Glodi us inLeip- 
zig. „Ruhe in Ewigkcit scbenke ibnen, himmlischer etc.^^ 
a.) Der Tag des Gerichts, Parodie des Rc- 
quiem, yom Herrn Kapellmeister Hiller in 
eipzig: ,,Lelire uns bedeukcn^ dass w^ir strcben mus- 



z 



sen^ um Mufi zu werden etc,'* Willst du diese 2 Texte 
▼ollstandig haben, so lasse ich sie dir abschreiben. 

Bei meinem vielen Herumfragen bei den altestcn Mit- 
gliellcrn der/Kapelle nach dem Requiem, babe ich abernoch 
eine geschriebenePartitur aufgefunden, die Hem 
▼erston)enen Sanger Mariottini gehorte^ und nach w^lch'er 
das Requiem hier aufgefiihrt 'w^orden ehe es gedruckt war. 
Hier babe ich folgende Abweichungen gefunden : 

Gedruckte, — | gcschriebenc. Fartit. 

No. 1. JBl e qu i ^ m. 
AllabreTe.' | Ganzer Takt* 

K y r i §. 



Trf i tJ.i^A^ 




m 



-A/v 




iBfB, nichts beziffert* 



HB. alles sebr. sorgfaltig 
beziffert. 



Diess sind schon Abweichungen die yon verschiedener 
Art a u f zuschreiben berruhren , und nicht bios des A b- 
schreibers WerJk sein konnen* — * 

Tuba 



Ganaser Takt. 

3 Takte P o s a u n e n-| dann 

F a g o 1 1 - Solo. 



mtrum, 
AllabreTe, 

Durchaus Solo fur die 
Tenorposaune. Die Fagotto 
ihre eigene Zeile und erst 
beim Cum vix eintretend. 



I 



OvV 



Weitere Nachrichten 



t 



Grave. 

He in Tempo. 



Largbetto. 

Die ersten 9 Takte im Basse 

Pausen. 



Rex tremendae, 
I Andante. 

Reco rdarg, 
I Adagio. 

Ltacrimosa» 
Adagio. 

Die ersten 9 Takt^ im Basse 
wie folgt: 







Und ntm folgende Bemerliung yon Mar iottinis Hand: 

Uoffertorio^ il Sanctu$^ e P Agnus Dei^ non gVho trascrit- 
H, -perche non mi anno -par so ess ere del valor e del jfrect' 
dente^ ne credo ingannarmi nel crederli^ opera di un* altra 
penna. ^-^ Nun noth eine unbedeutende Bemerkung uber 
die "Wiederholung des Lux apterna etc* — '^) 

So weit meine Nacbforschungen.^ -— Ausseraem bat man 
mir aber auch erzahlt, Andre in OfFenbacb babe eine 
Skizze (von Mozarts Hand), von dem Requiem, welcbes er als 
Scbatz und Oeheimniss bewahre. 

C. M. V. Weber, 

Nr, XXin. ) An G f r. W e b e r. 

Weimar deif 2, December i8a5. 

Von Mozart aus Mailand babe ich keine Antwort 

Vielleicht, ich wilnscbe es, bat er, wie ich ihn bat, Ibnen 

aclbst gescbrieben. Nachstens schreibe icb ibm in einer 

andem Angelegenbeit, und werde ihn an das Requiem er* 

innern. wenn es dann noch nothig ist. Mit etc. 

/A.F.H&seT. 

XXIV.) An Gfr. Weber. 

Marseille am 4* December i8a5. 

Erst beute, bei meiner Zuruckkunft von einer kleinen 
archaologischen Reise von einigen Tagen, erbalte icb Vst 
werthes Scbreiben vom i2. Sept. Da Sie den Wunsch 
aussern, bald moglicbst Ant wort von mir zu erhalteny 
00 muss icb doppelt das mir unbegreiflicbe ve/spatete 
Eintreffen Ihres ISriefes bedauem. 

Alle Nachricbten die icb iiber Mozarfs und Suss* 
majers Requiem babe, verdanke ich der verebrten Witt- 
^e des unsterblicben Meisters. Es ^viirde Ibnen leicbt 
verden, von ihr die ge wunsch te Auskunft zu erhalten, 
denn wahrschcinlich besitzt sie selbst die Manuscnpte 



*) S. nacbstebend Nr. XXXI. 



Uber das Moxartische Requiem. 305 

dieses ewigen Meisterwerlies , oder sie Iiennt unfeblbar 
den gliicklicben Besitzer derselben. Mad. Moi^art bat 
sich Tor einisen Jabrcn, wie Sie wissen werden, mit dem 
ebemaligon daniscben Staats - Minister H. v. Nissen ver- 
bcyratbety der sicb nunmebr von alien GescbSften zuruck- 
gezogen bat und mit seiner Fran in Hamburg lebt. 

Icn bedaure rccbt selir, dass mir Ihre mir so interes* 
santen Auf^atze in der Zeitschrifl Cdcilta erst bey meiner 
Zurucbkunft in Paris zukommen werden, ^welcbes freilich 
wohl nocb ein Jahr ansteben diirfte. Meine etc. 

Genebmigen Si« etc. N9ukomm» 

Nr. XXV.) An Gfr. Weber. 

Wien den 8. December i8a5. 
Verzeiben Sie, dass icb Jhnen so spat auf das mir so 
werthe Scbreiben* vi«elcbes icb durcb Hr, Hofrath v. Mo- 
sel erbielt, antworte. AHein es war zu spat, als dass i^t 
Ibrcm Begebren hatte Folge leisten konnen. Denn, baum 
ivaren Ihre beydeu Uefte der CUcilia Nr. lo und ii bier 
crschicnen, so Kamen Mebrere Ton meinen guten Freun- 
den, Tonsetzern und Yirtuosen zu mir, unterrichteten 
mich genau von deren tubal t^ und weil sie.wussten, dass 
ich Mozart tou seinem acbten Jabre bis zu seinem Ende, 
bcynahe alle seine Werbe y und den ganzen Hergang mit 
seinem Requiem genau gel^annt, so verlangten sie einige 
Aufschlusse iiber dieses letzte Werk. Ich theilte ibnen 
mit, was mir bewusst war, endlich musste ich ibnen ver* 
spiiecben, das, was sie von mir borten, ofPentllcb bekannt 
zu machen, batte icb Ibren Brief friiber erbalten , wiirde 
ich gerne unter Tier Augcn mitg,etbei1t baben, was nun 
fiir das Publicum bereit Jiegt. — Der Bestellcr des Re- 
quiems ist der Graf v. Wallsegg ; "weil er aber unbe- 
kannt bleiben will 9 so ist er audi Ton mir nicbt offent* 
lich genannt worden. *) 1\lir ist sehr leid, dass icb mit Ib- 
nen nicbt einerley Meinung seyn knnn. Sind Sie aber 
versichert, dass icb Sie wegen Ihren vie! en, grossen 
Kenntnissen, die icb bewundere, sebr schatze, und mir 
die Ehre gebe mit ausgezelcbneter Hochachtung zu ver- 
barren Ihr etc. 

Max Stadler 
inimicm causae^ amicus jtersonae, 

Nr. XXVI.) An Gfr. Weber. 

Pest den 3. Jan. 1836. 
Brief Ton obigem (Nr. XXI.) Herm Kruchten. Von 
dem Inhalte beider Briefe 9 deren ersterer an die Redac- 



*) S. Nr. XVIII und XXVI, welcbe so wie mehre ande- 
re bier nicbt mit abgedruckte Briefe, sammtlich ein- 
miithig den Namen Graf Wallscgg oderWallsec gans 
unverbolen nenncn. CM', 

Olalliii, 4. B«aa (lurt iG) 22 



/ 

) 



306 Weitere Nachrichten 

tion der Cacilia f der andere an mich selbst gerichtet isty 
darf Folgendes summarisch mitgethcilt 'wcrden. 

Auf dem Landgute Stuppach in Unterostcrreich, (Vier- 
tel Untcrtvienerwald, 4 i/^ Posten Ton Wien, an der 
Tries ter - Strasse) dem gewohnlichen Wohmsitee des Gra- 
fenvonWallsegg staro im Janncr des Jahres 1791 desscn 
Gemahlin, gebome Freyen von Flanimbere. Der verwit- 
wete Grafy leidenschaftlicher Kunstfreund, beaufltragte 
eincn (seitdem yerstorbenen) Bearaten seiner Besitzungen, 
den VerwalterLeutgeb *)y vonScbottwinn, (Scheidewinn} 
cinem dem Grafen eehorigen Marktfleclieny in der Nahe 
Ton Stuppach 9 an der Ste^crischen Grenze gelcgen , — 
bei Mozart die Composition eines Requiem, zur Todenfeier 
fiir die Verklarte, und zwar (aus besonderen, nicht mlt- 
tbeilbaren Ursachen) ohne den Namen des Be stellers zu nen- 
nen. Auch beimAbholender Fartiturbcobachtete Leatgeb 
gl^ickc Verschwiegenheit. Der Graf lies das also erhaltene 
WerkinWienerischNeustadt, (SPostcn voAWien undbei- 
laufig 3 Stunden von Stuppach, ebenfalls an der Tricster 
Strasse gelegen,) in dem Hause des jetzt yerstorbenen 
Landesphysiku» und Civil-Arztes am K. K. Gadettenhause , 
und Hausarztes im Graft. Wallseggischen Hause in Stuppach, 
Obermayer, (eines Oheims des l^riefschreiberji) probieren, 
yrozu sichy ausser den durchgSngig musikaliscnen Ober- 
mayerschen Familiengliedern, derdamalige regens chorider 
dortigen Mutterkirche, HerrTrapj^, sammtseinenMusikem, 
und sonstige l!)ilettanten, veremigtcn. Herrn Kriicbtens 
noch jetzt lebende Gousine, Obermayers alteste Tochter 
Therese, sang die Sopranstimme , sowohl bci dieser Pro- 
be, als auch bei der I%*oduction selbst, welche in eben 
dieser Stadt Neustadt, auf dem Musikchore der dortigen 
Zisterzitenabtei, gewohnlichNeukloster genannt, stattfand, 
wo Graf Wallsegg die feierlichen Exequien fur die yerstor- 
bene Gattin halten liess. 

Diese Auffiihrung geschah , so meldet der Herr Brief- 
schreiber zweimal ausdriicklich , schon 1791, und ewar, 
was sehr merkwiirdig ist, (ygl. auch Nr. XIX,) nicht 
nacliMozartsTode, sondern» seines Erinnems, schon 
im Spatherbste. (Mozart starb erst am 5. Dec.^ 

Ubrigens wird erwahnt, dass ein hochbejahrter noch 
jetzt lebender Zisterzitenmonch jener Abtei, Pater Marian, 
wetland Obermayers Hausfreund, noch nahere Besta- 
tigung werde an die Hand geben konnen. 

*) In dem oben S. 276 u. f. erwahnten Tagebuche Mozarta 
kommt dieser Name Leutgeb unterm 26ten Jani 1786 
mit der Notiz vor , dass M. „fur den Leitgeb^^ ein 
Hornconcert geschrieben; und auch in den in Herrn 
Andre's Handen beiinalichen Papieren kommt ein 
Herr Leit^eb als Besitzer eines authentischen Manu- 
scriptes emes Mozartschen Quintettes yor. G/^, 



Uber das Moiartische Requiem. 307 

XXVII.) An Gfr. Weber. 

Wien den 5. Jinner 1826. 

Auf IKre sehr angenehme Zuschrift von 7. Dec. u. 
rucksichtlich meines fruheren, hochst wahrscheinlich yer« 
loren gegangenen *) Briefes, gebe ich mir femer die £hre 
2U erwiederu: vrie letzterer, so riel mir nocfa erinner- 
lichy solche allgemeine Notizen Uber das Mozartsche 
Requiem enthielt, die Sie zweifelsohne bereits auch 
au8 andern Quellen mitgetheilt besitzen; z. B. dass nach 
der alleemein angenommenen Meinung Mozart alle 
Satze bi8 zum Houias ganz ausinstrumentirt hlnterliess; 
Silssmayer den Rest aus Torgefnndenem Brouillon 
Yollendete ; Mozart die O s anna-Fuge das zw«y temal^ 
nach dem Benedictus ^ in B gross ausarbeiten woUte; 
Siissmayer, um den Nachlass so unverfalscht als mog* 
lich zu geben, sich bloss darauf beschrankte, diesen Sats 
aus dem Sancius zu wiederhohlflpf auch am Schlutse, aus 
gleichem Grunde, denselben Weg beym cum Sanctis Uiis 
einschlug, wiewohl Mozart hierzu ein neues Thema iiu 
Kopfe trug, u. s. w. 

Alies oiess ist Ihnen gewiss nicht unbekannt, u. ich 
muss nochmals herzlich bedauern, dass ich nicht im Stan- 
de bin, inter essan teres darfiber bericbten zu konnen, und 
Sie daher freundschaftlichst bitten , iwenigstens den guten 
Willen fur die That anzunehmen. £uer etc. 

SeyfrUd. 

Nr. XXIX.) An Gfr. Web er. 

Leipzig d. 28. Februar 182^. 
£w. Etc. Terchrl. Schreiben fom 21. dieses erh*elt 
ich fast zu gleicher Zeit mit einer Subscriptions • An- 
zeige des Hrn. Andre in Offenbach, nach welcher nun 
alle Zweifei Uber den Mozartischcn und Siissma^erschen 
Antheil an dem Mozartischen Requiem, durch eine-neue 
Ausgabe dieses Werkes mit genauer Bezeichnun^ des 
resp. Antheils, geloset werden sollen. Wahrschcmlich 
vrtar Ihnen diese Anzeige bey Absendung Ihres an mich 
gerichteten Schreibens noch nicht zugekommen; denn 
aa nun die Ungewissheit iiber jenes Werk auf dem histo* 
rischen Weg zar Ge^issheit kommen soil, so werden, bit 
diese eich ausgewiesen haben wird, £w. etc. wahr- 
scheinlich dfe ^eitere £rorterttng Jener Frase auf sich 
beruhen lassen. Am wenigsten aber konnte hierbey der 
Inhalt meiner Beantwortung Ihres letzten geeh. Schrei- 
bens an micli eine weitere Beachtung oder ^ar eine of- 
fentliche Bekanntmackung yerdienen, oder mir angenehm 
seyn, da ich Ihnen darin auch nur meine Ungewissheit 
gesteheu und Ihnen nur den Weg andenten konnte, auf 



*) S. Nr. XIV. 



SOS Weitere Nachrichten 

s 

welchem bestimmtere Angaben, wenn sie nocb 2a finden 
varen, zu suclien sein mocbten. 

Wenn £w. etc. in meiner Antwort einen Beweis mei- 
ner hochachtungsvolicn Bereitwilligkeit vrkannt haben, 
80 ist meine Absicht damit ToUkommen errcicht. 
£w. etc. 

G. C. HarteL 

Nr. XXX.) An Gfr. Weber. 

Frag den 8ten Marz 1826. 
Auf Ihr geebrtes Sebreiben TOin i9.*Deeeinber t. J., 
tvelcbes mir erst vor liursem eingehandiget worden ist, 
babe icb die Ehre zu erwiedern, dass man uber Mozarts 
Requiem bier in Frag, wo es nicbt lange nacb d^ssen 
Tode aus einer Wiener Abschrift zum Erstenmale im 
Theater und seitdem mehrere bundert Male in den 
sahlreicben Kirchen aufgefubrt worden ist 9 einstimmig 
die uubezweifelte Meinung begt, dass selbes bis zum 
Sanctus Cin Werk des yerei^gten Meisters sey, und dass 
liur die drey letzten Satze, namlicfa: Sanctus, Benedict 
itu und Agnus^ Siissmayec zum Verfasser haben. Ob- 
schon einc solche Meinung, die sicb wie ein Glaubensar* 
tikel bis zum beutigen Tage unwidersprochen fortpflanzte, 
vieies fur sich zu haben scheint, so erachtete tch dodi 
zur genaueren Friifung derselben es fur nothwendig, mich 
dessnalb an einen sachkundigen Fround in Wien , wo 
Mozart seinem Werke das Daseyn gab, zu wenden, ivel- 
cber Dasselbe nicbt nur voUkommen bekraftigte, sondem 
mir auch zugleich die JVaciiricht ertheilte, dass, aus Ver- 
anlassung Ihres Aufsatzes in der Cacilia^ der beJiannte 
Abbe Stadler , der ein vertrauter Freund Mozarts gewe- 
sen, und mit ibm vielen Umgang gepfloeen, nacbstens 
der musikaliscben Welt in einer Scbrin, die bereits 
unter der Fresse ist, den befriedigendsten Aufigcliluss 
uber dieses Requiem geben werdc. Was endlicb dib vet" 
sicherte Nacbricht der Berliner musikaliscben Zeitung an- 
belangty laut welcher in einem Rloster unweit Frag all- 
jabrlicb ein noch manuscriptes Requiem yon Mozart auf^ 
gefiibrt werden soil, welcbes die Klosterherm sogleich 
nacli der Frodukzion wie ein Heiligtbum wieder ver- 
scbliessen , kann icb mit Ge wissbeit verbiirgen , dass sel- 
be erdicbtet und fiir ein Mafarcben zu balten sey. Icb 
habe die Ebre mit etc. 

Fried, Dionys PV§ber, 

Nr. XXXI.) An Gfr. Weber. 

Dresden, den 16. Marz 1836. 
^ Auf das von £w. etc. unter dem 21. Februar an 
micb erUi««iie Scbr«ibea in Besiehung des Requiem 



aber das Mozarttsche Requiem. 309 

▼on Mozart melde ich Ihnen alles, was mir aus frulie« 
rer Z^it uher diesen Gegenstand beltanut ist, und waa 
ich durch di« sorgfaltigste Priifung aller mir beliannten 
Copien und Ausgaben ausgemittelt habe.^ 

vor einigen dreissig Jahren zeigte mir mein Freund, 
der Sanger Mariottini, *) cine von ihm eigenhandig abge* 
schriebene Partitur der ersten zwey Theile dieses Requi- 
ems^ und bemerkte mir dabey, dass er die iibrigen drey 
Theiic, das Offertorium (Domine). etc. ^ das Sancttts^ und daa 
Agnus Deiy nicht mil abgescbrieben l^atte, weil aie,/ seiner 
ionersten tj^eberzcugung nach, nicht ron Mozart seyn 
lionnten. **) 

Die Neugierde bewog uns beide, eine Auffilhrung da« 
▼on zu Tcranstalten , und somit wurde, nach dieser Ab« 
schrift, dasselbe in einom Pi^ivat - Zirkel aufgefuhrt* 

Nach einigen Jahren wurdenallefunf Theile nach der 
Breitkopf und Hartelschen Ausgab? yon der Konigl. Ka- 

SellCy unter der Direction dcs Kapellmeisters Paer, auf 
em Gewandhause in dem sogenannten freundscbaftlichen 
Concert - Saale aufgefiihrt. Wegen Unpasslichkeit honnte 
ich dieser Auffiihrung nicht beywohnen. 

Der Vorstehcr dieses musikalischen Vereins soil, nach 
Aussagc der hinterlassenen Erben, noch bey seinem Le- 
beuy' die ausgezogenen Stimmen nebst melirern andera 
Musik alien nach Pauzen yerkauft haben. In spatern Zei- 
ten ist es neuerdings oft in andern Prirat-Zirkeln aufge- 
fuhrt ▼vorden, und nach Aussage mehrerer Gopisten wur- 
den die Stimmen nach der Hartelschen Ausgabe ausgc* 
zogen. ' Demziifplce hielt ich es fiir iiberfliissig, eine \*er- 
gleichung der Stimmeii mit den Hartelschen Ausgaben 
vorzunehmen, und beschranke mich, bios dasjcnige zu 
bemerken , was diese Terschiedenen Ausgaben selbst be- 
triift, und in was diese gegcn das Mariottinische Mahu- 
script abweichen. 

Nach dem katholischen Ritus b«ateht die Seelen • Mt sst 
aus fiinf Theilen, und zwar 

1. Theil Requiem — Kyrje 

I. V Dies irae etc, 

3. » Offertorium : Domins etc. 

4* » ' Sauctus 

5. » Agnus Dei — Lux aeterna. 
(Bey den Hartelschen Ausgaben zerfallt die8.er' Text in 
z w ol f Nummern, und erzeugt dadurch Missverstandnisse.) 



*) Vergl. Nr. XXII. 

**) Soil ten diese wohldie namlichen gewesen sein konnen, 
welche, hernach gedruckt wurden? — Hatte doch 
Hr« Mariottini auch diese Stiicke mit abgescbrieben ! 
d^mit wir ietzt gewiss wiissten, aus welchtn Stiik* 
ken damal aas Requiem bestanden babe* GWn 



JIO Weitere Nachrichten 

DieH^nigl.Bibliotlielibesitxt einePrachtausgabe, mit ei- 
sier Dedication an Se. ChurfUrstliclie Durchlaucht^ Ton Breit* 
Ikopf and Hartel, nach welcUer ich die Mario ttinische 
Fartitur Terglichen habe. Die eweyte HarteUcbe Ausga- 
be wcicht yon dieser bios in Papier-Erspamiss bis auf ei- 
nen Druck- und Setz-Febler im Benedictus bey der Sopran- 
Stinnme ab. 

In der Mariottinischen Handschrift ist der Bass darch- 
aus b'ezifFert, und in der Fuee des Kyrie sind die Vio- 
linen und Viola nicht ausgescnrieben , aondem auf die 
Singstimmen verwiesen. 

In dem i3ten Takte des ersten Satzes ist in d^r Har- 
telschen Ausgabe der Bass melodisch , yvo hingegen der 
Bass in der Mariottinischen syncopirt erscbeint. 




Im iten Theile* Dtes traef ist, im Andante aus B-dur, »*Tii- 
ha mirum*^^ in Hinsicht des Effectes eine bedeutende Aban- 
derung in den Hartelschen Ausgaben. Das Solo Itir die 
Posaune ist nach den erslen drey Takten einem Fagott 
gegeben^ wohingegen in der Mariottinischen Handschrift 
die Posaune 34 xinite so su sagen.mit den Stngsdmmeii 
concertirt. , 

}n dem Satze, Recordare^ F-dur^ findetsich im 85i;en und 
87ten Takte auf den ersten Viertel ein Nonen-Aecord in 
der Hartelschen Ausgabe » und in der Mariottinischen ist 

das erste Viertel beyder Takte im Basse t^ .bezeichnet, 
und die Second- Violine hat im 85« Takte E\ und Byten D 
im ersten Viertel. 

Zum Laerimosa ist in der Mariottinischen Handschrift 
das Tempo Magio 12/8 Takt, in der Hartelschen Larg' 
hettOj und das Violoncell begleitet die Viola gleich An- 
fangs im Unisono, Nach dem loten Takte treten die Po- 
saunen erst wieder ein, folgliqh ist der ^te und tote Takt 
ohne Begleitung der Posaunen, so wie die folgenden 
Worte: nuic ergo parce Deus pie Jesu Domine, 

Diess sindy nach der sorgfaltigsten Priifung, die einzi- 
gen Varianten beyder Partituren *) : Am Schlusse des z^w^ey* 




vdloredel preewdentei ne credo ingannarmi nelerederliy Ope- 
ra di un altra penna, 

Jl Vertetto^ LmUx aetema Ittceat els Domine^ cum SanC'* 
tU tuts in aeternttm , quia pius es , ed il Requiem ete. sono 

•) Siehe jedoch, Nn XXH. 



fiber das Mozartische Requiem. 311 

una repstizione del Te decet etc, e delta Fu»a del Kyrie : 
non con altro camhir.mento the quello^ iitdispensahwnente 
necessariOf alia diversita delleyarole. Si v«da il Segno, 
at IS^argine: §♦ fo^v, 3 — 10« 

Zum Schlusse bleibt mir nur nocb lu berichtigeiit 
dass ich Iceine andere Auffufarun^ als^die Mariottiniscjhe 
l&enne, nach welcher dieses Be^iem yov dreissig Jahren 
in Dresden aufgefuhrt inrorden ist. Durcb welchen Weg 
der verstorbene Mariottini die Fartitur zur Abschrift er- 
hielt, ist mir unbekannt. Nach seinem Tode fiel diese 
Abschrift in den Besite des Organist Dreissig und dieser 
schenlite sie kurz yor seinem £ude dem Kammermusilius 
Rottie jun. 

Der Herr Kapellmeister Carl Maria von Weber bat 
micby als Archivarius ^er Konigl. Musikalien, Tor einigen 
Monaten um ein Manuscript dieses Requiems, welches 
sich in der Konigl. tiibliothek befinden soUte. Nach der 
sorgf^ltigsten Untersuchung fand ich aber nichts weiter 
als eine Pracht Aus^abe Ton Breitkopf und Hartel mit 
einer Dedication. Dicsc Dedication bestatigte meine Ver- 
muthung, das3 eine Original - Partitur von der Wittwe 
Mqzarts nie an unsern Hof gekommen ist. Leicht wire 
es moglich, dass Mariottini seine Abschrift Ton der Witt* 
yv€i erhalten hat, denn ich selbst habe mit derselbcn bey 
iiirem Aufenthalt in Dresden Tcrschiedene Scenen aut 
Moxartschen Opern gesungen, und freute mich dabey, sei- 
ne Manuscripte zu sehen. Leider ist mir aber das Jahr 
ihres Hierseyns entf alien. 

Diese Hartelsche Pracht - Ausgabe ubergab ich C. M. 
T. Weber und machte ihn dabey auf das Manuscript Ton 
Mariottini aufmerksam. Fiir mich blieb daher nachEm- 
pfang Ihres werthen Schreibens kein anderer Weg zur 
Priimng offen als dieser, und ich wfinsche dabey, dass 
er Ihnen nach meinem besten Willen geniigen mdge 9 in- 
dem etc. 

Joannes Miksch, . 



So weit meine bisjetzige Correspondenz iiber 
diesen Gegenstand. 

Wie iiberaus Vieles, Verschledenes und Beson- 
deres sich durcb Vergleichung und i^twaigos wei- 
teres Verfolgen dieser verschiedenen Daten muth- 
masen, combiniren und vielleicht auch herausbrin* 
gen liesse, will ich 9 wenigstens im gegenwMrtigen 
Aufsatze^ nicht weiter entwickeln^ da es theib 



312 Weitere Nackrichten 

mlch allzuweit fuhren miisste, thells auch inuth- 
maslich Herr Andr^, in seinen angekundigten 
Aufschliissen liber das Requiem » vielleicht eino 
noch passendere Gelegenheit £nden wirdy die Aus- 
beute meiner Correspond enz mit den in seinen 
Handen befindlichen Urkunden in Yerbindung zu 
setzen. -7- Auch gar Manches , worHber die C o r r e- 
spondenz fortzusetzen interessant ware 9 z. B. 
woher der s* Mariottini die Abschrlft genommen — 
ob es sicherlich schon vor einigen dreissig 
Jahren geschehen, — weitere Nachforschungen in 
Wiener Neustadt, ob die AufHihrung dort sicher- 
lich schon vorMozarts Tode geschehen, — Erkun- 
digung nach und bei dem P. Marian 9 der Ober- 
mayerschen Tochter, Herrn Grafen v. Walisegg 
selbst, — u. s. w. u. s. w. — dies Alles zu verfolgen 
werde ich ^ aus Mangel an Musse, wahrschein- 
11 ch unterlasisen und Anderen, denen es gleich 
inir Ernst um die Sache ist, liberlassen miissen. 



Es sei mir 9 statt dessen , nunmehr erlaubt 9 
auch noch Einiges iiber die Einwendungen 
zu sagen, welche mir theils in ofTentlichen 
BlMtterft 9 theils sonst, entgegengesetzt wor- 
den sind. *) 

*) Mir sind in dieser Hinsicht, ausser der oben erwahn- 
ten Drucltschrift , bekannt geworden zwei Artikel in 
der Berliner allgem. musikau Ztg. , 1825 S. 370, 378^ 
389 ^on A. B. Marx, und von eiuem Anonymen S. 
8. u. i5. im Jahrg. 1826, ferner eine anonyme Be- 
cenuon in IVr. 7. der Leipziger musikal. Ztg. ¥• 1826 
and ein AufsatE in oiner mir entfallenen Numer der 
Zeitang f. die eleg. Weh, so wie einige andere, gans 
oberflachlich theils beifallige thells widcsrsprechende 
in anderen Bli^ttern. QTV* 



r 



Uber das Mozart ische Requiem. 313 

Ristorische Einwendungen g«gen die 
von mir erwahnte liistorisch bekaiuite. und me vrU 
dersprochene Tiiatsache von der Uiiechtheit des Re« 
quieniy sind gar nicht erhoben worden : bis auf die* 
se Stunde ist auch noch nicht £ i n e r aufgetreteuj 
weleher diese Thatsache in factischer Hinsicht, 
geschichtlich widersprochen, und behauptet hatte, 
Mo2artselbsthabe dies Requiem oder auch nur eine 
einzige ganze Numer desselben, fertig gemacht. ^ 



'*) Eine ganz eigene, in der That pbysiologisch mcrk* 
ivilj^dige Erscheinung bietet in dieser Umsicht die, 
liber den^befraglicben Gegenstand liurzlich erschie- 
ncne, aufs hcftigste doch gegen mich ^eriditete, 
lileine Schrifl dar, welche den Titel fulirt: P'er- 
theidigung der Eehtheit d e Svmo sar tischen 
Requiem, dcren Verfasser aber die Thatsache Ton 
der Unechtheit grade so als positiv wahr erzahlt 
und als ganz ge^sslich lyahr betheuert, wie ate 
schon langst von anderen erzahlt worden, undwieich, 
jedoch nur mit Einschrankungen, sie auch fur w a h r- 
. scheinlich gehalten hatte. Er erzahlt Alios haar- 
klein, wie nicht nur Alles, was Silssmayer fur seine 
Arbeit ausgebe, wirklich Ton demselben theils 
componirt , theils vollends ausgefuhrt , und also 
nicht Ton Mozart sci , sondern dass auch nocK man* 
chcs darin Handelsche Nachbildung sei» •— und 
berichte^ uns also, in der so betitelten Verthei- 
digung der Eehtheit des R'ecj^uj em, die Un- 
echtheit desselben in viel weiterem Sinne als ich sie 
jemal zu muthmasen gewagt hatte, — schimpft aber 
dorh, wunderlich genug, ganz entsetzlich gegen mich, 
der ich doch nur gemuthmaset hatte, was er sogar als 

Sositiy wahr betheuert, uneingedenk des Spruchcs, 
er ihm, dem ehrwiirdigen Priester, doch aut seiuer 
Bibel erinnerlich sein musste : „So ich aber wahr 
rede, warum schlagst du mich dcnn?'^ 

Eine so hochst wunderliche Erscheinung zu erhla- 
ren, ist nun freilich .^ will man den Verfasser einer 
so 1 c h e n Vertheidigung der Eehtheit nicht f iir 
gradezu Terriicht halten, gewiss eine nicht leicht zu 
foseude j^sychologische Aufgabe! — 

Unfahig.zu glauben* dass eine, so unbegreiilichmic 

•ioh selbst im Widerspruche stehende Schrift, aut 

• Einem Kopfe erwachsen sein konnc, und zur Ehre des 

lonst geachteten Mannes, dessen I^ame das Titelblatt 



I' 



3i4 Wtittre Nachrichten 

Dass hie und da die Glaubwtirdigkeit der bis 
jetzt vor^elegen habjenden historlschen Zeugnisse 



als Verfasser nennt» scheint mir die hocbst rathsel- 
hafte Erscheinun^ nur auf folgende Art einigermasen 
befriedigend erklart -werden zu konnen. 

Derselbe batte, so berichtet et* uns in seinem 
Schriftclien, seiner Zeit baulfigcn Umgang mitMoeart) 
Ton dessen Lebensunistanden er ebendarum genaue 
Naehricbt geben zu konnen Tersicbert , und so aach 
Ton der Entstcbungsgeschichte des Re^quiem. 

Als mcin erster Artikel iiber dieses Werk in dcr 
Cacilia erschien und , von Verebrem — nicht des 
unsterblichen Mozart 9 sondern Ver^brern der Suss* 
mayer^chen Verunstaltungen , und von blind^laubi- 
gen und urtbeilslosen Entbusjasten, so uber die Ma- 
sen verkebrt und unverstandig verstanden wurde, als 
galte es bier, Mozartcn und mozartiscbe Gottlichlieit 
gegen Scbmahung zu rachen , oder sieb gegen cinen 
Frevler vertheidigen der -^ nicbt die, von fpeinder 
Hand dem Kunstwerke angebangten Flecken riigeo, 
sondern mit Einemmal das ganze Kunstwerk mit 
Rumpf und Stumpf ibrer Bcwunderung entzicben 
wolle, •— da kamen, so erzShlt er uns selbst, „nieii- 
„rere Kenner und Verehrer Mozarts** (deren es frei« 
iicb gar verscbiedi^ne Arten und Sorten giebt), zQ 
ihm, nm ibn zum RScher seines Freundes Mozart 
aufzurufen. Der brave, aber alterschwacbe Mann — 
denn so ma^ ich mir ihn 2u seiner Entscbuldigun^ am 
liebsten denkcn — • ein bekanntlieb an den Achtzigen 
stebender Greis, und wahrscbeinlicb auch sonst cbole* 
riscb^n Temperamentes, bei we]cbenEigenscbaftenbe' 
kanntlich nocb viel baufiger als bei Junglingen der 
Eifer mit dem Ropfe davonzulaufen und den Spruch 
zu bewahrcn pflegty dass Alter nicbt vor Tliorbeit 
scbutzt, — der brave alte Mann also, nacbdem er, 
wie er S. 9 sagty sieb von seincn erwShnten 
Freunden von dem Inbalte meincsAuf* 
satzes hatte unterricbtei) lassen, lasst 
<icb auf dicse Wcise in der Tbat einreden , bier sei 
sein sel. Freund Mozart angcjgriffen und er sei he- 
rufen, dessen Gbampion zu werden, er, er, seiner- 
zeit ein Freund Mozarts, er sei der recbte Mann 
dazu, und da miisse er nun recht grimmig fiber — 
mich berfallen. Das will denn nun der brave Mann 
recbt geme tbun) all ein, wie freilicb zu denlien» 
etwas verlegen , sieb in so spatem ' Alter erst noch 
f um Streitscbrifltsteller berufen zu horcn, beschrankt er 
sich darauf , zu der ihm angemutheten^ Schrift ntt** 
^briicb das geschichtlicbeMateriali und seinen 



Uber das Mozartische Requiem. 315 

Gerbers, Rochlitzens, Siissmayers, und 
der stillschweigenden ftestMtigung der Verleger 

chrliclien Nam en zum AushSngschilde, zu liefern, 
alles tJbrige aber den gnten Freunden iu fiberlas- 
sen, gutmuthig yertrauend, wie diesc es machen, aus- 
fiihren und redigiren wurden, so werde es ja doch 
wohl recht sein. 

Auf diese Art mag er denn, dies will icb wohl 
gernc glauben, den historischen Theil der Schrift 
•elbst niedergeschrieben , und dieses seinen mehrer* 
wShnten Vertrauten zur dicnsamen Verarbeitung 
iibergeben haben; diese aber, in ihrer fanatischen 
Blindheit gar nicbt sehend, dass das ihncn zur Be- 
nutzung gegebene Material die lebhaf^este Betheue* 
runs der VnrMichkeit der bisher noch einigermasen 
zweifeljiaft gewesenen Thatsache von der grossen- 
theiligen Unechtheit des Requiem enthalte, waren cin- 
filtig genug, es der Welt als eine Widerlegung 
dieser Thatsacbe zu pratientircn , als eine Widerle- 

fung meiner Vermuthungen, deren factische Richtig* 
eit der Zeuenisgeber doch in allem Wesentlichcn 
durchaus, nicht bios als Vermuthung, sondem nun 
gar als wirkliche factische Wahrheit, betheuert, — 
und dies alles — eine Vertheidigung der Echt- 
h e i t zu tituliren ! I ! 

Ist dieses aber so, Trie ich es so geme glauben 
mag, so hat der getauschte, gcmissbrauchte, ehrwiir- 
. dige Greis sich hochlich zu beklagen, "uber die plum- 
pc Arty Yfie die ungeischichten Freunde sein Ver- 
trauen und seinen ehrlicben Nam en misbriucht, 
zum Besten gehabt, und jedenfalls ihn iehimpf- 
' lich compromittirt haben , sowohl vor dem Richter- 
stuhle des MenscheuTerstandes, dnreh die AbsurditSt 
ciner Streitschrift , welche, unter detti thel einer 
Vertheidigung der Echtheit, aufs umstXndlichsrte und 
bestimmteste die Unechtheit betheuert, — und fast 
noch arger auch Tor dem Richterstuhle der Ehre , 
Sitte una des Rechtes, durch die niedrrgsten person- 
lichf^n Schmahungen gegen mich. 

Denn wic hochst unwiirdig ist die Art und Wei- 
se, wie die Vertheidigung der Echtheit 
des Mozartschen Requiem gefuhirt wird: 

f^leich auf der ersten Blattseite, und fast bis zur 
etzten, fortwahrend durch die gifligsten AusH^He ge* 
Ken — ein vor zwolf Jahren von mir geschriebonei 
Requiem, welches der Herr Verfasser emem trivialen 
Gassenhauer ahnlick findet, in Bexiehung auf das- 
•elbe mif Runst- und Brodneid gegen Mozart und 
sein Requiem anschuldigt S \ — und endlich durch di^ 



316 Weitere Nachrichten 

B. u« HMrtel, bezweifelt , werden wolUe^ darf 
hier niobt mehr beriihrt ^erden, nicht nur weil 



frobsten, handgreiflichstenEntstellungen undVerdre- 
ungen meiner Worte. 
Was liesse sich dem Herrn Verfasser einer sol- 
chen Streitschrift nicht alles erwiedern, oolite man 
die einladenden Blosen benutzen, wclche ein so plump 
und ungesefaiokt organisirt^r Angriff darbietet. — * 

.Aber wie^ ^anz unnothig T^iirde eine solche £r* 
wiederang doch auch fur jcden verstSndi- 
gen^ Leser sein, deren gewiss Keiner die niedrige 
Streitschrlft ohne die liefste Indignation gegen solche ' 
unwiirdige Personlichkeiten lesen und, denht er 
anders von dem auf dem Titel genannten Verfasser 
so gut wie ich, vvahres Bedauern fiir den braven 
Mann empfinden wird , dessen ehrenwerther Name 
hier auf so schimpfliche Weise auf die offentliche 
Buhne gestellt erscheint* 

Ba es iibrigens gliicklic^erweise |enef VcrstSndigen, 
bei denen so ungeschic^te Angriffe lieines Wider- 
legens bediirfen^ noch genug giebt, so achte ich mich 
niobt allein der Muhe uberhoben, $ondem, aufrich- 
tig gestanden, ich achte mich auch fiir zu gut, mich 
mit der ervirahnten Streitschrift in einer Geji;en- 
schrift su messen, zur Erlustirung des PobeKs des- 
sen Bcifall am £nde freilich demjenigen zu Theil 
wird, der die grosste FertigKeit in der Kunst an Tag 
legty seinea Gegner mit Koth zu bewerfen, u^d ihn 

Sm grobsten una frechestcn mit unwahren Bcschul- 
fgungen zu rerlaumden^ ein Beifall, der der er^ahn- 
ten Sdirift auch in einer , ihre Frechhelt noch iiber- 
bietendeiiy anonymen Recension in der Loipziger 
^lig. mus. Zeitnng , bereits zu Theil gewordcn ist. 
.JI>ar^m^ statt alles Gegenstreites, nur folgende 
wenigen, ruhigen Bemerkungen. 
,, ..Fiir's Erste habe ich auf Alles 9 was jene Schi*ift 
ilDer die Schlecktheit und fiassenhauerische Tri- 
▼ialitat m einer missa -pro dejuncds sagt, und zum 
Theil mit leisen, aus dem Munde eines Priesters 
- nicht eben orbaulich hlingenden Equivoken (S. 18, Z. 20, 
%\) wurztynaturlicherweiseauch nicht Ein Wort zuer- 
widejui; denn ich meine ja, es handelt sich hier um 
die mstorische Thatsache von der Echtheit des Mo- 
lartschen Requiem, und nicht TOn dem Wertfae des 
ineinigen. Was sollt? also hier eine Diatribe gegen 
dieses? -^ Oder sollte ich etwa auch meinerseits aas 
geringe Kunststuck machen, auch eine seiner Gom- 
positionen aiif abnliche Weise herunterzuhudein ? — 
Bleiben wir denn doch bci der Sache! 



*i f 



(1 1 



Uber das Mozartische Requiem. 317 

das 1)lose Beziveifeln solcher hi^torischer Zeugnisse 
](eine historische Wideriegung ist, sondern jetzt 



Eben so leicht und gerne, wie ich dem H. Verf. 
die Diatriben gegen meine sehr schwachen Versuche in 
der Tonsetskunst yerzeihey will ich ihm auch noch den, 
^venigstens ge%<valtig unbefugten Zucbtmeisterton zu gu- 
te halten, welcben er sicb einbildet, sich nur soron oben 
berab gegen micb und iibcr mich anmasen zu konnen, 
was alles, so wie viele andere ungezogene InyectiTen 
gegen meine Person ^^ ^r in seiner Einfalt wohl fiir 
nothi^ und sfichdienlich balten raogte , um meine 
Ansich.ten auch durch moglirhste Ilerabwurdi- 
gung meinerPerson moglichst siegreich zu bekam* 
pfen , eine Absicht welcbe er auch deutlich genug 
ciurch die in einer anderen Beziehung eingeflossene 
Phrase ( S. a6 ) verrath : „da es aber Herr Weber 
^isty der yon Vielen als Dictator iiber Alles, was 
,»Musi]i betHfTt, anerhannt wird." — Wer wird mit 
solcher Sclmache nicht Mitleid haben? 

Etwas schwerer yyird es mir, ihm auch die nicht 
weni^en Unwahrheiten zu yerzeihen, die er dem 
Publicum yon mir berichtet, indem er mir nicht al- 
lein denWahnsinn einer Riyalitat gegen Mozart (!!i!) 
mit bestimmten Worten andichtet , ** ) sondern , 



^*) Ich selbst yyar esy yyelcher es yeranlasste, dass 
das lo. Heft der Cdcilia^ in -welchem ich von der 
Composition eines ftequiem iiberhaupt, und gele- 
genheitlich auch uber m e i n Requiem gesprochen, 
zugleich mit detn 1 1 . Hefle, yvorin mein Aufsatz iiber 
die Echtheit des Mozartschen , ausge^eben lyurde, 
yveilmanche der, in jenem lo.Hefte iiberdiemusi- 
halische Idee eines Requiem iiberhaupt und iiber den 
Requicmtexty — so wie auch iiber Tonmalerei u. dgL 
entwickelten Grundsatze, auch in meiner im ii. 
Hefte enthaltenen Abhandlung fiber das Wesen 
des Kirchenstyls uberhaupt, so wie zum Theil 
auch in dem Artikel iiber das Mozartsche Re- 
quiem , wiedor zur Sprache und Anwendung ge- 
bracht wurden, und os, durch das gleichzeitige 
Ausgeben beidcr Hefte , entbehrlich wurde , die 
in jenem Hefte liber die musikalische Concep- 
tion eines Requiem uberhaupt, und untcr anderen 
auch iiber den Ritualtext des Reauiem, aufgestell- 
ten Grundsatze, in diesem nochmal zu wiederholen, 
— '.undweil ich — 'yielzu unbefangen, entfernt war, 
es auch nur als mogUch zu Menken y es werde ir< 
geud jemaud to toll oder so biimisch sein konnen, 



*■ 



318 Weitere Nachrichtcn 

volleiids daruniy weil die Wahrh^it jener Zeug* 
nisse nunmehr durch die Bemiihungen des Herra 

um die Wuth derFanatiker und Dummen gefien mich 
«u wccken, mich der Welt auch alt einen Yerachtef 
und Frerler gegen dasMoxartscheReipiiemimGansen 
denuncirt, — mir andichtet, ich hatte aichtnur gesagt, 
das8 kein einziges Stiick rein Mozarts Arbeit sei, son- 
dern ich wolle, ,,n o c h w e i t e r" gehec, und behaup- 
ten, ,,die mus ikalische Darstellung dieses 
,,R c q u i e m s konne unmoglich Mozart zum Verfasser 
„haben'S — ich hStte gesagt, das Bequiam sei „voii Suss- 
„may f r aus MozartiscJUen Skizzen, Brouillons, Croquis, 
,9und Papierschnitzeln zusammengestoppelt'^**) 



in solchcr Nebeneinanderstellung die wahnsinnlj- 
•te und auf die krasseste Art ausgesprochene Ri- 
yalitat f egen Mozart, woniefat gar pekuniaren Brod- 
neid (ruum ^eneam /) aufspiiren zu nvollen. GW. 
**) £s iat in meinem yorigen Artikel freilich eine 
Stelle, welchcy wenn man sie aus dem Zu- 
sammenhange des Folgenden reisst, 
sich dahin missdeuten lasst , als babe iek ge- 
meint, das ganze Requiem moge aus blosen ra* 
pierschnittseln angefertigt ^das vVort „zusam- 
mengestoppelt^^ ist mir jedenfails falachlich 
unter^eschoben) sein. £s ist dies die Stelle pag. 
21 a bis 2i4 des ii. Cacilienheftes. Dort envahne 
ich' im Allgemeinen , wie Tonsetzer Brouillons und 
Entwurfe ,,der verschiedens ten Art und 
Oestalt^^ zu entwerfen pflegen, und aussere die 
Muthmasung „splche unter Mozarts Papieren, vlfl- 
„leicht unter andern Fapierschnittseln, zurucligeblie- 
,,bene Skiazen^' seien es ohne Zweifel gewesen, wor- 
aus Siissmayer das Requiem angefertigt | ich sage 
,9Solche^^ (also B r o u i 1 lo n s irgend emer der 
vorerwahnten verschiedentlichsten Ar- 
te n) ; und diese meine Meinung ist auf der fol- 
genden Blattseite vollends genau dahin ausge- 
driickt, dass das Bequiem also 99ganz so wieSiiss- 
,fm ayers Brief an die Verlaghandlung b e s a g t) 
,»grosstentheils seine'^ Arbeit sein mo^e. Wenn 
ich also bier meine Meinung ausdrucklich dahin 
bestimme, dass es wobl so sein moge, wie SiisS' 
maiers Brief besagt, so bezeichne ich ja da- 
durch wahrlich meine Meinung bestimmt genug da- 
hin, dass ich riicksichtlich der crsteren Half^e sol- 
c h e Entwurfe meine , wie Siissmayers Brief die 
Brouillons der ersten Halite beschreibt, d. h. also 
Concepte grosstentheils uoch ohne instriunentation 



Uber das Mozartiscke Requiem. ' 319 

S ta d 1 e r muthihaslich vor fernerer Anfechtung 
noch gesicherter atehen werden als bisher. 

und flergleichen mehr, — dass er, neben der arglistigen 
Versicherung, sich beinahe stets meiner eigenen Worte 
2U bedieneiiy in der That meihe ipsissima verba in der 
sinneatstellendsten Verdrebune ^iedergiebt, dass er 
sagt^Mozart hat also nach Webers Meinung grob ge- 
,,feh)t^, grade da, woichmitdergrosstenWarmedarii- 
ber eifere, dass man die erwahnten Flecken Moiarten 
bei&umessen wage I — u. s. w. u. s. w. — Soil ich, als Er* 
nviederung auf diesefs alles , den hochwiirdigen Herrn 
fragen, ob er seine h. zehn Gebote, und namentlieh dai 
VIU. Gebot vergessen hat : du sollt kein falsch 
Zeugniss geben wider deinenNaeh8l;.en, -— 
soil ich ihm all das erwiedern, wozu die unwiirdige 
Schimpfschrift mich so reichlich berechtigt ? — Ich will 
und werde es n i c h t, weil ich dadurch gewisslich I h m, 
wenigstens subjectiv, Unreeht thun wiirde, dem hier 
sicherlich nur die Schwache zur Last iallt, sei* 
nen Namen, allzu unvorsichtig , einer fremden Fe- 
der geborgt zu haben : ich sage sicherlich; 
dean der ehrwiirdigePriester, der in^inem der oben 
abgcdru<5kten Briefe sich to wiirdig, human und selbst 
achtungsvoll aussert, hann die so ganz unanstandi* 
ge Scnimpfschrift unmoglich selbst geschrieben 
oder auch nur vor dem Druche gelesen und eeneh- 
migt haben, er mtisste denn der zweizunglichste 
und heimtuekischste Heucliler und Schmeichler sein^ 
der ie einen achtungsvollen Brief geschrieben. 

tJDrigens ist es "wohl kaum nothig, auf manche 
sonstige Lacherlichkeiten des Schriftchens aufmerk- 
sam zu machen, in welchem es z. B. (S. 16) heisst:* 
„Wo hat er'^ (Sussraayer) ,4>®bauptet, dass er auch 
„an den drei ersten Satzen nur dengeringsten 
„ A n t h e i 1 habe ? — Herr Weber ist schuidig, hierilber 



und bloss mit Zifferbass, — zum Theil auch ohne 
^chluss, u. dgl., kurz eben so, wie* es in Siiss- 
mayers Brief, auf welchen ich mich bcziehe , ge- 
schrieben steht. Es ist demnach u n w a h r, wenn man 
dem Publikum berichtet, ich hatte behauptet, das 
ganze Requiem sei geradeza aus Schnittscln etc.an- 
gefertigt, (oder gar ,,zusammengestoppelt** ; ) ich 
liabe yielmehr nur diejenige thatsHchliche Memuftg 
geaussert, welche der Hr. Verfasser als vollkom- 
men wahr hoch und theuer bestattigt. (.Vergl. 
vorstehend S. 280.) 

Weiter unten hieriiber noch ein Paar Worte 
weiter. OPF. 



320 • Weitere Nachrichten 

Also nicht von historischer Seite — wohl aber 
von Msthetischen Gesichtspuncten aus, haben Man- 



„sich auszuweisen, sonst milsste man es far eine 
,,grundlo8e Angabe von ihm halten.^* -^ «^ I>ie Aus« 
weisung liegt m dem , in der Stadlerschen Schrift 
celbst wieder abgedruckten Briefe, wo Siissmayer 
scbreibt: ^^Zu dem Requiem samrot Kyrie-^-* Dies ir€u 
,, — Domine Jesu Christe — bat M« die 4 Singstimmen 
,,und den Grundbass sammt der Bezifferung ganz 
,,Tollendet, zu der rnstrumentirung aber nur bin and 

^wieder das motivum angezeigt^' u. s. w» Eben 

80 muss man denn docb das tible Compliment wenig- 
8 tens belacheln, welcbes der so eifrige Vertbeidiger 
selnem Glienten Mozart dadurcb macbt, dass er des- 
8eny seiner eigenen Bebauptung naeh, von Siissmayer 
erganztes und beendigtes Requiem, fiir,.sein yoill&om- 
menstes^^ erklart, also fiir Yollkommener, als aile 
von Mozart selbst fertig gearbeiteten — ein Compli- 
ment wofur wobl Siissmayer, aber nicbt Mozart sich 
bedanken ma^. — Wer wird aber uber solcbe und 
ahnlicbe mitleidswertbe Scbwachen, nocb weiter vici 
Aufhebens macben woUen? — oder Uber die nichts 
sagende Betheuerung: ^,Nein! Es ist sein voUkom- 
,,men8tes, sein, so weit er es vor seinem Tode aus- 
„f{iliren konnte, vollcndetstes, ein ecbtes, reines 
^Werk Mozarts^'j das bcisst also : so weit ecbt und 
rein und Ton Mozart ToUendet , als es ecbt und rein 
von Mozart vollendet ist. — — 

Noch Tiel weniger, als auf die ebenerwabtne Scbrift, 
kann auf die , unter dem Gewande einer Recen- 
sion derselben, in Nr. 7 der Leipz. mus. Zeit. er- 
scbiencnen, anonymen Artikel, ausfiihrlicb zu antwor- 
ten sein, welchen zu lesen icb alien denjenigen empfehle, 
welcUe Lust haben, nocb weit argere Schmahungen anf 
micb, auf meinen Aufsatz » auf mein Requiem , nock 
wahrheitswidrigere Verdrebun^en meiner Worte, 
und daneben den unvemiinfbgsten Jubel ^^rilber 
zu lesen, wie der Herr Verf. meine Bebauptung (?) 
von der IJnecbtbeit des Mozartscben Reqoiem ^^ 
wi derlegt babe. Icb sage unverniinftigsten 
und sage damit wobl eher nocb zu wenig, als zu viel. 
Denn^ wenn der A so urtheilt,. B aliypr anders 
iirtheilt, und ein dritter, wie der anonyme Recensent 
der vorerwabnten Sebrift, wollte nun jubelnd verkiln- 
den : Da konne man es jetzt seben, wie unreebt der A 
geUrtbeilt babe^ denn der B urtheile ja ganz anders, 
und sage ja: „Nein, es ist Mozarts vollkommenstes 
Werk'^u. s. w.^-so ware dies wobl schon unvernunflig 



iiber das Moiartische Requiem. 321 

che versucht, ihren Gfaiuben an die durchgSn- 
gige Echtheit des Requiem zu begriinden. 

Diese Einwendungen laufen s'^lmmtlich auf den 
Ideengang hinaus: das Requiem sei denn 
doch so gar\8chdn9 dass es doch wohl 
vrirklich von Mozart herriihren miisse. 

Es ist dieser Ideengang ron Verschiedenen auf 
die rerschiedentlichste Art und Weise^ zum Theil 
mit inniger W^rme, doch unpartheiischem Sire* 
ben, mit geiibter Feder, zauberisch anziehendem 
Styl, am trefflichsteii ohne Zweifel vom trefflichen 
Herrn A. B. Marx, ausgefilhrt worden, (und die 
sciidnste Paraphrase zum Lob und Preis des Wer. 
keshatder sinnige Herr L. Rolls tab, in seinem 
wunderlieblichen Phantasiestiicke , der Novelle in 
Nr. 13 der Cdciliai „Au8 dem Nachlasse ei« 
„nes jungenKiinstlers*S geliefert.) — 

So echdn und wirklicb einnehmend aber 
auchjene Ausfiihrungen sind, so ist es doch immer 

genug: ^enn aber noch obendrein der A gar nur 
geaussert hatte, eine ^wisse Tbatsache scheine auch 
Uim bis su einem gewissen Grade glaublicli, — der 
B aber bethetiert, sie sei ganz gewiss wahr, und nun 
der Recensent des B dariiber jubeln will, wie dieser B 
den A widerlegt habe: iivie soil man alsdann gar 
dieses nennen? Ich meine, hier gebe sich der 
Ausdruck d o p p e 1 1 unyemiinftlg ganz natfirlich Ton 
•elbst. — 

Aber freilich fur den Pobel der gemeinen Musiker 
und der seicbtenDilettanten sindArtikel dieser Art gut 
berechnet, und ganz fur diese Glasse Ton Leuten 
g'emacht, welche denn auch ihre liebe Freude dar- 
an recbt ungetrilbt geniessen moeen» Icb fur meinen 
Theil babe mich um den Beifall a i e*s e r Glasse nie 
, bemiiht. ^ • ^ 

Einigermasen bedaure ich, dass es mir, nach obi* 
gen Briefnumem XII und XXIX , nicht vergdnnt ist^ 
Ton Harm Hartels erstem Briefc offentlichcn 6e- 
branch su machen. GJ'f. 

etcttU, 4. BMd (Hcfl i€.) 23 



322 Weiiere Nachrichten 

noch eine ganz audereFragey ob s<^lcher Ideengang, 
das unbcdingte Lob a Her Stflcke^ ohne Ausnahm 
einzelner Stellen^ selbgt als vollkonnnen bagriindet 
zugegebeUf irgend etwas beweiaey — und gar 
ob er Etvras beweisen kdnne gegen die bisheruD- 
bestritten historisch bestandene und zum Uber- 
flusse nunmehr neuerlichst durch die allerbe- 
atimmtesten Zeugnisse und Betheuerungen voUendi 
ausser Widerspruch geseUte Tjialsache dar 
Unechtbeit. 

Wenn man frellicb t ak Bewunderer eines Mo- 
zartschen Werkes auilretendy sich schon im' Vorani 
und unbesehens des Beifiills derjenigen versiehart 
halteik kann » welche das Werk fiir eine Compo- 
•ition Mozarts halten, so konnten aus gedoppd* 
tern Grunde die Herrn Verfasser jener^ auf seiches 
Siusserst vortheiihafte Terrain gebaueten, die allgo* 
meine Yerehrung fiii; Mozart ab EmpfeUungvor 
sich her tragenden Einwendungeuy auf den Beifall 
aller derjenigen Yerehrer Mozarts sicher zahleO) 
welche die historische Thatsache nie gewusstf oder 
iHngst vergessen, und die' im H. Heflte der CdcUia 
enthaltene Erinnerung an dieselbe nicht gelesefi* 
oder nicht verstanden, oder yielleicht etvfas gaBZ 
Anderes herausgalesen hatten als darin stehtf 
(wie dies, beim gemeiniiblichen flUchtigen Leseo 
und Halblesen oder Lesen yon der Mitte oder 
TQ'n hinten herein, leider oft genug zu gescheben 
pflegt,) und welche daher in jenen, gegen meinea 
Aufsatz erhobenen Widerspnicben, eine Yertiiei* 
digung Mozarts gegen einen Angri£f auf Mozart 
oder eine Composition von ibm , zu lesen gteub- 



Uber das Mozartische Requiem* 323 

ten. ^^ Schade aber^ dass ein Betfall dieser 
Art, ein Beifall dieser Personen, welche in 
die Lobspriiche auf das Werk daruift gern und 
bequem einstimmen, weil es ihnen als ein Mo- 
zart*8ches geiiihmt wird, ofFenbar nicht derjenige 
Beifall sein kann , welchen jene HernH' Verfasser 
sich gewiinscht haben kdnnen ; indem diese von ih« 
ren Lesern vielmehr verlangen, dass sie, grade um- 
gekehrt, aus der, vermdge eigener^ unpraocciipirter 
tlberzeugung, geschdpften Erkenntnis der Herrlich* 
keit des ganzen Werkes ohne Ausnahm^ eben erst 
folgern und schliessen soUen, dass es ganz Mozarts 
Werk sei,; was ajber freilich nicht grade eben so 
leicht lind bequem und daher auch nicht jedes 
Lesers Sache ist, indem es etwas mehr selbstMn^- 
dige Urtheilskraft erfodert ais Jenes, und was von 
]enen i^.esern wohl die wenigsten veirmO^gen. 

Aber auch denen, welche ein seiches eigenes 
Urtheil zu fallen vermdgen, und also auch den 
Herren Verfassern )ener Einwendungen* selbst^ 
glaube ichy befriedigend auf dieselben antworten, 
und , auf ihre Schlussfolgerung , von dem im Re« 
ipiiem wehenden hohen Geiste auf die gMnzlicbe 
Echtheit, Folgendes erwiedern zu diirfen. 

Wenn ich, nach ihrem lautenBekenntnisse^ren- 
zenloserVerehrungfilr. Mozart, sie frage, ob sie 
denn nicht glauben, dass ein Tonstiick, an wel- 
ches Mozart einmal die Hand angelegt, — «> eine 
hUndelsche Grundidee, von Mozart als Studio 
verarbeitet, — oder auch selbst eine Mozartsche 
Grundidee, von einem Mozartschen Eleven 
ausgefUhrt' — ob sie, sage ich, alsVerehrer Mozarts, 



324 Weitere Nachrickten 

denn nicbt glaubenundmir nicht zugeben wol- 
leiiy dass einem solchen Tonstiicke, des- 
sen erste Hklfte grdsstentheils, und 
muthmaslich auch Manches von der 
zweiten Halfte^ aus Mozarts Feder ge- 
flossenj allemal der unverkennbare 
Stempel Moz ar tscher Gdttlicbkeit au£> 
gedriickt sein kdnne und miisse? — .wer- 
den sie mir auf diese Frage mit Nein antv^orten 
wollen ? 

Sobald ma^ aber dieses zugiebt 9 sohdrt^a 
auch eben darum dieser Stempel aufy 
einBeweis der d urchgMngigen Echtheit 
des ganzen Werkeszu sein* Und ohne al- 
so der lauten Bawunderuag jener Herren in& Ge« 
ringsten in den Weg treten zu wollen, und seibst 
wenn icb das Requiem im Ganzen yielleicht noch 
weit wMrm^ bewundere j als sie es thun ; so war- 
den wir doch beiderseits zugeben, dass Mozarts 
Genie gross genug war, um so wunderherrlich 
auch schon aus blosen Sludien nach Handel, 
und aus blosen Mozartschen Entwtlrfen, 
wenn auch erst nach seinem Tode von einem seiner 
Schiiler ausgefiihrt, hervorzustrahlen , und voUends 
gar aus denen Stiicken, die grdsstentheils fertig 
aus seinem eigenen Pinsel hervorgegangen; — -und 
wollten jene Herren mir dieses nicht zugeben, so 
wiirden sie dadurch .wenigstens eine weit ge« 
ringere Meinung von Mozarts Gdktlichkeit an 
Tag legen, als ich. 

Aus eben dem Gesichtspunkte betrachtet, wird 
man aber dann auch auf der anderen Seite nicht mehr 



m 

Uber das Mozartische Requiem. 325 

iSugnen y dass ein Werk , dessen erste Halfte zum 
Theii au8 Studien , die zweite aber hfichstens aus 
Skizzen, von einem Schiiler^ Notisten oder SecretSr 
Mozarts zusammengesetzt ^ wonicht gar die ganze 
zweite HUlfte ganzvenjenemdazugethanworden ist^ 
-— dass ein seiches Werk, neben jenemStem- 
pel der Gdttlichkeit, auch Spuren man« 
ches MenschlicheUy Spuren der Schiller* 
haftigkeit des Schiilers, tragen kdnne, — 
ja unter UmstSnden wohl tragen m ii a s e , — und 
zwar U14 so sicherer, je wahrer es sein m^rg, dass 9 
wie meine Herren Gegner behaupten, jener Zusani- 
mensetzer » Siissmayer » nur so ein gar sehr unteN 
geordnetes Subject geweaen. 

Stellen wir una vor, Raphael ron Urbino 
haboy (yielleicht in einer seiner friiheren Bildungs- 
Epoch euj) angefangen gehabt, zum Theil als Stu« 
dien nach einem GemMlde seines verehrten Pietro 
Perugino, ein Bild zu malen, und nach seinem 
Tode habe sich die halb libermalte Leinwand vorge« 
fonden. Ein Schiiler des verklarten gdttlichen JOng- 
lings, und zwar ein bekanntlich nur hdchst mittel- 
m&ssiger, den ernuretwadazuzugebrauchen pfleg- 
te, dies und jenes Nebending an seinen GemSldea 
nach seiner Yorschrift, und natiirlich unter seiner 
unmittelbaren Aufsicht auszufiillen u* dgl. , — die* 
ser Schiiler, sag ich, habe nun dasjenige, was 
an jenem Bilde von Raphaels Pinsel schon ziem* 
lich ferlig ausgefuhrt geweaen, nochVoUends ausge«. 
malt, die andere noch ganz leere H&lfte der Lein-*- 
wand aber mit Figuren und Gruppen eigener Com* 
position aiugefiillt — wonn auch yielleicht nach 



326 Weitere Nachrichten 

einigen im atelier des VerklSrten noch vorgeAin* 
denen anderen Raphaelschen Skizzen, oder nach 
Jdeen welche der Meister ihm friiher miind- 
lich mltgetheilt gehabt ; — so frage ich : ist es 
vrohl anders mdglich^ ist es finders denkbar^ als 
dass dieses also und ohne des Meisters Aufsicht 
ausgefiihrte Gemalde, neben der Spur Raphael- 
scher Gdttlichkeit» auch die der SchwH« 
che des Schiilors, — und dass es^ neben den 
Spuren der Beschrtoktheit des^ vielleicht unge- 
schickt wiedergebenden — -vielleicht missverstanden 
habenden Qchiilers^ doch imnier auch den Stenip 
pel des Raphaelschen Geistes trtfge?? — 

Man stelle sich nun vor, ein Kunstfreund trete 
vor dieses 9 auch in der erlittenen Yerunstaltung 
nocU unverkennbar wunderherrliche GemUlde hin« 
bedauere die Mishandlung^ welche des Schiilers 
Finsel demselben angethan, bedauere » dass der 
Welt nichty statt dleser tiberarbeitung des SchiilerS} 
doch lieber das unausgemalte GemMlde des herrli- 
chen Meisters unangetastet erhalten und mitgetheilt 
worden ; ein hinzutretender Kenner aber wolle ihn 
durch die Ausserui^g widerlegen : Raphael sei ein 
gar grosser Kiinstler gewesen, und daher kdnne 
an diesem Bilde nichts auszusetzen, und das ipras 
der Kunstfreund als Makel des GemUldes bedauere, 
miisse folglich doch sehr schdn sein : so wiirde wohl 
Niemand eine sole he Art zu argumentiren £tir 
biindig erkennen; eben so wenig als, umgekehrt^ 
die Schlussfolgerung : das Bild miisse wohlganz yron 
Raphael sein, weil es unverkennbare Spuren Ha* 
pbaelscber Gdttlichkeit an sich trage. 



Uber das Moxartische Requiem* 327 

Stelkn wir uns weiter vor, das Gemlildle sei von 
dem Itthaber der Bildergalerle zwar gleich urspHing- 
lich keineswegs fiir ein von Raphael ausgemaltesBild, 
sondem fur ein^ in der erwahnteh Art aus dem Fin- 

sel des schwachen Schiller^ hervorgegangenes, ange- 

• 

kauft, und auch in 6ffentlichen Blattern nie fcir 
etwas mehr ausgegeben worden,' indessen babe d<er 
Infaaber, weil doch Yieles daran von Raphael her- 
riihre, den Namen Raphael auf den Rahmen 
des Slides setzen lassen, und es stiinden nuny* 
neben jenem Kunstfreunde und jenen Kennern, 
auch noch Andere , welche » sich an den auf den 
Rahmen geschriebenen Namen Raphael haltend, 
nie. erfahren, oder vielleicht vergessen hatten^ 
dass es keineswegs ein Bild von Raphael sei: -— 
so iverden freilich diese tiber die Reden des Kunst- 
freunde^ allerdings befremdet sein, < — ja^ ihm die 
zwarallgemeinbekanntey aber vergessene Thatoache 
vielleicht nicht einmal recht glauben wollen ; — ja 
seine Ausserungen mdgen ihnen wohl ordentlieh 
paradox vorkommen ; und nebenbei werden sie es 
auch wohl unbequem findea 9 einen bisherigen be- 
quemen Glauben aufgeben, sich erst wieder mit 
eigenem Urtheilen incommodiren und vielleicht gar 
einsehen zu soUen 9 dass die Sache zum Theil an« 
ders sei, als sie sie, der bisherigen unbedingten 
Anbetung folgend , - geglaubt und betrachtet hat« 
ten; — lauter Motive, fiir welche aber doch der 
Kunstfreund nicht kann. — 

Stellen wir uns aber noch weiter vor, es k3- 
men noch Andere hinzu, sich Verehrer Ra- 
phaels nennend, iiberschiitteten den Kunst- 



328 Weitere.iNachrichten, 

freund mit Scbmahuiigen aller'^Art^ well er nicht 
A lies an dem Bilcife ^dttlicji finds » liefen straclcs 
flTuf den Markty * und posaunten vor allem Yolke^ 
dort stehe Einer, der wblle denKaphael criti« 
siren, — und zwar gar aus^Kunst- und firod- 
neid '^'^ ; den miisse jeder gute Raphaelianer ^teini- 
gen ! ! — Ich frage, ob dieseBeschuIdigung Wahr* 
heity oder gemeine Yerlliumdung wMre? 

Wenp aber, im fingirten Falle, der Kunstfreund 
•ich, vor den Kothwiirfen des Fdbels, zu verstan- 
digen Menschen fliichtet, wird er da erst ndtiiig' 
haben , diesen zu sagen , dass und . ivie hoch er 
Raphael verehre, und dass sein Eifern gegen die 
verunstaltenden Sudeleien des Restaurators natiir- 
licherweise grade nur Ausfliiss seiner Verehrung 
fiir den Meister selbst sein konnten. 

E% giebt Dinge, und vorziiglich Empfindungen, 
welche unsere Seele so innig durchdringen , dass 
wir uns ordentllch scheuen und'schamen miissen, 
die Leute erst von dem Dasein derselben ver- 
sichem zu soUen. Wie warm und begeistert der 
verlaumdete Kunstfreund auch vielleicht in jedem 
anderen Augenblicke vom Ausdrucke seiner Ver* 
ehrung fur den gdltiichen Maler iiberstrdiaen 
mdgte, — in diesem Augenblicke, und gegen 
dlejenigen, die fUhig wSren am Dasein dieses Gtf- 
ftihles in seiner Brust zu zweifeln, dasselbe gleich- 
sam als abgendthigstes Glaubensbekenntnis, erst ausy 
zusprechen, und zu betheuern, dass er -*- *t- dass 
er kein YerMchteri — dass und in welchem Grade 



•) Himmel ! ^ 



iiber das Mozartische Reguiem. 329 

•r vielmelir efn Terehrer Raphaels sei 9 — - dies 
wird er, meinem Gefiihle nach, nfcht &ber sici) 
gewinn^n kdnnen, und die yerehrung, von weU 
cher er sich Jederzeit dnrchdrungen' gefuhlt, wird 
ihm viel zu heilig seln^ als dass er dieselbe gleich- 
sam in der Form eines abgen5thigten Glaubens* 
y^ bekenntnisses aussprechen mdgte. Es ist damit uii« 
gefUhr so 9 vrie mit der Ehrlichkeit. Der rec]^ 
te Mann, der sich der Ehrlichkeit . bevrusst isty 
und dies, als sich von selbst verstehend, alsEtwas 
betrachtet was er sich gar nicht anders denken 
kann^ der wilrde sich gewiss vor sich selber or«* 
d«ntlich scb^men. sollte er von seiner Ebrlichkeil 
Riihmens hiachen, und dieLeuteversichem, dass er 
k e i n Bdsewicht, spndem wahrhaftig ein ehrlicher 
Mannsei; — indess KotzebuesGrapselmann 
seit 25 Jahren aller Welt bei jedem drltten Wort wie- 
derholthat : „Sehen Sie ! ich bin eben^ein ehrlicher 
Mann«<; und nun einem Vertrauten Mussert: „S^- 
9,hen Sie , lieber Freund , so muss man^s machen : 
,,selbst die Kinder auf den Strassen haben^s seit 25«^ 
,,Jahren von mir gehdrt, und wissen jetzt gar nicht 
Dmehr anders 9 als: der Grapselmann ist der ehr« 
,,k'chste Mann im ganzen StUdtcheii<<. — 

Oder soil der Kunstfreund es sich etwa zum 
Vorwurf machen , dasd er, als er jenes Bedauern 
iiber die dem GemMlde anklebenden Makel aus- 
sprach, nicht wenigstens um der Schwachen wil- 
len recht laut und recht breit die sMmmtlichen 
Umstehenden erst versicherte, indem er die Flek« 
ken tadle, wolle er damit nicht das ganze Ge* 
malde, und noch weniger die Arbeit des Meisters, 



* ' 



330 Weitefis Nachrichten 

sondern nur .die Stilmperei des Schiilers bedau- 
frn; man indge ihm doch ja nur glauben^ dass 
er dieses und dieses und Mrieder dieses Stiick des 
Bildes eben so sehr bevmndere als sie, ( and viel- 
leicht Tiel warmer » als mancher wortreiche Znthu- 
siaBi,) — -^ mdge ihm nur jaglauben, dasser wahr- 
haftig eia Verehrer Raphaels 8ei# und dass er die^ 
ai)3 dem entstellten Bilde hervorstrahlende Herr- 
lichkeiti eo und so tief erkenne und empfinde und 
so und so hoch davon begeistert sei. — Mich 
diinkt, er h&tte sich solcher ungeheuern Plattitudeii 
Vor sich seiber schSmen miissen, und ein Yernunf- 
tiger unter den Umstehendon wiirde ihm mit 
Recht erwiedert haben: Ffoi schMmen Sie Sich) 
Herr, wenn Sie iheideny dass unter vernunftigen 
Leuten es noth thiae^ so Etwas erat zu sagen ! 

Und Mrenn iibrigens der Kunstfreund, vor dem 
herrlichent aber durch Schulers Hand an einzel- 
nen Tlieilen verunstalteten Torso stebend, seinen 
Unwillen ohne Sordin ausgesprochen, wenn er 
z. B. gesagty Raphael drehe sich gewiss 
knirschend im Grabeherum, wenn er se- 
he 9 nicht allein wie seine Ideen rom Schiller ver- 
unstaltet und befleckt worden, -*- sondem wie 
die lieben Beschauer diese oder jeneMissgestaltungy 
diese oder jene verzeichnete Hand, diesen oder 
V jenen verunstalteten Gesichtszug, sogar fiir das Er- 
zeugnia* seines Meisterpinsels halten ^ — wenn 9 
sage ich, der Kunstfreund durch solche Bemerkun- 
gen zwar nattirlicberweise nicht den Meister la« 
stert, wohl aber denenjenigen unter den Umsie- 
henden freilich etwas unangenehm ins Gesicht 



Uher das Mozartische Requiem. 331 

schlSgty welchey (unwiss^nd oder uneingedenkf 
dass das Bild nie auch nur dafiir ausgegeben wor« 
den, ganz das Werk Raphaels zu sein,) seit 30 Jah« 
Ten in emphatische unbedingte Lobpreisungen iiber 
alle Theile des Bildes ohne Ausnahme, und viel- 
leicht gar grade iiber die verzeichnete Hand tfder den 
verunstalteten Gesichtszug, auszubrechen gewohnt 
gewesen ; — so ist es doch wenigstens nicht des KunsU 
freundes Schuld, dass diese Anbeter verj^rter Ver« 
unstaltung sich compromittirt ftihlen, und meineii^ 
sie miissen sich nun durcb SchmMhungen gegen den 
Kunstfreund beschdnigen. *) 

Und wenn etwa Einer hinzutreten> und be« 
haupten woUte: er .wisse ganz gewiss, dass der 
und der Gesichtszug, die lind die missfKllige 
Tinte^ die der Kunstfreund da zu tadeln sich 
ttnterstehen woUe, ganz so^ wie es- jetzt 



*) UngefSlir wie Jencr von welclicm unser Tielc 8agt^ 
ifEr zuckt iiber Alles die Schultem^ vrenns nicht 
,,nach seinem Sinne ist» und er hat dooh nur einei 
,)Sehr engen Sinn, so Yfie die meisten Menschen, 
,,810 wissen oft nicht, warum sie etwas tadeln,^ es 
,iSGheint ihnen bios verwerflich, ^eil s i e noch nicht 
,,darauf gekommen sind.*^ (Phantasus 3 Bd. S. 43 f*) 
oder wie jene, aufwelche A. B. Marx 9. in seiaer 
Belation uber Holthei^s Vaudeville » der Kalk* 
b r e n n e r, hinzielt : ,,Der Breslauer Halkbrenner (Ar« 
„beiter in einer Kalkbrennerei) wird namlich y6m 
,,enthu8ia8tischen Biirgermeister KoEoluch (Schmel* 
„ka) fur den Londoner Kalkhrenner gehalten vnd 
„forcirt , seine Kiinste am Pianoforte zu zeigen. Er 
,(tappt und schnurrt denn aucli tuchtig darauf herum. 
,9una der entiiickte Bdrgermeister hort darin die ge- 
„nial6ten Ergiissei obgleich er meint, von einem an- 
,,dern Klavierspieler , alrdeni grossen KalkhreiuLen 
,yWfirde man dergleichen* rerwirrt und iibelklingeiia 

,,finden. --> Hand aufs Herz : tritt i^cht bei 

„dieselbe Art der Schatsung ein? '^ (Berl. Mus« Ztg* 
i8a5. S. 378. ) 



332 Wetter e Nachrichten 

dastehd) you Raphael selbst gemalt sei^ 
VLXkA ' dass der Schiiler an diesem Zug^ , an die* 
ser Tinte 9 keinen Finselstrich gethan ; — er habe 
Gelegenbeit gehabt^ gleich nach Raphaels Tode^ 
das unvollendet hinterlassene Bild in noch ganz 
unberitdirtem Zustande zu sehen; damal set die- 
ser angeblich uoangenehme Gesichtszug etc* gra- 
de so gewesen, wie er sich noch jetzt prasentire; 
derselke k5nne folglich nicht missfMIlig sein 9 miis« 
se vielmefar fur hdcbst edel und vortrefflich *er« 
kannir vrerden ; und wer es daher wage 9 densel* 
ben zu tadeln, der habe den Raphael selber ge^ 
iSstert?! — Wie leicht wiirde da der Kunstfreund, 
auch wenn* er an der Wahrhelt der factischen 
Behauptung gar nicht zweifeln will, dem Behaup- 
tenden bios mit einem einzigen Fingerzeig auf 
vorstehende Blattseite 274 und f. antworten, und 
ihn etwa fragen diirfen: ob er vvohl glauben md- 
ge, oder wohl gar fiir gemss zu behaupten wagcy 
dass Raphael diesen Zug als fertig gemalt be- 
trachtet habe 9 und beim Ausmaien des Bildes 
sicherlich keinen Finselstrich mehr an diesem 
Zuge wiirde gethan, denselben nicht erst noch iiber- 
malt, nichts an der Haltung desselben, vielleicht 
durch eihen einzigen Meisterstrich , wiirde ge« 
andert, dies oder jenes erst noch so oder so tingirt 
und lasurirt, sondern ihn ganz in dem unvollkom- 
menen Zustande gelassen haben, in welchem er sich 
befand^ als der Tod den Meister iiber der un- 
Vollendeten Arbeit abrief? — r Wer wird von 
einem unfertigen GemSlde' behaupten woUen, der 
Meister- woUe Alles so haben, Alles grade so las- 



Uber das Motartische Requiem. 333 

sen 9 wie es jetzt atissieht? — uad >ver, vTenn 
er die Grdsse dee verkl^rten Meisters wahrhaft zu 
verehren und zu begreifen vermag 9 wird solche 
Behauptungen wagen m^Qen 9 vrelche 9 unter Urn- • 
stMndefi> me diese 9 nichts anders als L ^ s t e r u n- 
gen gegen den Verklftrten sind, ]a^ sogar factisch 
unwahre Anschuldigungen sein kdnnen9 sofern es 
sich etwa am Ende doch herausstellte 9 dass der 
Schiller an diese oder jene Stelle in der That 
doch Hand angelegt, des Meisters Blau mit Ao- 
senroth iibertiincht (vgl. S. 3039 3IO9) oder gar 
ein ganzes Glied ausgeldscht oder supprimirt 
(vgL S. 267) hatte. — 

Setzen wir endlich , jener Kunstfreund im Bil<i 
dersale habe, im Eifer seiner E.ede9 sich auch ein- 
mal — yersprochen9 und etwa z. B. statt Ohr, 
Nase9 oder statt Nase9 Ohr gesagt — oder er 
habe seine Bemerkungen iiber das Bild drucken 
lassen, und der Setzer habe statt Na8e9 Ohr ge- 
setzty und der Corrector es iibersehen; und nun 
hStten die Schreier. es sich zum ganz absonderlichen 
Feste gemacht9 ]ubebid zu verkiinden : der Mensch 
da9 der ,9den Raphael recensiren vvolley** sei wohl 
gar capabel, ein Ohr fiir eine Nase anzusehen9 oder 
dgl. — was miissten dann verstandige Menschen 
von solchen Wiederlegungen sagen und den- 
ken? *) — Und we;ia im Verlage des Inhabers 

*) In meinem ersten Aufsatze st^ht: ,,wiinclersusslich 
,»eintretenden F 1 o t e n nur gar zu r e u 1 i c h^S statt : 
,ywundersus8lich eintretenden Fl^tentone der 
9,Weib erstimmen nur gar eu tr culich*^ Der 
Setzer hat namlich entweder gleich beim Setzen 
eine ganze Zeile des Manuscriptes ubersprungen , 
oder aber vielleiclit auck erst bei der Correc- 



334 JVeitere Kachrichten 

der Btldergaldrie ein^ Zeitxing fur Malerei her« 
ftusgeg^ben, und in derselben, unter andercfki persdn- 
lichen und unwiirdigen SchmUbungen, zur Belusti« 
gung de^ vorerwahnten Fdbeky auch sogar Victoria 
darilber geblasen wJirde, dass der Kunstfreund, 
in seiner leidenschaftiichen Blindheit, nicht eiil* 
xnal ein Obr ^von einer. Nase zu iinterscheiden wis- 
$e — was wtirde man dann von sole hen Mitteln 
denken -— und was von einer Sache, zu deren 
Verfechtung solche Mittel gebraucht'werden. 



"**• 



Doch konunen wir von dem Bilde zuriick, 
und beschafdgen lins noch einigermasen mit dem 
specielleren Inhalte der Schutzschrif- 
ten, w^lche an den vorerwahnten Orten 



tur, welche bei mir oft etwas bunt* mubsam und 
schonungslos ausfallt» die jetzt fehlenden Worte Ter> 
Ic^t und aus Verseben untersehlagen , so ^ie aucb 
bei 9,treulich*'^ das t , und beides ist bei der ReYision 
ubersehen worden. — Ohne besondero Ruhmredig- 
I(elt darf icb die Ebre haben , die yerebrten Leser 
zu Tersicbern, dass icb in der Musikkenntnis in der 
That bereits so weit Torgedrungen bin, um Singstimmen 
mit untcrgesetztem Texte nicbt fur wlrliliche Flot^n- 
stimmen anzusehen. Herr A. B. Marx war so gutig« 
zu mutbmasen, es konne wohl Tielleicht irgendwo 
eine Ausgabe der Partitur mit Floten existiren , und 
diese mir vorgele^en haben ;^ es ist aber nur gans 
einfach und natiirhcb so wie icb eben envahnt. — £in 
sebr abnlicher und dem Sinne nacb ganz gleicbste- 
bender Druckfehler ist Ihm in Seinem eigenen Auf- 
satze in seiner eigenen Zeitung vorgefallen: dortf 
i8a5 S. 38'2, sebreibt er von der Melodie der S i n g- 
stimmenim 12 — 14 Takte des Tuba mirufn^ wo dock 
nur Eine Singstimme zu sehen ist. Dass er das sei- 
nen Sinn verunstaltende n sicberlich nur bei der Re- 
vision des Druckes ubersehen babe , ist gewiss die 
nachst liegende Erklarart des, gl^ichwohl noch nicbt 
widerrufenen , DruckfcMers. Gff^, 



Uber d0S Mozartische Requiefn. 335 

ftir die durchgSnglge Echtheit des Re- 
quiem f und -« so sieht es weiiigstensf beinahe 
aus — • zur Vertbeidigung Mo z arts (als ob daza 
der Fall vorbanden ware!!) erscbienen aind. 
Es \%ird in denselben scbon als allgemeine Eat* 
schuldiguiig desienigen am Requiem, was etwK sieh 
nicbt ganz wobi recbtfertigen lasse, einestbeils gen 
sagt : man miisse eben iiberbaupt Riicksicbt nehmen 
aufMozarts eigenthiimliches Wesent auf die Zeit in 
der er gelebt, und auf seine, bei seiner sinnlicben 
Erregbarkeit nun einmal voihgefasste Ansicbt. Ei- 
ne seiche Ansicbt babe sicb nun einmal so bei 
ihm gestaltet gehabt, das sei nun einmal sdne lie- 
benswttrdige IndividualitMt ; und wenn man aiich 
bisweilen im Begriffe stehe, auszurufen: tidies ist 
kein Idomeneusj kein Sextus oder StsiOy (kein^ 
Kyric, kein Tuba mirurn)f dann scbeine Mozart 
hinzuzutreten 9 und zu sagen: dies ist mein Ky^ 
riCf wie lieb icb es, dies meinT^^a^ wie lieb 
icbes! — Mozart babe, seinemLeben und seiner 
Zeit gemass, nurso scbreiben, und keinem Vox- 
ganger nacharbeiten kdnnen u. s. w. -— An- 
derntheils melnt aber im Gegenthcile Herr Stadler 
S. 259 alle katbolische Componisten(!) 
liaben den Text (des Quam olimy auf glelcbe 
Weise wie Mozart behandelt, aucb Winter 
imd Yogler. Es sei hdcbst griii\dllich nacb 
HjUndelscber Manier, u. s. w. und'S. 19: 
dergleicben Passagen, wie die krausen cbromati« 
scben Sechzehntelpass^gen im Kyrie, seien nun ein- 
mal zu HSndels Zeiten Mode gewesen! 4ind 
biermit un Einklang Sussern Andere, Mozart babf 



336 Weitere Nachricht€n 

lieb^r Aen Eingebungeii seines Genius Fesseln an- 
legen^ %ls dieFormen des hergebrachtenlLitus yer« 
letzen wollen, sei daher mit kindlichem Gehorsam 
seinen TorgHngern Reuter, Bono, Albrechts- 
b^erger, u. s. w. gefolgt^ luid Theiinehmer ihrer 
Feliler geworden* — Um ein Thema wie das der 
Kyrie-Fuge tlichtig durchzuarbeiteny miissten auch 
schwer zu intonirende Skalen vorkommen; doch 
da die Oberstimme die Yiolinen, die Bassstimme 
aber die Orgel und die Violone z^r Unterstiitzuiig 
hUtteUy so mdgten immeiiiin die Sftnger zusehen^ 
"Wie sie zurechte kftmen. Eben so sei es nuii ein- 
mal eiiie Gewohnheitssunde^ im Tuba melodische 
Arioso's einzumischen 9 das confutatis greli tix 
cdoriren, and iiber dem Quam olim alie Kitnste 
des dopptsUen Contrapunctes loszulassen. 
-• Welchevondiesen, einander freilich sehr wider* 
sprechenden Entschuldigungen oder Rechtfertigun- 
gen den Yorzug verdieneyvrill ich hier nicht ent« 
scheiden* 

Wieder ein anderer der vorerwahnten AufsStze 
fiihrt mir zu Gemuthe, es sei ja in meiner T li e o- 
rie der Tonsetzkunst vonmirselbstausgespro* 
chen, dass die grossen MeisterWerke der Kunst nicht 
aus der Theorie, sondern die Theorie erst aus 
den Werken der grdssten Kiinsller hervorgegangen 
seien. In .der That sei auch 9, Alie musika* 
9,lische Theorie neuer Zeit in Deutschland <* 
durch Haydn, Mozart und Beethoven begriindet 
worden; was diesesagen und thun, gelte mit Recht 
als Gesetz, sie handelten durch Instinkt, — ,,80 wie 
f idie Ente, wenn sie sich einem Wasser nabt, nun 



Uber das Motartuche Requiem, |St 

m 

9 

jfg^r nicht aiiders kann als darauf zii scliwlm- 
),meii« : (sic^) -— folglich k6nne Mozart aiudi niehl 
fehlgegrilTeii haben. (BerL M. Z. 1826 S, IQ.) *- 
Sofern solche Einwendungeii RechtferUgmii 
gen Mozarts sein sollen 9 so darf ich^ vrohl wie^ 
derholen, was ich schon oben bei llhnlichor Ge« 
legeiiheit gesagt , dass ich ja nie Mozart ^liiei 
FehlgrlfFes geziehen ^ dass ich ihii' flbrigeiis f^M 
zu hoch verehre 9 um i h n, odor auch nur Einen 
seiner Finselstriche^ oder wohl gar ein ganz voik 
ihm herrithrendes GemMlde, so 1 c h e r Entschnldt* 
gung und Besehdnigung bediirfUg zu halten wi% 
die , in deren Darlegung der eben erivMhnte Herr 
sich so wohl gefMllt, — und tfeki^n Lesern so 
wohlzugefallen gedenkt, und demsidi vielleichty 
mit Gdthe, zurufen liesse: ' '* 

Ja ! wer Eure Verehrung nicht IiennlfC : ' 

Each , nidit Ihm , baut ihr Mondm^tite. 
_ . ■ • 

In der That ist aber insbesondere auch' der 

geistreiche A. B. Marx welt entfernt, Argu* 

ttiente wie die des Hrn. Stadler oder d'es eben er- 

wMhnten ungenannten Herrn, in sotchem Sinne 

gebrauchen zu woUen : £r will im Gegentheil viel- 

mehr, durch Hindeuten auf Mozartische individuella 

Eigenheiten, nicht den Werth der bezwelfelten 

Stellen rechtfertigen, sondern nur ihre^Abstammung 

aus Mozarts Geist erklaren, (1825 $*379;) ein 

artificieller Beweis, welcher viclleicht st&rker und 

siegender als ]eder andere sein kdnnto, welcbem 

aber nur jetzt die vorliegende historische Gewiss« 

heit denn doch entgegensteht. 



Catnip 4. B"*! (H«ri iG.) 24 



Sn Weitere Nachrichten 

Soil ichy nach diesen allgemeineren Betrachtim- 
fitn, nua:auchnocli auf die^ an den mehrerw^hnten 
Orten vorkommendeii) Rechtfertigungen oder 
Eftttchuldigungen einze In erStellendes Re- 
quiem Etwas aagen ? — Es geschehe, mit den mdg- 
lidist wenigen Worten^ und selbst lieber unvoll« 
Stindigy als noch ausfubrlicher als dieser Aufsatz 
nun doch adioa geworden ist. 

Zu Gunalen der, nach einem Handelschea 
Alleiuja gebildeteU) K y -r i e-Fuge hat man gesagt, 
MoAart habe eben nicht sowohl auf die Bedeu« 
iimg der Worte Kyrit eleison gesehen, als viel- 
mehr di« Absicht gefaabt, den Goltesdienst durch etne 
kiinstllche Fuge zu verherrlichen, und 3eine Kunst 
am Gotleadieatle zu heiligen, und so rausche und 
ifvoge in ihr die Herrlichkeit begeisterter Kirchen- 
feier* — Es ist nicht mdglich, s c h d n e r fiir eine 
Sache wie djettf zu sprechen. *) — Etwas matter 
nimmft sich dagegen die von Herrn S t a d 1 e r gewahl- 
te Beschdnigung aus : man miisse die chromatisch 

*') Wenn icb, im iruheren Aufsatze Sk 318, dahinge- 
•tellt sein liess, ob insbesondere die tfChro- 
y,inatischen'^ Seclxzebntelfiguren nicht yielleicht blo« 
' %yfur Instrumental-Zwischenspiel e bestimmt' 
^gcwesen^S oder ob Moiart y,TieIleicht^' die Ab- 
sicbt gehabt, wabrend der Sechzehntel der Instra- 
nente, die Singstimmen nur die Haupttone in i^Vier- 
„telnoten'* angeben zu lassen; so thut Herr A* 
B. Marx mir oenn doch Unrecht, wenn er mir ent- 
gegensetzt, wie matt und leer es freilich in den 
* Bicbt chroma tiscben Stellen klingen wiirde, 
die Singstimmen y in halbenNotell, einher- 
schreiten zu lassen, woran ich aber auch nie gcdacht 
babe J und grade so Unrecbt thut er mir auch , wenn 
er semen Lesem berichtet , ich hatte im Tuba auch 
' ' " das Sopransolo als weichlich und unbefriedigcnd 
getadelt : indess ich von diesem Sopransolo auch nicht 
die entferntestc £rwabnung gethan. GPFi 






Uher das Moiartische Requiem* 339 

gurgelnden Fassagen dieser Fuge eben nur auf eino 
feine, sanfte Art singen, und dann wirbslteQ 
( Kyrie eleison ! ) diese T6ne immer hdher undl 
hdher, ^herzerhebend bis zum Ewigen* -^ Auch 
teien dergleichen Fassagen zu Handelt Zoiten 
ja 9,Mode<< gewesen. — {Sic! S: 19.) 

Ich muss gestehen 9 dass ich noch immer mei«i 
nen urspriinglichen Glauben voi^ziehey Mozart wfir« 
de, hStte er uits ein Kyrie als ein Kyrie seiner 
Composition, und zwar zu einem Requiem 
geben wolleny nicht also geschrieben, nicht also 
9,gewirbelt« haben^ auch nicht der ^^Mode" zu 
Liebe; da wir aber, seit jener friiheren Aus« 
serung meines Glaubens, nunmehr vollends nicht 
allein von Herrn Stadler (S. 17 seiner Schrift) 
belehrt worden sind, sondern uns auch selbst iiber-^ 
zeugt haben » dass die ganze Einleitung zum er« 
sten Satze >einef aus ItHndels Anthem for the Fu* 
neral etc. genommene, und auch die Kyriefuge^niiP 
eine ( muthmasslich friihere) Studienarbeit nach 
HMndel gewesen ; so Idset sich das Bathsel zu Gun*- 
sten jenes meines friiheren Glaubens ganz ein- 
fach dahin, dass es Mozarten , als er solchoy 
nicht zur dffentlichen Ausstellung bestimmt ge«- 
wesene Studienarbeiten nach HMndelschen YorbiU 
dern niederschrieb • der Natur der Sache und 
dem nSchsteji Zwecke artistischer Studien zufoU 
ge , auf Dergleichen wohl gar nicht anzukommen 
brauchte , und irir daher auch nicht mit gefangen 
genommenem Glauben wiirden zu verstummen 
brauchen, wenn Uns etwa einmal did chromatisch 
gorgheggirenden Sechzehntelpassagen von Mozarts 



340 Weitere Nachrichten 



I 



'eigener Feder geschrieben soUten vorgezeigt wer- 
den kdnnen, '*') 



^) Noch eine weitere ,ganz besondere Thatsache , 
nach welcher es gans of fen bar Mozarten, sei- 
nes Kiinstlerruhincs ganz und gar unbeschadet , bei 
diesem Requiem auf Manchcs, was er s o n s t sicher- 
lich nicht hatte thun mogen, aicht ansukommen 
brauchte , und warum er namentlich frjuhere Stu- 
dienarbeiten fur pas&end genug achten mogte , als 
Nr. 1 und a lu dicnen, -— diese Thatsacbe, sage ich, 
wird noch in der Folge, vielleicht bald, jedenfalls 
sicberlfch, behanni werden, spStestens sobald 
ein Paar Augen sich geschlossen haben werden» 
(es geschehe dies ror, oder nach den meinigen,) 
wahrscheinlich aber auch noch fruher, indem sogar 
mehre Fersonen, deren IVamen In diesem Aufsatze 
noch gar nicht genannt worden, bereit sind, bcsag- 
te , seiner Zeit sogar nicht wenigen Personen 
belianntgewesene, ohneZweifel auchdem Hrn. Stad- 
ler nicht unbekannte, auch in Wienerisch-Neustadt 
noch im Stillen notorische, und doch der Welt bis 
jetzo so gliickllfih yerborgen gehaltene Thatsache, nach- 

^ stens dnentlich bekannt zu machen, und dabei ihren 
ehrlichen Namen zu nennen. £s wird bekannt iver- 
den 9 dass und in weichem Sinne die Ton Mozart , 
(der, neben dem gottlichcn Kiinstler, eben auch ein 
lebenslustigcr Mensch war, menschliche fiediirfnisse 
hatte, das schnode Metall, zumal Torau8bezaItes> zu 
gebrauchen und zu verbrauchen verstund, und nicht 
alle Tage, und vollends nicht jeden Tag seiner letz- 
ten Krankheity gelaunt und Tcrmogend war, viel zu 
componiren) — es wird, sag ich, bekannt we^den, 
warum und in weichem Sinne die yon Mozart un- 
\ollendet hinterlassenen Blatter eine g an z andere 
Bestimmung hatten» als die, der Welt fur ein Re- 

2uiem seiner Composition gegeben zu werden; — wo- 
urch es sich denn auch noch auf eine ganz ande- 
re, und hoch yiel biindigere Art, als in der obigen 
Anmerkung S. 276 u. f. geschehen, erklaren wird, wa- 
rum Mozart diese .Arbeit nicht ins Verzcichniss se i- 
ner Compositionen eintrug. Man wird dann vielleicht 
Manches , wofur man bisher so tief asthetische und 
sublim religionssinnige Erklarungen aufzufinden streb- 
te — ganz gewaltig natiirlich finden , iibrigens iibcr 
die Gcschichte — viel lachen. OiV. 



Ubcr das Moxartische Requiem. 341 

Ungefahr ahnlich den vorstehend erw^hnten, sind 
die* an verschiedenen Orten aufgestellten Ilechtfer^ 
tigungen der von mir bezweifellen Stellen des Tu», 
ba mirum mit Cunt vix Justus 9 des Confutatis^ 
des QwDun olim, und des Hostias. 

Die Siisslichkeit des Fagottgesanges im 8* 9* und 
10* Takte AesTubd mirum sei, sagt man^ }a ganz 
passendy indem der Posaunenschal 1 ja auch 6 e r e c fa- 
te wecken werde, deren siisse Frendehier, (in drei 
siissen Tacten,) geschildert werde. — -> Auch sei es 
Mozarts Individual! tat gemass^ und auch 9 kiinst* 
lerischer Erfahrung nach, gut gewe&en, zwischen 
zwei starken, hefUg erschiitterndenS^tzent — drei 
susse Tactet ( — mit allem nUchst VorhergeUode^ 
und NMchstfaJgenden » und mit der ganzen son* 
stigen erschtitternden Haltung deft ganzen Tonstiikn 
kes contrastirend!) einzuschalten* —r S Of wahrljpby 
liesse sich auch das Disparateste entschuldigen^ ziit 
mal sobald es heisst^ Mozart habe es gethan* 
^ Allein gliicklicherwelse bedarf auch hier Mozarf 
solcher Yertheidigung nlcht, indem wir vielipeb.v 
durch obigen Brief des H. SSikschy Nf« XXIX i 
mit ibm iibereinstimmend durch das Zeugniss 
unsers * £• M. v. W e b ex 9 Nr» XXII , me auch 
von Herrn Mai^ (1825 »S. 382») nuumehr wiasen, 
dass diese Stelle wirklich nicht echt ist^ 
und dieser siisse Fagot^^e^ng nicht auf Mo4 
zarts Kechnung konamt^ inde«i dieser uns hi«r 
keineswegs ein FagoU in s^inen sciimelzenden hd^^ 
heren Tenortdnqn singen lassep wollte^ sondern 
fortwahrend eine Fosaune« dass aber Siiss* 
mayor- sich erlaubte, d^r yffX% ftatt dieses gros^ 



343 W^itfr^ Ifachrichten 

artig bedeutungvollen Instrumentes, ein fein ^ ge- 
tchlachtes Fagott ttnterzuschiebeii^^ au9 welchem 
denn freilich die, jedenfalls Susserst cantable Me* 
lodie, mit einei* hdchst anpassend siisslichen Grazie 
hervoptritt und, statt der Weltgerichtsposaune) ims 
schmeizenden Hirtengesang hdreq iisst. 

In solchem GL*ade hat also der Heri: Bear- 
belter SOssmayer, oder sonst wer, bei der Her« 
avsgabe zu variiren sich* erlaubtl Ja 9 nicht al- 
lein in diesen drei Tacten 9 sondern voile vier* 
unddreissig Tacte lang, also vor und wShrend 
des ganzen Bass -Solo 9 und wahrend des ganzen 
Tenorsolo » hatte, dem Zeugnisse der vorstehend 
genannten Herren zufolge^ Mozart elne concer* 
tirende Posaune gewoUt : um aber die Sache leich- 
teK practikabler uad zu rechtem Kaiifmannsgut zu 
jnachen, hat — Herr Stissmayer, oder sonst wer, in 
8tuppach, Neustadt, Wien, Leipzig j» oder sonst- 
WO9 sich kein Gewissen daraus gemacht, das 
ganze, 34 Tacte lange^ grossartige Posaunensoloj 
in ein modernes Fagottsolo in Tenortdnen umzu- 
schmelzen; — und diese und ahnliche Umgestaltun- 
gen und Verunstaltungen, soil man anbeten als Mo* 
xartsche Gdtterformen , — und hat sie angebetet. 
Ich wiisste nicht, wie meine urspriingliche Aus* 
•erung , die Sdsslichkeit des befragiichen Fagottso* 
lo's lieber dem Herm 8iissmayer als unserin Mo« 
zart zu Last legen zu wollen, aufFallender gerecht- 
fbrligt werden konntei als durch die nun vorlie* 
gende Entdeckung der Thatsache von^ der Ver- 
wandlung grandldsen Posaunenschallea in susslicbf 
Tenortdne einea modernen Fagottes* 



Uber das Moxartiseh§ Ktquiem^ ^4^ 

Doch der dem CScilienhefte gesetzte RauM 
naht skh dem Ende, und Ut ^wohl schon iiber* 
schritten: ich muss abkiirzen^ welches » naoh den 
vorerwShntea Aufschliisseny auch gar* wohl angeht| 
denn nachdem nunmehr nicht nur die grossenthei- 
lige Unechtheit im AUgemetnen ausser Ziveifelf Son* 
derii es auch aufgedeckt ist| wie der Bearbeiter und 
Herausgeber mit dem Werke verfahren> ganza 
Isnge Posaunensblo's 9 und ganze Zwischenspielo 
von dritthalb Tacten unterschlagen, Tempi u. dgL 
wiUkiirlich variirt u. dgl. ( vorstehend Seite 267f 
Anm. '^<'^*), S. 303 u. 3040 — so wird, nach diesem 
alien, der Glaube an die unfekibare Ta« 
dellosigkeit aller StelleUi und also auck 
aP. B. der letzten Tacte des ebenerwfthnten Stilli* 
kes^ nicht weiterer Beleuchtung bediirfen* 

Darum flUcbtig nur nock Einigea* 



Vom C o nfu tat is wird einestheils gesagti der 
Text : 



ConfutatU maledictis , 
Flammis acribut addicdSf — • 
J^osa — me eUm htrudictU, ' 



Hast du erst die Verdamm« 
ten niedergeschmettert und 
den rerzehren^en Flammen 
ubergeben — dann bierufis 
m i e h mit den Auser wahlien* 



sei nickt seibstsiichUg und niedartrSchtig ok* 
renbUiserisch , sei der christUchen NHchst^nlieba 
nicht widerstrebend. -^ Das mag denn mit dem 
Gefiihle eines Jedea beimgehen ! — - iok aber vrieder* 
koloy dass ich miob nicht entsckliessen kann^ mei* 
nem Mozart die Art und Weise zuzutrauen, me 
diese Stelle ^ Aequiem colorlrt und ordentlich 



3|t( i JVitiiurc Nachrkhten \ 

gan^^or^herHusgeholienerscheint. Man hdre^ (ich 
vviederbole mein^ friiheren Worto, Heft 11, S» 221f) 
ipaa h5ra y^das wild hetzende Unisono der gesammteM 
i,JM[a$se aller- Bogeninjitrum^iite^ ordentlicli um den 
yiWeltfigh^r recht aazutreaben, die vermaledeite 
yySundercanaille nur gleich recht weit hmeinzu* 
^»ohleudern. in den tiefsten Abgrund der Hdlle-j 
^tgw di)QA' **- ihn, den Sanger 9 zu den lieben 
^^Geben^deiten »u berufen«. — 'welches letztere 
9idie int. abstechendsten Gontraste wundersiisslick 
fy^intretenden Fldtentdne der weiblichen Sing* 
iffitimmen nur gar zu treulich *) schmeichlerisch 
9^]und kriecli«nd aiftsdrticken. Wenigstens im hdch« 
fiSten Gxad^ itnwahrscbeiniich Lst es mir, dass Mo* 
^art 9 der bq edel aufzufassen verstund , dess^ 
y,ganzes Inner^' so h^rrlich und gross, und einer 
,,solchen} icb. mdchte sagen^ ohreablaserischen , 
^,selbstsiichtigen Idee so gradezu entgegengesetzt 
9,gewesen' sein muss , der 9 batte er sich im Leben 
/iVom liebeff Gott eine Gnnde zu erbitten gehabtf 
l,sicherlich weit eherHeil fur die gesammte^ensch- 
lybeit erbeteii iind eher grade 'nur sich dabei 
y^vergessen ^ als sich eine Gnade auf Kosten der 
ypSiinder ^rflfiht haben wtirdoy «» dass Mozart, 
^sag' icfay soliche Behaadlnng beabsichtet haben 
tfkdnne, ist mir wenigstens im hiclchsten Grade un* 
f^w^brsqhelnKch.*^ 

Wenndagegender.Ungenannte in der BerLMus* 
Ztg« (1826* S.'8) meinty ich.wollii das tadeln, dasi 
]M[Qzart „diA 4^ualen der Yerdammten mit 
^^0 grflsfilicben Farben male und dag^ea 



*^ S. vorstehend S« 333 unten. 



w 



> 



Uber das Moxartische Hejuiem. 345 

99clen Zustand der Seligen in einem so 
yyfreund lichen Colorit darstelle^S so hat 
er den Sinn meiner vorstehend abge<jruckten 8tel- 
le, wie der Augenschein zeigt^ gar nicht verstanden^ 
— Er f^hrt fort: Sdiiller babe jaauchdasgrassiiche 
Bild eines 6ottesl^$terePS gemalt, und schauderiiaft 
wahr gemalt, im Franz Moor, man werde aber darum 
nicht behaupten, Schiller s e i selbst eine solche Ca- 
ricatur von Mensch wie der Moor, — Himmel welch 
eiik Argument, welch eine Farallelisirung der Dar- 
stellung eines B6sewichtes a Is -verabscheuungs- 
witrdig^ uiid eines Christengeflaein0 , welcher der 
alto Dichter des Confutatis nnchristliche Gesinnun* 
gen, als christliches Gebet, in denMund legt, 
Gesinnnngen welche so zu coloriren und zu exage- 
rireq, wi« im Requiem geschehen, der ungenannte 
Herr s einem Mozart zutrauen mag: ich mag es 
m e i n e m Mozart nun einmal nicht, zutrauen, son- 
dern will, selbst ohne Riicksichtsauf die nunmehr 
entdeckte Willkiir , mit welcher man sich erlaubt 
hat, an Mozarts Concepten zu modeln^ jedenfalls 
lieber auch hier den auf S. 221 des 11. Cacilienhef- 
tes, und vorstehend S. 274— 276 1 u. 332 geaus- 
serten Zweifel festhalten. 



Vom Quam olim, wo die abgerissenen WSrler : 
quam dim 4brakf^e promhisti et ,^emini erf us 
quam oli^ Abr^/iae promisisti et semini ejus 
quam oiim> Abrakae u. s* f.. u.;s..f. zweimai'SS 
grosse Yiervief teitacte lang wiederholt werden, sagt 
man, es sei dies ein schdnes Festhalten'am 



346 Wciure KachricKten 

Ganzen ohne Beriicksichtigung einzelBer TexU 
theile; — auch diirfe man sich nur all das Viele 
hinzudenken 9 was mau sich hinzudenken ketone: 
Z» B. wie der Erzengel in Hoheit und Herrlich- 
keit erscbeine etc.: das alles tdne in der Compo- 
sition der Worte Quatn olinij u. s. w* — Ahn« 
lich kHngt Herrn Stadlers Einwendung: Mozart 
babe in diesen Worten einen gar hohen Sinn ge- 
fiinden, und sie ..nach HSndelsoher Manier^* kr^f* 
lig U.S. w. ausgearbeitet; -— es sei ubrigens wahr- 
haftig von Mozart seibst gearbeitet etc.^ 

Ist dies letztere wirklich der Fall, so lasse 
icb den historischen That 1 meines, dieses 
Quam olim betreffenden Zweifels, glSubig fallen. 
Auch hier wird ubrigens der oben (S. 340) ange« 
deutete Umstand seiner Zeit noch ziemlichen AuC* 
schluss geben* 

Endlich in Betreff des HostiaSf bei der Wie- 
derholung, ( Tact 23» ) frage ich, was man von ei- 
nem Frediger oder Declamator sagen wiirde, wel- 
cher folgendermasen vortragen wollte ; 

Hit holier und starlier Stimme : 

Hostias Opferbrote 

Pause, dann leise* mit tiefer Stimme: 

et preces und Gebete 

Wieder Pause, dann mit hoher, starker Stimme : 

tibi dir 

Wieder Pause^ dann leiset mit tiefer Stimme : 

dotnine Herr 

Wieder Pause, dann n^it hoher, starker Stimme; 

laudis des Lobes 

Wieder Pause, dann leise^ mit tiefer SUmme: 

€ifferimus. fcringen wir dar. 



Uber das MoxartUche Requiem. 547 

find ob man, sofern man fiir ihn nicht etwa schon 
als fiir einen Demosthen eingenommeh ware, in el- 
ner solchen Declamation eine VoFstellung(?) 
fromm B etender, die b aid drin f^^en den 
Hulf$ruf hinaufsenden, bald inDemuth 
und BangigJceit Haupt und Stimme sin- 
lien lasseUf linden ^ entschuldigen und be \vun«- 

dern wiirde? Auch hier gilt iibrigens wieder das 

80 eben in Betreff des Guam alim zuletzt Gesagte, 
so wie vielleicht auoh wieder die RucJksickt S. 

274 u. 332- 

■ ■ ■ I I ■■ I 'll 

So viely und Mehr nicht » ilber die mir von 
der Ssthetischen Seite entgegengesetzt gewesenen 
Einwendungen. 

Zur volIstMndigsten Erwiederung d^rselben^ so 
meiiberhaupt zur ganz erschdpfendenBegriindung 
aller vorstehend ausgesprocbenen Ansichten, hatte 
ich eigenUich hier die Grundsatze und daraus 
gezogenen Anwendungen gradezu wiederholen miis« 
sen 9 welche ich in meinem fruhem eigepen AuC- 
satze, liber den* theila-hochpoetisohen Werth, theUs 
auch auffallenden Unwerth dea lateinischen Ritual- 
testes des Requiem^ uttd liber diemusikalischeAnf- 
fassung desselben iiberhaupty im iO. CMcilienheftey 
und auch im 11* iiber das Blozartsche Requiera^ 
ausfuhrlich auseinandergesetzt habe, wodurch alle9 
vorstehend Gesagte eigentlich erst v5Uig einleuch* 
tend ivird, *) 



^i"«»* 



•) XJm denjenigen wahren Verehrern Moxarts, welclie 
die Cdcilia nicht halten , die Gelegenheit zu geben , 
deii gegen^T^rtigen Auftats und den im ii. nefte, 
fiber Mozarts Be^ui^m^ susmmmen su lesen und au 



348 Weitcre Nachrichten 

Blicken wir nun auf die Ergebnisse allef 
Bish^rigeni^ in Beziehung auf den von Seite 257 
bis j261 bez^ichneten Gegenstand, zuriick, so sind 
tvir nunmehr tiber Folgend^s ins Heine gekommen* 

1.) Die urspriinglich offenkundig gewesene 
Thatsachcj das$ das Requiem grossentheils 
nicht Mozarts, sondern Siiss-mayers Ar- 
beit sei, war in aeueren Zeiten ganz ver- 
gessen. * Man war» dadurch, dass man das 
Werk tiber all „das Mozartische Requiem** 
neunen horte^ nach und nach so unveraierkt 
gewohnt geworden , es ftir ein durchgangig 
lyirklich Mozartisches Werk und ^Iso fur ein 
echtes Werk desjenigea ZU; nehmen, desse^ 
Namen es trug, dass von unsern ^eitgenos- 
sen fast niemand mehr auders wusste und 
glaubte, als es sei ganzlich Mdzarts eigene 
Arbeit, ein Glaube, -welch er, als ich in Nr. 
11. der CcCcilia die urspriinglich ofFenkundi- 
ge Thatsache, wieder in Erintiernng brachte, 
sogar Vertheidiger fand, welche den nach und 
nach eingeschlichehen Glauben aii di6 
durchgangig reine Abstammung des 
Werkes von Mozart selbst, zu ver- 
theidigeh un ternahmeB* Nunmehr aber ist 
die Thatsache vori der gr-assentheili- 
gen Unechtbeit, wenn sie auch sonst viel- 
leicht noch einig^m.. Zweifel ausgesetzt sein 
konnte^ endiich vollends au55er Zweifel ge- 
setzt von den Herren Andre (S. 262 — 263 
und S. 286) und- Stadler (S. 263 — 276), 

vergleicben^ lasst die Verlagt^andlung der CScilia 
dieselben zusammen in einer eigenen Brochure , be- 
ders abdrucken. JD, Redact, d. CanUia. 



Mer dcis Moxariische Requiem. S149 

und zwar von beid^n in einem noch ausge- 
dehnteren Sinne als bisher gemiithmaset wer- 
den konnle^ und nicht allein durch bios 
Iii^torische Zeugnisse, sondern auch noch na- 
her aus dem Inlialte des Werkes selbst. Na. 
mentlich ist es schon jetzt einleuchtend^ dass 
wenigstens das erste Requiem und das Kyrie 
nicht als Mozartsche eigentliche Composition 
zu betrachten sind (S. 269 — 276;) und dass 
iiberhaupt die ganze Arbeit von ihrem Urhe- 
ber zu etwas ganz Anderem bestimmt war, 
als dazu> der Welt fiir ein Requiem von Mo- 
zart gegeben zu werden^ wird nachstens zur 
Verwunderung klar werden* (S. 340.) 

2.) Es hat aber auch die von mir geausserte 
Muthmasung, dass an dem Requiem -wohl noch 
Mehres echt sein moge, als bisher be- 
kannt gewesen, sich bestattigt durch ahnli- 
che Muthmasungen der Herren A, B. Marx 
(S.281 — 283)> Rochlitz, (S.288), v. Sey- 
fried (S. 307 j) und auch durch das histori- 
sche Zeugnis des Herm Stadler (S* 280). 

3,) Weitere Bestattigungen , sowohl der 
erstereil Thatsache> als auch der letzteren Ver- 
muthungen, so wie weitere, zum Theil sehr 
bemerkenswerthe Notizen, iiber des Werkes 
urspriingliche Entstehungs- und demnachstige 
Ausbildungsgeschichte durch Siissmayers Hand, 
iiber die Willkiir, mit welcher man bei die- 
ser Arbeit zu verfahren fiir gut fand, so wie 
soristige Zweifel iiber einzelne Momente pro 
und contra, nebst Stoff zu weiteren Forschun. 
gen , sind in der mitgetheilten Correspondenz 
(S. 283 — 311) niedergelegt. 



1 



350 Weitere Hachrichten 

4*^ Meine weitere beilSufige Muthmasungy 
dass vielleicht gar, ausser dem fragmentari- 
schen Mozartschen Concepte, aus welchem 
Siissmayer tins das Requiem, so wie wir es 
jetzt gedriickt besitzeD, angefertigt* noch ci- 
ne andere, von Mozart ganz oder beinah fer- 
tig geschriebene Partitur des Requiem existirt 
haben moge, (weil ja Fr. Rochlitz in der 
Leipziger mus. Ztg^ uns, den Angaben Siiss- 
mayers widersprechend , berichtete, als Mo- 
zart starb, sei das Requiem f e r t i g gewesen, 
und auch. Gerber im Tonkunstler-Lexikon 
xneint^ es sei ein so gut wie ganz fertiges 
Manuscript dem Unbekannteniiberliefert wor- 
sen,) — diese Vermuthung hat sich zwar 
nicht weiter bestattigt (Vgl. S. 287, 299 u.f. 
und S. 508); *) indessen durften die auf S^ 
340 in der Anm. erwahnten weiteren Auf- 



• ) "Wohl aber haben trir einij^e, an lich nicht ttn^^IavB- 
Yviirdige, nur aber sich, weuigstens dem Aiischeine nach^ 
einizerinasen wi^lcrsprecbcnde (S. 266,1679198,299,) 
Nachrirhten erhalten, von der Besehaffiniheit aoch 
existircuder StiicUe der Mosartschen Goncepte, Ton 
'welchen wenigstens der glaubwiirdige Herr Stad- 
ler versichert: er habe swei Stiicke davon {La- 
rrymosa^ our bis zum achten Tacte g^schriebeti) und 
Domine) noch Tor Kurxem in Handen echabt; sia 
seien auf ^81 aches Papier nkit sswolf Lmien (d. h. 
Notenpapier in Q u e r - oder b r e i t e m, nicht hohem, 
Format) gescUrieben. (t)ass Hr. StadlerManuscripte 
dieser Art, worin, -\Tie er selbst sagt, Moeart nur 
die Motive der Instrumentation angegebefa, Tom La^ 
erymosa nur Q Tacte aufgeschrieben, u. dgl. |,eine 
fbrmlichcy ordentliche Partitur*^ nennt, 
thut hier nichts 2ur Sache , da wir nicht um Nam en 
und Titel streiten TroUcn, und auch nicht dariibcr, 
ob die zwolfEeiltgen italianischen N6tcnblatter Blat- 
ter oder Blattchen titulirt werden roussen, und ob 
ich ihnen etwa su nahe getreten, wenn ich mir sie 
gar als behriteelt yorgcstellt ^ indess die Hand- 
schrift yielleicht doch koinreswega gehritselt ist« 
u.8. w.) , QW. 



Uber das Mozartische Requiem. 351 

klarungen viellticht auch in dieser Hinsicht 
noch nahere Resultate liefern. 

5.) Endlich sind auch die, bios von der 
Ssthetischen Seite erhobenen Zweifel, wohl 
nicht geeignet, die nunmehrige historische 
Gewissheit zu ^ernichten. (S. 321 — 347). 

6.) Fragen wir endlich, welche Ausbeute 
fiir die Kunst selbst sich aus diesen his- 
torischen Resultaten ergjgbe? — Wohl eine 
durchaus nicht Unwichlige: Es ist nunmehr 
aufs Heine gebracht und vorziiglich durch die 
Herren Andre und Stadler ausser Zweifel 
gesetzt, ob die heilige Antike so, wie sie 
vor uns steht, ganz von des Biidners 
eigenem Meisel, oder restaurirt aus sei- 
nes Schiilers Hand, hervorgegangen , ob 
wir also unbedingt jeden einzelnen Theil 
des Standbildes als ein von einem gewaltigen 
Genius der Nachwelt geschenkte5 Vorbild be- 
trachten miissen, und von einem jeden seiner 
Zuge ohne Ausnahm uns Kunstregeln abstra- 
hiren (S. 33tf) diirfen — oder nicht. Die 
detaillirtere Nachweisung, welche ein- 
zelne Theile von Mozart selbst wenigstens 
conceptmassig vorlaufig niederge<ichrieben 
(vgl. S. 332 n. 340>) waren, ist uns in der, 
von Herrn Andre angekiindeten Ausgabe 
der Partitur verheissen; und so werden 
wir denn kiinftig das Mozartische Requiem 
nicht mehr bios blindlings, sondern ungefahr 
so studiren konnen, wie der Bildner seinen re- 
Ataurirten Laokoon, seinen Apollo u. a. m., 
xnit ]Be>vusstsein ^emex nar theilvreisen Echt- 



S52 » Weitere Nachrichten 

heit studirt, der Dichter seinen compilirtc^n 
Homer» ti. s. w. 



Zu diesem alien durch ineine Betraehtungen im 
11. Hefte der Cdcilia die Veranlassung gegeben zu, 
habeny darf mich daher wenigstens nicht gereuen, 
— wie wenig mir's auofa Manche werden verzeihen 
kdnnen, *) — wie ich denn auch iiberhaupt mich nie 
scheuen werde^ der,tinter den recht ordinaren Dilet- 
tahtenund GenossendleserKiinst, mehr als in jeder 
anderen^ eingeyvurzelten Seichtheit und unterschei* 
dungslojsen blindgiaubigenBewunderung, des Anstds- 
sigen so gut als des Tiefsten und Erhabensten, so 
weit meine geringe Kraft und Musse eserlaubt, frei 
und kiihn in den Weg zu treten, wodurch ich 
zur Ehrenrettung der Kunsty und zu wiirdigerer 
Feier grosser Kiinsiler und ihrer<echten Werkey 
wahrhafter zu wirken meine ^ als ein ganzer Con- 
certsaal voll seichter Enthusiasten , welche ilber 
jeden Ton ohne Unterschied schmelzen und ver- 
gehen m&gten. 

Ich wenigstens wiisste die einem grossen Mei- 
ster schuldige Ehrfurcht nicht schm^hlicher zu 
verletzen, als wenn ich mich vor sein Werk^ hin- 
stellen und in Entziicken vergehen wollte tuber 
die demselben yon einem Hestanrator angetha- 
nen Unbilden, grade 60 wie iiber die .Geniefiin- 
ken des Meisters* 



•) denn : 

Thu* was du uMUt^^nur habe nicht' recht. (Gotbe.) 






1 — 



1 n t e II i g enzblatt 



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(@ ^ ^ ® a It 3 i2L9 

I 8 2 5» , 
Nr. 13. 



. », *.A'-i 



ma^^smm 



Ke chen sch aft. 



IVLit. denif zu Ende des Manatee October 1825 • 
ausgegebenenf zmolften Hefte^ ti>ar der 
dr*itte Band der Cdcilia geschlossen* 

Die Ferlagliandlung hut auch im z me it en 
Sande J stutt def- fur einen Band pevsproche'^ 
nen ^^circa 18-20 Bogen^*, nur aUein an Textf, 
die Beilagen nicht gerecknet ^ ndchst 21 Bo gen f 
mit Inbegrijy dieser letxteren und d^s Inhaltver- . 
zeichnisses aber 22 Bogen, und ^ das InteUi' 
genzblatt mitgerechhet, irh Ganzen iiber 26 
Bogen J — im dr itt^en Bande aber alletn an 
Text^ 20 Bogeni mit Inhegr^ der Beilagen^ der 
Inhcfltanzeige und des Titelblattes 22 Bogen , 
' uiid das Intelli genzblatt niitgerechnetj im Gan-^ 
zen ndchst 26 Bogenj nebst Titelkupfer, gelie- 
Jirt : uilles ohne an eine Brhohung des 
Preises C^^on 36 Ar. oder 8 gg^* P^^^/if) 
zu denken^ bei wetchem es auch jetzt und kunf" 
tig fur die Abonncnten sein Bew enderm 
h ehdl t^ indess man sich bestreben anrd^ - 
kiin/iig wie bisher ^ uJiter Beibeludtung alter 
urspriingUchen BedingnissCj Mehr als das Ver* 
6prochene zu leisten. 



laUlTigentbl. f, 4- B4. <i. C cilia. 



» \' 



^ 2 -^' 

I ■ • 

I f 

\ 

^ 4 

A aa z e i g e 

an die re$pectiven Abonuenten ' 

bet r«f fend di© 

schnellere Spedition der Cdcili^nhefte. 

XJa una von ettiigto ^ Aboimenten lila^^en uber 
VerspdteteA, £mpfaii£; der erMsbeuienden Hefte ge« 
Hussert worden slnd, so laden vvir diejenigeu y 
welche die Cdcilia schnellerzu erh alien wiin* 
schen 9 als ea auf dem , freilich mitunter gar lang- 
samen Wege der Buchhandelgelegenheit durch 
Frachtfohren, ni6gllch iat, hierniit ergebensi ein, 
derjenigen Buch- oder Musikfaandlung, von wel^ 
cher Sw die' Cdcilm beziehen^ oder in frank ir-r 
ten Briefen uns delber unmitteibar, zu erdfFnen, 
dass sie die Hefte diircb Postwagen zu -erhaiten 
^iihschen. Sie werden um so weniger Anstalid neh« 
«ien diirfon, solcbe Verfiigung zu treffen, da d.er da« 
durcli entstehende, ohneliin imDurchsclinitt nureU 
\va sechsmalim Jahre vorkoramencle Portoaufwafidy 
nur gering. und 'iiberdies ja, durch die aMSseror- 
dintliche vVohifeilbeifc des Abonnementpreiaes , 
schon im Voraus yergiitet ist. 

' tfbrlgens sind wir benachrichtiget ^ dass 9 was 
insbesondere die Vers«^ndung in die K. 'K- C)st- 
relqhischen Staa'eii betrifft, die Spedition unsercr 
ilefte aa die dortigen Buchhandiungen urid Abon- 
neuten initunter auch , und zwar gr<(sstentheils , 
durch die vordersamst einzuhaitenden gesetzlicheA 
Fo.rmalit^ten der dortigen Censuranstait aufgehalteti 
wird. 

Uberhavpt aber mag die Schuld de» Verzdge- 
runggarhS^g auch in der Kachl^ssigkeifc der Hand- 
lungsh^user iiegen^ bei welefatfn die resp. Aboanen- , 
ten die Cdcilia bestelit haben; oder aucli in der 
allzugrossen Sparsamkeit mancher Buch -r und Mu- 
iilihandlungei)^ welcbe una aUsdr(ickliclv aufgege- 



> - 



» I 



• \ 



— 3 — 



ben haben, ihnen die Hefte uiir iznmer gelegen* 
heitlich anderer Seadungen mlt beizuschliessen, 
was sich denn fr^ilIcK ofl erst nach Monaten zik- 
sammeniinddt. 

' B. Schotrs Sdhn^ ' 

Grossberzogl, .Ho&iu<ikhindluxig ia Main|[« 



n z e 1 g e 

betrej/end das Beilegen/remder Anzeigen 
bei Versendung den C&cilienhefte. 

Ge^en Yergutong von 1 fl. 48 kr, Rhein. oder 
1 Rhtlr. Sachsisch, werdcn gedruckte Anzeigen t 
Entp^gnungen ^ NovitStenverzeichnisse u. dgl.* den 
Cacilienheften beigelegt, resp. beigeheftet und 
mitversendet; nur wird, wie sich von seloR ver- 
steht , 4adurch nicht die Verantwortlichke^t ftir 
den Inhalt solchex* beigelegten firemden Anzeigen 
iiberiiommen* ^ 

B. ScJiott's Sbhfie. 



WeihDachts^Gescheoky Von Aloys Schmitt, in Queer- Quarts 
Mttsikfomuity mit einem Titelkupfet, voa Schalk gestochcn. 
Meinz bei S'chotL ' Pr. 2 A* 30 kr« 

Dieses sebr uisiehende Werkchen enthalc Solos f3r Piano* 
forte, nnd Tersehiedene GesMnge. 

Statt besonderer Empfebluog dieser scbonen nnd gehaltvol- 
len Sammlungy verweisen wir auf di^ Leipziger und Berliner 
Musikaliscbeu 2«eitungeny so wie anch auf die Capilia^ WQ 
diesef sohfio^- Geschenk von gewiobtigen MMonem auf das 
Vortheilbafteste benrthei]t wird. 



— ♦ 



/ . 



— 4 — 



^ 



£ 1 n 1 a d u n g ' 

r ■ " • 

z u r 
5 U b s ^ r i p ti o n 
aufdie- 

drei neuesten gtps§en Werie 

von*- .. 

'L, i?an Beethoven l 

• , . - /■■-•■ - •? 

l.'Miss^ solennis, Z)-dur, op. lS6v 

2. Gr ro s 8 e O u v e r t ti r e| 6^-dur, op. 124 *) vtsA 

3. Symphoni^iii e/-moll| mit ClidreiiyOp.l25f 

IVlfLthz^ hex ^ehptt, 

Die'^nterceichnetie Musikhandlung ist .hocWfreuty den 
Fr^undeii der Ktios^ dien lange ers/ehnteu Genuss dieser gros- 
sen Runstwerke aus ihrem Yerlage darbietcn zu koimen* - Si^ 
ersebeinen in oachstcliendca Ausigaben : 

f 
U Dip grassfi Mhssa solenniSf op. 12*5 ^ 
a) in lEoIbtandigeir Parlitary ^ '^ 

, b) in. ausgesetziten Orcbester- und Siagstimaieni und 

c) iiq,. Clairipr- Auszuge mit Slngstimmeo* 

2*'Die OuvertUr^ f^f grosses O r c h e s t e r/ op« 124> *) 

d) in Partttur, 

e} in Orobester-SMflftmeD. 

5«Die grossp Symphonic mit CbSrenand Solo- 
Stinimea (tiber Schiliers.. .«Lied aa die Fr^u- 

de")^op. 125, . , ^ . 

f) m Paruttip, 

g) in Orcb^stetr usd Sings timmeni 

Alles mit daiu geKorigcn Verdoppplungs r Sjtimmen ,' 

Das Oanze vrird noch im Lati& dieses JabreS ausgegeben^ - 
Die Veriiger werden es als eine ihrer scbonstejj Pfliicbten an- 
s«hen» soicbe kSsrticbe Werke ausserst' correct und in scbii-' 
nem Notenstioh auf schonem Bapiete^ berytfrgAben zu ksseo. 

*) Nicbt zu yerwjcbseln mit eincr anderen, vor einiger Zeit 
bei Steiper in Wien ersfebienenen Beetborea'scbea Ou- 
jeriUr^ Op. 115 ,: gleicbltlls aus C. 



. — 6 — 

Um dem j^blicum die Anscliaflmig - diesev Kupstseliatzc 
inogUehst tu erleichterziy wird der Weg der Subscription er« 
offnet , land iwar unter foigenden Beding^ssen : 

£s kann nach Belieben auf alle Werke zu^ammeny also 
auf die ganze Auflage, subscribirt wetdeO| odeJr auch mir auf 
fiio^s, pder einige derselbeD ; t^B^ hlgs auf die Partitur der 
Messfy ohne die Auflegesiimmeiiy *^ oder bios auf diese ohne 
jene ,* oder bios abf den IClayieratiszugy — aucli auf eine be« 
liebigc Ahzahl Verdoppeinogsstimmen , u. s. W« 

pa die Bogenzahl noch hicbl: genati Ungegeben werden 
kann y so wird nur im AUgemeinen festfesirtzt, dass der ge- 
druckte Bogen hicht tther zehn Kreuier rheinisch kosten wird. 

Nach Vcrlauf der Ihifcerteichuuugsfrist , welche bis Kd« 
Octobers d« J« oSeti. bleibt, wird ein bedeutend ethShter Lv 
denpreis eiatreten. 

Man kdnn in jeder sbliden Buch - oder Musikhandlung 
cubscribiren« 

Man bittet, Namen und Woknort deutlicb nnd nwtweU 
dentig zu sehreiben, weil das Verzeicbnis der resp. Subscri* 
benteii den Werken vorgedruckt werden soil. 

Mains, am 20* April 162^ 



13a die vorstehende Stibscriptions-Anzeige 
in ihanche Gegenden vielleicht erst spat, oder 
noch gar nicht, gelangt sein mag, so wird hier* 
mit der Stibscripiions *• Termin bii 
zu Ostern 1826 verlangert, 

Zugleicfa zeigen wir an « dass 

die Ouverttire 

znm V^rsenderi bereitliegt. Der Subscriptions- 
Preiss fiir dieselbe betragt^ zu zehn Kreuzer 
rheinisch per Bogeh: 

Jur die Partitur 2 fltSO l«r^ 
fiir die Orchester - Stimmen 3 fl* 56 kr 
. l^ains d« 27^ September 1825. • ' 

&x Schotfs Sdhne, 



348 W^itere Nachrichten 

Blicken wir nua auf die Ergebnisse alle^ 
Bish^rigen, in Beziehung auf den von Seite 257 
bis ;261 bezeichneten Gegenstand, zuriick, so siad 
Wir nunmehr iiber Folgendes ins Heine gekommen. 

• 

1.) Die urspriinglich offenkundig gewesene 
Thatsache^ das$ das Requiem grossent hells 
nicht Mozarts, 9ondem Sussmayers Ar- 
beit sei, war in neueren Zeiten ganz ver- 
gessen. * Man war, dadurch, dass man das 
Werk liberall ^^das Mozartische Requiem *< 
neunen horte, nach und nach so unvermerkt 
gewohnt geworden , es ftir ein durchgangig 
ivirklich Mozartisches Werk und ^Iso fur ein 
echtes Werk desjenigen zu. nehmen, dessev 
Namen es trug, dass von unsern ^eitgenos- 
sen fast niemand mehr anders wusste und 
glaubte, als es sei ganzlich Mdzarts eigene 
Arbeit, ein Glaube, welcher, als ich in Nn 
!!• der C&cilia die urspriinf^licli offenkundi- 
ge Thatsache. wieder in Erinrierung brachte, 
sogar Vertheidiger fand, welche den nach und 
nach eingeschlichenen Glauben an die 
durchgangig reine Abstainmung des 
Werfces von Mozart selbst, zu ver^ 
theidigeh unternahmeit* Nunmehr aber ist 
die Thatsache voh der gr^ssentheili- 
gen Unechtbeit, wenn sie auch sonst viel- 
leicht noch einig^m. Zweifel ausgesetzt sein 
konnte, endiich voilends au£5er Zweifel ge- 
setzt von den Herren Andre (S. 262 — 263 
und S. 286) und Stadler (S- 263 — 276), 

vergleichen, lasst die Verlagbandlung der CUcilia 
dieselben zusammeu in eiaer eigenen Brochure, be- 
ders abdrucken. D. Redact, d. Caeilia. 



in alien Ges^lren und ArraiigementSy erwprben 
liaben, so dass kein Verl^ger, wedet d^sln- n.ocfa 
Auslandes, vpn demHerrnComponistenirgend 
melir ^ein Rccht an der$elJben erwtrbi^a ki|nn,*' 

_B* Schoti's Sphne. 



P r i^v 1 I e g i e n 

g €, g e n den Nachdruck 

' 4 

der vorst-ehend erwaj^nten* . > 

v% n Be e t ho V € n 9ch e n Werke 

betreffend. 
Ule < Grossherzogl. Hessische Hofmusikfaandliipg B* Sebott*5 
Sohne beeilt sich, mit' dankbarer Anerkentiikogy den grossmii* 
thigen Schuts zur offentlichon Kenntnis su bringen^ welcHen' 
bis jetzo sowohl S. Maj. der ^onig yon Prennen, als auck dM 
Konigs Ton Bajern Majestai:, der Herausgabe der vorstebend 
erwahnt(<n soivohlyials auch noch einiger anderer nBeetho* 
veD.*8c])er Compjositionen, aUj^rgnadigst zuztisicbern geruihet br- 
ben, mit ^em Bemerken^ dass abnlicben edelmutbigen Scbule- 
brie fen aucb yon mebren airaeren europaiscben HcSfen', und' 
nnmentlich auch ron Seiner Majestat deni Kaiser TonOe^ter- 
Tcich 9 bereits mit Zurersicht eotgegengeseben wird* 

• ^ # • % 

' ■ • w 

P rivile gi um 

fur die Gebruder Scliott, Mvisiki*- 
stecher undMusikbSndler ij^L-Mainz* , 

9665. 2. Aug. 15 ggr. pro Swmpel 

sonst frei» 

yyI3en Gebriidern Seji^^tt, Musikstechem und Mu9ikh¥pd« 
lern za JtfaihZf wird auf die^ nachstfolgenden zehir Jahre 
das' R^chi zum ausschliesslichen Verlag innerbalb sammtlU 
cher KonigL Preuss* Staaten der in ibrem Verlage eisdieU 
nenden musikalisoben Compositiontn tobL. Tan Beetho« 
Ten, al^: * 

!• Opferlied Ton Mattbison, in Mnsik gesetzt. Op* 121* 
2.' BundesMed Ton Gatbe, in Miisik gesetzt. Op. 122. 
. 3. TMTiwa *o/cn»w in i>-dui:. Op. 125. 
fk* . Grande Ouverture in C-dur, Op« 12^ 



. ^ 



Freuie, Op* 125» /^ * 

6» Bftgi^e&e>i iSr Piarfteforte , Qf » 126. 
t« Grand Mua^uor ftir . 12 Vioiipea , AUo tiad Vtoloii« 

.c«U, Qf^ 127, uod ■ 

8* ' Lied : ien war mit Ckloea gaiu allein ; mit Aeeou- 
pagnement des Piapoforte^ Op* 128* 
dergestalt ertheih , ' dass walireod' des gedaoh^ea Zeltraums 
in den KonigU Pteuss. Staaten diese Compositionen iveder 
in demselbeDy nocb in e^nem aodereo Formate, nachgedru'ckt^ 
auch der Verkauf eines etwa anderw«ft unternonmieDen NacB- 
drucks *iiicht gas t|itt9t seyii soli , be4 YermfiditD^ der dnrch 
das Preuss. aHgetneiae- Landtecht festgesotsten Folgen dej( 
widerrechtliehen NaehdYUek>» 
^ Bc^liJD den 15. Augfist i^-^. # 

Ministerinm der Geistlichen", ' Midisteriuin des Innero* 
Unterrichts - und Madizinal- * 

Angel^eohieiten. 

In Abweseoheit und im An fir age der fierren Chefs ' 

fibtcellenx. * 

V. Kampz. (L. S.) Creliler, 



Der 



iCfini^lich Baierische auis^fordentliche .Gestodte 
und bevoUm^cht^te minister • 



a m 



Grossherzqglich Hessischen Hq/e etc. 

^ a n d i e ^ 

Herrn B^ Schatt's Sohnej Hqfmusikalienhdndler 

in Maym. 

In ErwiederuDg der, ron den Herrn GehrUdern Schotr 
in Mains y an Sein« des Konigs von fiaiem Majestat gerieh* 
teten; bittlichen Vorstellung: «-- |,am Ectheilujig eines KoilieU 
^yallerguldjgsten Privile^iuois, gegen den Nachdruck odet Nam- 
yiStichderin ibreni Yer lage ersoheindniien van Beethoyenschen 
,iinusikialischen GomposiHonen , Op* 121 bis 128.^* *— ist der 
^yUnterz^ichnete ailerhdchsten Orts heaufbragt inroHeni dentin 
'yfSelb^ Nac&stehendes zu eroffnen: 

^ yyBei dem wirksameo Schutz, welche Seine ^MajestSt 
j„der K6nig auoh ausfandischen Yerlegern, auf Erfor- 
yydemiss in jedem ein^elnen FaUei ohnehin «ngedeihea 
yylass^n i bedarf es ilir die £raglichen Verl^s • Ardkel 
iyder Oebrdder SphoU kaiaes leso&dern «Uerliochstcii 



* 



* JML^-J 



I I ' 

' Dieser Kpm^tehen tfUer^iJohfeten Erkl^JTUOg. uhd dem ih^i 
EUgegangea^n y aerSelben entsprecli^nden Auftr^ge ;i:u Folge , 
tfntslebt demuach der UoterKeichnete oioht, diie Herrn Gelu'ii* 
der Sefaotty da^oa ohne Ver2ug in KennttiiM zu seti&en ; in* 
dem er zugleich diesen Anlass er^reift , \xtix den Ausdruck 
seiner hochschatzuDgsrolien «Ergebeiahett darzuleeen. 

Darmstadt den llten Jalj 1S25. 

\ ■ F. P. Sulzer^ 



Einladiung zur. Subscription ['■ 

£■■■-'■ 

a u f 

Aurora d* 1 1 a I i a. 

Erster Jahrgang in 6 Heften. Inhait : A r i e n , C a ti z o- 
ji e 1 1 en und D ue 1 1 en aus. de,B neuesten italienischen Opern 
fiir Gesang mit unterlegtem deulsehen Text. Mit Begleimng 
des Pianoforte, Vom Oktober 1825 bis Bnde BCarz 1826' er- 
scheint alle Monat ein.Heft voa 4 bis 5 B^gen. Der i>l]b- 
8criptionS-Preis apf den ganzen Jalirgang tos 6 Heften ist: 
fiir jeden Bogen 8 ku^ der Laden^Pceis ^6 kr« 



Ferner erscl^eint auf Subiseription.; 

von dem beliebten The\ater-Jonrnal fuB das Flanofbr ter 
ohne Text y bis Anfangs Oktober 1825 das erste Hefk roin 
7ten Jahrgang , und so fart alle Mouat bis Ende Marz ei n 
Heft von 3 Bogen. Der Subscriptions - Preis auf d?n ganz^n 
Jahrgang von 6 fleften ist : fur jedes JHeft 24 kr. Laderi- 
Preis 48 kr. Bis Ende Dezember 1825 wird auf beide Wer- 
ke b«i Unterzeiohneten , und in alien soliden Musi^-Handlun-, 
gfen Subscription angenommen. Be^tellungen lue^auf erbittet 
man sich franco. ^ * ' 

MUnchen im Mona| Sep^eo^ber 1^5. 

Falter und Sohn f 
Hesidenz - S^sse Nro. 39« 

Die Hofmiisikhandlune B« Schott'& 8dho« in Mainz fay * ^m | 
Subscription auf obige Werke an» 



V 



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- 19 - 

Musicalische Anzeige. \ 

In der Joseph Koftl'soheoBuohdruckerei hkt die Press'e 
1rerl«i9eo: 

Theoretisch - prakti^che 

Clavier - , Partitur ^ , Prdludir - und 

Orgel'SchuiCf 

* s o w o b 1 

• , ■ - 

fur JnJUnger^ als auch schon geUbtere 

Clavier- und Orgel - Spieler j 
▼ on. 

Matthias WaldhSr* 
L T h e i L 

Der I. Xbeil ist 26 Miuik-Bogen stark, schon Hthogni. 
phirty und enthalt bei 400 pinktiscUe s/s tema ti^ch • geordne* 
te C/ebungen im Clavier- ,. Partitur- und Orgel • Spieien und' 
Prijludiren. Oiese Beitpi«le lehren in G^Stufen der Ifebun-. 
go(i das Unter - und Ueberlegen der Finget in der rechtea 
unct linken Hand; die ^enntniss' der Dur-, Moll- und ver- 
mtndertefi JDreikl^ngfi t der Sext- und Quart- Sext- Accorde; 
di<! Fortschreitiling der Dreikla'nge von der iten, 2ten, 3ren, 
4u*n, 5ten, 6ten und 7ten Stufe in einer Tonart; Regcla 
und Lehren zum Scho'nspieiien fiberhaupt und zum Qreel- 
StiiWcn. Die Partitur - Uebungen sind mit Icichter Violiune- 
glcifung. 50 Uebungsbeispiele sind aus Opern, Liedern und 
£lavier9iUcken Von verscliiedenen Meistern; tiber 100 Hans- 
Aiifgaben di^nen zur Wiederholung der im I. Theile cnt- 
haitcnen Lehren und R^geln. Alle obigen Kunst - Gegen- 
stande sind so mit einander verbuudeoy dass immer der -jine 
durcli den andern untersfcutzt uiid crieichtert wird » und der 
SchiHer* in kuuer Zeit nicht uur F^rtigkeit im Notenlcsen* 
uud'Priiludiren, sondeAi auch eine richtige ^enntuiss der 
Musik erhalt. 

Der ir« Theil erscheiut ungefahr bii "En^t August 1826 
und wird enthaiien: Lehren zur VermeiduDg . rerbotencr 
Quintan und O c t a v e n ; Uebungen im Zuriickhalten — . 
Umgeben — > eio«8 oder mehrerer Finger in der linken und 
rechten Hand; Kenntniss der Sept-, Quint -Sext-, Tera- 
Quart- und^Seound-Accorde; Fortsehreitnng der Vierklange 
i— Sept-^ Aceorde — von der Iten, 2tfen , 3ten, 4ten i 5ten, 
6ten und tten Stufe in einer I'onart; fortgesetzte Regeln 
im 8ch6nspielen iiberhaupt und im OrgelspieTen. Dieser IL 
Tiieii trird wie der erste bei 400 praotische Uebungsbeispiele 



-« 



— 11 — 



in den obigen Gegenstaudec, woruuter 59 von versciiij^denen 
Meistern eiogeschiiltet sincl , tind eiiie grcsse Anzahl geeig- 
neter Qaus - Aufgaben cnthahcti. 

Um die Anschafluog d^esV^s Werkei, welclies sich besoa- 
ders fur solche ,. die aui Yergaugen und Liebhaberei Cla- 
vierspielen Jernen, und fijr Volks - Schullelirer ^ignet,'56u er* 
leichtern, jbleibt die Subscription unter folgenden neuen Be* 
diugungen; wodurdi also die friihern aufgehoben werden, 
noon onen. . x 

Uas ganze Werk b«st«fbt aus drei Theilen, iind jeder 
Theil ungefahr aus ^ — 26 Musik.Bogeo. Der Musik-Bo- 

£ea wird den Titl.~ Herru Snbscrlbeoten fiir 6 kr. erlassen, 
KejenieeDy .welche aich |et£t nooh subscribiren woUen, er- 
haltjeD den I. Theil sogleich durch jede solide Musik- und 
^uchhandluog gegen portofreie Einseaduog foo 2 fl* 3G kr. , 
sind aber verpflichtet, anoh den II und ill. Theil aazuoeb- 
men, und nach derer Empfang den treffetulen l^trag jedes 
Tbeiles gleich granz znentrichten* Aaf Velin- Papier ko- 
stct der I. TheiT 3 fl. 24 kr^ 
Kempten im Norember 1825. 

. . Der V«rfasser. 

• * • 

B. Scbotts Sohne in Mains nehmen fortwahrend Sub- 
scription an* 

A n z e i g e. 
System der Harmon ie imd Tonsetzkunst 

und 

Methode des musikalischen Unterrichpes 



V o^^n 



D 



/. B. L o g i e r. 



er UBter9cbri<&l^cne zeigfc hiermit an, dass er Sfitn Sy^ 
stem der Rarmonie und Tonsetzkunst und die von ihmer- 
fundene M^ethode des musikalischen Unterrichts^ jedes in .ei* 
nem besoi^m Bucbe^ binncn 4Monaten faerausge^en 
Tvird. 

Berlin, den i Oktober x8^5. 

Joh, Bernh, L^osi^r, 

*Jen Verlag obigen Werhcs liahe icli ubcrnommcn, und 

bittCy vorlaufige Auftrage darauf postfrel an mich gelangen 

zu lassen. 

^. L o g i e^ r 

Buchhandlcr da&elbst. 

B. Scliotts Sohne in Mains nehmen glcichfalU Be&teN 
lung an. 



/ 



— 12 — 



^ . 



' V c I z e i c Ii n i 5' 

d e r. " , 

neuen Musi Cv alien, 

welohe bei "^ 

JB.. Schott's Sohnen in Mcdnz - 

tlieils ii&'Laufe der IV^onate Jimi b|8 November 1825 
^ erschieneii, theils eb^nunter derPressetfindU 



I.) In defi Mooaten Junif Jul! uod August 

• «r»chieoen: '^ 

Gimme de Baason rus^e* 12'kr« 

Fauvel , Metliode Elemuntaire d« Guit'arre oil Lyre. 

/ ' 1 £!• 30 4tr. 

J. A* Antliesy B^Lieder mit Clar. Op. 5* 56 kr, 

Julias Miller y 7 Gesange fur 2 Tenor- und 2 Bassstimmen* 

I'fl* 12 kr, 
Jacques Schmitty Var. k Ik mains^ Op« 27* 56 kr* 

— -^ — 28. 48'kr. 

J. Kilffner, Yar. iiber das Ariettchen : Wenn iolt ein-Sel^Stz^ 

cheo schon xnogt y fiif Piaiiof* Op* 162* 1 A* 

G. Schubert, Senate p. Piano/* Liv* 2* 1 fli 

J* B. Cramer, Senate p. Pianof, Op* 48* 1 A* 24 kt* 

J. Kllffher, Pot^* «n Quart* p* EIute» Viotoi^ Ajto et Gui- 

tarre. Op. 155. 1 fl. 24 kr, 

▼an Beetlioveni Our* It 4 ni^uns, arr« pr, G^emy* Op* 12^ 

1 iU 36 kf* 

— — Ottv. k 2 mains p. Caerny. Op. 124* 1 fl* 12 kr» 

— — 6 Bagatelles p* Pianof, Op. 126* 1 fl. 24 kr. . 

— — Arieite p. Piaaof.: ic^ war bei (^hloen. *0p* 121* 

2Ckr. 
*— — Ariette p. Guit. Auswabl 248. , . 16 kr. 

van Beerhoren. OpferJied, rartitur. Op, 121* 42 kr. 

— -^ id. in Stimmen. Op. IJl* 2 fl» 

— — id. Glarier - Ausrug. Op. 121* 56 kr* 

— — Bundeslied, Partitur. Op. 122# ♦ 42 kr. 
—I — id. Stimmen* Op. 122. 2 fl* 24 kr. 

— -^ id* Clarieransaog. Op. 122* 48 kr, 
Fesca^ Amo^ ich liebe, p. Pianof. et Quitarre. 8 kr* 
J. Kiiffner, Potp« p, Guit. prinoipale en Quintett. Op. 156* 

.... Ifl. 36kr. 

Tonleiter dutch alTe Dur- lind MolUonarten p. Pianof. 16 kr. 
K. A; RUter> Serenade,?. Fl. Alto et Guitarre, 1 fl* 12 kr. . 
H. K;6htet4 Sefcenadrp, Pianf* et ^uit* Op* 149. 48 kr. 
Cacllia, Zertsthrift ffii; di^ tous; Welt* IQs Hefti &6-kr. 
' -. Us Heft; 36 kr. 

-» ^ 12s Hefti . S6 kr. 



— 13 — 



r ^ 



Marsohe de POpera Mose, p. Piadof* Lir* 1?» 8 kr* 

Auber» Walz* favoriu de PO{{eia le eoocerfc ^ la Cour^ pour 

Piaaof. Livv. 253. ' . 8 kr. 

Latour y Divertimento p* Piapof*^ Viol* ou FIi!lte» 1 fl* 

Mozart 9 Choix d^airs de Figaro p. PiaboC 24 k|;« ^ 

Stadtfeld , Morche du 2nie Regiment de iSassau p. Pianoft \/ 

Lin 15, ' ' 8 kr. 

— Marchf id; Lit. 16. 8 kr» 
-* W^Jze fav. de Wiesbaden. Lir. 254* 8 kr, 

— id. — — Lir. 255. ■ , 8 kr. 
Gfr. Weber, mehrstimmige Gesange fur grosse Singrer- 

eine und kleinere Zirkel. Ausgesetzte StimmeD, hebst DI* ' 
rectioDSStimme. Ersres Heft, enthaltend 3 Gesajagstiicke 
fur Sopranj Alt ^ Tenor und Basa, Op. 4l* 1 fl* 

Die ausgesetsten Stimmen werden auf yexlangen mebrfach 
dazu gegeben<» 

II.) IndehMonaten September,* October und 

No V e in b e r e r s c JU i e n e 1^: 

KUfiPner, J*> Simphonie Tiir Mi]itair-Muslk« Op. 165. 

' ^ ; 5fl. 30 kr. 

Kobler H., 3 Qua tuors pour Flute, Violon, Alto et Violon- 

ceUe. Op. 150. • 4 ?♦ 

Hummel, fantaisie sur I'air de««L. van Beetbaven: Ich "war 

bei Cbloen ganz allein, fiir Pianof* mit Orcboster, und aiich 

lUrs Pianof. alWn, Op. 50. 2 fl. — 4 IL 

Mozart, Don Juan, pour Pianof* et Yiolon, par Alexander 

Brand. ^ ... 9^ ft, . 

Stern, 2de Polonaise fUr'^Clarinett^ mit Ordiester*, oderQuar* 

teltbegleilung. 2 ft. 30 kr. 

Biibler, Missa fur 4 Stimmen, mit Ofcbesterbegleitungr und 

' 2 Klappenborn ad libitum. 4 A. 48 kr.^ 

Mozart, Cboix d'airs de I'opera: Don Juan, pr. Piano seul. 

Groshehn^ Erbeiterungen fur die Jugend, 2^^' Heft, ^nthal- 
tend 3 Lieder fur Schulen undbauslicbe Zirkel* 16 kr. 

!<• van Beethoven, Grande Ouverture pour Torches tre. Op. 124* 
Partitur« Subscriptionspr. 2 A.- 30 kr, 

— DJeae Oiivertute in Siitinicn. ^ 3 A. 36 kr. 
H'.*Zwing, CobI«nzer Lieder - Tafel , Is Heft /lir 4 Stimmen 

und Chor, 2 4 

Franzl, Ooneertino en Forme de Fan^i^ie pr. Violon av. 

ace. d'orchestre. Op. 20. \ ^ 4 A. 

— Concertino en foirme cU Fantaisie pr. Yiolon av. 9c«. ' 
d^ Pianpforte. Op. 20. 2 fl. 

Tulou, Le peclaration d^n^our. Potpourri sen tio^ental pr. la 
fl{]ite, avec ace. de Piano. Op. 36* 1 fl. \^ kr. 

K&ffner, 7me Sinfonie pr.^l Vlons^ Alto, VioloBcelle, et 
Cbntrebasse, Flute obligee,' 2 CJarmettes, 2 Cors^ 2Trom* 
pcttesi Bi^Jou obligee, et Timballes. pp« 164^ 6 fi« 



- li - 



ni.) Unter der Presse befi nden xlch dormal 

folgeade Werke: 

. « 

Wm. HSier, Gtl^i^der £ur ^ MSancxstimmcn ohne Begleitong* 

Op. 11. 1 fl. 12 kr. 

ftotii« und Liadpaiptner, Gesellsohafts-Lieder fur 4 MSnner^ 

stimmen. 
Walkiera, 3 Duos pour 2 flutes. Op. 16. .Nr» 1, 2, 3. 
Hauftse, grosse Conrrebass-Schule* 
Beck 9 12 Lieder fHr Kinder. 5tes Heft. 
Lied: Mein Heiz und meine Laate> init Clavier odcr Ghitaiv 

re. Auswahl No. 54. 
J. A. Anthes^ 6 Lieder mit Clavierbceleitung. Op. 6» 
h. r. Beethoven y 3 Quahiors pr* 2 VTons, A Ho ct Violon* 

celle, tires des Oeurr. de Fianof. par A, Brand. Liv. 1. 2. 3. 
Berbiguier, 3 Duos faciles pr. 2 FlAies, Op, 72. Lit. 1. 

_ 3 — _, . i- _. 72. — 2* 

Bibliotb^^e de m^ique d'£||Hse« Liy» 2. Vallotti Responsor. 

Bapbael Dresslef , Variat.' pr. 2 Flutes. * Op. 61. 

Etienoe Dunst, Caprice pour la Gnitarre. Op. 5. 

F.. Horetxky, 6 Landler fur 2 Quitarreq. Op. 13.., y 

— wr. Fannie pr. Guitarre. Op, 14* 

J. Kvffneryffeceuil de Pieces pour 2 Ouitarres. Op. 165. 

— Receuil da plusieurs Pieees pr« 2 Fii^tes. Op. 166. 
Liiidpaiiiiinery 6 GesSDj^e fur 4 Manaerstimmen* Op. 39. 
Mt^yarbeer, Choiz d'aics de Pop^ra: 11 Croaiato in Egitto, 

pr. Fianoforle. 
IvvanMuHer, 6 Pieces p. Clario. et Pianof. ou Guitarrc. 
Stadtfeld, 3 Walsc» k 4 Mains. 

— 1 Walse pr. Pianof. et Vlolon. 
"Walkiersy 3 Duos pr. 2 FKites. Op. 1. ' 

C. M. de Weber, das Standcheo, mit Guitarre odex Cl^rier, 
Auiw. in 9ro. '^ro. 56. 



Verzeichnis 

von Instrumentein, 

welche ' 

bet B^ Schott's S0hnen 

in Mainz 

mit alUm FUhs^ aus euten Materialien und zu mdgliehtt 
biiligem Preise^ verjertigt und resp, repdrirt werd^n 
' oder sottst zu kaufen find, 

Caakan mit i bis 4 Klappen, Flagcfolets ohne und mil 

3 und 4 Klappen, doppelte Flageoleta mit 7 Klappen, flo- 



" — '13 ^ 

ten mit i ^ 4* 6^ 8 und 9 KlappcA, Clarinette mit 5^ 9^ la 
imd i3 Klappeii, Ictzterc nach Iwau Mailer's n^uester 
£riiiidiing, Oboen mit 2 und i3 Klappen^ Engllschhorn 
mit i3 Rlappen, Bassethorn mit i4 Klappim, Ton Buchs, 
vmd Ebenbolz, mit silbenien» lyid 'niessM^gnen Hlappen. 
Ffigotte mtt 9, 10 und J 5 Hlappen ^ le latere nach Carl 
Allmenrader's neuester Erfihdung. O ctav - Contrafa- 
gotte mit 7 Klappcn, Serpents imd Englisch - Bas^born mit 
6 Hlappen; von Alionifaolz rait messing loid clfenbeiner- 
nen Hlappen. Einfache und Iftventionsii3i!iier und Troni- 
peten; Trompeten mit 6 Hliippen, elnfarbcs und Inven- 
tions < Posthorn , aucb mit 4 I^^PP^'^-^ Signalhorner, 
englische Fliigelhomer mit 7 Hlappen, ' Ba&sflugelhorner 
gcnannt Bombardonc mit 8 Hlappen, Bas strompeten , Po- 
^aunen und Gottfried Weber'scbe. Doppelt - Pp^au- 
BCn; Becken, Tambirine^ Triangel», Paulien, grosse mnd 
Wlrbel - Trommeln , Glockenspiele und S>cbellenstociie. 

Ausscr ojjigen tnstrunienlen slnd nocb alU andere Ge»- 

genstande des musikalisclieri Faches au huben : 

' Alte und neue Violinen, Altviolen , Violoncelle , Con- 

trebasse, neapolitanische , franaosiscbe lind andere Gui- 

tarren, Pedal - flarfen, Hateji^Harfen,' Pianofortes, Flu- 

gol- imd Tafelformige von den vorzu^li<:bsten Meistern, 

in Wien und anderwarts yerfertigt. Bass- , Altviol • uHd 

Violinkastclien^ Taschen - MusilipttUe , I'ariscr Colopbo- 

nium, rastrirtes Notenpapier , Rastrale , Vogel - Orgeln , 

Violin- und Bassbogen ton jeder Sorte > *Violinstcge , Sai- 

tenhalter; Sordincn, Capotasto fur Giutarren-, Oi>oen- 

uud Fagottrohre , Hlarincttblattchen , Ilc.rn-, Trompeten- 

iind Posaunen-Mundslilclie, Stimmgabeln» Klavier - Stimm- 

Hammer, achte romische Darmsaiten, lind iibersponneno 

Saiten von der besten Qualitat, fiir \liolinen , Altvioleii, 

Yioloncelle , CoBtrebasse , Guitarren und Harfe^ Wt a. lOf 



n »■ » I I I ■ I ii iw 



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J . 



— 16 — 

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» .9 

Z w e i V I o I on c e I I e 

ztt verkaufen. 



Bei B. Sch<ott*8 SiBhnen, Gro6sk» Hofmiunibandlanr in 
Mainz, sind g ;eg<$iHvartig> neb^t mcbreh guten itaneni- 
>clie4 Geigeii, fcdgende swei Violoncelle zu verkaufen ^ 

Ites Vroloiicf U, verfertigt ihi Jajir 1713 von Leon- 
hard ]|.[aussiell in Numberg. 

2te« Violoncell, verfertigt im Jahr 1771 Von Jean 
Joseph StadeUiiann, K. K. Hofpauken- und 
Geigf^nm acher in Wien. ' 

Beide Indtr«i neate slnd^ oBwohl das et-ste ni Jaltr 
und das zweitc 54 Jahr al^ doch so TPrti-efflich gut ex*- 
liajten, und in Fii lie und Klang des Tones so ausgezeiclmet,' 
l^ass sie diese o ffenUiche Anseige eigena verdienen. 

I)ie PVei^se sfiid: fKr das erste, DreSssig und Tvlt da« 
zweite,Zehn Loqisd'ors, don Louisd'or a ii fl^ oder ^ ife 
Rthlr« , ' ' 



/ , 



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«a>*«*i 



FlUgeIpHtno/drty*sfnnd lit T a/el form: 

Flugelpianofoirtes, ron Ndnette Stteuher in Wiei, ron 6 
Ocrarea, inNussbaum- und Maser-Eiclienholz sind fortwahrend, 
in hinlan^Hcher A nzahl, lur A«s wahl, [ lu finden in derHofinu! 
sikhandjang von 1 L S e li o 1 1 ' s SohnAi in Mainz. 

Audii ron and^rn Lei-ulimten Meiste^ sind daselbst Rtft. 
gd U&d tafdfiiftfaige Pianoforte stets in Vwatb.^ 



' ^ 



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^ 17 -^ 



. «^ 

i n t e II I s^ e nthl a 1 1 



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^ ii n^ (is a ^ a ii^ 

i 8 2 6. 
' Nr. l4. 



iUnladung ziir Subscription 
, ' auf eine 

ndck Mozdris uhd, SUssmayers^ Mdhuscripi^h 

berichiigte Partitiir 

Mozart' sciitn Requiem. 

In Bwiciiurig auf die^ ini i4..Hefte der Cdcilta tagi 'i6i 
enthaltene Anzeige^ dfe£clitfaeit desMoeaftsclien Requiems 
batreffeDd^ m^jche ich fai4$rinit bekannt^ dass ich die in mei- 
nen Hfindeit befindlicbe Partitiir rUescs "Werkesj aiis weleher 
gdnau zii ersiehen ^ welche Stellen und Stticke von Mo- 
zart» wclphe yon Siissmayer herriibi^eQ, hebst eihei*, Vor- 
rede^ w^lche mehrere urkundliohe Aiifs^blusse entbalten 
Vvird, auF Subscription, in, meiner Verlagh^hdlung , Firm^ 
J. Ahdr^ in OfTenbach, berauaJBugeben gedehke, sdfbril 
sich eine binfcicbende Anz^bl Ton Tb^ilneilmern dazii 
iindet; % ..... 

Der voile reine Ertrag der Subscription ist fur die iii 
Salzburg nocb lebende^ alte, blinde Schwester . des Uit- 
aterbliqben l^oiidich^ers ^ — derselben, niit wMcii%r Mo* 
zart schOh als Kind von 7 Jahreii, iai Jabr 17649 scind 
erste Hunistreisb machte ^ bcstimmt. \ ^ ■ ^ 

. Das Werk wird deh Subsbribenteii tu i Rthl.^ 5 fl. 94 kr^ 
geiiefert Der. Subscrlptionsteriniii bleibt bis zur 0sterj> 
messe 182^ ofTeh; spHter tritt ein aUfs Doppelte erbdhtdir 
I^ad^npreis feiii; « * 

Icbersucbe jede solide Bilcb* oderMfeisikhahdlung^ Siib^ 
scription anzunebnieii; Jt. Ahate'k 

Die Hofmuaik • Handlung B. Scbotta Sobnci in ifais^ 
aimmt Subseriptioii an; 



H 



UuViferiibi. i. 4. Biftil. <l. Qctlli^ 






18 



, . Neuer Musik - Verlag 

d e r 
Buch- und Mu&ikhandluiijf 

P r. L a u ^ in B e r 1 i Hj 

^ dnrch alle Musik- und Buebhdndlungen Deutsdilandi 

«u bezlehen: 

BeethoTcn , L. van , gr, Sanate d^diee d Mr. le Comte Je 
Waldstein. Oe. 53% arr. a 4 ms.hk F; A* Succo. a 2 Thfar. 

Belcke 9 Fr. , Roudeau^ p* Pfte. Oe. 8. a 10 gr. 

Berger, Louis 9 (de Berlin) gf. Sonate p. Fianiif. Q$.7> 
uoUy. edit. coxTi A 20 gr. . , : 

-— Air russe av. XII. Var. suivier' d^une mardbe.funebre, 
p. Pianof. Oe. i4* a ^20 gr. ^ 

.V- Sonate 'a 4 ™^« P^* >^* ^ ^ Thlr. ^ 

'— 3 marebes milin e& Partiti Oe. 16. a 1 Tfalr. ii3 gr. 

.— les in^ines arr* a 4 ms* par Tauteur. Oe. 10. a 20 ^r. 

— Sonate iiber eind gegebche Figur. Oe. 18. a 16 gr. 
Mendelssohn ^ Bsictholdy F.^, Stes Quart, fdr Pianof; mlt 

v., Vioia und Velio. Oe. 3. a 1 TWn 12 gr. 

— Sonate p. Pianof. av. V. Oe. 4» a 22 gr. 
Mozart , Ouvert. aus Don Juan , air. p. PianDf. p» I>^ 

Berger. a 10 gr* 

FUr den Qesang. 
Arnold, C.> 6 d^utsclie Liedor ihit Piaho£ 0«* A' ^ 

Berger, li., (de Berlin) 9 deutdche-Li^dei' mit Pianof. 

Oe. 17.' a 18 gr«, " ' 

— ' 8 deutscfae Lieder mit Pianof. Oe. 19. a 2» gr» 
liercibc, Lied v. Gdthe mit einem ^eihalten Bahde, mit 

Piai|of« a, 6 gr. 
Bejckafdt, G«) 6 feeiSnge mit Pianof. uhd Guit Oe. 6. 

a 22 ^. 

— dieTinzgauer Wallfahi^t, i- oder 2-$timm. niit Pianof. 
otter Guit. k 4 jgr. 

^afellieder fiif Ale Liedertafel zU j^^riin, eutHaltett: Ites 
Heft , 6 vierstiiAmig* Liede]^ v. li. Berger (_<i B. ) Oe. 

. ,20. a \ TWr. i ^r. ites Heft^ 6 vierSt. Lieder f. G. 
Reichardt. Oe. 9. A 1 Thi^. 4 ^i% ' 

Ohife Musicalien sind sUmmtlich h0i B. Schott^s S'oltra^ 



t ' 



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« 

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• * 



^clts Terminer asur' 

S^hscription 

a tt f d i e 

drei neuesten grossen Werke 



von 



£/. van Beethoven p 

1(. Missa solennis, D-AuTf op. 123. 

9- GiToM.e Ouvertiirejj C-durt op, .124 *)'*'»* 

3. Sympbonieih J-moU, mit Clidren/op.l25» 

Main%^ hei Schott. 

Die. iinterteieliiwte lHusikluindluitg ist kocbcrfrevt^ ct«^ 
Freunden der Kunst den laoge ersehnten Genuss dieser gros- 
sen Slunstvyerke aus ihrem Verlage darbieien zu k^nneiu Sie 
ersoheioen in nachsuliendea Ausgaben« 

1* Die grosse Missa solennisp op« 1239 
a} in vollstandi^er Pattltur» 

b) in atisgesetzten Oi^hester- und SingstiinllfteB | nnil 
o) im Cli^vier - Ausxuge njit Singstinimen,, 

2.D|e Ouverture fSr grosses Orch ester, •p«124»*) 
d) in Partikur, « 

e^ in Orchester*Stiqunen* 

3^ Die gross9 S ymphphie mit CliSben nnd Solo* 
Stimmen (iibeY Sohillers |)l«ied aik die. Frau- 
de**) , op. 125, 
£j in Partiti^, 
g) in Orchestet* und Singstiakmen , 

AHes mit dasu gakorigen Verdoppelnngs - Sttoimen , 

Die VerlegerweideneB alseinexhTfri^choasten Pflicliten an* 
sehen , solche kostliche Werk^ aussem correct und in seho- 
nem Notenstiflh auf scbSneoi Papiere, lieryorgeheft zu lassen* 

a 
"f) Nieht ra Terweehseeln mfteiner and^rn, Toreiniger 2eit 

bei Steiner in Wien erschienenen BeethoreA'scliei^ Qu* 

T^iTiUre Op. H5, glcichfalls «us C^ 






■» I 



Vm ^em Piii>?>^iqt die Anschaffuni^ 4i^r KansUcliitze 
DiogHchst xa erleichterjiy wini der Weg der Subseriptioo er- 
^fftkct^ pad ZTvar ^ ynUr &lgeadfn Bcdingoissen : 

* 

'. lis ksinn pach Beliebea auf alle Werke z\]sammeD| ilio 
fiqf die ffmzi ^Ma^e^ siibscribiri: werden^ bder aqch- Dur laf 
fiines, o8er eioig? derselbeo ; ii«B« bios auf die/Partitur aet 
Messcy ohoe die v^iiflf gpstimmep,, ^- oder bios aiif diese olme 

iene, oder bios iiuf dea Ciayierauszugy t— auch auf eiae be- 
lebige Antabl \ier49pp«tuAg^stin|ii|9» , u. a, w* 

Da die Bogebzabl nocb nicht genau aogegeben werden 
kann , so wird nur im Allgenkeiden festgesetst^ dass der g(- 
druckte Bogen nickt Uh^r zehn Kreu^^r raetnur/t^psten wird. 

Nach V'^kiuf dec Ool^pzeicbouagsfnit swir4 tin Im^^u- 
tend erb6bter La^enprcis eintreten. 

Man kanp in )eder solidep Buoh* oder MnsikhaodloDg 

subscribiren. ; - 

^ Man bit(et , Namen nod Wobnqrt deu^licb uod nniwei- 
dkntig zu sebreihen ,' weil das Verzeichnis der resp. Subscri* 



g|p*Pa di$ verst^hende StibsCriptiaiis-Aiizeige 

* in manche Gregenden viell^icht erst spat, oder 

' tiochgar nicht, gelangt seinmag, so wird hier- 

jnit der Sub&criptians t ^fermin bis 

5^11 Ost.«rj 1,826, verl&ngert, 

Zugleich zeigeri wir an, dass 

die O u V e r t ii r e 

)>ereit3 f^ytig und yerseiidet ist, Der Sutscrip- 
ticas - Preis3 fiir ^e^elbe betragt, zu zebn 
Kretizer rheinisch per , IJ^ogen : 

fur die Partitur 2 fl - 30 kr. 

far die Qrchester - Stimmen 3 B. 36 kr* 

Hai^s^ ^^ Zj^ Septqmbcr 182.5. ^ 



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* 

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A n |c ii n ^ i g u n g. 

9uartett ftir zwe^ Violinen, Altviole Und Yiolon-. 
celly von L^ van Bee^hpy^n* . Op* 127> 
VpllstSiidi^e Faftiturt 

Da^selbe Werk» in au^esMztan Stimmen^ 

Dasaelbe 9 flir Pi^iioforte zu 4 Handen. 

Dasselbey fUr Fia|ipfort« z\| % H^ndenw 

AiiM«r 4cB TP'C^W^SbiiteA ^^^^i groMtm W«*k«ii nnsers ub- 
ttttblithoii Baf thoven, |iat die |uit«rfM0lui«t0. Yerlaghandlung 
dAS'61Si!l; , dtn Ifbsikfr^undfii auck, noeh fin Vierto^ gvosses 
Werlrseiner Muse, $Is in ilirem Yerlagc ersch^end', aniif* 
xeigeoT: $s ist das an alleq Blatfern fik hoehstob (^l^fel der 
lAsthiVi^UiJl-ldQSik vigeixp(pj|9eoe».vVieU>«wundertey neuestji 
Quartett des ewig uvbegreiflichen Meist^rs imserer Zeit, yoll 
hoefaater Qegeisterungy krSf tiger und imponirender FassagoD, 
des hinreiMeadstcii Melodi^easokvnag^s^ des bexafiberDdsten 
HarmoBieni!7eohscla» iEs is'tj^cis Werk, yon denr man in of- 
feniU<;lf^ii BlatCcm {4s ^ flaff 4^ yprfireffiiclist* Quartctt-Ver- ^ 
4kin WienSy aafanglich yon seinen anscheinenden Sohy^Fierigkei- 
tan zurfickgei^hrack^^' ^ eino ^ejitlajig bei'Seite gesetzt, 
aber spSterhin, nacb mehren Prpbenj e$ als das yortrefilicbste' 
aller Beethoyan'soheiiWexke o|Eleiitlich anerkannt undgepriei- 

%% erscheint bei ana m folgen^^n ^'Ufl'tgci^ • 

a) in yoIlstSndiger Pitrtitur, 

b) in ausgesetiten Stimmeiiy 

6} im Clayie^rA^Bzugp <V \ HSndan. 
,^) im Clayier - ^usxuge zu. 2 HHnde;i, , 
lUid fpsserdam nocb in ^^scbii»d»nea anderen PoztBen* 

Das Ganze wir4 noob yor Ende di^^es Jabres ausgtgeben^ 
Wir warden. ^ una zur boebs|en Fflicbt mapben, das so un- 
libertreffliGbe W?rk in corre^fcem tind b411aDtem Npiensticb 
heraQszugabea* 

Wir maeben insbf sondera auoli daranf aufw 
" marksam, dass wir tqa 8irm T. Peftboycn das 



- -«_ •. • 



-, $a ** 

game und •ttt8AhU«<<Heh« Xiga&tkiim dieser 
Composition nitd das Verlagrecht dartelbea 
in alien Gestalten'nnd Arrangemen ta^'er^orbeiEi 
haban, ^o dass kein Yerle'ger^ we^er d^s. Ii}- noah 
Auslandes, Ton demHe^rnGpiiiponistetirgend 
jDdhr tin Reoht an dartalbea arwefbea i^anxi* 

21 Schott^s Sikm§. 

ff^ Sass die Hrn. B. Schotts Sdhne ein ^uartell 

mir erhaUeH ^ und dlanelbe ifanz alleia ihr 
i^igenthum $ey , beatMdge ich > hiei^mk lauf:. 
I9,eiiier Ua(erichrift« ^ . 

JUudwig 9an Beethoven. 



» < ■! 



NeuK Ct^^mmisaiaiitwerke 

b a i* 

J, F. Hartknoch in, Leipzig- 

' ' Evang^lisehes Choralbuch 

aeb$t Ittton&tionen und Responsfonen , Vater unser nttd 
Ejiil^eUijiBg^jwQJCten, auf vsseh .Terschieda^e IMl^lodi^ea ^ . 
Episfel und Evangelium , tou 

^ L. E. Gebhardi. 

Organist an der Fredigeir-KirchQ s^u Erfurt. 
(>u$er4. Preis : 2 Thlr. fSgn SUehs. od^r 4 jft. 48 kr^RMn, 

Seeh^ VL n i vA B T z i B 

zwei - '^ djcei^^ m^d vietaJtiminige Gesange*, 

fSr Crjmnasien, SchulenNund Institute, als auch fur 
den hausHchen Kref8'goci]gnet vou 
dem8elb&n^Verfas3er. 

' QuseV'^K Prfis:, 16 gr.a^er 1 Jl^ 12 kr. Rhein. 

' * Beide Werke siiid so eben bei J, F. Hartknoc kin 
JLeipzig in Commission e^ohienen. 

Bt Sehotfis SUhne f» Mainn nehmen BfBStiUungen anfohi- 



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• i iJ % 



-. / 



€r € i^ e von Atnati 

u n 4. 
Viola if o n M a u s s i t U 

Weeen Verkauf emer vofzuglichen 'Viola von tjeon- 
hard M a u g s i e 1 , (^in Gaitibenform , ) so - wie «iner ach- . 
ten Cremoneser Geige, (Nicolaus Axnatius. Hieronimi 
FUii,jr um sehr billigen Preis, wende man sich'm Iraar 
luiten Briefen an 

Joh, Andrtus Schmidt f 
tnfttramentenmaciier in Cobur^, N. 6g^ 



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i o n d e I I e 

a u f ' e n* 



Bei B. Schott^s Sohnen » Grossh* HofinusikliandlunK in 
Mains, sind gegcnwartig, nebst mebren guten italitai- 
scben Geigen , folgcnde 2woi Violoncello su . rcrkaufen t 

It^s Violoncell, verfertigt im Jahr 1713 vpn Leon- 
hard Maussieil la Niiriiberg. . 

2te8 Violoncelly verfertigt im Jahr 1771 von Jean 
Joseph Stadelmann, K* K. Hof-Pauken- und 
Geigenmacher in VVi^n. 

Beide Instrumente sind, obglMch'das erstc ii% Jabre, 
und das'isweite §4 ^^^^ ^^^t noch so vortrefBicb gut er- 
jialten, und in Fiille und Klaifg des Tones so a^sgezeicbnet^ 
dass sie diese offentlicbe Anzeig6 eigens verdienem 

Die Preise sind: fur das erste, Dreissig und fur\ da^ 
swejke, Zebn Louisd'ors. den Louisd^or a ii fl« oder 71/9 
Rthlr, 



Pianofdrie*! in FlUgel* und in Taf^lform: 

Fliigelpianofort^s, ron Nanette Stretcher in Witn, Von 6 
* Oetareoy inNussbau'm- und Bfaser-Esobenbolt, sind fortw^hrendi 
In binlaoglitebtr Aniabl^ inr Auswabl, lu findeU in^terHofmu- 
si^bandluDg ron B. Scbo tt^s SSbAi in. Maiiir« 

Auob ron andern beriiboiten Mei&tern sind dafolbst ^lii* 
(el uaA ttlfeUo'rtBigo Pianoforte «tets in Vorratb* 



«iki 



-- ,24 - 

■ 

n z e i g e 

hetreffend das BeilegeH/rcmder Anzeigen 
pel Fersendung def Vctcilienhefie. - 

Gegen Vergiitung^ von i ff. 48 kr« iRh«in. oder^ 
1 Rhtln S^chsUcbfV^erden gedmckte Anzeigen « 
Eiitgegnungen i Novitatenveirzeichnisse u. dgL den 
C^ciiienhefien beigblegt^ resp« beigeheftet, und 
mitverseiidet; niir wird^ wle sich von seibst ver- 
steht, dadurch hicht die Veraiitwortlichkeit fUr 
den Inhalt solcbei' b^igeldgten fremd|dn Anzeigeii 
iibemommeiit , , \ ' 

S. Vchot^s Sohne^ 



5 ' 



£ R It A TViis 

iiii i3. Hefte der CScilia. 

Das Notenhinth %um 13; Hsfte der CUciluf ^ ein FacsimiU 
dtr Hahdschrift Hitlers i ist in mehren Exemvlareh unrich- 
tig als zur Seite-tO gehdrend hezeichnet\ una amch vnrkiich 
%u dieser BlattsltUe eingehefteti stau zur Seite ^& Man 
hiftet^ dieses Verseheh %u entschuldigeH und zu verbesserum 

Desgi. tsi duf S. 49 Z.^i.u^ das sUmenistelltnii PFbH 
l^kzier^H auszustreiehem 



— 25 ~ 



In t ell i g en %h.l a 1 1 



ft u r 



(D ii a (9 a ^ S ii« 

1 8 2 «♦ 
Nr. 15. 



Einladung zpr Subscription 

auf erne 
mit Mozarts und Sussmayers Manuseripten 

verglich^^ne Partituf 

d c •' 

. Mozart'schen Requiem. 

{ WUier ahgedrueh aus dem l4. He/te der Zeitschrift CMciUa.y 

'-^a man tou mir , der tcB im Jahr 1799 sSmmtlicKe hin^ 
terlassene Manuscripts Mosarts yon seSner Frau Wittwe 
ffekauft habe, iiberaeugt scyn konnte, d^ss ich Bey dieser 
Geiegenheit 9 lyonicbt das Manuseript seines Itequitfm 
'selbst, doch nShere Auskunft fiber dasselbe erhalten ha- 
ben wiirde, und da es aucb bin und ^irieder im Fubtikun 
bekannt geyvorden wary dass ich wirklich ein Exemplar 
dieses Requiem besitae,' in welcbem die, yon Mo&art« uad 
^ie yon Sussmayer, berruhrenden Stellen angegeben sejen ; 
so ist es sehr befireiflich , das)9 ich von mehreren Seiten 
aufgefordert wurde, fiber die, yon Gfr. Weber « im 11. 
Heice der Zeitschrift Cdcilia^ fiber diotheilweise Achtheit 
dieses Wcrkes erhobene Frage, meine Meinung offentlieli 
auseuaprechen* / 

Ich hiitte, obgleicb Shnliche Aufforderungen scbon fru* 
ber an mich gelangt waren, bisher immer Anstand fi^enom- 
men, denselben xu entsprecben, weil es mir ton ]nf>zarfa 
Wittwe bis jetso nur als ein GeheiQiBits anyertrant' 
gewesen war, wie yiel Anthefl Moaart und wie Tiel Susa* 
inayer an dieser Composition babe. 

' Da mir jedocb nunmebr yor Kuraem yon Frau Staata- 
ratb Constanta Nissen, yc rwili w e tcn Mosart, auf Veranlat'^ 
sung der erwabnten Weber^schen Anregung , die. Auffbr* 
derung %jagegangen ist , die erbobene Jfraga dureb eiaa 



\ 



— 26 — 



^(Tentliclie Belmnntmachnng zu sclificfaten, indem . ich die- 
ses, durchHerausgabe meiffes, ^iii Jahr 1801 roh ihrbe^oge- 
nen Exemplares^ jaTeniipge;'8o seig^ ich liiermit yorlaimg 
an, d'i^ss icb dieses nm^mehr wirklich eu thun 
Im Begriffe stehe. 

Ich habf ntmlich im J^hr 1801, yon- Moiearts Wittwe, 
zugleich mit ihrem Briefe rom a6. Januar genannten Jah- 
res , ein Exemplar d^s Bequiem erhalten , .yyelches von 
Herrn Abb^ Stadler in Wien mii dem, von Sussmayer 
erganzten, Mozart'schcn Originale rerglichen worden vfar, 
und in welchem» mittelst Seischreibung der Bucfastaben 
M^ und S^ alle Stellien neieichnet sind, welche entwedcr 
Mozarten, oder Sussmayem angehoren. Sie iibc;csandte mir 
zugleich jenes durch Sussinayer ereanzte Original - Manu- 
script selost, damit ich, durch Vereleichung delselben. mit 
dem durch die Bttchataben M^ uni S^ bezeichnetenExem- 
plare, micli iiberzeugen konnc^, dast Hm. Stadlers An- 
zeichnungen du;rchau8 der Wahrheit gemUss seyen, Alles, 
wie sohon erwahnt^ damaU unter dem^ Sitegel der Ver.^ 
schwiegenheit. 

Dieses also bezeichnote Exemplar, in welchem Hr. 
Abb^ Stadler Sauch zugleich die Generalbass • Bezifferang 
beygefugt hat, ist es, welches ich im Begriffe stehe, obiger 
Aunorderung de^ Fri^u Sta^tsrath Nissen gemiiss, nachstens 
auf 8ii|)scripti'on in m'einer Verlaghandlung,. Firma J. An- 
dre !a Ofi'enbach a. M. herauszugel^en » und mit einer 
Vorrcdo zu beglcitcn, welclie darlhiin wird,' dass das- 
jenige, was von diesenf ^e^quietn Mozarten 
selbst angehdrt, eine schon vor dem Jdihr 
1734 angefangenc, aber liegengelkaseneCom- 
positlon ist. ^ \ 

^J^ Der voile reine Ertrag der Subscription, welchen 
ich anfangiich der in Salzburg noch lebenden, 75jahrigen, 
blinden Sch wester des unsterblichen Tondichters, (dersrel- 
ben , mit -welcher er schon als Kind von 7 Jahren, im 
Jahr 1746, seine erste Kunstreise machte,) zug&dacht 
hatte, ist nunmehr , durch deren edelmCltbige Willens- 
erklMrung vom 3i. vorigen Monates, fiir d-i e bey den 
Sohne des' Vpreivigten bestimmt. 

Das Werk wM den Subscribenten zu 3 Rthl. := 5 fl. 
a4 ^^' gelifefert, und zuf ^achstten Jubilatemesse erscheinen. 

Ich ersuche jede solide Buch- oder Musikhandlang « 
Subscription anzunehmen und die Be.dactionen in und 
ausi^discher offentlicher Blatter, die gegenwartige An- 
zeige unen^geltlich aufzunehmeh und auch in Ihrem Krei- 
se die euto ,$ach.e inciter zu empfehlen. v . < * 

. Oireni^ach a. M. ' ji: Andr0\ 

im Monat Februarvi826.. 

Die. B. ScJiQttiscbe ;:Musilibandjiung in MaIqti erbietet 
sich ^. Subscription ^zune|imen* 



— 27 — , 
Fortgesetztes Verzreichniss 

dcr ' 

Kirchenmusiken und Ca'ntaten, welche^ sowolil In 
Partitur, als auch in ausge^chriebenen 

Stimmen 

bey 
Carl Zulehner ' in Maynz 

« zu heibfn siad. 

Miiller, J., Cramers Hymnus an 6ott. 

Miiller, H. , 6 Missae Requiem. 

Musica sacra, enrhalt l)Stabat Mater, 'irbaPalestrina, 2) Fra-- 
tre9 ego enim, voa Palestrina, 5) Miserere, von^ Baj, 4} Im- 
properia, Ton Pales trina, 5) Miserere, voii' AHegri. 

Masohek, Missa in C, Op* 20«. x 

Morlacehi,. 2 Agnus Dei.' 

Naumann, Guiseppe riconosciuto. ' 

— Deo Trost ^er Ewigkeit, i . 

— Isaco Figura del JRedentore. 
^•^ Missa solennis. 

— 3ler Psalm. 
— • Vaterunser. 

— der 96te Psalm. 

— QfFertorio solenne. 

— loader Psalm. ^ 
.— Um Erdeo waodeln Monde. 

Neubauer,. Missa in F-dur, 
ISfeukomm^ Requiehs. 

— Te Deum. 

Naue, Cantate zur Oedaclitnissfeier aller VerstOrbenen. 

Orlando di lu^^go ^ liber choralis. > , 

ObneWald, Te Deum laudamus. Op. 2* * . 

— 14 P?inge lingua. 

-^ deutscbe Vesper, mit 4 Antiphonen. ' 

Palestrina, 24 Mottetteu. 

— B.esp<msoria. .4 

— Missa ad Fugam. 

— Motetto stabat Mater. 
Pdrzizeck ,^ Missa. 
Pergolesi ,* Miserere, 

—- Salve Regina. ^ 

-. Missa Nro. 1 und % 
^^ 6tabat Mater. 
. Piccini, Missa in F-dur. ' 
Porta, de Profundis. 
Pacorin, Kyrie et Gloria. 
Pttgnani, Benedioius. 



— 28 — 

Fhilidoc, Carmen saeculare* 

.— Katarina. lat» T. ' 

Paer^ Lr passiODe di Gie«ii /Christo* 
^» Offertoire ii ^nds Chpeurs. 
Foroy Panis angelicus. 
Pasterwitxy Mottetto (terra tremfiit.) 
Pausch) a Psalmi yespertini. Op. 6* 
•— 6 M{«iae breres, Op* 4. , 

»— 7 Missae brevesy qiiarumoldmaautemde Repeal. Op. 5< 
Preindl » LamentatioDcm* 
Payer, Missa prima* 
Reuterni^Missa in C-diir. 
-^ Bequiem et Misxa in C-diir« 
«-> pflertorium in F-dur, 
Rif^ni, de prafandis, 2 Alleluia* 

— eineelne Gh6rpf Ital. T* , 
.' — Miserere Nr. 1»^ 

-«• Miserere Nr. 2«» Veni sancte^ 

— Missa in D.v 

Riehter, Minsa ia jF*dar, Es^vft^ B-dttr» <^mo})^ 
Ritter, Dixir., 

— JMagDifioat* 

Reisinger, 3 Motetett* ' 

" Ricoi , Dies irae. ' ^ 

Wird foftgeser«t* 



Neue ^Verlagswerke^ 

welclio 
in ier GrossherzogL Hof-ltfusikliaxidlung^ 

• yon J '■ 

B. S chott's S&hnan in Mainz 

' in den Monaten 

September^ October, November V^nd December iSZ^ 
* ^ Januar, February Mara 1826 

\ erschieneo^ 



Gamme de Basson riis^e. 



la'&r. 



FauTel, M^thode El^mentaire de Guitarf^ ou -Lfte, 

n tf. 3o In, 

7. A. Aiktbea, 6 Lieder mil Clar. Op, & ' 36 kr^ 



29 ~ 



<*!••.' 



Julius MiUeri 7 Gesaoge fiir 2 Tenor* und.a Bass- 
stimmcn. 1 fl. la kr. 

Jacques Schmitt, Var^a 4 mains. Op. 97. 36 kr* 
— - -^ •. — — — 38. '481ir. 

J. K ii f f n e r , Var. uKer das Ariettehen ; Wenn icli 
ein SchStzchen schon nidgt ,' fur Pianof. Op. i^si^ 1 fl. 

-G. Sehubert,- Senate p. Pianof. Li v. a. 1 fl. 

J. B. Cramer, Sona^e p. Pianof. Op; 48. 1 fl. i4 ^' 

J. Kilffner, Potp/en Quart p. Flute, Violon, Alto^ 
, et Guitarre. Op. i5S.' 1 fl. a4 kr. 

▼ an Beethoven, Our.^a 4 mains, arr. pr. Czemy. 
Op. 124. 1 fl. 36 Jar. 

— Ouv, k'^. mains pr. .C«eniy. Op. 124. j fl. n kr. 
-^ 6 Bagatelles p. Pianof. Op. ia6i. 1 fl. a4 kr. 
*-* Arlctte p. Pianof. : idr war bei Ghloen. Op. lai. 

a4kr- 
-^ Ariette p. Guit< ^ ^uswabl 248. 16 kf. 

— Opferlied, Partitur. Op. lai. 4> ^i** 

— id. in Stimmen. Op. '^21. 2 fl. 
.-^. id. Clavier - Aus2ug. Op. 121. 36 kr. 
^ Bundeslied, Partitur. Op. ^22« 4> kr. 

^ -— id. Stimmen. Op. 122. 2 fl. 24 kr. 

..- Id. Clavierauszug. Op. 122. ^ 4^ kr. 

Fesca, Amo, ich liebe^.p. Pianof. et Guitarre. 8 kr. 

J. Kttffni^r, Potp. p^ Gult. prini^ipale en Quintett. 
Op. 1S6. ^ I fl. 36 kr, 

Toideiter dureh alle Diir- und Molltonarten p. Pianof. 

^ , 16 ko 

B* A. Bitter, Serenade, p. Fl.Alto et Guitarre. ifi.i2kr. 

H. KotileT, S^^nade p« Pianf. et Guit, Op. 149. '48 kr. 

<} a p i 1 i a ,, Zeitscbnft filr die miu. Welt, nos Qeft . 36 kr. 

^ lis Heft, 36*r. 

— i2d Heft* 36 kr. 

— |3s Heft. . 36 kr* 
^ i48 Hef^ 36 kr. 
MSr^clie de FOp^ra Mose, p* Pianof. Llv. 17. ' 8 kr* 

Auber, WaU. favofit. do VOpei^a le concert |t la Cour, 

pour Pianofi lAy^ 2$3, . 8 kr. 

liatoui^, Plvertimento p. Pianof. Viol, ou Flute. 1 fl. 

Mozart) Choix d*aii*$ de Figaro p. Pianof, 34 ^^» 



/ 



• ( 



— 30 — - 

Stadtfcli, Marsclie du ame Begiment Ae< Nassau p. 
Piano f. Liv. .i5. • &, kr. 

^ Mar^he id. JLiv. "16. '. • ' 8 kr. 

— Walac fat. de Wiesbaden; Liv. a54. , •> 8 lir. 

— id;" ^ ^ Lir. 2^5, ' 8 hr. 

Gfr, Weber, mehrstimmige Gesange fur grosse Sing- 
rereine iind Meinerc Zn'kel. Ausgesetzte Sdmraen, 
nebst Directionsistimme. Erstcr Hel^, enthaltend 3 t>e- 
sangstiicke fur- Sopran, Alt, Tenor und Bass. Op4i.t fi. 

'. JDie au^gesetztcn Stimmen Merdcn aufVcrlangen mebr- 

fach dazu gegeben. 



Motart^ Don Juan, poar Piaoo'f.^ct Violon , par Alexander 
Brand.- i , ' . 9.fl. 

Mo2^rt's Mcisbervrerk 9 &wig unvergesslicb .ufid yon.MejU 
stern und Liebbabern zum Geouss und zum Stiulium vorzjDg&- 
weise zur Hand genommen^ wird audi in dieser neueu Aus- 
gabe vorziiglicb befriedigeny indem dem denkenden und in 
dem Werkc begeisterten Mm. A. Brand das Arrangement in 
bohem Grade gelungen ist. Die Behandlung beider lastn^ 
mente ist Kunstgerecbt , nnd der Inbak des Originals- yo 11- 
standig und wirkungsvolJ wiedergege;bea!. 

St em 9 2de Polonaise fur^s Clarinett, mit Orchester-, oder 

Quartettbegleitung, ^ 'J fl, 30 kr. 

Ein Werkchen, welches durcb brillante Passagcn und 

angenehme Melodieen |edem Solospieler zu em^fehlen is£; 

tey offentlichem Vortrag wird der Beyfell nie fehlen. 

B0b 1 er, ]\([issa ' fur 4 Stiinmen , mit Orchesterbfl'glci^uDg ,' 
und 2 Klappenhorn ad libitum. 4 fi; 48 kr. 

£ine Messe von dem $el. l^iiblaFy] Kapellmeister -am* Dpm 
in Augsburg , mit 2 KUpppofliigelhorn ad libit*. Oeuvre 
posthume« Diese letzte Arbeit des bekannten Kireh^compo*. 
nisten wird nicbt weniger a\s seine fruhere Werkezusagch." 

Grosbeim^ Erh eiterungen fiit cfte Jiigend , ' 4fes Hfeft , 

eotbaltend 3 Lieder fur Schulen tand hSusKcfae Zirkel. 
; t . •■■■.. -16 kr, 

C« F* Beck, 12 Lieder fur Kinder, 3stimmig, 5tfi SammL 

, 48 kr. 

Gesange fiirSchulcn und Kinder. Aucb diesje fortgeselz-' 
ten Herausgaben werden den Lehrern der ScltuI* uad G«sang»- 
Anstalten willkdmmen sejn', da die Brauchbarkeit de£ fvii' 
heren binlSogUch erwiesen und von den competeAtesten Rich- 
tern , unter welchen wir nur den . Qenrn KapellnOieister r: 
Sey fried nennen woUen , aufs glanzendste anerkannt worden 
ist. 

IvSffnar, 7aie Sinfonie pr, 2 Vlons, Alfro ," Violoncelle , 



/ 






- 31 — 

et Contrtbasse^ Fltitr cbligee, 2- Clarlneues , 2 Cors» 2 
Trompettes, Basson obligee, jet/fimballes. Op. 164. 6 fl* 
Der Componis.t beeifert sicby tnit seiner angenehmen Setz- 
Urt auch Hea strengen Styl zu verbioden \ dadurch gewinnt 
dieses Werk den BejBiIl der Keunrr , und Tiibrt die Dilet- 
tantetr der hentigen Kunstshife niilicr, ohne dooh d^s 'Werk 
m'tf. Schwierigkeiten zii bcladen oder das lieblicbe zu bf ein- 
traehtieen. . 

Biblioth^que de Musique d'Eglisd) Liv. 2»' Valotti^Respoa* 
soria iu parascevey k 4 voix. av. «cc» de Piayiof, 2 i^. 

— . .—* — - — — liin 3. VViIpMi', RiEfspbH- 

floiia in Sabbato Sanct*, k 4 voiz at. ace. de Piafadf,' 2 ^* 

CfaeVnbihi, Bymnes Sacres,; No» 7** Motet ^jXste di^s, 

yyVeuile comedite," t^Ave verum**, „0 sacrum convi- 

▼iuiaa'% k ^ vi)iz avec ace. de Piano f. -2 fl>. 30^. 

2 Hefte eiiics grossen Meisters des verflosseneu Jahrhuxi- 

derts und 1 Heft des noch lebenden grossen Cherubini. 'Die 

Veriagshandlane recbnet es sicb laln Verdienst, .<iiea«^Ausgt- 

ben mit abnlicoen Werken recht bald/fertzusft^s^p^ ;und 

zweifelt auch nicht an der Thcilnahme des fiir diesci Musik- 

gatiung so vielen Sinn an Tag legenden Publicums, 

J. A* AntbeSy 6 Lieder mit ClaylerbegU Op^. 6* 1 fl» 

£h. H. Kinky 6 geistliche Lieder mit Ctarier- oder Oreel- 

- begleitung. Op. 81. 1 fl. 30 kr, 

2 H'^Fte Gesange, jedps in einem eigentbiimlicben Cha- 

racteur gebalten, aber jedes in seiner Art roftrejSlich. ^ 

Anthes Gesange sind yorziigUch fur didjenigep a.us dem ' 
scbonen Geschl^ohte geeignet^ weiche, z'u.ihrer ^-i^sbiidurig-, 
einen leichten, anmutbigen Gesaog mit belebrciideu Texten 
dem ^UtagUchen Modegeleyer yorzieben. /' 

Kink's Gesange bieten dem. Kuirstfreunde from me, ernsle 
Melodieen, dem; Gegenstaud uuserer beiligen Kcligion und ', 
der erbaben^u Dicbtuog wurdig entsprechend. Wer wird 
sicb nicbt gem das Gemutb mit sblehen Worsen und Tonen 
erhebent .Der boebgeachtete Componist feyerr in dieser sfhr 
gelungenen Kunstschopfung einen Triumpb des rcligiosen Ge- 
luiiles, 

J. Kiiffner, Musique militaire, Sinfonie pouc 2 Clar. en 
Mi b> 3 Clar. en Si |i,. petite 'fliite, 4 Cors^ 2 Bassona, 

2 Trombones, Serpent, 2 Trompettes , caisse rpulante et 
gr. Caisse, Op. 103. 5 fl.. 50 kr. 

.. Musique militaire, lime Potpourri pour 2 Clar. Mi b» 

3 Clar. en Si (?, 2 Flutes, eor de Signal k clefs 4 Oors , 
* 3 Trompettes, 2 Bassons; Serpent, 2 Trombonef, cors de 

poste, caisse roulante et gr. Caisse, Op. 169* 4 A* 

Musique militaire, $ Danses, Bayerisebe Lindter und 

Walzer, pr. 2 Clar. en Mib> 3 Clar. en Sib » 2 i'Wtes 



— 32 -r 

^ oeUrinef, 2 Gors dt Signal li dtfa obliges , 4, Cots 9 2 

Trdmp, 9 2 Bassons , 2 Trombdnes » . Serpent ^ «<isse rou<» 

laDt<> et gt, CaisM, Op.. 170. 4 A*. 

Die Dauer <Ies Friedens bat fSr clen Militair* Stand aueh- 

vieder Rnhe-TSge and festes Standquartier herbejgefuhrt, 

Darum sind dife , Musikdirectorien viVlfSltig daranf bedacht 9 

ihren Cii6ren atich etwa^ 6r8sseres an Gompositionen antn- 

' sohaffeny eibcusturlieren mid aufznfShren, als bloas Parade- nnid 

OescbwindmSrsche; Hr. Kuffner liefert it\ obengeoanatea 

neaen Wejrken MehrereSy Wias jedem geiibten Ghoreerwunspht 

seyn i|tu»» Die Gegenstande sind revsoliiedeo ^ und week* 

teln ixt^mehreren Formeny'so data das Verdienst dieses vieU. 

be^^ihften Tonsetzera in dieseniy Ton ibm schon so fleissig 

and gliickliob bebauten Felde auob utn der hier .▼orliecenden 

Werke Willen, wiedei^ neue Anfrkennoog finden wir£ 

Ch* Rummely gr, Hatmonie, 2 gr* pieces, d'aprea dc^^ 
motifs de Kafl^brenner et de Dossec, et l^onvert, jubilaire 
de G« M. do Weber, arr. pr* 2 Hau^b. ou 2'F]., 2 Glar,^ 
2 Cors, 2 Bassons et gc Basson, Op. 52. 5 fl. 24 kr. 

J«' Kfiffner, Potpourri snr des Thames de I'opera le Coti« 
cert k la Gour^ pr* Aubert, pour Flute en Fa, 2 Glarinet- 
tes en Sij^^ 2 Gors , et 2 Bassons , Op« 162. 2 fl. 

•^ Potpourri sur des Themes des Operas Conpadino, 'et- 
Moise en Bgypte , pr« Rossini , pr. Flute en Fa , 2 Glar« 
en Sib» 2 Gors et 2 BassoiiS^ Op. 185. 2 A. 

Das Werk yon Hrn, Rnnunel liefert in dieser Gattung 
Ojrossaf tigas » sowohl in Ansebung der BesetzuDigy als aucE 
4er Auswahl der Motive* 

fierr KSffner liefert das beliebteste aus 5 sebr scbonda 
Opern • Gompositionen als Potpourri. 

Beyde Ifeis^er 5ind mit der Bebaodlung der Blas-Instru- 
mente so genau bekaDUt, dass alle Harmooie-Vereine,, doreh 
Ansohafiting dtesar Werke, ihre Sammlung n^it etwas ror- 
viiglich Gutam uad Schooem bereiebern werden, - 

Ii. T. fieetlLoVen, 3 Quatuors pr. 2VIons, Alto et Veftllo^ 

tif ^ des Oanvres de Pianf. , pr» A. Brand. Nr. i. 2L 3. 

chaquc - 1 il. 24 kr. 

Piese VioHomiartette sind zwar aus Glavi^rwerken at^s. 

Sesogeii, aJlein das Arraojglement ist firo. Brand so geliingen, 
ass diese Stilcke als . Original .Quartette empfohlen tu wer« 
dea verdien^. Bin besoaderes Verdienstt.des Hrn. Arran« 
genrs ist die passende Wahi der ' zusammengesetateir Ton- 
Btueke* 

' • 1 

'FrSnzl, Goncertino On Forme de Fantaisie, pr. Yiolon ar^ 

ace. d'orebestre. Op. 20. ' ^ 4 fl, 

-- Goneertitio en Forme de Fantaisie, pir* Violon ar. aoc,,. 

de Pianoforte. Op. 20. . 2 fl. 

Bin Concerts^t^cky soTrobl mit Begleitnog des Orehetters^ 

»u auoh mit bloss^r Pianofortfbegleitung, ^ao a^f aw^yerlel 



V 



X 



• / 



— 33 — 

eu be&iiteen« D^ss die Violiae gut und' sob9a bebandelt iit^ 
rerbfirgt selion der bcj^annte Name de» Compositeurs^ uod dass 
das Werk affectroll gesetzi isi, bar deir Beyfall, den de^rselbe 
CpmponUt aller Orten damit eingearntet, bcreits bewiesen* 

Ii. V, Beetboyen, Quataor pr. 2 Viona, Alt et Vcelle/ 
Op. 127. 3 fl. 30 kr. 

— le memo Qnatuor en Parritjon, Octavformat, 2iD. 50 kr.- 

-— ^ Grande Quvertur^ pour I'orobeskre* Op« 124. Partitur* 
Subscriptionspr, " 2 fl> 30 J^r* 

— Oie$e Ooverture in Stimmen, ^ 3 fl« 36 kr* 
. Fiir diese Meisterwtrke verweisen wir die Leser aufdie 

AnkSndigung derselbeo in fruberjen €Sciiienbefteii» Di'e An- 

'erkennuDg der Melsterscbafk dieser Compoaitiooen wird nun 

durch ^it offentliche WSrdigung immcr mebr b«rTorg^hen« 

B. u mm e ) , fantaisie sur Pair 4e L. yan Beethoyea : loh war 

bei Chioen ganz alleiiiy fSr Piano f, tnit Orebester^ und 

aucb furs Fianof. alleiiu Op«k50« 2 &• ~ 4 fl« 

Dieses Tbema yon Beetboyen wurde .yon Hrn. Hummel 

mit ganzer Liebe und Beg^isteruDg aufgefasst, und mit einer 

grdssen Einleitung und danp mit Veranderungen , welohe 

des Gomponisten VinuositSt als Clayierspieler bew^iseui afrbr 

jneisterbaft yerarbeitet und wiedergegeben. 

K{>bler9 H.^ 3 Quatuors pour Flute, Viokn, Alio et 
Violonoelle. Op. 150. 4 fl. 

per far die Flote rubmlieb bekannte Tonsetzer bat in 
dieser Sammlunp 3 Quartette geliefert, Yvreloh«y da sie nor 
geringe Scbwiengkeiten entbalten, leiciit ausf iibrbar ,' und 
docb| um der treffHchen Wirkuog des Ganzeo wiUen, jedom 
Liebhabcr £u empfeblen sind, 

J. B. Baldenecker Polonoise pr, Pianof. k 4 mains* 48 kr. 
Diese sebr gefallige Composition wird zwey Klayierspie* 
X Jer recbt angenebm unterhalten. • Dieselbe Polonoise war im 
Suppus- nod Balden eckersehen Insti^ut in Frankfort auf 4 
Klayieren und zu 16 Handen mit grossem Bejfall aufgefSbrt 
worden, - ^ ' 

C« Beck, der Ebestand, 6 GesSnge lannigen lobalts, fur 
2 Tenor • und 2 Bassstimmen. 1 fl. 12 kr. 

Wm. HSser^ 6 Lieder fSr 2 Tenor* und 2 Bassstimmen, 
obne Begl. Op. 11. ' • 1 fl. 12 kr. 

Conr. Kreutzer, 12 Gedicbte yon Ubland, fCr 2 T^nor- 
und 2 Bassstimmen 9 oder Sopran, Alt, Tenor Und Bas8« 
4tes Heft. . 3 il. 

X«lndpaintner, 6 Gesangei fir 2 Tenor* und 2 Bast* 
stinmien. Op. 39. 2 ^* 

IKL Zyying, Gobleazer Lieder- Tafel^ Ites Heft,, fTir 4 
Stimmea und Cboir. 2 A. 



.# 






■ • , — 34 — 

\ 

Zur «fttso1iiedindslen Empfehltfng die9«r Q^sa^g;^ fGf 
]\|aDnerstiinmexi bedarf es wohl uur einer fiiu-vVeisniig; auf 
die Namea der Toasetxer, welche alle einert biutaoglich be- 
griiodcten Ruf faabea, -l^reutfer und Lindpaintuer sogar eitien 
ausgezeicboeten als Operncoinpoiiistcii* Kreutzers 4t^esr Heft 
reiht sidi ao' die,, in uoserm Verlag bereiis erschienenen 5 
Hefte gewiss se'br wUrdig an, Allea Geaung • Liebbabern 
' sind geoanote Werke gewiss willkommene Enoheinuogeo. 

Cohr. Berg, 4me Diyertissemeot pr* Piiinof. et Fl. oii Vlon, 
Op. 20. 1^» 24 ^«- 

— Introd. ct Rondeau , pr. PlaDt>f. Op. 21- '' 1 fl» 

» 

— * Duo coAcertant , pr« Pianof. ^t FL /ou Vlon. Op« 22* 

• 1 if, 30 kr. 

Wer die frubereo 'Werke dieses CbmpouisleiL keaat» 
wird sicb schon iiber das' 'Krscheinen 'der Gegehwartigea 
freuen, und wenn Versicbert Wird, das$ die.<re Compositiooeii, 
. inelodieehreicb und roit ueuem Scbwung der Einbifdungskraft 
au%efasst, an Gediegenbei^keiner andera CouspoMtion uach> 
steben^ so werdcn die zabireichen Freuude dieses Componi- 
sten das Erscheinen der gegenwartigen Werke gewiss mit 
dem gr&tsten Vergnugen aufnebmen. ' - 

6. Scbubert, gT« Sonate agr^able, pr. Pianof. Op. >3. 

1 fl. 12 kr. 
Zwar eine grosse,. doeh nicbt sebr schware, 'vrobl aber 
sebr gefallige donate , und desshalb den Liebhabcfrh dieter 
Gattung zu empfeblen« Der Gomponlst bat bereits Mtrbreres 
fur das Olayier berausgegeben , : welcbes an^rkanaten'^eyfaH 
gefundcn bat. "" .^ _ ' ' . ' • " 

J. Riiffne'r, i4nie Potp. s^des Tbemc8 de Vopcrd: Le 
valet de cbambr*, de Cafafa, pp. Guit. et Fl, ou Vloii. 
op. 179. ". 1 fl. 24* kr. 

— i5me Potpourri sur de Tbemcs de Topera ; Le Concert 
a la Cour, d'Auber, pr. GuijU et Fl. ou. Vlon. op. 18a. 

1 fl. 12 lir. 

— i6mePotp. a. de Tb. des operas, Corradino^et Moise en 
Cgjpte,^c Rossini pr. Guit etFl. ou Vlon. Op. 181. ifl. lalir. 

— ' Potpourri sur des Tbemes faroris de Topcra II Cro- 
ciato m Egitlo, pr, Meyerbeer, pr. PF. et Flute ou Vlon. 
Op. 184.. , r fl. 48 kr. 

-^ Potpourri des Tbemes favoris -de Topcra II Crbciato- in 
Egitto, de Meyerbeer, pr. PF. seul. Op. 18? 1 fl. 12 kr. 

— 6 Marches favorites pr. PF. Op. \(yj, x fl. 
Pass dieser fleissige Tonsetser aus allgemein beliebten 

Opern das Scbonste und Reste aufsufinden, und su einem 
scbonen Ganzen su verbinden weis, bat er durcb alle 
«cind frttbef-cn 'derartigen Werke bereits vollgultig be- 
urkundet bcwiesen, und cr erwirbt^^ islcb: n^ucn Dank 



\ 



' . - / 



— 35 — 

allcr Clavier-, Flot-, Violin- und Guiiarre - Liebliaber 
dadurch, dass er diese Musjkgattung so reichhaltig zu ror- 
mehren sucl^t. 

A» Spaeth, Introduptioa Variations sur un theme ori- 
ginal, p^. Pianof. Op. 402. i fl. 12 kr. 

G. G. Kuhlenkamp, 6 Variations sur une Allemande 
favorite dc Mr. Gasorti , pr. Pianof. Op 22. ^6 kr. 

Beyde jClavier • Wcrke sind mit Geist und mit eiiiem 
aafs)rebenden Fliige neuer Ideen verfasst. Wer als Cla- 
vierspieler vorschreiten will , der bedienc sich dieser Va- 
riationen als Studium, und er wird darin zugleich eine sehr 
angenehme Uiiterhaltung finden. 

A. G i e 1 i s Var. sur la Ronde de la Neige pr* Pianof. 48 kr. 

•>*• Rondo pastorale pr. Pianof. Op. 5. 4^ kr. 

£ine Gaming welche Liebhaber des Clavierspiels an- 
sprcchen wird, welche geHilligc, nicht sehr schwer ausfiihr- . 
bare Themas wiinschen. 

Meyerbeer, Choix d'airs de Topera : Ilcrociato in Egitto, 
pr. Pianof. seul. ^ . 2 fl. 3o kr. 

Mozart, Ghoix d'airs de Top era : Don Juan , pr. Pianof. 
seul. '3 fl. 

Rossini, Ghoix d'airs de Top. Otcllo, pr. Pianof. 1^. 3o kr. 

— Ghoix d'liirs de Topera: Tltaliana in Algicrr, pr. Pianof. 

1 fl. 26 kr. 
Die obengenannten Werke sind Ausziige der beliebtesten 
Stucke aus den bezeichneten Opern. Sie werden sich da- 
durcli b<isonder8 empfehlen, dass die. Auswahl sowohl, 
als das Arrangement rSr Clavier, von Clavier -Componisten 
besorgt wurde , welche in ihrcm Fache anerkannt sind, 

G. F. Handel, Ouvert. de Top. Almaide', arr. a 4 main<> 
})r.. Pianof. par Ch. H. Rink. No. i. 36 kr. 

Wir filauben w'ahrhaft die Kunst zu fordern, indem wir 
cine Remc yon Ouvertiiren dieser Gattung, wovon hier 
Nr. 1. vorliegty und mehrere bald nachfolgen solien, von 
der be^Tvahrten Hand des Herrn Hoforgjanisten I\ink fur 
das Pianoforte eingerichtet, den Verehrern wahrer gcdie- 
gen^ Kunst in die Hiinde liefern. 

Iwan Miller, S^renates pr. Clar. et Pianof., Har^e on 
Guit. . 1 il. 24 kr. 

Ein schones Werkchen zur geseir^chaftlichen Unter 
haltung, auf mancherley Art ausfiihrbar, und daher ge 
wiss mchreren Classen von Liebhaber^willkbmmen. 

. M. et L. Ganz, Duo concertant sur des motifs de Pre- 

ciosa pr. Violon et Vcllc, Op. 7. i .fl. 24 kr. 

Beyd6 Tonkiinstler liefern schon am Anfange ilirer 

Laufbahn- yieles'Gute, unter welchem obiges Werk ge^ 

wiss einen ehrenvoll«n PlatZN einn.ehmrn wu'd , uud nut 



i 
\ 

\ 



^ 36 _ 

andern Gompositianen dieser Gattung^ von bekanntercil 
Tonsetzern, gar wolil die Vergleichnng aasTiirlt. 

A. Forcith, Introduction et 6 WaUes, pr. Trompetlc 

et Cor de Signal a clefs, ^ Vlofks., Fl. ,2 Glar., s Cors, 

Tromp. , Cornet de poste, Trombonne, caisse ronl., 

gr. caisse, "nnib. et Basse, on pour aVlons. , Fl., Clar^ 

et Basse. . . 2 fl. 

Dcr Comppnist ist derselbe , welcber die, unter dcm 

Namen SclUittage « Walzer , beliannten und allgemein be-- 

liebten /.wei Samnilnib^en berausgegeben Iiat. Dass auch 

die^e Samtnlung^ cbea so bri^in^ll und sum Tanst geeignet 

ist , als die Tofigen Heflte , lasst sich von dteseih liebeits- 

lustigen jungcn Kunstler nicbt andiers erwarten. Die I'an- 

ze sjnd soiivohl fiir gros^ses Orchester, als auob nur 

funfstimmig, aufzufuhren. 

Eticpne Dunst, Caprice pour la Guitaiire Op. 5. 36 kr. * 

F. Horet;^l(y, 6 Lankier pr^ 2 Guit. Op. i3. - 36 kr. 

-— gr. Fantaisie pr. la Guitarre, Op. i4* '4 ^• 

J. Kiiffn^r, Pantomime et pieces favarites pr* 1 Guif. 
On. i65* 45 kr. 

Audi fuf das obligate Guitarrespicl hat die Verlagshand- 
lung , durcli Herausgabe dieser ^erke , beygetragen , in- 
dem sie diese Producte Terdienten Virtuosen auf aer Gui> 
tfirre verdankt. AUc sind effectroU und recht s^veokge* 
mass fur das Instrument gesetzt. 

L. T. Beetboyen, Sympbonte Op. 36. en Re arr. pr. P. 
F. Fl. Vlon. et Velle pr. J. N. Hummel. 4 fl. 

— la meme Syrnpljonie pr. JPiaiiof, seul. a fl. a4 kr. 

Der hocbgcfeycrte jtlavier-Componist tereicliert dio 
ClaTicrspiclen tc nttnstwelt auch, mit Arrangementen sol- 
dier Instrumenlial • Compositjonen , welclie als AfeisCcr*- 
Werke in gro'ssem Bufe steben. Nocb aicht lange ber lie- 
ferte er 6 Mozartschc Symphonieen, filr Clavier einge- 
rScht(>t, und. nun erfreiit er soin Publicum mit 3 Beetho- 
Ten'schcn Symplionieen, wovon obige die ate ist. Die 3to 
wird bald^ gieicbfalfs in Druck gegeben werden. Die Theil- 
nabme fttr diesa vortrefflicben Worke wird nicbt gerin- 
ger seyn als-jene fur Mozarts Sympbonieen. 

Berbiguier 3 Duos faclls pr.. a FKites, Op.. 7a. liv. 1. 
et a. cbaq. , i fl. 

Raphael. Dressier, Var% pr. 9 Flutes, &ur ttn Themo 
irlandols. Op. 61. 36. ki^, 

J. Kiiffner^ i4 Piepes et vn Tbenie yarie, pr.' a Flutes; 
d'une djflftculte progressive, Op. 166. 1 ft. 24 kr, 

Tuloii, La Declaration d^mojii^*. Potpourri sentimental 
pr. la fltite, aycc'acc. de Piano. Op. 33«. 1 fl* la. kr. 

Walkiers 3 Duos pr. t Flutes, Op.! k a fl. 






./'. 



• • — ay. --- 

Walklersy 3 grands Duos pr. a Fliktes. Op. 16. liv. i« 

a. 3. cbaa. 1 fl. 3(> lir. 

Walliier oietet den Flottsten e^was gross Ausgeftihrtes, 

Berbiguier undK&ffner leicliteDuettenfSr Anianger, Tou- 

loa eine schdne Untefhaltung' am Clavier bey seiner 

Scbonen , und Dressier etwas Qriginelles in Yanationen. 

^ Was diese grossen Flo^sten und Hiiffner hierlnit liefern, 

findet slcher die veirdiente Anerkennung. 

G.Hospqdsliy Lemons m^thodiques, en l^rlos pr. 2 Vlons - 
et vclle; Op. 3. ' 2 fl. 24 ^^* 

Trios, welche sich an die in unserm VerJag erscbienenen 
Moralts Legons M^tbotieues, als Folge anscnKessen. Die- 
se baben bereits vielen Beifall gefundeU) und so 'vrerden 
' es , sum Vortbeil des Studtums der Yioline, aucb diese 
Trios tbnn. 

6 1 e i b e 1 1 M^todo para ' aprender el f ianof. 1 4. 

M* F any el,' Metodo u^Principios de Gnitara, conte- 

niendo los pricipios de la musicay el quadro represeij- 

tando todos los tones que se pueden hacer con la Gui* 

tara, las escalas mayores y Menoresy y diferentes exerci- 

. cios par yarios tonos* 1 fl. a4 ^^* 

Principios d<e Musica, escala y Arietas faciles para apren* 
der el Flageoleto 48 1&p« 

Principios de Musica, e* escala y Arietas faciles para a- 

prendra la Flauta. . 4^ ^t* 

Kleine Lebrbilcber in Spaniscber Sprache^ welcbe des- 

wegen alien denen zu empfeblen sind, welcbe in diesen 

siidllcben LSndem daron Gebrauch zu |nacben» 

Stadtfeld, 3 Walses a 4 Mains, et 1 Walse pr. P^a- 
• nof. et Vlon* i ft. 

Stattfeld, Walse favorite des Bals de Wiesbaden, pr. 
Pianof. No. a66. 8 Ir. 

•— Wals(B fayorite des Bals de Wiesbad^t pr. Pianof. 
No; 257.^ 8 kr. 

C. Grimm, ^La jeunesse^ Walse favorite, pr. Pianof* 
No. 25a 8 kr. 

— Troub^doiir modern^, Walse favorite , pr fi^nof No. 
259. 8 kr. 

•-« Comet de iS-iS, WaUe favorite, pr. Pianof. No. 260. 8 kr. . 

J. B. Hal big, Yauxbal- Walse favorite, pr. Pianof. No. 
a6i. ^ 8kr. 

L. Spobr, Berggeist,' \falae farorite, pr. Pianof. No. 
V 262. " 8 kr. 

J.N. HumBiel, Stmiacbex Walter f pr. Pianof. No. 
a69k ; ^ 8 kr. 



I 



— 38 — 

J. K» H u m m e 1, Schweizer W&lser, pr. Pianof. No. 964* ^ lu-. 
Die Wiiener in Berlin, Walse fav. pr.Pianof. No. a65. Q I(r- 

— Walse fay. pr. Pianof. No. i66. 8 kr. 

F. Kalkbrenncrgr. Walse fav. pr. Pianof. No. 167. 8 hr. 

Spontini et Weber, Oiympla et EuryaQtlie WaUer, pr. 
Pianof. No.. 1168. 8 Kr. 

Walse fav. des Amoureux, pr. Pianof. No. 370. 6 lir. 

Ch. Rummelf Walse et Ecossaisey pr. Piapof. No. 
271. - * . ' 8 kr. 

Walse fay.9 du gr. pere, pr. Pianof. No. 278. 8 I&r. 

Heuschkel, Walse fay. du General Bolivar, pr. Pianof. 
No. 274. ' ' 8 kr. 

— du Congres de Panama, pr. Pianof. No* 37$. 8 kr. 
Meistens allgemein b^liebte und bekannte Melo^en, 

der tanzlttstigen Welt gewiss wiDkommen. / 

C. Kreutser, Les Adieux, !3fe^ quitte ce lieu! av. ace. 
de Pianof. • ^ 16 kr. 

C. M. de Weber^ Das StUndcken : Entschlummre schon 
Liebehen, mit Pianof. oder Guit. No. 55. 8 kr. 

Romance, Mein Herz und'meine Laute, (My Heart and 
Lute) mit pianof. od. Guit. No. 56. 8 kr. 

Conr. Kreu'tzer, Les Adieux, Jc . quitte ce lieu, av. 
ace. de Guit. No. 57. ' * 8 kr. 

Musikalischer Hausfreund' fiir 1826. 36 kt' 

Ferner werden in unserem Verlage naohstens . er- 
schcinen : ^ ' ' ^.. 

. MEHRSTIMMIGE GESAlNGE 

fiir grosse 

' von 
GOTTFRIED WEBER. 

Ausgesettte Smgstimmen^ riebst Directionsstynnte. , 

/ OjE^. 4i9 Zvveiter Heft, 

enthaltend ^ - 

vier Gesangstjicke 

• lur . 

SOPRAN, alt; TENOR VBTD BASS. 

lyiit dem , vor einiger ^eit erschicnenen ersten Hefte , 

"* bat dieser ausgezeicnneta Meisier den Anfang gemacLt, 

eine Anzahl von GesangstUcken , so^ohl fur grossefe G'e- 



39 



sangvcreine, als aueb fiir enger^ , nur mit vier oder ftinf 
Stimmen besctzte Gesellschaflen geeignet, in ausgesetzten 
Stimmen, ncbst einer, auf nur z wey Notehzeilen zxisammenr 
gedrangten, bloss zuni Dirigiren und allenfallsigen Nachhel- 
fen auf dem Pianoforte bcstimmten Fartitur, berauszugcbeft/ 

PIq iib^raus gunstige Aufnabm welche der so allge- 
mein ansprecbende Inbalt jenes ersten Heftes in alien 
Singvcreinen geiunden welcbe den Geist solcher Gompo- 
sitioneii aufzutassen und wiedera;ugeben verstehen, setzt 
un6 in,. Stand, dem^elben die gegeni^artigO'Fortsetztthg, 
und zwar in , ziemlich vergrosserter iiusdchnung, folgen 
zu }£Lsscn. 

Det gegcnwartige zweite Heft enthalt vier Gesang- 
S'tiicke, fur Sopran-; Alt, Tenor und. Bass; der dritte 
wir^ J Unfstwumigtf. Stiicke enthalten; und aucfa in der 
Folge soil mit vier - ^ fUnf' j 'his achtstimmigen und m^^r- 
chorigcn^ theils neu, tbeils scboot frOber geschricbenen, 
jetzt aber zu der vorliegenden Bestimmung eigens geord- 
netcn Compositioneuy fortgefabren werden. 

Die Art der Herausj^abe, in ausgesetzten Stimmen, wel* 
cbe wir. zablreicben Singvereinen , in vielfaltigen Exem* 
plaren zu ausserst ^assigem Prcisse, anbicten konnen, und 
die gedrangte Einrichtung' des Sticbes der Partitur , wel- 
che auf bios zyvey Notenzeilen eben Das^ ah; Partftur mit 
Text, und zugleicn als Glavierauszug, leistet, \?as son^t 
nur auf seeks und mebr Z^ilen geleistet werden lionnte, 
dies alles befordert die Gemeinniitziglieit der Ausgabe 
iiber die Maassen, und konnen wir dieselbe aucb aus die- 
sem Grunde — vom hoben Wertbe^ dey Gampositionen 
des genannten so vielseitig ausgezeichneten Meisters aucb 
ganz abgeseben — jeder Singgesellschaft ganz vorzuglich 
empfelilen. • - 

Aucli.dem Stadium der Composition glauben wir da- 
dureb forderlich zu seyn, dass wir die erwstbnte, gedrang- 
te Partitur auf Verlangen aucb einzeln und ohne ausge- 
setzte Stimmen, ^u. einem, rerbaltnissmassig eben so ^- 
ringen Preisse, abgeben. ^ ' 

Jeder {left wird auch emzeln verkauft. 

Aucb der dritte wird, aus oben angedeuteten Griin- 
den, bald nacbfolgen. ^ ". 

B. Schott* s Sohhe^ 
Grorsh, Hess, HofmUsikhandlung', 



Erklarung und Zeugnis 

betreifend 
das Violinquartett yqu Beet ho ven^ 

Op. 127. , 

^^ Daai die Hrn. B. Schdtto Sdhne ein Ouartett 
in £^ ftlr 2 Violiaen 1 Viola imd Violoncell von ' 



. L. 40 — 

und dasselbe ganz allein ikr 
Eigenthum sey, , bestfttige ich hiermit Uul 
ttieincr Unterschrift. 

Wien am a^. NoTember i8a5. 

Mudwig van Beethoi^en. 



Pianoforte*! f in ^lUeel* und in Tafel/o rm» 

Fliigelpianoforteiy Ton Nanette' StreUher in Wien* Ton 6 
,petaTea, in Kus^ibaum- nod M«9er-E8elienho|«^ und ioxu 
wShrend in hialS^nglicher Ansahl, cur Auswibl, zn finden 
In der HpfmusikhaDdlnng Ton B* Schott's Sohnfn in Mainz. 

Aucn TOO aaderp (leriihmten Meistern sind daselbtt FlU* 
^el- und UfelfSmige Pianoforte stets in Vorratli. 



Offene StellLe 
far 

einen Tagottisten bei einet* Miliilrmusik. 

Jn «inem K6niffl. NiederlSndisehen ttegimente, welcTiCHi vi 
ctiner grozaeb Stadt in Garnison licet » ist eine Stelle f&r 
eiiken Faeottisten Tacant. Das Hegim^nt offerirt fi, 30 V#^ 
Monat. Man wende «ie^ in fraakirten Briefen an Herm 
J. Nuyts y Masiknetstcr ii\ Brtisael , oder sn die Redaetiga 
4teser Zeitsebrift. % 



Die H o/n o r a r e 

dar Herren -Mitarbeiter aa der Clcilla 

betreffencL 

L/m MisverstSndnisse zu vermeldeiiy geben ivlr 
uns die Ehrei den verehrlichen Herren Mitarbei* 
tern aD der Cecilia ergebenst zu erdHnen, daas 
wir kiinftig elnem jeden dersclben sein Honorary 
auf Erfodem, jedesmal nach dem Scblurse 
•ineaJBandea bereehnen . vrerden^ 

B. Schotts SdhHe) 

^ossherzpgl. fieM; tiofmusUibandliuig 



WM 



_ 41 -^ 

I n t e 1 1 i g e n z b I a 1 1 

« u r 

(8 ii IB (9 3 ^ a il« 

» • 

1 8 2 6. • . . 
Nr. 16. 



• • 



Anfciindigung 

dex* Errielitung ctner neuen 

Musi'ki^.erlagh.andtung 

« 

1^ O II < 

in Paris. 

Vyir habeiit He Elirei unsern FreunJen hienpiU 
bekannt zu machen, dass wir sail deiii erst^n Miir2 
4» J, einen Mtii»il4 • Verlag auch iu Paris, unt^* 
der Firma : 

tes fils de A Scliott , a Paris , 
rue Bourbont No. 17^, 

errichtet haben, und jbieten unsere ergebenst^rt 
dortigen Dieiiste in alien 5 das mUilkaH^che Facb^ 
betreffenden Oesihaftsvorfallenhciten, hiertnit an* 
AUedahin etnschlagetiden Auftr^ge werden v-ir 
zur Zufried«nh0it aller, die uns mil ihrem Zu- 
trauen beehren, aiisfuhren, wie dieses bisher, fiir 
Mainz unter der Finha: Hofmusii^bandlung von 
li* Schott's Sohnen, in A'ntWerpea unter der 
Firma: Adam Schott, gesehehen isl, und gleich« 
Iklla fortwShreud geschehen wird# 

liiul!igtittbl. I. (1« 4. BaniT. <t. Ci<:\\U^ D 



» 



* f 



* 



/ 



x_ 42 — 

Der Verlag in ViwU wird sjch nur.xnlt HeratiS' 
rabe von Originalwerj;en vorziiglicher Tonsdts&er 
})t!scliLlfugeA , welche drmn zu gleicher Zcit fur 

f oiUschiand ^ von 'Main^ aus^ versendet werden. 

•' . * . ' 

* JJas erste Verlagvvcrk war: . . 

Be.ethovenf grand O'^atuor jfr,'2 F'lons, A. si VclU^ 
Oeuv. 121. 

Folgende befindta sich unter der Presse :' 

Ferdin and Rtegj Introduction et RdHieau^ jfour Pia» 
no^t Cor ohligS* 09 Vi^lonBelle. Otf«i). 113. No.'2' 

F, Ries^ Sextuor -pokr Piano st'HarjfCy am dettx Piano 
atfec accotnp, de Clar'mette^ ^PT^ Boston et ContYe^ 
hasse, ou en Quintuor avec accomjf, d^ VJon^ A, §t 
-Vclle J ou en Duo jwur Piano e^^ Harpe ou deuoo 
piano sans accotnp, ea joufmt les petites notes* 
Oeuv. 142. . ^ 

I>a dicse^ den Namen verehrtor iTonsetzer tr^^en- 
den iVerhe, ^h eine gute AuftiMime mir Zuver- 
ulcht verspFecJhieii^ diirfeny so wiirde es una ange-' 
nehm sein, schon vor deren Erscheinen AuHrage 
7.U rrhalten, um die yerlangte Anzahl.ExeniDlare 
l>ei der Uerausgabe sogleich S^ollsliUidig verseaden 

ztt ki5nnen. ' , . « 

' '■■>'* 

Wir beabsichtis'en • wnseren vcrelirlichen- Her- 

ren CoJlegen in T8utschland>'dttrch, yiwer Etablis- 

sement i|i Pai^is^ dem Mitt.etpUDkt alles mu^fkali- 

scfaeii Vejrkehrcs in Frankreioh^. aubh noch auf. an- 

■ ■ • . , ■ • 

dei*'o VVeise, niiUlich ^ix wordco.* Wie dteses vvird 
^oschchen ko'nncn*^* bchnken \vir uns vor, ll^naa 
durch ein bespndi^r^s -Circular initzutticUen. . .^ 
Mainz den 15. April |i 828, 

B. ScJiott's Soling. 



*»- 



y 



' • , - 43 - . 
N t.\x e M u . s i . k a 1 i en 

voin 

B r e i t k o p f. u n d II u r t e 1 

i n L e i p z i sr^ 



I ' 



bstermcsse 18 26« 



Fil'r Orchester. ^ 

yafi Beethoven, ^me Sinfo^ie, G moll. Op. 67. Var- 

- tilion. -3 Thlr. 
— . 6me Smfonie, F-Aur. Op. 6a Partition. 3 TRlr. 
Bo i e 1 jd i e.u , Ouvcriure Ae i/0|>era : La^ baind bladcbo 

pour OrcLestre. , ' ." » 

K a 1 1 i'W fl a , Sinfonie a g^rand Orchestare 3 Tftlr. 

lib be, Ouverture a gi^and Orcbestre.* »a Thlr. ts Gr. 
li u r p i n s }i i , Ouveriurc de TOpcra : Ralniora a ^and 
' OrelK'Stire. Op. 14. ^ 1 'I'hlr. 8 Gh 

IVeuliomiTi ,.S., le licros, OuYcrtux'e a grand OrcliOt 

sue. Op. 45. . .1 Tklr. 8 Gr. 

Fiir Bo'oeninstrumente* 

° ...... 

BiTillot, 3: Nocturnes poi^r Violon ct Pianoforte. . 0«. 

^5. , . lb Gr. 

Crcmont, P., 3 Trios cone, ct'faciles pour, a Violons 

et Ako ou ViolonceUe. Op. i3. 1. TUn 8 Gr. 

0^1 slow, ^G., 3 Quat. p. a Violons, Alto et Bksse. O^. 

8. ame Liv; de ui\atars. (Nbuvt»Ue 4§dition av«c cliau- • 

genifiiM faits par rAuteur.) " 3 TWr. 

(Jedes der 3 Qusnctetten 1 Thlr.) 

«- 3 'Oaatdors ^penr a Violons y Alto et Basse* Op. 9. 

■3tne Xiiv. de Quatuors. % Thlr. .13 Gr. 

.Rx>lJa, Ant. fiis, xer Concerto pour^l^iolon* avec Or- 

chestre. Op. 7. . ; * Thlr. 12 Gr. 

— Variationcs brillantes pour Violon avec TOrchestrc. 
Op. 8, ' 1 Xhlr; 8 dn 

Speier, GuilL, Quintetto pour a Yidlons, a Violes ^ 
Vio^loncelle. . Op. 17. \ Thl»; ^Gr. 

Aubert, 3 Sonatines pour Violoncelle ayec accompag- 
. ncmcnt de Basse obligee. Opi B'-^. Lly.Ck , - , 16. G^^- 

-liaoii, J, ^. , 6 Solos (Suites) poujp le Violbnceilc, piib- 
lies par DotTiaucr. .. ' , . 1. Thlr. 

6 c ban or, 8 Themes eonnus p^-ur Basscy - 8 Gc. , 

^lerk, J., I or Concerto pour Violow>eIle arec nicoin- ; 
l>(i*ntjment de rOrchfeslre. Op.^^. /\ % Xi4r. li* Gi./ 



,< 



«J^ 



■"^ Tik' — **• 



^Hk 



fierbi^uier) Fanta^ic et V«in«tions pour flutQ avec 
aecontpagnenieat d'Ordicstre sttr la Ilomancc : La fian- 
cee. Q^ f^p 1 Thlr. 4 Gr. 

— , '9o^ a^ec acroin{>agiiement do Finnoforte 'i4 Gr. 

*-^ lune ConccHo pour la Mute airffc accompagnemmif 
d'0r<ih]d8trc. Op* 74. '3 Thlr. 4 6r. 

"p- 3 2>uoa concertana pour Flute cl Violon. Op, 76. 
anre Wv. de Duos, ^ ' \ ' *• 1 Tblr. la 6r. 

— ~ grande Fantaista awe Variations pour )a Flu^ avec 
acc; dc Pt»»ofort0. Opj* ^7. 16 '6r. 

•-«, jE*aBtaiflie pour )a Flute avec aecompa^emetiit d-Or- . 
' ehestre sar la Romaifice de Charlaa 'de ^^ace, dite : Lea 
: Clieratiera dc In Fidelite. Opi. 78. » • 1 TJilr. 

V^ tfoo^, Fantaisic pour Flute arec Ffeaofocle* -^p. 

Berbignier «t Gaslil-Blaa^e grand Duo arrange 

p.Piaiio£ et' Flute, tfrc dsafJeuTrcs dc 8teibelt*.i Thlr. » 
FjUrstent^ja, A. B. « 3 {grands Solos pour la Flute aVee 
. a^compagnemeut. de Fianolbrte. Op 37. No. 1. 2. 3. 

a ao Gr, 
•««v Honde brillant pour Flute avec accompagnenient d& 

rOrche^trc. 0|^. 33. ' 1 Thlr. 4 Gr. 

^,« -.^ do. a^CG accompagncmcnt de Pianoforte. Op: 

38. ' la Gr. 

w Ouatttor brillant pour Fliite, Violino, Alto «t Viplon- 

celic. Op. 39. . . i Thlr. 

-4i 4^^^ Concerto pour la Flute avec ace. de eraad t>r- 

chestre. Op. 4<^« a Thlr. 16 %t 

'*" D<K arec acc4>nipagnemcnt do Piaiaof. 1 Tdr, 

i^ Concertino pour a Fiulcs ^rincipales av<^c aecompag- 
vnemejoV de grand Orchestre. • Op. 4i' ^ TMr. 

— * Do. avce accompagnerocnt de. Pifinoforte 1 TJUr. 

H ol i no y F. , ad Nocturne pour Fii^te on Violbn «t 6ui. 

tarre. Op. 38. ; ,8 Gr. 

Tttlou, Air Yprie pour la Flifte avec aocoinpagnemcnt 

rOrcliestre. O^. 39. . 1 Thir. 4 Gr, 

— Do. avec accompagnoment dc Pianoforte. 1^ Gr. 

Vogt, Airs varies pour Flute et Pianofortir. Liv, 3. 8 Gr. 
B.armann, H.« Concertino pour la Clarinettc avec ac" 

comjp, 4© FOrchestro. Op. 3i. 1 Thlr. 16 Gr. 

Miillery F. , F^ntaisie pour la Clarinette sur un ehant 

p#st^ral df I Suisscs avec atspompragnemcnt de . l'Or<> 

chestre. ^ 1 Thlr. 

—i trtrodnction et Then>e varie pour la Clarinqtte avec 

/ accon%pagnementd(^a Violons, Viola et VIoloncttlte. t6Gr« 

— ' Do. avec accoinp* de PianoA"»rte. 13 Gr. 

}&uninier, Concert pour le Basson avec accompa^ne- 

ment de TOrchastre. Op, 27. 3 Thlr. 

I(Icrjo> Rondo ppnrJe (Jor avec accomp. do a Violonsi» 

Viola, Flute, a liautbois, % Cors *t Bawc, 



— 45 ^ , ■ . ~ . 

M e j o , Variat. potiir FMkte , « HHutbois ,3 Ctar Jneltcs , 2 
Corsy 2 Bassons, Serpent ct Trombone ad lib. 



Far Pianoforte, 

B a ail e 9 F. , grande Sonatc pour le Flaiioforte« Op. • 

6. . I Tblr. 4 Gr. 

Boieldijeu., OuT€rture de l*Opera: La Dame blanche 

pour le Pianoforte ( avtec Violon ct Vkvloncello ad lU 

bUum). i6 Gr. 

Bo^yneburgk, F. v., 12 Walses p.Ie Fianof. a 4 mains 

pour les Commcncans." Op. 18. 12 Gr. 

7- Potpouvri pour Pianoforte et Flute. Op. ^9. 1 Thlr, 
Bornhardt, 6 Sonatines facllcs pour Pianoforte et 
Flute. Xiiv, 2 ct 3. a 16 Gr. 

Duvernoy, Quadrille ct gr. Walse pour le Pianoft 

10 Gr* 
G6tze, C. , Variat. plaisantes et faciles p. Ic Pianof. et 
• Violon ou a VJolons sur dcs themes do Mocart, Ghc- 

rubini ct C. M. de Weber. Op. 2^ 1 TMr. 

♦-:- TEspagnole ct 2 Polonaises pour le Pianoforte a 4 

mains. Op. 21. / 16 Gr* 

Giiillouy Air Tarie pour Pianof. et Fliite. No. 3. 10 Gr. 
Hallibrenner, Souate p. le Pianoforte* avcc Flute 

(ou Violon) et Violoncelle ad libit. Op. 39. 1 Thlr. 

— Bondo pour le Pianof. lire de TOpera de Mo/.arl: 
. Le Nozzc di Figaro. Op. 57. 

•— (nouTclle) gr. Sonate pour le Pianoforte a 4 mains, 

(dediee a M. Onslow.) Op. 80. 3 Thlr, 

*— Ouintetto pour le Pianoforte, Violon (ou Clarinclto, 

Viola (ou Cor), Violoncelle et Contrebasse. Op. 81. 

2 Thlr. 8 Gr. 
Her old, Rondeau Walse pour le Pianof.- Op. 34, 10 Gr. 
Hlo8«y C, Sonate pour le Pianoforte. Op. 23. 12 Gr. 
Kummer, grande Fantaisic pour Pianof. ct Flute (ou 

Violon). Op. «6. 18 Gr, 

Maurer^ Ouverlure de TOpcra: La Fourberie docou- 

vcrte, pour le Pianoforte a 4 niains, ^ 16 Gr^ 

Mchul, OUverture dcs 2 Aveugles de Tolede, pour le 

Pianoforte a 4 mains. • .12 Gr» 

Oftslow, G., Toccata pour le Pianoforte. Op. 6. 8: Gr. 

— gr. Duolpour le Pianof. a 4 ms. Op. 7. 1 Thlr. 6 Gr. 

— 3 gr. Senates pour le Pianoforte avce accompagne- 
mcnt de Violon oblige. Op. 11. 2 Thlr* 12 Gr* 

(jede der 3 Sonaten 20 Gr.) 

-i- Varialions sur la Romance: Charmante Gabriellc, 

* pour le Pianoforte. O^. 12, 8 Gr. 

— Introduction Variations et Finale, sur TAir: Aussitot 
que la lumiere,, pour le Pianof. Opi i3. 12 Gr. 

— gr. $on((te pour le Pianoforte fttec accompaancmetit 
.dU Violon oblige. Op. i5. \ Thlr* 8Gr. 



I 






• . i 



I 

/ 



^ 46 - 



'I' 



Onslpw, G., Sonaie p. Piaiiiif..et VlolQp. Qp. 29. 

. I *i Thlr. 8 Gr. 

— J5extuor pour Pianoforte, Fldte, Glarinettei Cor, Ba«- 

son et Contrebasseon 2 Yiolpns, Viola, Vcelle et Con- 

trcbassc. Op. 3o. - 3 Thlr. 13 Gr. 

P a 8« y , Fantaisie^pour le' Piasoforte sipr^des Airs natio^ 

naux Suedois * 1 "TWr* 

-^ Variations Fiigwc pourlc Fianofoi*te. 12 Gr. 

Sch'lo^^scr, ^onrite pdw le PranofoWe Op. la 1 Thlr. 
Schwencke, G. , 6 Divcrtissimens pour le Pian^orte. 

Op. la. Liv. 3. 1 Tlilr, 

Sergei, F. W., Rondeau 'pour le Pianoforte et Vio-^ 

Ion. Op. aSi . 12 Gr.' 

F,isclier, M. G. (in Erfurt), 8 CborUe iftit l^egleftea- 

den Canonsi'. i6$.\Terl(k ' 8 Gr. 



Fur Guitar re, 

Garulli, F. , iMorceaux progrcssifs potir la-Guitlirre m 
Tusage des Commen^nts. Op. 364* ' 12 Gi^. 



Fiir G'e sans. 



O" 



« * 

HUtt^cl, Atalia, Oratorium. Im' Klavierauszng von 
, Clasin^. .5 TW. 

K r e u t z c r !, Conr. , Lieder ^ und- Balladcn von Uhland, 

Diit Bogleitung des Pianoforte, is Heft. ^ ^ 

,*- Do Do. 28 Heft. - 

3N[ e u li o^n m V S., Los qnatre. Antiennes d la S. Viergc 

poiir 3 voix egaUifs. j^Alma redemptoirs mater,— 'A ^6 
* Begin a — Re f* ilia c.ocli — Slilve Hegind — ). Op. 44. 8 Gr. 
— 6 Lieder mit Bcgieitungdcs Pianof. Op. 46. 1 Tblr. BGr. 
Nicol a, 3 Gesiinge init Begleitung iles. Pianof. 10 Gr. 

B, Schott^s Sbhne nehmen I}estpHungen qtij. die vorste- 
heni at7sezeigten tf^erke ait. 



Gesucli um Anstellung als Waldhorxlist^ , 

r 

Ein junger Mann der gegenwSrtig noch Mit- 
^lied eines gluten Orchesters ist^ sucht Familien- 
YerhSltnisse haiber als Waldhornist cine and erVvei- 
tigo Aristellang. Nahere Auskunft hieriibeK giebt 
uiiter portofreien Briefen d^r Ilexr Jlapelimeist^r 
iij^olir in Gassel. 

- i H ' \ m ill I I I IW 



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, * 



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M u s i k a 1 i e n 
tv e 1 c h e i m V e r 1 a c • 

G a r 1 G u s t a.v F 6; r s t <; r 

i n' B r e s I a u 



von cler Ostermcsse iS-zS, bis Ostermessc ]8a6 

erscliieneu sinct* 



A* 



Argely Ti. , Gcsange auv^em Vaudeville: „clie Sdi net- 
it tinndmseUs'^ mit iiegloitung der Guitarro eingericiilct, 
voii Mag. J. T. Lchmann. li Or. 

B e r n c r fJ W. , Neuer Sehnsuchts - Walzer ^r das, Pia- 
noforte eingenchtet, von A. Hesse. 2 Or. 
der^eibc auf 4 Hande. . 4 Gr. 

.— iiber den Sternen, r on Agnes Franz, unter den Ster- 
nen, von E. Kudrass, '^'Lied^ip' mit Begleitung des.FiA** 
noforte. ^ - ' ' ^ 8 Gr. 

— dieseibcn mitB'egleitungder'Guitarre eingerichtet, von 
F W. Gabriel. 8 Gr, 

r— 3 Gesange fiir 2 Soprane, 1 Tenor und 1 Bassstimme, 
^ rail obtigatei' Bcgleituhg dos Pianoforte* i Thlr. laGr. 
Blumenltfauz musiKalischer , oder Unterbaltung am Pia- 
' noforte, elne Sammlung leichter und gefalliger Musik- 

stuclie, lies Bandclisn, . 1 Thlr. 

Favoril- Contra -Tanas f&r das Pi«noforte.> 4 Gr. 

Favorit Galopp fiir das Pianoforte. 2 Gr. 

Fr bin melt, Polonoise nal-h der Ouverliire zur Oper: 

;,Don Juan** fiir das Pianoforte.* 4' ^r. 

Kallibrenncr F. , Seherzando arrange a 4 mains. 6 Gr. 
R e g 1 e r , Marscir der Griecben fur das Pianof. 4 Gr. 
Ketz J. E. , Variationen fiir cine Flole iiber die Boman- 

ze aus der Oper Euryanthe : „unter blilhonden Mandel- 

baumen**, Op.' 98. 4 Gr. 

— Variationen fiir das Pianoforte, iiber den schlesischen 
Trompclon-Walzer, Op. 99. 'lo Gr. • 

Kohlcr Ernst, Ge&chwind - Marsch fur das Pfte. 4 Gr. 
licbmann Mag. J. T., 4 Bondeaiix^par M. Guiliani ar- 

— ranges en maniere facile ct agreable' pour Pianoforte ' 
ct Giiitarrej Cab. 2. . 12 Gr. 

Mil Her Wi, Arictte aus l3er Oper AKne: „Nocb einm^l 

die sclione Gegend etc.*S Blavierauszug. 4 Gr. 

diesclbc mit Begleitung Her Guitarre. 4 Gr. 

Poliak) 6 tiedcr mit Begleitung der Guitarre. 8 Grr. 

S c h n a b e I Joseph, Morgcngesang fiir 4 MannerStim- 
incn, ohne Be^leitnng.' 8 Gr, 



• 



1 1 



I ' 



— 48 



Scbnabel Joseph, Al^endgesang fiir 4 HanneVstim- 
men , oliue Bcgleitung. 8 Gr. 

Schnabel Joseph (Solin) , 5 Variat!oncn ftk* das Fla- 
nof. 9 liber das Thema : ^^Ati Alexis, send* ich dich etc.^, 
Toi^ F. H. Himmel. ' 6 Gr. 

Si?4i o n r i n g JJ P. ,< Adagi6 and PdonoUe ftir das Fiano* 

. forte und Guitarrc. 6 Gr. 

«^ Sonate fchrvptanof. untl 6aitarrc oder Violine. t^ Gr. 

Zarzycki M. ▼•» Polonoise^, arran'gee a Mains par Gros- 
8er# ' 6 Gr. 

Zclter F., H;^inne zum Gebiirtsta^e Sr. Majestat dea 

■ Kohigs Friedrick WiLbelm ILL, gedichtet von Heincke, 

fur 4 MSnnerstiminen. 6 kr. 

B» Schott*sSi^hne nehmen Bestellungtin duf Aid voriUihenJi 
ungezeigtbn PJ/ierke an, ^ 



MbiMb 



1 

M' u s i k - A n 2 e i g e< * 

Kirclmn-Compdsitioneii von Jos« SchnabeL 

. Der Cntersetcbnete Ist entsolilossen% einige Kircben* 
' Compositionen des HerAi HapeUmeistcr 

J o s e p K S c h n a b e I 

in Breslau (in ein^elnen Stinun^n) berauszugeben, and 

ladet biarmit zur Stibscriptlon daranf ergebenst eln« Da 

' 9chon ISngst in dei^ niitsilialischen Welt nur eine Stimnie 

dariiber berrscbt, dasd Herr Sc'hnabel in seincn Wer- 

Jten t^riinclliehkeLt undHarmonie mit den lleblichsten-ond 

ansprecbendsteu Melod]|n terbindet, so bedarf es anstatt 

einer prunUvoIlen Lobpreisun^ nur dieser cinfacHen An- 

'zcige, um fiir das Unternebinen Interesse su er^ecken. 

Das erste bcrauszugeben^e Werli ist eine klcinere 

Messe in f*molt^ fiir i^ Sings timmen, 2 Violinen^ P^ioh, , 
2 Clarinette, 2 Horn uiut Or get, 

Der Druek derselben bat bet*eits besonnen^^ imd soil 
das W0rk bi^ Ende May an die resp* Sooflribenten'gelie- 
fert .werden. ^ . ♦ 

Da die Bogen^nbl noch nicht ^enau bestlmnif werden 
kann , so wird liur beincrkt , dd^s der gedrnckte Bogch 
9 i/d.Sgl. ahge^etzt worden, wekher Preis bis zu £r> 
aebemen des fol^mden Wcrkes bleibt* ^worauf dann aber 
d^r sdwobniiche Ladenpreis iron ^ SgL fiir den Bogen 
eititritt. . '. . 

Subscription nebmen atle Bucb - und Musikbandlungen 
an y tnsbesandere die ' Grossb^rzogl. Hessiscbe Bofioiusik' 
handiung der Herren B. Schott'a 8dbne in Mainz. 

Broslaa den 1. Marz 1826* . 

Carl Oustav Fdtster, 



— 49 r- 

I 

A V i 9 a u public. 

' 'D 1 i m p i e 

grand OpSra de M. Spontini 
Grande t*ajrtitioa, Air» i^i^par^s, Harmoiuei iet<> 

INoUB croTons devoir annoncer an public que I'Op^r^ 
d'Olimpie parait en ce moment a notre mdgasin de^ut 
siqu^ ' noud ne doutons pas dti plaisi'r avec lequel tous 
les a^iateurs de bonne musique rccevront ce nouvel 
ouvra^e de M. Spontiini: Ja gr^nde Partition ^ les Airs 
a^pares, PHarmonip, ^tc, etc, que nous faisoAs graver^ 
aeront mis en rente successivement apres la premiere 
reprifesentation que Pen prepare. M. Spontini est ^ccup^ 
a diriger cetle reraise, en m^me temps quit rev pit son 
manuscrit que nous publierons avec les correction^ et le« 
Boui^eaux eUaDgemcni* 

F. E r a r d 
liuQ du^ Mail no. ij. 

ifouveaut^s* 

' buTetture d^Olimpie, pour le Piano. 

Id. id. a grand Orchestre. 

T^ous les Airs .avec accompagnement de Piano -Forte. • 

HeVz et LalV>nt$ Variations sur FEnfant du R^glmenh 
Piano et Violon* 

Yogel) Tariations, Piano et Violouy sur un theme de la 
Bergere Chatelaine.' 

BIgel t grand Quintettp pour le Piano , 9 Violons, Alto et 
' fiasse. 

Hummel : Rondo Brillant ppur le Piano, Op. 109. 

Czerny; trois Allegri, pour le Piano, Op. ^5. 

Sony eaux, Airs et OuTerture de BeniowshI, Piano. 

la Barre; Fantaisi? pour la Harpe, sur Fa^r Ombra ado* 
rata. 

F, Erard, • 

B. Schl$tt^s Sdhns nehm§n Buulbmgsn mtf di^ v'ortu* 
hmd angezeigten ff^erks an* 



InXtlDl^H^lli s. d. 4. (sad, a. CicUis^ S 



» f 



— 50 — '. 

Einladang - zur Subscription 

auf eine 
mit Moiarts und SUssmajrcrs Manuscripten 

vergliehene Partitur 
d e 8 

J-^a man Ton hiir, Atr icli im Jahr 179^ sKmmtiicl&e hia-. 
terlassene Manuscri;pte Mosarts von smer Frau Wittw« 
ceKauft habe^ iUbeirseugt seyn licnnte, da89 ich bey dieser 
SrelegenheitV wonicht ^as Manuscript seines Requiem 
aelbst, doch nShere Auskunft fiber dasselbe erfaaUen ba- 
ben wUrde, und da es aucb bin und wilder im Publikum 
bekannt geworden war* dass icK wirklich vin Exemplar 
dieses Requiem besit^e, in ^relcbem die, von Mo«art, und 
die von Sussmayer, herriihrenden Stellen angegeben seyen ; 
so ist es sehr begreiflicb , dass ich von mehreren Seitcn 
aufjgefordert vnirde, uber die, von Gfr* Weber, im 11. 
Hene der Zeitschrift CHeilia, liber die theilweise Achtheit 
dieses Werkes erhobene Frage, meine Meinung ofifentiicb 
au8«ur.«rechen. 

Icb hatte, obgleicb Shnlicbe Aufforderun^gen schon fru- 
her an miclr-geldngt waren, bisher iramer Anstand genom- 
men, denselben ku entsprecben, weil es mir von Mozarts 
WittVre bis jetzo nur alsein Gehetmnias anvertraui, 
gewesen war, wie viel Antbeil Moeart und wie viel Siiss- 
mayer an dieser .Composition babe. , 

Da mir jeddcfa nunmehr vor Kurzein von Frau Staats- 
rath Gpnstanze Nissen, vcrwittweten Mozart, auf V^eranlas- 
sung der erwahnten Weber^schen Anregong, die AufTor- 
derung zugegangen ist, die erhobene Frajge durcb eine 
olfentUche' Bekanntmachung lu^schlichten, mdem ich die- 
ses, durch Herausgabe mcines, im Jahr 1801 von ihr be- 
sogenen Exemplares, ja vevmoge; so' sciee ich hiermit 
vorlaufig an, a ass ich dieses nunmebr wirklich 
«u thuh im Be^rifte stehe, 

Ich babe i^amhch. im Jahr 1801 » ,von Mosarts Wittwe^ 
kugleich mit ihrem firiefe vom a5. Jenuar genannten J^ih- 
res 9 ein ^xempl^i* des Requiem erhalten^ welches von 
Herrn Abb^ Stadler in Wien mit dem, von Sussmayer 
ergansten, Mozarfschen Originale vergljcnen worden war, 
und in we)ch^m« mittelst Beischreibung der Btichstaben 
ilf, und «S, alle Stellen bezeichnct siiid, welche entweder 
Mozarten , oder ^ Sussmay ern ang^ehoren. Sie fibersandte 
mir zugleich jenes durch Stiissmayer ergfinzte Original- 



r ■ . 



— 51 — 

Manutcript selbst, damit icli , durch Vorgleichune dessel- 
ben mit aem durch die Buchstaben M^ und <S, oezeicli- 
neten Exemplare^ mich uberseugen konne, dads Urn. 
Stadiers Anfeichnungen dui*chau8 der Wahrheit gem ass 
seyen, Alles, wie schoa erwiihnt, damals unter dem Sle». 
gei der Verschwiegenheit. * 

Dieses also beseicbnete Exemplar, in welchem Hr. 
Abbe Stadler auch xugleicii die Generalbass • Besifferung 
beygefugt hat, ist es, welches ich im Begriffe stehe, obiger 
Auffdrderung dor Frau Sttaatsrath Nissen gemass, nslch- 
stens auf Subscription in ineiner Verlaghandiung , Firma 
J. Andrd in Offenbach a. HI. herauszugeben , und mit ei- 
ner Vorrede f u bogleiten , welche darthun wird , d a s s 
dasjenige, was ven diesem Bequiem Mozairten 
selbst angehort, ein^ scfaon vor dem Jahr 
1784 angefangevie, fiber liegen gelassene 
Composition ist. *) 

V flTjF^ Der voile reirne Ertrag der Std>seription, welchexf 
ich arfSlnglich der in Salzburg noch lebenden, ySjahrigen, 
hlinden Schwester des unsterblichen Tondichters, (dersel- 
ben , mit welcher er schon als Kind von 7 Jahren , im 
Jahr 1756 , seine erste Kunstreise machte ) ^zugedacht hat- 
te, ist nunmehr, diirch deren edelmilthige 'Willenserkla- 
rung vom 3i* vorigen Monates, fiir die bey den Soh- 
^e^ed Verewigtsn be^timmt. 

Das Werk wird den Subsoribenten zu 3 BthL ==. 5 fl« 
a4 kr. geliefert 9 und zur *nachsten Jubilatemesse erschei* 
nen. . ^ 

Ich ersucbe Jede solide Bucl\|SM>der Musikhandlung , 
Siibscription anzunehmen und di^ Bedactionen in- und 
audSndiscber offentlicher Blatter, die gegenwartige An* 
seigip unentgqltlich aufzunehmen und auch in Ihrem Krei* 
•e die gute Sache weiter zu empfehlen. « 

Offenbach a. M. im Monat Februar iSau. 

. At Andre, 

B, Sthot^s Sdhne in JMLainz nehmen Bestellungen an. 



*) Vergl. Caciliaj Heft 16 S. a86.